Die vorliegende Publikation handelt von einer kontroversen erkenntnistheoretischen Sichtweise und philosophischen Schule deren Begründer die bereits 2010 und 2002 verstorben sind- Ernst von Glasersfeld und Heinz von Förster. Die zentrale und namensgebende ,,radikale" Abkehr vom Begriff der absoluten Erkenntnis und hin zu einem neuen Wissensbegriff und die Entwicklung einer Theorie, die der Frage nachspürt, wie unser Wissen entsteht, war das Bestreben der beiden Vertreter.
Beleuchtet wird, was das Wissen aus Sicht des radikalen Konstruktivismus ist, wie es entsteht und auch welches Verständnis die nicht unumstrittene erkenntnistheoretische Position von der Rolle des Wissenschaftlers und der Wissenschaft hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Eine kurze Einführung
2. Der radikale Konstruktivismus und was darunter zu verstehen ist
3. Wissen und Wissenschaft im radikalen Konstruktivismus
4. Von der Frage wie das Wissen entsteht
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die erkenntnistheoretischen Grundlagen des radikalen Konstruktivismus, um zu ergründen, wie Wissen entsteht, wenn objektive Erkenntnis nicht möglich ist, und wie kognitive Strukturen zur Organisation der persönlichen Erlebenswelt beitragen.
- Grundlagen des radikalen Konstruktivismus nach von Glasersfeld und von Förster
- Die Abgrenzung von Wissen zur ontologischen Erkenntnis
- Wissenschaft als operativ geschlossenes Beobachtungssystem
- Der Prozess der Wissenskonstruktion durch Adaptation, Assimilation und Akkommodation
- Die Rolle der Kommunikation bei der Herstellung von Intersubjektivität
Auszug aus dem Buch
Der radikale Konstruktivismus und was darunter zu verstehen ist
Der radikale Konstruktivismus macht seinem Namen alle Ehre und fordert, was sich kontrovers diskutieren lässt- die „radikale“ Abkehr vom Begriff der Erkenntnis und des Erkennens als etwas, dem der Absolutheitsanspruch inhärent ist (vgl. Ernst- von Glasersfeld,1991:S.4), denn wie eingangs dargelegt, geht es ihm anstelle dessen, um die Etablierung einer neuen Wissensbegriffes samt einer neuen Wissenstheorie (vgl. Stefan, Jensen,1999:100), die ein annehmbares Erklärungsmodell unserer Fähigkeit liefert, wie dieses Wissen, dass wir in unserer Erfahrungswelt mit einigem Erfolg zur Anwendung bringen, aufgebaut wird (vgl. Ernst von Glasersfeld,1991:S.3). Dieses Wissen entstammt Ernst von Glasersfeld zu Folge, der individuellen menschlichen Erfahrung (vgl.Ernst-von Glasersfeld,1991:S.5) und ist seiner Auffassung folgend, eben gerade nicht Bestandteil einer ontologischen Realität, die losgelöst von einem Beobachter und damit außerhalb seines Bewusstseins existiert (vgl. Ernst von Glasersfeld,1991:S.2).
Die Ontologie, als die Lehre von der absoluten, subjektiv unabhängigen Wirklichkeit (vgl. Ernst-von Glasersfeld,2009:13) setzt voraus, dass wir etwas erkennen können, dass außerhalb unserer Erlebenswelt liegt, was schon aufgrund der Filterwirkung unserer Reizverarbeitung über Sinnesorgane (vgl. Ernst von Glasersfeld,2009:14), sowie vor dem Hintergrund gemachter Vorerfahrungen, die stets dem eigenen Erleben entstammen, und um so mehr zu stabilen, individuellen Konstrukten wurden, je häufiger sie sich wiederholten oder überdauerten- eine unhaltbare Forderung darstellt (vgl. Ernst von Glasersfeld,1992:34). Die Erfahrungswelt ist das, wozu der Mensch, weil er es selbst konstruiert hat, einzig einen Zugang besitzt und sie bildet seine Wirklichkeit, auf die er sich verlassen kann, insofern sich seine eigenen Konstruktionen für ihn gangbare als Optionen erweisen (vgl. Ernst von Glasersfeld,1991:9). Aufgabe des Menschen, als Konstrukteur seiner Welt, die er gemeinsam mit anderen bevölkert (vgl. Peter L. Berger/Thomas Luckmann, 2016:195), ist es daher nach Ernst von Glasersfeld ausgehend von einer subjektiven, fortwährend beobachterabhängigen Wirklichkeit (vgl. Ernst-von Glasersfeld,1991:31), sich allmählich und damit über den Verlauf einer menschlichen Lebensspanne hinweg, an eine wahre Auffassung von Welt anzunähern (vgl. Ernst-von Glasersfeld,1992:13).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Eine kurze Einführung: Die Einleitung führt in die erkenntnistheoretische Position des radikalen Konstruktivismus ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung zur Wissensgenese.
2. Der radikale Konstruktivismus und was darunter zu verstehen ist: Dieses Kapitel erläutert die Abkehr von absoluten Erkenntnisbegriffen und definiert Wissen als ein aus individueller Erfahrung konstruiertes, pragmatisches Modell der Wirklichkeit.
3. Wissen und Wissenschaft im radikalen Konstruktivismus: Es wird untersucht, wie wissenschaftliche Beobachtungssysteme Wirklichkeit konstruieren und warum Wissen trotz seiner Subjektivität durch intersubjektive Verständigung eine gesteigerte Brauchbarkeit erlangt.
4. Von der Frage wie das Wissen entsteht: Das Kapitel beschreibt den Prozess des Wissenserwerbs durch Adaptation (Assimilation und Akkommodation) sowie die Rolle der kognitiven Strukturen bei der Aufrechterhaltung eines inneren Gleichgewichts.
Schlüsselwörter
Radikaler Konstruktivismus, Erkenntnistheorie, Wissensgenese, Ernst von Glasersfeld, Kognition, Adaptation, Assimilation, Akkommodation, Konstruktion, Erfahrungswelt, Beobachtungssysteme, Intersubjektivität, kognitive Strukturen, Viabilität, Wirklichkeitserleben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die erkenntnistheoretischen Grundlagen des radikalen Konstruktivismus und analysiert die Entstehung von Wissen aus einer konstruktivistischen Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die menschliche Kognition, die Unterscheidung zwischen subjektiver Erfahrung und ontologischer Realität sowie die Rolle der Anpassung bei der Bildung von Wissen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu erklären, wie Wissen aufgebaut wird, ohne den Anspruch einer objektiven, abbildbaren Realität zu erheben, und wie dabei kognitive Strukturen und soziale Interaktion zusammenwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse konstruktivistischer Ansätze unter Einbezug relevanter erkenntnistheoretischer Literatur und systemtheoretischer Grundannahmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des radikalen Konstruktivismus, die Analyse von Wissen und Wissenschaft aus dieser Sicht sowie die Erklärung des konstruktiven Prozesses (Adaption) anhand von Piaget.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Radikaler Konstruktivismus, Adaptation, Kognition, kognitive Strukturen und die Abkehr vom ontologischen Realitätsbegriff.
Warum lehnt der radikale Konstruktivismus das Konzept einer "objektiven Realität" ab?
Aufgrund der Filterwirkung unserer Sinnesorgane und der individuellen kognitiven Verarbeitung können wir keinen direkten, unverfälschten Zugriff auf eine von uns unabhängige Außenwelt erlangen.
Was bedeutet der Begriff "Viabilität" in diesem Kontext?
Viabilität bezeichnet im Sinne Darwins die Brauchbarkeit oder Tauglichkeit von kognitiven Strukturen, die sich in der Erfahrungswelt als erfolgreich für das Bestehen von Anforderungen erweisen.
Wie spielt Kommunikation eine Rolle bei der Konstruktion von Wissen?
Kommunikation dient nicht der passiven Informationsübertragung, sondern der Herstellung von Intersubjektivität, durch die eigene Modelle der Welt im Abgleich mit den Deutungen anderer Konstrukteure angepasst und verfeinert werden.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Arts Stephan Walk (Autor:in), 2018, Der radikale Konstruktivismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435502