Die Schulfähigkeit im Lerncoaching


Submitted Assignment, 2017
9 Pages, Grade: 1,0

Excerpt

Lerncoaching: Schulfähigkeit

Lösungen zu den Aufgaben 1-5

zu Aufgabe 1

Vorstellung von drei wichtigen Kompetenzen, deren Förderung für einen gelungenen Einstieg in die Schule sinnvoll erscheinen, und Begründung

Im Rahmen eines Informationsabends für Eltern, die wissen möchten, welche Kompetenzen im Vorfeld erworben werden sollten, um ihrem Kind den Einstieg in das Schulleben zu erleichtern, würde ich die Kompetenzen „Sprache“, „Verständnis für Mengen und Zahlen“ und „emotionale Kompetenz“ auswählen und näher erläutern.

Ausgehend von den Erfahrungen, die die Eltern zu den einzelnen Kompetenzbereichen im Rahmen von Schulvoruntersuchungen etc. gemacht haben und welche Fragen ihnen auf dem Herzen liegen, würde ich zunächst den Kompetenzbereich „Sprache“ als besonders wichtig erachten und vorstellen, da einerseits Auffälligkeiten im Bereich der Sprachkompetenz bereits im Vorschulalter immer häufiger auftreten und durch eine frühzeitige Förderung behoben werden können, andererseits für den Schriftspracherwerb das Beherrschen der gesprochenen Sprache sowohl mundmotorisch, inhaltlich als auch grammatisch eine Grundvoraussetzung darstellt. Wichtig wäre mir, den Eltern den Unterschied zwischen mundmotorischen Sprechschwierigkeiten in Bezug auf die Artikulation (Dyslalie) und den Redefluss (Stottern, Poltern), sozusagen die „Mechanik des Sprachapparats“, sowie Sprachschwierigkeiten zu erläutern, die sich aufgrund von lexikalisch-semantischen Störungen auf den Inhalt oder aufgrund einer nicht altersgemäßen Anwendung von grammatischen Regeln (Dysgrammatismus) auf die Struktur des Geäußerten beziehen. Das Wissen um diese Sprachauffälligkeiten soll die Eltern dazu befähigen, Ansatzmöglichkeiten für z.B. alltägliche Förderungsmöglichkeiten zu erkennen (vgl. Nr. 2), wobei mir wichtig wäre zu erwähnen, dass eine genaue Diagnostik nur durch entsprechende Fachleute, wie z.B. Kinderärzte, Logopäden, Sprachtherapeuten o.a., durchzuführen ist, die nach speziellen Tests individuelle Fördermöglichkeiten anbieten. In Bezug auf die bevorstehende Einschulung sollte den Eltern letztlich vor Augen geführt werden, dass Sprache nicht nur zur Verständigung und für den Erwerb von Wissen in sämtlichen schulischen Bereichen basal ist, sondern auch allen andere Kompetenzbereiche davon profitieren, wenn ein Kind sich ausdrücken und vor allem auch Sprache verstehen kann.

Des Weiteren würde ich bei einem solchen Informationsabend den Kompetenzbereich „Verständnis für Mengen und Zahlen“ erläutern. Der Erwerb von mathematischen Vorläuferfähigkeiten im Vorschulalter erleichtert Kindern das Verständnis mathematischer Operationen im weiteren Verlauf ihrer Schullaufbahn und ist mit Blick auf die zentrale Bedeutung des Umgangs mit Zahlen im späteren alltäglichen Leben (Organisation, Einkaufen, Haushaltsführung, Steuern, handwerkliche Tätigkeiten etc.) von großer Bedeutung. Man unterscheidet dabei vier zentrale Vorläuferfähigkeiten, deren Förderung sich einfach in den Alltag integrieren lässt (Nr. 2) oder die häufig auch im Kindergarten durch entsprechende Spiele gefördert werden. Es handelt sich dabei erstens um die Einsicht darin, dass es größere und kleinere Zahlen gibt und dass man mit Hilfe von Ordinalzahlen Mengenvergleiche oder Reihenfolgen erstellen kann (z.B. mehr-weniger, als Zweiter). Darüber hinaus sollten Kinder im Vorschulalter schon über die Fähigkeiten verfügen, sich im Sinne von numerischen Basisfähigkeiten variabel im Zahlenraum 1-20 zu bewegen (vorwärts, rückwärts, mittendrin), kleinere Rechenoperationen selbstständig durchzuführen, indem sie z.B. Zahlen durch Addition und Subtraktion in Beziehung zueinander setzen (Teil-Ganzes-Beziehung), und bei einer kleinen Menge von Objekten auf einen Blick ohne explizites Zählen die Anzahl zu schätzen (Simultanerfassung).

Da Eltern mit dem Blick auf den baldigen Schuleinstieg vermehrt die Förderung von sprachlichen und allgemein kognitiven Kompetenzen als vorrangig empfinden und sich die Vorstellung der vorangegangenen Kompetenzbereiche daher stark an den Hauptfächern Mathematik und Deutsch orientiert hat, die emotionale Kompetenz gerade in dem oftmals als Zäsur empfundenen Übergang in die Schule aber nicht unterschätzt werden darf, würde ich meinen Vortrag mit einer Beschreibung der „Emotionalen Kompetenz“ beenden. Neben der zunehmenden Bedeutung sog. „Soft Skills“ für das spätere Berufsleben könnte dieser Aspekt den Eltern zunächst befremdlich erscheinen, da Schuleingangsuntersuchungen bis 1997 eher kognitiv geprägt waren, die Elternschaft selbst bei ihrer eigenen Einschulungsuntersuchung also keine Erfahrung in diesem Bereich sammeln konnte, bevor heutzutage ein ökologisch-systemischer Blick auf die Schulfähigkeit eines Kindes geworfen wird, der einerseits die individuellen Fähigkeiten und Lernvoraussetzungen, andererseits aber auch die Anforderungen und Lernbedingungen der Schule selbst in Betracht zieht. Hier sollte den Eltern die Bedeutung von Kompetenzen im Bereich der emotionalen Ausdrucksfähigkeit (Wahrnehmung und Benennung von sowie Kommunikation über die eigenen Gefühlen mit einer Bezugsperson, Strategien zur Regulierung eigener Emotionen und gezielter Einsatz dieser für die Kommunikation) sowie der emotionalen Eindrucksfähigkeit (Wahrnehmung von und angemessene Reaktion (Darbietungsregeln) auf Emotionen anderer, Wissen um emotionale Ausdrucksformen in Mimik, Körperhaltung und Sprechweise) für einen erfolgreichen Schulbesuch vermittelt werden. Gerade am Schulanfang ist es von zentraler Bedeutung, dass Kinder mit einer Bezugsperson über Ängste, Sorgen etc. sprechen können, also über emotionale Ausdrucksfähigkeit verfügen, aber auch die emotionale Eindrucksfähigkeit spielt in dieser Phase eine wichtige Rolle, etwa wenn es darum geht, im neuen Klassengefüge zurechtzukommen, Freundschaften zu schließen und angemessen auf das Verhalten von (noch unbekannten) Mitschüler/innen zu reagieren. In diesen Bereichen können Eltern für ihre Kinder eine wichtige Unterstützung sein, doch sollte hervorgehoben werden, dass z.B. bei der Entwicklung von Strategien zur Regulierung eigener Emotionen Kinder zunehmend eigenständig agieren sollten, wenn es z.B. darum geht, mit Wut, Ärger oder Frustration umzugehen, was beim Erlernen neuer Fähigkeiten im Sinne eines Lernen aus Fehlern in der Natur der Sache liegt.

Besonders wichtig erscheint mir abschließend auch, den Eltern zu vermitteln, dass ihr Kind nicht über all diese Kompetenzbereiche im besonderen Maß verfügen muss und der Vortrag nicht als eine Art Checkliste fungiert, sondern dass sie lediglich der groben Orientierung von Fördermöglichkeiten dienen und den Einstieg in das Schulleben, das die Kinder und Eltern vor verschiedenste alltägliche, emotionale und inhaltliche Herausforderungen stellen wird, erleichtern soll. Kinder entwickeln sich individuell verschieden und die Bereitstellung von Fördermöglichkeiten als Eltern ist löblich und begrüßenswert, allerdings sollte auf die Kinder kein Druck ausgeübt werden, um sie nicht zu überfordern, ihnen den Spaß an der Schule und ihrem neuen Lebensabschnitt zu nehmen.

zu Aufgabe 2

alltägliche Situationen oder Spielideen zum Üben der genannten Kompetenzbereiche

Alle genannten Kompetenzbereiche lassen sich problemlos im Alltag fördern, doch ist es wichtig, dabei darauf zu achten, dass es sich dabei um ein differenziertes, aber vor allem um ein natürliches Lernangebot handelt, dass sich unverkrampft an den Interessen des Kindes orientiert, weder Leistungsdruck noch –zwang zugrundlegt und ausreichend positiv gewürdigt werden sollte.

Der Kompetenzbereich „Sprache“ lässt sich vor allem durch das Sprechen an sich üben, wobei darauf zu achten ist, sich dabei nicht nur auf die Kommunikation (Produktion) an sich zu beschränken, sondern in das Übungsangebot auch Aufgaben einzubeziehen, die die Rezeption, also das Verstehen und Zuhören, sowie die Reflexion von Sprache, also das Bewusstsein für sprachliche Strukturen und Regeln, fördern. Eltern könnten beispielsweise bei einem Spaziergang mit ihrem Kind ein Sprachspiel spielen, deren Ziel es ist, anhand von drei Wörtern, die sie gemeinsam in der näheren Umgebung ihres Spaziergangs wahrnehmen, eine kleine Geschichte zu erfinden. Ein Elternteil könnte bspw. bei einem Spaziergang durch den Park die drei Wörter „See“, „Ente“ und „Kind“ nennen, woraufhin das Kind um diese Wörter herum eine kleine Geschichte (z.B.: Das Kind ist mit seiner Mutter einkaufen gegangen. Das Brot, das es gekauft hat, wollte es an Enten verfüttern. Da schönes Wetter war, ist die Mutter deshalb mit dem Kind in den Park gegangen.) erfinden soll, bevor anschließend getauscht wird. Auf diese Weise wird nicht nur das kausale Denken gefördert, sondern auch die Rezeption (durch das Zuhören der Begriffe, Regeln), die Produktion (durch das Erzählen) und die Reflexion (durch die Auswahl potentiell geeigneter Worte für den anderen, wenn dieser eine Geschichte erzählen muss). Ein solches Spiel bietet darüber hinaus auch die Gelegenheit für ein differenziertes Gespräch, z.B. durch weitergehende Fragen rund um die erfundene Geschichte, und lässt sich auch in Wartezeiten und ohne explizite Vorbereitung oder Materialien schnell umsetzen.

Der Kompetenzbereich „Verständnis für Mengen und Zahlen“ lässt sich ebenfalls gut in den Alltag integrieren und mit anderen Kompetenzbereichen verknüpfen, bspw. wenn es darum geht Gesellschaftsspiele mit der ganzen Familie zu spielen. Am einfachsten und ohne große Vorbereitung lässt sich aber bspw. der wöchentliche Einkauf im Supermarkt oder dem Wochenmarkt nutzen, um mit Vorschulkindern das Zählen zu üben und gleichzeitig die Selbstständigkeit zu fördern. So könnte man z.B. das Kind beauftragen, für jedes Familienmitglied einen Apfel zu kaufen und es abzählen lassen bzw. gemeinsam abzählen, wie viele Äpfel benötigt werden. Darüber hinaus kann das Spiel leicht erweitert werden, indem bspw. vier weitere Äpfel für einen Apfelkuchen benötigt werden etc. Auf diese Weise werden das Zählen sowie leichte Rechenoptionen geübt.

Der Kompetenzbereich „Emotionale Entwicklung“ lässt sich besonders gut durch Rollenspiele fördern und kann ebenfalls mit anderen Kompetenzbereichen vereint einfach bspw. beim allabendlichen Vorlesen geübt werden. Eltern können bspw. bei Büchern, in denen ein Charakter vor einer Herausforderung oder einer Veränderung steht (z.B. bekommt die Figur eine Brille und hat Angst, deshalb in der neuen Schule gehänselt zu werden) das Gespräch mit dem Kind suchen, wie sich die Figur fühlen mag, wie es sich selbst in dieser Lage fühlen würde, wie man die Figur trösten und unterstützen könnte etc. Dadurch, dass das Kind sich einerseits in die Figur hineinversetzt, andererseits aber auch seine Reaktion auf die Ängste der Figur schildert, werden emotionale Eindrucks- und Ausdrucksfähigkeit und Empathieempfinden geschult sowie je nach Erweiterung dieses Gesprächs auch Regulierungsstrategien etc.

zu Aufgabe 3

Flexible Schuleingangsphase

Die Einführung einer flexiblen Schuleingangsphase resultiert aus einem neuen, ganzheitlichen ökologisch-systemischen Blick auf die Schulfähigkeit des Kindes, der bei der Frage nach der Schulfähigkeit eines Kindes sowohl die individuellen kognitiven, körperlichen, motivationalen und sozialen Fähigkeiten und Lernvoraussetzungen als auch die schulinternen Anforderungen und Lernbedingungen der Schule selbst in den Blick nimmt, um statt der bisher angestrebten Selektion von schul- und schulunfähigen Kindern eine individualisierte Schulumgebung schafft, die es allen Kindern trotz individueller Defizite ermöglicht, adäquate Förderungsmaßnahmen im gemeinsamen Unterricht in Anspruch zu nehmen. Die dadurch entstehende Heterogenität der Lerngruppe bedarf einer geänderten schulischen Struktur, der flexiblen Schuleingangsphase, die seit den 1990ern in den ersten beiden Grundschuljahren erprobt wird. Um die Zurückstellung von bislang als schulunfähigen geltenden Kindern zu vermeiden, zeichnet sich dieses Modell dadurch aus, dass an der Schule zusätzlich Sozialpädagogen angestellt sind, um förderbedürftige Kinder ihrem Grad an Schulfähigkeit und ihren individuellen Lernvoraussetzungen entsprechend möglichst individualisiert zu fördern. Darüber hinaus findet der Unterricht jahrgangsübergreifend statt, sodass die Kinder der ersten und zweiten Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Besonders an diesem Modell ist die flexible, ebenfalls an individuellen Bedürfnissen angepasste Verweildauer, die regulär zwei Jahre beträgt, doch können einerseits besonders schnell lernende Kinder bereits nach einem Jahr in die Jahrgangsstufe 3 wechseln, andererseits aber langsam lernende Schüler/innen sie auch um ein Jahr verlängern, ohne dass dies auf die Schulbesuchszeit angerechnet wird.

zu Aufgabe 4

Die Einschulung als Zäsur im Leben eines Kindes

Die Einschulung eines Kindes stellt im Vergleich zum Besuch des Kindergartens eine wesentliche Zäsur im Leben des Kindes dar und kann aufgrund der nachhaltigen und vielfältigen Veränderungen im Leben eines Kindes als Entwicklungsaufgabe bezeichnet werden, mit der das Kind durch diesen Übergang konfrontiert wird und deren Gelingen oder Scheitern einen gravierenden Einfluss auf den weiteren Verlauf der Schulzeit hat, was das Selbstkonzept, die Leistungen, die Leistungshaltungen und Emotionen betrifft und daher der Unterstützung seitens des Kindergartens, der Grundschule und der Eltern bedarf. Es ist nicht nur durch Studien belegt, dass sich schwache Leistungen, die soziale Rolle im Klassengefüge und ein negatives Selbstbild in den ersten Schuljahren auch im weiteren schulischen Verlauf manifestieren, auch die Rahmenbedingungen des Alltags verändern sich für die Familie ab dem Eintritt in die Schule gravierend. Während der Besuch eines Kindergartens für Eltern nicht verpflichtend ist und individuell gehandhabt werden kann, greift ab einem bestimmten Alter die gesetzliche Schulpflicht, deren Nichteinhaltung strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht. Nur in Ausnahmefällen und mit einer entsprechenden Genehmigung sind Kinder in Deutschland von der Schulpflicht befreit. Dies hat wiederum auch Einfluss auf das Zeitmanagement und den Rhythmus der Familie, denn die Schulpflicht beinhaltet auch verbindliche Unterrichts- und Ferienzeiten, mit denen sich jede Familie eines schulpflichtigen Kindes arrangieren muss, was gerade bei der Urlaubsplanung oder Betreuungssituation vor und nach der Schule bei berufstätigen Eltern z.B. im Schichtdienst mit erheblichem Organisationsaufwand verbunden sein kann. Auch für das Kind selbst bedeutet dies eine tiefgreifende Veränderung, denn während es im Kindergarten selbst entscheiden konnte, wann es etwas essen oder zur Toilette gehen kann, ist dies nun fremdbestimmt durch festgelegte Pausenzeiten und Schulregeln. Dies betrifft auch den weiteren Verlauf des Tages nach der Schule und auch das pünktliche Einhalten der Nachtruhe, denn mit Eintritt in die Schule werden von den Kindern zunehmend Eigenständigkeit und Selbstorganisation erwartet, gerade was Pünktlichkeit und das Erledigen von Hausaufgaben angeht.

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Excerpt out of 9 pages

Details

Title
Die Schulfähigkeit im Lerncoaching
College
University of Applied Sciences Hamburg
Grade
1,0
Author
Year
2017
Pages
9
Catalog Number
V436425
ISBN (eBook)
9783668769410
File size
472 KB
Language
German
Tags
Schulfähigkeit, PISA, Schuluntersuchung, Eingangsuntersuchung, Lerntherapie, Lernstörungen, Lerncoaching, Grundschule, Kindergarten
Quote paper
Anna Kuhlmann (Author), 2017, Die Schulfähigkeit im Lerncoaching, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436425

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