Minderheitensprachen auf der Iberischen Halbinsel

Kontrastive Untersuchung des Galicischen und Mirandesischen


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Galicisch
2.1 Sprachgebiet
2.2 Sprachgeschichte
2.3 Sprache oder Dialekt?
2.4 Sprecherzahlen und Sprachverhalten

3. Mirandesisch
3.1 Sprachgebiet
3.2 Sprache oder Dialekt?
3.3 Sprecherzahlen und Sprachverhalten

4. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Auf der Iberischen Halbinsel gibt es mehrere Sprachzonen, die auch über die politische Grenze hinausgehen können. Im Gegensatz zu Mehrheitssprachen werden Minderheitensprachen selten in formellen Situationen verwendet. Die wichtigsten Minderheitensprachen auf der Iberischen Halbinsel sind das Galicische bzw. Galegische, das Katalanische und das Baskische, die jeweils kooffiziell sind. Es gibt noch weitere „kleinere“ Minderheitensprachen mit einer geringen Sprecherzahl.

In der vorliegenden Arbeit sollen die Minderheitensprachen an der spanisch-portugiesischen Grenze untersucht werden. Der Fokus liegt auf Galicien, einer Autonomen Gemeinschaft in Spanien, und auf der Terra de Miranda, eine nordöstliche Sprachkontaktzone Portugals. Das Galicische entwickelte sich aus dem Galicisch-Portugiesischen, das Mirandesische aus dem Asturianisch-Leonesischen. Sowohl das Galicische als auch das Mirandesische sind seit Ende des 20. Jahrhunderts als regionale Amtssprachen anerkannt und sind kooffiziell.

Zunächst wird die geographische Situierung und die Geschichte der jeweiligen Sprachvarietäten dargestellt, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Darüber hinaus werden die Faktoren für den Spracherhalt beschrieben. Hierfür gibt es geographische, soziale, kulturelle und ökonomische Gründe. Des Weiteren werden beide Varietäten sprachlich klassifiziert. Handelt es sich um Dialekte oder um eigenständige Sprachen? Dabei wird auch auf die Sprecherzahl und die Sprachkompetenz der Bewohner in den Minderheitenregionen eingegangen. Wie gut sind die Kenntnisse in der ersten und zweiten (und dritten) Sprache? Auch das Sprachverhalten der beiden Sprechergruppen wird untersucht.

Abschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Galicischen und Mirandesischen aufgezeigt. Zuletzt stellt sich die Frage: Welche Zukunft haben beide Sprachvarietäten? Werden sie irgendwann ganz vom Kastilischen bzw. Portugiesischen verdrängt?

2. Galicisch

Das Galicische bzw. Galegische ist eine romanische Sprache, die aus dem Lateinischen hervorgegangen ist. Im Galicischen werden drei Varietäten unterschieden: eine östliche, eine zentrale und eine westliche Varietät. Diese Sprachvarietäten konnten sich trotz der Abhängigkeit Galiciens vom Königreich León entwickeln (vgl. Lindenbauer/Metzeltin/Thir, 1995: 107). Das Galicische weist typische Merkmale einer Minderheitensprache auf, ist jedoch ursprünglich ein nordwestlicher Dialekt der Iberischen Halbinsel gewesen. Das Mozarabische hatte großen Einfluss auf das Galicische, das sich dann zum Portugiesischen entwickelte. Zudem wurde es später teilweise kastilisiert, sodass es eine enge Verwandtschaft sowohl zum Portugiesischen als auch zum Kastilischen aufweist (vgl. Dietrich/Geckeler, 2007: 40).

2.1 Sprachgebiet

Galicisch wird im Nordwesten der Iberischen Halbinsel gelegenen Autonomen Gemeinschaft Galicien gesprochen. Die Region Galicien gliedert sich in die vier Provinzen A Coruña, Pontevedra, Ourense und Lugo. Die Einwohnerzahl Galiciens liegt bei etwa 2,8 Millionen. In den westlich gelegenen angrenzenden Regionen Asturien, León und Zamora ist das Galicische ebenfalls verbreitet (vgl. Herrmann, 1990: 17). Die sogenannte galicische Franja bezeichnet das galicischsprachige Gebiet, das außerhalb Galiciens gesprochen wird, das auch die drei Sprachinseln an der Grenze zu Portugal umfassen: bei Eljas und Valverde del Fresno, in den Provinzen Salamanca und Cáceres; bei Ferreira de Alcántara in der Provinz Cáceres und bei Olivenza in der Provinz Badajoz. Etwa 70.000 bis 90.000 Einwohner leben in diesen Gebieten (vgl. Artur Quintana, zitiert nach Herrmann/Schönberger, 1991: 47). Es gibt etwa 3,2 Millionen Sprecher des Galicischen (vgl. Dietrich/Geckeler, 2007: 28). Das Galicische hat seit 1982 einen kooffiziellen Status neben dem Kastilischen (vgl. Gabriel/Meisenburg: 2014: 59).

2.2 Sprachgeschichte

Seit dem 13. Jahrhundert ist das Galicische eine Literatursprache. Die Liebeslyrik und die Mariendichtung entwickelt sich zwischen dem Ende des 12. Jahrhunderts und dem 14. Jahrhundert. Dazu gehören die Cancioneiros der Trobadorlyrik. Daraufhin werden kastilische Texte zu wichtigen Themen übersetzt (z.B. die Bibel, der Trojanische Krieg), gleichzeitig wird das Galicische kastilisiert. Die Region Galicien verliert seine politische Unabhängigkeit an Kastilien. Im 14. Jahrhundert die Unterdrückung des Galicischen unter Heinrich II., da das Kastilische immer mehr an Bedeutung gewinnt. Mit der Zeit wird das Spanische als Dachsprache eingeführt. Zunächst bleibt das Galicische nur auf die mündliche Kommunikation beschränkt. Somit erhält es wieder den Status eines Dialekts und ist keine Kultursprache mehr. Auch im Bildungswesen wird nur noch das Kastilische verwendet. Im 18. Jahrhundert erhält das Galicische wieder größere Bedeutung, sodass die Sprache in Schule und Verwaltung eingesetzt wird. Aufgrund des literarischen Werkes von Rosalía de Castro, Eduardo Pondal und Curros Enriquez erfolgt die Renaissance der galegischen Literatur im 19. Jahrhundert. Damit beginnt die Epoche des Rexurdimento (gal. rexurdir ‚wiedersprießen’), woraus sich eine nationale galicische Literatur herausbildet. Darüber hinaus entsteht die erste Grammatik (Compendio de gramática gallega-castellana von Francisco Mirás, 1864) und das erste Wörterbuch (Diccionario gallego-castellano von Francisco Javier Rodríguez, 1863). 1906 wird die Real Academia Gallega gegründet. Eine weitere wichtige Institution ist das Instituto da Lingua Galega, die seit 1971 in Santiago de Compostela besteht. Die Akademie und das Institut schützen und fördern die galicische Sprache. Des Weiteren werden die Normen des Galicischen konzipiert. Diese werden unter dem Titel Normas ortográficas e morfolóxicas do idioma galego veröffentlicht. Im Autonomiestatut von 1981 (Lindenbauer/Metzeltin/Thir, 1995: 108) heißt es: La lengua propia de Galicia es el gallego“ und „Los idiomas gallego y castellano son oficiales en Galicia“ (vgl. Herrmann/Schönberger, 1991: 9f.; Lindenbauer/Metzeltin/Thir, 1995: 107 f.).

Es stellt sich die Frage, warum die galicische Sprache bis heute überlebt hat. Laut Heinze de Lorenzo (Herrmann/Schönberger, 1991: 10) gibt es drei entscheidende Faktoren: Aufgrund

„1. der ländlichen Struktur der Region,
2. dem hohen Grad an Analpabetentum [ sic ] und

3. dem unzulänglichen Bildungssystem“.

Letztendlich kann sich das Galicische aus dem Sprachverband Galego-Português trennen und sich selbständig weiterentwickeln. Aufgrund der politischen Entwicklung erfolgt die Aufspaltung von Galego und Português. Jedoch ist es schwer den genauen Zeitpunkt für die Loslösung von dem Sprachverband Galego-Português zu nennen (vgl. Herrmann, 1990: 90, 83). Während sich das Portugiesische durch das Mozarabische verändert, bleibt das Galicische, das nördlich des Flusses Minho gesprochen wird, weiterhin bestehen, da es zu Kastilien gehört. Die sprachliche Trennung von Galicisch und Portugiesisch ereignet sich etwa im 14./15. Jahrhundert (vgl. Luyken, 1994: 125).

Ursula Esser (1990: 22) teilt die sprachliche Entwicklung des Galicischen in vier Phasen ein:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Galicische erlebte in ihrer Sprachentwicklung viele Höhen und Tiefen. Es erlebte im Mittelalter eine Blütezeit der Lyrik, wurde aber dann vom Kastilischen verdrängt. Dennoch konnte sich das Galicische unabhängig zu einer Sprache entwickeln, die bis heute von etwa 3,2 Millionen Menschen gesprochen wird. Galicien liegt relativ isoliert und der Bildungsgrad ist eher niedrig. Dies begünstigte den Erhalt der Sprache. Wie die heutige sprachliche Situation der galicischen Sprache aussieht, wird in den folgenden Kapiteln analysiert.

[...]

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Details

Titel
Minderheitensprachen auf der Iberischen Halbinsel
Untertitel
Kontrastive Untersuchung des Galicischen und Mirandesischen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Romanische Philologie)
Veranstaltung
Minderheitensprachen auf der Iberischen Halbinsel
Note
2,3
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V436518
ISBN (eBook)
9783668773103
ISBN (Buch)
9783668773110
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Galicisch, Mirandesisch, Minderheitensprachen
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Minderheitensprachen auf der Iberischen Halbinsel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436518

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