Auf der Iberischen Halbinsel gibt es mehrere Sprachzonen, die auch über die politische Grenze hinausgehen können. Im Gegensatz zu Mehrheitssprachen werden Minderheitensprachen selten in formellen Situationen verwendet. Die wichtigsten Minderheitensprachen auf der Iberischen Halbinsel sind das Galicische beziehungsweise Galegische, das Katalanische und das Baskische, die jeweils kooffiziell sind. Es gibt noch weitere „kleinere“ Minderheitensprachen mit einer geringen Sprecherzahl.
In dieser Arbeit sollen die Minderheitensprachen an der spanisch-portugiesischen Grenze untersucht werden. Der Fokus liegt auf Galicien, einer Autonomen Gemeinschaft in Spanien, und auf der Terra de Miranda, eine nordöstliche Sprachkontaktzone Portugals. Das Galicische entwickelte sich aus dem Galicisch-Portugiesischen, das Mirandesische aus dem Asturianisch-Leonesischen. Sowohl das Galicische als auch das Mirandesische sind seit Ende des 20. Jahrhunderts als regionale Amtssprachen anerkannt und sind kooffiziell.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Galicisch
2.1 Sprachgebiet
2.2 Sprachgeschichte
2.3 Sprache oder Dialekt?
2.4 Sprecherzahlen und Sprachverhalten
3. Mirandesisch
3.1 Sprachgebiet
3.2 Sprachgeschichte
3.3 Sprache oder Dialekt?
3.4 Sprecherzahlen und Sprachverhalten
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Minderheitensprachen Galicisch und Mirandesisch an der spanisch-portugiesischen Grenze mit dem Ziel, deren geographische Situierung, geschichtliche Entwicklung und aktuelle soziolinguistische Situation zu analysieren.
- Geographische Verortung der Sprachregionen
- Historische Entwicklung der Minderheitensprachen
- Klassifizierung: Dialekt oder eigenständige Sprache
- Analyse des aktuellen Sprachverhaltens und der Sprecherkompetenz
- Zukunftsperspektiven und Bedrohungsszenarien im Kontext der Globalisierung
Auszug aus dem Buch
2.3 Sprache oder Dialekt?
In der Iberoromania gibt es verschiedene regionale Varietäten, die als Dialekte bezeichnet werden. Das Spanische (español) stammt von dem kastilischen Dialekt (dialecto castellano) ab. Historisch gesehen zählen auch das Asturisch-Leonesische (astur-leonés), das Aragonesische (aragonés) und das Galicische (gallego, galic. galego) zu den Dialekten. Anfangs war das Galicische ein nordwestlicher Dialekt der Iberischen Halbinsel, der in Folge der Reconquista, die etwa 722 begann und 1492 endete, Richtung Süden expandierte. Das Mozarabische hatte ebenfalls großen Einfluss auf diese Sprache, sodass sich das Galicische zum Portugiesischen entwickelte. Wie bereits erwähnt, wurde es später kastilisiert. Nun stellt sich die Frage, ob das Galicische als ein spanischer Dialekt oder eine Minderheitensprache der Romania klassifiziert wird. Linguistisch gesehen ist das Galicische weder ein spanischer noch ein portugiesischer Dialekt. Genauer gesagt „[...] ist das Port. eine historische Form des Galicischen.“ (vgl. Dietrich/Geckeler, 2007: 31, 40f.)
Friedrich Diez (1836-43 / 1882: 91) bezeichnet das Galicische und das Portugiesische als „[...] eine und dieselbe Sprache.“ Bei Iordan/Manoliu wurde das Galicische zu einer der fünf Dialektformen des Portugiesischen zugeordnet (vgl. Luyken, 1994: 147).
Das Galicische und das Portugiesische haben einen gemeinsamen Ursprung und somit eine enge Verbindung. Es ist schwierig das Galicische eindeutig zu klassifizieren, da die Entwicklung komplexer verlaufen ist, als bei den anderen regionalen Varietäten. Heute wird das Galicische in Galicien als eigenständige romanische Sprache angesehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Minderheitensprachen an der spanisch-portugiesischen Grenze ein und definiert den Fokus auf Galicien sowie die Terra de Miranda.
2. Galicisch: Dieses Kapitel behandelt die sprachliche Einordnung, historische Entwicklung und das aktuelle Sprachverhalten des Galicischen als Minderheitensprache.
2.1 Sprachgebiet: Hier wird die geographische Verbreitung des Galicischen in der Autonomen Gemeinschaft Galicien sowie in angrenzenden Regionen beschrieben.
2.2 Sprachgeschichte: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von einer Literatursprache bis hin zur modernen Sprachplanung und den Phasen der Normierung nach.
2.3 Sprache oder Dialekt?: Diese Sektion setzt sich mit der linguistischen Klassifizierung des Galicischen im Spannungsfeld zwischen Spanisch, Portugiesisch und eigenständiger Varietät auseinander.
2.4 Sprecherzahlen und Sprachverhalten: Hier werden Daten zur Zweisprachigkeit und dem Sprachgebrauch der galicischen Bevölkerung in informellen und formellen Situationen analysiert.
3. Mirandesisch: Das Kapitel stellt das Mirandesische als asturisch-leonesische Varietät im portugiesischen Grenzgebiet vor.
3.1 Sprachgebiet: Der Abschnitt erläutert die isolierte Lage des Mirandesischen in der Region Trás-os-Montes.
3.2 Sprachgeschichte: Es wird die historische Entstehung und der Erhalt der Sprache trotz politischer und demographischer Einflüsse seit dem Mittelalter dargelegt.
3.3 Sprache oder Dialekt?: Diese Untersuchung betrachtet den Status des Mirandesischen zwischen der Einstufung als Dialekt und als eigenständige Minderheitensprache.
3.4 Sprecherzahlen und Sprachverhalten: Hier werden aktuelle soziolinguistische Daten und die zunehmende Verdrängung des Mirandesischen im privaten wie öffentlichen Gebrauch diskutiert.
4. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse über beide Minderheitensprachen zusammen und bewertet deren Zukunftsaussichten hinsichtlich der Bedrohung durch dominierende Nationalsprachen.
Schlüsselwörter
Galicisch, Mirandesisch, Iberoromania, Minderheitensprachen, Sprachkontakt, Sprachgeschichte, Soziolinguistik, Dialekt, Sprachplanung, Zweisprachigkeit, Terra de Miranda, Galicien, Sprachverhalten, Sprachwandel, Romanische Sprachen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die soziolinguistische Situation und die historische Entwicklung der zwei Minderheitensprachen Galicisch und Mirandesisch in den Grenzgebieten zwischen Spanien und Portugal.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die geographische Verbreitung, die historische Evolution der Sprachen, deren linguistische Einordnung sowie die Analyse des Sprachverhaltens der Sprechergemeinschaften.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Status dieser Minderheitensprachen zu klären und zu analysieren, wie sich Faktoren wie Urbanisierung, Bildungsniveau und Globalisierung auf den Erhalt dieser Sprachen auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Methode, basierend auf der Auswertung bestehender Fachliteratur, linguistischer Studien und statistischer Daten zu Sprecherzahlen und Sprachkompetenz.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Blöcke, die jeweils die geographische Einordnung, die historische Genese, die Klassifizierung als Sprache oder Dialekt sowie das aktuelle Sprachverhalten für das Galicische und das Mirandesische detailliert behandeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Minderheitensprachen, Sprachkontakt, Romanische Philologie, Sprachgeschichte, Soziolinguistik und Sprachbewahrung charakterisieren.
Inwiefern beeinflusst das Bildungsniveau den Erhalt der Sprachen?
Wie im Dokument dargestellt, korreliert ein niedrigeres Bildungsniveau in bestimmten ländlichen Gebieten oft mit einer besseren Beherrschung der jeweiligen Minderheitensprache, da diese dort noch fester im Alltag verankert ist.
Welche Rolle spielt das sogenannte Code-switching in diesen Regionen?
Das Code-switching beschreibt das unbewusste oder bewusste Wechseln zwischen der Minderheitensprache und der dominanten Nationalsprache (Spanisch oder Portugiesisch) innerhalb einer Konversation, was als Indikator für den Sprachwandel dient.
Ist das Mirandesische aktuell vom Aussterben bedroht?
Ja, das Mirandesische wird laut Dokument als eine der am stärksten bedrohten Minderheitensprachen Europas eingestuft, insbesondere aufgrund der zunehmenden Verdrängung durch das Portugiesische im Alltag.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2017, Minderheitensprachen auf der Iberischen Halbinsel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436518