Die Migrationsgeschichte im Geschichtsunterricht

Die Völkerwanderung


Projektarbeit, 2015
11 Seiten, Note: 1,33
Jacqueline Reinisch (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Darstellung der fachdidaktischen Diskussion zum Thema „Migrationsgeschichte“
1. Vadim Oswalt - Europäische Geschichte im Unterricht einer Migrationsgesellschaft

2. Beschreibung der Projektarbeit
1. Auswahl und didaktische Analyse des Themas
2. Ablauf der Projektarbeit
3.Materialanalyse
4. Angesprochene Kompetenzen

3. Reflexion der Ausarbeitung

4. Literaturverzeichnis

1. Darstellung der fachdidaktischen Diskussion zum Thema Migrationsgeschichte

In seinem Aufsatz „Europäische Geschichte im Unterricht einer Migrationsgesellschaft. Neue curriculare Akzente und die aktuellen Lehrpläne der Bundesländer“[1] behandelt Vadim Oswalt die These, ob die Geschichte der Herkunftsländer von Migrantenkindern vergleichsweise in den Geschichtsunterricht einzubeziehen sei und verknüpft diese mit den derzeit gültigen Lehrplänen.[2] Hierbei sind zwei Tendenzen im Aufbau ersichtlich: die Tendenz des chronologischen Durchgangs und die Tendenz zur Gegenwartsorientierung mit Behandlung von Schlüsselproblemen und der Geschichtskultur.[3] Die Vielfalt der Modernisierung und der verkürzte Abstand zwischen diesen erschweren den Einsatz von vergleichenden Analysen.[4] Herausforderungen bestünden unter anderem in der Alltags- und Sozialgeschichte, der Geschichtskultur, der außereuropäischen Geschichte und in gesellschaftlichen Fragen, wie Globalisierung und Migration. Vor allem die Balance zwischen starkem Reduktionismus und „Wir machen alles, aber nichts richtig.“ [5] stelle in der Erstellung von Bildungsplänen eine große Schwierigkeit dar.[6] Die Lehrpläne bestünden weitgehend aus gegenwartsorientierten Längsschnittthemen und gingen daher mit der Gesamttendenz zum fächerübergreifenden Lernen, da Einheiten zum Kulturaustauch oder Migration bereits in einigen Lehrplänen als Pflicht enthalten seien.[7] Dennoch sei der chronologische Durchgang hierdurch nicht ersetzt, sondern durch einzelne Einschübe auf verschiedene Weise ergänzt.[8]

Weiterhin unterstreicht Vadim Oswalt die Wichtigkeit des historischen Raumbewusstseins. Dieses unterscheide sich vom geographischen durch seinen diachronen Charakter und die Art der Konstruktion, da die Raumvorstellung durch historische Faktoren bestimmt sei und so die individuelle und kollektive Identitätsbildung fördere.[9] Das Raumbewusstsein werde oftmals mit der Kartenarbeit verbunden, deren Ziel sogenannte ‚ Mental maps ‘ seien.[10]

Als weiteren wichtigen Aspekt führt Oswalt die Frage nach der Integration der Geschichte der Herkunftsländer von Schülern und Schülerinnen (nachfolgend SuS) auf, obwohl ein gemeinsamer Geschichtsunterricht für europäische SuS derzeit keine konkrete Form aufweise und zudem stellenweise auch nicht erwünscht werde.[11] Einen Kritikpunkt stelle hier die stark westeuropäische Orientierung im Lehrplan dar, obwohl sich die Europäische Union zunehmend nach Ostmitteleuropa ausweite.[12] Als Lösungsvorschlag diene hier die Möglichkeit eines Weiterungsrasters, das konventionelle Themen der Politikgeschichte als Ergänzung in vergleichender Art, sowohl horizontal als auch vertikal, in den herkömmlichen Unterricht eingliedere und auf diese Weise zusätzlich die Flexibilität in Einheiten erhöhe.[13] Die Schwerpunkte, die ein solches Weiterungsraster behandeln könnte, liegen unter anderem in der Alltags- und Sozialgeschichte[14], dem gesellschaftlichen Umgang mit Multikulturalität, Vergangenheitskonstruktionen.

2. Beschreibung der Projektarbeit

2.1 Auswahl und didaktische Analyse des Themas

Für die Ausarbeitung einer Unterrichtssequenz zur Thematik „Migrationsgeschichte im Geschichtsunterricht“ wurde sich auf die Völkerwanderung mit besonderem Blick auf das Leben der Wikinger geeinigt. Nach der Sichtung einiger Schulbücher wurde deutlich, dass gerade dieses Thema einen äußerst geringen Stellenwert innerhalb des Unterrichts einnimmt. Sollte also das Thema der Völkerwanderung in Schulbüchern enthalten sein, handelt es sich oftmals nur um den Umfang von maximal einer Doppelseite. Gerade aus diesem Grund empfanden wir es sehr wichtig, im Rahmen eines Projektes ein Thema zu wählen, für das im Schuljahresverlauf in der Regel zu wenig Zeit verwendet wird. Die Ausarbeitung erfolgte mit Hinblick auf eine Durchführung in der sechsten bis siebten Jahrgangsstufe. Als exemplarisches Beispiel sollte ein größerer Fokus auf das Leben der Wikinger, als erstes wanderndes Volk, gelegt werden. Als Schlüsselbegriffe der Unterrichtssequenz stehen vor allem der Grund der Wanderung sowie der daraus resultierende Kontakt mit anderen Kulturen und Bevölkerungen.

Nach Beendigung des Projektes sollen die SuS über den Ablauf und die Teilnehmer der Völkerwanderung berichten können. Weiterhin sollen vor allem die Gründe von Migration erkannt und im späteren Verlauf mit weiteren Migrationswellen verknüpft und verglichen werden können. Durch diese Verknüpfungen sollen die SuS für ihre eigene Herkunft sensibilisiert werden. Die SuS sollen erkennen, dass Migration nicht nur ein aktuelles Phänomen darstellt, sondern bereits seit Jahrhunderten existiert. Ebenso soll deutlich werden, dass noch heute Spuren aus der Zeit der Völkerwanderung, beispielsweise in Bezug auf die Geschichte der Sprache, erkennbar sind.

Zur Aufarbeitung kommen verschiedene Strukturierungskonzepte in Frage. Vor allem der Querschnitt[15] kann die zahlreichen Migrationswellen innerhalb der Geschichte in direkter Weise in Bezug setzen. Hierdurch können Wirkungszusammenhänge, Gründe und die Entwicklung eines neuen Lebens in anderen Ländern sehr deutlich werden. Natürlich kann ebenso der Längsschnitt[16] eine Möglichkeit zur Bearbeitung sein. Jedoch besteht hier die Gefahr, dass der Fokus primär auf dem zeitlichen Ablauf von Migrationswellen liegt und weniger auf den auslösenden Umständen.

Weiterhin geeignet ist das Konzept der Fallanalyse[17], an dem durch intensive Betrachtung eine detaillierte Bearbeitung vieler Unterpunkte stattfinden kann. Für unsere Projektarbeit haben wir uns für eine Stationenarbeit entschieden, bei der an jeder Station ein anderes Fallbeispiel behandelt werden kann. So können die SuS „[…] zur selben Zeit […] selbstständig, mit unterschiedlichen Lerninhalten, auf unterschiedlichen Anspruchsniveaus sowie in individuellem Arbeitstempo lernen.“ [18] Durch diese Stationen und die Arbeit an nur zwei bis maximal drei Stationen findet einerseits eine Verringerung des Gesamtinhaltes statt. Desweiteren können die SuS die Stationen zumindest im begrenzten Umfang nach eigenen Interessen wählen.

2.2 Ablauf der Projektarbeit

Zu Beginn des Projekttages soll Zeit gefunden werden den Ablauf des Tages für die SuS zu erklären. Alle SuS erhalten für den gesamten Tag ein sogenanntes „Entdeckerheft“, in dem sie ihre Ergebnisse aus Aufgabenstellungen notieren sollen. Dieses dient der Lehrkraft gleichzeitig als Kontrollinstanz der Arbeitsleistung. Um einen thematischen Einstieg herstellen zu können, soll zu Beginn mit den SuS eine Mindmap zum Thema Völkerwanderung an der Tafel angelegt werden. Hier sollen alle Ideen und auch Vermutungen gesammelt werden, die die SuS im Unterrichtsgespräch aufführen. Dadurch kann erstes Interesse geweckt und eventuell bestehendes Vorwissen aktiviert werden. Um daraufhin ein gleiches Basiswissen für alle SuS herstellen zu können, wird ein allgemeiner Text zum Thema Völkerwanderung ausgeteilt, der die zeitliche Epoche, Gründe und den Verlauf der Völkerwanderung skizziert und zunächst in Einzelarbeit gelesen werden soll. Als Grundlage zur Erarbeitung eines eigenen Textes kann auf die Zeitschrift „Praxis Geschichte“ zum Thema „Völker wandern“[19] zurückgegriffen werden. Dieser sollte jedoch inhaltlich an einigen Stellen auf den geplanten Projekttag angeglichen beziehungsweise gekürzt werden, da er bereits jedes einzelne Volk genauer vorstellt und erläutert. Dies soll jedoch erst im späteren Verlauf an verschiedenen Stationen erarbeitet werden.

Nach der Lesephase soll nun die bereits angefertigte Mindmap ­(wenn nötig) durch neue Erkenntnisse ergänzt, bearbeitet, sortiert oder unter Oberpunkten zusammengebracht werden. Hier sollen vor allem ein Überblickswissen erhalten und einzelne Zusammenhänge erkannt werden. Daraufhin beginnt die Kernarbeit des Projekttages. Die SuS sollen mit Hilfe ihres Entdeckerheftes zwei bis drei Stationen bearbeiten, die jeweils ein Teilnehmervolk der Völkerwanderung genauer betrachten. Die Stationen sollen sowohl Textarbeit, Kartenarbeit, Bildbetrachtung und spielerische Elemente enthalten. Zur allgemeinen Sicherung der erarbeiteten Inhalte wird nach der Arbeit an den Stationen ein Film[20] präsentiert, der zugeschnitten auf jüngere SuS den Verlauf und die Hintergründe der Völkerwanderung wiederholt und verbildlicht.

Um den Projekttag abzuschließen oder auf den weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit überzuleiten, kann ein Ausblick auf den darauffolgenden Verlauf der Geschichte in Europa nach der Völkerwanderung gegeben werden. Soll dies an einem Text geschehen, bietet sich ein Auszug aus der „Was ist was?“-Reihe zum Thema Völkerwanderung an, da hier die Veränderung Europas nach der Zeit der Wanderung thematisiert wird.[21] Zusätzlich ist es möglich an einem darauffolgenden Tag einen Exkursion in die Wikinger-Siedlung Haithabu zu unternehmen, um den SuS die Geschichte dieses selten behandelten Themas greifbarer erscheinen zu lassen und die Neugierde zum Unterricht zu steigern, da dort eine Siedlung der Wikinger realitätsgetreu an seinem ursprünglichen Platz nachgebaut wurde.

2.3 Materialanalyse

Eine Materialanalyse wird am Beispiel der Station Wikinger durchgeführt. Hierfür fand sich in der Arbeitsblatt-Datenbank eines Kindermagazins[22] eine Zusammenstellung von verschiedenen Aufgabenblättern. Die erste Aufgabe bestand darin eine Mindmap zum Oberthema Wikinger zu erstellen. Da diese Aufgabe bereits zu Beginn des Projekttages zu einem anderen Thema gestellt wurde und im Verlauf der Station nicht mehr auf darauf zurückgegriffen werden sollte, wurde diese für die Stationenarbeit ausgeschlossen. Den Beginn stellt eine handlungsorientierte Aufgabe dar, für die die SuS das Bild eines Wikingers aus der eigenen Vorstellung heraus zeichnen und sich diese nach dem Ablauf einer festgelegten Zeit gegenseitig vorstellen sollen. Die Handlungsorientierung zielt auf die Schüleraktivität und praktisches Tun. „Es geht darum, die subjektiven Interessen der Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen und sich auf ihre Lebenswirklichkeit zu beziehen,[…].“ [23] Durch das Vorstellen können bereits Gemeinsamkeiten in den Darstellungen deutlich werden, die im späteren Verlauf wichtig werden können. Hier sollte es wichtig sein, die Zeichnungen unkommentiert zu lassen, da es ausschließlich um individuelle Vorstellungen gehen soll.

Die nächste Aufgabenstellung besteht aus Textarbeit. Dieser Text dreht sich sowohl um den Alltag und den Glauben der Wikinger als auch um den Verlauf, die Gründe und die Art und Weise der Wanderung. Im Anschluss an diesen Text finden sich im Material bereits vorgefertigte Fragen und Aufgaben, die jedoch nicht mit unseren Zielen in der Stationenarbeit übereinstimmen (siehe AB „Vorstellung oder Wirklichkeit?“). Daher hat sich die Arbeitsgruppe eigenständig Fragen zum Text überlegt, die ausschließlich der Reproduktion und dem Verständnis des Textes dienen sollen:

1. Woher kamen die Wikinger ursprünglich?
2. In welche Länder sind die Wikinger gewandert?
3. Aus welchen Gründen sind die Wikinger gewandert?
4. Womit beeindrucken die Wikinger andere Völker?
5. Wie reagierte die Bevölkerung auf die Wikinger?

Diese Fragen sollen ebenso wichtig sein, um nun auf die erste Aufgabenstellung zurückgreifen zu können. Im Anschluss sollen die SuS nun ihr gezeichnetes Bild mit ihrem jetzt erworbenen neuen Wissen vergleichen und ihre Arbeit reflektieren. Im Idealfall sollen eventuell aufgetretene Vorurteile, die die SuS über die Wikinger hatten und in ihrer Zeichnung verbildlicht haben, durch die neu gewonnenen Informationen entkräftet werden. Bei dieser Reflexionsaufgabe soll es nicht um eine Beurteilung nach den Kriterien richtig oder falsch gehen, sondern ausschließlich darum, dass die SuS erkennen, dass sich Vorstellungen verbreiteten, die gegebenenfalls nicht der historischen Realität entsprochen haben. Die Verbreitung dieser Vorstellungen kann durch den gegenseitigen Austausch über die Zeichnungen und die darin gefundenen Gemeinsamkeiten deutlich geworden sein.

[...]


[1] Vadim Oswalt: Europäische Geschichte im Unterricht einer Migrationsgesellschaft. Neue curriculare Akzente und die aktuellen Lehrpläne der Bundesländer, in: Bettina Alavi(Hrsg.): Migration und Fremdverstehen. Geschichtsunterricht und Geschichtskultur in der multiethnischen Gesellschaft, hg. von Bettina Alavi, Idstein 2004, S. 97 – 113.

[2] Ebd.

[3] Ebd., S. 99.

[4] Ebd., S. 100.

[5] Ebd., S. 101

[6] Ebd.

[7] Ebd., S. 102.

[8] Ebd., S. 103.

[9] Ebd., S. 105.

[10] Ebd.

[11] Ebd., S. 108.

[12] Ebd.

[13] Ebd., S. 109.

[14] Ebd.

[15] Michele Barricelli/ Martin Lücke. Handbuch Praxis des Geschichtsunterrichts, Schwalbach/Ts. 2012, S. 53.

[16] Michael Sauer. Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, Seelze-Velber 2001, S. 57.

[17] Ebd., S. 60f.

[18] Hilke Günther-Arndt. Geschichts-Methodik. Handbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 2007, S. 95.

[19] Michael Schmauder: Die Völkerwanderung. Umwandlung der römischen Welt, in: Praxis Geschichte (2005), H. 4., S. 4-10.

[20] Terra MaX 10. Die Völkerwanderung. URL: https://www.youtube.com/watch?v=j1PJWjJW2pE [12.08.2015].

[21] Michael Schmauder. Was ist was? Die Völkerwanderung, S. 43.

[22] URL: www.leo.zeitverlag.de [13.08.2015].

[23] Michael Sauer. Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, Seelze-Velber 2001, S. 88.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Migrationsgeschichte im Geschichtsunterricht
Untertitel
Die Völkerwanderung
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Pragmatik, Didaktik und Fachwissenschaft
Note
1,33
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V436278
ISBN (eBook)
9783668783317
ISBN (Buch)
9783668783324
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Projektarbeit, Völkerwanderung, Migrationsgeschichte, Geschichtsunterricht, Unterrichtssequenz, Ausarbeitung Unterricht, Didaktik, Pragmatik, Migration, Kompetenzbereiche, Methoden, Stationenarbeit, Methoden im Geschichtsunterricht, Geschichtsdidaktik, Geschichte, Thematische Strukturierungskonzepte, Strukturierungskonzepte, Materialanalyse, Didaktische Analyse
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Jacqueline Reinisch (Autor), 2015, Die Migrationsgeschichte im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436278

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