Spitäler stehen unter Druck. Steigende Kosten, zunehmender Wettbewerb, freie Spitalwahl sowie knappe finanzielle Mittel fordern die Branche heraus, zeitnah geeignete Optimierungsmassnahmen zu ergreifen. Mit der Einführung des leistungsorientierten Abrechnungssystems DRG im Jahr 2012 stieg der Optimierungsdruck spürbar und seit dem Inkrafttreten des neuen TARMED-Tarifs per 01.01.2018, ist das Thema wieder brandaktuell. Zahlreiche Experten sehen in Lean Management eine geeignete Methode, den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Die Übertragung dieses, aus der Industrie stammenden Management-Konzepts, stellt allerdings eine Vielzahl an Herausforderungen dar.
Ziel dieser Arbeit ist, einen der wichtigsten Aspekte für die erfolgreiche Etablierung von Lean Management im Spital zu beleuchten: Führung. Diverse Studien stellen die Wichtigkeit einer guten Führung für den Erfolg von Lean Management-Massnahmen heraus, benennen oder quantifizieren diese aber nur unzureichend. Die Arbeit befasst sich mit der Definition eines detaillierten Anforderungsprofils und stellt ein Tool zur Selbstevaluation in der Praxis zur Verfügung. Dieses soll Spitälern bei der Einführung von Lean Management-Massnahmen als wirkungsvolles Instrument zur Seite stehen und bietet Führungskräften die Möglichkeit die persönliche Lean-readiness zu testen und Optimierungspotential gezielt zu identifizieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Ausgangslage & Problemstellung
1.1 Erkenntnisziel, Forschungsfrage und Abgrenzung
1.2 Methodik
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen & Stand des Wissens
2.1 Lean Management
2.1.1 Grundlagen
2.1.2 Drei Ebenen von Lean
2.1.3 Lean-Hospital
2.2 Führung
2.2.1 Führungsprozess und Rahmenbedingungen der Führung
2.2.2 Führungstheorien & Persönlichkeitsdimensionen
2.2.3 Führungskompetenzen
2.3 Führung im Kontext der Etablierung von Lean Management im Spital
2.4 Fazit zum theoretischen Hintergrund und Forschungsstand
3 Empirische Forschung: Anforderungen an Führungskräfte für die erfolgreiche Etablierung von Lean Management im Spital
3.1 Methodik
3.1.1 Untersuchungsstrategie
3.1.2 Auswahl der Datenerhebungsmethode & Erstellung des Fragebogens
3.2 Datenerhebung & Datenaufbereitung
3.2.1 Stichprobenbeschreibung
3.2.2 Datenerhebung
3.2.3 Datenaufbereitung
4 Resultate und Ableitung des Anforderungsprofils
4.1.1 Allgemeine Merkmale
4.1.2 Persönlichkeitsdimensionen
4.1.3 Mitarbeiter- vs. Aufgabenorientierung
4.1.4 Führungskompetenzen
4.1.5 Abschlussfrage
5 Tool zur Selbstevaluation
5.1 Erstellung des Tools
5.2 Praxischeck des Tools am Universitätsspital A.
5.2.1 Ergebnisse des Praxischecks
6 Fazit
6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.2 Schlussfolgerungen und Implikationen
6.3 Limitationen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, ein detailliertes Anforderungsprofil für Führungskräfte zur erfolgreichen Etablierung von Lean Management im Spital zu definieren. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche Merkmale und Kompetenzen in der Mitarbeiterführung hierfür erforderlich sind und wie diese mittels eines Tools zur Selbstevaluation in der Praxis gemessen und bewertet werden können.
- Anforderungen an Führungskräfte im Kontext von Lean Management.
- Anwendung des Big-Five-Modells zur Persönlichkeitsanalyse.
- Untersuchung von Mitarbeiter- versus Aufgabenorientierung.
- Entwicklung und Validierung eines Instruments zur Selbstevaluation der Lean-readiness.
Auszug aus dem Buch
Lean-Hospital
In Anbetracht des in der Einleitung erwähnten steigenden Kostendrucks im Gesundheitswesen sowie dem lauter werden Ruf nach effizienten Prozessen und Abläufen, scheint es nur logisch erfolgreiche Prinzipien aus anderen Branchen in das Gesundheitswesen zu übertragen. Auch andere Autoren neben Womack und Jones betonen die universelle Anwendbarkeit der dem Lean Management zugrundeliegenden Prinzipien, weshalb ein Einsatz im Gesundheitswesen nur sinnvoll ist. Porché und Kendrick betonen in Ihrem Buch Doing More with Less Lean Thinking and Patient Safety in Health Care (2006): «Despite its origins in manufacturing, lean thinking is not strictly a manufacturing strategy but a management system whose goal is improving the process or set of actions required to do work. Because every organization, including a health care institution, does its work as a series of processes designed to meet its customer/patient’s need, lean thinking can be universally applied to any industry.»
Wie einleitend erwähnt, ist die Übertragbarkeit in das Gesundheits- bzw. Spitalwesen somit generell gegeben, allerdings ist dies nicht immer einfach. Allein die Tatsache, dass der Unternehmensgegenstand kein Produkt, sondern ein Mensch mit Gefühlen, Ängsten und Bedürfnissen ist, verkompliziert die Sachlage. Gleichzeitig scheiden sich die Geister an der genauen Erfassung von Qualität im Kontext zur Behandlung einer Krankheit (Scholz, 2016, S. 8-9). Wahrscheinlich auch deshalb gibt es noch keine einheitliche Definition des Begriffs Lean Hospital. Einen Definitionsvorschlag liefern die Autoren des Buches Lean Healthcare Transformation - Body of Knowledge (Angerer, et al., 2016, S. 3): «Ein Lean-Hospital umschreibt eine hochqualitative, effiziente und sich stets selbstoptimierende Organisation, in welcher sämtliche Prozesse am Patienten ausgerichtet werden, um so nicht-wertschöpfende Aktivitäten zu eliminieren.»
Zusammenfassung der Kapitel
1 Ausgangslage & Problemstellung: Diese Einleitung beleuchtet den hohen Optimierungsdruck in Spitälern und führt Lean Management als potenziellen Lösungsansatz ein.
2 Theoretische Grundlagen & Stand des Wissens: Dieses Kapitel fundiert die Arbeit durch eine Analyse von Lean Management, Führungstheorien und der spezifischen Anforderungen im Spitalumfeld.
3 Empirische Forschung: Anforderungen an Führungskräfte für die erfolgreiche Etablierung von Lean Management im Spital: Hier wird das methodische Vorgehen und die Untersuchungsstrategie zur Entwicklung des Anforderungsprofils dargelegt.
4 Resultate und Ableitung des Anforderungsprofils: Dieser Abschnitt präsentiert die empirischen Ergebnisse der Befragung und leitet das Anforderungsprofil für Führungskräfte ab.
5 Tool zur Selbstevaluation: Dieses Kapitel beschreibt die Konzeption und den Praxischeck eines in Excel erstellten Instruments zur Bewertung der persönlichen Lean-readiness.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, diskutiert die Implikationen für Forschung und Praxis und beleuchtet Limitationen sowie künftige Ausblicke.
Schlüsselwörter
Lean Management, Lean Hospital, Mitarbeiterführung, Führungskompetenzen, Anforderungsprofil, Selbstevaluation, Big Five, Spitalwesen, Prozessoptimierung, Veränderungsfähigkeit, Führungstheorien, Lean-readiness, Gesundheitsmanagement, Patientenorientierung, Transformationale Führung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Identifikation der notwendigen Persönlichkeitsmerkmale und Kompetenzen, die Führungskräfte benötigen, um Lean Management erfolgreich in Spitälern zu etablieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Übertragung von Lean-Prinzipien auf das Gesundheitswesen, der Analyse von Führungsstilen (Mitarbeiter- vs. Aufgabenorientierung) und der Entwicklung eines Anforderungsprofils.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die Erstellung eines Anforderungsprofils und eines darauf basierenden Tools, mit dem Führungskräfte ihre Eignung und Entwicklungspotenziale in Bezug auf Lean Management selbst evaluieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Datenerhebung verwendet?
Es wurde eine explorative, qualitative sowie quantitative Erhebung mittels Online-Fragebögen bei Führungskräften in drei verschiedenen Schweizer Spitälern durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen erarbeitet, gefolgt von einer empirischen Untersuchung, die Persönlichkeitsdimensionen (Big Five), Führungsstile und Kompetenzbereiche quantifiziert und auswertet.
Welche Eigenschaften zeichnen laut Arbeit eine Lean-Führungskraft aus?
Erfolgreiche Lean-Führungskräfte sollten überdurchschnittlich extrovertiert, gewissenhaft, offen und verträglich sein, während sie gleichzeitig einen stark mitarbeiterorientierten Führungsstil pflegen.
Welche Rolle spielt die Hierarchiestufe bei der Führung im Lean Management?
Die Arbeit zeigt auf, dass mit steigender Hierarchiestufe die Anforderungen an Umsetzungs- und Methodenkompetenzen zunehmen, während die Bedeutung des tiefgreifenden, detaillierten Fachwissens abnimmt.
Warum ist das entwickelte Selbstevaluations-Tool für Spitäler relevant?
Es bietet Führungskräften die Möglichkeit, den persönlichen Reifegrad („Lean-readiness“) zu testen, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und Fehlbesetzungen bei der Einführung von Lean-Maßnahmen zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Christina Wiese (Autor:in), 2018, Der Weg zum Lean-Hospital. Anforderungen an Führungskräfte für die erfolgreiche Etablierung von Lean-Management im Spital, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436036