Die Persönlichkeit und das Frauenbild von König Heinrich VIII.


Facharbeit (Schule), 2010

16 Seiten, Note: 2,0

Nina Kelli (Autor:in)


Leseprobe


1. Einleitung:

In meiner Facharbeit beschäftige ich mich mit der Persönlichkeit und dem Frauenbild des englischen Königs Heinrich VIII.

Nicht erst seit der Studienfahrt nach London bin ich ein großer England-Fan. Daneben interessiere ich mich auch sehr für historische Themen. Was lag da also näher, als für meine Facharbeit beide Interessengebiete miteinander zu verbinden?

Auslöser für meine Themenwahl war wohl die seit dem Sommer auf Arte ausgestrahlte amerikanische Fernsehserie 'Die Tudors' von Michael Hirst aus den Jahren 2007-2010, die das Leben Heinrichs VIII. darstellt. Daneben habe ich mehrere Bücher gelesen, die sich mit der Tudor-Zeit im Allgemeinen und den sechs Ehen des Königs beschäftigen. Das Internet und das Magazin für Geschichte 'P.M. History' lieferten mir weitere Informationen.

Ich versuche herauszufinden, ob das Frauenbild König Heinrichs VIII. Dem allgemeinen Frauenbild der damaligen Zeit entsprach und ob sein Verhältnis zu Frauen als frauenfeindlich anzusehen ist. Um diese Frage beantworten zu können, befasse ich mich mit der Veränderung von Heinrichs Persönlichkeit und Wesen im Laufe seines Lebens. Außerdem stelle ich die sechs Ehefrauen vor und betrachte hierbei dasjeweilige persönliche Verhältnis zwischen ihnen und Heinrich.

2. Heinrich VIII.

2.1. Familie und Abstammung:

Die Familie Tudor war ein walisisches Adelsgeschlecht, das von 1485 bis 1603 auf dem englischen Königsthron regierte.

Der Vater Heinrichs, König Heinrich VII., war der erste König der Tudor-Dynastie. In der Schlacht von Bosworth Field besiegte er als Oberhaupt der Partei des Hauses Lancaster 1485 den letzten König des Hauses York, Richard III.

1486 heiratete er Elisabeth, die Tochter des verstorbenen Königs Edward IV.

Das Königspaar hatte sieben Kinder. Heinrich VIII. war ihr Zweitältester Sohn. Er wurde im Jahr 1502 offizieller Thronfolger, nachdem sein älterer Bruder Arthur starb und seine ältere Schwester als Mädchen in der Thronfolge unberücksichtigt blieb. Heinrich VIII. wurde nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1509 zum König gekrönt.

2.2. Seine Person:

Heinrich wurde am 28. Juni 1491 als drittes von sieben Kindern des englischen Tudor- Königs Heinrich VII. in Greenwich bei London geboren, dem er nach dessen Tod auf den englischen Thron nachfolgte.

Der junge König galt als sehr gebildet und den angenehmen Seiten des Lebens zugetan. Er sprach mehre Sprachen, spielte mehrere Musikinstrumente und war ein sehr guter Reiter, Jäger, Tennisspieler und Fechter. Außerdem war er sehr religiös. Intellektuelle und Regierende in Europa versprachen sich von seiner Regentschaft einen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung für England und ganz Europa. Ihre Erwartungen wurden in den folgenden Jahren aber enttäuscht, als sich Heinrich immer weniger um das Wohl des Landes kümmerte und hauptsächlich nur noch damit beschäftigt war, die geeignete Frau zu finden, die ihm den ersehnten Thronfolger schenken würde.

Da zur damaligen Zeit nur männliche Nachkommen Zugang zur Thronfolge hatten, ging er immer eine neue Ehe ein, sobald er sich sicher zu sein glaubte, dass ihm seine jeweilige Ehefrau keinen Sohn würde gebären können.

Die ständige Sorge um den eigenen Machterhalt, die Auseinandersetzungen mit dem Papst und den europäischen Monarchen, aber auch die fortwährenden Intrigen am Hof und sein ausschweifender Lebensstil forderten ihren Tribut. Heinrich wurde zu einem alten, schwerkranken und übergewichtigen Herrscher, der durch jähzornige und unbeherrschte Ausbrüche seine Umwelt gegen sich aufbrachte.

Aus historischer Sicht bedeutsam war Heinrichs Bruch mit dem Papst, weil dieser sich weigerte, Heinrichs Ehe mit Katharina von Aragon für nichtig zu erklären. 1534 proklamierte er sich selbst zum Oberhaupt der neuen anglikanischen Kirche von England. Auf diesen Aspekt seines Lebens werde ich im nächsten Teil der Arbeit noch näher eingehen.

Heinrich VIII. starb nach langer Krankheit am 28. Januar 1547 in London.

2.3. Seine politische Bedeutung:

Während seiner Regentschaft versuchte Heinrich VIII. durch mehrere Feldzüge die zuvor verlorenen englischen Festlandsgebiete auf dem europäischen Kontinent zurück zu erobern, was ihm allerdings nicht gelang. Besonders die Schlacht in Frankreich verlief letztendlich erfolglos.

Von den Feldzügen abgesehen war Heinrich kaum an politischen Vorgängen interessiert. Die wesentlichen innenpolitischen Entscheidungen überließ er seinem engsten Berater Kardinal Thomas Wolsey. Heinrichs Hauptaugenmerk galt dem Machterhalt für seine Dynastie, wodurch die Frage nach der Thronfolge und der Ehe des Königs besondere Bedeutung erlangte.

Im Laufe von Heinrichs Regierungszeit wuchs die Unzufriedenheit des Volkes mit der katholischen Kirche. Gründe dafür waren zum Beispiel eine unzureichende Seelsorge und die Geldgier zahlreicher Kirchenvertreter. Ihren Höhepunkt erreichten die kirchenkritischen Äußerungen 1529, als Londoner Kaufleute und Juristen ihren Unmut an der Kirche sogar in einem förmlichen Parlamentsbeschluss zum Ausdruck brachten.

1530 klagte Heinrich VIII. alle englischen Geistlichen wegen angeblicher Zuwiderhandlungen gegen das Kirchenrecht an. Überdies stellte er Überlegungen an, dass er als weltlicher Herrscher in England eigentlich auch als Oberhaupt der englischen Kirche zu gelten habe.

Aber nicht allein die öffentliche Kritik an der Kirche war Anlass für Heinrichs Vorgehen, sondern er wollte damit auch eine persönliche Rechnung begleichen:

Heinrichs Ehefrau Katharina von Aragon hatte bis dahin keinen männlichen Nachkommen zur Welt gebracht und würde wegen ihres fortgeschrittenen Alters von über 40 Jahren wohl auch nicht mehr schwanger werden. Dies war für Heinrich ein Grund, die Ehe beenden zu wollen. Eine Scheidung war nach katholischem Recht aber unmöglich. In den Schriften der Bibel glaubte er eine Lösung seines Problems gefunden zu haben. Danach war eine Ehe mit der Witwe des eigenen Bruders von vornherein ungültig. Katharina war jedoch bis zu dessen Tod mit Heinrichs älterem Bruder verheiratet. Heinrich ersuchte deshalb den Papst, die Ehe mit Katharina für ungültig zu erklären. Dies lehnte der Papst mit Hinweisen auf das Kirchenrecht ab.

Im Jahr 1534 kam es zum endgültigen Bruch mit der katholischen Kirche. Der König ließ sich vom Parlament die sogenannte Suprematsakte absegnen, eine Verfügung, nach der der englische König kraft seines Amtes zugleich auf Lebenszeit zum Oberhaupt der englischen Kirche erklärt wurde.

Nach dem Bruch mit Rom wechselte Heinrich aber nicht auf die Seite der Protestanten. Er setzte die anglikanische Kirche als englische Staatskirche ein, besiegelte damit die Abspaltung der englischen Kirche von der römisch-katholischen Kirche, bekämpfte gleichzeitig aber auch die protestantischen Umtriebe, die unter dem Eindruck der zeitgleich in Deutschland stattfindenden Reformation nach England übergegriffen hatten.

In den folgenden Jahren gab es weitgehende Änderungen der bisherigen Kirchenlehre, die zu massivem Widerstand vieler Geistlicher führten. Zahlreiche Mönchsorden lehnten die anglikanische Kirche ab und warfen dem König vor, seine Geliebte Anne Boleyn geheiratet zu haben, ohnejemals von Katharina von Aragon offiziell geschieden worden zu sein.

Heinrich ließ eine Vielzahl von Orden gewaltsam auflösen; die Ländereien und Besitztümer der Kirche fielen der Krone zu. Aber nicht nur die Ordensgeistlichen protestierten gegen die neue Ordnung, auch viele Priester und Bischöfe, unter ihnen auch der Theologe und königliche Kanzler Thomas More (lat. Thomas Morus), lehnten den Eid auf das Supremat, also die Anerkennung des Königs als Kirchenoberhaupt ab.

1536 bildete sich sogar ein bewaffneter Pilgerzug, der gegen den König aufbegehrte. Heinrich täuschte Verhandlungsbereitschaft vor, sodass sich der Protestmarsch der Pilger auflöste, ließ aber stattdessen die Teilnehmer vor Gericht stellen und hinrichten.

3. Die Frauen Heinrichs VIII.

3.1. Katharinavon Aragon (1485-1536):

Heinrichs Vater wollte seinen Sohn mit Katharina von Aragon verheiraten, der Tochter des spanischen Königs Ferdinand, um so das Bündnis Englands mit Spanien zu sichern. Katharina war allerdings die Witwe von Heinrichs älterem Bruder Arthur. Da das geltende Kirchenrecht die Eheschließung mit der Witwe des Bruders nicht erlaubte, ließ sich Heinrich VII. von Katharina bezeugen, dass die Ehe mit Arthur nur auf dem Papier bestanden habe und tatsächlich nie vollzogen wurde, Katharina also noch jungfräulich in die Ehe mit Heinrich VIII. gehen würde.

Heinrich nahm Katharina zur Frau und erfüllte damit den letzten Willen seines am 21. April 1509 verstorbenen Vaters.

Katharina war als Königin von England und als Fürstin von Wales beim Volk sehr angesehen und das Königspaar erfreute sich in der englischen Gesellschaft großer Beliebtheit. Nach einer Totgeburt im Jahr 1510 gebar Katharina am Neujahrstag 1511 einen Sohn, der aber nach wenigen Wochen starb. Es folgte eine weitere Totgeburt und dann wiederum die Geburt eines Sohnes, der ebenfalls früh starb.

Im Februar 1516 brachte Katharina im Palast von Greenwich ihre Tochter Mary zur Welt, die später als Maria I. Königin von England werden sollte. 1518 folgte eine erneute Fehlgeburt.

Heinrich fürchtete, dass seine Ehe ohne einen männliche Thronfolger eine göttliche Strafe für die Heirat mit der Witwe seines Bruders sei. Er war überzeugt, dafür in der Bibel eine Bestätigung gefunden zu haben, wonach der Mann, der die Witwe seines Bruders zur Frau nimmt, kinderlos bleibt (3. Mose / Leviticus 20, 21)

Um 1517 kam mit Elizabeth Blount eine neue Hofdame an den Königshof. Sie wurde Heinrichs Geliebte und brachte im Juni 1519 einen Jungen, Henry Fitzroy, zur Welt, der allerdings keinen Anspruch auf den Thron hatte.

Einige Jahre später ging Heinrich eine Beziehung mit Anne Boleyn, einer weiteren Hofdame, ein. 1533 vollzog er auch die tatsächliche Trennung von Katharina, die er des Hofes verwies und in ein abgelegenes Landgut verbannte, wobei er ihrjeden Kontakt zu sich und der gemeinsamen Tochter Mary verbot.

Katharina von Aragon starb im Januar 1536.

3.2. Anne Boleyn (1507-1536):

Heinrich begann 1520 eine Affäre mit Mary Boleyn. Diese Liebschaft beendete er allerdings ein paar Jahre später, weil er sich in ihre Schwester Anne verliebte und diese zu seiner Mätresse nahm.

Anne war aber nicht daran interessiert, lediglich die heimliche Geliebte des Königs zu werden, sondern strebte vielmehr danach, selbst einmal zur Königin gekrönt zu werden. Heinrich warb sehr intensiv um Annes Gunst und war bereit, sie zur Frau zu nehmen.

1531 stellte er sie der Bevölkerung bereits als neue Königin vor. Zu diesem Zeitpunkt stand aber offiziell noch Katharina von Aragon als Königin an seiner Seite. Wie bereits erwähnt kam eine Scheidung nach kirchlichem Recht nicht infrage. Heinrich versuchte deshalb den Papst zur Annullierung der Ehe mit Katharina zu bewegen, was dieser - auch aus politischer Rücksicht auf Frankreich und und Kaiser Karl V., dem Neffen Katharinas - ablehnte. Heinrich VIII. nahm Anne Boleyn am 25. Januar 1533 gegen den Protest der Kirche und trotz gültiger erster Ehe dennoch zur Frau. Zwei Monate später später ließ er die Ehe durch das Parlament für gültig erklären.

Am 7. September 1533 brachte Anne ihre erste Tochter, Elizabeth, zur Welt, die später erste Königin von England wurde. Maria, die Tochter aus der Ehe mit Katharina, wurde für unehelich erklärt und verlor - bis zum Widerruf dieser Erklärung - vorübergehend ihren Thronanspruch.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Persönlichkeit und das Frauenbild von König Heinrich VIII.
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V436428
ISBN (eBook)
9783668783508
ISBN (Buch)
9783668783515
Sprache
Deutsch
Schlagworte
persönlichkeit, frauenbild, könig, heinrich, viii
Arbeit zitieren
Nina Kelli (Autor:in), 2010, Die Persönlichkeit und das Frauenbild von König Heinrich VIII., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436428

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