Das Verhältnis zwischen Politik und Medien stellt nicht nur in der Bundesrepublik einen zentralen Punkt der wissenschaftlichen Betrachtung dar, sondern auch in allen anderen Demokratien. Öffentlichkeit, Legitimation, der Akt der demokratischen Willensbildung durch das Volk stellen in der sich ausdifferenzierenden Gesellschaft eine besondere Herausforderung für die politische Sphäre dar. Massenmedien werden unumgänglicher und gewichtiger Akteur bei der Verteilung von Aufmerksamkeits- und damit Legitimationskriterien. Das Massenmedium ist daher nicht von vornherein als ‚Störfaktor’ für die Kommunikation zwischen Volksvertretern und Staatsbürgern zu betrachten, sondern als Determinante für das Funktionieren einer jeden Demokratie. Natürlich kommt es zu konflikthaften und konsensbedürftigen Spannungen; ob sie jedoch in einem unausweichlichen Dilemma für die Demokratie resultieren bleibt ein erörterungsbedürftiger Punkt meiner Hausarbeit.
Dafür gehe ich einleitend auf die Wichtigkeit von Öffentlichkeit in der Demokratie ein. Was bedeutet Öffentlichkeit für das Funktionieren einer jeden Demokratie? Und kann man von einem Übergang von der Parteiendemokratie in eine Mediokratie, wie es Thomas Meyer (2002, S.7-14) in seinem Aufsatz beschreibt, überhaupt sprechen? Dass Medien zunehmend meinungsbildende und -bestimmende Funktionen wahrnehmen, scheint eine Begleiterscheinung des Mediatisierungsprozesses zu sein, doch auch nach der Legitimation dieser Rollenwahrnehmung muss gefragt werden.
Daher ist weiterer Punkt dieser Abhandlung die Anpassung der Politik an diese neuen Tendenzen: Zentrale Fragen sind hierbei der Grund für die neue Öffentlichkeitsbedürftigkeit und Politkvermittlung, Art und Weise der Anpassung, sowie die Ausprägung der neuartigen Politikvermittlung.
Auch die Massenmedien verdienen einen näheren Blick auf ihre scheinbar gewachsenen Machtpotentiale, Einflusssphären und Funktionen. Wichtig erscheint es mir ebenfalls, die Ausprägung des Verantwortungsbewusstseins der Medienakteure bezüglich ihrer Vermittlungsrolle und -gewalt kritisch zu hinterfragen und zu beleuchten. Wie nahe liegt also die Vermutung, dass die gewachsene Gewalt auch sinnbringend zum Einsatz kommt?
In einer Synthese im weiteren Punkt werden die Überlegungen bezüglich der Öffentlichkeitsbedürftigkeit, der neuen Rolle der Politik und Medien bezugnehmend auf meine Fragestellung zusammengeführt.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Öffentlichkeit und Demokratie
1.1 Bedeutung des Begriffes „Öffentlichkeit“
1.2 Parteiendemokratie oder Mediokratie? Problematisierung des Verhältnisses zwischen Politik und Medien
2 Selbstmediatisierung der Politik
2.1 Politikvermittlung als Legitimationsgrundlage
2.2 Zwischen Images, Theatralisierung und Inszenierung
2.3 Politik als Kommunikationsprozess: Die Rolle der Sprache
3 Einfluss der Medien
3.1 Funktion und Rolle der Massenmedien
3.2 Massenmedien als vierte Gewalt?
3.3 Medienpflichten und Medienverantwortung
4 Symbiotische Kommunikationsgemeinschaft zwischen Politik und Medien
4.1 Gegenseitige Einflusssphären
4.2 Spannungsfelder und Probleme für die Demokratie
4.3 Chancen/Ausblick
5 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Politik und Medien in der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere im Hinblick auf die Prozesse der Selbstmediatisierung der Politik sowie den wachsenden Einfluss der Massenmedien auf demokratische Willensbildungsprozesse. Die zentrale Forschungsfrage adressiert dabei das Spannungsfeld zwischen notwendiger Öffentlichkeitsarbeit und der Gefahr einer schleichenden „Mediokratie“, in der politische Inhalte zugunsten medialer Inszenierungen in den Hintergrund treten.
- Bedeutung von Öffentlichkeit für den demokratischen Willensbildungsprozess
- Anpassungszwänge der Politik an mediale Funktionslogiken (Professionalisierung, Inszenierung)
- Die Machtpotenziale der Massenmedien als „vierte Gewalt“ und deren gesellschaftliche Verantwortung
- Symbiotische vs. kritische Beziehungen zwischen politischen Akteuren und Medieninstanzen
Auszug aus dem Buch
2.2 Zwischen Images, Theatralisierung und Inszenierung
Die nur noch über Massenmedien erreichbare Wählerschaft bewirkt eine „Inszenierung der Politik für die Medienbühne“ (Meyer 2003, S. 12), was Effekte auf Personalauswahl, Programme und Handeln der politischen Ebene hat. Meyer (vgl. S.13) beschreibt Inszenierung allerdings als natürlichen (An-)Teil menschlicher Kommunikation, die jedoch seit den neunziger Jahren extreme Ausmaße in der Politik angenommen hat. Zur täglichen Legitimation politischen Handelns werden Kommunikationsstrategien entwickelt, die den Kampf um die Gunst der Wähler in neue Dimensionen öffentlichen Diskurses vorantreibt.
Das Massenmedium Fernsehen überwindet „alle Grenzen von Raum und Zeit“ (ebd. S. 14); es bringt die Politik quasi in die Wohnzimmer der Nation, setzt auf audiovisuelle Reize und versetzt den Rezipienten in ein Stadium passiver Informationswahrnehmung und konstituiert sich zu einem Leitmedium, das eine zentrale Rolle bei der Politikvermittlung einnimmt: „Es rückt – im Gegensatz zu allen anderen Massenmedien – die Gesamtheit aller Zeichensysteme, die von menschlichem Handeln ausgehen können: Mimik, Gestik, Proxemik, Paralinguistik, Kulissen und Requisitenkontext in den Focus seiner Vermittlungen. Damit wird für die handelnden Politiker, welche die Bühne der elektronischen Medien betreten, die Gesamtheit ihrer körperlichen Performance zum zentralen Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit.“ (ebd. S.14)
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Darstellung des Verhältnisses von Politik und Medien als zentrales demokratisches Spannungsfeld und Definition der Zielsetzung der Untersuchung.
1 Öffentlichkeit und Demokratie: Erörterung der Rolle der Öffentlichkeit als Legitimationsgrundlage und der Problematik des potenziellen Übergangs von der Parteiendemokratie in eine Mediokratie.
2 Selbstmediatisierung der Politik: Analyse der Strategien politischer Akteure, sich den Funktionslogiken der Medien durch Inszenierung, Imagepflege und sprachliche Vereinfachung anzupassen.
3 Einfluss der Medien: Untersuchung der verschiedenen Rollen und Machtfunktionen von Massenmedien sowie der kritischen Auseinandersetzung mit der Forderung nach einem professionellen Berufsethos.
4 Symbiotische Kommunikationsgemeinschaft zwischen Politik und Medien: Synthese der wechselseitigen Abhängigkeiten und Diskussion der daraus resultierenden Gefahren für das demokratische System bei gleichzeitiger Betonung der Überlebensnotwendigkeit dieser Symbiose.
5 Zusammenfassung: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse mit einem Plädoyer für die Stärkung der medialen Urteilsfähigkeit der Bürger.
Schlüsselwörter
Politische Kommunikation, Mediokratie, Öffentlichkeit, Massenmedien, Selbstmediatisierung, Demokratie, Inszenierung, Politikvermittlung, Vierte Gewalt, Journalismus, Politainment, Willensbildung, Medienlogik, Agenda-Setting, Politische Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das wechselseitige Verhältnis zwischen Politik und Massenmedien in der Bundesrepublik Deutschland und hinterfragt, wie sich die politische Praxis durch die Anforderungen der Medienwelt verändert hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die mediale Inszenierung von Politik, die Macht der Medien als Informationsvermittler und Gate-Keeper sowie die Auswirkungen dieser Dynamik auf die Qualität der demokratischen Willensbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erörtern, ob die moderne Politik in eine „Mediokratie“ abdriftet, in der mediale Logiken die politischen Inhalte dominieren, und welche Folgen dies für die Demokratie hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Erörterung politikwissenschaftlicher Literatur zur politischen Kommunikation, Mediatisierung und Demokratietheorie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Selbstmediatisierung der Politik (z.B. Image-Politik), die Funktionen und Machtkriterien der Medien sowie die Frage, ob eine symbiotische Beziehung oder eine gefährliche Abhängigkeit zwischen beiden Sphären besteht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind insbesondere Politikvermittlung, Mediokratie, Selbstmediatisierung, öffentliche Willensbildung und das Spannungsfeld zwischen Information und Inszenierung.
Wie wirkt sich die „Medienexpansion“ auf die politische Informationsqualität aus?
Laut der Arbeit führt die Verdichtung der Medienkapazitäten und der Quotendruck oft zu einer Komplexitätsreduktion, bei der inhaltliche Tiefe zugunsten von Dramatisierung und Event-Charakter vernachlässigt wird.
Welche Rolle spielen öffentlich-rechtliche Medien laut dem Autor?
Sie dienen als wichtiger Ausgleich zum Quotendruck der privaten Medien und tragen durch ihren Bildungs- und Objektivitätsauftrag zur Erhaltung einer notwendigen Pluralität in der Meinungsbildung bei.
- Quote paper
- Adeline Kerekes (Author), 2005, Die Kommunikationsgemeinschaft zwischen Politik und Medien in der BRD - Politische Selbstmediatisierung und mediale Einflusssphären, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43590