Der Einsatz von integrierter Unternehmenssoftware wird mit der fortschreitenden Technisierung auch für kleine und mittelständische Unternehmen immer wichtiger. Jedoch schrecken viele Unternehmen vor hohen Lizenzkosten etablierter Softwarehersteller zurück und für umfangreichere Individuallösungen ist meist kein ausreichendes Budget vorhanden. Mit Compiere existiert eine ERP/CRM Software, die als Open Source Projekt entwickelt und somit ohne Lizenzkosten genutzt werden kann. Compiere richtet sich an kleine und mittelständische Unternehmen in der Vertriebs- und Dienstleistungsbranche.
Mit einer prozessorientierten Architektur bietet Compiere eine sehr flexible Lösung, die jederzeit an Veränderungen angepasst werden kann. Diese Arbeit erörtert die Konzepte in Compiere und geht auf die Frage ein, ob einem Open Source Projekt überhaupt die Verantwortung für die Geschäftsprozesse eines Unternehmens übertragen werden kann. Ein besonderes Augenmerk soll auf die versprochene CRM Komponente in Compiere gelegt werden. Diese ist zwar vollständig integriert, bietet aber längst nicht alle Funktionalitäten, die man von einer CRM-Lösung erwarten könnte.
Die Evaluierung von Compiere basiert in dieser Arbeit auf den Erfahrungen, welche bei der Realisierung eines Compiere-Systems in einem vordefinierten Szenario gemacht wurden.
Diese Erfahrung hat gezeigt, dass Compiere einen sehr guten Ansatz für ein ERP System darstellt, die CRM-Komponente allerdings noch sehr unterentwickelt ist. Die Architektur der Software aber bietet eine solide Grundlage für die Erweiterung des Funktionsumfangs der Software, so dass Compiere eine ernst zu nehmende Konkurrenz zu Business One von SAP, Oracle’s Small Business Suite oder Navision von Microsoft wird oder in einigen Bereichen schon ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Abstract
2 Einleitung
2.1 ERP
2.2 ERP und Open Source
2.3 Compiere - Eine Open Source ERP/CRM Software
3 Das Projekt Compiere
4 Architektur und verwendete Technologien
4.1 Prozess- und modellgetriebene Softwarearchitektur in Compiere
4.2 Benutzerinteraktion
4.2.1 Compiere Mobil
4.3 Application Service Provider
4.4 Das Service Center Konzept
4.5 Active Data Dictionary
4.6 Benutzeroberfläche
4.7 Informationsstruktur
4.7.1 Automatic Data Collection
4.7.2 Die Kombination von Informationen
4.8 ”Die Multies“ - Ansätze für internationale Unternehmen
4.9 Anwendungsintegration
4.9.1 Compiere Schnittstellen
4.9.2 Compiere Reporting
4.9.3 EDI - Electronic Data Interchange
4.9.4 E-Commerce über XML
4.10 Safe Fail
4.11 Sicherheitskonzept
4.12 Datenbank
5 CRM in Compiere
5.1 Voraussetzungen für eine CRM Lösung in Compiere
5.2 Operatives CRM
5.3 Analytisches CRM
5.4 Kollaboratives CRM
5.4.1 Self-Service in Compiere
5.5 Compiere im Vergleich zu anderen Systemen
6 Compiere im Einsatz
6.1 Die Installation
6.2 Start und Anmeldung
6.3 Initiale Konfiguration
6.4 Fachliche Konfiguration
6.5 Arbeit mit dem Webstore
6.6 Kostenlose Hilfe und Einflussnahme
7 Resümee
8 Ausblick
9 Glossar
9.1 Terminologien in Compiere
9.2 Abkürzungen und Begriffe
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit evaluiert das Open-Source-ERP/CRM-System "Compiere" hinsichtlich seines Potenzials für kleine und mittelständische Unternehmen. Dabei wird untersucht, ob die Software die Anforderungen an ein voll integriertes ERP/CRM-System erfüllt, wobei der Schwerpunkt auf der Architektur, dem Funktionsumfang der CRM-Komponente sowie der praktischen Implementierbarkeit liegt.
- Technische Architektur und Prozessorientierung von Compiere
- Funktionalitäten und Defizite im Bereich CRM (operativ, analytisch, kollaborativ)
- Herausforderungen bei Installation und Konfiguration
- Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Branchen
- Vergleich von Open-Source-Lösungen gegenüber kommerzieller Unternehmenssoftware
Auszug aus dem Buch
4.1 Prozess- und modellgetriebene Softwarearchitektur in Compiere
Im Gegensatz zu Software, die, abgestimmt auf den jeweiligen Funktionsbereich bzw. die Organisationsstruktur eines Unternehmens, modular aufgebaut ist, wird in Compiere eine Architektur angestrebt, die sich am Workflow eines Geschäftsprozesses orientiert. Somit wird eine Integration der Daten- und Anwendungsmodule entlang der Wertschöpfungskette geboten.
„Die interne Logik ist streng an Geschäftsprozessen ausgerichtet. Es krempelt dabei die traditionelle Logik und Begriffswelt modularer Business-Software um. Wer das System einsetzt, muss sich also unter Umständen auch vom gewohnten Organisationsmodell seines Unternehmens verabschieden.“ [10] Dies kann zum einen ein Nachteil sein, wenn die bisherige Organisationsstruktur des Unternehmens das Ergebnis eines langen, durchdachten und vielleicht auch teuren Entwicklungsprozesses war. Jedoch könnte gerade eine Anpassung der Organisationsstruktur an eine Software zu einem eher positiven Ergebnis führen. Da mittelständische Unternehmen häufig mehr mit dem Tagesgeschäft beschäftigt sind, als Ressourcen in organisatorische Fragestellungen zu investieren, kann die Erfahrung, die im Rahmen der „Entwicklunggeschichte“ in eine Unternehmenssoftware geflossen ist, dem einsetzenden Unternehmen zu Gute kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Abstract: Zusammenfassung der Ausgangslage und Bewertung von Compiere als ERP/CRM-System für kleine und mittelständische Unternehmen.
2 Einleitung: Einführung in die Problematik von Unternehmenssoftware und Begründung des Einsatzes von ERP-Systemen.
3 Das Projekt Compiere: Vorstellung der Entstehungsgeschichte, der Philosophie hinter dem Open-Source-Projekt und der zentralen Steuerung.
4 Architektur und verwendete Technologien: Technische Analyse der Java-basierten Architektur, des Active Data Dictionary und der Sicherheitskonzepte.
5 CRM in Compiere: Analyse der CRM-Fähigkeiten, unterteilt in operatives, analytisches und kollaboratives CRM.
6 Compiere im Einsatz: Erfahrungsbericht über die Installation, Konfiguration und Nutzung der Software in einem vordefinierten Szenario.
7 Resümee: Zusammenfassende Bewertung der Stärken und Schwächen sowie Einordnung in den Markt der Unternehmenssoftware.
8 Ausblick: Überblick über zukünftige Erweiterungsprojekte und den Status der Softwareentwicklung.
9 Glossar: Erläuterung der verwendeten Terminologien und technischen Begriffe.
Schlüsselwörter
Compiere, ERP, CRM, Open Source, Softwarearchitektur, Prozessmanagement, Datenintegration, KMU, Java, Unternehmenssoftware, Workflow, Customer Relationship Management, Web-Client, Datenbankmanagement, IT-Infrastruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Evaluierung der Open-Source-Software "Compiere" und untersucht deren Eignung als integriertes ERP- und CRM-System für kleine und mittelständische Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die technische Softwarearchitektur, die Konfigurierbarkeit, der Funktionsumfang im Bereich CRM sowie die praktische Anwendbarkeit und Implementierung in Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, ob einem Open-Source-Projekt die Verantwortung für die Geschäftsprozesse eines Unternehmens übertragen werden kann und ob die CRM-Komponente von Compiere den Anforderungen an eine voll integrierte Lösung tatsächlich gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Evaluierung basiert primär auf einer Literaturanalyse sowie auf praktischen Erfahrungen, die der Verfasser durch die Installation und Konfiguration eines Compiere-Demo-Systems in einem vordefinierten Szenario gewonnen hat.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine technische Analyse der Architektur (inklusive Datenbankspeicherung und Sicherheit) sowie eine detaillierte Funktionsprüfung der ERP- und CRM-Module durch den Abgleich mit theoretischen Standards.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen ERP, CRM, Open Source, Softwarearchitektur, Prozessmanagement, KMU und Datenintegration.
Warum ist das "Safe Fail"-Konzept für Compiere relevant?
Es dient der Stabilität und Fehlerbehandlung. Fehler werden vom System aufgefangen, sodass Transaktionen reversibel bleiben und der laufende Geschäftsbetrieb trotz technischer Probleme nicht unterbrochen wird.
Warum schließt der Autor die Nutzung in Banken derzeit aus?
Aufgrund der hohen Anforderungen an absolute Datensicherheit und Fehlerfreiheit in der Bankenbranche wird der Einsatz von Open-Source-Lösungen hier derzeit als wenig sinnvoll erachtet.
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- Dipl. Informatiker Jörg Bäumer (Author), 2005, Evaluierung der Open Source ERP und CRM Software Compiere, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43632