Im Hinblick auf internationale Handelsbeziehungen wird häufig sofort an Großunternehmen gedacht. Zwar ist es richtig, dass diese die umfangreichsten Anteile an grenzüberschreitenden Geschäften zu verzeichnen haben, doch auch der Mittelstand und damit die deutschen Klein- und Mittelunternehmen leisten einen großen Internationalisierungsbeitrag zur deutschen Volkswirtschaft. Laut dem Institut für Mittelstandsforschung zählten in Deutschland im Jahr 2015 rund 3,45 Millionen Unternehmen zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), wodurch der deutsche Mittelstand mit einem Anteil von 99,6% an allen Unternehmen die Wirtschaft dominiert. Auch für den Umsatz und die Beschäftigung sind die KMU von wesentlicher Bedeutung und werden daher zurecht als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Deutsche kleine und mittlere Unternehmen
2.1 Zum Begriff „kleine und mittlere Unternehmen“
2.1.1 Quantitative Definition
2.1.2 Qualitative Definition
2.2 Internationalisierungsrelevante Besonderheiten deutscher KMU
3 Außenhandel deutscher KMU
3.1 Zum Begriff Außenhandel
3.2 Motive und Zahlen des Außenhandels deutscher KMU
4 Darstellung und Bewertung ausgewählter Theorien zur Erklärung des Außenhandels deutscher KMU
4.1 Selektion der Theorien
4.2 Verhaltensorientierte Theorie der Internationalisierung von Aharoni
4.2.1 Aussagen der Theorie
4.2.2 Anwendung auf den Außenhandel deutscher KMU
4.3 Eklektische Theorie der Internationalisierung von Dunning
4.3.1 Aussagen der Theorie
4.3.2 Anwendung auf den Außenhandel deutscher KMU
4.4 Lerntheorie der Internationalisierung von Johanson/Vahlne
4.4.1 Aussagen der Theorie
4.4.2 Anwendung auf den Außenhandel deutscher KMU
4.5 Leistungsfähigkeit der ausgewählten Theorien zur Erklärung des Außenhandels deutscher KMU
5 Resümee
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, Theorien des internationalen Managements darzustellen und ihre Leistungsfähigkeit bei der Erklärung des Außenhandels von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland kritisch zu bewerten, da bestehende Theorien häufig auf Großunternehmen fokussieren.
- Definition und Besonderheiten deutscher KMU im internationalen Kontext
- Motive und statistische Daten zum Außenhandel deutscher KMU
- Analyse und Anwendung der Theorie von Aharoni, der OLI-Theorie von Dunning und des Uppsala-Ansatzes
- Beurteilung der Anwendbarkeit dieser Theorien auf die spezifische Ressourcenlage von KMU
- Diskussion über die Notwendigkeit einer KMU-spezifischen Internationalisierungstheorie
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Aussagen der Theorie
Grundlegende Aussage der verhaltensorientierten Theorie von Aharoni ist es, dass für Investitionen im Ausland nicht nur rationale Aspekte relevant sind, sondern auch Verhandlungsprozesse zwischen den Mitgliedern einer Organisation (Aharoni, 1966, S. 49 – 172).
Aharoni geht von 4 Phasen des Investitionsentscheidungsprozesses aus. Der Anstoßphase, Bewertungsphase, Investitionsentscheidungsphase und Überprüfungs- und Nachverhandlungsphase (Aharoni, 1966, S. 49 – 172). Im Nachfolgenden soll aufgrund von Relevanzgründen allerdings nur auf die ersten beiden Phasen genauer eingegangen werden. In der Anstoßphase müssen zu Beginn Initialkräfte für Auslandsinvestitionen aufkommen. Dabei kann es sich sowohl um interne Anstöße wie bspw. die persönliche Einstellung zum Ausland eines wichtigen Entscheidungsträgers, als auch um externe Anstöße wie z.B. Vorschläge von Kunden handeln.
Auch Mitläufer-Effekte oder hohe Konkurrenz durch ausländische Wettbewerber auf dem Inlandsmarkt können in dieser ersten Phase eine Rolle spielen (Aharoni, 1966, S. 49 – 68, S. 55). Anschließend erfolgt in der zweiten Phase die Bewertung der vorgeschlagenen Auslandstätigkeit. Hier betont Aharoni (1966), dass die Bewertungsphase von einer Unvollkommenheit von Informationen, beschränkter Rationalität bei deren Verarbeitung sowie Informationsbeschaffungskosten geprägt ist (S. 55, S. 76f.) Zusätzlich wird das Bewertungsergebnis maßgeblich von der Machtverteilung innerhalb des Unternehmens beeinflusst (Aharoni, 1966, S. 58). Auch stellt Aharoni (1966) die These auf, dass eine Auslandsinvestition umso wahrscheinlicher ist, desto mehr Auslandserfahrung der Manager aufweist (S. 59).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die volkswirtschaftliche Bedeutung deutscher KMU als Rückgrat der deutschen Wirtschaft und stellt die Forschungsfrage nach der Anwendbarkeit bestehender Internationalisierungstheorien auf diese Unternehmensgruppe.
2 Deutsche kleine und mittlere Unternehmen: Hier werden KMU quantitativ und qualitativ definiert sowie ihre speziellen strategischen Merkmale, wie etwa die patriarchische Führung, im Kontext der Internationalisierung herausgearbeitet.
3 Außenhandel deutscher KMU: Dieses Kapitel definiert Außenhandel und analysiert die primären Motive wie „Market seeking“ und „Ressource seeking“ für deutsche KMU sowie deren aktuelle Aktivitätszahlen.
4 Darstellung und Bewertung ausgewählter Theorien zur Erklärung des Außenhandels deutscher KMU: In diesem Hauptteil werden die Theorien von Aharoni, Dunning und Johanson/Vahlne vorgestellt, auf KMU angewandt und ihre jeweilige Leistungsfähigkeit sowie ihre Erklärungsgrenzen kritisch evaluiert.
5 Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass insbesondere verhaltensorientierte und lerntheoretische Ansätze gut auf KMU passen, während klassische Paradigmen oft an den spezifischen Ressourcenbeschränkungen kleiner Unternehmen scheitern.
Schlüsselwörter
Außenhandel, deutsche KMU, Internationalisierung, Internationales Management, Aharoni, Dunning, Johanson/Vahlne, Uppsala-Modell, OLI-Theorie, Export, Import, Ressourcenbeschränkung, Hidden Champions, Investitionsentscheidung, Globalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, inwieweit etablierte Theorien des internationalen Managements in der Lage sind, die Internationalisierungsaktivitäten und den Außenhandel deutscher kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) adäquat zu erklären.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Definition von KMU, ihre spezifischen Merkmale (Ressourcenlage, Führung), Motive für den Außenhandel und die theoretische Fundierung ihrer Auslandsaktivitäten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Prüfung, ob klassische Managementtheorien die Besonderheiten deutscher KMU abbilden können oder ob sie aufgrund der Ausrichtung auf Großunternehmen nur eingeschränkt übertragbar sind.
Welche wissenschaftlichen Theorien bzw. Methoden werden zur Analyse herangezogen?
Es wird eine Literaturanalyse durchgeführt, bei der die verhaltensorientierte Theorie von Aharoni, die OLI-Theorie von Dunning und der lerntheoretische Uppsala-Ansatz von Johanson/Vahlne auf deutsche KMU angewandt und bewertet werden.
Was sind die wesentlichen Inhalte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der drei gewählten Ansätze, deren praktische Anwendung auf den Außenhandel deutscher KMU unter Berücksichtigung von deren spezifischen Merkmalen sowie eine abschließende Bewertung der Leistungsfähigkeit dieser Modelle.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Internationalisierung, deutsche KMU, Außenhandel, Ressourcenbeschränkung und verschiedene spezifische Managementtheorien charakterisieren.
Warum schneidet die OLI-Theorie von Dunning bei der Bewertung für KMU schlechter ab?
Die OLI-Theorie wird negativ bewertet, da sie stark auf einem rationalen „homo oeconomicus“-Modell basiert und firmenspezifische Besonderheiten deutscher KMU, wie eine schwache Kapitalbasis oder den starken Einfluss des Eigentümers, nicht ausreichend berücksichtigt.
Welche Rolle spielt die „psychic distance chain“ bei der Internationalisierung von KMU?
Dieses Konzept von Johanson/Vahlne erklärt, warum KMU aufgrund mangelnder Marktkenntnisse und begrenzter Ressourcen zunächst in psychisch nahe Ländermärkte (z.B. europäische Nachbarn) expandieren, bevor sie weiter entfernte Märkte erschließen.
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- Anna Deubzer (Author), 2018, Darstellung und Bewertung der Leistungsfähigkeit von Theorien des internationalen Managements zur Erklärung des Außenhandels deutscher KMU, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437031