Noch immer bestehen teilweise abstruse Vorstellungen über die Psychiatrie. Das ist auch nicht verwunderlich, da natürlich dieser medizinische Zweig ebenso wie zum Beispiel zahnärztliche Behandlungen oder andere operative Eingriffe eine Geschichte und eine Vergangenheit besitzt.
Ursprünglich war die Installation von psychiatrischen Einrichtungen der erste Schritt der Trennung zwischen Andersartigkeit die in Gefängnisse gesteckt wurde und der Anerkennung von Andersartigkeit als behandlungsbedürftige Krankheit.
Als neuer medizinischer Zweig mussten sich psychiatrische und neurologische Erkenntnisse auch erst mit der Zeit und Praxis weiterentwickeln und verbessern.
Über ein Jahrhundert später haben sich das Verständnis von Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie bereits so weit in unserem Kulturkreis etabliert, dass es Abrechungen mit den Krankenkassen, interdisziplinäre Zusammenarbeit, strenge gesetzliche Richtlinien etc. gibt.
Die Wanderung durch die Geschichte der Psychiatriebewegungen ist eng mit der gesellschaftlichen Wandlung verknüpft. Sie bietet uns unter dem Hauptaugenmerk dieses Teilgebietes einen guten Einblick in die europäische Kultur.
Die Reise in die heutige Praxis der psychiatrischen Einrichtungen nimmt den Leser gleichzeitig an die Hand und zeigt ihm, dass einige Märchen keine Gültigkeit mehr besitzen. Der Erwachsene weiß, dass es keinen "Krampus gibt, der schlimme Kinder in seinen Sack steckt und mitnimmt", doch über die moderne Psychiatrie gibt es nach wie vor Mythen.
Kritisch und den routinierten Alltag einer Psychiatrie aufspürend begeben wir uns in ein Psychiatriepraktikum.
Schlüsselwörter: Psychiatrie, Andersartigkeit, Behandlung, Psychologie, Psychotherapie, interdisziplinär und Kultur.
Inhaltsverzeichnis
1. Planung und Errichtung
2. Geschichte der Psychiatrie:
3. Die sozialtherapeutische Station:
Aufnahmemodus
Pflegeplanung in der Psychiatrie
Pflegediagnose
Pflegedokumentation in der psychiatrischen Pflege
Stellungnahme zu Multiprofessionalität & Dokumentation
Erstgespräch (Hospitierprotokoll)
4. Psychologischer Alltag auf der Station:
Tätigkeiten der Psychologin/ Psychotherapeutin
Aufgaben im Rahmen meines Praktikums
Gesprächsprotokolle
5. Fallbeispiele:
6. Reflexion der Praktikumzeit:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit reflektiert die praktischen Erfahrungen einer psychologischen Praktikantin auf einer sozialtherapeutischen psychiatrischen Station. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Rolle der Psychologie im klinischen Alltag, der Herausforderung der multiprofessionellen Zusammenarbeit sowie der ethischen Auseinandersetzung mit der Pflegedokumentation und Patientenbetreuung.
- Strukturelle Planung und historische Entwicklung psychiatrischer Einrichtungen
- Methoden der Pflegeplanung und Pflegediagnostik
- Multiprofessionelle Teamarbeit und psychotherapeutische Rollenverteilung
- Krisenintervention und ethische Aspekte der Dokumentationspflicht
- Fallbasierte Analyse therapeutischer Prozesse bei verschiedenen Diagnosen
Auszug aus dem Buch
Die sozialtherapeutische Station:
Die Station bietet jenen Patienten ein Therapieangebot, die auf Grund einer psychiatrischen Erkrankung oder einer psychosozialen Problematik intensive therapeutische Krisenintervention benötigen oder eine längere Therapie für sich in Anspruch nehmen wollen. Die Behandlung an einer sozialtherapeutischen Station erfolgt grundsätzlich auf freiwilliger Basis. An der Station werden Patienten mit allen psychiatrisch relevanten Diagnosen und Störungen behandelt. Die Behandlung erfolgt auf der Basis eines Gesamtbehandlungsplanes.
Ziel einer sozialtherapeutischen, psychiatrischen Station ist die Rückführung der Patienten in „das Leben da draußen“ (wie es viele Patienten formulieren). Rückführung bedeutet in diesem Zusammenhang, daß die Ressourcen der Patienten genau beachtet und ausgenützt werden. Es besteht daher rege Zusammenarbeit zu externen Rehabilitationseinrichtungen wie pro mente, mobile Psychotherapie, Sozial Global, Haus Bettina, den Johannitern, Haus- und Heimservice, PSD, PKH-Institut für Alkoholabhängige, Stiftung Kalksburg etc.. Viele Patienten können auch mit einer gemeinsam erarbeiteten Tages/Wochenstruktur aus dem Spital entlassen werden, z.B.: fixe Psychotherapietermine, Psychiater außerhalb für die medikamentöse Versorgung, neuer Arbeitsplatz oder Vorbereitungsprogramme bzw. Institutionen (ibi oder pro mente) die bei der Arbeitssuche helfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Planung und Errichtung: Beschreibt die historische Entstehung eines Schwerpunktkrankenhauses sowie die konzeptionellen Überlegungen zur Integration der Psychiatrie und deren Bettenkapazitätsanpassungen.
2. Geschichte der Psychiatrie: Bietet einen Überblick über den Wandel von der frühen medikamentösen „Behandlung“ über die Gründung des Narrenturms bis hin zur Rolle der Wiener medizinischen Schule und den Verbrechen im Nationalsozialismus.
3. Die sozialtherapeutische Station: Erläutert das Therapieangebot, den Aufnahmemodus sowie die methodischen Grundlagen der Pflegeplanung, Diagnostik und Dokumentation in einer psychiatrischen Einrichtung.
4. Psychologischer Alltag auf der Station: Reflektiert das Tätigkeitsprofil der Psychologin, die Bedeutung der Supervision für Praktikanten und die spezifischen Aufgaben im Rahmen des Praktikums.
5. Fallbeispiele: Präsentiert anonymisierte Fallberichte über die Arbeit mit Patienten, die unter unterschiedlichen psychiatrischen Syndromen wie Depression, Schizophrenie oder posttraumatischen Belastungen leiden.
6. Reflexion der Praktikumzeit: Eine persönliche Auseinandersetzung mit der Rolle der Praktikantin, dem Spitalumfeld, der Machtdynamik in Visiten und der zukünftigen beruflichen Orientierung.
Schlüsselwörter
Psychiatrie, Sozialtherapie, Pflegeplanung, Pflegediagnose, Psychotherapeutin, Supervision, Krisenintervention, Patientendokumentation, Multiprofessionalität, Rehabilitation, Klinikalltag, Psychiatriereform, Beziehungsarbeit, psychische Erkrankung, Praktikumsbericht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit dokumentiert den dreimonatigen Praktikumsbericht in einer sozialtherapeutischen psychiatrischen Station und reflektiert dabei sowohl die therapeutische Praxis als auch die Rahmenbedingungen des Klinikalltags.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Geschichte der Psychiatrie, die pflegerische und psychologische Diagnostik, die Bedeutung von Teamarbeit sowie die Herausforderungen bei der Patientenbetreuung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Einblick in den Arbeitsalltag eines psychologischen Praktikanten zu geben, therapeutische Prozesse zu erläutern und eine kritische Reflexion der klinischen Arbeit vorzunehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen praxisorientierten Bericht, der deskriptive Fallanalysen, Protokoll-Auszüge aus Erstgesprächen und eine reflektierende Auswertung der eigenen Lernerfahrung beinhaltet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Station, die detaillierte Darstellung diagnostischer Abläufe sowie Berichte über konkrete Fallbeispiele, ergänzt durch Reflexionen zur Zusammenarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Psychiatrie, Sozialtherapie, Pflegeplanung, Supervision und die multiprofessionelle Betreuung innerhalb eines Krankenhauses.
Wie unterscheidet sich die im Bericht beschriebene Station von einer Akutstation?
Die sozialtherapeutische Station arbeitet primär auf freiwilliger Basis mit dem Ziel der längerfristigen Krisenintervention und Reintegration, während auf der Akutstation oft eine Unterbringung aufgrund akuter Fremd- oder Selbstgefährdung erfolgt.
Wie geht die Autorin mit der ethischen Problematik der Dokumentationspflicht um?
Die Autorin reflektiert die Gradwanderung zwischen der rechtlichen Pflicht zur Aufzeichnung und der psychologischen Verschwiegenheit, indem sie die Notwendigkeit der Archivierung für eine kontinuierliche Patientenversorgung als Kompromiss akzeptiert.
- Quote paper
- Evelyn Mohr (Author), 2003, Psychiatriepraktikum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43675