Bei Unternehmensgründern sind meist keine oder nur unzureichend Eigenmittel vorhanden. In der Anfangsphase werden Verluste erwirtschaftet, so dass hier eine Finanzierung aus Umsatzerlösen ausgeschlossen werden kann.
In den letzten Jahren hat somit die Aufnahme von Eigenkapital in Form des so genannten Private Equity und Venture Capital an Bedeutung gewonnen. In beiden Fällen handelt es sich um „eine eigenkapitalstärkende Form der Unternehmensfinanzierung.“
Die Ursprünge liegen in den USA, wo diese Finanzierungsformen bereits seit längerer Zeit in Anspruch genommen werden. Nach Deutschland drang diese Art der Beteiligungsfinanzierung erst in den achtziger Jahren durch. Trotz der Tatsache, dass die Ursprünge in den Vereinigten Staaten liegen, gibt es dort noch keine genaue Definition für diese zwei Begriffe. Im Allgemeinen wird in den USA das Venture Capital definiert als Eigenkapital, welches dem Unternehmen langfristig zur Verfügung gestellt wird, bei gleichzeitiger Betreuung des Managements. In Deutschland gibt es mehrere Übersetzungsversuche. So haben sich die Begriffe Wagniskapital, Risikokapital und Chancenkapital im deutschsprachigen Raum durchgesetzt. Bei all diesen Begriffen jedoch liegt die Betonung auf den Worten „Wagnis“ und „Risiko“, um auf eine mögliche Gefahr des Verlustes aufmerksam zu machen, die mit einer solchen Finanzierung verbunden ist.
Der Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) definiert das Venture-Capital als „langfristige Eigenkapitalbeteiligung an Unternehmen durch spezialisierte Beteiligungsgesellschaften, verbunden mit Beratung und Unterstützung des Unternehmers über die Finanzierung hinaus“ .
Analog kann diese Definition auch auf das Private Equity übertragen werden, welches die gleiche Form der Beteiligungsfinanzierung darstellt, jedoch im Unterschied zum Venture Capital eine andere Unternehmenssituationen anspricht, welche im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch näher erläutert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einordnung des Private Equity- und Venture Capital-Konzepts in die Unternehmensfinanzierung
2.1 Finanzierung mit Fremdkapital
2.2 Finanzierung mit Eigenkapital
3. Relevante Ausgangssituationen für die Betrachtung von Venture Capital und Private Equity
3.1 Ausgangssituation für die Finanzierung mit Venture Capital
3.1.1 Seed-Financing
3.1.2 Start Up-Financing
3.1.3 First Stage-Financing
3.2 Ausgangssituationen für die Finanzierung mit Private Equity
3.2.1 Second Stage-Financing
3.2.2 Third Stage-Financing
3.2.3 Fourth Stage-Financing
3.3 Die Deinvestitionsphase – Möglichkeiten des Exit
3.3.1 Buy-Back
3.3.2 Trade Sale
3.3.3 Going Public
4. Mögliche Bezugsquellen von Venture Capital und Private Equity und die Beziehung zwischen Kapitalbeteiligungsgesellschaft und deren Portfoliounternehmen
4.1 Natürliche Personen und andere Wirtschaftssubjekte als Kapitalgeber
4.1.1 Business Angels zur Finanzierung junger, innovativer Unternehmen
4.1.2 Kapitalbeteiligungsgesellschaften als Kapitalgeber von Venture Capital und Private Equity
4.2 Erwartungen in der Beziehung zwischen Kapitalgeber und Portfoliounternehmen
4.2.1 Anforderungen an den Kapitalnehmer
4.2.2 Entscheidungskriterien bei der Auswahl des passenden Venture Capital und Private Equity Partners
4.3 Schrittweise zur Venture Capital und Private Equity-Finanzierung
4.3.1 Kontaktphase mit dem Wunschpartner
4.3.2 Die Due diligence als Hauptbestandteil der Unternehmensprüfung
4.3.3 Der Beteiligungsvertrag
5. Die Bedeutung von Venture Capital und Private Equity für bundesdeutsche Unternehmen in den Phasen des Early Stage- und Expansion Stage-Financing
5.1 Die Bedeutung von Innovationsfinanzierung in Form von Venture Capital
5.2 Mögliche Probleme der Beteiligung durch Venture Capital-Gesellschaften
5.3 Private Equity als Wachstumsfinanzierung
5.4 Private Equity unter Wirtschaftlichkeitsaspekten
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit der Bedeutung von Private-Equity- und Venture-Capital-Finanzierungen für junge sowie etablierte Unternehmen in Deutschland. Das primäre Ziel ist es, den Nutzen und die Risiken dieser Beteiligungsformen in den unterschiedlichen Phasen der Unternehmensentwicklung – von der Gründungs- bis zur Expansionsphase – zu analysieren und deren Rolle als Alternative zur klassischen Fremdkapitalfinanzierung zu bewerten.
- Einordnung von Private Equity und Venture Capital in die Unternehmensfinanzierung.
- Differenzierung der Finanzierungsphasen (Early Stage bis Expansion Stage).
- Analyse der Beziehung zwischen Kapitalbeteiligungsgesellschaften und Portfoliounternehmen.
- Untersuchung der Exit-Optionen und deren strategischer Bedeutung.
- Bewertung der ökonomischen Bedeutung von Innovationsfinanzierung in Deutschland.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Seed-Financing
Diese erste Phase beschreibt die Vorbereitung auf die Unternehmensgründung. Die Hauptaufgaben in dieser Zeit liegen vor allem darin, ein Unternehmenskonzept zu entwickeln, d.h. die Unternehmensziele sollen formuliert, eine Marktforschungsanalyse durchgeführt und Produktionspläne entwickelt werden. Das Hauptaugenmerk liegt hier vor allem auf der Produktentwicklung und Forschungsinvestition. Am Ende dieses Unternehmenszyklus sollte ein Businessplan ausgearbeitet sein, welcher die Grundlage für anstehende Verhandlungen mit Kreditinstituten und anderen staatlichen Institutionen darstellt.
Trotz der Tatsache, dass der Unternehmensgründer nur einen geringen Betrag an Eigenkapital aufbringen kann, wird in der Phase des Seed-Financing meist auf eine Beteiligungsfinanzierung mit Venture Capital verzichtet, da den Venture Capital-Gesellschaften das Risiko oft zu hoch erscheint und die Venture Capital-Gesellschaften die Geschäftsidee oft als nicht realisierbar einschätzen. Wird doch eine Beteiligungsgesellschaft zur Finanzierung hinzugezogen, so spricht man von so genanntem Seed-Capital. Meist jedoch wird der Kapitalbedarf durch staatliche Fördermittel, Eigenkapital des Unternehmensgründers oder eventuell durch familiäre Finanzmittel gedeckt.
Räbel empfiehlt, in dieser Phase eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Sie soll durch eine Analyse die Realisierbarkeit der bis dahin bewerteten Probleme, zusätzliche Prognosen, welche von unternehmensexternen Personen durchgeführt werden, erbringen. In dieser Zeitspanne werden auch Mitarbeiter gesucht, welche bestimmte Schlüsselpositionen besetzen sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Wandel der deutschen Unternehmensfinanzierung und die steigende Bedeutung von Eigenkapital aufgrund regulatorischer Rahmenbedingungen wie Basel II.
2. Einordnung des Private Equity- und Venture Capital-Konzepts in die Unternehmensfinanzierung: Es werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Fremdkapital- und Beteiligungsfinanzierung erläutert.
3. Relevante Ausgangssituationen für die Betrachtung von Venture Capital und Private Equity: Dieses Kapitel detailliert die verschiedenen Finanzierungsphasen (Seed, Start-Up, First, Second, Third und Fourth Stage) sowie die Möglichkeiten zur Deinvestition.
4. Mögliche Bezugsquellen von Venture Capital und Private Equity und die Beziehung zwischen Kapitalbeteiligungsgesellschaft und deren Portfoliounternehmen: Fokus auf Kapitalgeber wie Business Angels und Beteiligungsgesellschaften sowie die Anforderungen an den Beteiligungsprozess inklusive Due Diligence.
5. Die Bedeutung von Venture Capital und Private Equity für bundesdeutsche Unternehmen in den Phasen des Early Stage- und Expansion Stage-Financing: Untersuchung der wirtschaftlichen Relevanz für Innovation und Wachstum sowie kritische Betrachtung potenzieller Probleme in der Beteiligungsbeziehung.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung, dass trotz rückläufiger Investitionszahlen Venture Capital und Private Equity als essenzielle Alternativen zur Kreditfinanzierung für deutsche Innovationsunternehmen bestehen bleiben.
Schlüsselwörter
Venture Capital, Private Equity, Unternehmensfinanzierung, Eigenkapital, Frühphasenfinanzierung, Expansion Stage, Business Angels, Beteiligungsgesellschaften, Existenzgründung, Due Diligence, Businessplan, Innovationsfinanzierung, Renditeerwartung, Exit-Strategien, Basel II.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Relevanz und Funktion von Private-Equity- und Venture-Capital-Finanzierungen für deutsche Unternehmen in verschiedenen Entwicklungsstadien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Finanzierung von Unternehmensgründungen, der Differenzierung von Venture Capital und Private Equity sowie den daraus resultierenden Beziehungsdynamiken zwischen Investoren und Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll aufgezeigt werden, welche Bedeutung diese speziellen Eigenkapitalfinanzierungen für das Wachstum von Start-ups und expandierenden Unternehmen in einem sich wandelnden Finanzierungsumfeld haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine theoretische Analyse auf Basis von Fachliteratur und aktuellen Studien durch, ergänzt durch die Auswertung von Schaubildern und Statistiken (z.B. BVK-Daten).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einordnung der Finanzierungsformen, die detaillierte Beschreibung der Finanzierungsphasen, die Identifikation von Kapitalgebern und die Analyse der Vertrags- und Exit-Prozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe umfassen Venture Capital, Private Equity, Beteiligungsfinanzierung, Early Stage, Expansion Stage, Businessplan und Exit-Strategien.
Warum ist das "Seed-Financing" für Kapitalgeber risikoreich?
Da in dieser frühen Phase oft nur Konzepte vorliegen und die Realisierbarkeit der Geschäftsidee schwer abschätzbar ist, bewerten Venture-Capital-Gesellschaften das Risiko häufig als zu hoch.
Welche Rolle spielt Basel II für diese Finanzierungsformen?
Durch die regulatorischen Anforderungen an Banken wird die Eigenkapitalquote wichtiger; Venture Capital und Private Equity bieten Unternehmen die Chance, ihre Bilanzstruktur zu stärken und damit ein besseres Rating bei Kreditinstituten zu erhalten.
Was unterscheidet den "Trade Sale" von anderen Exit-Optionen?
Beim Trade Sale veräußern die Investoren ihre Anteile an ein anderes Unternehmen, was häufig strategische Synergien nutzt, aber auch eine Einschränkung der Unabhängigkeit für das ursprüngliche Management bedeuten kann.
- Quote paper
- Dirk Heimburger (Author), 2005, Die Bedeutung des Private Equity und Venture Capital Konzepts in den Phasen des Early Stage- und Expansion Stage-Financing bei und nach der Unternehmensgründung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43551