Ein Überblick über die Volksmusik des Balkans


Hausarbeit, 2018
44 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Vorwort
Stilrichtungen
Die ethnochoreologischen Zonen der ehemaligen SFRJ
Die Ethnomusikologie des Balkans
Die Ethnochoreologie des Balkans
Die Volksmusik in Kompositionen
Die Volksmusik in der Moderne

Literatur

Anhänge

Vorwort

Diese Arbeit wurde für diejenigen konzipiert, die nun ihre ersten Schritte in der Ausübung der Folklore des Balkans machen oder die sich generell weiterbilden möchten. Leider ist es heute (hauptsächlich in der Diaspora) so, dass wir in unseren Folklore-Vereinen fast nichts über unsere Kultur lernen. Zwar tanzen, singen und präsentieren wir unser kulturelles Erbe auf der Bühne, doch wir lernen nicht wirklich etwas darüber.

Wir kennen den Ursprung all dessen nicht und es interessiert uns nicht mehr wirklich.

Heute nennt sich jeder Choreograph, Trainer, usw. doch keiner von ihnen lehrt uns etwas Größeres. Sie wissen es größtenteils selber nicht. Wir sollten beginnen uns für unsere Tradition zu interessieren und diese unseren Kindern in ihrer vollen Pracht weiterzugeben…

1.1 Stilrichtungen

Die Stilrichtungen basieren auf dem Einfluss von anderen Kulturen/ethnischen Gruppen. Auf dem Balkan hat sich vor allem der türkisch-osmanische Stil geprägt, welcher sich durch die lange Okkupation des Osmanischen Reichs verfestigte. Den rein türkisch-orientalischen Stil in größeren Orten (z.B.: Tetovo, Prizren, Vranje, Kumanovo, Ohrid, etc.) nennt man „á la Turka“1 Diese wurde vor allem im städtischen Stil durch die Orchesterzusammensetzung namens „Čalgije“ (eingedeutscht: Tschalgije) verkörpert. Die Čalgijа besteht aus den Instrumenten „Kanun“2 (Zupfinstrument), „Ut/Ud/Oud/Outi“3 (Zupfinstrument)4 „Tarabuka“5 (Schlaginstrument), „Violine“, „Klarinette“ und „Daire“6 (Schlaginstrument). Hauptsächlich wurden die Čalgije benutzt, um Lieder zu spielen, aber auch oftmals Tänze, obwohl die Türken selber nie getanzt haben, sondern eher gerne zugeschaut haben.

Der typische Aufbau eines Liedes mit den Čalgije:

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

7 8 9 Abgesehen von dem türkisch-orientalischen Stil „á la Turka“ gibt es den leicht türkisch inspirierten Stil „á la Franga“. Dieser hat eher nur in der Tracht und in den Instrumenten (in Türkisch dominierten Orten - z.B. Prizren) seine türkisch-orientierte Inspiration. In diesem Stil wird das Singen eher in den Hintergrund gedrängt. Hierbei wird eher auf das Volksorchester oder ein Symphonieorchester zurückgegriffen. Bei diesem Stil wird die Eleganz des Adels hervorgebracht. Die Tänze sind stilistisch-leichte und edle Tänze, die viel Anmut und Klasse zeigen. Untypisch, als in Dörfern, wie zum Beispiel Vukmanovo, oder anderen Orten, wo man nicht stark auf diesen Stil zurückgreift, ist es, dass die Musik, der Takt, etc. auf die Klassik oder eher die westliche klassische Musik zurückgreift (ab Mitte des 18. Jahrhunderts).

Olivera Vasić führte Slobodan Zečevićs „Srpske Narodne Igre - poreklo i razvoj/Српске Народне Игре - порекло и развој“ fort. In ihrer Weiterführung, namens „Gradske Igre Srbije“ beschrieb sie die Polarisation und die Entstehung dieser Trennung des türkisch-orientalischen Stils und des westlichen Stils: „Zur Zeit der Herrschaft der Osmanen auf dem Balkan, wurden Dörfer und Städte scharf polarisiert. Während auf der einen Seite die Städte Zentren des Handels und des Handwerks waren, und zugleich für andere Kulturen ein Versammlungsort, waren, waren Dörfer in bestimmten Maßen isoliert und geschlossen. Nichtsdestotrotz haben die Dörfer zur Entwicklung der Städte und der städtischen Kultur beigetragen. […] Zur Formierung der städtischen Kultur in Serbien hat auch die lange Herrschaft der Türken erheblich dazu beigetragen, weil sich dadurch ein Repertoire städtisch-orientalischer Tänze formiert hat. […] Neben den Roma waren Träger der städtischen Kultur die Zinzaren10 und die Kara-Walachen11 Sie haben später Elemente des griechischen Tanzes „Kokonica“ (später „Kokonješte“) eingeführt. Eine weitere Schicht der städtischen Tänze formiert sich nach dem zweiten serbischen Aufstand [1815-1817]. Es entsteht ein Bedürfnis nach neuen administrativen Zentren. Viele Dörfer entwickeln sich nun zu Städten, wie zum Beispiel Šabac, Loznica, Kragujevac, Užice, Topola; Es entsteht eine Gruppe von städtischen Tänzen, welche zum Teil aus den seoskih12 Tänzen aus Zentralserbien entstanden sind. Die Hände hebt man hoch, damit die Frauen ihre Büste und ihrer Schmuck zeigen können. Sie werden in einem mittelschnellen Tempo ausgeführt; mit Würde, zurückhaltend. Der Torso ist ruhig; die Knie tänzeln. Die räumliche Symmetrie wird zum Ideal des Schönen. [...] Im Tanz ist die richtige Haltung dabei, damit man den neuen Stand darstellt (bis zum II. Weltkrieg). Die Melodien sind bestellt und komponiert.“ (Vasić)

Jedoch gab es in nicht allen Städten diesen reinen Čalgija-Stil. Es gab versuchte Verkörperungen dieser, jedoch waren sie nicht rein. Als Beispiel dient hier die städtische Musik der Serben in Prizren oder Vranje. Es gab sehr wohl die Violine, die Klarinette, die Tarabuka und eventuell sogar auch die Daire (eher kam die kleinere Version der Daire, der „Def“ vor), jedoch hat man hier auf Instrumente, wie etwa die Ud oder der Kanun, verzichtet13 obwohl die Geschwister Janković, ohne die Kerninstrumente der Čalgija, diese immernoch in diesem Bereich eingestuft haben14

Auch in den Dörfern und nicht-städtischen Orten gab es einen starken türkisch-osmanischen Einfluss. Dieser musikalische Einfluss erstreckte sich von der Türkei, über Bulgarien, Griechenland, Albanien, Serbien, Bosnien und Herzegowina und bis zu einem Teil Kroatiens (Bis zur Region: Dalmacija).

Wichtige Instrumente, die man auf dem Land benutzte, aber die auch eine türkisch-osmanische Herkunft haben, sind:

1. Tapan [Türk.: „Davul“]15 (Schlaginstrument; praktisch fast überall auf dem Balkan vertreten; dient zum Rhythmus; viele verschiedene Arten [Größe, Fell, etc.] des Tapans)
2. Zurla/Zurna16 (Holzblasinstrument; vor allem in Gebirgen oder Berggebieten mit starkem türkischen Einfluss vertreten; viele verschiedene Zurla-Arten [z.B.: Kaba-Zurla])
3. Def (Schlaginstrument; kleinere Version der Daire)
4. Daire (Häufige Benutzung, um Rhythmus für reinen Gesang ohne Instrumente zu erzeugen)

Das häufigste Duo dieser Instrumente, welche man immer in Bergregionen finden wird, ist die beliebte Kombination aus Zurla und Tapan. Die häufigste Zurla-Art auf dem Balkan ist die „Kaba-Zurla“ in Kombination eines großen Tapans. Sehr selten sieht man nur einen Tapan und eine Zurla oder einen Tapan und zwei Zurlas auf dem Balkan. Standardmäßig werden zwei oder drei Zurlas und zwei oder drei Tapani benutzt. Diese Kombination aus Zurla und Tapan wird sehr selten für Lieder benutzt. Hauptsächlich ist diese Kombination für den Tanz [vor allem Männer dominierte Tänze] da. Es gibt drei Möglichkeiten eines Tanztempos in Kombination zwischen diesen Instrumenten:

1. Sehr langsam – [aufbauend] – langsam – [aufbauend] – mittelschnell – [aufbauend] – schnell – [aufbauend] – sehr schnell – Schluss17
2. Sehr langsam – [aufbauend] – langsam - Schluss18
3. Mittelschnell – [aufbauend] – schnell – [aufbauend] – (evtl.) sehr schnell – Schluss19

Es ist häufig fast unmöglich den Takt dieser Tänze zu bestimmen, da es viele verschiedene Tempi gibt und zudem sich der Rhythmus durchgehend verändern kann, und es ist auch fast unmöglich Noten für die Zurla aufzuschreiben. So wie es unmöglich ist für den Tapan Noten aufzuschreiben. Fälschlicherweise werden auch oftmals die Zurla und der Tapan zu den Instrumenten der Čalgija hinzugezählt.

Neben dem türkisch-beeinflussten Stil, haben wir auch weitere Stilrichtungen, die in den jeweiligen ethnochoreologischen Zonen unterschiedlich sind.

1.2 Die ethnochoreologischen Zonen der ehemaligen SFRJ

Die Grafik wurde aus urheberrechtlichen gründen für die Veröffentlichung entfernt

Grafik 1 - Die ethnochoreologischen Zonen der ehemaligen Teilrepubliken der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien

Die Länder der ehemaligen Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien sind grob in fünf ethnochoreologische Regionen aufgeteilt, die in sich nochmals etliche Spaltungen haben. In Slowenien und einem kleineren Teil im Westen Kroatiens haben wir die sogenannte Region „Alpe“, die eindeutig durch die Alpenregion und deren stilistische Merkmale gekennzeichnet ist. Wie auch in der dinarischen Region, was sich später herausstellen lassen wird, haben wir hier Tänze, die ohne Musik getanzt werden. Es gab die Möglichkeit den Tanz mit Musik und/oder Gesang zu begleiten. Hier wird man auf Solo-Einsätze der „Svirala“20 der „Dvojnica“21 der „Citra“22 dem „Cimbalo“23 und der „Gajde“24 stoßen. Auch, wie in der Panonija, wird hier auch auf die Tamburica zurückgegriffen. Hier wird oft der Paartanz angewandt, statt des typischen Tanzens im offenen Halbkreis oder im geschlossenen Kreis. Der wohl bekannteste Paartanz dieser Region ist der „Polka“. Die typischsten Orchesterzusammensetzungen in dieser Zone sind die aus Violine, der Tamburica oder des Akkordeons (die sogenannten „Frajertonice“).

Die dinarische Region, welche die Gebiete Bosnien und Herzegowinas, Kroatiens, Serbiens, Montenegros, Albaniens und einen sehr kleinen Teil Mazedoniens umschließt, ist durch mehrere Charakteristika gekennzeichnet.

Auch hier hatten wir starken türkischen Einfluss, der die Bedingungen für die Musik der Region geschaffen hat. Durch die Anforderungen der Osmanen, welche die Annahme des Islams und der türkisch-osmanischen Kultur waren, und der Ablehnung dieser von Seiten der Bevölkerung25 wurden dementsprechend auch Konsequenzen gezogen. Im radikalsten Fall musste man mit dem Tod rechnen26 aber eine generelle Konsequenz war das Verbot der Instrumente. Dieses Verbot sorgte dafür, dass man nun durch tänzerisches Stampfen27 einen Rhythmus und zugleich das einzige musikalisch-tänzerische Werkzeug erzeugt, das die ethnochoreologische Tradition fortan prägen sollte. Um eine Melodie zu erzeugen, begann man mit dem polyphonen Gesang28 welchen sowohl Frauen, als auch Männer praktizierten. Fast immer war es so, dass jemand mit dem Gesang einstieg und der Rest der Sänger(innen) dann hinterherkam. Erst präsentierte der Sänger/die Sängerin das erste Motiv und die eigentliche Melodie, welche sich durchgehend im Lied fortziehen sollte. Kurz nach dem vorstellen des Motivs stiegen die anderen Sänger(innen) ein und führten die Melodie fort. Ein Motiv/eine Melodie konnte sich von Strophe zu Strophe ändern. Klassische Charakteristika dieser Zone sind die vielen Triller29 und, wie schon genannt, die Polyphonie. Eine fast immer vorkommende Praktizierung war es, dass klassisch erst der Gesang von Frauen oder von Männern eingeleitet wurde, und währenddessen oder darauf der Tanz ohne Musik oder mit Begleitung des Gesangs folgte30 Mit der Zeit jedoch kehrte man zu den ursprünglichen traditionellen Instrumenten, wie etwa der Dvojnica zurück.

Meistens waren die bildlichen Motive hinter dem Text, wie auch in anderen Regionen, die Liebe zu einer „djevojka/cura/mala“ (Serb.: Mädchen/Kleine - jedoch auch für Frauen meistens benutzt)31 oder einem „momak/dragi“ (Serb.: Junge/Liebster - jedoch auch für Männer meistens benutzt)32 oder, was öfter vorkam, ein Brauch oder der Alltag im Dorf33

Im Gebiet der „Bosanska Posavina“34 hat sich vor allem der musikalische Stil mit der „Šargija“35 und der Violine verbreitet. Neben diesen Instrumenten wurden ebenfalls Dvojnice und oftmals Frule benutzt. In diesem Gebiet lebten hauptsächlich Serben und Kroaten. Begebenheiten zum Singen und Tanzen waren fast immer Versammlungen (z.B. vor der Kirche an einem heiligen Tag). Die Kombination aus Šargija und Violine gab es nicht immer so. Die Violine wurde erst später hinzugefügt. Üblicherweise tanzte man nur in Begleitung der Šargija oder der Dvojnica. Recht selten konnte man beide in Kombination miteinander sehen. Mit der Kombination aus Šargija und Violine, kam auch die Dvojnica später hinzu36

Der Gesang in dieser Region ist heutzutage nur sehr schwer zu imitieren. Üblicherweise, wie auch in der Bosanska Krajina, würde jemand das Motiv/die Melodie einleiten. Jedoch sind es in dieser Region fast immer nur zwei Sänger(innen) gewesen, die gesungen haben. Eine(r) hätte im Gesang für die Harmonie und Begleitung und die/der Andere für die Melodie gesorgt.37

Die jadranische Zone unterscheidet nur sehr wenig von der dinarischen Zone. Hier setzte man noch auf andere Instrumente, wie zum Beispiel die „Gusle“38 oder die „Lijerica“, welche eine Adaption der griechischen „Lyre“39 oder auf Türkisch der „ Kemençe“ ist. Die Lijerica wurde hauptsächlich im Gebiet um die Stadt „Dubrovnik“ oder im „Hercegovina“-Gebiet genutzt. Am bekanntesten ist die Ausübung des Tanzes „Linđo“ 40 gewesen, welcher einige Formen haben konnte, aber im eigentlichen Sinne von einem Paar (Mann und Frau), mit dem Kommando eines einzelnen Mannes geleitet (Kommando war humoristisch - z.B. „Slomi joj kosti, Bog će ti prosti!“, auf Deutsch „Breche ihre Knochen, Gott wird es dir verzeihen!“) getanzt wurde.

Die Gusle ist eines der ältesten Instrumente des Balkans. Hauptsächlich und eigentlich nur, wurde sie genutzt um epische Lieder vorzutragen, die von einem Ereignis gehandelt haben (vor allem die Schlacht auf dem Amselfeld 1389)41 Die Tradition, die Gusle später nur für den Gesang zu nutzen, kam später42 Hauptsächlich wurde sie genutzt, um Nachrichten über ein Ereignis innerhalb eines Ortes weiterzuleiten.

Die panonische Zone, welche sich durch die Territorien der heutigen Republiken Kroatien und Serbien zieht, ist deutlich anders, als das Gebiet der dinarischen Zone. Innerhalb dieser Region gibt es hauptsächlich drei ethnische Gruppen: Serben, Kroaten und Ungaren. Hier durchzieht sich der Stil der „Tamburica“. Die Tamburica besteht aus den Instrumenten „Bisernica/Prim“43 „Brač“44 (eingedeutscht: „Bratsch“), „Bugarija“45 und „Berda“46 Die Tänze basieren auf einem leichteren und eher hüpfendem Rhythmus (vor allem im 2/4 Takt). Die Lieder (damit ist der Text gemeint) sind in diesem Gebiet zwar mit Liebe, Bräuchen und weiterem verbunden, aber im Vordergrund steht der Humor in all diesen Bereichen47 Auch wie in Mazedonien bei den Čalgije haben wir hier städtische Lieder, die jedoch fast alle mit dem Tamburica-Orchester gespielt werden. In diesem Bereich steht bei den Liedern meist die Liebe im Vordergrund (eher ohne Humor). Es geht auch vor allem um den Herzschmerz48 und die Verbundenheit zu einem bestimmten Ort.

Ein weiteres Instrument, dass jedoch eher in der Vojvodina-Provinz Serbiens genutzt wurde, war die Gajde. Nicht nur in der Vojvodina-Provinz, sondern schon eher auf dem gesamten Balkan (Mazedonien, Bulgarien, Serbien, Bosnien und Herzegowina und Kroatien) wurden verschiedene Typen der Gajde genutzt. Hauptsächlich waren sie jedoch Instrumente, die man eher in Bergregionen nutzte49 Im Gebiet der „Slavonija“ oder der „Posavina“ gab es mehrere Möglichkeiten des Singens. Entweder sang man in einer Gruppe homophon oder man sang im Kreis, während des Tanzens (jedoch nur laufend ohne instrumentale Begleitung), um den Tanz wieder einzuleiten, wobei jedoch meistens nur eine Frau alleine gesungen hat, und darauf alle im Tanz mit in den Gesang eingestiegen sind50

Die Morava-Zone hat in sich noch mehr Spaltungen, da sehr viele verschiedene Einflüsse eingewirkt haben und nicht überall die gleiche musikalische Richtung existiert.

In Zentralserbien haben wir die Region der „Šumadija“ und des „Pomoravlje“. Diese Regionen werden durch die Harmonie sowohl in Gesang, als auch in der Musik charakterisiert. Im Tanz sind sie stilistisch leichte und, fast schon zu sagen, majestätische Tänze, deren Stil nur schwer nachzuahmen ist51 Wie schon erwähnt, wird in dieser Region beim Gesang die Harmonie in der Vordergrund gedrängt52 Falls jedoch in einer Gruppe gesungen wird, dann basiert der gesangliche Stil auf den sogenannten „na bas“53

Das klassischste und charakteristischste Instrument dieser Region ist die Frula. Jedoch kamen im Laufe der Zeit immer mehr Instrumente, die man auch im Westen Europas benutze, hinzu. Diese sind die Violine, die „Harmonika“ (Akkordeon - erst ab dem 20. Jahrhundert) und der Kontrabass.

Im Nordosten der Morava-Zone haben wir die walachische Region, welche unter dem Namen „Timoška zona“ bekannt ist. In dieser leben hauptsächlich Walachen und Serben. Diese Region ist für ihre mystischen Bräuche, sowie der sogenannten „Vlaška magija“ (Dt.: „Walachische Magie“) bekannt. Die Charakteristika der Walachen ist das „grobe“ Tanzen, welches hauptsächlich durch das Stampfen im Tanz gekennzeichnet ist. Die wohl bekannteste Lied-Art ist die sogenannte „Pastorala“, welche vom Bauernleben erzählt. Auch hier setzt man, wie fast überall auf dem Balkan auf die Gesangsart „na bas“. Typische Instrumente der Walachen sind die Violine, die „Toba“ (schmalere Version des Tapans) und der „Duduk“54 55

Im Osten der Morava-Zone haben wir das Gebiet, welches unter dem Einfluss der Šopi war56 das sogenannte Gebiet des Šopluks57 58 Durch die Spaltung dieses Gebiets in drei nationale Territorien haben wir ebenfalls Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten, die diese Region prägen. Der bulgarische Teil dieser Region, welcher auch den Großteil beherbergt, ist die beste Darstellung des Šopluks. Hier finden wir alle wichtigen Charakteristika dieses Volks. Wenn man sich dem Gesang widmet, dann wird man schnell eine sehr hohe Polyphonie erkennen, welche „dvoglasno“59 oder „troglasno“60 sein kann. Üblicherweise würden alle Sängerinnen gleichzeitig das Lied miteinstimmen, wobei sich dann eine von der Homophonie entfernen würde und dann das Lied von grundauf „führen“ würde. Zudem ist eine weitere Charakteristika beim Singen der Einsatz von sehr vielen Trillern, welche die Solistin eigenständig nutzen würde und welche sich dann fast durchgehend durch das Lied fortziehen würden. Zum Schluß würden alle Sängerinnen das Lied mit einem Schrei beenden.61

Im Tanz wiederrum ist der bulgarische Teil des Šopluks etwas anders, als der serbische62 Zwar gibt es Grundschritte und Analysen der Tänze, doch hier werden diese nicht wirklich beachtet, wie bei den anderen Völkern des Balkans. Die Tänze basieren später meist auf reiner Improvisation. Die wohl bekanntesten Charakteristika des Tanzens in diesem Gebiet sind das hohe Hüpfen, die, wie schon erwähnte, Improvisation, die rhythmisch-anspruchsvollen Figuren während dem Tanzen und die Lebendigkeit, welche sowohl szenisch, psychisch, als auch physisch stattfindet.63 Ebenso gilt im gesamten Šopluk das Motto „Drž´ se zemljo, Šop te gazi/Држ´ се земљо, Шоп те гази!“64 was mit sehr viel Freude von den Männern ausgerufen wird beim Tanzen.

Die wohl typischsten Instrumente dieser Region sind die Gadulka65 welche ihren Ursprung ebenfalls in der türkischen Kemençe hat, die Gajde, die Cafara, welche auf dem Balkan eher als Kaval/Кавал bekannt ist 66 , und die Dvoyanka, welche der serbischen Dvojnica leicht ähnelt.

Der serbische und mazedonische Teil des Šopluks ist in einigen Grundzügen anders, als der bulgarische Teil.

Obwohl, wie schon erwähnt, es Grundschritte und Analysen der Tänze gibt, werden diese durch fast reine Improvisation im bulgarischen Teil ignoriert. Dies haben wir nicht im serbischen und mazedonischen Teil. Natürlich gab es an einigen Stellen Improvisationen im Tanz, wie sie es auf dem gesamten Balkan gab, jedoch waren diese nicht so radikal/extrem wie im bulgarischen Teil des Šopluks67

[...]


1 Stilrichtung vom 19. Jahrhundert bis zum 20. Jahrhundert.

2 Siehe Abb. 2

3 Siehe Abb. 3

4 Anders als im arabischen Raum, wird die Oud auf dem Balkan hauptsächlich als Bass-Instrument genutzt. Hiermit ist gemeint, dass die Oud in Liedern und Tänzen nur die Begleitung spielt.

5 Siehe Abb. 4

6 Siehe Abb. 5

7 Legende: rot= Entweder, oder …
blaue Klammern= Gehört als Option zusammen
grüne geschweifte Klammern= Möglichkeiten

8 Anmerkung: Für die Tarabuka und die Daire gibt es keine Noten, da diese immer selbstständig den
Rhythmus zum Lied/Tanz bilden.

9 Weitere Beispiele für die Musik der Čalgija:
1. https://www.youtube.com/watch?v=dt4-_SD9BLg („Ajde da li znaeš, pametiš Milice“, aus dem Album „Makedonske narodne pjesme pjeva i svira Ansambl Čalgija“ vorgespielt von „Ansambl Čalgija“, Skoplje, Jugoton-Label gekennzeichnet unter EPY-3663, 1966 - Lied aus Veles, Mazedonien)
2. https://www.youtube.com/watch?v=QokHVGGtTKw („Ej, more Mažu”, vorgespielt von „Ansamblot Čalgii na RT Skopje“ und dem Chor „Filigrani“, Skoplje, Jugoton-Label gekennzeichnet unter LSY-61633, 1982 - Lied aus Mazedonien)
3. https://www.youtube.com/watch?v=2yHWAH1UmsQ („Dafino, vino crveno, momčeto ti je zaspalo”, vorgesungen von Krume Spasovski - Lied aus dem Westen Mazedoniens, hauptsächlich aus Tetovo)
4. https://www.youtube.com/watch?v=0Gm-W5qTfYA („Kaži Jano, kaži dušo“, vorgesungen von Naum Petreski - Lied aus Tetovo)

10 Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Aromunen

11 Siehe https://sr.wikipedia.org/wiki/Karavlasi

12 Serbischer Terminus für „aus dem Dorf“. Weitere Entsprechung des Wortes wäre „orsko“.

13 Siehe als Beispiel:
1. https://www.youtube.com/watch?v=FAVmf2f0Wac (Tänze der Serben aus Prizren in der Choreographie von Dejan Trifunović, Musik von MA Zdravko Ranisavljević, vorgetanzt vom serbischen Nationalverein „Kolo“ aus Belgrad, 2013)

14 Siehe S. 96, Z. 18-23 „Призренске народне игре […] турски назива чалгије.“ - „Narodne Igre II/Народне Игре II“, Ljubica S. und Danica S. Janković, 1937, Belgrad.

15 Siehe Abb. 6

16 Siehe Abb. 7

17 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=SpEjTRGJEdE - „Teškoto oro“ Tanz der Mijaken aus
Galičnik/Lazaropolje, Mazedonien, in der Ausübung des mazedonischen Ensembles „Makedonija“ aus Skopje.

18 Siehe als Bsp.
https://www.youtube.com/watch?v=Xj0rtsdSnl0&index=57&list=PLRYCMmGYa7DZzCGz97Jo6qwf_SqwXzrx
bis 02:10 Min. - „Kara Jusufova“, Tanz der Goranen aus dem Gebiet der Prizrenska Gora, Kosovo- Provinz, Serbien.

19 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=NeK-a-S1KJ8 - „Čučuk oro“, Tanz aus dem Gebiet der Skopska Crna Gora/Skopska Blatija, Mazedonien. Das erste Mal öffentlich und szenisch im Film „Frosina“ (1952) dargestellt.

20 Siehe Abb. 8

21 Siehe Abb. 9

22 Siehe Abb. 10

23 Siehe Abb. 11

24 Siehe Abb. 12

25 Ablehnung von Seiten der Serben und Kroaten.

26 Grund, warum die Serben in Bosnien und Herzegowina (vor allem in der Region „Bosna“) den Islam angenommen haben und somit islamisiert wurden.

27 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=VATM3w0Gv7Y ab 01:33 Min. bis 03:06 Min. - Tänze der Serben aus Glamoč, Bosnien und Herzegowina (Region: Bosanska Krajina) in der Choreographie von Olga Skovran. Das erste Mal vom serbischen Nationalverein „Kolo“ 1949 auf der Bühne aufgeführt. Hier am 28.11.2013 vom selben Verein im Sava Centar, Belgrad aufgeführt.

28 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=l23_NDEAnPs ab 01:35 Min. bis 04:03 Min. - Lieder der Serben aus der Umgebung von Kupres, Bosnien und Herzegowina, in der Choreographie von Slobodanka Rac. Hier vom Verein „Jugos“, München auf der Bühne am 23.05.2015 aufgeführt.

29 In der Zone bekannt als „Groktanje“. Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=R7BSg9OeLTQ und https://www.youtube.com/watch?v=2_fkp8yOSz8 - Trillerlied „Groktalica“ aus Žegar bei Bukovica, Bosnien und Herzegowina.

30 Siehe https://www.youtube.com/watch?v=VATM3w0Gv7Y ab 03:14 Min. - Tänze der Serben aus Podrgmeč, Bosnien und Herzegowina, in der Choreographie von Milorad Lonić. Aufgeführt vom serbischen Nationalverein „Kolo“ aus Belgrad und in musikalischer Begleitung von Borislav Birač am 18.12.2011.

31 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=ppM1JQLuODs - „Oj djevojko, draga dušo moja“, ein Liebeslied aus dem Gebiet der Bosanska Krajina. Vorgesungen vom serb. Nationalverein „Kolo“ aus Belgrad in 2008.

32 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=-5nU3q73ac4 - „Ja iz Janja, dragi iz Šipova“, ein Liebeslied aus Janj, Bosnien und Herzegowina. Das Lied führt Milica Radić ein und Emilija Daćevac führt es weiter - Studentinnen der FMU, Belgrad aus dem Bereich der Ethnomusikologie.

33 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=2O98gQ_oS4c - Eine Dokumentation über den Brauch der „Vučari“ aus der Kninska Krajina.

34 Siehe https://sr.wikipedia.org/wiki/Bosanska_Posavina

35 Siehe Abb. 13

36 Siehe https://www.youtube.com/watch?v=9Rlm2Ad-6hw

37 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=Zasr-WedIYg - „Prepelice“, ein Lied der Serben aus der Umgebung des Ozren-Gebirges, Bosnien und Herzegowina.

38 Siehe Abb. 14

39 Siehe Abb. 15

40 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=mrCkXL3vLWc

41 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=39dPziXYeUo

42 Der wohl bekannteste Gusle-Spieler war Filip Višnjić (1767-1834).

43 Siehe Abb. 16

44 Siehe Abb. 17

45 Siehe Abb. 18

46 Siehe Abb. 19

47 Siehe als Bsp. die Versionen des sogenannten „Bećarac“. Diese wurden hauptsächlich von den Serben und Kroaten gesungen.

48 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=lQtGafayuiI - „Vratiće se rode“, ein altstädtisches Lied aus dem Banat, in der Ausübung von Zvonko Bogdan. Mehr zu Zvonko Bogdan: https://en.wikipedia.org/wiki/Zvonko_Bogdan

49 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=SnFbVrThutU („Osogovka“, Tanz aus dem Gebiet des Osogovo-Gebirges, Mazedonien. Aufführung des mazedonischen Nationalvereins „Tanec“ aus Skopje) und https://www.youtube.com/watch?v=kjsBUpcMppw ab 00:00 Min. - 00:16 Min. (Tänze der Serben aus dem Srem-Gebiet in der Choreographie von Milorad Lonić. Gajde-Ausübung von Borislav Birač aus dem serbischen Nationalverein „Kolo“ aus Belgrad am 23.12.2012)

50 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=htqp65di0r0 ab 05:54 Min. bis 08:42 Min. - Tänze der Kroaten aus dem Gebiet der Slavonija, in der Choreographie von Ivan Ivančan und in der Aufführung des kroatischen Nationalvereins „Lado“ aus Zagreb am 23.11.2016.

51 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=CnfP6cj0gp4 - Tänze der Serben aus der Šumadija, Serbien, in der Choreographie von Desanka Đorđević und der Musik von Slavko Mitrović „Cale“. Hier aufgeführt vom serbischen Nationalverein „Kolo“ aus Belgrad am 01.10.2015 im BelExpo-Centar, Belgrad.

52 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=-tHa4YvOn58 - „Vetar duva od Morave”, ein Lied aus der Šumadija. Hier aufgeführt vom serbischen Verein „Ivo Lola Ribar“ aus Belgrad am 17.11.2012 im Sava Centar, Belgrad. Den Gesang führt Ivana Vučićević (ein).

53 In einer neueren Fassung bald mehr ab „Der Gesang auf dem Balkan“.

54 Siehe Abb. 20

55 Siehe diese Orchesterzusammensetzung in https://www.youtube.com/watch?v=0PR0eQ8dOY4 - „Uora“, ein Tanz der Walachen aus dem Gebiet „Homolje“. Aufgeführt vom serbischen Nationalverein „Kolo“ aus Belgrad im Volkstheater Belgrad 2008 für das 60-jährige Jubiläum des Vereins. Aufgenommen für die DVD „60 godina u kolu sa Kolom“ - Cobiss.sr-ID: 17044140.

56 Mehr zu den Šopi unter https://en.wikipedia.org/wiki/Shopi

57 Der wohl bedeutendste Geograph des Balkans Jovan Cvijić beschrieb in seinem Buch „Balkansko poluostrvo i južnoslovenske zemlje“, Belgrad das Gebiet des sogenannten Šopluks. Laut ihm würde das Gebiet des Šopluks die gesamte westliche Hälfte des heutigen Bulgariens, den gesamten nordöstlichen Teil des heutigen Mazedoniens, einen sehr kleinen Teil des Nordostens von Griechenland (an der Grenze zu Bulgarien) und einen kleinen Teil des Ostens des heutigen Serbiens einnehmen. Mehr auf Seite 473 in „Balkansko poluostrvo i južnoslovenske zemlje“, Jovan Cvijić.

58 Siehe Abb. 21

59 Serbischer Terminus für zweistimmiger Gesang (Zweiklang).

60 Serbischer Terminus für dreistimmiger Gesang (Dreiklang).

61 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=aXpwbYt3p3I - Volkslieder der Šopi im Zweiklang aus Bulgarien. Aufgeführt vom bulgarischen Nationalverein „Filip Kutev“ aus Sofia am 18.12.2011 im Sava Centar. Die Lieder werden von Ivelina Dimova, Rumyana Aleksova und Darina Džambazova gesungen.

62 In einer evtl. detaillierteren Verfassung wird dann genauer auf Bulgarien eingegangen.

63 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=ysLF7Ij-QiY ab 01:22 Min. - Tänze der Šopi in der Umgebung von Sofia, Bulgarien. Vorgestellt in der Choreographie „Шопска сюита“ von Margarita Dikova, der Musik von Filip Kutev und aufgeführt vom bulgarischen Nationalverein „Filip Kutev“ aus Sofia am 14.05.2010 im Theater „Sofia“.

64 Ausruf der Šopi, wenn beim Tanz nun besonders viel Befriedigung erlangt wird. Übersetzt (auf Serbisch und Bulgarisch) bedeutet der Satz „Halt dich fest Boden, der Šop zertritt dich!“.

65 Im Serbischen auch bekannt als Ćemane/Ћемане. Siehe Abb. 19.

66 Die Kaval ist ein Instrument, welches im Südosten Serbiens, aber auch in der serbischen Kosovo-Provinz, in fast gesamt Mazedonien und in Bulgarien benutzt wird. Siehe Abb. 20.

67 Siehe als Bsp. https://www.youtube.com/watch?v=t-atnFPGtBg - Die Tänze der serbischen Šopi aus Crna Trava in der Choreographie „Na gosti“ von Damir Šipovac, der Musik von Darko Čitić und in der Aufführung des serbischen Folklorevereins „Vuk S. Karadžić“ aus Rorschach, Schweiz auf der europäischen Meisterschaft für serbische Folklore im Sava-Centar in Belgrad, 2015.

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Ein Überblick über die Volksmusik des Balkans
Autor
Jahr
2018
Seiten
44
Katalognummer
V436043
ISBN (eBook)
9783668767713
ISBN (Buch)
9783668767720
Dateigröße
2310 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethnomusikologie, Ethnochoreologie, Musik, Balkan, Folklore, Völkerkunde, Volksmusik, Serbien, BosnienundHerzegowina, Kroatien, Slowenien, Mazedonien, Bulgarien, Montenegro, Türkei
Arbeit zitieren
Nikola Petrović (Autor), 2018, Ein Überblick über die Volksmusik des Balkans, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436043

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