Einleitung
In dieser Arbeit soll anhand einiger Fallbeispiele versucht werden die Entwicklung der alpinen Landkirchen im Nordtiroler Raum1 von der Spätantike bis ins Mittelalter nachzuzeichnen. Außerdem möchte ich versuchen die Bedeutung der Kirchenarchäologie für die Erforschung der Tiroler Landesgeschichte aufzuzeigen.
Historischer Hintergrund
"Wir dürfen davon ausgerhen, daß im Zuge der Christitanisierung des Alpenraumes und seiner nördlich vorgelagerten Gebiete während der spätrömischen Zeit nach und nach zahlreiche christliche Kultbauten entstanden waren." Für den Tiroler Bereich der ehemaligen römischen Provinz Raetia II stellen diese frühen Kirchen die wichtigste Quelle zur Siedlungsgeschichte zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert dar. "Zahlreiche Orts- und Flurnamen bezeuigen ebenso wie einige spärliche Urkunden, daß die roamisierte Bevölkerung neben den im frühen 7. Jahrhundert eingewanderten Bajuwaren fortbestand." Die Einflüsse dieser romanischen Restbevölkerung sind zwar teilweise bis heute spürbar, doch archäologisch nur schwer zu fassen. Dies liegt vorallem daran, daß die wenigen für eine Besiedelung günstigen Plätze im Gebirge durchgehend bewohnt wurden und daher die aus vergänglichen Materialien errichteten frühmittelalterlichen Behausungen kaum nachweisbar sind. "Auch die für manche Epochen der Geschichte so aussagekräftigen Gräber bieten in dieser Hinsicht keinen Ersatz, weil die Romanen schon im 4. Jahrhundert, im Gleichklang mit der übrigen römischen Welt, von der Beigabensitte weitgehnd abgekommen waren."
Die bislang ergrabenen frühen Kirchen Tirols liegen, anders als beispielsweise in Kärnten, strategisch meistens eher ungünstig, z.B. auf flachen Schwemmkegeln, was auf eine relativ friedliche Entwicklung in diesem Raum hindeutet.
Die wohl wichtigste schriftliche Quelle zu den frühen Tiroler Kirchen ist das 788, nach dem Sturz des Bayernherzogs Tassilo III., angelegte Güterverzeichnis des Salzburger Bischofs Arn. Der indiculus arnonis führt zehn Kirchen bzw. kleinere Klöster an, von denen bereits acht ergraben werden konnten. Der Großteil dieser sogenannten Indiculus-Kirchen wurde im Zuge der zweiten Christianisierungswelle Anfang des 8. Jahrhunderts, wahrscheinlich als Eigenkirchen, gegründet. Nach dieser Quelle setzt die schriftliche Überlieferung bis ins 13. Jahrhundert wieder aus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Hintergrund
3. Geschichte und Bedeutung der Kirchenarchäologie
4. Ausgewählte Grabungsprojekte
5. Zusammenfassung:
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand ausgewählter Fallbeispiele die bauliche und historische Entwicklung alpiner Landkirchen im Nordtiroler Raum von der Spätantike bis ins Mittelalter. Ziel ist es, die Bedeutung der Kirchenarchäologie als wesentliche Erkenntnisquelle für die Tiroler Landesgeschichte herauszuarbeiten.
- Siedlungskontinuität von der Spätantike bis ins Mittelalter
- Einfluss der Romanen und Bajuwaren auf den Kirchenbau
- Die Funktion und Bedeutung der Kirchenarchäologie in Tirol
- Methodische Herausforderungen bei Kirchengrabungen
- Analyse von Grundrissen und Bauphasen als historische Quelle
Auszug aus dem Buch
Pfarrkirche von Münster
Münster befindet sich auf eine flachen Terrasse am Nordufer des Inns gegenüber dem Eingang des Zillertals. Der Ort befindet sich somit an einem wichtigen Kreuzungspunkt mehrerer Täler (Zillertal, Inntal, Achenseefurche) und der sie durchquerenden Straßen, die bereits in der Spätantike und im Mittelalter von Bedeutung waren. Dieser sehr günstige Siedlungsraum wurde, wie die 1968 durchgeführte Kirchengrabung bewies, bereits in der Latènezeit bewohnt. Auch konnten Reste eines römischen Hauses (2-3.Jh.) an der Stelle der heutigen Kirche nachgewiesen werden. Die erste um 700 entstandene Kirche war ein Saalbau von rund 12m lichter Länge, dessen Grundriß mit eingezogenem Rechteckchor einen bajuwarischen Bauherren, wahrscheinlich ein Vasall der Aribonen, vermuten läßt. Unter den im Vorraum bestatteten Angehörigen der Gründerfamilie befanden sich auch Romanen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Zielsetzung, die Entwicklung der alpinen Landkirchen in Tirol sowie die Bedeutung der Kirchenarchäologie aufzuzeigen.
Historischer Hintergrund: Beleuchtung der Christianisierung des Alpenraums und der Bedeutung der Kirchen für die Siedlungsgeschichte zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert.
Geschichte und Bedeutung der Kirchenarchäologie: Darstellung der Entwicklung der archäologischen Forschung in Tirol seit 1960 und der spezifischen Herausforderungen bei Grabungen während Renovierungen.
Ausgewählte Grabungsprojekte: Detaillierte Analyse der baulichen Entwicklung anhand der Beispiele Pfarrkirche von Münster, Pfarrkirche von Weer und Pfarrkirche von Längenfeld.
Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Siedlungskontinuität, Missionsgeschichte und der Bedeutung architektonischer Merkmale für die Identifikation der Bauherren.
Schlüsselwörter
Kirchenarchäologie, Tirol, Spätantike, Mittelalter, Landkirchen, Bajuwaren, Romanen, Eigenkirchen, Siedlungsgeschichte, Bauphasen, Inntal, Christianisierung, Grundriss, Grabung, Landesgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen und baulichen Entwicklung alpiner Landkirchen im Nordtiroler Raum von der Spätantike bis ins Mittelalter.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Siedlungskontinuität, den Prozess der Christianisierung, den Einfluss von Romanen und Bajuwaren sowie die Bedeutung der Kirchenarchäologie für die regionale Geschichtsforschung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, mittels archäologischer Fallbeispiele die bauliche Historie der Kirchen nachzuzeichnen und den Beitrag der Kirchenarchäologie zur Tiroler Landesgeschichte zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung archäologischer Grabungsberichte, die Analyse von Grundrissformen sowie den Abgleich mit schriftlichen Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Geschichte der Kirchenarchäologie in Tirol und analysiert konkret die bauliche Entwicklung an den Standorten Münster, Weer und Längenfeld.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kirchenarchäologie, Siedlungskontinuität, Bajuwaren und Eigenkirchen charakterisiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "eingezogenem Rechteckchor" und "Apsis" wichtig?
Diese architektonischen Merkmale dienen als Indizien für die ethnische Herkunft der Bauherren; der Rechteckchor weist eher auf bajuwarische Einflüsse hin, während die Apsis mit romanischen Traditionen verknüpft wird.
Welche Rolle spielt der Zeitdruck bei Kirchengrabungen in Tirol?
Da archäologische Untersuchungen in der Regel parallel zu notwendigen Kirchenrenovierungen stattfinden, ist die Forschungsarbeit oft durch knappe Zeitfenster eingeschränkt, was die Gründlichkeit der Grabungen erschweren kann.
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- Michael Grundner (Author), 1997, Tiroler Landkirchen von der Spätantike bis ins Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4367