Diese Hausarbeit zum Thema die Bedeutung der Landschaftsformen in den Texten der blonde Eckbert und das fremde Kind beschäftigt sich mit der Fragestellung: Inwieweit tragen die Landschaftsformen zur Handlungsdynamik beider Texte bei? Hierbei geht es darum, in welchem Ausmaß die Handlungen, Gefühle und Verhältnisse zwischen den Figuren und Fabelwesen beeinflusst werden. Zudem soll verdeutlicht werden, in welchem der beide Texte, die Handlungsdynamik stärker ausgeprägt ist. Diese Vergegenwärtigung ist notwendig, um die möglichen Hintergründe der Figuren und Fabelwesen aufzudecken.
Im ersten Kapitel geht es um die Informationen, die der Leser zu der Natur und Landschaft in Tiecks der blonde Eckbert erfährt. Darüber hinaus werden die aufgeführten Natur- und Landschaftsbezüge unterschiedlich gedeutet. Daran anknüpfend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Texten erläutert. Es geht darum, in wie weit sich die Texte bezüglich ihrer Landschaftsformen unterscheiden. Anschließend geht es zum einen um die zwei Motive Flucht und Mord, die in beiden Texten auftauchen. Dies ist notwendig, da beide Motive eng mit den Landschaftsformen verbunden sind. Zum anderen wird kurz auf ein Handlungsaspekt aus Tiecks der blonde Eckbert eingegangen.
Als drittes wird in dieser Ausarbeitung mein Präsentationsthema aufgegriffen und mit den Landschaftsformen verknüpft. Hierbei geht es als erstes um den Ansatz von Freud, welcher sich mit dem Unheimlichen befasste. Es werden unheimliche Begebenheiten thematisiert bzw. interpretiert, die sich in den Landschaftsformen zutragen. Darunter befindet sich auch das Doppelgänger-Motiv. Diese unheimlichen Aspekte werden gegen Ende mit Hilfe von Todorov (1989) kategorisiert. Abschließend wird in der Schlussreflexion überprüft, ob die Fragestellung hinreichend beantwortet wurde und welche Ergebnisse darauf schließen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Natur und Landschaften in der blonde Eckbert
3 Zusammenhänge und Unterschiede zwischen beiden Texten
3.1 Natur und Landschaften
3.2 Die Motive Flucht und Mord mit Natur- und Landschaftsbezug
3.2.1 Flucht
3.2.1 Mord
3.3 Inzest
4 Das Unheimliche
4.1 Das Doppelgänger-Motiv
4.2 Gattungen und Untergattungen des Unheimlichen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Landschaftsformen in Ludwig Tiecks "Der blonde Eckbert" sowie E.T.A. Hoffmanns "Das fremde Kind" und analysiert, inwiefern diese Formen zur Handlungsdynamik der jeweiligen Texte beitragen und das Unheimliche konstituieren.
- Analyse der Landschaftsdarstellung als Projektionsfläche für psychologische Zustände
- Vergleich der Motive Flucht und Mord in Bezug auf ihre landschaftliche Verankerung
- Untersuchung des "Unheimlichen" nach Freud und Todorov
- Rolle des Doppelgänger-Motivs und des Inzest-Themas in der Handlungsdynamik
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen Wirkungsweisen von Naturräumen (Schutzraum vs. Ort der Angst)
Auszug aus dem Buch
2 Der blonde Eckbert – Natur und Landschaften
Die Natur und Landschaft in Ludwig Tiecks das fremde Kind wird sehr bildlich und detailliert beschrieben. Laut Garmann „ergibt sich die Handlungsdynamik erst aus dem spezifischen Zusammenspiel verschiedener Landschaftsformen (Ebene, Wald, Gebirge, unterirdische Bergwelt)“ (1989, S. 58).
Während dies vor allem bei Bertha zum Ausdruck kommt, halten sich die Informatio nen diesbezüglich bei Eckbert zurück. Es kommt lediglich zum Ausdruck, dass Eck bert „in einer Gegend des Harzes“ (Tieck, 1985, S. 126 f.) wohnt und sich nur sehr selten außerhalb des Schlosses zeigt (vgl. ebd). Die Umgebung des Schlosses wird durch den metaphorischen Sprachgebrauch Tiecks geprägt, indem sich „die Bäume draußen […] vor nasser Kälte“ (ebd.) schüttelten. Berthas Handlungen hängen stark mit der Natur und Landschaft zusammen, die sie innerhalb ihrer Biographie durchlebt (vgl. Garmann, 1989, S. 59). Nach Garmann (1989) flüchtet Bertha „in großer Ver zweiflung über ihr Ungeschick“ (ebd.) von Zuhause und lässt dabei „die ihr bekannte Landschaft“ (ebd.) zurück. Ihre Flucht führt sie durch den Wald. Dabei entwickelt sich ein Gefühl der Einsamkeit, in welcher sich Bertha fürchtet. Das Gebirge ruft in ihr ein sehr unangenehmes Gefühl hervor. Durch die zunehmende der Angst und Einsam keit entwickelt Bertha ein Gefühl der Abneigung gegenüber dieser Gebirgslandschaft (vgl. Tieck, 1985, S. 129). Hierbei fügt Garmann (1989) hinzu, dass Bertha während ihrer Reise von ständiger Angst angetrieben wird (vgl. ebd., S. 60).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage bezüglich des Beitrags von Landschaftsformen zur Handlungsdynamik und erläutert die methodische Vorgehensweise.
2 Natur und Landschaften in der blonde Eckbert: Dieses Kapitel analysiert die subjektive Landschaftswahrnehmung Berthas und deren Projektion auf ihre psychischen Verfassungen.
3 Zusammenhänge und Unterschiede zwischen beiden Texten: Hier werden die Werke Tiecks und Hoffmanns hinsichtlich ihrer Naturdarstellungen und zentralen Motive wie Flucht und Mord gegenübergestellt.
4 Das Unheimliche: Dieses Kapitel verknüpft die Landschaftsformen mit Theorien des Unheimlichen, insbesondere unter Berücksichtigung des Doppelgänger-Motivs.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Landschaftsformen als Projektionsflächen des Unheimlichen und der Schuldgefühle dienen.
Schlüsselwörter
Romantische Phantastik, Ludwig Tieck, E.T.A. Hoffmann, Der blonde Eckbert, Das fremde Kind, Landschaftsformen, Handlungsdynamik, Das Unheimliche, Doppelgänger-Motiv, Inzest, Projektion, Literaturanalyse, Psychologische Deutung, Naturraum, Verdrängung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle Landschaftsformen in den beiden Kunstmärchen von Ludwig Tieck und E.T.A. Hoffmann spielen und wie diese die Dynamik der Handlung maßgeblich beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Interaktion zwischen den Figuren und ihrer natürlichen Umgebung, die Motive Flucht und Mord sowie die literarische Kategorie des Unheimlichen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu verdeutlichen, in welchem Ausmaß Landschaftsformen Handlungen, Gefühle und soziale Verhältnisse der Figuren in den beiden untersuchten Werken steuern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse angewandt, die durch kulturwissenschaftliche und psychoanalytische Ansätze von Theoretikern wie Freud und Todorov ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Gegenüberstellung der Landschaftsdeutung in beiden Werken, der Analyse der Flucht- und Mordmotive sowie der Kategorisierung unheimlicher Phänomene.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Landschaftsformen, Psychologie der Figur, das Unheimliche und vergleichende Literaturanalyse charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung des Waldes zwischen Bertha und den Geschwistern in "Das fremde Kind"?
Während der Wald für Bertha zunehmend eine strafende und angsterregende Komponente annimmt, dient er den Geschwistern Christlieb und Felix primär als positiv besetzter Spiel- und Schutzraum.
Welchen Einfluss hat der Inzest auf das Ende von "Der blonde Eckbert"?
Der Inzest zwischen Bertha und Eckbert ist ein zentrales Element des Unheimlichen, das durch die alte Frau aufgedeckt wird und zum psychischen Zusammenbruch und Wahnsinn Eckberts führt.
- Arbeit zitieren
- Hagen Stelzer (Autor:in), 2017, Die Bedeutung der Landschaftsformen in den Texten Ludwig Tiecks "Der blonde Eckbert" und "Das fremde Kind", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437120