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Der Psalter - Klagelieder des Einzelnen

Title: Der Psalter - Klagelieder des Einzelnen

Term Paper , 2003 , 31 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Kathrin Morawietz (Author)

Theology - Biblical Theology
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Um die Situation der Psalmenbeter besser verstehen zu können, muss man sich zunächst mit dem historischen Kontext und dem alttestamentlichen Menschen- und Weltbild vertraut machen. Die biblischen Psalmen verdeutlichen Erfahrungen und Verhaltensweisen, die den Beter in Grenzsituation der menschlichen Existenz zeigen. Das Bild des Menschen unterliegt jedoch dem historischen Wandel und lässt sich nicht objektivieren. Dem Alten Testament liegt keine einheitliche Lehre vom Menschen zugrunde, das Fehlen eines einheitlichen Menschenbildes wird jedoch durch den Dialog des Menschen mit Gott und Gottes mit dem Menschen aufgewogen („Konfliktgespräche mit Gott“). Deshalb können die Psalmen auch als „Antwort Israels “ auf Jahwes Wirken in Israel verstanden werden. Der alttestamentliche Mensch ist angewiesen auf ein „unendliches, nicht endliches, jenseitiges Gegenüber“ und somit welt- und gottoffen.
Nach alttestamentlichem Verständ nis können Himmel, Ober- und Unterwelt nicht in strenger Abgrenzung zueinander gesehen werden, denn es liegt eine große Durchlässigkeit zwischen Ober- und Unterwelt vor (sieheAnlage).Das Fundament der Schöpfung besteht in der göttlichen Weisheit, die durch eine Torarolle mit zwei Armen dargestellt wird. Sie tragen die Säulen bzw. Grundfesten der Erde und sorgen somit für Weltstabilität. Der gehörnte Schlangen- bzw. Chaosdrache steht für das Unverfügbare in der Welt und kann Einfluss auf die Oberwelt nehmen. Er symbolisiert die ständige Bedrohung der Weltstabilität durch das Chaos, nach alttestamentlichem Verständnis durch die Urflut. Der Kerubenthron Jahwes mit den beiden geflügelten Seraphen stellt das Bollwerk gegen die Chaosfluten dar, während die Flügelsonne als Licht des Himmels die Herrlichkeit Gottes symbolisiert. Die alttestamentlichen Menschen mussten somit die Spannung zwischen Weltordnung und Unordnung bewältigen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Vorwort

1. Einleitung: Das alttestamentliche Menschen- und Weltbild

2. Krankheit und Todesverständnis im alten Israel

3. Woher kommt der Name Psalm?

4. Entstehung und Funktion des Psalters

5. Inhalt und Aufbau des Psalters

6. Die „Davidisierung“ des Psalters

7. Die Sprache der Psalmen - Stereometrie des Gedankenausdrucks

7.1 Parallelismus membrorum

7.2 Überlagerung der Bilder und Motive

7.3 Metaphorisierung und Symbolisierung

7.4 Die Vorteile der Psalmensprache

8. Die Hauptgattungen des Psalters

9. Die Klagelieder

9.1 Die Klagelieder des Einzelnen

9.2 Krankheits- und Unschuldspsalmen

9.3 Aufbau der Klagelieder

10. Beispielpsalm 13

10.1 Der klagende Beter

10.2 Bitte um Heilung

10.3 Vertrauensbekenntnis und Lobgelübde

10.4 Das Phänomen des „Stimmungsumschwungs“

10.5 Fazit zu Psalm 13

11. Beispielpsalm 88

11.1 Form und Inhalt

11.2 Die Figur des Beters in Psalm 88

11.3 Die Wirkung des Mittelteils

11.4 Fazit zu Psalm 88

12. Beispielpsalm 130

12.1 Form und Inhalt

12.2 Fazit zu Psalm 130

13. Beispielpsalm 140

13.1 Form und Inhalt

13.2 Fazit zu Psalm 140

14. Beispielpsalm 6

14.1 Form und Inhalt

14.2 Fazit zu Psalm 6

15. Beispielpsalm 22

15.1 Form und Inhalt

15.1.1 Erster Teil: Das Klagelied des Einzelnen

15.1.2 Zweiter Teil: Das Danklied

15.2 Fazit zu Psalm 22

16. Schluss: Zur heutigen Relevanz des Psalters

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das alttestamentliche Menschen- und Weltbild im Kontext der Klagelieder des Einzelnen im Psalter. Ziel ist es, den Aufbau, die Sprache und die Funktion dieser Gebete anhand exemplarischer Psalmen zu analysieren, um das Verständnis für die existenzielle Not der Beter und deren Dialog mit Gott zu vertiefen.

  • Alttestamentliches Menschen- und Weltbild
  • Strukturen und Gattungen des Psalters
  • Sprachliche Merkmale (Parallelismus, Metaphorik, Symbolik)
  • Analyse ausgewählter Klagelieder (Psalm 13, 88, 130, 140, 6, 22)
  • Theologische Bedeutung und heutige Relevanz des Klagens

Auszug aus dem Buch

10.1 Der klagende Beter (V.2a-3b)

In Psalm 13 klagt der Beter über die Abwesenheit und Verborgenheit Gottes. Die Not des Beters wird hier ebenfalls unter den drei Gesichtspunkten Gottesbezug, Selbstbezug und Weltbezug gesehen. In der ersten Strophe beklagt der Beter sein gestörtes Verhältnis zu Gott. Er klagt über „Jahwes verborgenes Gesicht, über sein Schweigen, sein Vergessen“41. Der Beter wirkt ungeduldig und es scheint, als könne er sein Leid kaum noch ertragen. Die vierfache Frage „Bis wann …?“ (V.2a-3b) drückt die ängstliche Ungeduld des Beters aus und impliziert einen leisen Vorwurf gegen Gott. Der Beter fühlt sich von Gott getrennt und scheint für ihn nicht mehr zu existieren, dennoch besteht beim Beter auch die Hoffnung auf Zuwendung, der Glaube des Beters muss für ihn jedoch wieder erfahrbare Wirklichkeit werden. Es wird nicht nach dem Grund, sondern nach der Dauer der Gottesferne gefragt. Die individuelle Art des Leidens wird somit nicht explizit thematisiert, es wird jedoch betont, dass die Not andauert, wobei der Beter lediglich beschreibt, worin die Not in ihrem Kern besteht. Primär ist die Darstellung der Intensität der erfahrenen Not, die an persönliche Erfahrungen des jeweiligen Lesers appelliert und somit eigene Assoziationen ermöglicht. Durch ein Mindestmaß an Situationsgebundenheit und die weitgehende Anonymität des Beters blieb die Nachsprechbarkeit der Psalmen stets gewährleistet.

Mit der Aussage, Gott habe ihn vergessen, bringt der Beter seine Entfernung zu Gott zum Ausdruck, denn Gott kann eigentlich gar nicht vergessen, gemeint ist an dieser Stelle ein „Sich-Distanzieren oder Unbeachtet-Lassen“42.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Vorwort: Der Autor führt in die Thematik der Klagelieder ein und legt dar, welche Psalmen als Fallbeispiele herangezogen werden.

1. Einleitung: Das alttestamentliche Menschen- und Weltbild: Es wird das Verständnis von Himmel, Ober- und Unterwelt im Alten Orient beschrieben, um den Kontext der Psalmen zu verdeutlichen.

2. Krankheit und Todesverständnis im alten Israel: Das Kapitel erläutert, warum schwere Krankheiten als göttliche Strafe angesehen wurden und wie dies zu sozialer Ausgrenzung führte.

3. Woher kommt der Name Psalm?: Der Begriff und die Bedeutung des hebräischen Psalmenbuches „sefer tehillim“ werden erklärt.

4. Entstehung und Funktion des Psalters: Es wird diskutiert, ob der Psalter für den Tempelkult oder private Frömmigkeit entstand und wie er überliefert wurde.

5. Inhalt und Aufbau des Psalters: Die kompositorische Einheit des Buches und die Struktur in fünf Bücher werden thematisiert.

6. Die „Davidisierung“ des Psalters: Die Zuweisung vieler Psalmen an König David als Ausdruck der Identifikation und Autorisierung wird untersucht.

7. Die Sprache der Psalmen - Stereometrie des Gedankenausdrucks: Die Bedeutung von Parallelismus, Bildsprache und Metaphorik für die Ausdruckskraft der Psalmen wird dargestellt.

8. Die Hauptgattungen des Psalters: Ein Überblick über die vier Grundgattungen: Klagelieder, Bittpsalmen, Hymnen und Danklieder.

9. Die Klagelieder: Die Unterarten der Klagelieder und der idealtypische Aufbau einer Klage werden definiert.

10. Beispielpsalm 13: Eine detaillierte Analyse von Psalm 13 hinsichtlich Klage, Bitte und Vertrauensbekenntnis.

11. Beispielpsalm 88: Die Untersuchung dieses Psalms als Extremfall, in dem der Beter Gott als direkten Feind erlebt.

12. Beispielpsalm 130: Die Analyse dieses Wallfahrtsliedes, das besonders durch seine Bitte um Vergebung und das Motiv des Wartens auf Gott geprägt ist.

13. Beispielpsalm 140: Untersuchung der Feindesklage und der Bitte um Intervention gegen böse Widersacher.

14. Beispielpsalm 6: Analyse dieses Bußpsalms, der die Not eines Schwerkranken in einer rituellen Bußsituation thematisiert.

15. Beispielpsalm 22: Betrachtung des Übergangs vom individuellen Klagelied zum Danklied in einer nachexilischen Perspektive.

16. Schluss: Zur heutigen Relevanz des Psalters: Abschließende Betrachtung, warum der Psalter trotz der Spannungen zum modernen christlichen Glauben weiterhin als Gebetsbuch der Kirche dient.

Schlüsselwörter

Klagelieder, Psalter, Altes Testament, Gottesbezug, Menschenbild, Psalm 13, Psalm 88, Psalm 130, Psalm 140, Psalm 6, Psalm 22, Feindmetaphorik, Gottvertrauen, Notsituation, alttestamentliche Frömmigkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert die Klagelieder des Einzelnen im alttestamentlichen Psalter und setzt diese in den Kontext des historischen Menschen- und Weltbildes Israels.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Sprachstruktur (Parallelismen, Metaphern), der Aufbau der Klage, das Verständnis von Krankheit und Tod sowie das Beziehungsverhältnis zwischen Beter, Gott und den Feinden.

Was ist die Forschungsfrage oder das Ziel?

Ziel ist die exemplarische Untersuchung, wie Klagelieder existenzielle Grenzsituationen des Menschen sprachlich ausdrücken und welche theologische Bedeutung dem Dialog mit Gott in dieser Not zukommt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine exegetisch-theologische Analyse, die sich auf die Fachliteratur namhafter Psalmenforscher (wie Janowski oder Zenger) stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in allgemeine theoretische Grundlagen zum Psalter sowie die detaillierte, strophische Exegese von sechs ausgewählten Beispielpsalmen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit zusammenfassen?

Klagelieder, Psalter, Gottesferne, Leid, Feindmacht, Vertrauensmotiv, Bußpsalmen, alttestamentliche Anthropologie.

Wie unterscheidet sich Psalm 88 von anderen analysierten Beispielen?

Psalm 88 stellt einen Extremfall dar, da jegliches Vertrauensbekenntnis oder Dankmotiv fehlt und der Beter Gott stattdessen unmittelbar als Feind seiner Existenz erfährt.

Was versteht der Autor unter dem „Stimmungsumschwung“ in den Psalmen?

Dies beschreibt den abrupten Übergang von einer tiefen Klage hin zu einem Vertrauens- oder Lobgelübde, der den internen Prozess des Beters innerhalb des Gebetsvollzugs verdeutlicht.

Warum spielt die Metapher des „Wächters“ in Psalm 130 eine wichtige Rolle?

Die Metapher veranschaulicht das sehnsüchtige Warten auf die göttliche Zuwendung (das „Wort“) – ähnlich wie ein Wächter, der in der Nacht geduldig auf den neuen Morgen hofft.

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Details

Title
Der Psalter - Klagelieder des Einzelnen
College
University of Koblenz-Landau
Grade
1,3
Author
Kathrin Morawietz (Author)
Publication Year
2003
Pages
31
Catalog Number
V43554
ISBN (eBook)
9783638413213
Language
German
Tags
Psalter Klagelieder Einzelnen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kathrin Morawietz (Author), 2003, Der Psalter - Klagelieder des Einzelnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43554
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