Als Ausgangspunkt für die Frage nach der Vertretbarkeit von Abtreibung und Euthanasie stellt sich für Singer die Frage nach der Tötung von nichtmenschlichen Tieren. Schon in der Bezeichnung des nichtmenschlichen Tieres ist enthalten, dass Singer den Mensch als menschliches Tier sieht und somit keine klare hierarchische Struktur präferiert, wie sie beispielsweise das Christentum propagiert. Im Gegensatz zu diesem stellt er die Frage, ob ein nichtmenschliches Tier eine Person sein kann.
Seine Argumente sollen im Folgenden dargestellt und hinterfragt werden. Des Weiteren wird ein aktuelles Beispiel gegeben, welches seiner Theorie folgt, sowie eine Gegentheorie dargestellt. Abschließend wird in einem Fazit die Überzeugung von Singers Darlegung abgewogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Kurze Einleitung
2. Kann ein nichtmenschliches Tier eine Person sein?
3. Ein aktuelles exemplarisches Beispiel: Das Great Ape Project
4. Eine Gegentheorie von Carl Cohen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Ausarbeitung untersucht die ethische Fragestellung, ob nichtmenschliche Tiere als Personen im Sinne Peter Singers definiert werden können und welche Konsequenzen dies für ihren moralischen Status hat.
- Der Personenbegriff nach Peter Singer und John Locke
- Kommunikationsfähigkeit und Bewusstsein bei Menschenaffen
- Kritische Analyse des Great Ape Projects
- Die moralphilosophische Gegentheorie von Carl Cohen
- Das Kriterium der Leidensfähigkeit vs. moralische Autonomie
Auszug aus dem Buch
Eine exemplarische Gegentheorie von Carl Cohen
Außer Kritikern am Great Ape Project gibt es auch Gegenpositionen zur Gleichstellung von Tieren wie die des Philosophen Carl Cohen, von dem ein Ausschnitt seines Textes Warum Tiere keine Rechte haben im Folgenden dargelegt wird. Schon im Titel zeigt sich, dass Cohen die Begründung einer These liefern möchte, die allgemein gültig und unveränderlich klingt. (Er könnte auch schreiben: Warum Tiere keine Rechte hatten, haben und nie haben werden.) Laut Cohen ist „[…] der Begriff des Rechts seinem Wesen nach auf Menschen bezogen […]“. Begründet wird dies durch die Kategorie der Moral, welche dem Menschen eigen und Auslöser für das Recht ist.
Sich als Gegner der Tierrechtsbewegung positionierend, legt Cohen den Schwerpunkt in Anlehnung auf Kants Vernunftbegriff auf das moralische Handeln als Unterscheidungskriterium, da jenes laut ihm dem Mensch eigen ist. Dieses ermöglicht es den Menschen, Prinzipien und Regeln für ihr Verhalten aufzustellen, welche von anderen Menschen nachvollzogen und befolgt werden können. Menschen können ihr Handeln beurteilen und sich nach Abwägen der Konsequenzen entscheiden. Auf diese Weise werden moralische Entscheidungen getroffen und moralische Urteile gefällt. Der Versuch, unrechte Handlungen zu unterlassen, bindet das Individuum in die Gesellschaft ein. Diese Unterlassung geschieht im Gegensatz zu Tieren laut Cohen nicht nur aus der Furcht vor den Konsequenzen, sondern wegen den dem Menschen innewohnenden moralischen Regeln, nach deren Prinzipien sie leben und denen sie ihre eigenen Vorteile unterordnen. Daher, so Cohen, können nur diese Gemeinschaften, welche ihre eigene Freiheit zugunsten selbst erdachter moralischer Urteile einschränken, Rechte besitzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kurze Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Tötung nichtmenschlicher Tiere ein und hinterfragt die hierarchische Abgrenzung zwischen Mensch und Tier.
2. Kann ein nichtmenschliches Tier eine Person sein?: Dieses Kapitel analysiert Singers Definition von "Person" und diskutiert die kognitiven Fähigkeiten von Menschenaffen als Basis für diesen Status.
3. Ein aktuelles exemplarisches Beispiel: Das Great Ape Project: Es wird das "Great Ape Project" vorgestellt und die Kritik an der anthropozentrischen Auswahl von Menschenaffen als Begünstigte der Tierrechtsbewegung beleuchtet.
4. Eine Gegentheorie von Carl Cohen: Das Kapitel stellt Carl Cohens Position dar, welche moralische Autonomie als exklusives Kriterium für den Besitz von Rechten definiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die divergierenden Ansätze zusammen und stellt abschließend die Bedeutung der Leidensfähigkeit als universelles ethisches Kriterium heraus.
Schlüsselwörter
Praktische Ethik, Peter Singer, Person, Tierrechte, Great Ape Project, Carl Cohen, moralische Autonomie, Leidensfähigkeit, Präferenz-Utilitarismus, Menschenaffen, Anthropozentrismus, John Locke, Vernunft, moralische Gemeinschaft, Tierethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ethische Rechtfertigung von Tierrechten, insbesondere unter dem Aspekt, ob nichtmenschliche Tiere als "Personen" eingestuft werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der Personenbegriff in der Philosophie, die kognitive Leistungsfähigkeit von Menschenaffen und die Abgrenzung von Moral und Recht durch Kant und Cohen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Singers Theorie der Person auf Tiere anzuwenden und diese kritisch mit gegenteiligen Positionen, wie denen von Carl Cohen, zu kontrastieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Analyse und Literaturarbeit, die zentrale Positionen der praktischen Ethik kritisch miteinander vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Personsein, belegt diese mit empirischen Beobachtungen bei Menschenaffen und diskutiert Cohens Forderung nach moralischer Autonomie als Grundvoraussetzung für Rechte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Person, Präferenz-Utilitarismus, moralische Autonomie, Great Ape Project und Leidensfähigkeit.
Warum wählt Singer ausgerechnet Menschenaffen für sein Projekt?
Laut der Arbeit ist dies strategisch begründet, da Menschenaffen dem Menschen genetisch und in ihren affektiven sowie kognitiven Fähigkeiten am nächsten stehen, was Empathie fördert.
Was entgegnet Carl Cohen der Idee von Tierrechten?
Cohen argumentiert, dass Rechte nur in moralischen Gemeinschaften existieren können, in denen Individuen ihr Handeln moralisch beurteilen und Prinzipien unterordnen können, eine Fähigkeit, die er Tieren abspricht.
- Arbeit zitieren
- Marie Welsche (Autor:in), 2015, Kann ein nichtmenschliches Tier eine Person sein?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435412