Im Rahmen dieser Bachelor-Thesis wird sich mit mit den Geschlechterrollen sowie dem geschlechterspezifischen Verhalten von Kindern in Kindertagesstätten befasst. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf das geschlechtstypische Verhalten von Jungen im Kindertagesstätten-Bereich gelegt.
Welchen Einfluss die pädagogischen Fachkräfte und das Elternhaus auf die geschlechterspezifische Entwicklung jedes Kindes haben, wird ebenso thematisiert. In diesem Kontext wird die Position des männlichen Erziehers ebenso eine wichtige Rolle spielen wie die Frage danach, ob eine geschlechterneutrale Erziehung in Kindertages-einrichtungen Sinn macht und überhaupt umsetzbar wäre.
Im zweiten Teil der vorliegenden Thesis wird eine qualitative empirische Studie vorgestellt. Anhand einer Kindertageseinrichtung, die einen besonderen Stellenwert für den Verfasser besitzt, wurden mit der Methode des Leitfaden Interviews Erzieher zur geschlechterspezifischen Erziehung sowie konkreten Alltagssituationen im Umgang mit Kindern befragt. Voraussetzung für die Durchführung der Interviews war es, sich mit wissenschaftlichen Theorien zu befassen, um diese für eine spätere Rückbindung mit den Ergebnissen in Verbindung zu setzen.
Begonnen wird zunächst mit der Bedeutung des sozialen Geschlechtes und dem gesellschaftlichen Wandel von Gender.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gender und der gesellschaftliche Wandel des sozialen Geschlechtes
3. Gender Perspektiven in der Kindheitsforschung
3.1 Die Entwicklung der Geschlechtsidentität
4. Besondere Rollenerwartungen an Jungen
4.1 Geschlechterbewusste Koedukation
5. Eindrücke der Erzieher/in
5.1 Die Bedeutung der Familie
5.2 Die Zusammenarbeit mit Familien
5.3 Pädagogen als Identifikationsfiguren
5.4 Männliche Fachkräfte in der Kindertagesstätte
6. Handlungsansätze für die Praxis
7. Filmrezension
7.1 Macht eine geschlechtsneutrale Pädagogik Sinn?
Wissenschaftlich empirischer Teil
1. Methodische Vorgehensweise
1.1 Die Fragestellung
1.2 Warum ist die Fragestellung qualitativ?
1.3 Vorannahmen
1.4 Wahl der Stichprobe
2. Wissenschaftliche Theorien
2.1 Die Theorie der Sozialisation
2.2 Die Theorie des ökologischen Ansatzes nach Urie Bronfenbrenner
3. Die Erhebungsmethode: Das Leitfaden Interview
3.1 Beziehung Interviewer zu Interviewpartner
3.2 Die Gütekriterien nach Philipp Mayring
4. Transkription
5. Die Auswertungsmethode
6. Ergebnisse der empirischen Studie
7. Rückbindung der Ergebnisse an die zugrunde gelegten Theorien
7.1 Rückbindung zur Sozialisationstheorie
7.2 Rückbindung an die Theorie des ökologischen Ansatzes
8. Kritische Reflexion des methodischen Vorgehens
8.1 Fazit
9. Das Leifaden Interview
9.1 Interview 1
9.2 Interview 2
9.3 Interview 3
9.4 Interview 4
9.5 Interview 5
9.6 Interview 6
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das geschlechtsspezifische Verhalten von Kindern in Kindertageseinrichtungen mit einem besonderen Fokus auf die Handlungsoptionen von Jungen. Das primäre Ziel ist es, die Rolle männlicher Fachkräfte zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen, inwieweit geschlechtsneutrale Erziehung in der Kita-Praxis umsetzbar und sinnvoll ist.
- Bedeutung von Geschlechterrollen und deren Wandel
- Einfluss pädagogischer Fachkräfte und des Elternhauses auf die kindliche Entwicklung
- Analyse der Situation von Jungen in Kitas mit überwiegend weiblichem Personal
- Qualitative Untersuchung mittels leitfadengestützter Interviews
- Theoretische Fundierung durch Sozialisationstheorie und den ökologischen Ansatz
Auszug aus dem Buch
3. Gender Perspektiven in der Kindheitsforschung
In der Regel werden Analysen von empirischen Untersuchungen im Rahmen der geschlechterbezogenen Perspektive aus dem angloamerikanischen Raum übernommen, da in Deutschland kaum solche Untersuchungen stattfinden. Eine international angelegte Analyse von Bronfenbrenner (2004), bei der es um den Kindergarten als sozial ökologischer Lebensort ging, weist auf, dass Mädchen und Jungen komplett unterschiedliche Verhaltensmuster an den Tag legen. Jungen werden in der Regel als lebhafter, aktiver, aber auch aggressiver beschrieben. Eine Erklärung dafür scheint zu sein, dass Mädchen im Kindergarten als auch zu Hause auf die gleichen Geschlechterrollen treffen. Resultierend aus den bisherigen Untersuchungen kann gesagt werden, dass Jungen ein höheres Aktivitätsniveau haben als Mädchen. Außerdem weisen sie eine höhere Risikobereitschaft auf, haben ein Selbstbehauptungsverhalten in ihrem Sozialverhalten und legen ein sehr ausgeprägtes Dominanzverhalten an den Tag. Mädchen hingegen zeigen vermehrt Interesse an sozialen Aktivitäten und bevorzugen kommunikative Aktivitäten, in welche auch die pädagogische Fachkraft mit eingebunden wird.
Diese Ergebnisse sind jedoch mit einem kritischen Auge zu betrachten. Die empirischen Untersuchungen beschäftigen sich überwiegend „nur“ mit dem geschlechtsbezogenen Spielverhalten. Aus diesem Grunde werden die Rufe nach Forschungen in der Bundesrepublik Deutschland im lauter, gerade auch, weil bei den Untersuchungen der historische Wandel der Sozialisationsbedingungen nur wenig berücksichtigt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Geschlechterrollen und die Relevanz geschlechtersensibler Pädagogik in Kindertageseinrichtungen ein und stellt die Forschungsfrage vor.
2. Gender und der gesellschaftliche Wandel des sozialen Geschlechtes: Hier werden zentrale Begriffe wie Gender und Doing Gender definiert sowie der gesellschaftliche Wandel in Bezug auf Geschlechterverhältnisse analysiert.
3. Gender Perspektiven in der Kindheitsforschung: Dieses Kapitel diskutiert empirische Erkenntnisse über Verhaltensunterschiede zwischen Jungen und Mädchen und reflektiert die Kritik an bisherigen Forschungsansätzen.
3.1 Die Entwicklung der Geschlechtsidentität: Es wird die Entwicklung der kindlichen Geschlechtsidentität von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr unter entwicklungspsychologischen Aspekten erläutert.
4. Besondere Rollenerwartungen an Jungen: Der Fokus liegt hier auf den gesellschaftlichen Erwartungen an Jungen und der damit verbundenen Notwendigkeit, konstruierte Rollenbilder kritisch zu hinterfragen.
4.1 Geschlechterbewusste Koedukation: Dieses Kapitel stellt das Konzept der Koedukation vor und erörtert dessen Entwicklung und Bedeutung für ein positives Selbstwertgefühl beider Geschlechter.
5. Eindrücke der Erzieher/in: Hier wird der Einfluss der pädagogischen Fachkräfte auf das Kind sowie deren eigene Reflexionsfähigkeit im Umgang mit Geschlechterrollen thematisiert.
5.1 Die Bedeutung der Familie: Dieses Unterkapitel beleuchtet die Familie als primären Sozialisationsort für die geschlechterdifferenzierende Identitätsentwicklung des Kindes.
5.2 Die Zusammenarbeit mit Familien: Es werden Möglichkeiten und Methoden der Erziehungspartnerschaft zwischen Kita-Team und Eltern im Kontext einer geschlechterbewussten Pädagogik aufgezeigt.
5.3 Pädagogen als Identifikationsfiguren: Die Rolle von Männern in Kindertageseinrichtungen und die Herausforderungen für männliche Fachkräfte stehen hier im Mittelpunkt.
5.4 Männliche Fachkräfte in der Kindertagesstätte: Dieses Kapitel fasst Ergebnisse zu den Wünschen von Eltern nach mehr männlichen Pädagogen und deren wahrgenommenen Rollen in der Praxis zusammen.
6. Handlungsansätze für die Praxis: Es werden konkrete pädagogische Strategien, wie geschlechtsgetrennte Gruppen und koedukative Ansätze, in ihrer Umsetzung diskutiert.
7. Filmrezension: Die Rezension einer Dokumentation über schwedische Kindertageseinrichtungen dient als methodischer Einstieg zur kritischen Reflexion über geschlechtsneutrale Erziehung.
7.1 Macht eine geschlechtsneutrale Pädagogik Sinn?: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage, ob und wie weit eine geschlechtsneutrale Erziehung in deutschen Kitas realisierbar ist.
Schlüsselwörter
Gender, Sozialisation, Pädagogik, Kindertageseinrichtungen, Geschlechtsidentität, Jungen, Rollenerwartungen, Koedukation, Doing Gender, Geschlechtergerechtigkeit, pädagogische Fachkraft, empirische Studie, Leitfaden Interview, Identifikationsfigur, ökologischer Ansatz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das geschlechtsspezifische Verhalten von Kindern in Kindertagesstätten und analysiert kritisch, wie Pädagogen mit Rollenbildern umgehen und welche Rolle dabei männliche Fachkräfte spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Geschlechtsidentität, den gesellschaftlichen Rollenerwartungen an Jungen, der Bedeutung männlicher Identifikationsfiguren sowie Ansätzen für eine geschlechterbewusste pädagogische Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, Handlungsoptionen für pädagogische Fachkräfte zu identifizieren, um Kindern eine freie Identitätsentwicklung unabhängig von stereotypen Geschlechterrollen zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der empirische Teil basiert auf einer qualitativen Forschung, bei der sechs pädagogische Fachkräfte mittels leitfadengestützter Interviews zu ihren Erfahrungen und Ansichten befragt wurden.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Es werden fundamentale Theorien zur Sozialisation sowie der ökologische Ansatz nach Urie Bronfenbrenner herangezogen, um das kindliche Verhalten innerhalb seines sozialen Umfeldes besser zu verstehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gender, Doing Gender, Sozialisation, pädagogische Identitätsfindung und geschlechterbewusste Pädagogik charakterisieren.
Wie bewerten die befragten Erzieherinnen das Fehlen männlicher Kollegen?
Die meisten befragten Fachkräfte sehen männliche Kollegen als wichtige Bereicherung und Vorbildfiguren, betonen jedoch, dass weibliche Pädagoginnen Defizite im Kita-Alltag ebenfalls kompetent auffangen können.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur geschlechtsneutralen Erziehung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine strikt geschlechtsneutrale Erziehung in der Praxis kaum umsetzbar ist, plädiert jedoch für einen reflexiven Umgang mit Rollenbildern und eine geschlechterbewusste Pädagogik.
- Quote paper
- Fabian Titsch (Author), 2016, Geschlechtsspezifisches Verhalten von Kindern im Kontext von Kindertageseinrichtungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437000