Ziel der vorliegenden, auf Literatur basierenden Arbeit ist es, einen Überblick zum psychodynamischen Ätiologieverständnis und daraus abgeleitet ausgewählte psychoanalytische Behandlungsansätze zur sozialen Phobie darzustellen. Darüberhinaus sollen kurz, zeitlich nahe, empirische Erkenntnisse in Bezug auf Epidemiologie, Komorbidität, Differentialdiagnose und Evidenz dargestellt werden, um ein Gesamtbild des Störungsbildes der Sozialen Phobie beziehungsweise der Sozialen Angststörung abzubilden.
The aim of the present work, based on literature, is to give an overview on the psychodynamic aetiology understanding and from its derived, well-chosen psychoanalytic attempts of treatment to the social phobia. However, empiric knowledge should be shown briefly chronologically near concerning epidemiology, comorbidity, differential diagnosis and evidence to illustrate a general view of the disturbance picture of the social phobia or the social fear disturbance.
Inhaltsverzeichnis
1 Phobie: Eine kurze Einführung
2 Beschreibung des Störungsbildes „Soziale Phobie“
2.1 Definition der Sozialen Phobie nach ICD-10 und OPD-2
2.2 Komorbidität
2.3 Epidemiologie
2.4 Differentialdiagnose
3 S-3 Leitlinie – Behandlungsempfehlung und Evidenz
4 Psychodynamische Pathogenese der Sozialen Phobie
5 Psychodynamische Behandlungskonzepte
6 Resumeé
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist es, ein Verständnis für das Störungsbild der Sozialen Phobie aus einer psychodynamischen Perspektive zu entwickeln, aktuelle ätiologische Modelle zu beleuchten und psychodynamische Behandlungsansätze vor dem Hintergrund der evidenzbasierten Leitlinien kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen der Phobie und des Störungsbildes Soziale Phobie
- Epidemiologie, Komorbidität und differentialdiagnostische Abgrenzung
- Stellenwert psychodynamischer Verfahren in den aktuellen S-3 Leitlinien
- Psychodynamische Pathogenese-Modelle (Scham, Bindung, Abwehr)
- Supportiv-Expressive Therapie als psychodynamischer Behandlungsansatz
Auszug aus dem Buch
Die kompensatorisch überhöhte Selbstsicht
Hoffmann (2002) spricht davon, dass dieser Mechanismus vermutlich bei der Sozialen Phobie nicht auf den ersten Blick zu vermuten ist. Er beschreibt, dass es sich bei einer kompensatorisch überhöhten Selbstsicht um eine Abwehr überhöhten Sicht auf das eigene Selbst handelt. Es sagt, nach Kohut (1979) handele es sich dabei um einen unbewussten Prozess, bei welchem die Soziale Phobie eine spezielle Entwicklung vollzieht. Das bedeutet, dass das Individuum durch eine verzerrte Wahrnehmung dazu neigt, seine eigenen Ansprüche an diese erhöhte Selbstsicht anzupassen.
Auf die sozialen Aktivitäten bezogen stellt das Individuum also Ansprüche, welche viel höher sind, als es eigentlich notwendig wäre. Beispielweise bei Vorträgen oder Präsentationen will der Betroffene so herausragend sein, dass er alle um sich herum vollkommen begeistert. Diese hohen Erwartungen, welche der Betroffene an sich selbst stellt, führen wiederum zu Erwartungsängsten und erhöhter Anspannung. Diese Perfektion, welche verfolgt wird, führt also nicht wie geplant zu mehr Sicherheit, sondern im Gegenteil zu mehr Unsicherheit, Befürchtungen und Ängsten. (vgl. S.206f) Nach Einschätzung Hoffmanns (2002) ist diese Form der erhöhten Selbstsicht bei Patienten mit Sozialer Phobie eher selten anzutreffen, sollte jedoch von den Therapeuten berücksichtigt werden. (vgl. S.206f)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Phobie: Eine kurze Einführung: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Phobie als archaisches Überbleibsel und diskutiert verschiedene Theorien zur Entstehung phobischer Ängste.
2 Beschreibung des Störungsbildes „Soziale Phobie“: Hier erfolgt eine Definition des Störungsbildes nach ICD-10 und OPD-2 sowie eine Darstellung epidemiologischer Daten und differentialdiagnostischer Kriterien.
3 S-3 Leitlinie – Behandlungsempfehlung und Evidenz: Das Kapitel analysiert den Stellenwert und die Empfehlungen der S-3 Leitlinie bezüglich der Behandlung von Angststörungen, mit besonderem Fokus auf psychodynamische Verfahren.
4 Psychodynamische Pathogenese der Sozialen Phobie: Es werden zentrale psychodynamische Perspektiven wie die Rolle des Schams, des Bindungsverhaltens sowie von Abwehr- und Sicherheitsmechanismen dargestellt.
5 Psychodynamische Behandlungskonzepte: Hier wird die Supportiv-Expressive Therapie als zentraler psychodynamischer Behandlungsansatz detailliert vorgestellt und auf die therapeutische Haltung eingegangen.
6 Resumeé: Den Abschluss bildet eine kritische Reflexion der Ergebnisse sowie die Feststellung eines hohen Forschungsbedarfs für psychodynamische Ansätze bei der Sozialen Phobie.
Schlüsselwörter
Soziale Phobie, Psychodynamik, Angststörung, Scham, Pathogenese, S-3 Leitlinie, Supportiv-Expressive Therapie, ICD-10, OPD-2, Abwehrmechanismen, Bindungstheorie, Psychotherapie, Differentialdiagnose, Komorbidität, Selbstwert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Störungsbild der Sozialen Phobie unter besonderer Berücksichtigung psychodynamischer Erklärungsmodelle und Behandlungsansätze.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben einer allgemeinen Einführung werden die klinische Definition, Epidemiologie, differentialdiagnostische Aspekte sowie die psychodynamische Pathogenese und spezifische Therapiekonzepte behandelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die psychodynamische Sichtweise auf Soziale Phobie zu erlangen und diese mit den evidenzbasierten Empfehlungen der S-3 Leitlinie in Beziehung zu setzen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturbasierte Arbeit, die auf der Auswertung aktueller fachpsychologischer Literatur und medizinischer Leitlinien basiert.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der psychodynamischen Pathogenese, insbesondere der Rolle von Scham und Bindung, sowie auf der Vorstellung der Supportiv-Expressiven Therapie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Soziale Phobie, Psychodynamik, Scham, Supportiv-Expressive Therapie und evidenzbasierte Behandlung.
Warum spielt der „Affekt der Scham“ eine so große Rolle bei der Sozialen Phobie?
Laut der Arbeit ist Scham ein zentraler sozialer Affekt, der bei der Sozialen Phobie oft durch eine verzerrte Selbstwahrnehmung und Angst vor negativer Bewertung durch die soziale Umwelt aufrechterhalten wird.
Wie bewertet die Arbeit die aktuelle Studienlage zu psychodynamischen Ansätzen?
Die Arbeit stellt fest, dass es im Vergleich zur kognitiven Verhaltenstherapie weniger explizite Studien zur psychodynamischen Behandlung der Sozialen Phobie gibt, was den Forschungsbedarf in diesem Bereich unterstreicht.
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- Tanja Weigert (Author), 2015, Betrachtung des Störungsbildes "Soziale Phobie" aus psychodynamischer Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435500