Unterschiede zwischen der sozialen Arbeit in der BRD und der DDR


Hausarbeit, 2017
8 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung der Sozialen Arbeit in den Westzonen und der BRD
2.1. Casework
2.2. Jugendhilfe nach Klaus Mollenhauer

3. Entwicklung der Sozialen Arbeit in der Sowjetischen Besatzungszone und DDR
3.1. Jugendhilfe als Bestandteil der Volksbildung
3.2. Sozialfürsorge
3.3. Umgang mit „Asozialen“
3.4. Volkssolidarität und Soziale Arbeit der Kirchen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Verständnis von Sozialer Arbeit, ihrer Träger und Institutionen kennzeichnet eine historische Entwicklung. Der von Carola Kuhlmann verfasste Text „Soziale Arbeit in BRD und DDR (1945-1969)“ aus ihrem Fachbuch „Geschichte Sozialer Arbeit 1“ wurde 2014 (4. Auflage) veröffentlicht und handelt von der unterschiedlichen Entwicklung der Sozialen Arbeit in Ost- und Westdeutschland. Inwiefern das Geschehen in der Zeit von 1945 bis 1969 darauf Einfluss nahm, wird in der folgenden Hausarbeit zusammenfassend erläutert.

2. Entwicklung der Sozialen Arbeit in den Westzonen und der BRD

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wird in allen Besatzungszonen Deutschlands mehr oder weniger die gesamte Nationalsozialistische Struktur zerschlagen. Die alliierten Truppen schaffen die Basis für die Neuerung der politischen und sozialen Ordnung. Schon während des Krieges gibt es keinen Konsens der Gegner Deutschlands. Die Amerikaner, Engländer und Franzosen sind Geburtshelfer einer marktwirtschaftlichen Ordnung, die Russen in ihrer Besatzungszone einer zentralisierten Ordnung . 1949 werden die beiden deutschen Staaten Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik gegründet, die sich weiter im Ost-West-Konflikt gegenüberstehen. So entwickelt sich die Soziale Arbeit ab 1949 mehr und mehr unabhängig voneinander. In der BRD besteht die Hauptaufgabe der Sozialen Arbeit zunächst darin, den Notstand der Bedürftigen zu beheben. Die Grundbedürfnisse wie Wohnen, Essen und Arbeiten werden in Angriff genommen. Alles was mit Hitler und dem Nationalsozialismus im Zusammenhang steht, wollen die Alliierten abschaffen. Mithilfe von „reeducation“-Programmen soll den westdeutschen Jugendlichen eine demokratische Denkweise vermittelt werden. Sozialarbeiter kommen mit bereits vorhandenen, doch neuaufgelegten Erziehungsmethoden aus England und Amerika zurück, um diese in Deutschland zu etablieren. Die Umsetzung neuer Formen und Methoden scheitert vielfach, da viele ehemalige Mitglieder der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt noch die veralteten Methoden anwenden. In den 1950er und 1960er Jahren wird nicht selten die „schwarze Pädagogik“ praktiziert. „Schwarze Pädagogik“ ist ein negativ wertender Sammelbegriff für Erziehungsmethoden, die Gewalt und Einschüchterung als Mittel enthalten. Es braucht Zeit bis die Jugendgesetze den Standards des Grundgesetzes entsprechen. Die BRD wird im Grundgesetz als „demokratischer und sozialer Rechtsstaat“ definiert. Ab 1950 kann die Soziale Arbeit wieder mehr Aufgaben als nur die Notstandsbehebung in Angriff nehmen. Der Wirtschaftsaufstieg verursacht den Wiederaufbau von Versicherungen sowie die Verdreifachung des Einkommens. Die Jugend- und Sozialhilfe wird verbessert und ab 1961 tritt das Jugendwohlfahrtsgesetz und das Bundessozialhilfegesetz in Kraft. Die Pflichtbeiträge des Jugendamts werden um den Pflegekinderschutz, die Heimataufsicht und die Freiwillige Erziehungshilfe ergänzt. Die vergangene und nur auf staatlichen Trägern basierende nationalsozialistische Erziehung führt zur besonderen Hervorhebung der Bedeutsamkeit der freien Träger in den reformierten Gesetzen.

2.1. Casework

Mit der Methode „Casework“ werden zum ersten Mal psychotherapeutische Behandlungsformen im Aufgabenfeld der Sozialen Arbeit angewendet. Die ethischen Betrachtungen können Vorgänger der Theorien von C. Rogers oder Watzlawik sein. Es geht vor allem um die finanzielle Beihilfe in besonderen Sozialfällen. Die Einzelfallhilfe setzt sich für das jeweilige Individuum und deren wichtige Anteilnahme des Hilfeprozesses ein. Die Methode fördert Selbstakzeptanz und Persönlichkeitsentwicklung, ist trotz dessen keine Therapie im eigentlichen Sinne. Da Sozialarbeiter anders agieren, als Mediziner oder Psychologen, ist eine „partnerschaftliche Beziehung“ zwischen Betreuer und Klient Voraussetzung für eine erfolgreiche soziale Entwicklung. Nach Kamphuis sei die Beziehung notwendig und möglich, da Sozialarbeiter weder eine höhere Position einnehmen, noch eine Autorität beanspruchen. Der fachgerechte Beziehungsaufbau vermeidet Urteile und endgültige Diagnosen und soll dafür dem Klienten helfen, das Problem sachlich und objektiv betrachten zu können. Ziel des Casework ist eine positive Kettenreaktion als Gegenbewegung zur negativen Kettenreaktion von Ereignissen auszulösen. In der Beratung motiviert und rationalisiert der Betreuende den Klienten und gibt ihm Raum zum Entladen aufgestauter Emotionen und zur Konfrontation mit der Realität. Die pädagogischen und psychologischen Kenntnisse sowie das regelmäßige Protokollieren der Gespräche und Objektivierung der Situationen sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Beratung.

2.2. Jugendhilfe nach Klaus Mollenhauer

Der Theoretiker der Kritischen Erziehungswissenschaft Mollenhauer lebt von 1928 bis 1998. Seine Mitwirkung an dem Begriff der Sozialpädagogik wird durch zahlreiche Publikationen gefestigt. Nach Klaus Mollenhauer ist die Jugendhilfe nicht mehr nur reine „Nothilfe“, sondern sie gehört zu einer normalen Sozialisationsinstanz. Die Bezeichnungen Sozialpädagogik und Soziale Arbeit seien bis zum heutigen Zeitpunkt nahezu identisch, da die gleichen beruflichen Herausforderungen zu bewältigen sind. Nur der historische Ursprung unterscheide die Begriffe voneinander. Er kritisiert, dass dem Begriff der Sozialpädagogik zu viele Bedeutungen zugeschrieben werden. Mollenhauer sieht einen Zusammenhang mit der Jugendhilfe und dass der Hilfeprozess anhand von individueller Anpassung an den Fall verbessert werden kann. Zudem werden keine autoritären Hilfemaßnahmen angewendet. Es wird auf Behandlungsweisen in Form von Beratung gesetzt. Diese Punkte treffen auf die Vorgehensweise der Sozialarbeit zu, welche sich an alle Altersgruppen wendet. Mollhauer versteht Beziehung als ein gleichberechtigtes Verhältnis welches den Hilfeprozess unterstützt.

3. Entwicklung der Sozialen Arbeit in der Sowjetischen Besatzungszone und DDR

Die Soziale Arbeit in der DDR hat zunächst mit nahezu identischen Herausforderungen und Problemen zu tun, geht aber andere Wege, folgt anderen Konzepten und ist anders organisiert als in der BRD. Die kommunale Selbstverwaltung, der Föderalismus und die Ländergliederung werden durch eine zentralistische Struktur ersetzt. Die Wohlfahrtspflege wendet die sozialistischen Methoden an. Die Erziehung von öffentlichen Einrichtungen steht unter der Leitung des Staats und wird gegebenfalls von der sozialistischen Einheitspartei (SED) verantwortet. Die Aufgaben der Jugendarbeit werden überwiegend von der 1946 gegründeten Freien Deutschen Jugend (FDJ) übernommen.

3.1. Jugendhilfe als Bestandteil der Volksbildung

Gemäß der Verordnung von 1966 über die Aufgaben und Arbeitsweise der Organe der Jugendhilfe soll diese Hilfe für Kinder und Jugendliche in besonderen Sozialsituationen leisten.

Damit umfasst die Jugendhilfe der DDR im Prinzip das, was in der BRD als Jugendfürsorge gilt. Allerdings ist die Jugendhilfe für die „Volksbildung“ verantwortlich. Daraus folgend konzentriert sich die Soziale Arbeit in der DDR auf die Einbeziehung in lehrenden Einrichtungen. Die Sozialhilfe für Bedürftige soll verpflichtende Voraussetzung für den Staat und die Gesellschaft sein. Dadurch wird kein externer Bereich zur Fürsorge wie die Jugendhilfe benötigt. Die ehrenamtliche Arbeit hat eine große Bedeutung. Für die Heimerziehung kommen jedoch nur professionelle Pädagogen in Frage. Die Erziehung soll in allen öffentlichen Bereichen kollektiv vermittelt werden, da die Heranwachsenden so ihren sozialistischen Charakter besser entwickeln sollen. Trotz Verboten für Gewalt an Jugendlichen kommt es in den „Jugendwerkhöfen“ zu Missbrauch. Die Erziehung in der DDR erlaubt mehr Freiraum in der Sexualität, aber sie schränkt die Meinungsfreiheit und die eigene politische Ansicht stark ein. Die FDJ vermittelt das Idealbild von Gemeinschaft, Frieden und Würde und soll die sozialistische Persönlichkeit stärken. Die Teilnahme ist freiwillig, doch den Jugendlichen außerhalb der FDJ bleiben Vorteile in vielen sozialen Bereichen verwehrt. Die Auflösung der Parteijugend nach der Wende führt zum starken Rückgang der Jugendarbeit. Lehrerinnen und Erzieherinnen gelten als gleich wichtig, deshalb werden sie während der Zeit der DDR gleich bezahlt. Dass Frauen trotz Kindererziehung arbeiten gehen, macht die Familienpolitik möglich.

[...]

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Details

Titel
Unterschiede zwischen der sozialen Arbeit in der BRD und der DDR
Hochschule
Hochschule Neubrandenburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V436094
ISBN (eBook)
9783668766044
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unterschiede, arbeit, Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Geschichte, BRD, DDR, Carola Kuhlmann, Entwicklung
Arbeit zitieren
Maxi Koch (Autor), 2017, Unterschiede zwischen der sozialen Arbeit in der BRD und der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436094

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