Sophie von La Roche war „die erste Deutsche, die einen bürgerlichen Roman schrieb, sie war die erste Frau in Deutschland, die eine Zeitschrift gründete und schrieb. Sie produzierte 35 Jahre lang Romane, Reisebeschreibungen und literarische Schriften für ein überwiegend weibliches Publikum.“ Dieses Zitat macht deutlich, dass Sophie von La Roche eine wichtige Rolle in der literaturwissenschaftlichen Geschichte einnimmt. Sie ist eine der wenigen deutschen Autorinnen, die sich ihren Lebensunterhalt durch das Schreiben verdient hat, was zu diesem Zeitpunkt nicht nur außergewöhnlich war, sondern ihr auch noch Ruhm und Ansehen einbringt.
Doch wie hat es La Roche geschafft, in einer Zeit, die von Männern dominiert wird, hervorzustechen und bekannt zu werden? Hätte jeder Frau dieser Schritt gelingen können oder bringt die La Roche gewisse Voraussetzungen und Grundlagen mit? Spielt ihre Erziehung eine Rolle? Ihre sozialen Kontakte? Der Übertritt vom Bürgertum zum Hof? Was ist das Besondere an ihr, dass gerade sie das erreicht hat? Ist sie wirklich zur Wegbereiterin für viele nachfolgende Generationen geworden?
Diese Fragen sollen in der folgenden Arbeit ausführlich behandelt und beantwortet werden. Zu Beginn werden die Erwartungshaltungen und Grundeinstellungen formuliert, mit denen Frauen im 18. Jahrhundert konfrontiert wurden. Anschließend folgt die ausführliche Auseinandersetzung mit Sophie von La Roche: ihre Kindheit, ihr Leben mit Georg de La Roche, ihre Verbundenheit mit Wieland und ihre weitreichenden sozialen Kontakte. Danach werden einige ihre literarischen Werke als exemplarische Beispiele Beachtung finden, um abschließend die eingangs gestellte Frage umfassend klären zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Frauenbild des 18. Jahrhunderts
2.1. Das bürgerliche Frauenbild
2.2. Das höfische Frauenbild
3. Sophie von La Roche- ihr Weg in die Autorschaft
3.1. Biografie
3.1.1. Kindheit und Jugend
3.1.2. Christoph Martin Wieland
3.1.3. Georg Michael Franck de La Roche
3.2. Werke
3.2.1. Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim
3.2.2. Rosaliens Briefe an ihre Freundin Mariane von St**
3.2.3. Pomona für Teutschlands Töchter
4. Sophie von La Roche- eine Pionierin für deutsche Frauenliteratur?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Sophie von La Roche als Pionierin der deutschen Frauenliteratur. Dabei wird analysiert, wie La Roche trotz der gesellschaftlichen Beschränkungen des 18. Jahrhunderts den Weg in die Autorschaft fand und welche biografischen sowie sozialen Faktoren diesen Prozess begünstigten.
- Das Frauenbild des 18. Jahrhunderts im bürgerlichen und höfischen Kontext
- Biografische Einflüsse und die Bedeutung sozialer Kontakte für die Autorschaft
- Analyse der literarischen Werke (Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim, Rosaliens Briefe an ihre Freundin Mariane von St**)
- Die Funktion der Zeitschrift Pomona für Teutschlands Töchter als pädagogisches Instrument
- Die Bewertung von Sophie von La Roche als Vorbild und Wegbereiterin für nachfolgende Schriftstellerinnen
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Kindheit und Jugend
Marie Sophie Gutermann ist am 6.12.1730 in Kaufbeuren als älteste Tochter des Arztes Georg Friedrich Gutermann zur Welt gekommen. „Die Familie ist patriarchalisch organisiert; der Vater nimmt als Gelehrter, als Familienoberhaupt und als Erzieher seiner Kinder eine herausragende Stellung ein. Ihm allein kommt die Entscheidung über die Erziehungsprinzipien zu.“ Und obwohl sich, wie oben bereits erwähnt, die Mädchenbildung in dieser Zeit noch keineswegs durchgesetzt hatte, ließ der Dekan der Medizinischen Fakultät in Augsburg seiner Tochter eine ordentliche Ausbildung zuteil werden. Sie genoss eine pietistische Erziehung, weshalb die regelmäßige Lektüre religiöser Schriften zu ihrem Tagesablauf zählte. Sie konnte bereits mit drei Jahren lesen und hatte mit fünf Jahren die Bibel zum ersten Mal durchgelesen. Außerdem ermöglicht ihr der Vater die Auseinandersetzung mit verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und unterrichtete sie in der Französischen Sprache. Ihre Mutter brachte ihr aber auch alle häuslichen Fertigkeiten bei, die für ein bürgerliches Mädchen unabdingbar waren und förderte ihre musischen und geselligen Talente.
Mit zwölf Jahren hegte Sophie dann den Wunsch nach einer schulischen Bildung. Doch trotz der für diese Zeit sehr toleranten Einstellung des Vaters erfüllte er seiner Tochter diese Sehnsucht nicht, denn in seinen Augen war es nutzlos, einem Mädchen tiefer gehende Bildung zuteil werden zu lassen, zum einen da sie diese weder für ihre Pflichten als Hausfrau noch als Gattin oder Mutter brauche und zum anderen, weil die junge Frau dadurch hochmütig und stolz werde. Obwohl Sophie bedauerte, dass „die Erfüllung [ihres] Wunsches, dass [sie] als Knabe erzogen werden möchte,um ordentlich gelehrt zu werden“ ihr letztendlich verweigert wurde, bekam sie alles in allem eine sorgfältige Erziehung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt Sophie von La Roche als bedeutende Pionierin der Literaturgeschichte vor und definiert die Fragestellung nach den Voraussetzungen für ihren Erfolg.
2. Das Frauenbild des 18. Jahrhunderts: Dieses Kapitel kontrastiert das bürgerliche Rollenverständnis mit dem höfischen Idealbild, um die damaligen Erwartungshaltungen an Frauen zu verdeutlichen.
3. Sophie von La Roche- ihr Weg in die Autorschaft: Hier werden die biografischen Prägungen durch Vater, Bianconi, Wieland und Ehemann sowie die Analyse ihrer Hauptwerke und der Zeitschrift Pomona dargelegt.
4. Sophie von La Roche- eine Pionierin für deutsche Frauenliteratur?: Das Fazit bewertet ihre Gesamtleistung als Vorbild und Wegbereiterin, eingebettet in den historischen Kontext des 18. Jahrhunderts.
Schlüsselwörter
Sophie von La Roche, Frauenliteratur, 18. Jahrhundert, Biografie, Bürgertum, Hofgesellschaft, Autorschaft, Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim, Rosaliens Briefe, Pomona für Teutschlands Töchter, Mädchenbildung, Empfindsamkeit, Didaktik, Gelehrsamkeit, Pionierleistung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Leben und Werk von Sophie von La Roche, um ihre Bedeutung als eine der ersten erfolgreichen deutschen Schriftstellerinnen und Pionierin der Frauenliteratur zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind das Frauenbild des 18. Jahrhunderts, die Bedingungen für weibliche Autorschaft in dieser Epoche sowie die pädagogische Zielsetzung in La Roches Romanen und Zeitschriftenpublikationen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es zu klären, warum Sophie von La Roche trotz der männlich dominierten Gesellschaft ihrer Zeit erfolgreich als Autorin hervortreten konnte und welche Faktoren ihre Karriere ermöglichten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer biografischen und literaturwissenschaftlichen Analyse, die den historischen Kontext sowie die Analyse ausgewählter Primär- und Sekundärquellen umfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des zeitgenössischen Frauenbildes, eine detaillierte Biografie der Autorin und eine exemplarische Analyse ihrer wichtigsten Werke hinsichtlich ihrer didaktischen Absichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Frauenliteratur, 18. Jahrhundert, Autorschaft, Mädchenbildung, Aufklärung und die spezifischen Werke wie das "Fräulein von Sternheim" und die "Pomona".
Warum war das Umfeld von Sophie von La Roche für ihre Karriere entscheidend?
Der Kontakt zu intellektuellen Wegbegleitern wie Wieland sowie die durch ihren Ehemann gewonnene finanzielle und gesellschaftliche Sicherheit bildeten die notwendige Basis für ihr literarisches Wirken.
Inwiefern nutzte La Roche ihre Werke zur Erziehung der Frauen?
La Roche verknüpfte Unterhaltung mit Belehrung und zielte darauf ab, das weibliche Lesepublikum zu einer gebildeten, aber dennoch ihre sozialen Pflichten erfüllenden Lebensweise zu ermutigen.
- Arbeit zitieren
- Christina Kienlen (Autor:in), 2015, Sophie von La Roche. Eine Pionierin für die deutsche Frauenliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437046