Tiroler Landkirchen von der Spätantike bis ins Mittelalter


Seminararbeit, 1997
12 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Historischer Hintergrund

Geschichte und Bedeutung der Kirchenarchäologie

Ausgewählte Grabungsprojekte

Zusammenfassung:

Literaturverzeichnis und Kurzzitate

Einleitung

In dieser Arbeit soll anhand einiger Fallbeispiele versucht werden die Entwicklung der alpinen Landkirchen im Nordtiroler Raum[1] von der Spätantike bis ins Mittelalter nachzuzeichnen. Außerdem möchte ich versuchen die Bedeutung der Kirchenarchäologie für die Erforschung der Tiroler Landesgeschichte aufzuzeigen.

Historischer Hintergrund

"Wir dürfen davon ausgehen, daß im Zuge der Christianisierung des Alpenraumes und seiner nördlich vorgelagerten Gebiete während der spätrömischen Zeit nach und nach zahlreiche christliche Kultbauten entstanden waren."[2] Für den Tiroler Bereich der ehemaligen römischen Provinz Raetia II stellen diese frühen Kirchen die wichtigste Quelle zur Siedlungsgeschichte zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert dar. "Zahlreiche Orts- und Flurnamen bezeugen ebenso wie einige spärliche Urkunden, daß die romanisierte Bevölkerung neben den im frühen 7. Jahrhundert eingewanderten Bajuwaren fortbestand."[3] Die Einflüsse dieser romanischen Restbevölkerung sind zwar teilweise bis heute spürbar, doch archäologisch nur schwer zu fassen. Dies liegt vorallem daran, daß die wenigen für eine Besiedelung günstigen Plätze im Gebirge durchgehend bewohnt wurden und daher die aus vergänglichen Materialien errichteten frühmittelalterlichen Behausungen kaum nachweisbar sind. "Auch die für manche Epochen der Geschichte so aussagekräftigen Gräber bieten in dieser Hinsicht keinen Ersatz, weil die Romanen schon im 4. Jahrhundert, im Gleichklang mit der übrigen römischen Welt, von der Beigabensitte weitgehend abgekommen waren."[4]

Die bislang ergrabenen frühen Kirchen Tirols liegen, anders als beispielsweise in Kärnten, strategisch meistens eher ungünstig, z.B. auf flachen Schwemmkegeln, was auf eine relativ friedliche Entwicklung in diesem Raum hindeutet.

Die wohl wichtigste schriftliche Quelle zu den frühen Tiroler Kirchen ist das 788, nach dem Sturz des Bayernherzogs Tassilo III., angelegte Güterverzeichnis des Salzburger Bischofs Arn. Der indiculus arnonis führt zehn Kirchen bzw. kleinere Klöster an, von denen bereits acht ergraben werden konnten. Der Großteil dieser sogenannten Indiculus-Kirchen wurde im Zuge der zweiten Christianisierungswelle Anfang des 8. Jahrhunderts, wahrscheinlich als Eigenkirchen, gegründet. Nach dieser Quelle setzt die schriftliche Überlieferung bis ins 13. Jahrhundert wieder aus. So kommt es, daß viele bereits lange vorher bestehende Kirchen (bzw. deren Vorgängerbauten) erst ab dieser Zeit erstmals in den Urkunden aufscheinen, obwohl ihre Gründung schon viel weiter zurückliegt.[5]

Geschichte und Bedeutung der Kirchenarchäologie

Die Kirchenarchäologie in Tirol begann im wesentlichen 1960 mit der Erforschung der Kalvarienbergkirche von Imst, wo man auf eine frühchristliche Altarstandplatte stieß. Erst 13 Jahre später wurde nach Zunahme der Funde und einer steigenden Sensibilisierung der Öffentlichkeit Dr. Kalthauser mit dem Amt eines Bodendenkmalpflegers für Tirol betraut. Ab diesem Zeitpunkt wurden vermehrt Kirchengrabungen durchgeführt. Wilhelm Sydow, der seit den 80er Jahren fast jährlich kirchenarchäologische Kampagnen durchführt, wurde zum führenden Spezialisten auf diesem Gebiet. In Tirol wurden rund 60 Kirchen archäologisch untersucht.

Hauptproblem bei den Kirchengrabungen ist, daß sie in der Regel nur gemeinsam mit einer Renovierung erfolgen können. In Tirol entstand aus diesem Grund eine Forschungslücke, die sich wahrscheinlich nicht so bald wird schließen lassen. Während man im reichen Unterinntal erst in den letzten 20 Jahren in großem Umfang mit Kirchenrenovierungen begann, gab es im traditionell ärmeren Oberinntal schon wesentlich früher derartige Arbeiten. Da es zur Zeit der oberinntaler Renovierungen noch kein ausgeprägtes Interesse an Kirchenarchäologie gab, verzichtete man auf begleitende Grabungen. Aus diesem Grund konnten westlich der Linie Ampass - Thaur bisher nur wenige Kirchen erforscht werden.

Aufgrund der Tatsache, daß die Kirchengrabungen in der Regel parallel zu den Renovierungsarbeiten stattfinden, sehen sich die Ausgräber aus Termingründen häufig dazu gezwungen nicht immer mit der nötigen Gründlichkeit vorzugehen. Auch wird der Zeitdruck dadurch verschärft, daß in den meisten Fällen Arbeiten in einer Kirche das religiöse Leben einer Gemeinde zum Teil empfindlich stören. Zudem muß man bei einigen Kirchen "Um die wegen der ungünstigen Lage am Berg besonders hohen Kosten für Abtransport des Aushubs und Auffüllung mit Schotter in vertretbaren Grenzen zu halten [...]"[6] von einer vollständigen Untersuchung absehen. Weiters können auch statische Gründe dazu führen, daß in manchen Kirchen bzw. Kirchenteilen eine tieferreichende Grabung nicht möglich ist. Erschwerend kommt hinzu, daß nicht immer die gesamte Fläche einer Kirche für Grabungen zur Verfügung[7] steht. Des weiteren können spätere Einbauten, wie Krypten ältere Befunde zum Teil beträchtlich stören (z.B. Stiftskirche Wilten) und so wissenschaftliche Rückschlüsse und Rekonstruktionsversuche erschweren.

[...]


[1] Abb.1

[2] Ulbert, liturg.-funkt.Ausstattung S.287

[3] Sydow, Wattens S.113

[4] Sydow, Wattens S.113

[5] vgl. z.B.Sydow, Kirchdorf S.127 (1.Urkunde 1125-47), Sydow, Weer S.183 (1.Urkunde 1268), Sydow, Kössen S.523 (1.Urkunde 1355) und Abb. 2

[6] Sydow, Fließ S.297

[7] Sydow, Fließ S.297 und Stiftskirche Wilten

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Tiroler Landkirchen von der Spätantike bis ins Mittelalter
Hochschule
Universität Wien  (Inst. f. Ur- und Frühgeschichte)
Veranstaltung
Proseminar für Mittelalterarchäologie
Note
2
Autor
Jahr
1997
Seiten
12
Katalognummer
V4367
ISBN (eBook)
9783638127042
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tirol Landkirchen Kirchengrabungen, Kirchenarchäologie, Pfarrkirchen Münster i.Ti, Weer und Längenfeld
Arbeit zitieren
Michael Grundner (Autor), 1997, Tiroler Landkirchen von der Spätantike bis ins Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4367

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