Bereits in den frühen achtziger Jahren gerieten sowohl der herkömmliche Literaturunterricht, als auch der traditionelle Aufsatzunterricht ins Zentrum der Kritik. Es wurde diskutiert, ob die bis dahin eingesetzten Unterrichtsmethoden, die auf ein mechanisches Einprägen und Einüben abzielten, zu der vielfach beobachteten Lese- und Schreibunlust führten.
Obwohl die Vermittlung der Grundkompetenzen größtenteils erfolgreich schien, verzichteten immer mehr Kinder auf eine außerschulische Nutzung derselben. Der Grund dafür wurde einerseits in der schulischen Vermittlung und andererseits bei den neuen Medien gesehen, welche eine bequemere Form der Freizeitgestaltung ermöglichten.
Die Reaktion war sowohl die Erweiterung des Buchmarktes für Kinder als auch die Anpassung an ihre Wünsche, Vorstellungen, Fähigkeiten und Erfahrungen. Das Herantragen der gezielt ausgewählten Kinderliteratur an die jungen Leser, im Rahmen des handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterrichts einerseits und die Entwicklung der Methoden des kreativen Schreibens andererseits, sollten dazu führen, dass die Anstrengungen des Lesens und Schreibens vergessen werden und die Kinder wieder ein Mehr an Schreiblust und -motivation gewinnen können. Im Rahmen dieser Arbeit soll versucht werden, aufzuklären, wie sich die Methoden des kreativen Schreibens, die bereits Eingang in die meisten Lehrpläne gefunden haben, auf die Schreibkompetenzen und Schreibmotivation der Schüler auswirken und ob sie grundsätzlich eine angemessene Förderung bieten. Dabei sollen die Verfahren im Vordergrund stehen, die literarische Texte als Anregung nutzen, was eine hinreichende Auseinandersetzung mit dem Gegenstand Kinderliteratur voraussetzt.
Inhaltsverzeichnis
1. THEORIE DES LESE- UND LITERATURUNTERRICHTS
1.1 Der Lesevorgang
1.2 Warum noch Lesen ?
1.3 Auswahl und Bewertung von literarischen Texten
1.4 Das Textverständnis bei Kindern
1.5 Leseverhalten und Lesemotivation von Grundschulkindern
1.6 Lektürewahl der Kinder und für Kinder
1.7 Literaturunterricht in der Grundschule
1.7.1 Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
1.7.2 Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht und kreatives Schreiben
2. ZUM GEGENSTAND DER KINDERLITERATUR
2.1 Was sind literarische Texte?
2.2 Was ist Kinderliteratur?- Definitionsversuche
2.3 Gliederung der Kinderliteratur
2.4 Kinderliteratur- Für wen?
2.5 Das Kinderbuch
2.6 Aktuelle Situation der Kinderliteratur
2.7 Unterschiedliche Textgattungen in der Kinderliteratur
2.7.1 Kinderlyrik
2.7.1.1 Charakteristische Merkmale der Kinderlyrik
2.7.1.2 Warum sollte Kinderlyrik im Unterricht der Grundschule eingesetzt werden?
2.7.2 Epische Kindertexte
2.7.2.1 Die phantastische Erzählung für Kinder
2.7.2.1.1 Charakteristische Merkmale der phantastischen Erzählung
2.7.2.1.2 Warum sollten phantastische Erzählungen im Unterricht der Grundschule eingesetzt werden?
2.7.2.2 Die realistische Kindergeschichte
2.7.2.2.1 Charakteristische Merkmale der realistischen Kindergeschichte
2.7.2.2.2 Warum sollten realistische Kindergeschichten im Unterricht der Grundschule eingesetzt werden?
2.7.2.3 Die Abenteuererzählung
2.7.2.3.1 Charakteristische Merkmale der Abenteuererzählung
2.7.2.3.2 Warum sollten Abenteuererzählungen im Unterricht der Grundschule eingesetzt werden?
2.7.2.4 Das Märchen
2.7.2.4.1 Entstehung und Entwicklung von Volksmärchen
2.7.2.4.2 Charakteristische Merkmale des Volksmärchens
2.7.2.4.3 Warum sollten Märchen im Unterricht der Grundschule eingesetzt werden?
2.7.2.4.4 Das Kunstmärchen
3. THEORIE DES KREATIVEN SCHREIBENS
3.1 Der Kreativitätsbegriff
3.2 Was ist kreatives Schreiben?
3.3 Die Einordnung des kreativen Schreibens in die Schreibdidaktik
3.3.1 Handelt es sich beim kreativen Schreiben um eine neue Schreibdidaktik?
3.4 Einflüsse der Psychologie
3.5 Psychophysiologische Aspekte des kreativen Schreibens
3.6 Auswirkung des kreativen Schreibens auf Schreibblockaden
3.7 Einordnung des kreativen Schreibens in den Deutschunterricht
3.8 Organisation eines kreativen Schreibunterrichts
3.9 Einteilung des kreativen Schreibens in sechs Methodengruppen
3.9.1 Die assoziativen Verfahren
3.9.2 Schreibspiele
3.9.3 Schreiben nach Vorgaben, Regeln und Mustern
3.9.4 Schreiben zu und nach (literarischen) Texten
3.9.5 Schreiben zu Stimuli
3.9.6 Weiterschreiben an kreativen Texten
3.10 Berücksichtigung ganzheitlicher Lernerfahrung beim kreativen Schreiben
4. DIE PRAKTISCHE REALISIERUNG DES KREATIVEN SCHREIBENS AUF DER GRUNDLAGE LITERARISCHER TEXTE
4.1 Voraussetzungen für das kreative Schreiben
4.2 Kriterien für den Einsatz von Kinderlyrik im Grundschulunterricht
4.3 Kriterien für den Einsatz von epischen Texten als Anregung zum kreativen Schreiben
4.3.1 Kriterien für den Einsatz von phantastischen Erzählungen im Grundschulunterricht
4.3.2 Kriterien für den Einsatz von realistischen Kindererzählungen im Grundschulunterricht
4.3.3 Kriterien für den Einsatz von Abenteuerlektüre im Grundschulunterricht
4.3.4 Kriterien für den Einsatz von Volksmärchen im Grundschulunterricht
4.4 Konkrete Anwendungsmöglichkeiten für lyrische Texte als Anregung zum kreativen Schreiben
4.5 Konkrete Anwendungsmöglichkeiten von epischen Texten als Anregung zum kreativen Schreiben
4.6 Der Einsatz von Medien im kreativen Schreibunterricht
4.7 Differenzierung - Besondere Vorzüge des kreativen Schreibens bei leistungsstarken oder leistungsschwachen Schülern
4.8 Kreatives Schreiben als Verfahren für Gruppenarbeit
4.9 Kreatives Schreiben– eine Methode nur für den Deutschunterricht?
4.10 Kreatives Schreiben- eine Methode für den DaF- und DaZ- Unterricht?
4.11 Kreatives Schreiben- eine Hilfe bei Rechtschreibschwäche?
4.12 Weiterarbeit mit kreativen Texten: Bewertung, Überarbeitung, Präsentation von kreativen Texten
4.13 Ziele des kreativen Schreibens
4.14 Legitimation des Einsatzes von literarischen Texten als Anregung zum kreativen Schreiben
4.15 Die schulische Realität
SCHLUSSTEIL
Möglichkeiten und Grenzen eines kreativen Schreibunterrichts - ein Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Methoden des kreativen Schreibens, die literarische Texte als Stimuli nutzen, die Schreibkompetenzen und Schreibmotivation von Grundschulkindern fördern können. Dabei wird insbesondere auf die Zusammenhänge zwischen Lese- und Schreibdidaktik sowie die Berücksichtigung individueller Lernvoraussetzungen eingegangen.
- Theoretische Grundlagen des Lese- und Literaturunterrichts in der Grundschule
- Definition, Typologie und Gliederung von Kinderliteratur
- Theorie des kreativen Schreibens, Methodengruppen und psychologische Einflüsse
- Praktische Realisierung des kreativen Schreibens im Grundschulalltag
- Differenzierung und Förderungsmöglichkeiten (z.B. bei Rechtschreibschwäche)
Auszug aus dem Buch
1.1 Der Lesevorgang
Beim Lesen handelt es sich um einen „[…]Analyse-Synthese-Prozess der interpretativen Umsetzung schriftlicher Zeichen […] in Information.“ Das Lesen ist „[…] als Rezeptionshandlung zu verstehen, in deren Ausführung als literarische Kommunikation zwischen einem (lektüre)biografisch vorgeprägten Subjekt und einem Bedeutungen anbietenden Text ein Sinn konstruiert wird, wobei diese Sinnkonstruktion von weiteren situativen und kontextuellen Faktoren beeinflusst wird.“
Am Lesevorgang sind viele Partien des menschlichen Gehirns beteiligt; dieses macht das Lesen zu einem komplexen kognitiven Vorgang, welcher sich durch diverse Zugriffsweisen seitens des Lesers definiert. Der Leser nutzt die Graphem-Phonem-Korrespondenzen, ihm bereits bekannte Wortteile oder gar ganze Wörter, syntaktische Begrenzungen, wie auch verschiedene Sinnstützen. Vorausgesetzt werden dabei die Kenntnis über die Graphem-Phonem-Korrespondenz, ein ausreichendes Sprachvermögen und ein allgemeiner Erfahrungshorizont.
Da in der deutschen Sprache keine eindeutige Laut-Buchstaben-Beziehung vorliegt, was einerseits daran deutlich wird, dass die Betonung eines Wortes nicht unmittelbar erkennbar ist, andererseits auch nicht die Vokallänge oder die Segmentierung eines Lexems, muss der Leser beim Lesevorgang problemlösend vorgehen. Neben den Buchstaben ist der Kontext eines Textes für die Aussprache eines Wortes ausschlaggebend; in verschiedenen Kontexten kann ein Wort unterschiedlich ausgesprochen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. THEORIE DES LESE- UND LITERATURUNTERRICHTS: Das Kapitel erläutert den komplexen kognitiven Prozess des Lesens, betont die Bedeutung des Lesens für die kindliche Entwicklung und diskutiert Vermittlungskonzepte in der Grundschule.
2. ZUM GEGENSTAND DER KINDERLITERATUR: Hier werden verschiedene Definitionsversuche für Kinderliteratur vorgestellt sowie deren Gliederung und die Bedeutung von Medien wie dem Kinderbuch und dem Bilderbuch erörtert.
3. THEORIE DES KREATIVEN SCHREIBENS: Dieses Kapitel definiert den Kreativitätsbegriff, ordnet kreatives Schreiben in die Schreibdidaktik ein und betrachtet psychologische sowie psychophysiologische Aspekte und Methodengruppen.
4. DIE PRAKTISCHE REALISIERUNG DES KREATIVEN SCHREIBENS AUF DER GRUNDLAGE LITERARISCHER TEXTE: Der letzte Teil verknüpft die Theorie mit der Unterrichtspraxis und zeigt konkrete Anwendungsmöglichkeiten sowie Kriterien für den Einsatz verschiedener Textgattungen auf.
SCHLUSSTEIL: Das Fazit zieht eine Bilanz der Möglichkeiten und Grenzen eines kreativen Schreibunterrichts.
Schlüsselwörter
Kreatives Schreiben, Literaturunterricht, Kinderliteratur, Grundschule, Lesemotivation, Schreibdidaktik, Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Schreibblockaden, Textverständnis, Kinderbuch, Märchen, Schreibwerkstatt, Methodenvielfalt, Lesesozialisation, Ganzheitliches Lernen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verknüpfung von Literaturunterricht und kreativem Schreiben in der Grundschule, um die Schreibfreude und Schreibkompetenz von Kindern zu steigern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Lesepsychologie, die Theorie des kreativen Schreibens, die Analyse der Kinderliteratur und deren didaktische Umsetzung in der Unterrichtspraxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuklären, wie Methoden des kreativen Schreibens, die literarische Texte als Anregung nutzen, die Schreibmotivation und Schreibkompetenz der Schüler nachhaltig fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse didaktischer Konzepte sowie auf der Auswertung praktischer Erprobungen in einem Kinder- und Jugendtreff.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Theorie des Lese- und Literaturunterrichts, eine Begriffsbestimmung von Kinderliteratur, die theoretischen Grundlagen des kreativen Schreibens und deren praktische Umsetzung im Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kreatives Schreiben, Literaturunterricht, Schreibmotivation, Schreibdidaktik und literarische Texte als Schreibanlass.
Wie kann kreatives Schreiben bei Rechtschreibschwäche helfen?
Durch den Fokus auf den inhaltlichen Ausdruck und die Fiktion wird der Leistungsdruck gesenkt, was Kindern hilft, Ängste vor Fehlern abzubauen und wieder Freude am Schreiben zu gewinnen.
Welche Rolle spielt die Gehirnforschung bei den Methoden?
Die Arbeit nutzt die Erkenntnisse über die Kooperation der linken (rationalen) und rechten (emotionalen) Hirnhälfte, um zu begründen, warum kreative Methoden die Textproduktion effizienter und motivierender gestalten.
- Citar trabajo
- Agnes Slabon (Autor), 2003, Textproduktion im Unterricht der Primarstufe: Literarische Texte als Anregungen zum kreativen Schreiben, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43611