„Peter the Hermit is one of the most problematic individuals associated with the entire crusade movement.“ (Flori)
Mit dem Ziel der Eroberung Jerusalems stellte der Erste Kreuzzug einen bedeutenden und in dieser Hinsicht erfolgreich ausgegangenen Feldzug der Geschichte dar. Die Opfer dieses Feldzuges jedoch gingen allein auf Kreuzfahrerseite durch große Schlachten um beispielsweise Antiochia und Jerusalem, das Scheitern des Volkskreuzzuges und Belastungen wie Krankheit, Hunger, u.Ä. in die Zehntausende, während die Verluste auf muslimischer und jüdischer Seite kaum einzuschätzen sind.
Die Forschung ist sich über die Rolle des Eremiten nicht einig. Vor allem in verschiedenen Überblicksdarstellungen finden sich, allein am Umfang gemessen, deutliche Unterschiede in der Erwähnung des Pilgers Peter.
Welche Rolle spielt Peter der Eremit für den Ersten Kreuzzug im Vergleich ausgewählter zeitgenössischer Quellen und wie wird er innerhalb dieser Quellen dargestellt?
Um diesen Fragen nachgehen zu können, soll zunächst die Person und das Leben Peters des Eremiten näher erläutert werden. Daraufhin wird sich diese Arbeit drei ausgewählten Quellen der Kreuzzugsbewegung, den Gesta Francorum, den Gesta Tancredi und dem Chanson d’Antioche, jeweils in ihrem Entstehen und Wirken widmen. Diese Einordnungen sollen in der darauffolgenden Analyse der Quellen in Bezug auf die Person Peters des Eremiten nützlich sein. Obwohl der Blick auf die Gesamtheit der Quelle gerichtet sein wird, sollen in der Analyse zentrale Szenen betrachtet und erläutert werden, die Peters Auftreten beinhalten.
Die Quellen sollen zum Einen in Bezug auf die Quantität und Ausführlichkeit von Peters Erwähnungen untersucht werden. Weiterhin stellt die Art der Darstellung seiner Person mit charakterlichen und äußerlichen Merkmalen, wie auch die Darstellung seiner Handlungen ein wichtiges Kriterium dar. Auch die Einbindung innerhalb des Quellentextes soll einen Untersuchungsgegenstand darstellen, um daraus schlussendlich vergleichbare Werte ziehen zu können, die die Leitfrage um die Rolle Peters und Folgen seines Handelns in einer abschließenden Schlussbetrachtung ausführen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Person Peters des Eremiten
3. Darstellung Peters des Eremiten in den Kreuzzugsquellen
a. Gesta Francorum
i. Gesta Francorum als Werk
ii. Inhaltliche und gestalterische Erwähnung Peters
b. Gesta Tancredi
i. Radulf von Caen und die Gesta Tancredi als Werk
ii. Inhaltliche und gestalterische Erwähnung Peters
c. Chanson d’Antioche
i. Chanson d’ Antioche als Werk
ii. Inhaltliche und gestalterische Erwähnung Peters
4. Schlussbetrachtung
5. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die unterschiedliche Darstellung des Eremiten Peter von Amiens in drei zeitgenössischen Quellen des Ersten Kreuzzuges, um seine Rolle und Bedeutung in der Kreuzzugsbewegung kritisch zu hinterfragen.
- Analyse von Peter dem Eremiten als historische Figur und Wanderprediger
- Vergleichende Untersuchung der Gesta Francorum, Gesta Tancredi und des Chanson d’Antioche
- Evaluierung der quantitativen und qualitativen Erwähnungen Peters in den Quellen
- Herausarbeitung der literarischen vs. historischen Inszenierung der Person Peter
- Untersuchung der zugeschriebenen Rolle als Botschafter und Anführer
Auszug aus dem Buch
ii. Inhaltliche und gestalterische Erwähnung Peters
Das Chanson d‘ Antioche rückt entgegen den zuvor betrachteten Quellentexten abweichende Ereignisse um Peters Handeln in den Vordergrund und unterscheidet sich schon in seinem Beginn. Bereits in Abschnitt drei wird Peter das erste Mal erwähnt, indem seine Reise ins Heilige Land und die ihm dort erschienene Vision Gottes angesprochen, allerdings erst in späterem Verlauf näher beschrieben wird. Dass Peter innerhalb des Chansons eine größere Rolle einnehmen soll als in den vorigen Quellen, zeigt sich allein durch den Beginn des 15. Kapitels: „Now listen to the story we promised: how Peter the Hermit's crusade began.“
Dieser Satz erweckt die Neugier der Hörerschaft und schreibt Peters Geschichte eine hohe Bedeutung zu. Daraufhin findet sich eine genauere Einführung seiner Person, indem sowohl seine Herkunft aus Amiens als auch seine große Beliebtheit innerhalb seines Umfeldes hervorgehoben werden („[…]he was loved and served by all around.“). Erstaunlich ist außerdem, dass Peters Predigerfähigkeit so sehr betont wird, dass der Autor ihn in dieser Hinsicht mit den Aposteln auf eine Stufe erhebt, da geäußert wird, es sei seit der Zeit der Apostel kein weiterer Mensch mit solch einer Fähigkeit zu predigen geboren worden. Auch die Bezeichnung ‚nobleman‘ verdeutlicht den Status, den Peter weiterhin einnehmen wird, denn gerade diese steht im Kontrast zu Peters ursprünglicher Lebensweise als Einsiedler in Armut.
Innerhalb des Liedes nimmt Peters bereits erwähnte Pilgerreise nach Jerusalem einen großen Stellenwert ein, da aus dieser Reise der Kreuzfahrergedanke hervorzubrechen scheint. Die Darstellung erfolgt auf völlig neuartige Weise. Während eines Gespräches zwischen dem Patriarchen und Peter über die katastrophalen herrschenden Umstände in Jerusalem, habe der Patriarch ihm den Auftrag erteilt, der restlichen Christenheit von diesen Begebenheiten zu berichten. Dieser Umstand scheint zunächst den Patriarchen an der Initialzündung zu beteiligen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Rolle Peters des Eremiten im Ersten Kreuzzug und definiert die Forschungsfrage bezüglich seiner Darstellung in zeitgenössischen Quellen.
2. Zur Person Peters des Eremiten: Dieses Kapitel beschreibt das biografische Hintergrundwissen zu Peter von Amiens, seine Predigertätigkeit und seine Beteiligung am sogenannten Volkskreuzzug.
3. Darstellung Peters des Eremiten in den Kreuzzugsquellen: Der Hauptteil analysiert detailliert die Erwähnung und Inszenierung Peters in den Gesta Francorum, den Gesta Tancredi und dem Chanson d’Antioche.
4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung synthetisiert die Ergebnisse und stellt fest, dass die Quellen Peter widersprüchliche Rollen zuweisen, was eine eindeutige historische Einordnung erschwert.
5. Quellen- und Literaturverzeichnis: Hier werden die verwendeten Primär- und Sekundärquellen der Hausarbeit vollständig aufgelistet.
Schlüsselwörter
Peter der Eremit, Erster Kreuzzug, Volkskreuzzug, Gesta Francorum, Gesta Tancredi, Chanson d’Antioche, Mittelalter, Kreuzzugsbewegung, Geschichtsschreibung, Visionen, Himmelsbriefe, Wanderprediger, Belagerung von Antiochia, Radulf von Caen, Historiographie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die historische Figur Peter der Eremit in drei verschiedenen zeitgenössischen Texten des Ersten Kreuzzuges dargestellt und bewertet wird.
Welches sind die drei untersuchten zentralen Quellen?
Die zentralen Quellen sind die anonymen Gesta Francorum, die Gesta Tancredi von Radulf von Caen und das altfranzösische Heldenlied Chanson d’Antioche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede in der Darstellung Peters aufzuzeigen und zu prüfen, welche Rolle ihm die jeweiligen Autoren bei der Entstehung und Durchführung des Ersten Kreuzzuges zuschreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Quellenanalyse, bei der die Texte in Bezug auf Quantität, Ausführlichkeit der Erwähnungen und die Charakterisierung Peters untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der Autor und der Charakter der jeweiligen Quelle erläutert, gefolgt von einer detaillierten Analyse von Szenen, in denen Peter aktiv auftritt oder thematisiert wird.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Peter der Eremit, Erster Kreuzzug, Quellenvergleich, historiographische Darstellung und die Transformation historischer Fakten in literarischen Erzählungen.
Warum schneidet Peter in den Gesta Francorum so unterschiedlich ab im Vergleich zum Chanson d'Antioche?
Die Arbeit legt nahe, dass die Gesta Francorum Peter als untergeordneten Akteur behandeln, während das Chanson d’Antioche ihn als heldenhafte und gottbegnadete Figur stilisiert, um die Dramatik der Erzählung zu erhöhen.
Welche Bedeutung kommt dem Aspekt des Kannibalismus in der Untersuchung zu?
Im Chanson d’Antioche wird der Kannibalismus während der Belagerung von Antiochia euphemistisch als notwendige Rettungshandlung beschrieben, wobei Peter als entscheidender Ratgeber fungiert, was seine Rolle innerhalb der Quelle aufwertet.
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- Anonym (Author), 2016, Die Rolle Peters des Eremiten in ausgewählten Berichten der Kreuzzugsbewegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436271