Ein Blitzkrieg und kein Ende. Die sozialen und ideologischen Grundlagen der deutschen Kriegsführung 1914-1918


Essay, 2018
28 Seiten

Leseprobe

Uwe Malich

Ein Blitzkrieg und kein Ende!

Überlegungen zu den sozialen und ideologischen Grundlagen

der deutschen Kriegsführung 1914 – 19181

2. Auflage

Obwohl mittlerweile schon 75 Jahre seit seinem Ausbruch (heute: 100 Jahre seit seinem Ende) vergangen sind, ist der erste Weltkrieg noch immer ein vorrangiger Gegenstand der Geschichtswissenschaft. Das über die Jahrzehnte anhaltende, jüngst sogar wieder gewachsene Interesse, insbesondere an den Ursachen und Folgen, hat m. E. neben dem Anstoß, den die Jubiläen zweifellos geben, vor allem folgende Gründe:

1. Der erste Weltkrieg ist in politischer, aber auch in militärischer und militär- bzw. kriegsökonomischer Hinsicht ein welthistorisches Schlüsselereignis. Er bedeutete, wie Lenin bereits im Dezember 1914 erkannt hatte,2 den Beginn einer neuen Epoche! Zwar markierte die Atombombe in beispielloser, eindringlichster Weise, grell und grauenhaft, alsbald schon wieder ein neues Zeitalter, aber verschiedene Merkmale der Weltkriegsepoche wirken, wenn auch überlagert, gebrochen, modifiziert, noch signifikant bis in unsere Gegenwart hinein.

2. Der erste Weltkrieg machte erstmals in globalem Maßstab deutlich, dass ab einer bestimmten Stufe der Produktiv- resp. Destruktivkraftentwicklung ein Zurückbleiben des gesellschaftlichen Bewusstseins hinter den objektiven Umständen des gesellschaftlichen Daseins für letzteres existenzgefährdend werden kann! Das Allersicherste, das Allernotwendigste, um eine kritische Zuspitzung des Widerspruchs zwischen Sein und Bewusstsein, zwischen den Anforderungen der gesellschaftlichen Realitäten an das menschliche Handeln und die subjektive Einsicht in die entsprechenden Notwendigkeiten zu verhindern, das Wissen um die gesellschaftlichen Wirkungsbedingungen und Entwicklungszusammenhänge vielmehr auf einem hinreichenden Niveau zu halten bzw. es dorthin zu bringen, besteht aber in der komplexen historischen Analyse beginnend bei den für die jeweilige Problematik relevanten Keimformen.

3. Die historiographische Aufarbeitung des ersten Weltkrieges als ein Springpunkt für das Begreifen der heutigen Dimension des Verhältnisses von Krieg und gesellschaftlicher Entwicklung ist in besonderem Maße noch erkenntnisträchtig, sowohl bezogen auf den Gegenstand im engeren Sinne wie hinsichtlich der verallgemeinernden Schlüsse. Dieses angesichts der nun schon jahrzehntelangen intensiven Forschung erstaunliche Phänomen folgt primär aus der fundamentalen Wandlung der Fragestellung an den historischen Stoff - von der Kriegsvorbereitung zur Kriegsverhinderung (!) -, die zu einer anderen Systematisierung der Tatsachen führt und damit neue Ergebnisse in der Synthese ermöglicht. Zugleich erfordert und erlaubt gerade das neue Herangehen an den Gegenstand wissenschaftlichen Erkenntniszuwachs durch Kritik der nicht wenigen, das Weltkriegsbild noch verzerrenden politisch und ideologisch determinierten Legenden! Und schließlich eröffnet auch der theoretisch-methodologische Fortschritt immer wieder neue Möglichkeiten, die historische Erkenntnis zu vervollkommnen und zu vertiefen!

4. Der substitutive und kumulative Erkenntnisfortschnitt ist notwendig abzusichern durch Reproduktion des historisch bereits erarbeiteten Wissens, wobei der entsprechende Zusammenhang aber keineswegs eindeutig proportional ist, sondern das Verhältnis von altem und neuem Wissen dialektisch-widersprüchlich zu einem Optimum tendiert.

Die angeführten Gründe für eine fortgesetzte Untersuchung des ersten Weltkrieges leiten auch den nachfolgenden Problemaufriss, der sich im Wesentlichen auf zwei Fragen konzentriert:

- Ursachen und Ausbruch bzw. präziser, Entfesselung resp. Nicht-Verhinderung des Krieges;
- Dauer des Krieges, insbesondere unter dem Aspekt des “Durchhaltens“ der Massen.

In Anbetracht des vorgegebenen Zeit- bzw. Raumlimits wie im Interesse der Beförderung der Diskussion sind aber ungeachtet dieser thematischen Einengung gewisse Verkürzungen und Zuspitzungen im Folgenden nicht zu umgehen.

Es besteht in der Geschichtswissenschaft weitgehend, inzwischen selbst bis in das bürgerliche Lager hinein, Übereinstimmung darüber, dass der erste Weltkrieg aus vielerlei Gründen, besonders ökonomischen, maßgeblich vom deutschen Imperialismus angestiftet wurde, dass aber auch die anderen imperialistischen Mächte nicht uninteressiert waren und dass es sich, berücksichtigt man etwa noch die jeweiligen Kriegsziele und den Charakter der Kriegführung für die Bewertung, um einen allseitig imperialistischen Krieg gehandelt hat.3

Der allgemeine Konsens löst sich indessen mit der Spezifizierung und Konkretisierung des Themas schnell auf. Besonders merkwürdig dabei ist, kehrt man vor der eigenen Tür, dass in unserer (früheren DDR-)Geschichtswissenschaft zwei Grundmuster der Erklärung des Ausbruchs bzw. der Entfesselung des ersten Weltkrieges anzutreffen sind, die sich im Grunde genommen gegenseitig ausschließen, auch auf faktisch gegensätzlichen theoretisch-methodologischen Konzeptionen gesellschaftlicher Entwicklung und ihrer Erkenntnis basieren, und trotzdem nicht selten in ein und derselben Darstellung das Bild prägen!

Insbesondere in militärgeschichtlichen Arbeiten findet sich der Topos von der Unvermeidlichkeit des Krieges.4 Diese Auffassung, die bis heute aufgrund ihrer theoretischen und politischen Bedeutung und - im wahrsten Sinne des Wortes - Brisanz eine durchaus wechselvolle Geschichte, die eine eigene umfassende Analyse rechtfertigen würde, erfahren hat, geht auf W. I. Lenin zurück. Lenin konstatierte bald nach Beginn des ersten Weltkrieges, dass das „Anwachsen der Rüstungen, die äußerste Zuspitzung des Kampfes um die Märkte in der Epoche des jüngsten, des imperialistischen Entwicklungsstadiums des Kapitalismus in den fortgeschrittenen Ländern ... unvermeidlich zu diesem Krieg führen (mussten) ...“5

Im Weiteren verallgemeinerte Lenin diese historische Feststellung dann: „lm Kapitalismus, und besonders in seinem imperialistischen Stadium, sind Kriege unvermeidlich“6. Bzw., noch grundsätzlicher: „... solange das Privateigentum an den Produktionsmitteln besteht, (sind) imperialistische Kriege absolut unvermeidlich“7.

Die theoretische Verallgemeinerung stand hier in engem Zusammenhang mit der Erwartung einer schnellen Entfaltung der Weltrevolution wie der Absicht, diese ideologisch voranzubringen. Mit der Stabilisierung der internationalen politischen Verhältnisse seit Anfang der 8 er Jahre und dem Erfordernis, die staatliche Existenz des Sozialismus resp. die staatlich-politischen Voraussetzungen für die Entwicklung des Sozialismus in Russland/der Sowjetunion abzusichern, in einer imperialistisch bestimmten Welt als Inkarnation einer neuen Zeit und Hoffnungsträger für das internationale Proletariat zu überleben, mit imperialistischen Staaten gemeinsam zu existieren, trat das Theorem von der Unvermeidlichkeit der Kriege gewissermaßen in den Hintergrund; es vertrug sich schlecht mit einer Politik der friedlichen Koexistenz, jedenfalls insoweit jene nicht, wie zunächst,9 bloß taktisch angelegt ist.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Kriegsproblematik jedoch im Rahmen der bekannten Lehrbuch-Diskussion Anfang der 50er Jahre wieder mit theoretischem Anspruch behandelt. Stalin entschied den damaligen wissenschaftlichen Meinungsstreit mit der Feststellung, dass die Unvermeidlichkeit von Kriegen zwischen den kapitalistischen Ländern in Kraft bleibt ... „Um die Unvermeidlichkeit von Kriegen zu beseitigen, muss man den Imperialismus vernichten!10

Nur wenige Jahre später erkannte der XX. Parteitag der KPdSU unter dem Eindruck der weltpolitischen Situation der Nachkriegszeit demgegenüber: „... eine verhängnisvolle Unvermeidlichkeit der Kriege gibt es nicht. Heute existieren mächtige gesellschaftliche und politische Kräfte, die über ernsthafte Mittel verfügen, um die Entfesselung eines Krieges durch die Imperialisten zu verhindern ... Je aktiver die Völker den Frieden verteidigen, desto größer sind die Garantien, dass es keinen neuen Krieg geben wird.“11 Allerdings, wurde zugleich eingeschränkt, für die Periode bis in den zweiten Weltkrieg hinein „war die erwähnte These (das Leninsche Theorem - U.M.) absolut richtig.“12

Jene Einschränkung ist aber ebenso wenig haltbar wie die Annahme der schicksalhaften Unvermeidlichkeit von Kriegen für die Zeit nach 1945. Es ist doch zu berücksichtigen, dass - was nolens volens auch für die Vorkriegszeit gilt - die Menschen ihre Geschichte selbst machen!13 Zwar meint Engels, dass der Durchsetzungsmechanismus gesellschaftlicher Entwicklungsgesetze in der Zeit vor der Besitzergreifung der Produktionsmittel durch die Gesellschaft trotz der Bewusstheit des menschlichen Handelns (im Unterschied zur Bewusstlosigkeit der Agenzien des Naturprozesses) „ganz dem in der bewusstlosen Natur herrschenden analog ist“, da die einzelnen Bestrebungen sich anarchisch durchkreuzen, aufheben pp., der gesellschaftliche Gesamtwillen und Gesamtplan noch fehlen.14 Diese Konstruktion und die damit verbundene Zäsursetzung unterschätzen aber die Möglichkeiten gesellschaftlicher Erkenntnis und Organisation im Vorsozialismus (Engels geht hier von in gewissem Sinn „tierischen Daseinsbedingungen“ des Menschen aus)15 ebenso wie sie den Sprung der gesellschaftlichen Gestaltungskraft des Bewusstseins im Zuge der Besitzergreifung der Produktionsmittel durch die Gesellschaft („Reich der Freiheit“) überschätzen! Karl Marx jedenfalls feierte bereits in der berühmten Inauguraladresse der Internationalen Arbeiter-Assoziation von 1864 die Zehnstundenbill als Sieg der politischen Ökonomie der Arbeiterklasse, „der Kontrolle sozialer Produktion durch soziale Ein- und Vorsicht“ über die „blinde Herrschaft der Gesetze von Nachfrage und Zufuhr“.16 Die Gestaltungskraft des subjektiven Faktors entfaltet sich im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung mit der Einsicht in gesellschaftliche Zusammenhänge und der Fähigkeit, das menschliche Bewusstsein und Handeln gesellschaftlich zu organisieren, in tendenzieller Weise, d. h. meist ganz allmählich, zuweilen auch sprunghaft, und auch unter Rückschlägen!17

“Die Tätigkeit des Menschen, der sich ein objektives Weltbild gemacht hat, verändert die äußere Wirklichkeit ...“18 „... allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift.“19 Respektive: „Die Macht der Gewohnheit von Millionen und aber Millionen ist die fürchterlichste Macht“.20

Es wird immerhin wesentlich durch den subjektiven Faktor, die relative Eigenständigkeit seiner gesellschaftlichen Wirksamkeit,21 determiniert, dass gesellschaftliche Zusammenhänge, Gesetzmäßigkeiten, Tendenzcharakter22 haben.

Und der kapitalistische Imperialismus bedingte dann auch vor 1914 objektiv notwendig eine Tendenz zum Krieg (eine Tendenz, die dem Imperialismus überhaupt eigentümlich ist)! Aber zugleich wurde die Tendenz zum Krieg von anderen objektiven Gesetzmäßigkeiten, Zusammenhängen („Kapital flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur“23 ) durchkreuzt, überlagert, modifiziert, und diese Tendenz musste vor allem auch durch Kopf (und Herz) der Menschen hindurch verwirklicht werden!24

An letzteren Umstand knüpft ein zweites Argumentationsmuster unserer (früheren DDR-)Geschichtswissenschaft an, das insbesondere in Darstellungen zur Arbeiterbewegung eine entscheidende Rolle für die Erklärung des Kriegsausbruches bzw. seiner Nichtverhinderung spielt. Danach waren die Massen der Werktätigen in allen europäischen Ländern bis 1914 zutiefst am Frieden interessiert. Und mehr noch: „Der entschiedene Kampf der internationalen Arbeiterklasse erwies sich als das stärkste Hemmnis für die Militarisierungs- und Kriegspolitik der herrschenden Klassen.“ 25 Im Jahre 1914 paralysierte dann jedoch der heimtückische Verrat der opportunistischen und zentristischen sozialdemokratischen Führer die Kampfkraft der Werktätigen und erleichterte es der herrschenden Klasse wesentlich, den Krieg, der ohne echte Massenbasis nicht (erfolgreich) zu führen war, zu entfesseln. „Die Opportunisten aus der ll. Internationale halfen der Bourgeoisie, das Volk zu betrügen. Die Sozialdemokraten der II. Internationale verrieten aufs niederträchtigste die Sache des Sozialismus, die Sache der internationalen Solidarität des Proletariats. Sie traten nicht nur nicht gegen den Krieg auf, sondern halfen im Gegenteil der Bourgeoisie, die Arbeiter und Bauern der kriegsführenden Staaten unter der Flagge der Vaterlandsverteidigung aufeinanderzuhetzen.“26

Auch diese Argumentation kann sich auf Lenin stützen,27 der den Umfall der sozialdemokratischen Führer bereits unmittelbar nach Kriegsausbruch scharf geißelte und zugleich den Gegensatz zwischen den Führern und den Massen herausstellte: Die „Handvoll“ der Führer „wurde befragt, wurde aufgefordert abzustimmen, sie konnte abstimmen, konnte Artikel schreiben usw. Die Massen aber wurden nicht befragt ... sie wurden 'auf Kommando' ... in den Krieg getrieben ... Die Massen hatten bei dem Verrat ihrer Führer im kritischen Augenblick keine Möglichkeit, etwas zu tun ...“28 „Die Massen waren betäubt, eingeschüchtert, gespalten, niedergehalten durch den Belagerungszustand. Frei stimmten nur die Führer - und sie stimmten für die Bourgeoisie gegen das Proletariat.“29

An dieser Stelle sei nur der offensichtliche Widerspruch zwischen dem objektivistischen Determinismus der Unvermeidlichkeitsthese und einer subjektiv-idealistischen Deutung der Nicht-Verhinderung des Krieges angemerkt.30 Zwar hatte Lenin in diesem Zusammenhang vor einer personalistischen Erklärung gewarnt, dafür aber31 dennoch zumindest das Stichwort geliefert.32 Nach dem ersten Weltkrieg hatte Lenin im Übrigen seine diesbezügliche Auffassung noch erheblich modifiziert. So führte er in seinen Hinweisen für die sowjetische Delegation zum Haager Friedenskongress von Ende 1922 aus, dass in einem (großen) Krieg „die 'Vaterlandsverteidigung' zu einer unvermeidlichen Frage wird, die die gewaltige Mehrheit der Werktätigen unvermeidlich (!) zugunsten ihrer Bourgeoisie entscheiden wird.“33 Diese entscheidende Umbewertung des Massenverhaltens durch Lenin wird von unserer Geschichtswissenschaft indessen, soweit zu sehen ist, nicht beachtet. Es scheint in diesem Zusammenhang durchaus nützlich zu sein, an eine von Friedrich Engels vorgenommene Analyse des weitgehenden Scheiterns der Revolution von 1848/49 zu erinnern, die u. a. die Unzulänglichkeit subjektiv-idealistischen Herangehens deutlich macht: „... wenn man aber nach den Ursachen der Erfolge der Konterrevolution forscht, so erhält man von allen Seiten die bequeme Antwort, Herr X oder Bürger Y habe das Volk 'verraten'. Diese Antwort mag zutreffen oder auch nicht, je nach den Umständen, aber unter keinen Umständen erklärt sie auch nur das Geringste (!), ja sie macht nicht einmal verständlich, wie es kam, dass das 'Volk' sich derart verraten ließ. Und wie jämmerlich sind die Aussichten einer politischen Partei, deren ganzes politisches Inventar in der Kenntnis der einen Tatsache besteht, dass dem Bürger soundso nicht zu trauen ist.“34

Wie ist nun aber eine den historischen Tatsachen in ihrer Gesamtheit gerecht werdende, die entsprechenden Zusammenhänge hinreichend präzise reflektierende, den aufgezeigten Widerspruch unserer üblichen Darstellungsmuster überwindende und schließlich auch für unsere heutige (Friedens-)Politik wirklich lehrreiche Erklärung der Ursachen und des Ausbruches des ersten Weltkrieges zu erreichen?

„Nach materialistischer Geschichtsauffassung ist das in letzter Instanz bestimmende Moment in der Geschichte die Produktion und Reproduktion des wirklichen Lebens.“35 Schlüsselbedeutung für die Produktion und Reproduktion des wirklichen Lebens in der Vorkriegszeit und schließlich im Besonderen auch für unser Problem des Krieges erlangte vor allem der Umstand, dass das Wachstum der Weltwirtschaft seit der Mitte der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts von einer „langen Welle“ der Konjunktur getragen wurde, das Wachstum auf lange Sicht sehr dynamisch war. Dieses Wachstum ging gewissermaßen gesetzmäßig mit einem relativen Zurückbleiben der Rohstoffproduktion,36 einer tendenziellen Verknappung der Rohstoffe einher! Die Rohstoffverknappung aber führte zum einen zu einer Verschärfung der internationalen Konkurrenz, und zwar sowohl auf den Rohstoff- als auch den Absatzmärkten, sowie, zwangsläufig, und je heftiger der Kampf der Kapitale, umso schneller, zu einer Verschlechterung der Austauschverhältnisse, der terms of trade, für die rohstoffimportierenden Industrieländer!

[...]


1 Die vorliegende Studie ist ein seinerzeit überarbeiteter und erweiterter Konferenzbeitrag (I. Karlshorster Forum für Wirtschafts- und Sozialgeschichte). Die Bearbeitung erfolgte im Wesentlichen in dem in Ostdeutschland realhistorisch höchst spannendem Jahr 1989. Leider konnte der Konferenzband damals nach seiner Fertigstellung aus verschiedenen Gründen nicht mehr ausgeliefert werden. Die historische Analyse des 1. Weltkrieges ist aber nach wie vor wichtig und erkenntnisträchtig. Deshalb soll die damalige Studie jetzt öffentlich vorgestellt werden als Beitrag zur Diskussion eines dramatischen, die deutsche Geschichte sehr schwerwiegend und sehr lange prägenden „Jahrhundertereignisses“. Für die diesjährige Neuauflage wurden nur einige wenige redaktionelle Änderungen vorgenommen. Für die Unterstützung dieser Neuauflage bedanke ich mich vor allem bei Frau Andrea Fölsche ganz herzlich. (Dr. Uwe Malich, 11.07.2018.).

2 Lenin, W. I.: Der tote Chauvinismus und der lebendige Sozialismus (Wie soll die Internationale wiederhergestellt werden?). Werke: Bd. 21, Berlin 1984, S. 87.

3 Siehe zu diesem methodologischen Nexus derselbe: Über den Staat. Vorlesung an der Swerdlow-Universität. 11. Juli 1919, Werke: Bd. 29, Berlin 1984, S. 463.

4 So in dem neuen Wörterbuch zur deutschen Militärgeschichte. Berlin 1985, S. 1062; vgl. auch Otto, H.; Schmiedel, K.: Der erste Weltkrieg. Militärhistorischer Abriss, Berlin 1977, S. 5 u. 9.

5 Lenin, W. l.: Der Krieg und die russische Sozialdemokratie. Werke: Bd. 21, S. 13. (Hervorhebung v. mir - U.M.)

6 Derselbe: Die Konferenz der Auslandssektionen der SDAPR. Ebenda, S. 152. (Hervorhebung v. mir - U.M.)

7 Derselbe: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. Gemeinverständlicher Abriss. Werke: Bd. 22, Berlin 1981, S. 194. (Zweite u. dritte Hervorhebung von mir - U.M.)

8 Vgl. ebenda, S. 196; vgl. derselbe: Sozialismus und Krieg. (Die Stellung der SDAPR zum Krieg.) Werke: Bd. 21, S. 299 („...Unmöglichkeit, die Kriege abzuschaffen, ohne die Klassen abzuschaffen und den Sozialismus aufzubauen ...“); vgl. auch derselbe: Referat über die internationale Lage und die Hauptaufgaben der Kommunistischen Internationale. 19. Juli 1920 (II. Kongress der Kommunistischen Internationale). Werke: Bd. 31, Berlin 1978, S. 203ff.

9 So popularisierte Lenin Ende 1920 als Schlussfolgerung aus dem Brester Frieden eine Politik, die dahin gehen sollte, die „Kräfte so zu gruppieren, dass die beiden (imperialistischen Mächtegruppen - U.M.) untereinander in Streit geraten, denn wenn zwei Diebe sich streiten, ist der Ehrliche der lachende Dritte. Sobald wir aber stark genug sind, den gesamten Kapitalismus niederzuwerfen, werden wir ihn sofort an der Gurgel packen.“ (derselbe: Rede in der Aktivversammlung der Moskauer Organisation der KPR(B). 6. Dezember 1920. Ebenda, S. 437.)

10 Stalin, J. W.: Die ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR, Moskau 1952, S. 43 u. 45. Imperialistische Kriege gegen das sozialistische Lager hielt Stalin allerdings für wenig wahrscheinlich, da sie die Existenz des Kapitalismus selbst aufs Spiel setzen würden. (Ebenda, S. 42) Vgl. in diesem Zusammenhang auch Varga, E. S.: Beiträge zu Problemen der politischen Ökonomie des Kapitalismus. Ausgewählte Schriften 1918 - 1964: Dritter Band: Der Kapitalismus nach dem zweiten Weltkrieg, Berlin 1982, S. 152ff.

11 Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees der KPdSU an den XX. Parteitag. Referat von Genossen N. S. Chruschtschow, dem Ersten Sekretär des ZK der KPdSU, gehalten am 14. Februar 1956, Berlin 1956, S. 43.

12 Ebenda, S. 42.

13 Engels, F.; Marx, K.: Die Heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik. Gegen Bruno Bauer und Konsorten. MEW: Bd. 2, Berlin 1980, S. 98; Engels, F.: Brief an W. Borgius in Breslau. 25. Januar 1894. MEW: Bd. 39, Berlin 1984, S. 206; derselbe: Brief an Joseph Bloch in Königsberg. 21./22. September 1890. MEW: Bd. 37, Berlin 1986, S. 463f.

14 Derselbe: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie. MEW: Bd. 21, Berlin 1984, S. 296f.; derselbe: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft. MEW: Bd. 19, Berlin,1987, S. 226; derselbe: Brief an W. Borgius ..., S. 206; derselbe: Brief an Joseph Bloch ..., S. 464. So findet sich denn auch bei Engels wie bei Marx die Kennzeichnung gesellschaftlicher Zusammenhänge als naturgesetzlich. (Siehe etwa Marx, K.: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. MEW: Bd. 23, Berlin 1980, S. 15 u. 511 od. Engels,_F.: Die Entwicklung des Sozialismus ..., S. 226.)

15 Ebenda.

16 Marx, K.: Inauguraladresse der Internationalen Arbeiter-Assoziation, gegründet am 28. September 1864 in öffentlicher Versammlung in St. Martin's Hall. Long Acre in London. MEW: Bd. 16, Berlin 1981, S. 11.

17 Ob dabei die Wirksamkeit des subjektiven Faktors auch in Relation zu der historisch wachsenden Dimension und Kompliziertheit der objektiven gesellschaftlichen Realität auf lange Sicht zunimmt, und wenn ja, mit welcher geschichtlichen Konsequenz, kann an dieser Stelle nicht weiter betrachtet werden.

18 Lenin, W. I.: Konspekt zu Hegels „Wissenschaft der Logik“. Werke: Bd. 38, Berlin 1973, S. 209.

19 Marx, K.: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. MEW: Bd. 1, Berlin 1983, S. 385.

20 Lenin, W. I.: Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus. Werke: Bd. 31, S. 29.

21 Vgl. dazu Engels, F.: Brief an Conrad Schmidt in Berlin. 27. Oktober 1890. MEW: Bd. 37, S. 491f.; vgl. ferner derselbe: Brief an W. Borgius ..., S. 206f.

22 Vgl. dazu auch Marx, K.: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Dritter Band. MEW: Bd. 25, Berlin 1971, S. 171, 184, 244 u. 249; vgl. auch Engels, F.: Brief an Conrad Schmidt in Zürich. 12. März 1893. MEW: Bd. 39, S. 431ff.

23 Dunning, T. J. i. Quarterly Reviewer, zit. nach Marx, K.: Das Kapital ... Erster Band, S. 788.

24 Engels, F.: Ludwig Feuerbach ..., S. 298.

25 0tto, H.; Schmiedel, K.: S. 14.

26 Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewi). Kurzer Lehrgang, Berlin 1946, S. 195; vgl. Grundriss der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, o. 0. u. J. (Berlin 1962), S. 7; vgl. Fricke, D.: Handbuch zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 1869 bis 1917, Berlin 1987, S. 825; vgl. Geschichte der revolutionären Berliner Arbeiterbewegung. Band 1: Von den Anfängen bis 1917, Berlin 1987, S. 564ff.; vgl. Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Band 1; Von den Anfängen bis 1917, Berlin 1988, S, 738ff.; vgl. Geschichte Berlins von den Anfängen bis 1945, Berlin 1987, S. 529; vgl. Deutsche Demokraten. Die nichtproletarischen demokratischen Kräfte in der deutschen Geschichte 1830 bis 1945, Berlin 1981, S. 154; vgl. Florath, B.: Heinrich Cunow. Eine biographisch-historiographische Skizze. Jahrbuch für Geschichte/34, Berlin 1987, S. 129; vgl. 0tto, H.; Schmiedel, K.: S. 15; vgl. Wörterbuch zur deutschen MiIitärgeschichte, S. 1062.

27 Vgl. etwa Lenin, W. l.: Die Aufgaben der revolutionären Sozialdemokratie im europäischen Krieg. Werke: Bd. 21, S. 2; derselbe: Der europäische Krieg und der internationale Sozialismus. Ebenda, S. 6; derselbe: Der Krieg und die russische Sozialdemokratie, S. 15f; derselbe: Der Zusammenbruch der II. Internationale. Ebenda, S. 200f., 210 u. 235; derselbe: Sozialismus und Krieg, S. 307f.; derselbe: Der Opportunismus und der Zusammenbruch der II. Internationale. Ebenda, S. 452ff.

28 Derselbe: Der Zusammenbruch der II. Internationale, S. 235.

29 Derselbe: Der Opportunismus und der Zusammenbruch der II. Internationale, S. 452.

30 Der Kampf um die Erhaltung des Friedens konnte bei einer angenommenen Unvermeidlichkeit des Krieges nur zur Posse gelingen, zu einer neuzeitlichen Donquichotterie! Allein für Lenin stellte sich das Problem hier auf durchaus handgreifliche Weise; nämlich nach Kriegsbeginn die revolutionäre Liquidation des kriegheckenden Imperialismus durch die werktätigen Massen zu bewerkstelligen.

31 „Es wäre unsinnig, unwissenschaftlich und lächerlich, alles auf Personen zurückzuführen ... Das wäre eine erbärmliche Ausflucht.“ (derselbe: Der Opportunismus und der Zusammenbruch der II. Internationale. S. 450.)

32 Tatsächlich weitgehend subjektiv-idealistisch geriet die entsprechende Argumentationslinie schließlich im Kontext der verbreiteten primär ideologisch-politischen Ableitung des Revisionismus und Reformismus der Vorkriegszeit.

33 Derselbe: Bemerkungen zu den Aufgaben unserer Delegation im Haag. Werke: Bd. 33, Berlin 1982, S. 434.

34 Engels, F.: Revolution und Konterrevolution in Deutschland. MEW: Bd. 8, Berlin 1982, S. 6. Der glatte Umfall der Sozialdemokratie hatte bezeichnenderweise, und zwar gerade bei der deutschen Partei, sein Pendant in einer ausgeprägten Selbstüber-schätzung und Schönfärberei der eigenen politischen Möglichkeiten in der letzten Vorkriegszeit. (Vgl. etwa die Einschätzung des russischen Frankreichimmigranten M. P. Pavlovic, zit. bei Stoecker, E.: Paris - Sommer 1914. Diskussion um Kriegserwartung und Friedensalternativen. In: Kriegsgefahren und Friedenschancen im 20. Jahrhundert, Berlin 1985, S. 32.)

35 Engels, F.: Brief an Joseph Bloch ..., S. 463; vgl. auch Marx, K.: Zur Kritik der Politischen Ökonomie. MEW: Bd. 13, Berlin 1985, S. 8f; vgl. Engels, F.: Ludwig Feuerbach ..., S. 299f.; vgl. derselbe: Brief an Conrad Schmidt (1890), S. 490f.; vgl. derselbe: Brief an W. Borgius ..., S. 206f.

36 Der entsprechende Konnex ist bereits von Karl Marx mit Blick auf die organischen Rohstoffe erläutert worden. (Vgl. Marx, K.: Das Kapital ... Dritter Band, S. 128ff.)

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Details

Titel
Ein Blitzkrieg und kein Ende. Die sozialen und ideologischen Grundlagen der deutschen Kriegsführung 1914-1918
Autor
Jahr
2018
Seiten
28
Katalognummer
V436980
ISBN (eBook)
9783668786967
ISBN (Buch)
9783668786974
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erster Weltkrieg, 1914, 1918, Europa, Lenin, Geschichte, Geschichtswissenschaften, Kriegführung
Arbeit zitieren
Dr. Uwe Malich (Autor), 2018, Ein Blitzkrieg und kein Ende. Die sozialen und ideologischen Grundlagen der deutschen Kriegsführung 1914-1918, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436980

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