Die Folter: Ein umstrittenes Mittel seit der Antike, das besonders in den letzten Jahren erneut Diskussionen über dessen Vertretbarkeit hervorrief. Exemplarisch am Falle Wolfgang Daschner und daher mit besonderem Hinblick auf die sogenannte Rettungsfolter (Folter zur Sicherung oberster Werte wie zum Beispiel das Leben), zeigt diese Seminararbeit die Argumentation um die moralische Vertretbarkeit der Folter auf.
Dabei werden sowohl aktuelle Ereignisse als auch die Definition, die Rechtslage, die Geschichte, ethische Aspekte, christliche Werte und der Standpunkt der Kirche miteinbezogen. Ein vielseitiger Konflikt, bei dem für beide Seiten schlüssige Argumente vorliegen und der somit zur eigenen kritischen Auseinandersetzung mit diesem Thema anregt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Begriff der Folter
III. Kirche und Folter über die Jahre - ein geschichtlicher Überblick
IV. Folter im deutschen Recht
V. Folter und Moral - ein Widerspruch in sich?
VI. Rechtfertigung der Folter durch das Wort Gottes?
1. Gewalt in der Bibel
2. Beurteilung der Gewaltanwendung
3. Gewaltablehnung im Christentum
4. Christliche Werte gegen die Folter
VII. Auswertung und Zusammenfassung der Argumentation
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit von Folter – insbesondere der sogenannten Rettungsfolter – im Kontext einer christlichen Gesellschaft, wobei die moralische Argumentation und das christliche Menschenbild der rechtlichen Betrachtung gegenübergestellt werden.
- Analyse des Begriffs der Folter und der internationalen sowie deutschen Rechtslage.
- Geschichtliche Untersuchung der Rolle der Kirche bei der Anwendung von Folter.
- Ethische Beurteilung der Folteranwendung anhand moralischer Prinzipien und der Menschenwürde.
- Theologische Reflexion der Gewalt in der Bibel und der christlichen Gewaltablehnung.
- Erörterung des Konflikts zwischen dem Schutz von Menschenleben und dem absoluten Folterverbot.
Auszug aus dem Buch
V. Folter und Moral - ein Widerspruch in sich?
In der folgenden moralischen Argumentation um die Rechtfertigung der Rettungsfolter, zeigt sich, dass diese weitaus mehr Bestand hat als die Rechtfertigungsversuche über das Recht. Um dies beurteilen zu können, müssen allerdings zunächst die moralischen Bedenken der Folter berücksichtigt werden.
Nicht nur die Rettungsfolter, sondern auch jegliche andere Form der Folter, stellt im Allgemeinen eine Bedrohung moralischer Werte dar. Die Gewaltanwendung ist an sich nicht nur eine Untat, sondern hat auch einen enormen Einfluss auf die Gesellschaft. So kann die Folteranwendung im Einzelfall schnell zu einer geringeren Hemmung zur Gewalt führen und somit zur Regelmäßigkeit werden, denn sie "führt zu einer Eskalation der Gewalt [und] dazu, dass moralische Maßstäbe verloren gehen". Die Folter stellt außerdem eine Erniedrigung für das Opfer als auch den Ausführenden dar. Während der Ausführende selbst zum Kriminellen wird und mit seinem Gewissen leben muss, verliert das Opfer seine Menschlichkeit. Als Folge der Leidzufügung und Willensbrechung wird es "negiert und gedemütigt" bis es nur noch als "Bündel unter Schmerzen" existiert.
Um nun die moralischen Werte hinsichtlich der verschieden Arten der Folter zu beleuchten, wird der Folterbegriff zunächst weiter aufgefächert, hierbei wird zwischen drei Folterarten unterschieden: Die Folter zur Strafe oder aus reinem Vergnügen, die Folter zum Erlangen von Geständnissen und die Rettungsfolter.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Rettungsfolter anhand des Falls Magnus Gäfgen ein und skizziert die Leitfrage der ethischen Vertretbarkeit von Folter.
II. Der Begriff der Folter: Dieses Kapitel definiert Folter auf Basis der UN-Konvention und beleuchtet die Problematik der subjektiven Wahrnehmung von Schmerzen bei der rechtlichen Einordnung.
III. Kirche und Folter über die Jahre - ein geschichtlicher Überblick: Es wird die historische Diskrepanz zwischen der christlichen Gewaltablehnung und der aktiven Teilnahme der Kirche an Folterverfahren (z.B. Inquisition, Hexenverfolgung) aufgezeigt.
IV. Folter im deutschen Recht: Hier wird das absolute Folterverbot durch das Grundgesetz und internationales Recht dargestellt sowie die vergeblichen Versuche, dies durch Notsituationen zu umgehen, analysiert.
V. Folter und Moral - ein Widerspruch in sich?: Das Kapitel untersucht moralische Bedenken gegen verschiedene Folterarten und arbeitet die Sonderstellung der Rettungsfolter im ethischen Diskurs heraus.
VI. Rechtfertigung der Folter durch das Wort Gottes?: Diese Sektion hinterfragt die biblische Legitimation von Gewalt und stellt ihr die christliche Gebotslehre und das Menschenbild gegenüber.
VII. Auswertung und Zusammenfassung der Argumentation: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt, wobei Folter generell als verwerflich eingestuft wird, selbst wenn Rettungsfolter in Extremsituationen moralische Dilemmata provoziert.
Schlüsselwörter
Folter, Rettungsfolter, Christliche Ethik, Menschenwürde, Magnus Gäfgen, Gewaltablehnung, Menschenrechte, Moral, Grundgesetz, Inquisitionsverfahren, Gottesebenbildlichkeit, Schöpfung, Strafrecht, Gewissen, Nothilfe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ethische und moralische Zulässigkeit von Folter, insbesondere der sogenannten Rettungsfolter, innerhalb einer christlich geprägten Gesellschaft und Rechtsordnung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Folter, die rechtliche Lage in Deutschland, die historische Rolle der Kirche bei Gewaltanwendung sowie die christliche Wertethik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die moralische und ethische Vertretbarkeit der Rettungsfolter zu prüfen, insbesondere ob sie in Ausnahmefällen zum Schutz von Menschenleben gerechtfertigt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine ethische und rechtliche Diskursanalyse, bei der philosophische Argumente, biblische Texte und aktuelle Gesetzestexte gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Kirche, die rechtliche Prüfung anhand des Grundgesetzes sowie eine detaillierte moraltheologische Bewertung der Rettungsfolter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Rettungsfolter, Menschenwürde, christliche Ethik, Rechtsstaatlichkeit, Gewissensbildung und die Abwägung zwischen Leben und Leben.
Wie bewertet der Autor den Fall Magnus Gäfgen in Bezug auf die Rettungsfolter?
Der Autor ordnet den Fall als nachvollziehbar in einer Notsituation ein, betont jedoch, dass dies keinesfalls eine vollkommene moralische Rechtfertigung der Gewaltandrohung durch staatliche Organe bedeutet.
Widerspricht die Rettungsfolter nach Ansicht des Autors dem christlichen ersten Gebot?
Ja, der Autor argumentiert, dass Polizisten, die sich im Fall von Rettungsfolter über das Gesetz und die Menschenwürde stellen, sich in eine gottähnliche Position begeben, was im Konflikt mit dem ersten Gebot zur Selbstvergötterung führen kann.
- Arbeit zitieren
- Natalie Huber (Autor:in), 2017, Zwischen Gesetz und Moral. Folter in einer christlichen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436265