Dieser Comic verdeutlicht ein Problem, Englischlehrerinnen und Englischlehrer in der Oberstufe gut kennen: die Schülerinnen und Schüler haben in der Unter- und Mittelstufe bereits die englische Grammatik erschlossen und angewendet, aber im Unterricht bei mündlichen Beiträgen häufen sich die Grammatikfehler selbst bei vermeintlich einfachen Strukturen. Hier zeigt sich deutlich ein Unterschied sprachlichen Kompetenz und der Performanz. Diese Diskrepanz wird in der Regel noch deutlicher, wenn die Schülerinnen und Schüler in einer authentischen Sprechsituation in der Fremdsprache kommunizieren müssen. In dieser Arbeit sollen nun Möglichkeiten erörtert werden, wie Englischlehrerinnen und Englischlehrer mit Hilfe einer Auswahl geeigneter Methoden und Unterrichtsformen dieses Problem angehen können. Die Notwendigkeit, dieser Schwäche in der Performanz entgegenzuwirken, wird im folgenden Kapitel deutlich werden, wenn die sprachlichen Ziele des Englischunterrichts in der Oberstufe anhand der Richtlinien festgestellt werden. Anschließend soll das Problem zunächst aus sprachwissenschaftlicher Sicht beleuchtet werden, um festzustellen, wie diese große Diskrepanz zwischen der Kompetenz und der Performanz zu Stande kommen und welche Ansätze zur Verbesserung der Performanz wissenschaftlich sinnvoll erscheinen. Im 4. Kapitel werden dann Möglichkeiten zur Umsetzung dieser Ansätze erörtert. In Kapitel 5 werden diese Möglichkeiten anhand einiger Beispiele aus dem methodischen Bereich konkretisiert und in Reflektion meiner eigenen Erfahrungen mit diesen Methoden und im Hinblick auf die in der Arbeit erläuterte Zielsetzung evaluiert.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DIE ZIELE DES ENGLISCHUNTERRICHTS
3 DIE MECHANISMEN DES SPRACHERWERBS IN DER SCHULE
3.1 Der gesteuerte L2-Erwerb
3.2 Kommunikationsstrategien
4 DIE FÖRDERUNG DER COMMUNICATIVE SKILLS
4.1 Task-Charakteristika
5 MÖGLICHKEITEN ZUR FÖRDERUNG DER FREIEN INTERAKTION
5.1 Ein Beispiel einer Aufgabe aus dem Lehrbuch
5.2 Das Spontantheater
5.3 Der Thought-Cluster
5.4 Der Bildimpuls
5.5 Die Talkshow
5.6 Zusammenfassung
5.7 Die Umsetzung von Tasks in der Praxis
6 ABSCHLIEßENDE BEMERKUNGEN
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht Möglichkeiten zur Förderung der freien Interaktion im Englischunterricht der gymnasialen Oberstufe, mit dem Ziel, die Diskrepanz zwischen sprachlicher Kompetenz und Performanz durch den gezielten Einsatz geeigneter methodischer Ansätze zu verringern.
- Analyse der theoretischen Grundlagen des Spracherwerbs in der Schule
- Evaluierung von Aufgabenformaten (Tasks) zur Förderung kommunikativer Fertigkeiten
- Untersuchung der Bedeutung von Kommunikationsstrategien für den Fremdsprachenerwerb
- Reflektion methodischer Unterrichtsformen wie Spontantheater, Thought-Cluster und Talkshow
- Evaluation der Rolle der Lehrkraft im schülerzentrierten, inhaltsorientierten Fremdsprachenunterricht
Auszug aus dem Buch
3.1 Der gesteuerte L2-Erwerb
Viele Studien der modernen Spracherwerbsforschung zielen darauf ab, festzustellen, ob in dem Kontext „Fremdsprachen in der Schule“ Spracherwerb stattfindet und ob dieser Spracherwerb ähnlichen Mechanismen folgt wie der L1-Erwerb. Zunächst einmal sprechen viele Faktoren gegen diese Annahme, wie das Alter der Schülerinnen und Schüler oder die Tatsache, dass alle Schülerinnen und Schüler bereits eine Muttersprache erworben haben. Des Weiteren ist die Zeit, in der die Schülerinnen und Schüler mit der Fremdsprache Kontakt haben, wesentlich kürzer als im Rahmen des L1-Erwerbs. Verstärkend kommt dazu, dass im Klassenverband unterrichtet wird, also die Zeit für Sprachproduktion noch einmal drastisch reduziert ist.
Auf der anderen Seite werden Schüleraussagen in der Schule korrigiert, so dass die Schülerinnen und Schüler so genannte negative Evidenz erhalten. Folglich werden im Gegensatz zu L1 Lernern grammatische Regeln den Schülerinnen und Schüler bewusst gemacht. Deutliche Unterschiede lassen sich auch an den Ergebnissen, also der Sprachproduktion seitens der Lerner, feststellen: Während der L1 Lerner schon früh aktiv an Kommunikation teilnehmen kann, scheint der Lerner im L2 Erwerb oft sogar unfähig dazu zu sein, die bereits „gelernten“ Strukturen spontan zu verwenden. Trotz dieser offensichtlichen Unterschiede geht die moderne Spracherwerbsforschung mittlerweile davon aus, dass die Mechanismen der Universalgrammatik auch im L2-Erwerb greifen und dass der Spracherwerb so auf sehr ähnliche Weise wie bei L1 stattfindet. Ein deutliches Indiz dafür hat z.B. Vivian Cook herausgefunden: „The poverty of stimulus argument applies equally to L2 learning” (1988: 176).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Der Autor thematisiert die Diskrepanz zwischen sprachlicher Kompetenz und Performanz im Englischunterricht und stellt das Ziel der Arbeit vor, geeignete Methoden zur Überwindung dieser Schwäche zu finden.
2 DIE ZIELE DES ENGLISCHUNTERRICHTS: Es wird dargelegt, dass der moderne Englischunterricht in der Oberstufe auf die Entwicklung von Handlungsfähigkeit in einer globalisierten Kommunikationsgesellschaft ausgerichtet ist.
3 DIE MECHANISMEN DES SPRACHERWERBS IN DER SCHULE: Dieses Kapitel erläutert die sprachwissenschaftlichen Grundlagen des gesteuerten L2-Erwerbs und die Rolle von Kommunikationsstrategien bei der Überwindung von sprachlichen Problemen.
4 DIE FÖRDERUNG DER COMMUNICATIVE SKILLS: Hier wird der Begriff des "Task" definiert und dargelegt, wie didaktische Modelle die Förderung kommunikativer Fertigkeiten unterstützen können.
5 MÖGLICHKEITEN ZUR FÖRDERUNG DER FREIEN INTERAKTION: Der Autor stellt verschiedene praktische Unterrichtsmethoden wie das Spontantheater oder Talkshows vor und evaluiert deren Wirksamkeit anhand der zuvor erarbeiteten Kriterien.
6 ABSCHLIEßENDE BEMERKUNGEN: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Spracherwerb kontinuierlich zu fördern und die Rolle der Lehrkraft hin zu einer unterstützenden Funktion zu verlagern.
Schlüsselwörter
Englischunterricht, Oberstufe, Spracherwerb, Performanz, Kompetenz, communicative skills, Interaktion, Task, Kommunikationsstrategien, Sprachproduktion, Interlanguage, Fehlerkorrektur, schülerzentrierter Unterricht, Fremdsprachenlernen, Handlungsfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Diskrepanz zwischen dem theoretischen Sprachwissen (Kompetenz) und der tatsächlichen Anwendung (Performanz) von Englischschülern in der Oberstufe und sucht nach Wegen, diese Lücke zu schließen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Spracherwerbsforschung, der Einsatz von kommunikativen Aufgaben (Tasks), die Förderung von Kommunikationsstrategien und die methodische Gestaltung eines inhaltsorientierten Unterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Englischunterricht so zu gestalten, dass Schüler angstfrei und authentisch in der Fremdsprache interagieren können, um ihre kommunikative Handlungsfähigkeit zu steigern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse sprachwissenschaftlicher Theorien zum Spracherwerb und evaluiert diese durch eine kritische Reflexion eigener praktischer Unterrichtserfahrungen mit verschiedenen Aufgabenformaten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Konzept der "Tasks", definiert die Rahmenbedingungen für erfolgreiche Aufgaben und stellt spezifische Methoden wie Bildimpulse oder Talkshows auf den Prüfstand.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie "Fremdsprachenerwerb", "Communicative Skills", "Task-Based Learning" und "Interlanguage" beschreiben.
Warum ist das Spontantheater eine effektive Methode für die Oberstufe?
Das Spontantheater zwingt die Schüler dazu, in Rollen zu schlüpfen, wodurch sie Distanz zu sich selbst gewinnen und gleichzeitig gezwungen sind, spontan auf die Kommunikation der anderen zu reagieren, ohne vorbereitete Skripte zu nutzen.
Welche Rolle spielt die Fehlerkorrektur in diesem didaktischen Modell?
Der Autor argumentiert, dass eine ständige Korrektur während der freien Interaktion den Redefluss und das Selbstvertrauen der Schüler eher behindert; daher sollte die Lehrkraft bei Aufgaben primär unterstützend wirken, anstatt ständig zu bewerten.
Was ist mit der Unterscheidung zwischen "vernacular style" und "careful style" gemeint?
Der "vernacular style" bezeichnet den spontanen, eher informellen Sprachgebrauch, in dem Fehler akzeptiert werden, während der "careful style" die bewusste, auf Korrektheit achtendere Form der Sprachproduktion beschreibt.
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- Stefan Prahl (Author), 2004, Möglichkeiten zur Förderung der freien Interaktion im Englischunterricht in der Oberstufe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43579