"Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will." Der Wille zum Leben ist das am tiefsten verankerte Bedürfnis jeder Kreatur. So lautete die Überzeugung des großen Urwaldarztes Albert Schweitzer (1875-1965). Der deutsch-französische Arzt, Theologe, Philosoph und Organist sah diesen Willen zum Leben als Anlass (und Antrieb), eine Philosophie der Ehrfurcht vor dem Leben zu praktizieren. Dabei weitet Schweitzer die Perspektive:
Nicht mehr das menschliche Leben allein, sondern die gesamte Schöpfung rückt ins Blickfeld seiner Betrachtung.
In der Tradition des Christentums, an dem Schweitzer sich lebenslang orientierte, spielt die Bewahrung der Schöpfung eine herausragende Rolle.
Franz von Assisis "Sonnengesang" steht exemplarisch für diese christliche Ökologie, die sich einen Satz aus dem Markusevangelium zum Programm gemacht hat: Die größte Botschaft, welche die Welt je gesehen hat, der ganzen Schöpfung zu verkündigen... "Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!" (Mk 16,15)
Inhaltsverzeichnis
A Einleitung
B Ehrfurcht vor dem Leben
B.I. Albert Schweitzer – Die Person dahinter
B.I.1. Schweitzers akademische Laufbahn
B.I.2. Urwaldarzt in Lambaréné
B.I.3. Die Eingebung – Ehrfurcht vor dem Leben
B.II. Schweitzers Philosophie
B.II.1. Systematische Annäherung
B.II.2. Philosophiegeschichtliche Einordnung
B.II.3. Spezifika von Schweitzers Ansatz
B.II.4. Synthese ethischer Grundeinstellungen
C Wandel in Philosophie und Wissenschaft
C.I. Erkenntnisse der Naturwissenschaften
C.I.1. Beobachtungen der Verhaltensbiologie
C.I.2. Bedeutung für die Ehrfurcht vor dem Leben
C.II. Gesellschaftliche Entwicklungen
C.II.1. Intensivtierhaltung
C.II.2. Folgen industrieller Tierhaltung
C.II.3. Auswertung dieser Erkenntnisse
D Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Albert Schweitzers Philosophie der "Ehrfurcht vor dem Leben" im Kontext des 21. Jahrhunderts. Ziel ist es, die zentralen Aspekte dieser Ethik herauszuarbeiten und zu erörtern, inwiefern sie durch heutige wissenschaftliche Erkenntnisse sowie veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit Tieren und globale Herausforderungen, ergänzt und aktualisiert werden kann.
- Die Person Albert Schweitzer und die Genese seiner Philosophie
- Systematische und philosophiegeschichtliche Analyse der "Ehrfurcht vor dem Leben"
- Die Bedeutung komplexen tierischen Bewusstseins für die Ethik
- Gesellschaftliche Herausforderungen durch industrielle Tierhaltung
- Notwendigkeit einer interdisziplinären und globalen Aktualisierung der Schweitzer'schen Ethik
Auszug aus dem Buch
C.I.1. Beobachtungen der Verhaltensbiologie
In seinem Werk geht Griffin einführend darauf ein, dass die Wissenschaft im Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts „eine ganze Menge über das Verhalten von vielerlei Tieren unter den verschiedensten Umständen gelernt“ habe. Teil dieses Lernprozesses sei zum Beispiel, dass in der jüngeren Vergangenheit ein zunehmendes Interesse an Fragen nach dem Bewusstsein der Tiere entstanden sei. Besonders manifestiert habe sich diese Entwicklung in einer Reihe psychologischer Laborexperimente mit Tieren, die Ende der 1970er/ Anfang der 1980er Jahre der Öffentlichkeit bekannt wurden.
Ergebnis dieser Untersuchungen sei es gewesen, dass viele Psychologen inzwischen einen rein behavioristischen Ansatz zur Erklärung tierischen Bewusstseins ablehnten. Der Behaviorismus sah das Verhalten von Tieren lediglich unter dem Aspekt eines Reiz-/Reaktionsschemas gegeben. Demgegenüber – so Griffin – entdeckten Psychologen anhand derartiger Laborexperimente in der heutigen Zeit immer mehr eine „Komplexität und Vielseitigkeit im Verhalten der Tiere“. Gemäß den Anforderungen einer naturwissenschaftlichen Argumentation liefert Griffin auch Beweise für diese Beobachtung: so führt er etwa eine Reihe von Experimenten mit Affen an, bei denen diese hinter ein Gitter gesperrt wurden. Von diesem Platz aus schauten die Affen dann zu, wie der Experimentator unter eine umgedrehte Tasse ein Stück Banane und unter eine andere Tasse ein Salatblatt legte.
Zusammenfassung der Kapitel
A Einleitung: Die Einleitung führt in die anthropozentrische Problematik des aktuellen Umgangs mit Tieren ein und stellt Albert Schweitzers Ethik als innovativen Gegenentwurf vor, der im Licht moderner Entwicklungen neu zu bewerten ist.
B Ehrfurcht vor dem Leben: Dieses Kapitel widmet sich der Biografie Albert Schweitzers sowie der systematischen und geistesgeschichtlichen Fundierung seiner Philosophie, wobei insbesondere der Wille zum Leben und die Bedeutung aktiven Tuns hervorgehoben werden.
C Wandel in Philosophie und Wissenschaft: Der Autor untersucht, wie verhaltensbiologische Erkenntnisse zum tierischen Bewusstsein sowie kritische Analysen zur industriellen Tierhaltung die notwendige Aktualisierung und globale Erweiterung der Schweitzer'schen Ethik begründen.
D Schlussfolgerung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Schweitzers Philosophie für ihre gegenwärtige Relevanz eine konsequente, interdisziplinär informierte Neujustierung benötigt, um ihrer globalen Verantwortung gerecht zu werden.
Schlüsselwörter
Albert Schweitzer, Ehrfurcht vor dem Leben, Anthropozentrismus, Ethik, Tierschutz, industrieller Tierhaltung, Verhaltensbiologie, tierisches Bewusstsein, Welthunger, globale Verantwortung, interdisziplinäre Ethik, Lebenswille, Mitgeschöpfe, aktives Engagement, Mensch-Umwelt-Beziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Philosophie der "Ehrfurcht vor dem Leben" von Albert Schweitzer und prüft deren Anwendbarkeit und notwendige Weiterentwicklung für das 21. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die historische Einordnung von Schweitzers Denken, ethische Prinzipien des Lebensschutzes sowie die Konfrontation mit modernen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Merkmale der Schweitzer'schen Lehre herauszuarbeiten und zu zeigen, wie diese unter Einbeziehung heutiger Erkenntnisse aus Natur- und Geisteswissenschaften in eine aktuelle, global relevante Ethik überführt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der philosophische, theologische, verhaltensbiologische und sozialwissenschaftliche Perspektiven verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung von Schweitzers Person und Philosophie sowie eine kritische Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Fortschritten und gesellschaftlichen Missständen in der industriellen Tierhaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Ehrfurcht vor dem Leben, Anthropozentrismus, Tierschutz, interdisziplinäre Ethik, Lebenswille und globale Verantwortung.
Welche Bedeutung hat das tierische Bewusstsein für das Argument des Autors?
Der Autor nutzt verhaltensbiologische Nachweise über komplexes Bewusstsein und Leidensfähigkeit von Tieren, um zu argumentieren, dass Schweitzers Ethik über den Menschen hinaus aktiv auf die Mitgeschöpfe ausgeweitet werden muss.
Inwiefern beeinflusst der Welthunger die ethische Argumentation des Autors?
Der Welthunger dient als Beispiel für die globale Interdependenz, um zu verdeutlichen, dass ein ehrfurchtsloser Umgang mit Ressourcen (wie in der Fleischproduktion) negative Auswirkungen hat, die weit über regionale Grenzen hinausgehen.
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- Tobias Laubrock (Author), 2018, Die Ehrfurcht vor dem Leben. Albert Schweitzers Philosophie im 21. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435463