Diese Arbeit beschäftigt sich grundlegend mit dem Wahlverhalten des „rationalen Wählers“ nach Anthony Downs. Dieser beschäftigte sich erstmals in seiner Studie: „An economic theory of democracy“ aus dem Jahr 1957 mit dem Verhalten eines jeden Menschen, eine Entscheidung vor dem Treffen rational abzuwiegen. Somit basiert das Modell des rationalen Wählers auf einer Rational Choice-Theorie, mit der sich Downs über die Jahre auseinandergesetzt hat. Im Wesentlichen beschäftigt sich die Rational Choice-Theorie nach Downs damit, für welche politische Partei ein rationaler Wähler stimmt, wann und warum er sich demnach dazu entschließt, sie zu wählen. Bei logischer Umsetzung der oben genannten Rational Choice-Theorie wird schnell klar, dass bei dem Thema „Wahlbeteiligung“ ein Widerspruch entsteht. Man stößt auf das sogenannte „Wahlparadoxon“, was im Groben besagt, dass eine Beteiligung an Wahlen nicht lohnenswert für die Nutzenmaximierung des einzelnen Individuums ist. Dieses wird aber im Verlauf der Arbeit noch genauer anhand eines Beispiels erläutert.
Zuvor aber beschäftige ich mich mit der Rational Choice-Theorie nach Downs selbst, verschiedener soziologischer Erklärungsgrundlagen nach Hartmut Esser um den Rahmen für das folgende Beispiel zu setzen, was sich konkret mit den Ergebnissen der amerikanischen Präsidentschaftswahl 2016 auseinandersetzt. Diese Wahl wird als empirischer Beleg und Erläuterung des Wahlparadoxons nach Karl Popper zur Hilfe gezogen. Im vierten Kapitel setze ich mich mit dem Modifikationsversuch von Downs selbst auseinander. Schließlich folgt im fünften Kapitel das Fazit sowie die Darstellung von Kritik des vorangestellten Lösungsansatzes und dazu ein Ausblick auf weitere Lösungsansätze des zuvor angesprochenen Wahlparadoxons.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rational Choice-Theorie nach Anthony Downs
2.1. Die Eckpfeiler des sozialwissenschaftlichen Erklärens nach Hartmut Esser
2.2. Der rationale Wähler
2.3 Das Parteiendifferential
2.4 Die Wahlbeteiligung des rationalen Wählers
3. Präsidentschaftswahl 2016 als deduktive Überprüfung der Wahlbeteiligung
4. Downs Überlegungen zur Auflösung des Wahlparadoxons
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der Rational Choice-Theorie nach Anthony Downs auf das tatsächliche Wahlverhalten, wobei der Fokus auf dem sogenannten „Wahlparadoxon“ und der amerikanischen Präsidentschaftswahl 2016 liegt.
- Grundlagen der Rational Choice-Theorie und des Modells des rationalen Wählers.
- Die Analyse soziologischer Erklärungsgrundlagen nach Hartmut Esser.
- Die mathematische Modellierung von Parteiendifferential und Wahlbeteiligung.
- Die deduktive Überprüfung des Downs’schen Modells anhand empirischer Wahldaten.
- Die kritische Diskussion von Lösungsansätzen für das Wahlparadoxon.
Auszug aus dem Buch
3. Präsidentschaftswahl 2016 als deduktive Überprüfung der Wahlbeteiligung
„Die Tätigkeit des wissenschaftlichen Forschers besteht darin, Sätze [...] aufzustellen und systematisch zu überprüfen“ (Popper 1935: 87 f.). Im Sinne von Karl Popper werde ich nun die von Anthony Downs formulierte Theory der Wahlbeteiligung auf die Präsidentschaftswahl in den USA im Jahr 2016 herunterbrechen. Popper stellt in seinem Werk „Logik der Forschung“ aus dem Jahr 1935 ein Verfahren, bestehend aus vier Schritten vor, das dazu dient, „die empirisch-wissenschaftliche Forschungsmethode einer logischen Analyse zu unterziehen“ (Popper 1935: 88). Das bedeutet im Grunde lediglich, dass das von Downs formulierte Explanandum (Kosten des Wahlgangs übersteigen Eigennutzen, somit Nichtwahl) mit einer Empirie konfrontiert werden muss, um zu sehen, ob das zugrundeliegende Akteursmodell nützlich ist.
Für meine Überprüfung ist lediglich der dritte Schritt, „Die deduktive Überprüfung der Theorien“ von Bedeutung. Dieser beinhaltet die Prüfung der Neuerkenntnis an der Praxis. So werden möglichst leicht nachprüfbare Prognosen deduziert und mit der Theorie verglichen (vgl. Popper 1935: 93). Theoretisch wurde also im vorangegangenen Kapitel die logische Schlussfolgerung erarbeitet, dass die Teilnahme an einer Wahl irrational ist, wenn bestimmte Bedingungen gegeben sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des rationalen Wählers nach Anthony Downs ein und formuliert das zentrale Problem des Wahlparadoxons, welches den Anlass für die wissenschaftliche Untersuchung bildet.
2. Die Rational Choice-Theorie nach Anthony Downs: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Rational Choice-Theorie, insbesondere die Annahmen über den Homo Oeconomicus, das Kosten-Nutzen-Kalkül und das Parteiendifferential, detailliert erläutert.
2.1. Die Eckpfeiler des sozialwissenschaftlichen Erklärens nach Hartmut Esser: Dieser Abschnitt überträgt die methodischen Schritte von Hartmut Esser auf die Situation des rationalen Wählers in einer Massendemokratie.
2.2. Der rationale Wähler: Das Kapitel definiert die Handlungsmotivation des rationalen Wählers und erläutert die ökonomischen Konzepte hinter dem Nutzeneinkommen bei Wahlen.
2.3 Das Parteiendifferential: Es wird die mathematische Kalkulation des Nutzens für den Wähler bei der Wahl zwischen zwei politischen Alternativen unter Unsicherheit analysiert.
2.4 Die Wahlbeteiligung des rationalen Wählers: Hier wird hergeleitet, warum die Teilnahme an einer Wahl aus rationaler Sicht unter Einbeziehung der Kosten (K) gegen Null tendieren müsste.
3. Präsidentschaftswahl 2016 als deduktive Überprüfung der Wahlbeteiligung: Das Kapitel kontrastiert die theoretische Herleitung mit der empirischen Wahlbeteiligung bei der US-Präsidentschaftswahl 2016.
4. Downs Überlegungen zur Auflösung des Wahlparadoxons: Der Autor diskutiert Downs' Versuch, das Modell durch den „langfristigen Partizipationswert“ als „Versicherung“ der Demokratie zu retten.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis ab, dass das Wahlparadoxon durch die Downs'sche Theorie nicht zufriedenstellend gelöst werden kann, betont jedoch den Wert des Modells für weiterführende Ansätze.
Schlüsselwörter
Rational Choice, Anthony Downs, Wahlverhalten, Wahlparadoxon, Homo Oeconomicus, Politische Theorie, Wahlbeteiligung, Kosten-Nutzen-Kalkül, Parteiendifferential, Präsidentschaftswahl 2016, Hartmut Esser, Karl Popper, Demokratie, Partizipationswert, Kollektivgut.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das Wahlverhalten in der klassischen Rational Choice-Theorie von Anthony Downs modelliert wird und warum diese Theorie bei der Erklärung der tatsächlichen Wahlbeteiligung an ihre Grenzen stößt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die ökonomische Theorie der Demokratie, die soziologische Handlungstheorie, die mathematische Modellierung von Parteienpräferenzen und das empirische Phänomen der Wahlbeteiligung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Überprüfung, ob das Downs'sche Modell des rationalen Wählers das sogenannte Wahlparadoxon – die Tatsache, dass Menschen wählen, obwohl die Kosten den individuellen Nutzen übersteigen – wissenschaftlich erklären kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt dem methodischen Ansatz der deduktiven Überprüfung nach Karl Popper, indem theoretische Prognosen aus dem Modell von Downs abgeleitet und mit empirischen Daten der US-Wahl 2016 abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die theoretischen Grundannahmen des Homo Oeconomicus, berechnet mathematisch das Parteiendifferential und analysiert die Erweiterung des Modells um den langfristigen Partizipationswert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Rational Choice, Wahlparadoxon, Kosten-Nutzen-Kalkül, politisches Handeln und kollektive Güter charakterisieren.
Warum spielt die US-Wahl 2016 eine zentrale Rolle?
Sie dient als konkreter empirischer Belegfall, um zu zeigen, dass trotz der theoretischen Erwartung einer Wahlbeteiligung nahe Null eine reale Wahlbeteiligung von über 59 % stattgefunden hat.
Wie versucht Downs das Wahlparadoxon theoretisch zu retten?
Downs führt den „langfristigen Partizipationswert“ ein, indem er das Wählen als eine Art Versicherungsprämie für das Überleben der Demokratie umdeutet, um so den Nutzen des Wählens künstlich zu erhöhen.
Kommt die Arbeit zu einem positiven Ergebnis für die Theorie?
Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Theorie von Downs das Wahlparadoxon nicht befriedigend auflösen kann, erkennt ihr aber dennoch einen hohen Wert als Ausgangspunkt für komplexere Modifikationsversuche an.
- Arbeit zitieren
- Eugene Schwarz (Autor:in), 2017, Anthony Downs Scheitern an der Erklärung der Höhe der Wahlbeteiligung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435609