Satzarten. Sachanalyse, didaktische Analyse und Beispiele für den Unterricht


Seminararbeit, 2015
10 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Sachanalyse
1.1. Was ist ein Satz?
1.2. Satzarten
1.2.1. Aussagesatz
1.2.2. Fragesatz
1.2.3. Ausrufesatz
1.2.4. Aufforderungssatz
1.2.5. Wunschsatz
1.3. Einfacher Satz
1.4. Zusammengesetzter Satz
1.4.1. Parataxe
1.4.2. Hypotaxe

2. Didaktische Analyse

3. Beispiele für die Umsetzung im Unterricht
3.1. Sätze wachsen lassen
3.2. Nebensätze bilden
3.3. Sätze mit Nebensätzen ergänzen
3.4. Wer bin ich?

4. Literaturangaben Seite

1. Sachanalyse

Die Schülerinnen und Schüler lernen in ihrer schulischen Laufbahn unterschiedliche Satzarten und unterschiedlich komplexe Sätze kennen. Dieses Thema wird hier nun nach und nach dargelegt werden um dann von der Sachanalyse über die Didaktische Analyse und konkreten Unterrichtsbeispielen verständlich zu machen, warum die Satzarten in der Schule keinesfalls fehlen dürfen.

1.1. Was ist ein Satz?

Ein Satz ist eine relativ selbständige und abgeschlossene sprachliche Einheit, die aus kleineren sprachlichen Einheiten besteht: Subjekt, Prädikat, Objekt und verschiedenen Adverbialbestimmungen. Ein einfacher Satz besteht aus einem Subjekt und einem Objekt: Leon singt. Dieser Satz kann zwar erweitert werden, „aber seine beiden Teile, Subjekt und Prädikat, sind eine komplette Aussage.“[1] Allerdings gibt es auch Verben, die eine Ergänzung fordern und zwar entweder in Form eines Objektes oder in Form einer Adverbialen. Der Satz Leon bringt braucht zum Beispiel sowohl ein Dativobjekt als auch ein Akkusativobjekt, um als vollständig zu gelten: Leon bringt seiner Schwester das Fahrrad. Der Satz Leon kommt braucht auf jeden Fall eine Adverbialergänzung, die entweder lokal oder temporal realisiert sein kann: Leon kommt in die Küche oder Leon kommt morgen.

Festzuhalten bleibt also, dass unterschiedlich viele Ergänzungen unterschiedlicher Art notwendig sein können, um einen vollständigen Satz zu bilden.[2] Wie viele und welche Ergänzungen realisiert werden, hängt immer von dem Verb, das das Zentrum des Satzes ist, ab. Zusätzlich zu diesem Teil der Definition kommt noch hinzu, dass die Wörter in einem Satz nicht in beliebiger Reihenfolge stehen dürfen, sondern gewissen Regeln unterliegen. Satzglieder können nicht getrennt von einander stehen, unabhängig davon, aus wie vielen einzelnen Wörtern sie bestehen, das Verb steht üblicherweise an zweiter Stelle und flexionsfähige Wörter werden ihrem Bezug entsprechend flektiert.

Sätze können unterschiedlich klassifiziert werden: nach Satzarten oder aufgeteilt in einfache und zusammengesetzte Sätze und in Haupt- und Nebensatz. Im Folgenden werden diese unterschiedlichen Klassifikationsmöglichkeiten genauer analysiert.

1.2. Satzarten

Die Satzarten sind definiert durch die Äußerungsart und durch eine Kombination gewisser grammatischer Merkmale: Satzform, Intonation und Modus.

Die Duden- Grammatik[3] unterscheidet fünf Satzarten[4]:

- Aussagesatz (Deklarativsatz)
- Fragesatz (Interrogativsatz)
- Ausrufesatz (Exklamationssatz)
- Wunschsatz (Desiderativsatz)
- Aufforderungssatz

1.2.1. Aussagesatz

Ein Aussagesatz oder Deklarativsatz ist ein Satz, mit dem man eine Aussage macht. Man will etwas mitteilen, berichten oder erzählen. Aussagesätze werden mit einem Punkt abgeschlossen. Idealerweise ist bei dieser Äußerung eine Bewertung über Richtig und Falsch möglich, allerdings ist dieser Begriff in der Zwischenzeit soweit ausgeweitet worden, dass jeder Satz, der keiner der anderen vier Satzarten zugeordnet werden kann, als Aussagesatz gilt.[5]

Der Modus ist Konjunktiv oder Indikativ. Das finite Verb steht üblicherweise an zweiter Stelle. Aber nicht jeder Verbzweitsatz ist auch ein Aussagesatz, wie das Beispiel Du wirst jetzt kommen! deutlich zeigt. Denn hier handelt es sich zwar um einen Verbzweitsatz, allerdings wird der Satzart Aufforderungssatz zugeordnet.

1.2.2. Fragesatz

Ein Fragesatz oder Interrogativsatz ist ein Satz, mit dem man eine Frage stellt. Man will etwas erfahren, was man noch nicht weiß. Der Fragesatz endet mit einem Fragezeichen. Grundsätzlich werden zwei Satzformen unterschieden: w- Verbzweitsätze und Verberstsätze.

Der w- Verbzweitsatz hat eine w- Phrase (interrogatives Pronomen, Artikelwort, Pro- Adverb) im Vorfeld und das finite Verb steht an zweiter Stelle. Diese Sätze drücken eine Ergänzungsfrage aus. Auf eine Ergänzungsfrage ist eine verkürzte Antwort möglich: Wer kommt? Mögliche Antwort: Leon. Als Variante gibt es auch w- Verbzweitsätze mit zusätzlichen w- Wörtern im Mittelfeld. Diese Sätze drücken eine Mehrfachfrage aus: Wer hat was wohin gebracht? Eine mögliche Antwort wäre hier: Leon hat das Fahrrad zu seiner Schwester gebracht. Allerdings ist nicht jeder w- Verbzweitsatz eine Frage, denn der Satz Wie konntest du das vergessen! steht zwar mit einer w- Phrase im Vorfeld und dem finiten Verb an der zweiten Stelle, doch ist er ein Ausrufesatz.

Verberstsätze drücken gewöhnlich eine Entscheidungsfrage aus, das heißt eine Frage, die mit ja oder nein beantwortet werden kann: Soll ich das Buch auf den Tisch legen? Eine explizitere Antwort erwartet man bei Alternativfragen: Willst du Wurst oder Käse? Aber auch nicht alle Verberstsätze entsprechen Fragesätzen, denn bei dem Satz Kannst du mir mal das Salz geben? Steht das finite Verb zwar an erster Stelle, doch ist das ein Aufforderungssatz.

Umgekehrt gibt es aber auch Fragesätze, die nicht in diese beiden Unterkategorien eingeordnet werden können. Die Frage Ich darf doch Schwäbisch mit Ihnen reden? fällt zum Beispiel in die Kategorie Vergewisserungsfrage, Sie sind zum ersten Mal da? in die Kategorie Bestätigungsfrage. Auch Echofragen, die man äußert, wenn man etwas nicht richtig verstanden hat, haben diese Struktur: Sie bleiben acht Wochen? Mit Verbletztsätzen können nachdenkliche Fragen gestellt werden: Ob Anna noch kommt? Ihre Form entspricht der von selbständigen Nebensätzen aber ihrer Intonation nach gehören sie zu den Fragesätzen.[6]

1.2.3. Ausrufesatz

Ein Ausrufesatz oder Exklamationssatz ist ein Satz, der mit Nachdruck geäußert wird. Nach dem Ausrufesatz steht das Ausrufezeichen. Auch hier kann zwischen verschiedenen Satzformen unterschieden werden: w- Ausrufesätze und Verberst- beziehungsweise Verbletztausrufesätze.

W- Ausrufesätze werden wie die w- Fragesätze mit einer w- Phrase eingeleitet. Das finite Verb steht an zweiter oder letzter Stelle: Was hat diese Frau erlebt! Was diese Frau erlebt hat!

Verberstausrufesätze haben das finite Verb an erster Stelle: Hast du einen hübschen Ring! Verbletztsätze stehen mit der Subjunktion ob: Und ob ich kommen werde![7]

1.2.4. Aufforderungssatz

Alle Sätze, die eine Aufforderung zum Ausdruck bringen, sind Aufforderungssätze. Mit Aufforderungssätzen will man jemanden auffordern, etwas zu tun. Sie werden mit einem Punkt abgeschlossen. Bei nachdrücklichen Aufforderungen kann aber auch ein Ausrufezeichen stehen.

Als Besonderheit gelten die Imperativ- oder Befehlssätze. Der Modus ist Imperativ und es handelt sich meist um Verberstsätze: Gib mir das Buch! Vor dem Verb können aber auch noch Partikel oder Konjunktionen stehen: Aber denk an den Zettel! Meistens fehlt das Subjekt bei diesen Sätzen.

Alle anderen Aufforderungssätze können syntaktisch auf viele verschiedene Arten realisiert werden: Könntest du mir bitte dein Auto geben? Du gehst jetzt sofort ins Bett! Man nehme sechs Eier und 300 Gramm Mehl.[8]

1.2.5. Wunschsatz

Ein Wunschsatz oder Desiderativsatz ist ein Satz, der einen Wunsch ausdrückt. Hier kann ähnlich wie beim Aufforderungssatz aber keine bestimmte Satzform zugeordnet werden.

Der Verbzweitwunschsatz steht mit Konjunktiv I: Hoch lebe der König!, der Verberstwunschsatz steht mit Konjunktiv II: Käme endlich unsere Zeit! und der Verbletztwunschsatz steht mit Konjunktiv II und Subjunktion: Wenn doch endlich der Zug käme![9]

Die Einteilung der Sätze nach Satzarten ist nur eine mögliche Klassifikation. Eine Weitere ist die Unterscheidung in einfache und zusammengesetzte Sätze.

1.3. Einfacher Satz

Ein einfacher Satz besteht nur aus einem einzigen Prädikat, von dem dann, wie oben bereits beschrieben, unterschiedlich viele Ergänzungen unterschiedlicher Art abhängen.

1.4. Zusammengesetzter Satz

Ein zusammengesetzter Satz besteht aus mehreren Teilsätzen, die alle in eigenes Prädikat haben. Zwischen den Teilsätzen können zwei Arten der Beziehung bestehen: Nebenordnung (Parataxe) und Unterordnung (Hypotaxe), die im Folgenden genauer erläutert werden.

1.4.1. Parataxe

Nebenordnung bedeutet, dass zwei oder mehr Sätze gleichen Grades nebeneinander gestellt werden. Also entweder steht ein Hauptsatz[10] neben einem oder mehreren Hauptsätzen oder ein Nebensatz[11] neben einem oder mehreren Nebensätzen. Die Teilsätze werden entweder durch ein Komma oder eine Konjunktion verbunden. Die Mutter geht einkaufen, der Vater kocht. Leon spielt im Garten und seine Schwester in ihrem Zimmer.

1.4.2. Hypotaxe

Unterordnung bedeutet, dass zwei oder mehr Sätze unterschiedlichen Grades miteinander verbunden werden. Ein Nebensatz ist also einem Hauptsatz untergeordnet oder ein Nebensatz zweiten Grades einem Nebensatz ersten Grades.

Es gibt verschiedene Arten diese Teilsätze miteinander zu verbinden, zwischen den Teilsätzen steht jedoch immer ein Komma. Wenn die Nebensätze eingeleitet sind, sind sie entweder mit einer Subjunktion: sie fehlte, weil sie krank war oder ich weiß, dass sie kommt eingeleitet oder mit einem Pronomen. Dabei kann dann ein d- Pronomen (der, die das) oder ein w- Pronomen (wer, wann, was, wo…) als Einleitewort fungieren: Hunde, die bellen beißen nicht oder er blieb an der Stelle, wo sie ihn verlassen hatte.

Wenn die Nebensätze nicht eingeleitet sind, stehen sie entweder als Infinitivsätze: sie zu sehen, freut mich oder sie beschloss, essen zu gehen oder als Partizipialsätze: an einem Seil befestigt, schwebte er davon.

Nebensätze haben das finite Verb meist an letzter Stelle, es gibt aber auch Ausnahmefälle, bei das finite Verb an zweiter Stelle: er sagte, er sei krank gewesen oder an letzter Stelle: kommt er heute nicht, kommt er morgen steht.[12]

Nachdem nun ausreichend geklärt ist, was ein Satz ist und wie er klassifiziert werden kann, soll jetzt die Frage beantwortet werden, warum dieses Thema in der Schule überhaupt von Bedeutung ist.

2. Didaktische Analyse

Für die Schülerinnen und Schüler ist es vor allem in Lernbereich Schreiben von besonderer Bedeutung, dass sie die verschiedenen Satzarten kennen und aktiv beherrschen. Im alltäglichen Sprachgebrauch werden häufig Satzellipsen oder unvollständige Sätze gebildet, was bei der Schriftlichkeit allerdings nicht möglich ist. Hier wird ein kontextunabhängiges, grammatikalisch korrektes Schreiben erwartet. Deshalb ist es wichtig, dass auch die weniger geförderten Schülerinnen und Schüler ein Gespür für Satzbildung und Satzarten entwickeln. Durch den Einsatz verschiedener Satzarten gelingt es, das Geschriebene lebendig, spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Die Schülerinnen und Schüler sind so dazu in der Lage keine parallel aufgebauten, monoton wirkende Texte zu verfassen, sondern können ihren Erzählungen Struktur geben und diese ausgestalten. Dazu kommt im Lernbereich Sprache untersuchen, dass es den Schülerinnen und Schülern leichter fällt, Kommas richtig zu setzen, wenn sie verstanden haben, wann diese gesetzt werden. So können sie also nicht nur ihren Schreibstil, sondern auch ihre Rechtschreibung immens verbessern, wenn sie den Unterschied zwischen einem Haupt- und einem Nebensatz kennen. Natürlich können sie sich durch das Wissen dann auch im Lernbereich Sprechen weiterentwickeln, da sie mit Hilfe von Nebensätzen ihre Ausdrucksfähigkeit steigern können. Die Schülerinnen und Schüler können komplexe Geschehnisse schnell und effektiv zusammenfassen beziehungsweise zeitraffend erzählen, wenn sie Nebensätze in ihre Erzählung einbauen. Und zu guter Letzt ist es auch für den Lernbereich Sich mit Literatur und Texten auseinandersetzen von Bedeutung, die verschiedenen Satzarten zu kennen. Denn vor allem in den höheren Jahrgangsstufen werden Werke von immer anspruchsvolleren Autoren gelesen, die dann dementsprechend schwer zu lesen sind. Wenn die Schülerinnen und Schüler Nebensätze und Hauptsätze klar von einander unterscheiden können und richtig zuordnen können, fällt es auch den Schwächeren leichter, alles richtig zu verstehen.

Da nun deutlich wurde, wie wichtig die Kenntnis und Beherrschung der verschiedenen Satzarten ist, folgen nun zwei konkrete Beispiele, wie dies in der Schule eingeübt werden könnte.

3. Beispiele für die Umsetzung im Unterricht

3.1. Sätze wachsen lassen

Auf Tennisbälle werden verschiedene Verbformen geschrieben: rennt- laufen- schläft- lacht- male…. Ein Kind zieht einen Tennisball und liest das Wort laut vor. Das nächste Kind ergänzt ein Wort oder eine Wortgruppe und gibt den Ball weiter. Das geht so lange, bis ein Kind der Meinung ist, der Satz ist vollständig. Dann sagt es Punkt und zieht den nächsten Ball.

[...]


[1] BARTNITZKY, Horst (2007): Grammatikunterricht in der Grundschule. Berlin: Cornelsen. Seite 145.

[2] BARTNITZKY: Grammatikunterricht. Seite 145 f.

[3] DUDENREDAKTION (Hrsg.): (82009): Die Grammatik. Duden Band 4. Mannheim/ Zürich: Dudenverlag. Seite 888.

[4] Synonym gebraucht werden die Begriffe Satzmodus oder Satzfunktion.

[5] Vergleiche: DUDENREDAKTION: Die Grammatik. Seite 888.

[6] Vergleiche: DUDENREDAKTION: Die Grammatik. Seite 889 f.

[7] Vergleiche: DUDENREDAKTION: Die Grammatik. Seite 891.

[8] Vergleiche: DUDENREDAKTION: Die Grammatik. Seite 891 f.

[9] Vergleiche: DUDENREDAKTION: Die Grammatik. Seite 893.

[10] Ein Hauptsatz ist ein Satz, der keinem anderen Satz untergeordnet ist.

[11] Ein Nebensatz ist ein Satz, der von einem anderen Satz abhängig ist.

[12] Vergleiche: LUDWIG, Otto/ MENZEL, Wolfgang (1988): Nebensätze. In: Praxis Deutsch 90, Seite 12- 20.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Satzarten. Sachanalyse, didaktische Analyse und Beispiele für den Unterricht
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V437051
ISBN (eBook)
9783668774681
ISBN (Buch)
9783668774698
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Satzarten, Analyse, Erläuterung, Grammatik
Arbeit zitieren
Christina Kienlen (Autor), 2015, Satzarten. Sachanalyse, didaktische Analyse und Beispiele für den Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437051

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Satzarten. Sachanalyse, didaktische Analyse und Beispiele für den Unterricht


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden