Epikur und die Grundzüge seiner Philosophie


Hausarbeit, 2017
13 Seiten, Note: 1.0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Epikur und seine Schule
1.2. Überlieferung

2. Das Werk Epikurs
2.1. Kanonik
2.2. Physik
2.3. Ethik: Lust und Schmerz
2.4. Theologie: Götter/Himmelserscheinungen

3. Fazit

1. Einleitung

In der Zeit des Hellenismus entstanden mit Stoa und Epikureismus zwei der einflussreichsten antiken, philosophischen Schulen. Vor allem die Ansichten Epikurs entfachten dabei durch ihre hedonistische Grundtendenz und durch die missverständliche Deutung des von ihm genutzten Lustbegriffs eine polarisierende Wirkung, die bereits in der Antike zur Kritik an dieser Lehre geführt hat.[1]

Doch was sagt die Lehre Epikurs eigentlich aus? Was sind ihre Grundüberzeugungen? In dieser Hausarbeit soll diesen Fragen nachgegangen und versucht werden, eine Übersicht über die wichtigsten Elemente der epikureischen Lehre zu liefern. Nachdem im Rahmen dieser Einleitung die Person und die Schule Epikurs näher beleuchtet und ein Überblick über seine Werke gegeben werden, befasst sich die Arbeit im zweiten Kapiteln mit den Grundbausteinen seiner Philosophie. Dazu gehört ein Einblick in seine Kanonik, seine Physik (vor allem die Atomlehre und die darauf fußende Seelenlehre) und seine Ethik, die den Lust- und Schmerzbegriff beinhaltet. Außerdem soll abschließend ein kurzer Blick auf seine theologischen Vorstellungen geworfen werden. Im Kapitel 3 soll ein kurzes Fazit die zentralen Aussagen dieser Arbeit noch einmal zusammenfassen.

Für die Arbeit wurde insbesondere auf die Monographien „Epikur“[2] und „Stoa, Epikureismus und Skepsis“ von Malte Hossenfelder zurückgegriffen. Darüber hinaus besitzen die Monographien Friedo Rickens „Philosophie der Antike. Grundkurs Philosophie 6“[3] und J.M. Rists „Epicurus. An Introduction.“[4] wesentliche Bedeutung für die Arbeit.

Als Quellen wurden Laertius Diogenes[5] und Epikurs Brief an Menoikeus[6] herangezogen.

1.1. Epikur und seine Schule

Epikur wurde 341 v. Chr. als Athener Bürger auf Samos geboren, wo er auch aufwuchs und eine erste philosophische Ausbildung unter dem Platoniker Pamphiles abschloss. Ab 319 v. Chr. trat er erstmals als Philosophielehrer auf, zunächst in Mytilene auf Lesbos, später dann auf Lampsacus am Hellespont. Vor allem an letzterem Ort konnte er erstmals mit Erfolg eine größere Anzahl Anhänger gewinnen. Im Sommer 306 zog er schließlich nach Athen, wo er ein Haus mit dazugehörigem Garten kaufte, nach dem schließlich seine Schule bisweilen auch benannt wurde. Epikur leitete den Garten bis zu seinem Tod im Jahr 271.[7]

Die Schule Epikurs war hierarchisch und straff organisiert und bildete eine enge Gemeinschaft nach festen Regeln mit einer Art Ideologie der Freundschaft, die als Mitglieder auch Frauen und Sklaven einschloss. Epikur selbst stilisierte sich in dieser Gemeinschaft als absolut selbstständiger Denker, der seine Philosophie aus sich selbst erfunden hatte. Als streng autoritärer Anführer genoss er eine beinahe göttliche Verehrung. Diesen Strukturelementen seiner Schule verdankt der Epikureismus seine relative Geschlossenheit, sodass seine Lehre, trotz einiger Streitfragen seiner Nachfolger, einen im Wesentlichen unveränderten Bestand hatte. So lassen sich etwa im Gegensatz zur Stoa beim Epikureismus keine Epochen unterschiedlichen geistigen Einflusses unterscheiden.[8] In seiner Verbreitung erstreckte sich der Einfluss des Epikureismus von Griechenland später auch auf Rom, wo er zahlreiche Anhänger, von Lukrez bis Vergil und Horaz in der Kaiserzeit besaß.[9]

1.2. Überlieferung

Das Werk Epikurs umfasste angeblich etwa 300 Werke, von denen bis heute jedoch nur drei Lehrbriefe erhalten sind, die einen kurzgefassten Überblick über seine Philosophie geben. Dazu gehört der Brief an Menoeceus, der die Ethik behandelt, der Brief an Herodot, der sich der Physik widmet und der in seiner Echtheit umstrittene Brief an Phythocles, der meteorologische und astronomische Fragen behandelt.[10]

Das Hauptwerk Epikurs trug den Titel „Über die Natur“ und umfasste wahrscheinlich 37 Bücher. Es enthielt nicht nur die Naturphilosophie, sondern auch die Erkenntnistheorie, vermutlich sogar auch die Ethik, so dass in diesem Werk die gesamte Lehre Epikurs erschöpfend behandelt wurde.[11] Die daneben existierenden weiteren Titel befassten sich mit Einzelfragen zu spezifischen Themenfeldern der epikureischen Philosophie und sind bis auf die oben genannten Briefe alle verloren gegangen.[12]

2. Das Werk Epikurs

Nach Diogenes Laertios wird die Philosophie Epikurs in Kanonik,[13] Physik und Ethik unterteilt.[14] Dieser Einteilung folgt auch dieses Kapitel dieser Hausarbeit, in dem die einzelnen Bestandteile der Lehre Epikurs nun näher erläutert werden.

2.1. Kanonik

Mit der Kanonik bezeichnen Epikureer das, was sonst im Hellenismus „Logik“ genannt wurde. Dies basiert darauf, dass Epikur die hierhergehörigen Themen in einem Werk mit dem Titel „Kanon“ (Richtschnur/ Norm) gesammelt behandelte.[15] Mit der Kanonik werden also die Werkzeuge, mit denen Epikur die Gegenstände seiner Philosophie wissenschaftlich behandelt, aufgelistet. Dabei ist durchaus eine große Nähe zu den Logiken anderer Philosophen festzustellen, wenngleich Epikur Dialektik bzw. Rhetorik verwirft.[16] Mit der Kanonik Epikurs sollten vor allem zwei Dinge geleistet werden: Zum einen den Sensualismus zu etablieren (als Sensualismus wird die philosophische Grundauffassung verstanden, dass Erfahrungen auf individuelle Sinneseindrücke zurückgehen),[17] zum anderen soll die für eine atomistische Naturerklärung geeignete Methodologie entwickelt werden.[18]

Nach Diogenes Laertios unterteilt Epikur zu diesem Ziel seine Kanonik in drei Kriterien, nach denen man Erkenntnis beurteilt: Empfindung, Vorstellung und Meinung:

Das Kriterium der Empfindung wird durch die Sinne erfahren, die darüber hinaus weder Erinnerungen täuschen noch etwas hinzuerfinden können: Die Sinne nehmen nur das auf, was sie wahrnehmen. Darüber hinaus ergänzen sich die Sinne gegenseitig und beweisen somit, dass nichts anderes als Wahrgenommenes vorhanden ist.[19]

Das Kriterium der Vorstellung (Prolepsis) beschreibt die für einen bestimmten Begriff zugrundeliegende Erinnerung/Gedanken/Vorstellung/Assoziation. Die Prolepsis entsteht allerdings nicht aus dem Nichts, sondern wird durch die Sinne geprägt, ohne die wir beispielsweise die Gestalt eines Rindes nicht zuordnen könnten.[20] Durch die Prolepsis entsteht empirisch aus den Sinnen gewonnene Erfahrung, die auch auf vergangene oder zukünftige Ereignisse oder Annahmen bezogen werden können. Hierbei sind es die Sinne, die Annahmen als richtig oder falsch klassifizieren: Wenn die Sinne dafür oder nicht dagegensprechen, so ist eine Annahme richtig, wenn die Sinne dagegen oder nicht dafürsprechen, so ist sie falsch.[21]

Das dritte Kriterium ist die Meinung, die sich nach Affekten in Lust und Schmerz unterteilen lassen. Lust und Schmerz haben Einfluss auf unsere Handlungsmuster, je nachdem, von welchem der beiden Affekte wir geleitet werden. Bereitet uns eine Handlung Lust, so streben wir sie an. Bereitet uns eine Handlung Schmerz, so meiden wir sie.[22]

2.2. Physik

a) Atomtheorie

Im überlieferten Brief an Herodot erklärt Epikur seine Physik. Der Brief beginnt mit der Auflistung dreier ontologischen Prinzipien:[23]

1. Nichts entsteht aus Nichtseiendem: Die Verneinung einer solchen Aussagen würde unseren Erfahrungen widersprechen, die uns zeigt, dass jedes Wesen aus der der ihm entsprechenden Ursache, seinem Samen, entsteht.[24]

2. Nichts vergeht in das Nichtseiende: Auch bei diesem Prinzip beruft sich Epikur auf die Erfahrung. Wenn alles, was in der wahrnehmbaren Welt vergeht, in das Nichts übergehen würde, dann würde letzten Endes nichts mehr existieren und wir könnten den (phänomenalen) Prozess des Vergehens ständig beobachten.[25]

3. Das All war immer so, wie es jetzt ist und wird auch immer so sein. Diese Behauptung ist eine Folgerung aus dem ersten und dem zweiten Prinzip.[26]

Ein zentrales Element seiner Physik ist Epikurs Annahme, dass das All aus Körpern und aus leerem Raum besteht. Auch bei der Existenz der Körper beruft sich Epikur auf die Wahrnehmung, um diese zu bezeugen. Tatsächlich können wir laut Epikur nur die Körper, ihre Eigenschaften oder Veränderungen wahrnehmen. Der leere Raum hingegen muss angenommen werden, da ohne diesen das Phänomen der Bewegung nicht erklärt werden kann. Außer den Körpern und dem leeren Raum kann es ansonsten nichts geben, sondern nur notwendige oder zufällige Eigenschaften von diesen beiden Phänomenen. In letzter Konsequenz versteht sich Epikurs Ontologie also als erkenntnistheoretischer Ansatz.[27]

[...]


[1] Wischedel, Wilhelm: Die Philosophische Hintertreppe, München, 1966. S. 60.

[2] Hossenfelder, Malte: Epikur, München, 1985.

[3] Ricken, Friedo: Philosophie der Antike. Grundkurs Philosophie, Stuttgart, 1988.

[4] Rist, J.M.: Epicurus. An Introduction, Cambridge, 1972.

[5] Apelt, Otto/ Reich, Klaus/ Zekl, Hans Günter (Hrsg.): Laertius Diogenes. Leben und Meinungen berühmter Philosophen. Buch X. Hamburg, 1967. 2. Auflage.

[6] Epikur: Brief an Menoikeus. In Ders.: Von der Überwindung der Furcht. Katechismus, Lehrbriefe, Spruchsammlung, Fragmente. Übersetzt und mit einer Einführung und Erläuterungen von Olof Gigon. München, 1991.

[7] Hossenfelder, Malte: Stoa, Epikureismus und Skepsis. München, 1985. S. 100.

[8] Hossenfelder, Epikureismus, S. 100f.

[9] Ebenda, S. 101f.

[10] Hossenfelder, Epikureismus, S. 100; Hossenfelder, Malte: Epikur. München, 1991. S. 23.

[11] Hossefelder, Epikur, S.21.

[12] Ebenda.

[13] Wörtlich bedeutet kanon gerader Stab. Kanon und Kriterium (Urteilsmittel) bezeichnet den Maßstab oder das Mittel, um den Wahrheitswert einer Aussage festzustellen.

[14] Ricken, Friedo: Philosophie der Antike. Grundkurs Philosophie 6. Stuttgart, 1988. S. 178.

[15] Hossenfelder, Epikureismus, S. 124.

[16] Apelt, Otto / Reich, Klaus / Zekl, Hans Günter (Hrsg.): Laertius Diogenes. Leben und Meinungen berühmter Philosophen. Buch I-X. 2. Aufl., Hamburg, 1967. Buch X, Abschnitt 30. Diese Quelle wird nachfolgend zitiert als DL X 1; DL X 2; DL X 3 usw.

[17] Für Epikur speist sich der Sensualismus auf der einen Seite aus dem Materialismus der Naturphilosophie, zum anderen aus ethischen Gründen. Vgl. hierzu: Hossenfelder, Epikur, S. 111.

[18] Hossenfelder, Epikureismus, S. 125.

[19] DL X 32.

[20] DL X 33.

[21] DL X 34.

[22] Ebenda.

[23] Ontologie (aus den griechischen Wörtern on und logos) ist die Lehre vom Sein bzw. von den grundsätzlichsten, allgemeinsten, elementarsten, fundamentalen und konstitutiven Eigenschaften, Prinzipien, Wesens-, Ordnungs- und Begriffsbestimmungen des Seins.

[24] Ricken, Philosophie der Antike, S. 180.

[25] Ebenda.

[26] Ebenda.

[27] Ebenda.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Epikur und die Grundzüge seiner Philosophie
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1.0
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V437056
ISBN (eBook)
9783668814677
ISBN (Buch)
9783668814684
Sprache
Deutsch
Schlagworte
epikur, grundzüge, philosophie
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Epikur und die Grundzüge seiner Philosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437056

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