Der radikale Konstruktivismus

Von einer umstrittenen erkenntnistheoretischen Position


Studienarbeit, 2018

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Eine kurze Einführung

2. Der radikale Konstruktivismus und was darunter zu verstehen ist

3. Wissen und Wissenschaft im radikalen Konstruktivismus

4. Von der Frage wie das Wissen entsteht

5. Bibliographie

6. Internetquellen

7. Abbildungsverzeichnis

1. Eine kurze Einführung

Die vorliegende Arbeit befasst sich eingehend mit einer unkonventionellen Art Probleme des Wissens und der Erkenntnis in den Blick zu nehmen. Der radikale Konstruktivismus als eine insbesondere in den Sozial-und Kulturwissenschaften einflussreiche, aber nicht unumstrittene erkenntnistheoretische Position und philosophische Schule des 20. Jahrhunderts (vgl. Kersten, Reich,2001:356), wurde von Ernst von Glasersfeld und Heinz von Förster begründet. Beide sind bereits 2010 bzw. 2002 aus dem Leben geschieden (vgl. Arist von Schlippe/Jochen Schweitzer, 2013:121) und waren zu Lebzeiten stets bestrebt ihrer Theorie des Wissens Anerkennung zu verschaffen, die sich in konstruktivistischen Ansätzen des menschlichen Lernens (Piaget) wiederfindet, selbst aber keine Theorie ist die der Frage nachspürt wie Wissen vermittelt wird und damit Lernen funktioniert, sondern in Erfahrung bringen möchte, wie Wissen entsteht (vgl. Stefan, Jensen,1999:100). Die Arbeit gliedert sich in drei inhaltliche Abschnitte auf. Im ersten inhaltlichen Abschnitt, wird der radikale Konstruktivismus in seiner Bedeutung genauer unter die Lupe genommen (S.1). Der daran anschließende befasst sich mit dem Wissen und auch der Wissenschaft aus radikalkonstruktivistischer Sicht (S.3), bevor in einem dritten und letzten inhaltlichen Abschnitt darauf eingegangen wird, was Konstruktion bedeutet (S.9).

2. Der radikale Konstruktivismus und was darunter zu verstehen ist

Der radikale Konstruktivismus macht seinem Namen alle Ehre und fordert, was sich kontrovers diskutieren lässt- die ,,radikale“ Abkehr vom Begriff der Erkenntnis und des Erkennens als etwas, dem der Absolutheitsanspruch inhärent ist (vgl. Ernst- von Glasersfeld,1991:S.4), denn wie eingangs dargelegt, geht es ihm anstelle dessen, um die Etablierung einer neuen Wissensbegriffes samt einer neuen Wissenstheorie (vgl. Stefan, Jensen,1999:100), die ein annehmbares Erklärungsmodell unserer Fähigkeit liefert, wie dieses Wissen, dass wir in unserer Erfahrungswelt mit einigem Erfolg zur Anwendung bringen, aufgebaut wird (vgl. Ernst von Glasersfeld,1991:S.3). Dieses Wissen entstammt Ernst von Glasersfeld zu Folge, der individuellen menschlichen Erfahrung (vgl.Ernst-von Glasersfeld,1991:S.5) und ist seiner Auffassung folgend, eben gerade nicht Bestandteil einer ontologischen Realität, die losgelöst von einem Beobachter und damit außerhalb seines Bewusstseins existiert (vgl. Ernst von Glasersfeld,1991:S.2). Die Ontologie, als die Lehre von der absoluten, subjektiv unabhängigen Wirklichkeit (vgl. Ernst-von Glasersfeld,2009:13) setzt voraus, dass wir etwas erkennen können, dass außerhalb unserer Erlebenswelt liegt, was schon aufgrund der Filterwirkung unserer Reizverarbeitung über Sinnesorgane (vgl. Ernst von Glasersfeld,2009:14), sowie vor dem Hintergrund gemachter Vorerfahrungen, die stets dem eigenen Erleben entstammen, und um so mehr zu stabilen, individuellen Konstrukten wurden, je häufiger sie sich wiederholten oder überdauerten- eine unhaltbare Forderung darstellt (vgl. Ernst-von Glasersfeld,1992:34). Die Erfahrungswelt ist das, wozu der Mensch, weil er es selbst konstruiert hat, einzig einen Zugang besitzt und sie bildet seine Wirklichkeit, auf die er sich verlassen kann, insofern sich seine eigenen Konstruktionen für ihn gangbare als Optionen erweisen (vgl. Ernst von Glasersfeld,1991:9). Aufgabe des Menschen, als Konstrukteur seiner Welt, die er gemeinsam mit anderen bevölkert (vgl. Peter L. Berger/Thomas Luckmann, 2016:195), ist es daher nach Ernst von Glasersfeld ausgehend von einer subjektiven, fortwährend beobachterabhängigen Wirklichkeit (vgl. Ernst-von Glasersfeld,1991:31), sich allmählich und damit über den Verlauf einer menschlichen Lebensspanne hinweg, an eine wahre Auffassung von Welt anzunähern (vgl. Ernst-von Glasersfeld,1992:13). Schon die antike Philosophie wusste im Höhlengleichnis aus Platons Werk Politeia zu berichten, dass Erkenntnis keine Realitäten und unverrückbar festgeschriebenen Wahrheiten liefert. So heißt es dort von Sokrates:

„Nichts weiter als unseresgleichen. Denn können denn erstlich solche Gefesselten [Höhlenbewohner] von sich selbst sowohl wie gegenseitig voneinander etwas anderes gesehen haben als die Schatten, die durch Wirkung des Feuers [der Erkenntnis] auf die ihnen gegenüberliegende Wand der Höhle geworfen werden [und] [...] gilt von den vorübergetragenen Gegenständen nicht dasselbe? [...] (Platon, Politeia, 515, VII, 1).“

Der Philosoph klammert sich selbst und seines gleichen an dieser Stelle keineswegs aus, was schon auffällig ist und uns den Hinweis gibt, das alle Menschen in einer Schattenwelt leben (vgl. Stefan,Jensen,1999:50). Diese Schatten bilden die Oberflächenstruktur über einer tieferen Wirklichkeit, die den wahrnehmenden Sinnen verborgen bleibt (vgl. Stefan,Jensen:1999:48). Die Begrenztheit menschlicher Wahrnehmung liegt darin begründet, dass sie selektiv wahrnimmt, also einen Wirklichkeitsausschnitt registriert, dem individuell Bedeutung zugemessen wird und in dem Phänomene erscheinen (vgl. Stefan,Jensen,1999:101). Er bleibt dabei erstens auch zu unserem Schutz vor Reizüberflutung auf dasjenige beschränkt, was wir fokussieren, (vgl. Arist von Schlippe/ Jochen., Schweitzer,2013:115) und damit in den Beobachtungsbereich, der die individuelle Konstruktion darstellt einschließen (vgl. Stefan, Jensen,1999:101). Zum anderen bestehen vor dem Hintergrund unserer biologischen Konstitution natürliche Grenzziehungen (vgl. Peter L. Berger/Thomas Luckmann, 2016:195). Gemeint ist hier die Begrenzung dessen was wir als Wirklichkeit erfahren dürfen, durch die Länge einer menschlichen Lebensspanne, durch auftretende Krankheiten körperlicher oder seelischer Natur, aber auch Limitationen und Tabus auferlegt durch den Vorgang menschlicher Sozialisation. Die bisherigen Ausführungen führen, dass Bestreben, der westlichen Epistemologie ad absurdum vom Standpunkt des Beobachters aus, objektive Erkenntnis erlangen zu wollen – ein Problem unter dem die westliche Erkenntnislehre bereits sehr lange leidet und dem jeder ausgesetzt ist, der vom Anspruch der Allgemeinverbindlichkeit seiner Thesen nicht abweichen kann (vgl. Ernst-von Glasersfeld,2009:29). Denn: Das menschliche Bewusstsein irrt aufgrund seiner Unzulänglichkeit, nicht nur gelegentlich, sondern konstitutionell irrt (vgl. Wolfgang Kersting,1999:225).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der radikale Konstruktivismus
Untertitel
Von einer umstrittenen erkenntnistheoretischen Position
Hochschule
Hochschule München  (Fakultät 11 angewandte Forschung in der Sozialen Arbeit)
Veranstaltung
Wissenschaft und Soziale Arbeit I
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V435502
ISBN (eBook)
9783668766822
ISBN (Buch)
9783668766839
Dateigröße
703 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erkenntnistheorie, Heinz von Förster, Ernst von Glasersfeld, radikaler Konstruktivismus, kontroverse erkenntnistheoretische Position, Subjekt, Erfahrungswissen, subjektive Wahrnehmung, keine Objektivität, Intersubjektivität, Konstruktivismus, kognitive Realität, erkenntnistheoretische Diskussion, Wissenschaft und radikaler Konstruktivismus, Erkenntnis im radikalen Konstruktivismus, Lernen, strukturgenetische Theorie, Piaget
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Stephan Walk (Autor), 2018, Der radikale Konstruktivismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435502

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