Kult oder Flucht. Motive und Folgen eines regelmäßigen Cannabiskonsums durch Jugendliche


Hausarbeit, 2018

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Wenn von Cannabis die Rede ist
2.1. Die Wirkung des psychoaktiven Stoffes
2.2. Das Problem am Cannabis
2.3. Die Gretchenfrage nach der Abhängigkeit

3. Warum Jugendliche zu Cannabis greifen
3.1. Ursachen und Motive des Konsums

4. Folgen eines regelmäßigen Konsums im Jugendalter
4.1. Physische und psychische Folgen
4.1.1. Kurzzeitfolgen
4.1.2. Langzeitfolgen
4.2. Strafrechtliche Folgen

5. Die Frage nach der Legalisierung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang
7.1. Abbildung 1
7.2. Abbildung 2 – ICD-10
7.3. Kriterien nach Newcomb und Bentler
7.4. DSM-5 Kriterien
7.5. Tabelle 1
7.6. Tabelle 2
7.7. Tabelle 3

8. Abkürzungsverzeichnis

1. Vorwort

In letzter Zeit wird das Thema Cannabis immer lauter, der Aufschrei nach Legalisierung ist so groß wie nie zuvor. Cannabis spielt seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle in der Geschichte der Menschheit. Egal ob als Handelsgut, Nahrung, Medizin, Faserlieferant für Stoffe oder auch nur als Rauschdroge. Keine illegale Droge ist so weit verbreitet wie Cannabis, wobei auch sie eine gesonderte Stelle der illegalen Drogen einnimmt. In vielen Regionen gilt Cannabis als Kulturgut.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass viele Jugendliche in den Kontakt mit dem Rauschmittel kommen. Diese Studienarbeit bietet deswegen einen gesonderten Blick auf den Konsum von Jugendlichen, denn Drogenkonsum ist eines der bekanntesten und größten Risiken für eine altersgerechte Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Es wird ein kurzer Einblick gewährt, um was es sich bei Cannabis handelt, was Jugendliche dazu verleitet Cannabis zu konsumieren und welche Folgen der Konsum dieser Droge mit sich zieht. Anhand dieser Ausarbeitung wird ein kurzer Blick auf die Frage der Legalisierung geworfen in Bezug auf die Motive und Folgen des Konsums. Der medizinische Aspekt der Droge wird in dieser nicht bis kaum behandelt, auch wenn dieser mittlerweile unumstritten ist, so würde eine Betrachtung des medizinischen Nutzens an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Ebenso wird kein näherer Einblick auf die psychiatrische Relevanz von Cannabis gewährt. Ziel dieser Arbeit ist es einen konzentrierten und fachlichen Überblick über Motive und Folgen von Cannabiskonsum dem/der Fachleser_in zu bieten, ihn im Allgemeinen über das Thema Cannabis aufzuklären und ihm/ihr erleichtern eine Position bezüglich der Legalisierungsdebatte zu finden, welche fachlich belegt ist.

2. Wenn von Cannabis die Rede ist

Cannabis gehört zur Pflanzenfamilie der Cannabaceae, welche aus den Gattungen „Hanf“ und „Hopfen“ besteht und eines der am weitesten verbreiteten Pflanzen auf unserer Erde. Ihr deutscher botanischer Name ist „Hanf“. Er wächst mehrere Meter hoch mit hohlen, starken Stängeln sowie vielen Seitenzweigen. Spricht man von der Rauschdroge, so ist Cannabis der Oberbegriff für die häufigsten Zubereitungsformen Haschisch („wird aus dem Harz und den Harzdrüsen der weiblichen Cannabispflanze gewonnen“[1], auch noch Dope oder Shit bezeichnet, Piece oder Ecken wenn sie von einer Platte abgebrochen wurden.), welches meistens in Platten gepresst wird(Hierbei wird ein durchschnittlicher THC Gehalt von 3-10% selten auch bis 20% erreicht.) und Marihuana (auch noch Grass, Gras, Heu, Pot, Ganja oder Weed genannt) , welches aus den THC-haltigen getrockneten weiblichen Cannabispflanze gewonnen wird. (Hierbei wird ein durchschnittlicher THC Gehalt von 1-5% selten auch bis 15% erreicht.) Für den Laien kann man Marihuana am besten mit dem Aussehen von Zigarettentabak oder losen Teeblättern vergleichen. Mithilfe organischer Lösungsmitteln, gewinnt man mittlerweile Haschischöl, welches einen Spitzenwert von 60% THC Gehalt erreichen kann.[2]

2.1. Die Wirkung des psychoaktiven Stoffes

In Cannabis sativa sind weit über 400 Inhaltsstoffe entdeckt worden, darunter 66 Cannabinoide. Bei den Cannabinoiden handelt es sich um sehr lipophile 21C-Terpene, sie sind also fett- und öllöslich. Die für den Menschen wichtigsten Inhaltsstoffe des Cannabis ist nach heutigen Forschungsergebnissen die Cannabinoide, welche für die pharmakologische Wirkung verantwortlich sind wie das Delta-9-Tetrahydrocannabinol (Delta-9-THC), Cannabidiol (CBD), Cannabinol (CBN) und weitere, sowie die Terpenoide, welche für Duft, Geschmack, Aroma und „Zähigkeit“ hauptverantwortlich sind.[3]

Das Delta-9-THC ist hauptverantwortlich für die berauschende Wirkung während Cannabidiol keine solche Wirkung zeigt, tierexperimentelle Daten sollen aber zeigen, dass es antikonvulsiv, angstlösend und antipsychotisch wirkt.[4]

Je nach Konsumform liegt die Bioverfügbarkeit bei 10-60%, Cannabis wirkt, da es in die Informationsverarbeitung des Gehirns eingreift, genauer gesagt dem synaptischen Spalt. Da es eine Vielzahl an unterschiedlichen Cannabinoiden gibt, kann man keine einheitliche Wirkungsweise feststellen. Spricht man jedoch von der Wirkung von Cannabis, ist damit allgemein die Wirkungsweise von Tetrahydrocannabinol (THC) gemeint. Diese Wirkung unterscheidet sich wiederum stark von der des Cannabidiols welches keine berauschende Wirkung hat.

In den letzten Jahren hat man im menschlichen Gehirn ein komplexes Endocannabinoidsystem mitsamt körpereigenes hergestellten Cannabinoid, de, Anandamid. Dies bestätigte die Theorie, dass wir spezifische Rezeptoren besitzen an die die unterschiedlichen Neurotransmitter der Cannabinoide andocken können, da THC eine eigene Wirkung zeigt.
Anders als beim Anandamid, welches in kleinen Mengen in spezifische Hirnareale ausgeschüttet wird, überschwemmen wir unser gesamtes Hirn regelrecht mit THC. Damit verbunden werden alle Cannabinoidrezeptoren aktiviert, das einen starken Dopaminausstoß zur Folge hat, welcher widerum verantwortlich für die Rauschwirkung ist.[5]

In der Hirnrinde und im Stirnbereich findet man die Rezeptoren die für die psychoaktive Wirkung wie

„die Hochstimmung (Euphorie), die halluzinogenen, traumähnlichen oder meditativen Zustände, die Beeinflussung des Zeitgefühls und der Konzentrationsfähigkeit.(...)In den tieferen Regionen des Hirnstamms finden sich nur wenig Cannabinoidrezeptoren. Darauf ist zurückzuführen, dass selbst hohe Dosen von Haschisch keinen nennenswerten Einfluss auf lebensbewahrende körperliche Grundfunktionen wie insbesondere die Atmung haben. IM Gegensatz zu Opiaten (Heroin) und Alkohol ist es praktisch unmöglich, eine Überdosis an Cannabis zu sich zu nehmen, die den Tod nach sich zöge.“[6]

Die Wirkung kann man in drei Wirkrichtungen einteilen: stimulierend (aufputschende Wirkung), dämpfend (abschirmend, entspannend, angstlösend) und halluzinogen (bewusstseinsverändernde Wirkung)[7]

Die empfundene Wirkung der Droge ist so vielfältig wie es seine Benutzer sind. Cannabis verstärkt vorherrschende Gefühle und Stimmungen. Befindet man sich in einer negativen Grundstimmung, ist die Gefahr groß, die körperlichen Begleiterscheinungen negativ zu erleben. Im Umkehrschluss werden Menschen mit einer guten Stimmung, eher eine positive psychoaktive Wirkung erzielen. „Eine Vielzahl von Einflussfaktoren bestimmt die Feinwirkung der Droge. Hier ist insbesondere das „Set“ und das „Setting“ zu nennen.“[8]

Unter Set versteht man die innere Einstellung gegenüber der Droge, die persönliche Erwartungshaltung an die gewünschte Wirkung, vorherrschende Gefühlslage sowie die Persönlichkeit des Nutzers. Mit Setting sind die äußeren Rahmenbedingungen, welche dem Psychonauten (Person die eine innere Reise unter Drogeneinfluss vollführt) während des Konsums gemeint. Dies sind der Ort, Zeit sowie Personen mit denen man konsumiert.
Man sollte aber unter keinen Umständen die Eigenmächtigkeit der Droge auf Seele, Geist, Gehirn und Körper unterschätzen.[9] Jede Pflanze hat seine eigene Wirkstoffkombination sowie -konzentration. Da die unterschiedlichen Wirkungen den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden, befindet sich im Anhang, Abbildung 1, eine Übersicht über unterschiedliche Wirkungen auf unterschiedliche Bereiche. (Siehe Anhang)

2.2. Das Problem am Cannabis

Das eigentliche Problem am Cannabis, ist nicht die reine Existenz und leichte Verfügbarkeit der Droge, sondern vielmehr sind es die Gebraucher von Cannabis, die keinen angemessenen Umgang pflegen können.

Viele Cannabis Nutzer, darunter einige aus dem eigenen Bekanntenkreis, welche ich für diese Studienarbeit befragt habe, berichteten mir immer wieder, dass niemand von der Droge stirbt und man auch ansonsten wenig Gefahr läuft, Probleme mit der Droge zu bekommen. Durch ihre selektive Wahrnehmung, nehmen sie vorwiegend nur die positiven Effekte wahr und können sich kaum vorstellen, dass immer mehr Menschen eine Drogenberatungsstelle aufsuchen, vor allem mit dem Hintergrund der immer stärkeren Forderung nach Liberalisierung der Droge. So kam auch der MoSyD Jahresbericht 2016 der Drogentrends in Frankfurt am Main zu dem Ergebnis, dass im Vergleich zur letzten Studie, die Nachfrage für Behandlungsangebote unverändert hoch bleibt, jedoch die Zahl der Aufsuchenden steigt, die zusätzlich zu einer langjährigen Cannabis-Abhängigkeit, auch eine Abhängigkeit gegenüber Alkohol und/oder Amphetamine entwickelt haben.[10]

Bedingt durch die Sucht, welche durch einen unsachgemäßen Umgang mit der Droge entsteht, entstehen weitere kurz- und langfristige Folgen. Welche psychischen, physischen oder strafrechtlichen Folgen entstehen können, wird an späterer Stelle in dieser Arbeit dargestellt.

2.3. Die Gretchenfrage nach der Abhängigkeit

Bevor wir von Abhängigkeit/Sucht oder Missbrauch bzw. schädlichem Gebrauch von Suchtmitteln sprechen, möchte ich gerne definieren was man unter einer Abhängigkeit und Missbrauch versteht, sowie deren Unterschiede.

Erfährt ein Individuum ein starkes Verlangen oder eine Art von inneren Zwang, eine bestimmte Substanz zu konsumieren, die Menge und Frequenz des Konsums immer unkontrollierbarer werden, eine Toleranzentwicklung gegenüber der Substanz aufbaut sowie körperliche und/oder psychische Entzugserscheinungen bei Absetzen der Substanz hat und andere wichtige Lebensbereiche vernachlässigt, spricht man von Sucht oder einer Abhängigkeit.[11] Von Missbrauch spricht man, wenn der Konsum von Substanzen zu einer körperlichen oder psychischen Gesundheitsschädigung führt. Es kann zu einer körperlichen Gefährdung kommen. Dieser wird trotz folglich entstehender sozialer und zwischenmenschlicher Probleme fortgesetzt. Suchtbezogene Delinquenz sowie das Nichterfüllen von verbindlichen Verpflichtungen werden auch als Kriterium für einen schädlichen Gebrauch genannt.[12]

Unbestritten ist mittlerweile die Frage ob Haschisch und Marihuana dafür empfängliche Menschen abhängig. Dies war lange Zeit umstritten, genauso die Frage ob die Droge nur psychisch oder auch körperlich abhängig macht. Erfahrungen aus der Praxis zeigen aber, dass viele Konsumenten_innen bei der Entgiftung ähnliche Entzugserscheinungen wie Schlafschwierigkeiten, Schwitzen, Gereiztheit oder Appetitlosigkeit zeigen. Seit vielen Jahren wird an einem internationalen einheitlichen Diagnosesystem gearbeitet. Durchgesetzt haben sich zwei Systeme. Das ICD-10 (wobei das ICD-11 bereits in Arbeit ist, üblich in Deutschland) und das DSM-5 (Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen, üblich in USA und anderen Ländern) von 2015. Dadurch wurde ein Diagnosewerkzeug erschaffen, welches uns erlaubt, Sucht und schädlichen Gebrauch diagnostisch zu ermitteln. Laut ICD-10 spricht man von Abhängigkeit, wenn eine Person mindestens drei Kriterien innerhalb des letzten Jahres der im Anhang, Abbildung 2 aufgezählten Kriterien erfüllt. Diese Kriterien sind bezogen auf Jugendliche jedoch umstritten, deswegen haben Newcomb und Bentler (1989) vier entwicklungsbezogene Kriterien definiert um den Substanzgebrauch vom Substanzmissbrauch zu unterscheiden. (Siehe Anhang – Kriterien nach Newcomb und Bentler)

Das DSM-5 unterscheidet nicht zwischen Substanzmissbrauch und Substanzabhängigkeit, sondern spricht von einer Substanzkonsumstörung. Das DSM-5 spezifiziert auch die Substanzen. Eine Substanzkonsumstörung von Haschisch oder Marihuana liegt laut DSM-5 vor, wenn mindestens 2 Kriterien innerhalb von 12 Monaten erfüllt sind. (Siehe Anhang DSM-5 Kriterien).

Man erkennt also, dass sehr wohl ein Abhängigkeitspotential besteht. Das Risiko physisch oder psychisch abhängig zu werden, steigt mit der Häufigkeit des Konsums, der Härte des Gebrauchsmusters und den individuellen Eigenheiten der Ursachen zum Konsum. Der Entzug ist im Vergleich zu z.B. Opiaten fällt aber eher sanft aus, da Cannabis nicht wie üblich über die Leber, sondern über den Fettstoffwechsel abgebaut wird. Um auf aktuelle verlässliche Zahlen zurückgreifen zu können, benutze ich den MoSyD Jahresbericht 2016. Dieser analysiert die Drogentrends in Frankfurt und berücksichtigt, vor allem die 15-18-Jährigen.

Aus der Studie geht hervor, dass der Erstkonsum durchschnittlich mit 15 Jahren erfolgt. 40% aller befragten 15-18-Jährigen haben schon einmal Cannabis konsumiert. 31% haben in den letzten 12 Monaten konsumiert, und 19% im letzten Monat. 42% der Personen die mindestens einmal Cannabis konsumierten, taten dies mindestens 10 weitere Male und gelten als erfahrene Konsument_innen. 16% der Menschen die im letzten Monat Cannabis konsumiert haben, sind intensiv täglich Konsumierende. Das entspricht 3% aller Befragten. Ebenfalls 3% aller Befragten (18% der aktuell Konsumierenden) sind Gewohnheitskonsument_innen mit mehrmaligem wöchentlichen Konsum und 2% (13% der aktuell Konsumierenden. von allen Befragten sind Wochenendkonsument_innen (1x pro Woche). Gelegenheitskonsument_innen (weniger als 1x pro Woche) machen 54% der aktuell Konsumierenden bzw. 11% aller befragten Personen. Dies ist zugleich die größte Gruppe.

29% aller Konsument_innen, bzw. 5% aller Befragten konsumieren mindestens einmal im Monat auch vor oder während der Unterrichtszeit.[13] Nach einem jahrelangem Anstieg der Konsument_innen, zeigt die Studie erstmals einen Rückgang der Konsument_innen. Auch die Häufigkeit des Konsums, scheint mit zunehmendem Alter weniger zu werden.

Die Zahlen belegen, dass ein mögliches Abhängigkeitspotential bei der Menge an Gewohnheitskonsument_innen und Intensivkonsument_innen, unumstritten ist. Wie viele von diesen Konsument_innen jedoch tatsächlich abhängig sind oder bei wie vielen eine Substanzkonsumstörung vorliegt, lässt sich jedoch nur sehr schwer beurteilen, da die persönliche und individuelle Situation einen entscheidenden Faktor beim ICD-10 oder DSM-5 Diagnoseverfahren spielt. Abschließend lässt sich sagen, dass Cannabis abhängig macht. Wie stark und in welchem Umfang ist jedoch sehr stark von dem/den Konsument_innen ab. David Nutt verglich das Abhängigkeitspotential und der physische Schaden von verschiedenen Drogen (siehe Tabelle 2 im Anhang). Daraus geht auch hervor, dass Cannabis ein geringeres Abhängigkeitspotential als z.B. Heroin, Kokain, Tabak oder Alkohol und ein geringeres Schadenspotential besitzt als fast alle anderen gängigen Drogen.

3. Warum Jugendliche zu Cannabis greifen

3.1. Ursachen und Motive des Konsums

Seinen Kummer ausatmen können,

tief ausatmen,

sodass man wieder einatmen kann.

Und vielleicht auch

seinen Kummer sagen

können in Worten,

die zusammenhängen und Sinn haben

und die man noch verstehen kann

und die vielleicht sogar irgendwer sonst versteht.

Oder verstehen könnte,

und weinen können.

Das wäre schon fast wieder Glück.

(Erich Fried)[14]

In diesem Kapitel, wird kurz darüber diskutiert, was Jugendliche dazu veranlasst, Cannabis und andere illegale Drogen zu konsumieren.

Die Ursachen und Motive des Konsums illegaler Substanzen sind so vielfältig wie deren Konsument_innen. Die meisten Motive kann man zwar kategorisieren, jedoch lassen diese Kategorien keinen Einblick in die Tiefe der Psyche, welche einen dazu veranlasst zu Suchtmitteln zu greifen. Dabei muss man beachten, dass nicht jeder Konsum ein schädlicher oder problembelasteter ist. Viele Konsument_innen fühlen sich orientierungslos in unserer zivilisierten Gesellschaft, die ein Verständnis von Leben und Glück entwickelt hat, welchem viele nicht folgen können. So suchen sie Zuflucht in den Rauschdrogen in der Hoffnung auf Halt in ihrem Leben. Hinzu kommt, dass viele Rauschmittelabhängige stigmatisiert werden. Sie werden als problematisch oder seelisch krank bezeichnet. Obwohl viele dieser Menschen ein gesünderes Leben pflegen als manche Menschen deren herausragendste Eigenschaft derer ist, in der Gesellschaft zu funktionieren und als „normal“ gelten.[15] So ist es nicht weiter verwunderlich, dass diese Menschen in eine Teufelsspirale geraten und ständig dem Zwang unterliegen, sich wieder der Gesellschaft anzupassen was zu einer Überforderung und einer noch tieferen Flucht in die Welt der Rauschmittel führen kann.

Die Grundlage in dieser Studienarbeit bezüglich der Motive von Rauschmittelkonsums bildet der MySoD Jahresbericht 2016. Es wird nochmal zwischen Geschlecht unterschieden, dabei verzichte ich aber bewusst auf die Auswahl dieser Tabelle, da intersexuelle Menschen, Transsexuelle, Transgender, usw. keine Beachtung in dieser Tabelle finden. Deswegen benutze ich nur die Gesamtübersicht der 15-18 Jährigen welche Minimum 1x illegale Substanzen konsumiert haben. Die Zahlen sind prozentuell in Relation der Gesamtbefragten angegeben.

Die 5 häufigsten genannten Gründe für den Konsum illegaler Drogen sind Neugier, etwas Neues/Aufregendes erleben, körperlich gutes Gefühl, Alltag vergessen/Abschalten und aus Geselligkeit, weil es Freunde auch tun.

Hier kann man schon Tendenzen feststellen, dass es einigen darum geht sich aus dem hier und jetzt zu entziehen. Viele Menschen haben tagtäglich mit mehr oder weniger schweren Schicksalsschlägen, Problemen oder Herausforderungen zu kämpfen. So wollen sie den Alltag vergessen, sich besser/glücklich fühlen und etwas Aufregendes erleben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein weiteres Motiv für den Konsum psychoaktiver Substanzen kann im Rahmen der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben während dem Jugendalter gefunden werden.

Drogenkonsum ist eine von vielen Arten der Risikoverhaltensweisen.

„Risikoverhalten ist eine Entwicklungsaufgabe der Adoleszenz. Der überwiegend probierbezogene Konsum von psychoaktiven Substanzen ist quasi normativ im Jugendalter und ist als transitorisches Verhalten ubiquitär“[16]

Drogenkonsum findet heutzutage in allen sozialen Schichten statt und nicht mehr überwiegend in prekären Schichten. Experimentieren mit legalen sowie illegalen psychoaktiven Substanzen hat sich in zunehmenden Maße zum Bestandteil der Sozialisation im Rahmen einer „Normalbiographie“. Es wird das Ziel verfolgt, einen kontrollierten und sozial angemessenen Umgang damit zu Erlernen.[17]

Bei vielen Jugendlichen kann und ist es eine wesentliche Entwicklungsaufgabe solch eigenverantwortliche Konsummuster bezüglich psychoaktiven Substanzen wie Cannabis zu entwickeln.[18] Zusätzlich kann der Konsum von Cannabis zur Bewältigung weiter Funktionen der Entwicklungsaufgabe beitragen. Diese Aufgaben und damit verbunden Funktionen befinden sich im Anhang in Tabelle 3 zur Ansicht, werden in dieser Arbeit nicht weiter behandelt.

4. Folgen eines regelmäßigen Konsums im Jugendalter

4.1. Physische und psychische Folgen

Die physischen und psychischen Folgen von Cannabiskonsum sind wieder so vielfältig wie ihre Konsument_innen, deren Form der Einnahme sowie Häufigkeit und Menge.
Umstritten ist seit jeher die Langzeitfolgen der Droge, da Cannabis aufgrund der Wiederentdeckung ihres medizinischen Potentials erst seit geringer Zeit intensiv erforscht wird.

4.1.1. Kurzzeitfolgen

Die Kurzzeitfolgen von Cannabiskonsum lassen sich relativ gut überprüfen sind weitestgehend bekannt. So wurden diese bereits in vieler Fachliteratur beschrieben und werden nur tabellarisch aufgelistet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[19]

4.1.2. Langzeitfolgen

Die Langzeitfolgen sind noch längst nicht abschließend erforscht. So werden tagtäglich neue Erkenntnisse bezüglich der Langzeitwirkung von Cannabis gewonnen.
Im Rahmen eines Expertenpapiers zum Thema Cannabis, arbeitete die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie unter der Leitung von Haller et. Al, 2004, Langzeitwirkungen von Cannabis aus. Vorweg muss man sagen, dass in dieser Ausarbeitung keine Unterscheidung zwischen Konsumform gemacht wurde. So sind die Auswirkungen auf das Respirationssystem bei oralem Konsum oder Verdampfen zu vernachlässigen. Auch gibt es keine Unterscheidung ob Cannabis „pur“ oder gestreckt mit Tabak konsumiert wird. So sind die gesundheitlichen Auswirkungen in gestreckter Form erheblich gravierender. Auch die Karzinogenität ist in direktem Bezug abhängig zur Konsumform. So zeigen vorläufige Ergebnisse einer Studie aus dem Jahr 2017, dass THC und CBD in Verbindung mit Chemotherapie den Krebs besser bekämpft als eine reine Chemotherapie. (1-Jahresüberlebensrate von 53% gegenüber von 83%)[20]

Cannabis wird eine krebszellenzerstörende Wirkung zugesprochen. So hat das US-Gesundheitsministerium auf ihrer Informationswebsite zu Krebserkrankungen offiziell bestätigt, dass die Wirkstoffe von Cannabis sich positiv auf die Heilung von Krebs auswirkt. Die Cannabinoide sollen sogar Tumorzellen zerstören[21]

Zu folgendem Schluss kam das Team rund um Haller:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [22]

Hinzu kommt, dass bei regelmäßigem Konsum sich eine Toleranzentwicklung gegenüber dem psychotropen Effekt aufgebaut wird. Die Ausbildung eines möglichen Abhängigkeitssyndrom ist wie vorhin schon erwähnt unbestreitbar. So wird vermutet, dass jeder 10. Konsument nach 5-6 Jahren intensivem Cannabiskonsum eine Abhängigkeit entwickelt.

Eine weitere erwähnenswerte Folge ist die erhöhte Unfallgefahr, vor allem im Straßenverkehr. So sind kognitive Beeinträchtigungen ab 6ng/ml im Blut vom Risiko her vergleichbar mit 0,5 Promille Blutalkoholkonzentration. Hinzu kommen die Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit, sowie erhöhte Wahrscheinlichkeit strafrechtlich relevante Taten zu begehen und dabei erwischt zu werden. Auf die Folgen wird im nächsten Kapitel näher eingegangen.[23]

Die Meinung zu Cannabis in Bezug zu Psychosen sind in Sachen Richtung von Ursache und Wirkung strittig. Eine nähere Betrachtung findet an dieser Stelle nicht statt. Stattdessen werden die Auswirkungen auf das sich noch entwickelnde Gehirn der Jugendlichen während der pubertären Entwicklungsphase näher beleuchtet.

„Unter Pubertät (lat. Pubertas = Mannbarkeit) versteht man etwa seit dem 16. Jahrhundert den äußerst komplexen und empfindlichen Teil der Adoleszenz, in welchem die sexuelle Reifung stattfindet. Während der zeitlich gut abgrenzbaren Pubertät kommt es durch hormonelle Veränderungen zur Geschlechtsreife und zur Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale. Die Adoleszenz, welche fälschlicherweise oft mit der Pubertät gleichgesetzt wird, umfasst hingegen den langsamen und eher graduellen Übergang der Entwicklung von der Kindheit hin zum vollen Erwachsensein. Sie stellt damit einen zeitlich sehr schwer abgrenzbaren Lebensabschnitt dar, während dessen eine Person biologisch bereits ausgewachsen, aber emotional und sozial noch nicht vollends gereift ist.“[24]

Die Pubertät ist neben des prä- und perinatalen Reifungsprozesses ein zweiter wichtiger Moment der Gehirnentwicklung. So kommt es zur abschließenden Myelinisierung, Pruning (dies ist der synaptische und axonale Abbau) und zur Ausreifung von verschiedenen Neurotransmittersystemen. Zusätzlich kommt es zur Reifung derer Hirnareale, die mit der Abhängigkeitsentwicklung, impulsivem Verhalten und Motivationsprozesse in Verbindung gebracht werden. Diese Entwicklungsprozesse können den Prozess des Erlernens sowie der Aneignung von erwachsenem Verhalten positiv beeinflussen, welche wieder eine höhere Vulnerabilität gegenüber den negativen Auswirkungen von Cannabis zeigen können.

Da in diesem Stadium der Hirnentwicklung sich entscheidende Prozesse abspielen, verwundert es nicht weiter, dass die Auswirkungen von Drogen stärker vonstatten gehen im Gegensatz zu einem ausgewachsenen und voll entwickelten Menschen. Eine große amerikanische Studie belegte, dass je früher man mit Cannabis beginnt, ein höherer Prozentsatz ein Abhängigkeitssyndrom entwickelt. Auch scheint ein früheres Einstiegsalter dazu zuführen, weitere illegale Drogen zu konsumieren.[25] Gegen diese gate-way Theorie spricht allerdings auch, dass genetische Veranlagungen den Konsum psychotroper Substanzen begünstigen, genauso das soziale Umfeld, welches Cannabis bereitstellen kann und einen dazu ermutigt oder sogar forciert, Cannabis zu konsumieren.

Aus einer tierexperimentellen Studie kommt auch der Ansatz, dass Cannabinoide zu neuronale Modulationen führen und somit die Empfänglichkeit gegenüber anderen Drogen verändert.[26]

Bewiesen ist, dass Cannabiskonsum akut zu Störungen der kognitiven Leistungsfähigkeit führen kann. Langfristige Folgen auf die kognitive Leistungsfähigkeit konnten noch nicht bewiesen werden. Aktuelle Studien deuten aber daraufhin, dass Aufmerksamkeitsprozesse während der Pubertät starken Reifungsprozessen ausgesetzt sind. Deswegen scheint es, als wäre das pubertäre Gehirn besonders empfindlich gegenüber der Wirkung von Cannabinoiden wie eine Arbeitsgruppe rund um Ehrenreich feststellte.[27] Es bedarf jedoch weiterer Forschung und Studien um ein abschließendes Urteil zu fällen.
Andere Studien scheinen darauf hinzuführen, dass speziell empfindliche Entwicklungsphasen existieren, in derer aversive Effekte von Cannabinoiden auf psychiatrische Erkrankungen ungewöhnlich stark und dauerhaft ausprägen und somit kann pubertärer Cannabiskonsum das Risiko erhöhen, an Schizophrenie zu erkranken. Eine Studie von Caspi und Kollegen zeigt auch, dass das Risiko umso höher ist, wenn man eine genetische Vorbelastung wie z.B. eine bestimmte Variante des COMT Gens besitzt und zusätzlich Cannabis konsumiert wird während der Pubertät.[28]

4.2. Strafrechtliche Folgen

Viele Cannabiskonsument_innen sind im Unklaren über die strafrechtlichen Konsequenzen oder besitzen keinerlei Unrechtsbewusstsein in Verbindung mit Rauschmittelkonsum. Ursache dafür kann die persönliche Ansicht sein, dass Cannabis keine Droge ist. Zugleich sehen viele Jugendliche tagtäglich wie Delikte, darunter auch schwerwiegende wie Mord, Vergewaltigung, Körperverletzung, Steuerhinterziehung usw. begannen werden. Oft auch von hochrangigen oder prominenten Personen (Stichwort Uli Hoeneß, Steuerhinterziehung, Vorbilds Funktion für viele Junge Menschen). Es fällt ihnen schwer überhaupt ein Unrechtbewusstsein zu entwickeln, scheint der Konsum von Cannabis doch kaum als erachtenswert.[29] Dabei können die Strafen sogar recht hart ausfallen. Um die Härte der Strafe festzulegen ist es entscheidend ob der/die Konsument_in mit einer geringen oder nicht geringen Menge erwischt wurde. Dazu hat der Bundesgerichtshof festgestellt, dass es ca. mg. THC bedarf um sich in einen Rauschzustand zu versetzen. Die Grenze zwischen geringer und nicht geringer Menge liegt bei 500 Konsumeinheiten. Das macht also 7,5g THC aus. Geht man von einer durchschnittlich guten Qualität von Marihuana aus, liegt der THC-Gehalt bei rund 10% und damit die Grenze von geringer Menge und nicht geringer Menge bei 75g Marihuana.

Eine solche nicht geringe Menge würde mind. 1 Jahr Freiheitsstrafe (§29a BtMG), bei Einfuhr von Cannabis in nicht geringer Menge sogar mind. 2 Jahre Freiheitsstrafe (§30 BtMG). Im Strafverfahren wird aber in jedem Fall einzeln der THC Gehalt mittels Massenspektrometer ermittelt. Man kann sich also nicht nach der reinen Gramm Zahl richten, da man in den meisten Fällen nicht weiß, welche Qualität das Cannabisprodukt hat.[30]

- „Strafen bei geringen Mengen an Cannabis: Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe bei § 29 BtMG, Verfahrenseinstellung wg. Geringfügigkeit bei § 31a BtMG.

- Strafen bei nicht geringen Mengen an Cannabis: Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bei § 29a I BtMG, Freiheitsstrafe von 3 Monaten bis zu 5 Jahren (minder schwerer Fall) bei § 29a II BtMG, Freiheitsstrafe nicht unter 2 Jahren bei § 30 I BtMG, Freiheitsstrafe von 3 Monaten bis zu 5 Jahren (minder schwerer Fall) bei § 30 II BtMG, Freiheitsstrafe nicht unter 5 Jahren bei § 30a I,II BtMG, Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 5 Jahren (minder schwerer Fall) bei § 30a III BtMG.“[31]

Die Strafen können also recht hoch ausfallen. Wird man zu einer Freiheitsstrafe von weniger als 5 Jahren verurteilt, kann die Strafvollstreckung zurückgestellt werden, falls die Tat aufgrund der Betäubungsmittelabhängigkeit begangen wurde. Man spricht in diesem Fall auch von einer Therapie. So kann man nach erfolgreicher Therapie, die Strafe direkt zur Bewährung ausgesetzt bekommen.

„Nach § 31 BtMG kann die Strafe in den dort genannten Fällen (bitte lesen !!!) gemildert oder sogar von Strafe abgesehen werden, wenn der Täter durch freiwillige Offenbarung seines Wissens wesentlich dazu beiträgt, dass die Tat über seinen Tatbeitrag hinaus aufgedeckt wurde oder freiwillig und rechtzeitig Wissen offenbart, damit Straftaten der dort genannten Fälle, von deren Planung er weiss, noch verhindert werden können. Das nennt man auch Kronzeugenregelung.“[32]

Durch diese freiwillige Kooperation, kann in der Hauptverhandlung darüber entschieden werden ob die Strafe noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann oder nicht. Im Umkehrschluss hilft diese Regelung der Staatsanwaltschaft weitere und tiefer greifende Strukturen, eventuell sogar Bandenstrukturen aufzudecken und zu zerschlagen.

Nach dem sogenannten „Cannabisbeschluss“ des Bundesverfassungsgerichts 1994 ist es zum Teil gängige Praxis, dass geringe Mengen an Cannabis die für den Eigenverbrauch bestimmt sind, dazu führen, dass aus Gründen der Verhältnismäßigkeit von einer weiteren Strafverfolgung abgesehen werden sollte. Damit dies zur Anwendung kommt, darf keine weitere Person gefährdet werden. Unabhängig von der Verhältnismäßigkeit, wird man in jedem Fall aktenkundig, da die Polizei dazu verpflichtet ist, die Personalien festzustellen und ein Ermittlungsverfahren einzuleiten. Nur die Staatsanwaltschaft hat die Möglichkeit das Verfahren wegen Geringfügigkeit einzustellen. Eine Fremdgefährdung von minderjährigen oder unter Cannabiseinfluss Auto zu fahren, schließt ein Einstellen des Verfahrens aus. Unter Fremdgefährdung kann verstanden werden, wenn in Schulen, auf Klassenfahrten, Spielplätzen. Anwendung dieses Beschlusses in Bezug zur Kleinmengenregelung findet aber nur Anwendung für den Gelegenheitskonsum. Wird man wiederholt erwischt, muss mit einem Strafverfahren gerechnet werden. Der Verkauf von Cannabis ist von dieser Regelung ausgenommen. Hier wird grundsätzlich ein Strafverfahren eingeleitet.[33]

5. Die Frage nach der Legalisierung

Als Abschluss dieser Arbeit, dient die rezent immer lauter werdende Debatte der Legalisierung. Weltweit fanden in letzter Zeit starke Veränderungen auf der Welt statt was Illegalität und Tolerierung angeht. So verfolgen einige Länder und amerikanische Bundesstaaten eine neue Drogenpolitik der Legalisierung. Dabei ist zu beachten, dass es nicht um die Freigabe von Cannabis in jeglicher Hinsicht geht, sondern um einen staatlich regulierten Verkauf von lizensierten Händlern an volljährige Personen. Über kurz oder lang wird es auch in Deutschland zu einer Legalisierung kommen. So findet vom 04-07.06.2018 eine Expertensitzung der WHO in Genf statt. Zur Debatte steht inwieweit nach heutigen Erkenntnissen Cannabis noch als gefährliche Droge eingestuft werden kann. Das Expertenkomitee hat erst letztes Jahr CBD, welches mittlerweile frei verkäuflich ist, als ungefährlich eingestuft. Die deutsche Bundesdrogenbeauftragte beruft sich in ihrer Funktion an die Beschlüsse der WHO und an die Vorgaben des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung.[34] Eine Neueinstufung der WHO könnte also erhebliche Konsequenzen auf die Legalisierungsdebatte haben. Auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordern eine „komplette Entkriminalisierung von Cannabis-Konsumenten“[35] mit der Begründung, dass die aktuelle Rechtslage Menschen stigmatisiere und somit kriminelle Karrieren erst entstehen. Durch eine regulierte Abgabe verlagert sich der Handel von kriminellen Strukturen hin zu staatlich kontrollierten Abgabestelle. So erhält man einen Einfluss auf Qualität (Stichwort gestrecktes Gras) sowie auf die Konsumenten. Innerhalb von Europa kam es sowohl zu restriktiven als auch liberale Veränderung hinsichtlich der Politik mit Cannabis. Die europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht legte 2011 in ihrem Jahresbericht vor, dass kein Zusammenhang zwischen Konsumverhalten und drogenpolitischen Veränderungen besteht.

Bezüglich der aufgeführten Argumente, wird an dieser Stelle versucht eine Empfehlung bezüglich der Legalisierungsdebatte auszusprechen. Durch ein Verbot von Cannabis erfahren viele Menschen starke Repressionen und Stigmatisierungen, verbunden mit den einhergehenden strafrechtlichen Konsequenzen. Im Vergleich zu anderen legalen Drogen ist eine Neubetrachtung und Neueinstufung der Droge bezüglich der WHO wünschenswert. Auch scheinen die Langzeitauswirkungen von Cannabis auf den erwachsenen Menschen längst nicht so fatal, Tendenz fast gegen Null, sollte keine Vorbelastung vorhanden sein. Dagegen spricht, dass aktuelle Studien dazu tendieren, dass Cannabiskonsum einen doch erheblichen Einfluss auf das sich entwickelnde jugendliche Gehirn hat, sollte die Droge in einem bestimmten Zeitfenster der Entwicklung erfolgen. Mögliche langfristige Folgen im kognitiven, sozialen und emotionalen Bereich sowie einem gesteigertem Abhängigkeitspotential und Begünstigung psychischer Erkrankungen können die Konsequenz sein. Unter dem Vorbehalt, dass Cannabis für Jugendliche unter 18 weiterhin verboten bleibt und Cannabis nur in lizensierten Verkaufsstellen reguliert abgegeben wird, ähnlich der Alkholverkaufsstellen in Schweden, unterstützenswert.[36] [37] [38]

6. Literaturverzeichnis

- Büge, Michael (2017). Basiswissen. Cannabiskonsum und psychische Störungen (1. Aufl.). Köln: Psychiatrie Verlag.
- Dr. med.Grotenhermen Franjo. THC und CBD bei Krebs: der aktuelle Stand der Wissenschaft. Zugriff am: 10.06.2017. Verfügbar unter: https://dr-grotenhermen.de/krebsinformation.pdf.
- Dr. Pfefferkorn- Tschaler, Sonja (2008). Drogenkonsum Jugendlicher. Risikoverhalten zwischen Genuss, Missbrauch und Sucht (1. Aufl). Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller.
- Ehrenreich H., Rinn T., Kunter HJ, Moeller MR, Poser W., Schilling L., Gigerenzer G., Hoehe MR (1999). Specific attentional dysfunction in adults following early start of cannabis use. Psychopharmacology 142, 295-301.
- Einwanger, Jürgen (2003). Risikooptimierung. In Koller, G. & Rögel, N. (Hrsg): Risflecting – Grundlagen, statements und Modelle zur Rausch- und Risikopädagogik. Ein Studien und Lesebuch. Salzburg: Akzente Salzburg.
- Franzkowiak, Peter (2001). Drogenkonsum in der Partyszene: Entwicklungen und aktueller Kenntnisstand. Dokumentation einer Fachtagung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Suchtprävention vom 24.09.01 bis 26.09.01 in Köln. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, 19. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
- Fried, Erich (o.J.). Aufhebung. Zugriff am 09.06.2018. Verfügbar unter: https://www.deutschelyrik.de/index.php/aufhebung-1100.html.
- Haller, Reinhard, Dittrich, Isabel, Fleischhacker W. Wolfgang (2004). Expertenpapier der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie zum Thema Cannabis. Insbruck: Medizinische Universität.
- Hüther, Gerald (2009). Kurzfristige Wrkung und langfristige Folgen der Einnahme von Psychostimulanzien und Entaktogenen auf das sich entwickelnde Gehirn von Kindern und Jugendlichen. In: Möller, Christoph (Hrsg.): Drogenmissbrauch im Jugendalter. Ursachen und Auswirkungen (S. 49-64, 3. Aufl.). Göttingen, Birkbach: Vandenhoeck & Ruprecht.
- Kaiser, Ralf (2015). Betäubungsmittelstrafrecht. Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) mit Cannabis, Marihuana, Haschisch: Welche Strafen drohen?. Zugriff am 10.06.2018. Verfügbar unter: https://www.anwaltsregister.de/Rechtsfragen/Verstoss_gegen_das_Betaeubungsmittelgesetz_BtMG_mit_Cannabis_Marihuana_Haschisch_Welche_Strafen_drohen.d870.html.
- Kuntz, Helmut (2016). Haschisch. Konsum–Wirkung–Abhängigkeit-Selbsthilfe-Therapie (2. Aufl). Weinheim, Basel: Beltz Verlag.
- National cancer institute. Questions and Answers About Cannabis. Zugriff am: 10.06.2018. Verfügbar unter: https://www.cancer.gov/about-cancer/treatment/cam/patient/cannabis-pdq/#link/_13.

[...]


[1] vgl. Kuntz, Helmut (2016). Haschisch. Konsum–Wirkung–Abhängigkeit-Selbsthilfe-Therapie (2. Aufl., S.18). Weinheim, Basel: Beltz Verlag.

[2] Vgl. Kuntz, Helmut. a.a.O. (S.18-19,26-27)

[3] vgl. Kuntz, Helmut. a.a.O. (S.18)

[4] vgl. Schneider, Udo (2009). Drogenmissbrauch im Jugendalter. Ursachen und Auswirkungen (3. Aufl., S. 192-193). Göttingen, Birkbach: Vandenhoeck & Ruprecht.

[5] vgl. Büge, Michael (2017). Basiswissen. Cannabiskonsum und psychische Störungen (1. Aufl., S.15-16). Köln: Psychiatrie Verlag

[6] Kuntz, Helmut (2016). a.a.O. (S.95-96)

[7] vgl. Büge, Michael. a. a. O. (S.16)

[8] vgl. Büge, Michael. a. a. O. (S.84)

[9] vgl. Büge, Michael. a. a. O. (S.84)

[10] vgl. Werse Bernd u.a.. MoSyD JAHRESBERICHT 2016(2017). Drogentrends in Frankfurt am Main (1. Aufl., S.33). Frankfurt: Centre for drug research.

[11] vgl. Büge, Michael. a. a. O. (S.31)

[12] vgl. Büge, Michael. a. a. O. (S.31-32)

[13] Vgl. Werse Bernd, Egger Dirk, Savari Lukas, Kamphausen Gerrit & Feilberg. MoSyD JAHRESBERICHT 2016(2017). Drogentrends in Frankfurt am Main (1. Aufl., S. 72-74). Frankfurt: Centre for drug research.

[14] Fried, Erich (o.J.). Aufhebung. Zugriff am 09.06.2018. Verfügbar unter: https://www.deutschelyrik.de/index.php/aufhebung-1100.html.

[15] vgl. Kuntz, Helmut (2016). a.a.O. (S.142-143)

[16] Franzkowiak, Peter (2001). Drogenkonsum in der Partyszene: Entwicklungen und aktueller Kenntnisstand. Dokumentation einer Fachtagung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Suchtprävention vom 24.09.01 bis 26.09.01 in Köln (S.114). Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, 19. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

[17] Vgl. Dr. Pfefferkorn- Tschaler, Sonja (2008). Drogenkonsum Jugendlicher. Risikoverhalten zwischen Genuss, Missbrauch und Sucht (1. Aufl., S. 80). Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller.

[18] vgl. Einwanger, Jürgen (2003). Risikooptimierung. In Koller, G. & Rögel, N. (Hrsg): Risflecting – Grundlagen, statements und Modelle zur Rausch- und Risikopädagogik. Ein Studien und Lesebuch. Salzburg: Akzente Salzburg.

[19] Dr. Pfefferkorn- Tschaler, Sonja (2008). a.a.O. (S.138).

[20] vgl. Dr. med.Grotenhermen Franjo. THC und CBD bei Krebs: der aktuelle Stand der Wissenschaft. Zugriff am: 10.06.2018. Verfügbar unter: https://dr-grotenhermen.de/krebsinformation.pdf.

[21] vgl.National cancer institute. Questions and Answers About Cannabis. Zugriff am: 10.06.2018. Verfügbar unter: https://www.cancer.gov/about-cancer/treatment/cam/patient/cannabis-pdq/#link/_13.

[22] Dr. Pfefferkorn- Tschaler, Sonja (2008). a.a.O. (S.139).

[23] vgl. Dr. Pfefferkorn- Tschaler, Sonja (2008). a.a.O. (S.140).

[24] Schneider, Miriam (2009). Cannabis in der Pubertät: Erkenntnisse aus tierexperimentellen Untersuchungen und Humanstudien. In: Mann, Karl, Havemann-Reinecke, Ursula & Gaßmann Raphael (Hrsg.): Jugendliche und Suchtmittelkonsum. Trends – Grundlagen – Maßnahmen (S.78, 2. Aufl.). Freiburg im Breisgau: Lambertus.

[25] vgl. Schneider, Miriam (2009). a.a.O. (S.81)

[26] vgl. Schneider, Miriam (2009). a.a.O. (S.81)

[27] vgl. Ehrenreich H., Rinn T., Kunter HJ, Moeller MR, Poser W., Schilling L., Gigerenzer G., Hoehe MR (1999). Specific attentional dysfunction in adults following early start of cannabis use. Psychopharmacology 142, 295-301.

[28] vgl. Schneider, Miriam (2009). a.a.O. (S.84)

[29] vgl. Kuntz, Helmut (2016). a.a.O. (S.284-285).

[30] vgl. Kaiser, Ralf (2015). Betäubungsmittelstrafrecht. Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) mit Cannabis, Marihuana, Haschisch: Welche Strafen drohen?. Zugriff am 10.06.2018. Verfügbar unter: https://www.anwaltsregister.de/Rechtsfragen/Verstoss_gegen_das_Betaeubungsmittelgesetz_BtMG_mit_Cannabis_Marihuana_Haschisch_Welche_Strafen_drohen.d870.html.

[31] Kaiser, Ralf (2015). a.a.O.

[32] Kaiser, Ralf (2015). a.a.O.

[33] vgl. Kuntz, Helmut (2016). a.a.O. (S.285)

[34] vgl. Van Hemp Sadhu (2018). WHO diskutiert Gefährlichkeit von Cannabis. Zugriff am 10.06.2018. Verfügbar unter: https://hanfjournal.de/2018/06/04/who-diskutiert-gefaehrlichkeit-von-cannabis/.

[35] o.A. (2018). Kriminalbeamte fordern Legalisierung von Cannabis. Zugriff am 10.06.2018. Verfügbar unter: https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/polizeigewerkschaft-fuer-cannabis-freigabe-100.html.

[36] vgl. Schneider, Miriam (2009). a.a.O. (S.89-90)

[37] vgl. Kuntz, Helmut (2016). a.a.O. (S.285-286)

[38] vgl. Hüther, Gerald (2009). Kurzfristige Wrkung und langfristige Folgen der Einnahme von Psychostimulanzien und Entaktogenen auf das sich entwickelnde Gehirn von Kindern und Jugendlichen. In: Möller, Christoph (Hrsg.): Drogenmissbrauch im Jugendalter. Ursachen und Auswirkungen (S. 49-64, 3. Aufl.). Göttingen, Birkbach: Vandenhoeck & Ruprecht.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Kult oder Flucht. Motive und Folgen eines regelmäßigen Cannabiskonsums durch Jugendliche
Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
27
Katalognummer
V435616
ISBN (eBook)
9783668765962
ISBN (Buch)
9783668765979
Dateigröße
2084 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cannabis, Drogen, abweichendes Verhalten, Sucht, Prävention, Folgen, Jugendliche, Kinder, Motive, Ursachen, Cannabiskonsum, Konsum, Substanzen, psychoaktiv, Abhängigkeit, Legalisierung, Kriminalisierung, Gras, Weed, Hanf
Arbeit zitieren
Denis Ley (Autor), 2018, Kult oder Flucht. Motive und Folgen eines regelmäßigen Cannabiskonsums durch Jugendliche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435616

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