Aufgaben und Lösungen für die Vorbereitung auf die Deutschprüfung an Realschulen 2019 (Teil 1)


Prüfungsvorbereitung, 2018
83 Seiten

Leseprobe

Inhalt

I Genaue Inhaltsangaben zu den einzelnen Kapiteln von ‚Fahrenheit 451‘
Fragen zur Festigung der Kenntnisse, den Inhalt von ‚Fahrenheit 451‘ betreffend
Lösungen
Krieg in ‚Fahrenheit 451‘
Charakteristik Guy Montag
Charakteristik Clarisse McClellan
Charakteristik Mildred Montag
Charakteristik Beattys
Innerer Monolog Guy Montags
Innerer Monolog von Clarisse McClellan
Tagebuch Montags
Vergleichende Gesprächsanalyse: Clarisse - Montag S. 20 -24. Und S. 35 –S.38!
Dialog: Clarisse -Montag
Alternativer Schluss zu ‚Fahrenheit 451‘
Rezension zu ‚Fahrenheit 451‘

II Rahmenthema ‚Umgangsformen – nur Relikte aus früheren Zeiten?‘

III Interpretation der Rilke-Gedichte ‚Der Panther‘, Die Flamingos, Im Papageienpark

IV Interpretation der Erzählungen ‚Nacht’von Sybille Berg und ‚Eine schöne Beziehung‘ von Henning Venske

Vorwort

Während der Abschlussprüfung 2019 an Realschulen im Fach Deutsch können die Prüflinge aus vier Angeboten ein Thema auswählen und bearbeiten. Man kann wählen zwischen: Interpretation (aus dem Bereich kreativer Umgang mit Literatur) zur Pflichtlektüre, z. B. ‚Fahrenheit 451‘ von Ray Bradbury, einem Fachaufsatz zum Rahmenthema ‚Umgangsformen - nur Relikte aus früheren Zeiten?‘, einer Gedichtinterpretation, der Interpretation eines kurzen Prosatextes. Zu allen vier Bereichen enthält das vorliegende Buch Übungsaufgaben mit Lösungen.

‚Fahrenheit 451‘ von Ray Bradbury[1] ist eine Dystopie und eine Utopie. Alles was der Autor bis zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs in seinem Buch beschreibt, hat dystopischen, was danach folgt, hat utopischen Charakter. Eine genaue Zeitangabe, wie wir sie etwa im Titel ‚1984‘ von George Orwell entdecken, suchen wir in ‚Fahrenheit 451‘ vergebens. Auch eine genaue Lokalisierung des Romangeschehens ist schlecht möglich. Ein ‚Elm Grove Park‘ wird erwähnt. Dieser Vergnügungspark liegt in der Nähe von Boise, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Idaho in den USA. Montag hat Mildred in Chicago kennengelernt. Aber dort spielt die restliche Handlung nicht. Es gibt dann noch eine Haltestelle namens ‚Knoll View‘ (S. 96). Die Haltestelle erhielt ihren Namen wohl nach einem Ferienort in Newport. Ansonsten spielt das Geschehen in einer Art Niemandsland, im Irgendwo, im Nirgendwo. Der bewusste Verzicht auf genaue Zeit- und Ortsangaben soll der behandelten Problematik allgemeinere Gültigkeit verleihen. Bücherverbrennung ist das zentrale Thema in Bradburys Roman. Sicherlich ist das ein Reflex auf das, was in der Reichskristallnacht im Dritten Reich am 9/10 November 1938 geschah, aber auch ein Hinweis darauf, wie bedroht Pressefreiheit bis heute in vielen Ländern ist. Der Dichter hat mehrfach darauf hingewiesen, dass ein Teil der Bevölkerung in ‚Fahrenheit 451‘ die Bücherverbrennungen anstiftet. Nachbarn, die Bücher lesen, was im beschriebenen Gesellschaftssystem verboten ist, werden angezeigt. Erst in Folge der Denunziation werden die gerufenen Feuerwehrleute zu Brandstiftern. Nur durch Mithilfe der Massen kann das Regime unerwünschte Meinungsbildung und unerwünschte Verhaltensweisen effizient eliminieren, zum Überwachungsstaat werden. Wie bedroht Pressefreiheit auch außerhalb des Romans z. B. im Jahr 2018 mancherorts ist, verrät der moderne Begriff ‚postfaktisches‘ Zeitalter. Fake-News verbreiten sich sekundenschnell millionenfach überall auf der Welt. Sie haben die gleiche Aufgabe wie die Fernsehwände und die Ohrmuscheln in ‚Fahrenheit 451‘, Bewusstseinseintrübung, gezielte Desinformation, die sinnvolles Handeln erschwert oder gar unmöglich machen soll. Mehrere hundert Journalis-ten wurden jüngst im Süden Europas wegen kritischer Berichterstattung verhaftet. Bradburys Kritik an durch die Massenmedien verursachte Bewusstseinsverstümmelung, seine Kritik an der Einschränkung von Pressefreiheit, ist leider auch 55 Jahre nach der Erst-veröffentlichung von ‚Fahrenheit 451‘ immer noch berechtigt. Die zwei, im Roman erwähn-ten, gewonnenen Atomkriege[2] dürften eine Anspielung auf die von Amerika während des zweiten Weltkriegs abgeworfenen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki sein. Eine der Hauptfiguren des Romans, Montag, der sich vom Systemverteidiger zum Systemgegner wandelt, hofft, dass man in Zukunft Kriege vermeiden könne, wenn Bücherlesen nur wieder für jedermann alltägliche Praxis würde. Und er sieht im mangelnden Bewusstsein von der Kluft zwischen Arm und Reich eine der Hauptursachen für Krieg. Montag hofft, dass es eines Tages eine Welt in Frieden geben wird. Die Freiheit, zu informieren, sich zu informieren, ist für ihn zentrales Anliegen, dafür kämpft er nach seiner Wandlung und riskiert, dabei getötet zu werden.

Inhalt von ‚Fahrenheit 451‘

S.17 -18

Montag verbrennt Bücher und ein Haus.

S.18 – 24

Montag lässt seinen Helm und seinen Schutzanzug in der Feuerwehrwache. Er fährt mit der Untergrundbahn in die Vorstadt, wo sein Haus steht. Auf der Straße, in der Nähe seines Hauses trifft er zum ersten Mal Clarisse McClellan, seine neue Nachbarin (S.19). Clarisse und Montag gehen gemeinsam das Stück Wegs zu den Häusern, wo sie wohnen. Unterwegs reden sie über folgende Themen: Bücher lesen verboten, Feuerwehr als Schutz vor Bränden, Turbinenautos, vergrößerte Reklametafeln. Vor dem Haus, in dem Clarisse wohnt, stellt die junge Frau Montag die Frage, ob er glücklich sei. Die Begegnung dauert nur wenige Minuten an.

S.24 – 28

Montag betritt sein Haus. Er findet seine Frau Mildred bewusstlos im Bett liegend. Sie hat 30 Schlaftabletten geschluckt. Montag ruft die Notfallstation an. Montag wird sich dessen bewusst, dass er nicht wirklich glücklich ist, dass er nur so tut, als sei er glücklich.

S.28 – 32

Zwei Gehilfen pumpen Mildreds Magen leer und tauschen ihr Blut aus. Um 2 Uhr nachts geht Montag zum Haus, in dem Clarisse wohnt. Er hört zu, wie sich die, die dort wohnen, unterhalten. Vor allem die Worte von Clarissens Onkel sind deutlich hörbar.

S.32 - 33

Montag frühstückt mit Mildred, die schon wieder die fingergroßen Radiomuscheln im Ohr hat, von denen sie sich ständig mit Nichtssagendem Gerede, mit Geräuschen und Musik berieseln lässt. Sie kann sich an nichts aus der vergangenen Nacht erinnern.

S. 33 – 35

Montag erklärt seiner Frau, dass sie vergangene Nacht 30 Schlaftabletten schluckte. Sie leugnet das, will die Wahrheit nicht zur Kenntnis nehmen. Mildred bereitet sich auf eine Rolle vor, die sie im Wandfernsehprogramm übernehmen will. Sie wünscht, dass eine vierte Fernsehwand angeschafft wird.

S. 35 – 38

Montag begegnet Clarisse zum zweiten Mal auf der Straße in der Nähe von seinem Haus. Er ist auf dem Weg zum Dienst. Sie muss zum Psychiater. Clarisse führt den Löwenzahntest an sich und Montag durch. Dass sich ihr Kinn gelb verfärbt, bedeutet, sie ist verliebt. Montags Kinn verfärbt sich nicht gelb, aber er gesteht, auch sehr verliebt zu sein. Bei ihm konnte der Blütenstaubtest nicht funktionieren, da aller Blütenstaub des letzten Löwenzahns schon am Kinn von Clarisse haftete.

S. 38 – 42

Guy Montag spielt schon seit zwei Jahren nicht mehr mit, wenn seine Kollegen den mechanischen Hund Ratten, Hühner und Katzen auf dem Hof der Feuerwehrwache jagen lassen. Der mechanische Hund reagiert mehrmals leicht aggressiv, wenn Montag ihn berührt oder in seine Nähe kommt. Auf Montags Beschwerde hin sichert Hauptmann Beatty zu, die Programmierung des mechanischen Hundes überprüfen zu lassen. Man kann den mechanischen Hund so programmieren, dass er bestimmte Menschen oder bestimmte Tiere angreift und tötet.

S. 42 – 46

Sieben Tage lang trifft Montag Clarisse einmal am Tag an der Ecke, wo sie ihm zum ersten Mal begegnete. Clarisse erklärt, dass sie nichts von Montag will, obwohl sie ihn gern hat und obwohl sie ihn mehrmals mit kleinen Geschenken, z. B. mit Rosen an seiner Tür, mit Herbstlaub oder ein paar Kastanien überrascht. Clarisse findet, Montag sein weniger verkrampft, er lache anders. Dass sie die Schule schwänzt, erklärt sie so: Ihre Klassenkamerad/inn/en brächten sich gegenseitig in Rennen mit Turbinenautos um oder erschössen sich gegenseitig. Deren selbstzerstörerisches, aggressives Treiben stoße sie ab. Außerdem könne man im Unterricht, der von Fernsehlehrern gehalten werde, keine Fragen stellen. Die Freizeitbeschäftigungen der Mitschüler/innen, Witzbox anhören, in der Scheibeneinschmeißerbude Scheiben einwerfen, Autos in der Autozertrümmerungshalle zerstören, Radkappenrennen fahren, seinen nicht nach ihrem Geschmack.

S. 46 – 50

In der Feuerwehrwache weicht Montag dem mechanischen Hund aus. Er betritt das Gebäude durch den Hintereingang. Seine Kollegen machen ihm Angst, z. B. erzählt man ihm von einem Feuerwehrmann in Seattle, der den mechanischen Hund absichtlich auf seinen chemischen Komplex hin programmierte und so Selbstmord beging. Nach dem siebten Tage ihrer täglichen Begegnungen ist Clarisse verschwunden, sie taucht auch später nicht mehr auf, nicht auf dem Rasen zwischen ihren Häusern auch nicht an der Ecke, von wo aus sie gemeinsam nach Hause gingen (S. 46).

In der Feuerwehrwache schläft Montag für einen Moment beim Kartenspielen mit den Kollegen ein. Er ist in Gedanken beim letzten ihrer Einsätze, nach dem der Besitzer einer eingeäscherten Bibliothek ins Irrenhaus eingeliefert wurde. Montag äußert, der Bibliotheksbesitzer sei doch nicht verrückt gewesen. Montag wird von Beatty und Black und Stoneman darüber belehrt, was die Aufgabe der Feuerwehr sei, nachdem er den Sinn des Bücher- und Häuserverbrennens mit den Worten Clarisses in Frage stellte. Er fragt nämlich, ob es früher nicht vielmehr Aufgabe der Feuerwehr gewesen sei, Brände zu löschen als diese zu legen.

Die Gruppe von Feuerwehrmännern bricht zu einem neuen Einsatz auf. Montag vergisst erst mal seinen Schutzhelm, holt ihn sich dann noch schnell vor der Abfahrt.

S. 50 – 55

Die Feuerwehrtruppe hat den Auftrag, die Bücher und das Haus einer alten Frau zu verbrennen. Sie ist nicht, wie das sonst bei anderen solchen Einsätzen üblich war, zuvor abgeholt worden und ihr wurde nicht wie sonst, bei anderen Opfern üblich, der Mund mit Klebeband verklebt, damit kein Jammern, kein Schreien zu hören wäre. Die alte Frau war von ihrer Nachbarin Mrs. Blake angezeigt worden. Montag will die alte Frau dazu bewegen, ihr Haus zu verlassen, nachdem alle Bücher bis auf eines, das Montag heimlich entwendete, darin mit Kerosin bespritzt worden sind. Sie bleibt, zündet sich, die Bücher, ihr Haus mit einem Streichholz selbst an. Vor ihrem Tod zitiert sie noch die letzten Sätze von einem Mann namens Latimer, der 1555 zusammen mit Nicholas Ridley in Oxford wegen Ketzerei verbrannt wurde.

S.55 - 57

Auf der Rückfahrt zur Feuerwehrwache raucht niemand. Niemand spricht und Stoneman fährt an der Abzweigung zur Feuerwehrwache vorbei.

Zuhause versteckt Montag das heimlich entwendete Buch unterm Kopfkissen. Seine Frau äußert wie immer hohle Phrasen.

S.57 – 62

Mildred schluckt wieder vieler jener Kapseln, die sie schon mal beinahe getötet haben und lässt sich von dem, was aus den Ohrmuscheln kommt und auf den drei Fernsehwänden gezeigt wird, berieseln. Sie kann die Frage, wann und wo sie Montag kennengelernt hat, nicht beantworten. Montag spürt immer deutlicher, wie fremd ihm Mildred geworden ist. Von ihr erfährt er, dass Clarisse tot ist. Sie wurde überfahren und ihre Familie zog weg. Die Nacht über steht der mechanische Hund vor Montags Haus.

S. 62 – 79

Obwohl Montag krank ist, stellt Mildred Mildred die Fernsehwände nicht ab oder schaltet sie leiser. Montag erbricht sich wegen des Kerosingeruchs seiner Hände und in Gedanken an die alte Frau, die sich, ihre Bücher und ihr Haus selbst anzündete. Montag bittet Mildred ihn krank zu melden, was sie nicht tut. Stattdessen summt sie nach, was ihr aus den Ohrmuscheln vorgesummt wird und das auch noch als ihr Montag von der alten Frau berichtet, die sich selbst verbrannte. Beatty besucht Montag und hält ihm einen Vortrag über die Aufgaben der Feuerwehr. Also darüber, wie schädlich es sei, Bücher zu lesen. Er konzediert, dass jeder Feuerwehrmann einmal der Versuchung erläge, ein Buch zu lesen. Das sei nicht schlimm, wenn es nach 24 Stunden vernichtet werde. Wenn nicht durch den Besitzer, werde die Feuerwehr dies tun. Beatty bestätigt den Tod von Clarisse und dass sie auf der Überwachungsliste der Feuerwehr stand. Ihr von der Norm abweichendes Verhalten erklärt er mit dem negativen Einfluss des Elternhauses, in dem allerdings keine Bücher gefunden wurden.

S.79

Montag erinnert sich daran, was Clarisse über jene Veranden vor den Häusern sagte, die jetzt nicht mehr gebaut würden, weil es nicht erwünscht sei, dass Menschen dort abends zusammensäßen, um zu plaudern.

S.97 – 84

Montag zeigt Mildred seine zwanzig Bücher, die er hinter der Klappe der Klimaanlage ihres Hauses versteckt hatte. Er bittet sie, ihn zu unterstützen, will darin lesen und sie dann verbrennen. Beatty kommt zurück, die beiden öffnen ihm nicht.

S.87 – 91

Montag liest mit Mildred in seinen Büchern. Mildred kann mit dem Vorgelesenen nichts anfangen. Montag erinnert sich an die Begegnung mit einem alten Mann in einem Park vor mehr als einem Jahr. Der, einst Professor für englische Literatur, redete mit ihm, rezitierte Gedichte und gab ihm seine Adresse. Montag will ihn, Faber, aufsuchen, da er nicht weiß, wie er sich verhalten soll, ob er seine Bücher verbrennen soll oder nicht. Vor der Haustür steht der mechanische Hund. Ann will abends zu Besuch kommen, um mit Mildred den ‚Weißen Clown‘ anzusehen.

S.91 – 96

Mildred will, dass Montag die Bücher verbrennt. Sie erwartet am Abend Besuch. Montag fährt mit der Untergrundbahn zu Faber. Unterwegs liest er in der Bibel, was bei den Mitreisenden Entsetzen auslöst.

S. 96 – 110

Montag will von Faber lernen, wie man versteht, was man liest. Faber, der vierzig Jahre lang nichts mehr gegen die Bücherverbrennung und die dafür Verantwortlichen getan hat, schlägt vor, Bücher in die Häuser der Feuerwehrleute zu schmuggeln, diese anzuzeigen und so diese sich selbst ausrotten zu lassen. Montag soll Geld besorgen, damit Faber zu diesem Zweck bei einem alten, arbeitslosen Buchdrucker Bücher drucken lassen kann. Faber gibt Montag ein Gerät fürs Ohr, das sowohl senden als auch empfangen kann. Damit wird es möglich, dass Faber Montag aus der Ferne aus dem Buch Hiob vorlesen kann.

S. 110 - 129

Mrs. Phelps und Mrs. Bowles besuchen Mildred. Die drei Frauen sehen den ‘Weißen Clown’ an. Darin hacken sich die drei Hauptpersonen, drei Clowns, gegenseitig die Glieder ab, Turbinenautorennfahrer fahren ihre Autos ineinander, ihre Körper fliegen nach der Karambolage durch die Luft. Montag schaltet die Fernsehwände aus. Die drei Frauen sprechen über Politik. Mildred erklärt Frau Phelps, die zu dritten Mal verheiratet und kinderlos ist, noch nie sei ein Mann im Krieg getötet worden. Clara Phelps Mann Pete, der gerade eingezogen wurde, allerdings weiß genau, dass er im Kampf getötet werden kann. Den Präsidenten haben die Frauen wegen seines guten Aussehens, wegen seiner Größe und wegen seines schön klingenden Namens, Winston Noble, gewählt. Hubert Hoag habe man nicht wählen können, da er klein, fett und dick sei und einen hässlichen Namen habe. Frau Phelps, die Kinderlose, meint, Kinder richteten einen zu Grunde. Ann Bowles entgegnet, die Kinder seien ja nur drei Tage im Monat zu Hause, sonst in der Schule. Wenn die Kinder zu Hause seien, setze man sie vor die Fernsehwände. Montag liest Gedichte, unter anderem ‚Doverstrand‘ vor. Clara Phelps weint. Über das Gerät in Montags Ohr empfiehlt Faber Montag so zu tun, als sei das Ganze nur ein Test gewesen, als habe er beweisen wollen wie negativ die Buchinhalte wirken könnten. Auch die Empfehlung, das Buch zu verbrennen, wird von Montag befolgt. Dennoch, Phelps und Bowles verlassen verstört das Haus von Montag und Mildred und wollen es nie mehr betreten. Mildred beginnt einige Bücher Montags zu verbrennen. Montag geht zum Dienst in die Feuerwehrwache. Der mechanische Hund fehlt dort. Montag überbringt Beatty ein Buch zum Verbrennen. Beatty versucht Montag mit Zitaten aus Büchern zu verunsichern. Die Feuerwehrleute spielen Karten. Monat wäscht sich zweimal die Hände, bekommt einen roten Kopf, versucht die Hände unter dem Tisch zu verstecken, da er das Gefühl hat, sie könnten ihn verraten. Was natürlich auffällt und zu kritischen Bemerkungen Beattys führt. Das Pokerspiel ist noch nicht zu Ende, als es zu einem neuerlichen Alarm kommt. Beatty fährt das Feuerwehrauto selbst, hält vor Montags Haus an.

S.129 – 141

Mildred hat die von Montag im Garten versteckten Bücher ins Haus geholt, ihre Koffer gepackt, fährt mit dem Taxi davon. Beatty ordnet an, dass Montag alles, Bücher und Haus, einzeln mit dem Flammenwerfer entzündet. Danach sei er verhaftet. Faber fragt über das Hör-Sendegerät in Montags Ohr an, ob der fliehen könne. Beatty schlägt Montag auf den Kopf, da er gemerkt hat, dass dieser, um besser hören zu können, seinen Kopf schrägt hält. Die grüne Kapsel fällt aus Montags Ohr zu Boden. Beatty hebt sie auf und steckt sie in die Tasche mit der Bemerkung, man werde Montags Freund später einen Besuch abstatten. Montag richtet den Flammenwerfer auf Beatty und drückt ab. Der geht in Flammen auf und verschmort. Montag schlägt zwei Feuerwehrleute nieder und flieht. Der mechanische Hund erwischt in knapp am Bein ehe Montags Flammenwerfer das Untier verglühen lässt.

S.141 – 149

Montag wird per Hubschrauber gesucht. Jugendliche hätten ihn beinahe angefahren, zum Glück stolpert er im richtigen Moment, so dass die Turbinenautos ihn nicht erwischen. Montag benutzt Seitenstraßen als Fluchtweg.

S. 148 - 150

Montag legt heimlich Bücher ins Haus von Black und erstattet Anzeige.

S.150 – 157

Montag schafft es, unerkannt zu Fabers Haus zu gelangen. Er übergibt dem Ex-Professor 100 Dollar. Der wird dafür in St. Louis bei einem alten Buchdrucker Bücher drucken lassen, die man in die Häuser von Feuerwehrleuten schmuggeln will, um diese anzeigen und eliminieren zu können. Montag bekommt von Faber alte Kleider. Alles was er berührte, versucht man geruchlos zu machen.

S.157 – 160

Man hat einen neuen mechanischen Hund eingesetzt, der Montags Spur verfolgt. Durch ein Fenster beobachtet Montag, wie man ihn verfolgt. Die Bevölkerung wird über die Fernsehwände dazu aufgerufen, von vor der Wohnungstür aus nach Montag auszuspähen. An Fabers Haus kommt der mechanische Hund von der richtigen Spur ab. Er läuft in die falsche Richtung weiter. Montag erreicht den Fluss.

S.160 – 166

Montag lässt sich flussabwärts treiben. Er wird an Land gespült. Riecht Heu. Er träumt von einem Bauernhaus, von einem Glas Milch, Äpfeln, Birnen einem Heuboden, auf dem er übernachten kann. Dann findet er das Geleis.

S.166 – 174

Montag findet zu den Outlaws Fred Clement, Dr. Simmons, Prof. West, Pater Padover, Harris und Granger, der Anführer der Gruppe. Man begrüßt ihn, bietet ihm eine Tasse Kaffee an. Man gibt ihm zwei Getränke, nach deren Einnahme die Zusammensetzung seines Schweißes sich ändert, sodass er für den mechanischen Hund unauffindbar wird. Im Fernsehen kann Montag miterleben, wie man einen Fußgänger an seinerstatt vom mechanischen Hund töten lässt. Man hat ihn durch Bildmanipulation zu Montag gemacht. Nur damit man der Bevölkerung gegenüber den Erfolg melden kann, Montag sei getötet und die Fahndung sei nun glücklich beendet. Granger erläutert, dass es Tausende von Outlaws gibt. Jeder lernt Bücher auswendig und gibt das nur im Kopf vorhandene Kulturgut an die Jungen weiter, die sich das Auswendiggelernte auf die gleiche Art wie die Vermittler aneignen, damit es nicht verloren gehen kann.

S. 175 – 187

Krieg zerstört die Stadt. Die Outlaws ziehen zu ihrer Sicherheit zunächst ein Stück flussabwärts, gen Süden. Dann wollen sie in Richtung Norden flussaufwärts in Richtung der zerstörten Stadt, um eine Spiegelfabrik zu bauen. Montag will später zurück in den Süden, wo Bauern leben. Er erinnert sich, wo er Mildred zum ersten Mal begegnete. Das war in Chicago. Granger erzählt von seinem Großvater, den er schon früh, als er noch ein Kind war, verlor. Fazit von des Großvaters Erfahrungen: Man muss etwas schaffen, was einem persönlich wichtig ist, um es für die nächste Generation zurücklassen zu können. Montag erinnert sich an wichtige Zeilen aus dem Prediger.

Fragen zum Inhalt von Bradburys ‚Fahrenheit 451‘

1 Wie heißt Montag mit Vornamen?

2 Wie heißt Clarisse mit Nachnamen?

Inwiefern sind die Namen Clarisse und Montag sprechende Namen?[3]

3 Wie heißt Guy Montags Frau?

4 Wer sind Onkel Louis und Tante Maude?

5 Wie oft treffen sich Clarisse und Montag?

6 Wie lange dauert ihre erste Begegnung an?

7 Welche Themen werden dabei angesprochen?

8 Inwiefern verändert sich beider Verhältnis zueinander während des zweiten Treffens?

9 Um welche Themen geht es bei ihrem dritten und letzten Gespräch?

10 Warum wurde der Onkel von Clarisse verhaftet?

11 Wie heißt der Mann, zu dem Montag flieht, als er von Hubschraubern und einem neu auf ihn angesetzten mechanischen Hund verfolgt wird?

12 Inwiefern ist sein Name ein sprechender?

13 Was hat der erfunden?

14 Welchen Autor zitiert Beatty kurz vor seinem Tod?

15 Inwiefern ist Beatty ein sprechender Name.

16 Warum zitiert die alter Frau, deren Haus und Bücher verbrannt werden sollen, gerade den Satz: „ Seid ein Mann, Meister Ridley, wir werden heute, so Gott will, in England eine Kerze anzünden, wie sie wohl nie mehr auszulöschen ist.“ ?

17 Nennen Sie mindestens fünf utopische/dystopische Elemente des Romans ‚Fahrenheit 451‘!

18 Wie lange dauert die ‚Erzählte Zeit‘ dieses Romans an?

19 Wie heißen die Freundinnen von Mildred?

20 Wie kommt Clarisse zu Tode?

21 Wie heißen die Outlaws, zu denen Montag flüchtet?

22 Welche Berufe haben sie?

23 Was unternehmen sie mit Montag nach dem Krieg?

Lösungen

1 Guy

2 McClellan

Clarisse ist eine abgewandelte Form von Klara. St. Klara war eine Ordensstifterin. Die Trägerin des Namens Clarisse verkörpert also das Gute in ‚Fahrenheit 451‘.

Montag trägt einen Namen, der auch einen Wochentag bezeichnet. Mit dem Wochentag Montag beginnt die Woche neu. Guys Nachname drückt aus, dass sein Träger neu beginnt. Guys Neubeginn besteht in der Ablehnung des Bücherverbrennens, die Überschreitung des Verbots, Bücher zu lesen, seiner Liebe zu Clarisse, seinem Kampf gegen das System.

3 Mildred.

4 Figuren, die auf den Fernsehwänden auftauchen.

5 Neun mal.

6 Nur ein paar Minuten.

7 Clarisses nächtliche Spaziergänge; Bücher lesen; Aufgabe der Feuerwehr heute, früher; Lachen ohne Grund; Turbinenautos; Reklamewände; Inhaftierung von Clarisses Onkel; Lebensglück.

8 Beide verlieben sich ineinander. Es kommt zu erstem Körperkontakt.

9 Kinderlosigkeit der Ehe von Mildred und Montag; Clarisse in der Schule; Aggressivität der Mitschüler/innen; Freizeitbeschäftigungen; moderne, abstrakte Kunst, Abbildcharakter von Kunst in alten Zeiten.

10 Weil er zu Fuß ging und zu langsam mit dem Auto fuhr.

11 Faber.

12 Faber ist von lat. facere abgeleitet. Facere lat. bedeutet machen. Faber macht etwas gegen das Bücherverbrennungssystem. Z. B. unterstützt er Montag in seiner Auseinandersetzung mit Beatty. Faber verhilft Montag zur Flucht. Er lässt Bücher drucken, die Montag ins Haus von B lack schmuggeln kann.

13 Faber konstruierte eine Art Hörgerät, mit dem man senden und empfangen kann.

14 Shakespeare mit Julius Caesar, IV, 3, 66-69.

15 Das englische Verb ‚to beat‘ bedeutet ‚schlagen‘. Wenn man jemanden schlägt, wendet man Gewalt an. Beatty ist gewalttätig. So schlägt er zu Beispiel einer alten Frau ins Gesicht. Sie soll dazu bewegt werden, zu verraten, wo in ihrem Haus sich Bücher befinden. Das geschieht auf Seite 51 in ‚Fahrenheit 451‘.

16 Hugh Latimer und Nicholas Ridley wurden 1555 bei lebendigem Leibe verbrannt.

17 Turbinenautos, Fernsehwände, Fernsehlehrer, das Elektronenauge, der mechanische Hund.

18 Ungefähr drei Generationen lang. Montag, Clarisses Onkel, Grangers Großvater.

19 Mrs. Phelps und Mrs. Bowles

20 Wird, wenn man der Aussage von Mildred glauben darf, von einem Turbinenauto überfahren.

21 Granger, Fred Clement, Dr. Simmons, Prof. West, Pater Padover und Harris.

22 Sie sind Universitätsprofessoren, für Ethik, für Literaturwissenschaft, gewesen, einer ist Pfarrer gewesen, einer Geistlicher.

23 Sie brechen in Richtung der zerstörten Stadt auf, um eventuell Überlebende zu unterstützen.

Krieg in Bradburys ‚Fahreneheit 451‘

Gleichmäßig verteilt über die drei großen Kapitel des Romans finden sich kurze Beschreibungen von Kriegsgeschehen und kriegerischen Aktionen. Nämlich auf Seite 28, 47, 89, 109, 112, 145 und 179. Über den tatsächlichen Kriegsbeginn lesen wir: „Und in diesem Augenblick begann der Krieg und ging zu Ende.“ (S.179) Und: „ …so schnell wie der Schwung einer Sense war der Krieg aus.“ (S.180) Als Ergebnis des feindlichen Bombenabwurfs wurde die Stadt, in der einst Montags Haus stand, völlig zerstört, zu einem Schutthaufen. Zwischen dem Bombenabwurf und der alles zerstörenden Explosion vergehen nur drei Sekunden. In dieser kurzen Zeitspanne sind die feindlichen Bomber auf dem Rückflug um die halbe Welt geflogen.

Die Auswirkungen auf die Outlaws, die außerhalb der Stadt leben sind nicht tödlich, niemand wird ernsthaft verletzt. Zwar wirft die auch in den Wäldern, wo die Büchermenschen leben, noch spürbare Druckwelle die Männer zu Boden und bedeckt sie mit Staub, aber alle können nach kurzer Zeit gen Süden ziehen, um sich in Sicherheit zu bringen, ehe sie wieder nach Norden ziehen, um möglicherweise noch lebenden Stadtbewohnern zur Hilfe zu kommen. Da Granger Montag kurz vor Kriegsausbruch von einem Atompilz und einer V-2-Rakete (S. 178) erzählt und da das Ganze mit einer Handbewegung verglichen wird: „Es war nicht mehr als eine Handbewegung.“(S. 180) gewinnen wir Leser/innen leicht die Vorstellung, der beschriebene Krieg sei ein Atomkrieg. Ein feindlicher Feldherr habe einen roten Knopf gedrückt und damit Atombomben ins Feindesland befohlen.

Der Autor lässt uns aber auf Seite 109 wissen: „Wir haben eine Million Mann unter Waffen. Ein schneller Sieg ist unser, wenn es zum Krieg kommt…“ (S. 109) Diese Propaganda aus den Funkmuscheln wird von Faber korrigiert, der von: „Zehn Millionen Mann unter Waffen.“ (S.109) spricht. Da Fabers systemkritische Haltung immer eindeutig ist, dürfen wir auf die Richtigkeit seiner Aussage vertrauen. Um einen Atomkrieg zu führen, muss man aber nicht zehn Millionen Soldaten in den Kampf schicken. An dieser Stelle argumentiert Bradbury ungenau. Wie auch sollen die Büchermenschen überlebenden Stadtbewohnern helfen, sie müssten in strahlenverseuchtes Gebiet sich begeben. Wenn aber hier kein Atomkrieg geführt wurde, so müssten die kriegerischen Auseinandersetzungen länger als drei Sekunden angedauert haben. Auch die Zeitangabe auf Seite 47 gibt Rätsel auf. Eine Radiostimme verkündet: „…der Kriegsausbruch ist nur noch eine Frage von Stunden.“ Es ist kaum glaubhaft, dass die Zerstörung von tausend Büchern im Hause der alten Frau, die sich selbst verbrannte, dass die Lesung beim Besuch von Mildreds Freundinnen, dass die Verbrennung von Montags Haus, die Tötung Beattys, Montags Flucht und Verfolgung in nur wenigen Stunden geschah. Zumal an anderer Stelle zu lesen ist: „Am Morgen hatte er [Montag] Schüttelfrost und Fieber.“(S.63) Es muss also mindestens eine ganze Nacht verstrichen sein zwischen der Ankündigung des Krieges und seinem Ausbruch. Realiter geht es mindestens um Tage, Wochen oder gar Monate. Zugegeben, man muss berücksichtigen, dass, was aus den Ohrmuscheln ertönt, üblicherweise eh nur zur Verschleierung von Tatsachen dient, also der gezielten Desinformation oder zur Zerstreuung der Zuhörer/innen. Dennoch, insgesamt beschreibt Bradbury das Kriegsgeschehen eher ungenau. Vielleicht, um der in seinem Roman enthaltenen Warnung ‚Wo man Bücher verbrennt, bereitet man den Boden für eine unkritische Haltung gegenüber einem Kriegsgeschehen‘ mehr Allgemeingültigkeit zu verleihen. Dazu dient auch, dass die Stadt, die zerstört wird, keinen Namen hat. Opfer gezielter Desinformation, Verharmlosung von Krieg ganz allgemein sind Mildred und ihre Freundinnen Clara Phelps und Ann Bowles. Pete, der Mann von Frau Phelps, wurde zur Armee eingezogen, was die Ehefrau wie folgt kommentiert: „Pete ist gestern einberufen worden, wird nächste Woche wieder zurück sein, versichert das Oberkommando. Ein schneller Krieg. Achtundvierzig Stunden hieß es, er werde nächste Woche wieder hier sein.“(S.112) Ihre Freundinnen ergänzen diese lapidare Feststellung, die keinerlei Bewusstsein von der Gefahr, im Krieg getötet zu werden, erkennen lässt, mit sorglosem Gerede. Man habe „…noch nie jemanden gekannt, der im Krieg umgekommen…“(S.112) sei. Die frühe Erwähnung von über die Dächer tosenden Düsenflugzeugen (S. 28) hat Spiegelbildfunktion. Was in den Menschen, hier Montag und seiner Frau, vorgeht, das Innenleben entspricht dem äußeren Geschehen. Mildred führt mit Hilfe von 30 Schlaftabletten gegen sich selbst Krieg, Montag ist beim Anblick seiner mit Drogen vollgestopften Frau und vor allem nach der ersten Begegnung mit Mildred in sich gespalten. Er spürt, zunächst noch vage, ohne zu begreifen warum, dass er mit Mildred und in Ausübung seines Berufes nicht glücklich werden kann. Seine innere Zerrissenheit belegen folgende Zeilen: „Im selben Augenblick heulte der Himmel über dem Haus auf. Es war ein gellendes Geräusch, als hätten zwei Riesenhände einen zehntausend Kilometer langen schwarzen Leinwandstreifen entzweigerissen. Montag war wie in zwei Hälften gespalten.[4] Die Düsenbomber, die über ihn hinwegjagten, hinweg, hinweg, eins zwei, eins zwei, ihrer sechs, ihrer neun, ihrer zwölf, einer und noch einer und immer noch einer, nahmen ihm das Schreien ab. Er machte den Mund auf und ließ ihr Geheul herabkommen und zwischen seinen Zähnen heraus.“ (S.28)

Charakteristik Guy Montag

Seite 17 – 26

Im ersten Abschnitt des dystopisch- utopischen Romans ’Fahrenheit 451’ erscheint der Protagonist Guy Montag als ein Feuerwehrmann, der sich ganz mit dem identifiziert, was er tut. „Kerosin ist [für ihn] der reinste Wohlgeruch.”(S.20) Guy verbrennt Bücher und Häuser, weil man ihm beigebracht hat, die Menschen seien dann am glücklichsten, wenn sie nicht nachdächten, wenn es nichts gäbe, worüber man nachdenken sollte. Er findet, was er tut, seine Arbeit als Feuerwehrmann, das Verbrennen von Büchern, sinnvoll. Stolz berichtet er: „Es ist ein schöner Beruf. Montag brenne Millay, Mittwoch Whitman, Freitag Faulkner, brenne sie zu Asche, dann verbrenne noch die Asche. Das ist unser Motto.” (S. 22) Dass ’Montag’, der Nachname des Feuer-wehrmannes, identisch ist mit dem Wochentag, an dem der Protagonist Millay-Bücher verbrennt, zeigt auf formaler Ebene an, wie sehr Guy eins ist mit seiner Arbeit.

Schon der zweite Abschnitt enthält Signa-le, die ahnen lassen, die feste Über-zeugung, dass seine Arbeit sinnvoll sei, ist brüchig. Er kommt sich, nach getaner Arbeit, wenn er zu Hause sein Gesicht im Spiegel betrachtet, vor wie ein Komödiant. Sein Lächeln ist verkrampft. „Es verließ ihn nie, dieses Lächeln, er konnte sich überhaupt nicht erinnern, es jemals abgelegt zu haben.”(S. 18)Noch ist Montag systemkonform. Auf die Frage, ob er denn die Bücher lese, die er verbrenne, antwortet er: „Das ist doch verboten.” (S. 22)Um weiter daran glauben zu können, dass das, was er beruflich tue, richtig sei, statuiert er: „Die Häuser waren schon immer feuer-fest….”(S. 22)Und will damit sagen, die Aufgabe von Feuerwehr-männern war auch früher nicht die, in Brand geratene Häuser zu löschen, sondern sie anzuzünden. Wenn Montag mit Informationen konfrontiert wird, die nicht in sein Weltbild passen, oder die ihn als Person oder seine gesellschaftliche Rolle, in Frage stellen, verweist er auf ein Statussymbol. So tippt er z. B. auf „…die Zahl 451, die auf seinen schwarzen Ärmel genäht war.”(S. 22), als Clarisse ihn auf den Widerspruch aufmerksam macht: „Sie lachen, wenn ich nichts Lustiges gesagt habe, und sie geben immer gleich Antwort. Sie überlegen sich nie, was ich Sie gefragt habe.”(S.22) Das zeigt, Montag ist es nicht gewohnt, dass jemand mit ihm ein Gespräch führen will. Seine Frage: „Aber worüber unterhaltet ihr euch denn?”(S. 24)macht deutlich, seine Arbeit, das Bücherverbrennen war zumindest in Bezug auf ihn selbst erfolgreich. Guy Montag weiß nichts, worüber er mit anderen sprechen könnte, Inhalte jenseits des vorgeschriebenen Kanons, also jenseits dessen, was auf den Fernsehwänden zu sehen ist, sind für ihn bisher meist tabu gewesen. Gegen-welten, wie sie etwa in Büchern enthalten sind, kennt er nicht. Auch seine natürliche Umwelt, die Wiese, die Sterne, der Mond, ist ihm fremd, denn: „Er hatte schon lange nicht mehr hingesehen.”(23)Dass sich Montag außer mit Clarisse mit jemandem anderem unterhalten hat, ist schon lange her. Ein Jahr nämlich. Damals sprach er eines Nachmittags in einem Park mit einem alten Mann. (vergl. S. 24, siebtletzte Zeile)

Sein übertrieben häufiges Lächeln und sein Lachen, auch dann, wenn es gar nichts zum Lachen gibt, sind Mechanismen, die dazu dienen sollen, nach außen hin zu demonstrieren: Es geht mir gut, meine gesellschaftliche Rolle als Feuerwehrmann entspricht mir, meinem Wesen, perfekt.

Es ist ihm nicht wohl dabei, darauf hin-gewiesen zu werden, dass die Art, wie man in der Gesellschaft, die er zunächst re-präsentiert, zu leben gezwungen wird, einem blind macht für die natürliche Umwelt, für Blumen, Tau auf der Wiese, Gras, Kühe, Mond und Sterne. Für Montag ist es normal, wenn man in Turbinenautos die Straßen entlang rasen muss und bestraft wird dafür, dass man zu langsam gefahren ist, oder dafür ins Ge-fängnis muss, weil man, anstatt zu fahren, gelaufen ist. Als Clarisse ihm davon erzählt, wie es ihrem Onkel diesbezüglich ergangen ist, fühlt er sich ‚unwohl’, denn es gefällt ihm nicht, wenn sich jemand Gedanken macht, wenn jemand nachdenkt. Montag hat eine Art Tunnel-blick, er registriert fast nur, was offiziell erwünscht ist. Veränderungen wie z. B., dass man die Reklametafeln verlängert hat, damit die Turbinenauto-raser sie noch lesen können, bemerkt er nicht. Zutiefst verunsichert ihn die Frage von Clarisse, ob er glücklich sei.

In Abschnitt 3 des Romans will er sich zunächst nicht einge-stehen, dass er unglücklich ist. Er sinniert: „Glücklich! So ein Unsinn…Selbstverständlich bin ich glücklich.”(S.24)Kurz danach erkennt er, dass es noch ein anderes Ich gibt, das seinen Namen trägt. „Wie? Fragte Montag, jenes andere Ich, den heimlichen Kindskopf, der bisweilen das Plappern nicht lassen konnte, völlig unabhängig von Willen, Gewohnheit und Gewis-sen.”(S.25) Unser Verdacht, dass Montag auch noch ein anderer sein könne, als der, den er als Feuerwehrmann spielt, wurde bereits geweckt, als Montag sein Haus betrat und zur Lüftungs-klappe empor sah, „…wo etwas versteckt lag, etwas, was jetzt auf ihn zu lauern schien.”(S. 24)

Etwas später vervollständigt Montag sein Bild von der Welt als Theaterbühne, das schon im Wort ’ Komödiant ’(S.18)ansatz-weise enthalten war. Er spricht davon, das Clarisse eine überlebensgroße Gestalt auf „…der Bühne vor ihm” (S. 25)war.

Auch Montag schauspielert, um sich nicht die „…eigenen, drängendsten, inneren Gedanken”(S.25) zulassen zu müssen.

Charakteristik Clarisse McClellan

Clarisse Mclellan ist die neue Nachbarin des Feuerwehrmannes Guy Montag. Im Gegensatz zu Montag tut sie Dinge, die nicht erwünscht sind, oder gar verboten wurden. Wahrscheinlich liest sie z. B. Bücher. Das dürfen wir annehmen, denn sie fragt Montag, „…ob [er] jemals welche von den Büchern, die [er]“ (S.22) verbrenne, lese. Obwohl man eingesperrt werden kann, wenn man zu Fuß geht, so ist es jedenfalls Clarisses Onkel ergangen, läuft sie manchmal „…die ganze Nacht umher und [sieht] dann zu, wie die Sonne aufgeht.“ (S.21) Denn sie findet es „…hübsch… in der Welt herumzuschnuppern und herumzugucken.“ (S.21) Auf diese Art und Weise hat sie auch bemerkt „… dass auf dem Gras früh am Morgen Tau“ (S.23) liegt. Im Gegensatz zu Clarisses Onkel, der meint, wann immer sie ihr Alter angebe, müsse sie hinzufügen, sie sei „...von Sinnen“(S.21), ist es gerade Clarisses Neugierde auf ihre Umwelt, die zeigt, dass sie ihre Sinne gebraucht. Sehen und riechen z. B. . Dass ihr Geruchsinn gut ausgeprägt ist, zeigt die Äußerung: „Ich… ich hätte es sagen können, ohne die Augen aufzumachen.“ (S.20) ‚Es‘ meint hier, dass Montag nach Kerosin riecht, also Feuerwehrmann sein muss. Clarisse verhält sich auch unkonventionell, indem sie „…selten die Fernsehwände [ansieht] … und… auch nicht zu Rennen oder in die Vergnügungsparks [geht].“ (S.23) Clarisse hat eine scharfe Beobachtungsgabe. Ihr fällt zum Beispiel auf, dass die Reklametafeln auf dem Lande draußen „…früher höchstens sieben Meter…“ (S.23) lang waren, als sie mit Guy spricht aber mindestens siebzig Meter lang sind. Sie weiß auch, warum. Ihre Erklärung: „…die Wagen sausten so schnell daran vorbei, daß (sic) man die Tafeln in die Länge ziehen mußte (sic), damit sie überhaupt noch wirkten.“ (S.23) Clarisse hat viel Empathie. Erstaunt bemerkt Montag im Nachhinein: „Wie unglaublich sich das Mädchen in jemand hineinversetzen konnte.“ (S.25) Ihre Eloquenz, ihre Art zu fragen, bringt Montag total aus dem Konzept. Das verwundert nicht, denn in ihrem Zuhause im Gegensatz zu Montags ‚Zuhause‘ werden noch Gespräche geführt. Clarisse erklärt ihrem Begleiter, Guy, der sich nicht erklären kann, warum so spät in der Nacht in einem Haus noch Licht brennt: „Ach, Mutter und Vater und Onkel sind noch auf und führen ein Gespräch.“ (S.24) Die Frageweise von Clarisse ist so direkt, dass sie Montag im Innersten berührt. Die Frage: „Sind Sie glücklich?“ (S.24) lässt Montag erkennen, in welchem Zustand er sich tatsächlich seit zwei Jahren befindet. Clarisse ist authentisch mit sich selbst. Ihr Lächeln ist echt. Vom Gegenüber erwartet sie das Gleiche. Sie durchschaut Schauspielerei. So kritisiert sie Montag mit den Worten: „Sie lachen, wenn ich nichts Lustiges gesagt habe. …Sie geben immer gleich Antwort, Sie überlegen sich nie, was ich Sie gefragt habe.“ (S.22)

S. 35 – 38

Während der zweiten Begegnung von Clarisse und Guy erleben wir eine spontane junge Frau, deren Verhalten ihr Gegenüber stark beeindruckt. Clarisse schafft es, Montag zu einem Liebesgeständnis zu bewegen. Obwohl der Löwenzahntest bei ihm nicht anschlägt, gesteht er: „Ich bin sogar sehr verliebt! … Sicher!“ (S. 36) Und Clarisse wird für den Feuerwehrmann zum Vorbild. Zu Beginn der Szene lässt sich Clarisse ein paar Regentropfen aufs Gesicht fallen und schluckt sie dann, da ihr das Regenwasser gut schmeckt. Zum Ende der Szene hin tut Guy ein Gleiches. Clarisse hat die Fähigkeit ihre Naturverbundenheit an einen der Natur Entfremdeten zu vermitteln, darin zeigt sie sich als eine starke Frau. Und sie geht pädagogisch sehr geschickt vor.

Ihr Löwenzahntest an ihrem Gesprächspartner ist zwar angekündigt, aber so inszeniert, dass der keine Chance hat, auszuweichen. „Ehe er ausweichen konnte, war ihm Clarisse mit dem Löwenzahn unters Kinn gefahren.“(36) Clarisse hat keine Angst vor Körperkontakt. Völlig ungeniert reibt sie Guy, der davor zurückzuckt (vergl. S. 36, 9. und 10, letzte Zeile) den Löwenzahnblütenstaub unters Kinn und sie „…berührte seinen Ellenbogen.“(S.37) Wie Clarisse mit Guy Montag umgeht, zeigt, sie benötigt eigentlich keinen Psychiater, denn sie erkennt sofort, in welcher psychischen Lage sich z. B. der befindet, mit dem sie gerade spricht. Clarisse kann die Gefühle ihres Gegenübers von dessen Gesicht ablesen. So sagt sie nach dem für Guy negativ ausgefallenem Löwenzahntest: „Und jetzt habe ich Sie verstimmt, ich sehe es genau. Es tut mir wirklich leid.“(S. 37) Und Guy bestätigt: „Verstimmt, ja.“(S. 37) Clarisse bittet Montag mit den Worten: "Sagen Sie bitte noch, daß Sie mir verzeihen, daß sie mir nicht böse sind.“ ( Zeile 8 und 9, S. 37) um Verzeihung, obwohl sie ja nichts Schlimmes getan hat. Aber sie weiß, Montag kann sein altes Wertesystem nicht von jetzt auf nachher so mir nichts dir nichts einfach abschütteln wie man einen paar Regentropfen im Haar ab-schütteln kann. Indem sie nachhakt, mit Nachdruck ihre Frage „ Sie haben mir doch ver-ziehen?“ (viertletzte Zeile, S. 37) stellt, bringt sie Montag dazu, etwas zu tun, was in der Fahrenheit 451 Gesellschaft unüblich, unerwünscht ist. Sie bringt ihn dazu, nachzudenken. Auf Seite 37 heißt es: „Er dachte nach.“Clarisse ist sehr direkt. Sie spricht Montag gegen-über offen aus, was sie denkt. Sie äußert z. B.: „Deshalb finde ich es so merkwürdig, daß (sic) Sie bei der Feuerwehr sind. Es passt einfach nicht zu Ihnen.“ (S. 38) Und sie argumen-tiert sachbezogen, zieht aus ihren Beobachtungen logische Schlüsse. So erklärt sie ihrem Verehrer nach genauer Beobachtung: „Sie sind nicht so wie die anderen. …Wenn ich spreche, sehen sie mich an. Als ich etwas vom Mond sagte, gestern Nacht, haben sie zum Mond aufgeblickt.“ (S.38) Gegenüber dem Psychiater, der sie aushorcht, ist sie verschlossener, gibt zum Beispiel nicht Preis, worüber sie nachdenkt. Montag gesteht sie Auf Anhieb: „Ich gehe gern im Regen spazieren.“ (S. 36) Was eine besondere Vertraulichkeit bedeutet, denn Spazieren-gehen ist in der beschriebenen dystopischen Welt strafbar. Der Löwenzahntest beweist, Clarisse ist liebesfähig und macht liebesfähig. Ihre Experimen-tierfreude kennt keine Grenzen. Indem sie sich offensichtlich in Montag verliebt, ignoriert sie den großen Altersunterschied zwischen ihr und ihm, sie wird erst 17 und er ist 30 Jahre alt. Sie kümmert es auch nicht, dass Guy verheiratet ist.

Charakteristik Mildred Montag

Mildred ist mit Guy Montag verheiratet. Noch während des Bombenkriegs denkt Montag an seine Frau, ruft ihr in Gedanken zu „Rette dich, lauf!“ (S. 180) und das, obwohl sie ihn an Beatty und dessen Brandstifter verraten hat. Mildreds Verrat hätte Montags Tod bedeuten können. Nachdem sie einen Teil der von Montag im Garten versteckten Bücher teilweise verbrannt hat, trägt sie die restlichen ins Haus, erstattet Meldung bei der Feuerwehr, verlässt ihren Mann, als der wegen des Bücherbesitzes verhaftet werden soll. Bezeichnender Weise weiß sie nicht, wann und wo sie ihren Mann kennengelernt hat. Milli, so nennt Guy Mildred, ist drogenabhängig. Einmal nimmt sie dreißig Beruhigungstabletten vor dem Schlafengehen ein, sodass ihr der Magen ausgepumpt werden muss. Auch danach benutzt sie diese Mittel weiter, um Realität zu verdrängen. Sie setzt ihren Mann unter Druck, fordert eine vierte Fernsehwand. Die Berieselung aus den Ohrmuscheln und von den drei im Hause Montag vorhandenen Fernsehwänden hat ihr Bewusstsein derart eingetrübt, dass es nicht mehr möglich ist, mit ihr ein vernünftiges Gespräch zu führen. Wenn sie mit ihren Freundinnen den Film ‚Der Weiße Clown‘ ansehen möchte, sagt das viel über sie aus. Darin hacken sich drei Clowns gegenseitig die Gliedmaßen ab. Mildred selbst amputiert ihr Bewusstsein ständig mit Hilfe von Fernsehprogrammen, die Informationen am laufenden Band ausstrahlen, die zusammenhanglos sind und keinen Sinn ergeben. Gegenüber Faber erklärt Montag: „ Mit meiner Frau kann ich nicht reden; sie hört den Wänden zu.“ (S.98) Als Montag sie an den Drogenkollaps, den sie erlitt, erinnern will, bestreitet sie, je Betäubungsmittel genommen zu haben. Für Mildred sind Onkel Louis und Tante Maude, also Figuren der Fernsehwände, reale Familienmitglieder. Als Montag, mit Fieber im Bett liegend, seine Frau bittet, die Fernsehwände abzustellen oder zumindest leiser, tut sie das nicht. Vielmehr beantwortet sie die Bitte ihres Mannes mit dem Verweis: „Das ist doch meine Familie.“ (S. 63)

[...]


[1] Alle Zitate und Seitenangaben in ’Deutschprüfung an Realschulen 2019. Aufgaben und Lösungen von Gert Singer‘ beziehen sich auf:

RAY BRADBURY, FAHRENHEIT 451, Roman, Wilhelm Heyne Verlag, München, 2013. Übersetzung, Fritz Güttinger.

[2] Vergl. S. 89

[3] Personen und Orte werden durch ihre Namen ihrem Wesen nach charakterisiert.

[4] Fettdruck, Hervorhebung, von mir.

Ende der Leseprobe aus 83 Seiten

Details

Titel
Aufgaben und Lösungen für die Vorbereitung auf die Deutschprüfung an Realschulen 2019 (Teil 1)
Autor
Jahr
2018
Seiten
83
Katalognummer
V436335
ISBN (eBook)
9783668790445
ISBN (Buch)
9783668790452
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prüfung Realschulen 2019 Deutsch
Arbeit zitieren
OStR Gert Singer (Autor), 2018, Aufgaben und Lösungen für die Vorbereitung auf die Deutschprüfung an Realschulen 2019 (Teil 1), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436335

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