Laut Ausländerzentralregister gab es im Jahr 2014 8.314.689 Millionen Ausländer in Deutschland. Im Vergleich dazu, waren es im Jahr 2009 6.694.776 Millionen Ausländer, hier fällt ein enormer Zuwachs auf. Gerade in der heutigen Zeit, durch die Zuwanderung mehrerer Millionen Flüchtlingen ist das Thema der Integration von Migranten vermehrt in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Umso bedeutender scheint es gerade in dieser Zeit, schon bei den Kleinsten zu beginnen und Kindern Bildung zu ermöglichen, sodass die Eingliederung der Migranten in die Gesellschaft komplikationslos verläuft. Ansatzpunkt ist, dass eine Chancengleichheit für jeden gleichermaßen besteht.
Es stellt sich die Frage, wie die Chancen von Migranten im deutschen Bildungssystem stehen. Der Übergang an die weiterführende Schule bildet eine bedeutende Weichenstelle in den Leben der Kinder. Es spielen nicht nur die individuellen Leistungen und Noten der Kinder eine große Rolle bei dem Übergang in die Sekundarstufe 1, vielmehr liegt es an den Eltern und ihrer Einschätzung und Entscheidung. An dieser Stelle im deutschen Bildungssystem fällt auf, dass Migrantenkinder vermehrt niedrigere Bildungswege einschlagen. Deutsche Schulkinder hingegen sind vorwiegend an Gymnasien angesiedelt und erhalten eine höhere Bildungsempfehlung. Deutsche Schulkinder aus hoher Sozialschicht haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, später eine erfolgreiche Karriere einzuschlagen.
Diese Ungleichheiten von Migranten im Bildungssystem geben Anlass zur Auseinandersetzung. Inwiefern ist die Übergangsentscheidung von sozialer Herkunft oder Ethnie geprägt? Werden die Bildungsempfehlungen gerecht verteilt? Wie kommen die Bildungsungleichheiten zustande? Diesen Fragen soll in der Hausarbeit nachgegangen werden. Es werden Theorien vorgestellt, die zur Erklärung der Bildungsungleichheiten beim Übergang an die weiterführenden Schulen von Migranten beitragen sollen. Diesen Theorien, dem primären und sekundären Herkunftseffekt und der ethnischen Diskriminierung (präferenzbasierte, institutionelle und statistische Diskriminierung) werden empirische Befunde gegenübergestellt, verglichen und diskutiert. Anschließend werden die Ergebnisse prägnant zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Bildungsungleichheiten bei Migranten
2. Theorien
2.1 Der primäre und sekundäre Herkunftseffekt
2.2 Institutionelle, statistische und präferenzbasierte Diskriminierung
3. Können die Theorien zur Erklärung der Bildungsungleichheiten der Migranten beitragen?
3.1 Empirische Ergebnisse der Herkunftseffekte
3.2 Befunde zur ethnischen Diskriminierung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für Bildungsungleichheiten bei Migrantenkindern beim Übergang an weiterführende Schulen in Deutschland, wobei insbesondere die Rolle von sozialen Herkunftseffekten und verschiedenen Formen der Diskriminierung analysiert wird.
- Primäre und sekundäre Herkunftseffekte nach Boudon
- Formen der Diskriminierung (institutionell, statistisch, präferenzbasiert)
- Empirische Befunde zur Bildungsempfehlung und Notengebung
- Einfluss der sozialen Herkunft und des Bildungsstatus
- Bildungsaspirationen von Migrantenfamilien
Auszug aus dem Buch
2.1 Der primäre und sekundäre Herkunftseffekt
Die Bildungsungleichheiten sollen mithilfe des strukturell-individualistischen Erklärungsmodells von Boudon (1974) erläutert werden. Der Effekt der Herkunft auf die Bildungsungleichheiten ist eine zentrale Theorie in der Verdeutlichung des Ursprungs der Bildungsungleichheiten. Boudon (1974) geht von einem primären und einem sekundären Herkunftseffekt aus.
Der primäre Herkunftseffekt fokussiert die Leistungsentwicklungen des Kindes in der Schule und die schulischen Voraussetzungen (vgl. Dollmann, 2015). Dieser Effekt ist nachhaltig (Becker, 2010, 169). Kinder aus niedrigeren sozioökonomischen Lagen haben vermehrt Probleme mit der Sprache und sie erhalten durch ihre Eltern kaum Unterstützung oder Förderung, da die Eltern meist ebenso Sprachprobleme haben. Migrantenkinder haben dadurch häufig schlechtere Noten, haben Probleme dem Unterricht zu folgen und zeigen ein niedrigeres Leistungsniveau (vgl. Relikowski et al. 2010, 144). Die schulischen Voraussetzungen von Migranten oder Kindern aus sozial schwächeren Familien ist deshalb niedrig (vgl. ebd., 144). Folge davon ist, dass die Migranten eine schlechte Bildungsempfehlung erhalten und die Chancen einen hohen Bildungsweg einzuschlagen schwinden. Der primäre Herkunftseffekt enthält die Entwicklung der Anstrengungen in der Schule, gezielt geht es um die Leistung in der Schule (vgl. Dollmann, 2016, 520).
Der sekundäre Herkunftseffekt hingegen beschreibt den Kosten-Nutzen Effekt bezüglich der Bildungsentscheidung (vgl. Relikowski et al., 2010, 145). Dieser Effekt äußert sich temporär (vgl. Becker, 2010, 170). Die Eltern der Kinder müssen die Leistung abschätzen und für ihr Kind entscheiden, welchen Bildungsweg es einschlagen soll. Da zu diesem Zeitpunkt die Kinder noch nicht selbst ihre Entscheidung treffen können, liegt diese Entscheidung bei den Eltern (vgl. Relikowski et al., 2010). Die Wahl beim Übergang an die weiterführende Schule ist eine bedeutende Schnittstelle in den Leben der Kinder (vgl. Relikowski et al., 2010, 146). Diese entscheidet mit, wie der weitere Lebensweg der Kinder verläuft und ist richtungsweisend.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bildungsungleichheiten bei Migranten: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und beleuchtet die Benachteiligung von Migrantenkindern sowie Kindern aus unteren sozialen Schichten im deutschen Bildungssystem.
2. Theorien: Es werden die theoretischen Modelle von Boudon zum Herkunftseffekt sowie die Diskriminierungstheorien von Arrow vorgestellt, die als analytischer Rahmen für die Untersuchung dienen.
3. Können die Theorien zur Erklärung der Bildungsungleichheiten der Migranten beitragen?: Dieser Abschnitt prüft anhand empirischer Studien, inwieweit Herkunftseffekte und Diskriminierung die ungleichen Bildungsübergänge tatsächlich erklären können.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei das Modell von Boudon als am stärksten erklärend hervorgehoben wird und auf den Mangel an Chancengerechtigkeit verwiesen wird.
Schlüsselwörter
Bildungsungleichheit, Migranten, Herkunftseffekt, Primärer Herkunftseffekt, Sekundärer Herkunftseffekt, Bildungsempfehlung, Institutionelle Diskriminierung, Statistische Diskriminierung, Bildungsentscheidung, Chancengleichheit, Soziale Herkunft, Migrationshintergrund, Schulleistung, Bildungsaspiration, Schulübergang
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Ursachen für die schlechteren Chancen von Kindern mit Migrationshintergrund beim Übergang von der Grundschule an eine weiterführende Schule im deutschen Bildungssystem.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Die zentralen Themen sind soziale Ungleichheit, die Rolle der sozialen Herkunft, verschiedene theoretische Erklärungsmodelle zur Bildungsbenachteiligung sowie die Rolle von Lehrerempfehlungen und schulstrukturellen Faktoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu erklären, warum Migrantenkinder häufiger niedrigere Bildungswege einschlagen, indem der Einfluss von Herkunftseffekten und ethnischer Diskriminierung untersucht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich verschiedener empirischer Studien und sozialwissenschaftlicher Theorien, um die Zusammenhänge zwischen Herkunft, Leistung und Empfehlung zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Herkunftseffekte nach Boudon und Diskriminierung nach Arrow) erläutert und anschließend diesen Theorien konkrete empirische Befunde aus Projekten wie dem BiKs-Projekt oder der ELEMENT-Studie gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere primärer und sekundärer Herkunftseffekt, institutionelle Diskriminierung und Bildungsungleichheit.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der statistischen Diskriminierung?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die statistische Diskriminierung keine entscheidende Rolle spielt, da Migrantenkinder weitestgehend nach ihrer schulischen Leistung bewertet werden.
Welche Rolle spielt die Institution Schule laut der Analyse?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass institutionelle Vorgaben, die frühe Selektion nach der Grundschule und fehlende kompensatorische Fördermaßnahmen maßgeblich zur Benachteiligung von Kindern beitragen, die nicht dem „normgerechten“ Habitus entsprechen.
- Quote paper
- Laura Hartmann (Author), 2016, Wie lassen sich die Bildungsungleichheiten von Migranten beim Übergang an die weiterführenden Schulen in die Sekundarstufe 1 erklären?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436943