Korea. Eine gespaltene Nation


Bachelorarbeit, 2018
42 Seiten, Note: 1,25

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Kurzfassung

Abstract

1 Einleitung

2 Die Geschichte Koreas
2.1 Korea als japanische Kolonie
2.2 Die Teilung: Entstehung von Südkorea und Nordkorea
2.3 Der Korea-Krieg von 1950 bis
2.3.1 Die Kriegsfolgen
2.3.2 Der Korea-Krieg: Mehr Gegenwart als Vergangenheit

3 Politik und Wirtschaft
3.1 Unterschiede im politischen System der beiden Koreas
3.2 Die wirtschaftliche Organisation von Südkorea und Nordkorea

4 Verhältnis zu den Grossmächten und Vereinigungsfrage
4.1 Südkoreas Beziehungen zu den USA, China, Japan und Russland
4.2 Die Beziehungen Nordkoreas zu den USA, China, Japan und Russland
4.3 Vereinigungsfrage

5 Fazit und abschliessende Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Südkorea elftgrößte Volkswirtschfat der Welt (Angaben in Milliarden US-Dollar)

Abbildung 2: Südkorea belegte 2001 den fünften Platz der Automobilproduzenten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Kurzfassung

FH Kufstein Tirol

Bachelorstudiengang Internationale Wirtschaft und Management

Kurzfassung der Bachelorarbeit „Korea – eine gespaltene Nation“

Verfasser: Philip Hamm

Das Ziel dieser Bachelorarbeit war es, Südkorea und Nordkorea anhand deren Geschichte, Politik und Wirtschaft gegenüberzustellen. Mithilfe von fachliterarischen Quellen analysierte der Autor, wie es zur Teilung des Landes kam. Zudem wurden die wichtigsten Fakten und Details aus dem Korea-Krieg, der von 1950 bis 1953 stattfand, beleuchtet. Einen wirklichen Sieger gab es damals nicht. China konnte sich jedoch als Sieger fühlen, da es noch die wenigsten Verluste hatte und dem amerikanischen Imperialismus Paroli bieten konnte. Der Korea-Krieg endete zwar im Jahr 1953, doch ein offizielles Ende gibt es bis heute nicht, da die beiden Koreas noch immer verfeindet sind. Der Zeitpunkt, an dem Frieden geschlossen wird, ist nicht absehbar – wenn es denn überhaupt dazu kommt. Ein weiterer essenzieller Teil dieser Arbeit sind die Beziehungen Südkoreas und Nordkoreas zu den Großmächten USA, China, Japan und Russland. Am Ende bekommt der Leser noch einen Aufschluss darüber, wie es mit einer möglichen Vereinigung Südkoreas und Nordkoreas aussieht und was die Prämisse ist, dass die überhaupt zustande kommen könnte. Nordkoreas Präsident, Kim Jong-Un, und das Militäraufgebot der Vereinigten Staaten in Südkorea spielen dabei eine große Rolle.

Abstract

University of applied sciences Kufstein Tyrol

Bachelor´s Degree Program International Business Studies

Abstract of “Korea – a divided Nation”

Author: Philip Hamm

The aim of this bachelor thesis was to contrast South Korea and North Korea with their history, politics and economics. Using professional sources, the author analyzed how the country was divided. In addition, the most important facts and details from the Korean War, which took place from 1950 to 1953, were illuminated. There was no real winner at the time. However, China was able to win as it had the fewest losses and could stand up to American imperialism. Although the Korean War ended in 1953, there is no official end to it, as the two Koreas are still enemies. The time when peace is closed is not foreseeable – if it ever happens. Another essential part of this work are the relations of South Korea and North Korea to the great powers USA, China, Japan and Russia. In the end, the reader still gets a glimpse of what it looks like with a possible unification of South Korea and North Korea and what the premise is that it could even materialize. North Korea’s president, Kim Jong-Un, and the US military in South Korea are playing a major role.

1 Einleitung

Der Titel einer Bachelorarbeit ist der Grundstein, von dem alle Ausführungen ausgehen. Diese wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel „Korea – eine gespaltene Nation“ klärt die Forschungsfrage: „Welche Ansätze gibt es für Südkorea und Nordkorea, wieder ein gemeinsames Land zu werden, wenn man die geschichtlichen, politischen und wirtschaftlichen Hintergründe analysiert, die zur Teilung Koreas vor mehr als 70 Jahren führten?“ Im Folgenden werden mithilfe von fachliterarischen Quellen die Gesichtspunkte Geschichte, Korea-Krieg, Politik und Wirtschaft in Südkorea und Nordkorea, die Beziehungen der beiden Koreas zu den Großmächten USA, China, Japan und Russland sowie die Möglichkeiten einer Wiedervereinigung Süd- und Nordkoreas untersucht.

Zunächst wird die ereignisreiche Geschichte Koreas dargelegt, deren Höhepunkt die Teilung des Landes im Jahr 1945 ist. Es wird geklärt, wie es zur Teilung kam und wodurch aus dem geeinten Korea Südkorea und Nordkorea entstanden. Beide Länder hatten ihre eigenen Präsidenten, deren Ziel es jedoch war, die Herrschaft über beide Länder zu haben. Fernab der Teilung war die Kolonialisierung durch Japan ein prägendes Ereignis in der Historie Koreas. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Korea Japan angeglichen. Menschenrechte der koreanischen Bürger wurden damals extrem verletzt. In dieser Bachelorarbeit wird unter anderem beleuchtet, welche Schicksale die Koreaner ereilten.

In einem weiteren Abschnitt wird erörtert, wie es zum Korea-Krieg in den Jahren 1950 bis 1953 kam und was die Ursachen dafür waren. Zudem wird die Frage geklärt, ob es überhaupt einen Sieger des Krieges gab und welche enormen Aufgaben die beiden Koreas zu bewältigen hatten, um ihre völlig zerstörten Länder wiederaufzubauen. Darüber hinaus zeigt diese Bachelorarbeit auf, warum der Korea-Krieg als „Vergessener Krieg“ in die Geschichte einging, jedoch auch, warum er diesen Namen nicht verdient hat. Warum der Korea-Krieg, obwohl er 1953 endete, in formeller Hinsicht auch heute noch andauert, ist im darauffolgenden Abschnitt zu lesen.

Ferner macht diese Bachelorarbeit die Unterschiede im politischen und wirtschaftlichen System Südkoreas und Nordkoreas deutlich. Sie erläutert auch, wie sich das eine Land zu einer mittlerweile auf der ganzen Welt hoch angesehen Demokratie entwickelte, während das andere auch heute noch vom Militär geführt wird. Der vom Militär geführte Staat kann als Diktatur bezeichnet werden, obwohl in dessen Landesnamen eine Abwandlung des Wortes „Demokratie“ enthalten ist. Des Weiteren wird analysiert, warum und in welcher Weise beide Länder in der heutigen Zeit einen so hohen Stellenwert haben und auf der ganzen Welt eine wichtige Rolle einnehmen.

Im vorletzten Punkt der Bachelorarbeit veranschaulicht der Autor die Verhältnisse der beiden Koreas zu den Großmächten USA, China, Japan und Russland. Allen vier Ländern wird eine enorme Bedeutung zuteil, wobei die USA und Russland für jeweils eines der beiden Koreas der wichtigste Partner sind.

Im letzten Abschnitt vor dem Fazit dieser Arbeit, wirft der Verfasser einen Blick auf die Möglichkeiten der Wiedervereinigung Koreas. Im Jahr 2000 folgte mit dem ersten Treffen der beiden Staatschefs seit der Teilung ein Teilerfolg auf dem Weg Richtung Wiedervereinigung, der sich allerdings als Bestechung entpuppte. Dennoch können Gründe dafür gefunden werden, wie das Treffen die Bürger beider Länder etwas näher zusammenbrachte.

2 Die Geschichte Koreas

Korea ist ein geteiltes Land, das eine lange und von Tradition geprägte Geschichte vorzuweisen hat. Seit den 1960er-Jahren sorgt Korea in der ganzen Welt besonders wegen seiner wirtschaftlichen Erfolge für Aufsehen und wird dafür gar bewundert. Inmitten der Großmächte China und Japan war die koreanische Halbinsel ein wichtiger Faktor für die militärischen und politischen Aktivitäten der beiden Länder. Allerdings ist bis heute noch umstritten, wie weit die Geschichte Koreas in die Vergangenheit zurückreicht. Laut einer Darstellung aus dem 13. Jahrhundert soll sie 2333 v. Chr. ihren Anfang genommen haben. Ganz richtig scheint diese Annahme jedoch nicht zu sein, da die Spuren menschlichen Lebens auf der koreanischen Halbinsel viel weiter zurückreichen.1

Sicher ist hingegen, dass sich die Identität Koreas bezüglich kultureller Gesichtspunkte im Spannungsfeld zwischen den beiden Nachbarländern China und Japan entwickelt hat. Im Ausland blieb jedoch lange unbeachtet, dass sich Korea durch die fremden Einflüsse zu einer eigenständigen und äußerst reizvollen Kultur entwickelte.2

2.1 Korea als japanische Kolonie

Das Land ist also eine alte Kulturnation und hatte sich als Staat gefestigt. Deshalb traf Korea das Schicksal der Kolonialisierung durch Japan besonders hart. Das japanische Regime agierte Mitte des 20. Jahrhunderts jedoch weder ungewöhnlich hart noch extrem ausbeuterisch. Die bis dato schon immer spannungsreiche Beziehung zu den Japanern führte jedoch zu einer starken psychologischen Belastung in der koreanischen Bevölkerung. Hinzu kam, dass eine enorm hohe wirtschaftliche und strategische Bedeutung für Japan hatte. Im Jahre 1937 wurde eine Assimilationspolitik ausgerufen, die besagte, dass Korea Japan kulturell angeglichen und als eigene Nation eliminiert werden sollte.3

Zu dieser Zeit trieben die Japaner die Eliminierung Koreas sogar soweit voran, dass koreanische Namen „japanisiert“ wurden. Zusätzlich war es den Koreanern verboten worden, in der Öffentlichkeit die koreanische Sprache zu sprechen. Mehr als 200 000 koreanische Mädchen und Frauen wurden in japanische Militärlager verschleppt, in denen sie unter grausamsten Bedingungen leben mussten. Des Weiteren wartete dort ein zusätzliches Schicksal auf die Frauen: die Zwangsprostitution. Nicht viel besser erging es den koreanischen Männern. Mitte der 1930er-Jahre sahen sie sich vor allem in der Rüstungsindustrie der Zwangsarbeit ausgesetzt. Infolge dessen starben viele von ihnen oder trugen bleibende Schäden davon. Die Koreaner empfanden dies als tiefe Schmach und Demütigung, und der Wunsch nach Unabhängigkeit war größer denn je.4

Dennoch gibt es Autoren wie den deutschen Professor für Volkswirtschaftslehre, Hans-Rimbert Hemmer, der sich mit der Analyse von Wirtschaftsproblemen für Entwicklungsländer befasst hat, die behaupten, dass bis heute ein Beweis dafür fehlt, dass ein Land beim Ausbleiben des Kolonialismus ein für das Land wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch günstigeres Klima hätte erreicht werden können. Es sei denn, man definiert den Kolonialismus an sich schon als Unterentwicklung.5

Der Aussage Hemmers stellt sich Lee Jeong-kyu gegenüber, der sagt, dass die Kolonialzeit für Korea ausschließlich negativ war. Seiner Meinung nach hatte Korea keine Chance, sich selbstständig zu entwickeln, da sich das Land gleich zu Beginn der eigenständigen Entwicklung der Annexion durch Japan ausgesetzt sah.6

2.2 Die Teilung: Entstehung von Südkorea und Nordkorea

Die USA beendeten mit den Atombombenabwürfen über den japanischen Städten Hiroshima (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945) den Zweiten Weltkrieg in Asien. Japan kapitulierte am 15. August.7 Dies war der Tag der Befreiung für Korea.8 Schon vor dem Sieg der Alliierten, der einhergehend mit der Befreiung Koreas war, ist dem Land die Unabhängigkeit zugesichert worden. In der im August 1941 veröffentlichten Atlantik-Charta heißt es, dass die Nachkriegswelt unter Respektierung des Volkswillens der Einzelstaaten demokratisch gestaltet werden solle. Zudem stünden allen Völkern, denen Souveränität und Autonomie mit Gewalt entzogen wurden, wieder Freiheit und Unabhängigkeit zu.

Die Folge der japanischen Kapitulation war jedoch nicht die im ganzen Land ersehnte Unabhängigkeit Koreas, sondern die Stationierung amerikanischer und sowjetischer Truppen auf der koreanischen Halbinsel – angeblich zur Entwaffnung der japanischen Besatzung.9 Die USA schlugen dann aber vor, die auf einer Konferenz in Jalta in der autonomen Republik Krim erstmals aufgekommene Teilung Koreas fortzusetzen. Zur Überraschung aller stimmte Russlands Präsident Josef Stalin dem zu, um eine gute Beziehung zum neuen US-Präsidenten Harry Truman aufzubauen, damit er bei der zukünftigen Entwicklung Japans ein Mitspracherecht besaß.

Am 20. Dezember 1945 wurde Koreas Nachkriegsschicksal im Moskauer Vertrag endgültig besiegelt. Für die Halbinsel war eine fünfjährige Treuhandschaft von den USA, China, Großbritannien und der Sowjetunion vorgesehen. Auch eine provisorische koreanische Regierung sollte gebildet werden. Die bestand jedoch nicht aus Koreanern, sondern aus einer amerikanisch-sowjetischen Kommission. Zum ersten Mal zusammen trat die Kommission im Frühjahr 1946. Auf eine Regierung einigen konnte man sich jedoch nicht.

An anderer politischer Stelle geschah sehr wohl etwas Einschneidendes: Es kam im August 1945 zu einer klaren Trennung Koreas. Im Norden übernahm Kim Il-Sung den Vorsitz eines vorübergehend gebildeten Volksausschusses. Den Segen Moskaus hatte er schon sicher, da er als kommunistischer Partisanenkämpfer gegen die japanische Kolonialmacht kämpfte. Im Süden installierten die Amerikaner einen repräsentativen demokratischen Rat, dessen Vorsitzender Syngman Rhee wurde.

Das Land war geteilt, zwei verschiedene Lager waren entstanden. Der Norden hatte die Sowjetunion als engsten Verbündeten, während der Süden sich der Unterstützung durch die USA sicher sein durfte. Am 10. Mai 1948 gewann Syngman Rhee auch die ersten Wahlen in der Republik Korea, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich auch schon als Südkorea bezeichnet werden konnte. Nur rund zwei Monate später übernahm Syngman Rhee offiziell die Regierungsgeschäfte von den USA. Der Norden antwortete prompt: Am 9. September 1948 folgte die Ausrufung der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK), deren Präsident Kim Il-Sung wurde.

Ein entscheidendes Problem hierbei war, dass sich beide Präsidenten, Rhee und Kim, als Staatsoberhäupter des gesamten Landes sahen.10 Anerkennung fanden beide Seiten beim jeweiligen Nachbarn im ursprünglich gemeinsamen Land nicht. Südkorea bezichtigte Nordkorea, als Marionette der Sowjetunion zu agieren. Nordkorea wiederum bezeichnete Südkorea, als Marionette der Amerikaner zu fungieren.11

2.3 Der Korea-Krieg von 1950 bis 1953

Vom 10. bis 19. Juni 1950 zogen sieben Kampftruppen der Nordkoreanischen Volksarmee mit dem Vorwand, Manöver-Übungen ausführen zu wollen, auf den 38. Breitengrad. Jener Breitengrad, der Süd- und Nordkorea voneinander trennt. Die Kampftruppen erhielten den Befehl, den Krieg zu eröffnen. In der Morgendämmerung des 25. Juni 1950 marschierten die Truppen in den Süden ein. Als offizielle Entschuldigung für seine Invasion forderte Nordkorea Vergeltung gegen einen imaginären Großangriff der Südkoreaner. Diese Entschuldigung könnte auf häufige Grenzkonflikte zwischen den beiden kriegführenden Armeen entlang des 38. Breitengrades zurückzuführen sein. Die Spannung war durch die fortgesetzte Rhetorik von Präsident Rhee noch verstärkt worden.

Mit sowjetischer Hilfe überwältigte das nordkoreanische Militär die südkoreanische Verteidigung und nahm Seoul am 28. Juni 1950 nach nur dreitägiger Kriegsdauer ein. Entgegen der Erwartungen Nordkoreas, reagierten die USA schnell. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete auf Drängen der Vereinigten Staaten eine Resolution zur Verurteilung der nordkoreanischen Aktionen. Glücklicherweise hatte der sowjetische Delegierte den Rat boykottiert, um gegen die mangelnde Vertretung der Chinesen in der UNO zu protestieren. Nur wenig später wurde eine zweite Resolution angenommen, um in den Krieg zu ziehen. US-Präsident Harry Truman entsandte die US-Marine und Luftwaffen. 16 weitere UN-Mitgliedsstaaten wie Kanada, Kolumbien und die Philippinen schickten unter der Leitung von General Douglas MacArthur Truppen nach Korea. Dieser startete am 15. September erfolgreich seine berühmte Operation Inchon Landing. Dadurch eroberte er Seoul zurück, was die nordkoreanischen Frontlinien nach Südkorea unterbrach und zum Zusammenbruch führte.

Es dauerte allerdings fast ein halbes Jahr, bis Truman erklärte, dass UN-Truppen die kommunistische Invasion gestoppt hätten, weshalb das UN-Militärkommando auch bereit sei, einen Waffenstillstand auszuhandeln. Am darauffolgenden Tag ignorierte MacArthur die Absicht des Präsidenten und drängte auf die Bombardierung der Mandschurei, um sich an den chinesischen Kommunisten zu rächen.

Wie Stalin wollte Truman nicht, dass sich der Korea-Krieg zu einem dritten Weltkrieg ausbreitete und entband MacArthur am 11. April 1951 vom Kommando der UN-Truppen in Korea. Das führte dazu, dass der Korea-Krieg ein begrenzter Krieg blieb.

Im Juli 1951 begannen erste Gespräche über einen Waffenstillstand. Es dauerte dennoch bis zum 27. Juli 1953, bis der Waffenstillstand unterzeichnet wurde. Das Abkommen wurde auf der einen Seite vom chinesischen Kommunisten General Clark und auf der anderen von Kim Il-Sung und Peng Duahei unterschrieben. Südkoreas Präsident Rhee weigerte sich, es zu unterzeichnen, billigte aber stillschweigend den Waffenstillstand, nachdem die Vereinigten Staaten ihm und seinem Volk Sicherheit in Südkorea zugesichert hatten. Somit endete der Korea-Krieg an diesem Tag. Das Gebiet am 38. Breitengrad wurde als entmilitarisierte Zone bekannt.12 Jene Waffenstillstandslinie an besagtem Breitengrad zählt bis heute zu einer der am stärksten befestigten und heißesten Grenzen auf der ganzen Welt.13

2.3.1 Die Kriegsfolgen

Sowohl im Norden als auch im Süden Koreas waren immense Schäden die Folge des Krieges. Die Aggression Kim Il-Sungs hatte gewaltige Opfer gefordert. Zweieinhalb Millionen Nord- und eine Million Südkoreaner hatten ihr Leben verloren. Hinzu kamen rund eine Million Tote auf chinesischer und knapp 40 000 Tote sowie mehr als 100 000 Verletzte auf amerikanischer Seite. Im Zusammenhang mit dem Korea-Krieg verließen rund viereinhalb Millionen Nordkoreaner ihre Heimat, was dazu führte, dass Kim Il Sungs Reich nach dem Ausklang des Krieges nur noch halb so viele Bewohner zählte wie zu dessen Beginn.14 Die Angaben über die richtige Anzahl der Todesopfer schwankt allerdings bis heute. Die genannten Zahlen dienen nur dazu, um einen groben Überblick über das Ausmaß zu erhalten.15 Fakt ist allerdings, dass der Korea-Krieg nach den beiden Weltkriegen der Konflikt mit den dritthöchsten Opferzahlen im 20. Jahrhundert war.16

Trotzdem wurde der Korea-Krieg auf der ganzen Welt lange Zeit als „Vergessener Krieg“ angesehen. Als Hauptursache dafür wird zumeist angeführt, dass der Korea-Krieg zwischen dem Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) und dem Vietnamkrieg (1955 bis 1975) stattfand. Seiner Bedeutung wird dies aber bei Weitem nicht gerecht. Zu dem Fakt, dass rund viereinhalb Millionen Menschen im Korea-Krieg ihr Leben ließen, kommt hinzu, dass es der erste Stellvertreterkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion war.17

Korea traf der Krieg am härtesten. Neben den verlorenen Menschenleben hatte die koreanische Halbinsel auch noch mit starken Verwüstungen im ganzen Land zu kämpfen, die der Einsatz der amerikanischen Luftwaffe nach sich zog. Zudem funktionierte ein Großteil der Industrieanlagen nicht mehr. Bis heute hat Korea mit den Folgen des Krieges zu kämpfen, da das Land hohe Kredite bei anderen Staaten aufnehmen musste, um die zerstörten Teile wiederaufzubauen. Korea bleibt weiterhin ein Krisenherd. Auch eine Wiedervereinigung hat bis heute noch nicht stattgefunden. Koreas Wiedervereinigung steht eben noch nicht auf der Tagesordnung, wobei die Betonung auf „noch nicht“ liegt.18

Für China war die Lage nach dem Korea-Krieg etwas besser. Man ließ sich nicht ungestraft provozieren und wusste seine Grenzen zu verteidigen. Das Land wurde als Militärmacht mit hoher Leistungsfähigkeit anerkannt.19 Die Chinesen hatten einen bisher nicht gekannten Nationalstolz, da man im Krieg gegen das stärkste Volk der Welt, die USA, gekämpft und gewonnen hatte. Den Sieg möglich gemacht hat das kommunistische Regime, das erst kurz zuvor ins Amt gewählt wurde. Von der anderen Seite betrachtet, hat dies natürlich auch die Parteiherrschaft gestärkt und eine baldige Demokratisierung des Landes war undenkbar. China war aber nicht der Aggressor des Krieges, sondern griff erst an, als es sich bedroht fühlte. China war dabei auch bewusst, dass eine Aufnahme in die UNO und bessere Beziehungen zu Washington in weite Ferne rückten.20 Jedoch konnte China den Ende des Korea-Krieges als moralischen Sieg über den amerikanischen Imperialismus, den Papiertiger, verbuchen. Aus dem Papiertiger ist laut der Aussage des damaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas, Mao Zedong, ein butterweicher, wenn nicht sogar toter Tiger geworden.21 Der Imperialismus der USA war sehr mächtig, doch konnte man diese Macht nicht als richtige Macht anerkennen. Auch das amerikanische Volk konnte ihn nicht leiden. Von außen machte dieser Imperialismus einen imponierenden Eindruck, fürchten musste man ihn aber nicht. Der USA-Imperialismus wurde deshalb Papiertiger genannt, weil er so furchteinflößend wirkte wie ein Tiger, doch Wind und Regen hielt er nicht aus – genauso wie Papier.22

Wie bereits erwähnt, ging China aus dem Korea-Krieg als „Sieger“ – einen wirklichen Sieger gab es aufgrund der hohen Verluste nicht – hervor. Für die Vereinigten Staaten hingegen war es der erste militärische Einsatz in der Geschichte des Landes, den sie nicht für sich gewinnen konnten. Dennoch hatten die USA ihr Ziel erreicht und die kommunistische Aggression im Auftrag der UNO eingedämmt. Im Fernen Osten hatten die USA ihren Status wiederhergestellt und waren von nun an bereit, sich mehr in Asien zu engagieren und das Vordringen des Kommunismus zu verhindern.23

Neben der Premiere, den ersten militärischen Einsatz verloren zu haben, gab es für die USA ein weiteres Debüt: Der Korea-Krieg war der erste militärische Einsatz, nach dem die Vereinigten Staaten nicht abrüsteten. Über die Chinesen entstand darüber hinaus ein sehr verzerrtes Bild in den Köpfen der Amerikaner. Man beschrieb sie als lebensverachtende Kommunisten, die mit der Menschenwellentaktik dazu bereit waren, für ihr Land zu sterben.24

[...]


1 Vgl. Kern/Köllner (2005), S. 15

2 Vgl. Hielscher (1988), S. 34

3 Vgl. Eggert/Plassen (2005), S. 131 f.

4 Vgl. Heuer (2012), S. 118

5 Vgl. Hemmer (2002), S. 298

6 Vgl. Lee Jeong-Kyu (2000), S. 154

7 Vgl. Ballhausen/Niebuhr-Timpe (2004), S. 8

8 Vgl. Kern/Köllner (2005), S. 46

9 Vgl. Leibholz (1963), S. 465

10 Vgl. Kim (2013)

11 Vgl. Kern/Köllner (2005), S. 280

12 Vgl. Kim (2005), S. 155 ff.

13 Vgl. Opitz (1988), S. 11

14 Vgl. Kellerhoff (2013)

15 Vgl. Spence (1995), S. 629

16 Vgl. Mühlhahn (2017), S. 22

17 Vgl. Steininger (2006), S. 8

18 Vgl. Felden (2018)

19 Vgl. Osterhammel (1989), S. 362

20 Vgl. Janssen (1976), S. 192 f.

21 Vgl. Mao (1958), Rede auf der Tagung des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas in Wutschang.

22 Vgl. Dickhut (2017), S. 436

23 Vgl. Opitz (1988), S. 11

24 Vgl. Weggel (1989), S. 168

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Korea. Eine gespaltene Nation
Hochschule
Fachhochschule Kufstein Tirol
Veranstaltung
Area Studies Asien
Note
1,25
Autor
Jahr
2018
Seiten
42
Katalognummer
V435631
ISBN (eBook)
9783668767737
ISBN (Buch)
9783668767744
Dateigröße
686 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Korea, Südkorea, Nordkorea, Korea-Krieg, Geschichte Koreas, Bachelorarbeit, Area Studies, Internationale Wirtschaft, vereint, vereintes Korea, geeintes Korea, Spaltung Koreas, Politik, Wirtschaft, Vereinigungsfrage, China, Japan, Russland, Asien
Arbeit zitieren
Philip Hamm (Autor), 2018, Korea. Eine gespaltene Nation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435631

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