Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Ausbildung zum Fotokünstler. Es soll untersucht werden, inwieweit die Kunstakademie – im Fall dieser Untersuchung die Kunstakademie Düsseldorf – an der Formung der individuellen Künstlerpersönlichkeit beteiligt ist. Was bedeutet die Station „Kunstakademie Düsseldorf“ in der Biografie der Fotokünstler? Lässt sich ein roter Faden herausarbeiten, der die unterschiedlichen Positionen der Künstler vereint, oder ist die Kunstakademie ein Sammelbecken verschiedenster Ansätze? Was leistet die Ausbildung an der Ausformulierung künstlerisch bereits vorhandener Positionen und inwieweit steigert das Label „Kunstakademie Düsseldorf“, oder die als „Dusseldorf photography“ bis in den US-amerikanischen Markt vorgedrungene Bezeichnung, den Verkaufswert der Werke, eventuell auch durch nachträglich durch Kritiker und Kunsthistoriker angefügte Interpretationsansätze?
Die vorliegende Arbeit macht es sich dabei vor allem zum Ziel, Fragen zu formulieren. Ob dabei eindeutige Antworten gefunden werden, soll nicht die entscheidende Rolle spielen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte des Studiengangs Fotografie an der Kunstakademie Düsseldorf
2.1. Kurzer Exkurs: Die Anfänge der Fotografie in Düsseldorf
3. Der Fachbereich Fotografie an der Kunstakademie unter Bernd Becher
3.1. Zur Kunst von Bernd Becher
3.1.2. Bernd Bechers Werk in der Tradition der neusachlichen Fotografie
3.2. Begriffsklärung
3.3. Schwerpunkte in der Fotoausbildung unter Bernd Becher
3.4. Vorbild- Abbild: Zum Verhältnis von Meister und Schülern an der Kunstakademie
3.4.1. Das Etikett „Becher- Schule“
3.5. Die erste Generation: Candida Höfer, Thomas Struth, Axel Hütte
3.5.1. Candida Höfer
3.5.2. Thomas Struth
3.5.3. Axel Hütte
3.5.4. Erste Zusammenfassung
3.6. Die nächste Generation: Thomas Ruff und Andreas Gursky
3.6.1. Thomas Ruff
3.6.2 Andreas Gursky
4. Die Werke im Spiegel der Medientheorie
4. 1. Das Verhältnis zur Wirklichkeit
4. 2. Das Archivbild
4. 3. Das digitale Bild
5. Der Schüler wird zum Lehrer: Thomas Ruff und seine Fotoklasse
5.1. Die Ausbildung
5.2. Die Schüler
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Kunstakademie Düsseldorf auf die Formung der individuellen Künstlerpersönlichkeit von Fotokünstlern. Im Fokus steht dabei die Frage, ob die Ausbildung als Sammelbecken verschiedenster Ansätze fungiert oder ob eine spezifische Tradition, die bis zur aktuellen Fotoklasse von Thomas Ruff reicht, existiert, und wie diese Künstler im Kontext der allgemeinen medientheoretischen Entwicklung stehen.
- Historischer Hintergrund der Fotografieausbildung in Düsseldorf
- Analyse der Ästhetik und Lehrmethode von Bernd Becher
- Vergleich der Arbeitsweisen der ersten und zweiten Schülergeneration
- Medientheoretische Einordnung der künstlerischen Positionen
- Wandel von der analogen zur digitalen Fotografie
Auszug aus dem Buch
3.1. Zur Kunst von Bernd Becher
Bernd Becher selbst hat keine rein fotografische Ausbildung erfahren. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler, studierte er von 1953 bis 1956 Grafik bei Karl Rössing an der Staatlichen Kunstakademie in Stuttgart. So näherte er sich nach seinem Studium seinem Thema der Industrie-Objekte zunächst zeichnerisch. Des Fotos bediente er sich nur gelegentlich, um später davon abzumalen. Das Zeichnen stellte ihn aber laut eigener Aussage nicht zufrieden, da er seinem Anspruch an das Objekt hier nicht genügen konnte. „Ich stellte fest, dass sich beim Zeichnen trotz naturalistischer Wiedergabe eine subjektive Sicht nicht vermeiden ließ; die Gebäude interessierten mich mehr als das Zeichnen dieser Gebäude“
So wandte er sich ab 1956, dem Datum seiner ersten Fotografie eines Industriebaus, vermehrt dem neuen Medium zu. Die technischen Eigenheiten der Fotografie erlernte er als Autodidakt.
Bernd Bechers Fotografien sind zunächst nicht in erster Linie als rein künstlerische Aussagen zu werten. In den Aufnahmen, die er ab 1959 zusammen mit seiner späteren Ehefrau Hilla Becher (geborene Wobeser) anfertigt, wird in erster Linie dokumentiert. Die Kamera wird als objektiver Betrachter eingesetzt, um die Wirklichkeit authentisch einzufangen und als Dokument zu konservieren. Die Kamera als objektiven Betrachter einzusetzen ist jedoch mit einem grösseren Aufwand verbunden, als zunächst zu vermuten wäre. Denn um die Wirklichkeit authentisch abzubilden, muss es gelingen, die außergewöhnlichen Erscheinungen eines Momentes weitestgehend auszublenden. So wartet Bernd Becher in jedem seiner Fotografien auf den Moment, in dem nichts ungewöhnlich erscheint. Der Himmel ist grau, bedeckt, ohne einzelne Wolken aufzuweisen, die Strasse ist menschenleer.
Die Fotografie wird in ihrer Eigenschaft der Objektivität geschätzt und genutzt. Der künstlerische Ausdruck tritt hinter die objektive, nüchterne Sicht der Dinge im Zeichen ihrer Vergleichbarkeit zurück.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Forschungsziel der Arbeit, die den Einfluss der Kunstakademie Düsseldorf auf die Entwicklung von Fotokünstlern und deren künstlerischer Identität untersucht.
2. Die Geschichte des Studiengangs Fotografie an der Kunstakademie Düsseldorf: Das Kapitel behandelt den historischen Kontext der Etablierung des Studiengangs Fotografie an der Düsseldorfer Akademie nach 1945 und beleuchtet die Rolle der Fotografie als zunächst handwerklich betrachtetes Medium.
3. Der Fachbereich Fotografie an der Kunstakademie unter Bernd Becher: Hier wird die kunsttheoretische Position von Bernd Becher, die Prägung seiner Schüler und das spezifische Lehrverständnis an der Akademie detailliert analysiert.
4. Die Werke im Spiegel der Medientheorie: Dieses Kapitel verknüpft die künstlerischen Bildstrategien der Becher-Schüler mit medientheoretischen Diskursen, insbesondere im Hinblick auf den Wandel vom analogen zum digitalen Bild und Fragen der Authentizität.
5. Der Schüler wird zum Lehrer: Thomas Ruff und seine Fotoklasse: Der Fokus liegt auf der aktuellen Ausbildungssituation in der Fotoklasse von Thomas Ruff und untersucht, inwieweit die dortigen Studenten an die Tradition ihrer Vorgänger anknüpfen oder diese transformieren.
6. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese, die die Bedeutung der Serie als verbindendes Element über Generationen hinweg hervorhebt und den Einfluss merkantiler und traditioneller Faktoren auf den heutigen Künstlerstatus reflektiert.
Schlüsselwörter
Kunstakademie Düsseldorf, Bernd Becher, Fotografie, Architekturfotografie, Konzeptfotografie, Medientheorie, Thomas Ruff, Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Struth, Digitalisierung, Dokumentarfotografie, Bildstrategien, Autorenschaft, Typologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Ausbildung zum Fotokünstler an der Kunstakademie Düsseldorf und analysiert den Einfluss der Akademie sowie der Lehrtradition von Bernd Becher auf die Entwicklung individueller Künstlerpersönlichkeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der Fotoausbildung, das Prinzip der seriellen Arbeitsweise, die Auseinandersetzung mit medientheoretischen Fragestellungen zur Fotografie und der Wandel von analogen zu digitalen Bildproduktionsweisen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob ein einheitlicher "roter Faden" in den Werken der Becher-Schüler erkennbar ist oder ob die Akademie als Sammelbecken verschiedenster Ansätze fungiert, und wie diese Positionen im Kontext der technologischen Entwicklung zur Digitalisierung stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine kunstwissenschaftliche Analyse, die Bildstrategien einzelner Künstler vergleicht, diese in den Kontext der neusachlichen Fotografie stellt und mit medientheoretischen Positionen (u.a. Flusser, Barthes, Lunenfeld) reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Becherschen Werks, die Analyse der ersten Schülergeneration (Höfer, Struth, Hütte), die Betrachtung der zweiten Generation (Ruff, Gursky) sowie deren medientheoretische Einordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Kunstakademie Düsseldorf, Bernd Becher, Konzeptfotografie, Medientheorie, Typologie und das Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und medialer Konstruktion.
Inwiefern hat Bernd Bechers Autodidaktentum die Lehre an der Akademie beeinflusst?
Bernd Becher führte eine freie, ungezwungene Lehre ein, die den Fokus nicht auf die technische Vermittlung von Handwerk legte, sondern auf die konsequente Verfolgung eines persönlichen Themas durch die Studierenden.
Wie unterscheidet sich die "nächste Generation" (Ruff, Gursky) von den ersten Schülern der Becher-Klasse?
Die zweite Generation distanziert sich durch den Einsatz moderner digitaler Techniken, eine bewusste Manipulation des Bildmaterials und eine inhaltliche Hinterfragung der Glaubwürdigkeit und Authentizität des Mediums Fotografie.
Welche Rolle spielt das "Archivbild" in der fotografischen Praxis der Becher-Schüler?
Das Archivbild dient als Grundform der Wissensgenerierung und Vergleichbarkeit; es erlaubt die systematische Typologisierung von Bauten, wodurch das Einzelobjekt in einen größeren, enzyklopädischen Kontext gerückt wird.
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- Verena Krebs (Author), 2005, Fotografie an der Kunstakademie Düsseldorf. Geschichte und Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43687