Die Reaktionen auf das Kriegsende von 1871 in der Karlsruher Presse

Zwischen Siegesfreude, Elsassfrage und Mitgefühl für den geschlagenen Feind


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
37 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Der Blick nach Frankreich

III. Die Angliederung Elsaß-Lothringens

IV. Die Lage im Großherzogtum Baden

V. Fazit

VI. Literaturverzeichnis

1. Quellen

2. Forschungsliteratur

I. Einleitung

Wie reagieren Gesellschaften auf einen Krieg? Was passiert in der Heimat, wenn an der Front gekämpft wird? Diese Fragen haben in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit in der Geschichtswissenschaft gefunden, nachdem Kriege lange Zeit stark unter militärgeschichtlichen Aspekten untersucht worden waren. Doch inzwischen interessieren sich viele Historiker auch für die sozial- und kulturgeschichtlichen Folgen von Kriegen für die Gesellschaft. Das betrifft nicht nur die Zerstörungen, die der Krieg für viele Städte und Ortschaften ohnehin mit sich bringt. Denn auch der Blick auf Regionen, die nicht unmittelbar vom Kriegsgeschehen betroffen waren, lohnt sich. Die Wahrnehmung der Zeitgenossen spielt dabei eine große Rolle. Die Deutung des Kriegsgeschehens hatte häufig Auswirkungen auf das Denken der Menschen, auch nachdem der Krieg bereits beendet war und wieder Frieden herrschte. Insbesondere in der Neueren Geschichte konnte ein verlustreicher bzw. rücksichtslos geführter Krieg das Verhältnis zweier Staaten auf Dauer vergiften. Es ließe sich als jüngeres Beispiel der Chinesisch-Japanische Krieg in den dreißiger und vierziger Jahren nennen, der noch heute eine schwere Belastung für die Beziehungen beider Länder bildet. Aber es ließen sich noch weitere anführen.

In dieser Arbeit soll unter kulturgeschichtlichen Fragestellungen ein Krieg genauer auf seine Wirkung auf die Gesellschaft in der Heimat untersucht werden. Es handelt sich um den Deutsch-Französischen Krieg. Geographisch und in Bezug auf die Auswahl der Quellen wurde der Fokus stark eingeschränkt, damit Beschreibung und Analyse stärker in die Tiefe gehen können. Allein schon deshalb musste auf einen Ländervergleich zwischen Deutschland und Frankreich verzichtet werden, so aufschlussreich dieser auch gewesen wäre. Selbst ein gesamtdeutscher Überblick wäre mit dieser Arbeit nicht zu leisten. Deshalb wurde eine Stadt ausgewählt, deren Tageszeitungen zum großen Teil von der Badischen Landesbibliothek erschlossen wurden und die durch ihre Lage an der damaligen Grenze zu Frankreich von besonderem Interesse ist: Karlsruhe.

Als Quellen dienen zwei Zeitungen: die Badische Landes-Zeitung und der Badische Beobachter. Erstere gehörte zum Verlag von Camill Macklot und galt als nationalliberales Blatt. Die evangelische Familie Macklot, die wahrscheinlich ihre Wurzeln in Schottland hatte, soll im 17. Jahrhundert nach Lothringen übergesiedelt sein.[1] Johann Michael Macklot erhielt 1757 von Markgraf Karl Friedrich das Buchhändler-Privilegium und begann mit der Herausgabe des Karlsruher Wochenblatts und der Karlsruher Zeitung.[2] Der Enkel des Verlagsgründers, Camill der Ältere, rief im Jahr 1849 die Badische Landes-Zeitung ins Leben. Der nationalliberale Verleger hatte außerdem persönlichen Kontakt zu Otto von Bismarck, der ihn gelegentlich in Karlsruhe besuchte.[3] Der Badische Beobachter hingegen gehörte zum katholischen Badenia-Verlag in Karlsruhe.[4] Außerdem war er das Hauptorgan der Badischen Zentrumspartei. Diese war im Großherzogtum 1869 gegründet worden und nannte sich damals noch „Katholische Volkspartei“.[5] In Baden hatte der Kulturkampf zwischen der Regierung und den Liberalen auf der einen sowie der katholischen Kirche auf der anderen Seite bereits einige Jahre vor dem Deutsch-Französischen Krieg begonnen.[6] Daher spielte die konfessionelle Zuordnung in der badischen Zeitungslandschaft eine große Rolle. Dieser Hintergrund ist wichtig, um die Haltung der beiden Blätter zu den in dieser Arbeit erwähnten Ereignissen besser einordnen zu können. Sicher hätte zusätzlich auch noch eine sozialdemokratische Zeitung herangezogen werden können. Allerdings würde das den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Außerdem war die Sozialdemokratie im Jahr 1871 noch bei weitem nicht so stark wie vor dem Ersten Weltkrieg. Die beiden einflussreichsten politischen Gruppierungen im Baden jener Zeit waren ohne Zweifel die Nationalliberalen und die Katholische Volkspartei.

Die Forschungsliteratur zum Deutsch-Französischen Krieg ist inzwischen sehr umfangreich. Außerdem sind sowohl in Deutschland als auch in Frankreich einige Studien über die Wahrnehmung des Krieges durch Soldaten und Zivilisten erschienen. Insbesondere die Arbeiten von Heidi Mehrkens und Alexander Seyferth wären hier zu nennen. Auf die neueren Erkenntnisse dieser und anderer Studien wird in dieser Arbeit Bezug genommen. Auch die Standardwerke und Aufsätze etwa Lothar Galls oder Eberhard Kolbs tragen zum Verständnis des historischen Hintergrundes bei. Die badische Geschichte ist demgegenüber zwar etwas unterrepräsentiert, weil nationale Geschichte lange das größere Interesse auf sich gezogen hat. Dennoch gibt es auch zu diesem Thema fundierte Beiträge oder Überblickswerke, etwa vom früher in Freiburg lehrenden Historiker Hans Fenske, der sich intensiv mit der badischen Landesgeschichte beschäftigt hat.

Um den Umfang der Arbeit sinnvoll zu beschränken, wurde das Kriegsende herausgesucht. Denn eine vollständige Darstellung der Berichterstattung während des gesamten Krieges wäre nicht zu leisten, ohne den Rahmen der Studie zu sprengen. Das Kriegsende ist vor allem deshalb interessant, weil so in engem Rahmen nachvollzogen werden kann, wie die beiden Zeitungen auf das Ende der Kampfhandlungen und den Übergang zum Friedenszustand reagierten. Dadurch lassen sich auch Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich die badische Gesellschaft wieder auf den Frieden einstellte. Deshalb wurden nur die Ausgaben aus der Zeit vom Februar bis Mai 1871 ausgewählt.

Die beiden Zeitungen sollen in dieser Arbeit auf drei Aspekte hin untersucht werden. Zuerst geht es um den Blick nach Frankreich, also darum, wie die französische Gesellschaft bzw. die Franzosen als Nation dargestellt wurden. In einem zweiten Abschnitt soll dann die Bewertung der Angliederung Elsaß-Lothringens im Vordergrund stehen. Zuletzt wird der Fokus auf der Lage im Großherzogtum selbst liegen. Dadurch soll gezeigt werden, wie die beiden Zeitungen auf die Umstellungen, die das Kriegsende in Baden mit sich brachte, reagierten. Nach der Analyse der Beiträge und einer vergleichenden Gegenüberstellung soll diese Arbeit eine eigene Antwort auf die Frage liefern, inwiefern sich die Wahrnehmung des Kriegsendes bei den Nationalliberalen sowie den zentrumsnahen Katholiken unterschied.

II. Der Blick nach Frankreich

Dass ein Krieg die Bewertung des Feindes nicht gerade positiv ausfallen lässt, versteht sich von selbst. Dennoch ist eine differenzierte Analyse des Frankreichbildes in den deutschen Staaten sinnvoll. Denn es wäre verfehlt, von den Propagandafeldzügen des Ersten und Zweiten Weltkrieges direkte Rückschlüsse auf das Bild vom Kriegsgegner in früheren Konflikten zu ziehen. Da gibt es doch sehr viele Unterschiede, die im Folgenden anhand der Artikel in der Badischen Landeszeitung und dem Badischen Beobachter herausgearbeitet werden. Hierbei sind vor allem einige Artikel vom März 1871 aufschlussreich, als bereits der Vorfrieden von Versailles abgeschlossen worden war und deutsche Soldaten in einen Teil der französischen Hauptstadt einrückten.

Über das Verhältnis der in Paris einquartierten deutschen Soldaten zur einheimischen Bevölkerung konnte die Badische Landes-Zeitung am siebten März vorwiegend Gutes berichten. Zwar gebe es in der Stadt auch die üblichen „Krawallmacher von Profession“, aber die deutsche Artillerie schrecke diese ab.[7] Die meisten Bewohner, die mit den Deutschen Kontakt hätten, seien eher neugierig und würden von letzteren freundlich behandelt. Tatsächlich äußerte das Blatt die Ansicht, dass noch weit mehr Pariser in die besetzten Viertel gekommen wären, wenn nicht die französischen Posten die Angabe von Gründen für das Betreten der betroffenen Zonen gefordert hätten. Von einer besonderen Feindseligkeit der Pariser Bevölkerung gegenüber den Besatzern oder anderen Problemen konnte das Blatt nichts berichten. Dennoch wurde nicht verhehlt, dass sich die Franzosen über das rasche Ende der deutschen Besatzung in Paris freuten. Der Bericht über die Auflösung der Besatzungsverwaltung enthielt aber auch noch eine kleine ironische Note: Die Franzosen hätten sich geärgert, dass die deutschen Paraden und der Einzug in Frankreichs Hauptstadt auch noch durch besonders schönes Wetter begünstigt worden seien. Eine explizit feindliche Haltung musste die Badische Landes-Zeitung schon deshalb zu diesem Zeitpunkt nicht mehr einnehmen, weil der Frieden faktisch bereits hergestellt und die Kampfhandlungen von beiden Seiten beendet worden waren. Daher konnte nun auch wieder deutlich positiver über den geschlagenen Feind geurteilt werden.

Obwohl die Badische Landes-Zeitung, ebenso wie der Badische Beobachter, in der Regel keine dezidiert antifranzösischen Artikel abdruckte, sah sich die Redaktion am zehnten März doch zu einer Reaktion auf einen Beitrag im Journal du Havre genötigt. Darin hatte die Zeitung aus der nordfranzösischen Hafenstadt Le Havre schwere Anschuldigungen gegen die sich bis Kriegsbeginn dort aufhaltenden Deutschen erhoben.[8] Diese deutschen Mitarbeiter der örtlichen Handelsniederlassungen hätten das Vertrauen der Franzosen missbraucht und heimlich für Otto von Bismarck spioniert. Als dann der Krieg begann, hätten sie sich rasch deutsche Ulanenuniformen übergeworfen und sich an Gewalttaten an der Zivilbevölkerung beteiligt.

Die Badische Landes-Zeitung ging auf diese Vorwürfe nicht ein, da deren Haltlosigkeit ohnehin als offensichtlich angesehen wurde. Dennoch zeigte sich das Blatt schockiert über die Feindseligkeit, mit der die „erste Zeitung von Havre“ die antideutsche Stimmung in der Stadt anheizte.[9] Deshalb könne leider nicht nur von einer Minderheitsmeinung gesprochen werden. Im Gegenteil sei davon auszugehen, dass „ein nicht geringer Teil der Havreser Bevölkerung“ mit derartigen Angriffen auf das Ansehen der Deutschen und mit der „Antipreußischen Ligue“ in Le Havre sympathisiere. Diese hatte sich als Reaktion auf den Deutsch-Französischen Krieg gegründet und wurde vom Journal publizistisch unterstützt.

Interessanterweise wurden nicht nur im zitierten Artikel des Journal du Havre, sondern ebenso in der Badischen Landeszeitung „preußisch“ und „deutsch“ nahezu als Synonyme verwendet. In Frankreich und im europäischen Ausland begann sehr früh die Gleichsetzung Preußens mit dem neuen Deutschen Reich, was einer gewissen Logik nicht entbehrte. Immerhin war der preußische König ab 1871 immer gleichzeitig auch Deutscher Kaiser und der preußische Ministerpräsident meist auch Reichskanzler. Außerdem bestanden ungefähr zwei Drittel der Landesfläche aus dem Staatsgebiet Preußens, und etwa drei Fünftel der Bevölkerung waren preußische Untertanen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass beide Begriffe gerade im Ausland häufig synonym gebraucht wurden. Das lässt sich z.B. an der Bezeichnung für den Krieg von 1870/71 erkennen, der in den angelsächsischen Ländern oft statt Franco-German War eben Franco-Prussian War genannt wird.[10] Die Badische Landes-Zeitung griff dies ebenfalls auf. Das ergab allerdings auch Sinn, denn das Journal du Havre hatte die Wörter synonym gebraucht und verwendete einmal sogar den Begriff der „teutonischen Rasse“, um die Deutschen in ihrer Gesamtheit zu kennzeichnen.[11] Und als Presseorgan mit dezidiert nationaler Ausrichtung musste die Badische Landes-Zeitung ohnehin jeden Angriff auf einen Teil der Deutschen auch als Angriff gegen die übrigen Glieder der Nation begreifen.

Dennoch blieb das Blatt in seiner Reaktion sehr gemäßigt. Der Autor des Artikels war eher betrübt, dass ein Volk, dem „Wörter wie Zivilisation, Bildung u. Edelmuth“ bisher angeblich doch so wichtig gewesen seien, sich jetzt zu „Barbareien der allerniedrigsten Gattung“ bereit fände. Dennoch wurde nicht ausgeschlossen, dass der Handel zwischen den beiden benachbarten Nationen eines Tages wieder aufgenommen werden könnte, wenn die französische Seite erkenne, welch Schaden ihr durch die Ausweisung der Deutschen entstanden sei. Denn die Kaufleute in Le Havre hätten die Deutschen aus gutem Grund eingestellt. Sie hätten deren „Fleiß, Gewissenhaftigkeit, Sprachkenntnis“ und „Redlichkeit“ lange zu schätzen gewusst. Da sie dies nun vergessen hätten, läge die Rückkehr zu friedlichen Handelsbeziehungen in den Händen der Franzosen, nicht in denen der Deutschen. Die Badische Landes-Zeitung wollte also keineswegs mit einer dauerhaften Feindschaft zwischen den beiden benachbarten Völkern rechnen. Aber ob sich die Beziehungen wieder normalisieren könnten, hänge vom Verhalten der Franzosen ab.

Am selben Tag druckte das Blatt außerdem einen kurzen Artikel über die Haltung der Pariser Zeitungen ab. Wer die dortigen Kommentare lese, müsse fast den Eindruck gewinnen, dass Frankreich nur sehr wenig für den verlorenen Krieg zahlen müsse. Die Reparationen seien auf französischen Druck deutlich gesenkt worden, und immerhin verblieben achtzig Prozent von Lothringen und auch Belfort bei Frankreich. Außerdem sei der Tenor in Paris: „Preußen hat nur das ganze Glück, wir aber haben die ganze Gloire dieses Krieges!“[12] Der Kommentator der Badischen Landeszeitung beschränkte sich hauptsächlich darauf zu erklären, dass den Franzosen diese „kindlichen, oder besser, kindischen“ Vorstellungen gelassen werden sollten. Denn immerhin könnten sie dann später auch „nicht klagen, dass die deutschen ‚Barbaren‘ ihnen Schimpf angethan“ hätten. Die Badische Landes-Zeitung griff hier das Wort von den deutschen „Barbaren“, die den zivilisierten Franzosen geistig und sittlich unterlegen seien, ironisch auf. Dabei wurde es gegen die französische Deutung des Krieges als Überfall der kriegslüsternen „Teutonen“ auf die friedliebenden Nachbarn eingesetzt. Das war ein denkbar geschicktes Vorgehen. Wenn die französischen Zeitungen den Vorfrieden von Versailles schon mit einer sehr milden Behandlung Frankreichs assoziierten, konnten sie schwerlich über eine Erniedrigung ihres Landes durch die deutschen „Barbaren“ berichten.

Auch nachdem der endgültige Friedensvertrag mit Frankreich abgeschlossen worden war, zeigte die Badische Landes-Zeitung Interesse an den Vorgängen in Frankreich. Allerdings war das eine generelle Entwicklung. Denn der Aufstand der Pariser Kommune verursachte in ganz Europa Schrecken und Entsetzen. Daher beschäftigte sich ein längerer Artikel auf der Titelseite vom 13. Mai 1871 über den Abschluss des Friedensvertrags in Frankfurt auch mit den Verhältnissen innerhalb Frankreichs. Es fällt dabei vor allem die sehr pessimistische Beurteilung auf.[13] Aufgrund der Kriegsschäden und der Besetzung großer Teile seines Territoriums durch deutsche Truppen müsse Frankreich schweren Zeiten entgegen sehen. Dabei wird die deutsche Position aber keineswegs als unbarmherzig dargestellt. Das neue Deutsche Reich habe vielmehr das Recht, Entschädigung für die durch den Krieg entstandenen Verluste zu fordern, um insbesondere die Landkreise und Gemeinden finanziell zu entlasten.

Für die dramatische Lage, in der Frankreich sich momentan befinde, sei hingegen vor allem die als sehr schwach empfundene Provisorische Regierung in Paris verantwortlich. Insbesondere Adolphe Thiers habe seine eigene Verhandlungsposition unterschätzt und mit einer schnellen Niederwerfung der Pariser Kommune gerechnet. Nach einem solchen Erfolg hätte er dann den Vorfrieden von Versailles zugunsten Frankreichs annullieren können. Deshalb seien die Verhandlungen in Brüssel von der französischen Delegation hinausgezögert worden. Außerdem habe Thiers die deutschen Unterhändler absichtlich über die Finanzkraft seines Landes täuschen wollen, um geringere Kontributionen zu erreichen. Es habe seiner „Eitelkeit“ geschmeichelt, die „dummen ehrlichen Deutschen überlisten zu können“.[14] Doch obwohl Thiers als verschlagen und inkompetent dargestellt und der „Mehrzahl der Franzosen“ eine starke Neigung zum Revanchismus unterstellt wurde, stand am Ende des Artikels der Wunsch, dass die „unfähigen Versailler Herren“ bald durch einen durchsetzungsfähigen „Diktator“ ersetzt werden würden. Denn damit könnte das „unglückliche Land“ erneut in den Genuss von „Ordnung und Gesetzlichkeit“ kommen. Ob damit Napoleon III. oder jemand anderes gemeint war, ließ der Kommentar offen. In jedem Fall wurden die Franzosen als Nation nicht verunglimpft, sondern vor allem bemitleidet. Dazu passt eine längere Schilderung der „Schreckensereignisse“ in Paris, die am selben Tag abgedruckt wurde.[15]

Die Badische Landes-Zeitung verteidigte auch das Werk des Reichskanzlers gegen den Vorwurf der Vossischen Zeitung, dieser hätte in Frankfurt nicht alle seine Ziele erreicht. Dabei habe er im Gegenteil sehr rasch alle strittigen Fragen mit der französischen Delegation klären können. Zwar habe er den Franzosen tatsächlich einen Teil der Reparationen erlassen, allerdings würde die Regierung Thiers im Gegenzug die Abfindung der Zugstreckenbesitzer in Elsaß-Lothringen übernehmen. Dadurch habe Bismarck dem Deutschen Reich einigen Ärger erspart. Die Badische Landes-Zeitung drückte hier einerseits ihre Bewunderung für den „Eisernen Kanzler“ aus. Auf der anderen Seite wird dem einvernehmlichen Arrangement mit den Franzosen großer Wert beigemessen. Der Friedensvertrag gewähre der Regierung Thiers „freie Hand gegen Paris“.[16] Und wie sich bereits an den Darstellungen über die Ereignisse in Paris gezeigt hat, gehörte die Badische Landes-Zeitung nicht zu den Propagandisten einer deutsch-französischen Erbfeindschaft. Ein rascher Sieg über die Kommune und die Rückkehr zu Recht und Ordnung in Frankreich wurden ausdrücklich gewünscht.

Auch wenn die Badische Landes-Zeitung ein nationalliberales und protestantisches Blatt war und 1871 einige Artikel mit antikatholischer Note abgedruckt wurden, lassen sich auch versöhnliche Worte erkennen. Bei einer Schilderung der Vorgänge im belagerten Paris wurde gleich zu Beginn auf christliche Solidarität zwischen den Konfessionen hingewiesen: Im von der Kommune kontrollierten Teil der Stadt seien viele katholische Kirchen geschlossen und die Priester inhaftiert worden. Die evangelischen Gemeinden aber blieben unbehelligt. Deshalb kämen nun viele katholische Gläubige, um ihre Kinder von protestantischen Pastoren taufen oder sich trauen zu lassen.[17] Da in Baden bereits der Kulturkampf ausgetragen wurde, ist diese versöhnliche Darstellung des Verhältnisses zwischen den Konfessionen in Paris bemerkenswert, könnte aber auch Ausdruck einer Art „Burgfrieden“ zwischen Katholiken und Protestanten in Baden sein. Ohnehin kritisierten die Nationalliberalen auch in Baden meist nicht die Katholiken in ihrer Gesamtheit, sondern vor allem den als „ultramontan“ betrachteten Klerus.

Obschon die Badische Landes-Zeitung kein wirklich negatives Bild der französischen Nation zeichnete, ist die Darstellung im Badischen Beobachter noch wohlwollender. Dabei könnte möglicherweise die Konfession der Franzosen eine Rolle für die Bewertung durch das Presseorgan der Katholischen Volkspartei gespielt haben. Aber auch Adolphe Thiers wurde bei weitem nicht so negativ beurteilt wie in der Badischen Landeszeitung. Tatsächlich habe er seine Rede in Bordeaux vor der Nationalversammlung mit einem „ergreifenden, leidenschaftlichen Appell an den Patriotismus“ enden lassen.[18] Eine solche Haltung konnte auch von einer katholischen Zeitung honoriert werden. Dem Chef der Provisorischen Regierung, der die undankbare Aufgabe hatte, einerseits das Land vor dem Chaos zu bewahren und andererseits mit den Deutschen zu einer Einigung zu gelangen, wurde hier Respekt gezollt. Einem aufrechten Patrioten konnte der Badische Beobachter auch dann Achtung entgegenbringen, wenn er einer feindlichen Nation angehörte. Dazu passte eine Meldung vom selben Tag, in der von den Maßnahmen der Provisorischen Regierung berichtet wurde, die Ordnung in Paris aufrechtzuerhalten. Die Pariser seien aufgefordert worden, den deutschen Truppen bei ihrem Einmarsch keinen Widerstand zu leisten, um weiteren Schaden von der Stadt und dem Land insgesamt abzuwenden.[19] Auch die Pariser Zeitungen hätten sich diesem Appell angeschlossen. Das besonnene Verhalten der Regierung und der Presse habe also den friedlichen Einmarsch der deutschen Truppen erleichtert.

Nachdem der Badische Beobachter im März ein gewisses Verständnis für die schwierige Lage der Provisorischen Regierung zu erkennen gegeben hatte, wurde auch viel über die schockierenden Ereignisse in der französischen Hauptstadt berichtet. Genau wie die Badische Landes-Zeitung berichtete das Blatt mit Abscheu über die Zustände in Paris. Dabei wurde am 16. Mai der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die „tolle Wirthschaft in Paris die achte Woche ihres Bestehens nicht überleben“ werde.[20] Den Franzosen wurde ein baldiges Ende des Aufstandes gewünscht. Es lässt sich überdies eine naheliegende katholische Solidarität feststellen: Das Blatt war um die Sicherheit des Pariser Erzbischofs Georges Darboy besorgt, der sich in der Hauptstadt befinde und immer wieder Drohungen seitens der Kommunarden ausgesetzt sei. Auf der anderen Seite wurde die Annahme unterstützt, die Aufständischen würden es nicht wagen, den Erzbischof anzurühren, da die preußische bzw. deutsche Führung (beide Begriffe wurden hier synonym verwendet) für seine Sicherheit bürge. Und die Kommunarden – so wurde in dem Artikel suggeriert – könnten es in ihrer bedrängten Lage nicht riskieren, die siegreichen Deutschen gegen sich aufzubringen. Tatsächlich sollte auch das Darboy nicht retten. Er wurde am 24. Mai zusammen mit fünf weiteren Geiseln erschossen, während Regierungstruppen bereits die Stadt stürmten.[21]

Die Franzosen wurden also grundsätzlich nicht diffamiert, und wegen der chaotischen Zustände in ihrem Land und den Ereignissen in Paris signalisierte der Badische Beobachter Mitgefühl für die Situation eines benachbarten (katholischen) Volkes. Interessanterweise findet sich sogar ein Hinweis auf die Beurteilung der nordafrikanischen Hilfstruppen in der französischen Armee. Die Zeitung zitierte nämlich am 16. Mai eine Meldung aus Ulm, wonach die französischen Kriegsgefangenen die Stadt verlassen hätten, um in ihre Heimat zurückzukehren. Mit ihnen seien auch dreihundertfünfzig nordafrikanische Turkos gegangen. Diese hätten sich allerdings „besser benommen, als man nach dem ihnen vorangegangenen Ruf hätte erwarten können“.[22] Im Widerspruch zur Tendenz vieler Historiker, für die deutsche Presse der Zeit von einer durchweg von Vorurteilen geprägten Darstellung der kolonialen Hilfstruppen auf französischer Seite auszugehen, gab der Badische Beobachter hier ein bemerkenswert positives Urteil wieder. Frank Kühlich bestätigt dieses Ergebnis in seiner Studie über die Erfahrungen der deutschen Soldaten im Krieg von 1870/71. Die negative Einstellung zu den Turkos habe sich zumeist geändert, sobald durch deren Einquartierung in Lazaretten ein näherer Kontakt zustande kam.[23] Und ein solcher hatte sich in Ulm offenbar ergeben. Zwar muss auch bedacht werden, dass der Badische Beobachter hier eine fremde Meldung zitierte. Dennoch ist es eher unwahrscheinlich, dass dieser Beitrag erschienen wäre, wenn er nicht mit der eigenen Haltung übereingestimmt hätte. Immerhin fügte er sich gut in die wohlwollende Berichterstattung des Blattes über die Franzosen als Volk ein, die für die Zeit nach dem Vorfrieden von Versailles zu erkennen ist. Ohnehin galt für den Deutsch-Französischen Krieg im Allgemeinen, dass die Kriegsgefangenen wechselseitig mit Respekt behandelt wurden.[24] Daher überrascht es nicht, dass auch der Badische Beobachter den Gegner durchaus respektvoll darstellte. Denn für die Journalisten fielen außerdem die Kampfhandlungen als polarisierendes Element weg. Sie hatten, wenn sie keine Kriegsberichterstatter waren, weder gegen Franzosen noch gegen Turkos gekämpft, wodurch sie sonst vielleicht eher eine dezidiert feindselige Haltung eingenommen hätten.

Denn unter den deutschen Soldaten war offenbar eher das Bild einer dekadenten französischen Nation verbreitet.[25] Der Vorwurf der Sittenlosigkeit tauchte häufig auf. Außerdem wurde die geringe Zahl von Kindern in vielen französischen Familien kritisiert. Besonders die kinderlose Ehe, die in Frankreich weiter verbreitet war als in den deutschen Staaten, stieß auf Ablehnung. Dieser sittliche Verfall wurde als ein Grund für die französische Niederlage betrachtet. Auch die als schwächlich empfundene Erscheinung der französischen Männer wurde als Anzeichen für den Niedergang des französischen Volkes betrachtet, während die deutschen Soldaten von kräftiger Gestalt seien. Diese Vorstellung spielte im Ersten Weltkrieg dann erneut eine Rolle. So stellte der bekannte Romanautor Ludwig Ganghofer während des Ersten Weltkrieges fest, dass die deutschen Soldaten den Franzosen an Körpergröße und Kraft überlegen seien.[26] In der Berichterstattung im Badischen Beobachter von Februar bis Mai 1871 lassen sich solch negative Charakterisierungen der Franzosen zwar nicht feststellen. Allerdings könnte das während des Krieges auch anders gewesen sein. Sicher lässt sich daher nur sagen, dass die Zeitung nach Ende der Kampfhandlungen eine eher wohlwollende Haltung gegenüber dem bisherigen Kriegsgegner einnahm, und das in noch stärkerem Maß als die Badische Landes-Zeitung.

Die Befunde dieses Abschnitts decken sich mit den Ergebnissen von Heidi Mehrkens. Sie hat nachgewiesen, dass während des Deutsch-Französischen Krieges beide Seiten weitgehend auf Propaganda und die Instrumentalisierung angeblicher Kriegsgräuel des Gegners verzichteten, auch wenn derartige Vorwürfe gelegentlich erhoben wurden.[27] Zu Recht stellt Christine Krüger daher fest, dass der Deutsch-Französische Krieg kaum als direkte Vorstufe der totalen oder totalisierten Kriege des zwanzigsten Jahrhunderts gelten kann.[28] Dafür spräche auch schon die große Bedeutung, die der Genfer Konvention beigemessen wurde. Deshalb wurde auch stark darauf geachtet, ob diese eingehalten wurde, denn andernfalls hatte der eine Kriegsgegner einen Grund, dem anderen eine unmenschliche Kriegführung vorzuwerfen.

Es passt in dieses Bild, dass die Badische Landes-Zeitung empört reagierte, als in Le Havre dennoch Anschuldigungen gegen die deutsche Minderheit und das preußisch-deutsche Militär erhoben wurden. Denn von sich gegenseitig respektierenden Kulturvölkern wurde eine solche Kampagne nicht geduldet. Beide Kriegsparteien bemühten sich schließlich, die Regeln einer zivilisierten Kriegsführung einzuhalten. Dabei handelte es sich aber auch schon um die einzige publizistische Attacke der Badischen Landeszeitung gegen die französische Nation, bzw. eher gegen die als revanchistisch eingeschätzte französische Presse. Auch die Kritik an Thiers richtete sich ausdrücklich nicht gegen das französische Volk, dem ein starker Diktator gegönnt wurde, damit das Land wieder zu Ruhe und Ordnung zurückkehren könnte. Beim Badischen Beobachter war der Blick nach Frankreich sogar von noch mehr Wohlwollen geprägt, was auch mit der Konfession der Franzosen zusammenhängen dürfte. Dazu passt, dass das Organ der Katholischen Volkspartei starkes Interesse an der Lage des Erzbischofs von Paris zeigte. Die Pariser Kommune aber wurde von beiden Zeitungen abgelehnt, die Situation der Franzosen mit Mitgefühl betrachtet.

Eine deutsch-französischen Erbfeindschaft wurde von beiden Blättern nicht gewünscht, wenn auch die Badische Landes-Zeitung eine freundlichere Haltung der Franzosen gegenüber dem deutschen Volk als Voraussetzung für gedeihliche Beziehungen beider Länder betrachtete. Sicher war bei der eher wohlwollenden Betrachtung des Gegners für die beiden Zeitungen auch von Bedeutung, dass die Heimat nicht als unmittelbar bedroht betrachtet wurde. Zwar hatte es bei Kriegsbeginn durchaus eine gewisse Furcht vor einer französischen Invasion in Süddeutschland gegeben. Insbesondere in Baden hatte die lange Grenze zu Frankreich vor dem Krieg ein latentes Gefühl der Bedrohung erzeugt.[29] Aber dieses Szenario verlor nach den ersten deutschen Siegen schnell seine Relevanz. Die deutschen Staaten blieben von den unmittelbaren Folgen des Krieges verschont. Daher gab es auch wenige Gründe, dem Gegner mit Hass zu begegnen.

III. Die Angliederung Elsaß-Lothringens

Eines der wichtigsten Kriegsziele auf deutscher Seite war die Angliederung des Elsasses und Deutsch-Lothringens. Schon bei Kriegsbeginn wurde diese Forderung zur Sprache gebracht. Durch die raschen Erfolge der deutschen Heere fielen diese beiden Provinzen ohnehin sehr schnell unter deutsche Kontrolle. Schon am 21. August wurde ein deutsches „Generalgouvernement Elsaß und Deutsch-Lothringen“ eingerichtet.[30] Dieses wurde vom preußischen Offizier Graf Friedrich von Bismarck-Bohlen verwaltet.[31] Als Chef der Zivilverwaltung wurde der Regierungspräsident von Düsseldorf, Friedrich von Kühlwetter, eingesetzt.[32] Das zeigt deutlich, dass im preußischen Hauptquartier bereits beabsichtigt wurde, diese Länder einzugliedern. Über die Motive und Hintergründe dieser Entscheidung ist in der Forschung viel gestritten worden. Walter Lipgens geht z.B. davon aus, dass Bismarck die Forderung nach einer Angliederung des Elsasses und Deutsch-Lothringens gezielt über ihm zugeneigte Redaktionen habe verbreiten lassen, um eine Begründung für seine Formulierung der Kriegsziele zu erhalten.[33] Dieses Thema sei also von Bismarck in die Kriegszieldebatte eingebracht worden und habe sich dann verselbstständigt. Dabei habe Bismarck diese Territorien zwar hauptsächlich aus militärstrategischen Gründen und zur Beruhigung der süddeutschen Befürchtungen vor einer französischen Invasion erworben, die eigentliche Begründung sei in der öffentlichen Diskussion aber sehr schnell die sprachliche und kulturelle Zugehörigkeit der Elsässer zur deutschen Nation geworden.

Lothar Gall hingegen verwirft Lipgens’ Ansatz von einer gezielten Lancierung der Forderung nach einer Angliederung dieser Länder durch Bismarck.[34] Denn diese sei von Bismarck zwar aufgegriffen, aber nicht aufgeworfen worden. Ihm ist hier zuzustimmen, weil Bismarck – wie Gall überzeugend begründet – bei Beginn des Krieges noch bei weitem nicht über das pressepolitische Instrumentarium gebieten konnte, dass ihm in späteren Jahren zur Verfügung stand. Dennoch wurde die Forderung nach einer Angliederung des Elsasses und Deutsch-Lothringens schon bei Kriegsbeginn in einer sehr großen Zahl von Zeitungen erhoben und zwar auch in jenen, die keiner direkten Beeinflussung durch den preußischen Ministerpräsidenten unterlagen. Außerdem erscheint es fraglich, wie Bismarck mit der Formulierung dieses Kriegsziels eine solche Resonanz hätte hervorrufen können, wenn diese Forderung nicht ohnehin schon ein Thema in der Presse gewesen wäre.

Auch ein Verweis auf die Vorgeschichte dieser Debatte ist hilfreich: Bismarck war in den Jahren 1859 und 1860 noch nicht preußischer Ministerpräsident. Tatsächlich aber hatte die Forderung nach einer Abtretung dieser Länder schon während der Jahre 1859 und 1860 breite Unterstützung in der Publizistik und Presse erfahren. Im Zuge des Krieges in Oberitalien war damals in der öffentlichen Meinung eine antibonapartistische Stimmung aufgekommen. Es ist daher auch kein Zufall, dass der Historiker Adolf Schmidt gerade im Jahr 1859 seine Abhandlung über den Verlust des Elsasses und Lothringens veröffentlichte.[35] Diese Tradition reichte über die Rheinkrise und das Hambacher Fest bis in die Zeit der Antinapoleonischen Kriege.[36]

Allgemein schätzten viele Befürworter eine Angliederung zwar als wünschenswert, aber auch eher unrealistisch ein, es sei denn, es käme zum Krieg mit Frankreich.[37] Dann aber könnte endlich „die Elsaßfrage zur Debatte“ gestellt werden.[38] Nur so erklärt sich auch, weshalb die Forderung nach einer Rückgewinnung dieses Landes sofort nach Kriegsbeginn reaktiviert wurde und sehr schnell ein Konsens über deren Rechtmäßigkeit hergestellt werden konnte. Dennoch kam die Debatte um eine Rückeroberung der betreffenden Länder für den Deutschen Bund schon in jenen Jahren auf, obwohl bis auf Österreich die Staaten des Deutschen Bundes nicht am Krieg gegen Frankreich und Sardinien-Piemont beteiligt waren. Im Jahr 1870 aber handelte es sich sogar um einen direkten Konflikt zwischen Frankreich und sämtlichen deutschen Staaten (freilich ohne Österreich). Es ist daher logisch anzunehmen, dass Bismarck – selbst wenn er die Forderung nach einer Angliederung der betreffenden Territorien erst ins Spiel gebracht hätte – mit offenen Ohren bei den meisten Journalisten und Publizisten hätte rechnen können. Daher erscheint es wenig sinnvoll, den Gedanken einer Angliederung des Elsasses und Deutsch-Lothringens allein auf die Überlegungen Bismarcks zurückzuführen.

Auch Alexander Seyferth bestätigt in seiner Studie über die „Heimatfront“ im Deutsch-Französischen Krieg, dass die Forderung nach einer Angliederung des Elsasses und Deutsch-Lothringens „auf relativ breite Sympathien in der Bevölkerung stieß“.[39] Allerdings habe der Preis dafür nicht zu hoch sein dürfen. Doch immerhin konnten Bismarck und der Generalstab den Krieg noch mehrere Monate bis zum endgültigen Sieg über das französische Heer weiterführen, ohne dass es zu ernsthaften Widerständen in den deutschen Staaten kam. Der Preis konnte daher wohl doch höher sein, als Seyferth annimmt. Generell überwogen schließlich bei siegreich verlaufenden Kriegen fast immer die Stimmen, die vom Feind Entschädigungen verlangten. Eine Angliederung der beiden Provinzen war der Bevölkerung daher umso leichter zu vermitteln, als die deutschen Armeen an allen Frontabschnitten siegreich waren.

[...]


[1] Vgl. Schulz, Werner: Art. „Macklot“, in: NDB (15) 1987, S. 625 [Onlinefassung], URL: http://www.deutsche-biographie.de/sfz126733.html, zuletzt geprüft am 3.3.2016.

[2] Vgl. Schulz, Werner: Art. „Macklot, Johann Michael“, in: NDB (15) 1987, S. 625 [Onlinefassung], URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd123123798.html, zuletzt geprüft am 3.3.2016.

[3] Vgl. Müssle, Otto: 175 Jahre Macklot'sche Druckerei und Verlag, Karlsruhe 1932, S. 46.

[4] Vgl. Patzer, Georg: Kleine Geschichte der Stadt Karlsruhe, Karlsruhe 2004, S. 116.

[5] Brandt, Harm-Hinrich: Badens Beitrag zur Bismarck'schen Reichsgründung, in: Weinacht, Paul-Ludwig (Hg.): Baden - 200 Jahre Großherzogtum. Vom Fürstenstaat zur Demokratie, Berlin/Freiburg i. Br./Wien 2008, S. 163-186, hier S. 178.

[6] Vgl. Becker, Josef: Der badische Kulturkampf und die Problematik des Liberalismus, in: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hg.): Badische Geschichte. Vom Großherzogtum bis zur Gegenwart, Stuttgart 1979, S. 86-102, hier S. 87 f.

[7] Badische Landes-Zeitung, fortlaufend abgekürzt als BLZ vom 7.3.1871.

[8] Vgl. BLZ vom 10.3.1871.

[9] Ebd.

[10] Vgl. Wawro, Geoffrey: The Franco-Prussian War. The German Conquest of France in 1870-1871, Cambridge 2003 und Howard, Michael: The Franco-Prussian War. The German Invasion of France 1870-1871, 3. Aufl., London 1967.

[11] BLZ (wie Anm. 7).

[12] BLZ (wie Anm. 7).

[13] Vgl. BLZ vom 13.5.1871.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Vgl. ebd.

[18] Badischer Beobachter, fortlaufend abgekürzt als BB vom 3.3.1871.

[19] Vgl. BB (wie Anm. 18).

[20] BB vom 16.5.1871.

[21] Vgl. Milza, Pierre: „L' année terrible“. Vol. 2: La Commune, Paris 2009, S. 403 f.

[22] BB vom 16.5.1871.

[23] Vgl. Kühlich, Frank: Die deutschen Soldaten im Krieg von 1870/71. Eine Darstellung der Situation und der Erfahrungen der deutschen Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg (Europäische Hochschulschriften/Reihe III: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 672), Berlin/Bern/Frankfurt a. M. u.a. 1995, S. 156 f.

[24] Vgl. Mehrkens, Heidi: Statuswechsel. Kriegserfahrung und nationale Wahrnehmung im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 (Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte N.F. 21), Essen 2008, S. 251.

[25] Vgl. Kühlich (wie Anm. 23), S. 143 ff.

[26] Vgl. Ganghofer, Ludwig: Die Reise zur deutschen Front, Berlin/Wien 1915, Eintrag vom 24. Januar 1915.

[27] Vgl. Mehrkens (wie Anm. 24), S. 254.

[28] Krüger, Christine: Rezension von Seyferth, Alexander: Die Heimatfront 1870/71. Wirtschaft und Gesellschaft im deutsch-französischen Krieg, Paderborn 2007, in: H-Soz-Kult, 9.8.2007, URL: http://www.hsozkult.de/ publicationreview/id/rezbuecher-8412, zuletzt abgerufen am 3.3.2016.

[29] Vgl. Brandt (wie Anm. 5), S. 164.

[30] Engelberg, Ernst: Bismarck. Bd. 1: Urpreuße und Reichsgründer, Berlin 1985, S. 736.

[31] Vgl. Bußmann, Walter: Art. „Bismarck-Bohlen, Friedrich Theodor Alexander Graf von“, in: NDB 2 (1955) , S. 277 f. [Onlinefassung], URL: http://www.deutsche-biographie.de/ pnd116195657.html, zuletzt geprüft am 3.3.2016.

[32] Vgl. Stribrny, Wolfgang: Art. „Kühlwetter, Friedrich von“, in: NDB 13 (1982) , S. 190 f. [Onlinefassung], URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116587385.html, zuletzt geprüft am 3.3.2016.

[33] Vgl. Lipgens, Walter: Bismarck, die öffentliche Meinung und die Annexion von Elsaß und Lothringen 1870, in: HZ 199, Heft 1 (1964), S. 31-112.

[34] Vgl. Gall, Lothar: Zur Frage der Annexion von Elsaß und Lothringen 1870, in: HZ 206, Heft 2 (1968), S. 265-326, hier S. 278 f.

[35] Vgl. Schmidt, Adolf: Elsaß und Lothringen. Nachweis wie diese Provinzen dem deutschen Reiche verloren gingen, Leipzig 1859.

[36] Vgl. z.B. Arndt, Ernst Moritz: Der Rhein, Teutschlands Strom, aber nicht Teutschlands Gränze, Leipzig 1813 und Hoffmann von Fallersleben, Heinrich: Das Lied der Deutschen, Hamburg/Stuttgart 1841 sowie den Überblick bei Kolb, Eberhard: Der Weg aus dem Krieg. Bismarcks Politik im Krieg und die Friedensanbahnung 1870/71. Studienausgabe, München 1990, S. 124, Anm. 34 und 35.

[37] Vgl. Kolb (wie Anm. 36), S. 126.

[38] Ebd., S. 124.

[39] Seyferth, Alexander: Die Heimatfront 1870/71. Wirtschaft und Gesellschaft im deutsch-französischen Krieg (Krieg in der Geschichte 35), München/Paderborn/Wien u.a. 2007, S. 381.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Die Reaktionen auf das Kriegsende von 1871 in der Karlsruher Presse
Untertitel
Zwischen Siegesfreude, Elsassfrage und Mitgefühl für den geschlagenen Feind
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas)
Veranstaltung
Masterseminar: Kriege beenden. Friedensverträge der Neuzeit im Vergleich
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
37
Katalognummer
V436352
ISBN (eBook)
9783668767041
ISBN (Buch)
9783668767058
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frankfurter Friede 1871, Deutsch-Französischer Krieg, Deutsches Kaiserreich, Dritte Republik, Napoleon III., Elsaß-Lothringen, Presse, Karlsruhe, Badischer Beobachter, Badische Landes-Zeitung
Arbeit zitieren
Daniel Scholaster (Autor), 2016, Die Reaktionen auf das Kriegsende von 1871 in der Karlsruher Presse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436352

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