Resilienzförderung bei traumatisierten Kindern


Studienarbeit, 2016
15 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Resilienz
2.1. Definition
2.2. Risikofaktorenkonzept
2.3. Schutzfaktorenkonzept

3. Trauma/ Traumatisierung
3.1. Definition
3.2. Klassifizierung von Kindheitstraumata
3.3. Traumasymptome Folgende vier Symptomgruppen sind typisch für eine Traumatisierung:

4. Mögliche Ursachen der Traumatisierung

5. Resilienzförderung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Konfrontation mit höchst bedrohlichen, unkontrollierbaren Ereignissen ist vielen Kindern bereits schon bekannt. Immer häufiger setzen wir uns damit auseinander, dass auch Kinder, die hier zwischen uns leben, Opfer von Kriegsverbrechen geworden sind oder als Zeugen miterleben mussten, wie Eltern, Geschwister oder Großeltern gefoltert bzw. getötet wurden (vgl. Rauwald 2009, S. 223). Aber auch Gewalterfahrungen, sexueller Missbrauch, Vernachlässigungen, Unfälle, elterliche Drogen- oder Alkoholabhängigkeit oder andere familiäre Probleme können Kinder als Trauma erleben. Solche traumatischen Erfahrungen stellen ein potentielles Risiko für die weitere Entwicklung der betroffenen Kinder dar (vgl. Wustmann 2003, S. 113). Fast täglich ist in den Nachrichten von Katastrophen, Kriegen, Unfällen, Gewaltverbrechen oder Wirtschaftskrisen zu hören. Es wird auch von hohen Arbeitslosenquoten, einem wachsenden Armutsproblem in der Gesellschaft, Umweltbelastungen und steigenden Scheidungsraten u.v.m. berichtet. Die Erwartung dieser Risikoperspektiven ist zunächst mit negativen Konsequenzen für die kindliche Entwicklung verknüpft. Trotz dieser Risiken wachsen viele Kinder zu erstaunlich kompetenten, stabilen und leistungsfähigen Persönlichkeiten heran. Dieses Phänomen hat das Interesse vieler Forscher aus verschiedenen Fachdisziplinen geweckt und wird heute mit dem Begriff „Resilienz“ umschrieben (vgl. ebd. S. 106). Resilienz gilt nicht als eine angeborene Eigenschaft. Resilienz ist nämlich die Fähigkeit eines Individuums „erfolgreich mit belastenden Lebensumständen und negativen Stressfolgen umgehen zu können“ (vgl. Fröhlich-Gildhoff/ Rönau-Böse 2014, S.9). Es ist zudem von wichtiger Bedeutung, inwieweit es einem Kind gelingt, adäquate Strategien zur Bewältigung der traumatischen Erlebnisse zu erlernen. Kinder sind nämlich das „schwächste“ Glied unserer Gesellschaft und brauchen besondere Fürsorge und Pflege. Aber aus unterschiedlichen Gründen erhalten leider nicht alle Kinder die Förderung, die ihrer Persönlichkeit angemessen wäre. Ob und wie gut es den Kindern gelingt, derartige Entwicklungsrisiken erfolgreich zu bewältigen, hängt von unterschiedlichen Schutzfaktoren im Kind und in dessen Umwelt ab. Folgende Fragen stehen dabei im Vordergrund: Was macht die Kinder derart stark? Über welche Potenziale verfügen sie, dass sie Belastungen und Risikolagen so erfolgreich bewältigen können? Welche schützenden Bedingungen in der Lebensumwelt der Kinder tragen zu einer solchen positiven Entwicklung bei? (vgl. ebd. S. 106).

In der vorliegenden Arbeit wird der Frage nachgegangen, wie traumatisierte Kinder resilient gefördert werden können. Die folgende Ausarbeitung soll einen Überblick über den Themenbereich „Trauma und Resilienz “ verschaffen.

2. Resilienz

2.1. Definition

Der Begriff Resilienz leitet sich vom englischen Wort „resilience“ ab und bedeutet „Widerstandskraft, Spannkraft und Elastizität“. Man spricht von Resilienz, wenn sich Menschen trotz erschwerenden Belastungen oder widrigen Lebensumständen psychisch gesund entwickeln können. Diese Eigenschaft ist jedoch nicht angeboren, sondern ein variabler und kontextabhängiger Prozess (vgl. Fröhlich-Gildhoff/ Rönau-Böse 2014, S.9). Resilienz bezeichnet also die Fähigkeit, erfolgreich mit schwierigen Lebensumständen und negativen Folgen von Stress umzugehen und sich davon nicht unterkriegen zu lassen. Das Phänomen Resilienz umfasst damit zwei wichtige Bedingungen: (1) Es muss eine wesentliche Bedrohung für die Entwicklung des Kindes gegeben sein und (2) eine erfolgreiche Bewältigung dieser erschwerenden Lebensumstände. Somit werden nur die Kinder als resilient angesehen, die sich trotz entscheidenden Beeinträchtigungen, positiv entwickeln, im Vergleich zu den Kindern, die unter den gleichen Bedingungen psychische Störungen aufweisen (vgl. Wustmann 2003, S.107f).

Um die Wirkungszusammenhänge von Risiko- und Schutzfaktoren zu beschreiben, haben Forscher verschiedene Resilienzmodelle vorgeschlagen. Eine systematische Resilienzforschung begann erst Ende der 1970er Jahre in Großbritannien und Nordamerika und wurde Ende der 1980er Jahre in Deutschland ebenfalls zu einem festen Bestandteil der Forschung. Nach der Kauai-Studie1 von Werner und Smith in den USA und der Studie von Rutter etablierte sich die Resilienzforschung auch in Deutschland. Die Mannheimer Risikokinderstudie und die Bielefelder- Invulnerabilitätsstudie trugen zu den Erkenntnissen der Resilienzmodelle bei (vgl. Hille 2008, S.11). In der Resilienzforschung wird der Schwerpunkt auf die Ressourcen und Schutzfaktoren der Menschen gelegt und danach gefragt, was den Menschen hilft schwierige und belastende Bedingungen erfolgreich zu bewältigen. Statt Risiken und krankmachende Einflüsse zu bekämpfen, sollen Ressourcen gestärkt werden, um die Menschen gegen Risiken widerstandsfähig zu machen (vgl. Fröhlich-Gildhoff/ Rönau-Böse 2014, S. 15f)

Die Kauai-Studie ist die bekannteste und älteste Studie zur Resilienzforschung. 698 Menschen wurden über 40 Jahre hinweg beobachtet und interviewt. Ein Drittel der Kinder, die erheblichen Risiken ausgesetzt waren, entwickelten sich zu leistungsfähigen, zuversichtlichen und fürsorglichen Erwachsenen. Im Alter von 40 Jahren gab es in dieser Gruppe, die niedrigste Rate an Todesfällen, chronischen Gesundheitsproblemen, Scheidungen, alle hatten Arbeit, benötigten keine Sozialhilfe und schauten positiv in die Zukunft (vgl. Fröhlich-Gildhoff/ Rönau-Böse 2014, S. 15f ).

2.2. Risikofaktorenkonzept

„Risikofaktoren werden als krankheitsbegünstigende, risikoerhöhende und entwicklungshemmende Merkmale definiert, von denen potentiell eine Gefährdung der gesunden Entwicklung des Kindes ausgeht“ (Holtmann/ Schmidt 2004, zit. In: FröhlichGildhoff/ Rönau-Böse 2014, S. 20). In der epidemiologischen Risikoforschung werden insbesondere die Lebensbedingungen ermittelt, die die kindliche Entwicklung beinträchtigen können ( risikoerhöhende Bedingungen), sowie bestimmte Gruppen von Kindern festzustellen, deren Entwicklung gefährdet ist. Dabei werden prinzipiell zwei große Gruppen von Entwicklungsgefährdungen unterschieden: zum einen die kindsbezogenen Vulnerabilitätsfaktoren, die biologische und psychologische Merkmale des Kindes umfassen und zum anderen die Risikofaktoren oder Stressoren, die in der psychosozialen Umwelt eines Kindes entstehen (vgl. Kubitschek 2016, S. 9f).

Die Vulnerabilitätsfaktoren werden darüber hinaus in primäre Faktoren ( Faktoren die das Kind von Geburt an aufweist, z.B. Geburtskomplikationen, genetische Dispositionen), und sekundäre Faktoren ( Merkmale, die in der Interaktion mit der Umwelt erworben werden) unterteilt (vgl. Fröhlich-Gildhoff/ Rönau-Böse 2014, S. 20). Im Falle von primären Vulnerabilitätsfaktoren kann von Prä-, peri- und postnatale Faktoren (z.B. Frühgeburt, Geburtskomplikationen etc.), neuropsychologische Defizite, genetische Faktoren, chronische Erkrankungen, schwierige Temperamentsmerkmale, frühes impulsives Verhalten, hohe Ablenkbarkeit und geringe kognitive Fähigkeiten (niedriger Intelligenzquotient) gesprochen werden. Sekundäre Vulnerabilitätsfaktoren sind z.B. in der frühen Kindheit erworbene unsichere Bindung und geringe Fähigkeiten zu Selbstregulation von Anspannung und Entspannung (vgl. ebd. S. 21)

Risikofaktoren/ Stressoren sind allerdings entweder in der Familie oder im weiteren sozialen Umfeld des Kindes lokalisiert, beispielsweise niedriger soziökonomischer Status/ chronische Armut, chronische familiäre Disharmonie, elterliche Trennung oder Scheidung, Kriminalität oder Alkohol-/Drogenmissbrauch der Eltern, Obdachlosigkeit, Erziehungsdefizite / ungünstige Erziehungspraktiken der Eltern, unerwünschte Schwangerschaft, häufiger Umzug oder Schulwechsel und Verlust eines Geschwisters oder engen Freundes. Nicht jeder Risikofaktor stellt „automatisch“ eine Entwicklungsgefährdung dar – entscheidend ist vielmehr die Häufung von Belastungen (vgl. ebd. S. 21f). Eine äußert extreme Form von Risikoeinflüssen stellen traumatische Erlebnisse dar. Daher wird das traumatische Erlebnis als existenziell bedrohlich und unanwendbar erlebt (vgl. Wustmann 2003, S. 113).

2.3. Schutzfaktorenkonzept

„Schutzfaktoren werden als Merkmale beschrieben, die das Auftreten einer psychischen Störung oder einer unangepassten Entwicklung verhindern oder abmildern sowie die Wahrscheinlichkeit einer positiven Entwicklung erhöhen“ (Rutter 1990, zit. In: FröhlichGildhoff/ Rönau-Böse 2014, S. 27). Risikomildernde bzw. schützende Bedingungen haben eine wichtige Funktion im Prozess der Bewältigung von Risiko- und Stresssituationen. Sie fördern die Anpassung eines Menschen an seine Umwelt. Schützende Bedingungen erhöhen also die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind gegenüber Belastungen besser geschützt ist und erfolgreicher mit Stresssituationen und Problemen umgehen kann. Mit risikomildernden Bedingungen sind zum einen personale Ressourcen (Eigenschaften des Kindes) und zum anderen soziale Ressourcen (d.h. Schutzfaktoren in der Betreuungsumwelt des Kindes) gemeint (vgl. Wustmann 2003, S. 115f). Personale Ressourcen werden darüber hinaus in kindsbezogene Faktoren und in Resilienzfaktoren unterteilt. Kindsbezogene Faktoren sind z.B. Positive Temperamentseigenschaften, intellektuelle Fähigkeiten, erstgeborenes Kind und weibliches Geschlecht gemeint. Mit Resilienzfaktoren sind Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit, Selbststeuerung, soziale Kompetenz und Umgang mit Stress & Problemlösefähigkeiten gemeint

Soziale Ressourcen lassen sich im Wesentlichen in drei Einflussebenen zuordnen:

Innerhalb der Familie:

- mindestens eine stabile Bezugsperson, die Vertrauen und Autonomie fördert
- Zusammenhalt, Stabilität und konstruktive Kommunikation in der Familie
- enge Geschwisterbindungen
- hohes Bindungsniveau und harmonische Paarbeziehung der Eltern
- hoher sozioökonomischer Status

In den Bildungsinstitutionen:  klare, transparente und konsistente Regeln und Strukturen  wertschätzendes Klima (Wärme, Respekt und Akzeptanz gegenüber dem Kind )  Förderung der Basiskompetenzen (Resilienzfaktoren)  Zusammenarbeit mit dem Elternhaus oder anderen sozialen Institutionen

Im weiteren sozialen Umfeld:  kompetente und fürsorgliche Erwachsene außerhalb der Familie, die Vertrauen fördern, Sicherheit vermitteln und als positive Rollenmodelle dienen (z.B. Erzieherinnen, Lehrerinnen, Nachbarn)  Ressourcen auf kommunaler Ebene  Angebote der Familienbildung, Beratungsstellen, Frühförderstellen und Gemeindearbeit etc. (vgl. Fröhlich-Gildhoff/ Rönau-Böse 2014, 27ff).

Nicht jedes Kind kann alle Schutzfaktoren aufweisen und ein Kind ist nicht auch nicht erst dann resilient, wenn es Schutzfaktoren in allen Bereichen aufweist. Es geht nämlich vielmehr darum, dass Kinder die Erfahrung machen, Aufgaben und Anforderungen erfolgreich zu bewältigen und selbst darauf Einfluss nehmen zu können. Je mehr Unterstützung ein Kind hat, umso leichter wird es ihm fallen mit belastenden Situationen umzugehen und sie zu bewältigen (vgl. Fröhlich-Gildhoff/ Rönau-Böse 2014, S. 30).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Resilienzförderung bei traumatisierten Kindern
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
2
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V437134
ISBN (eBook)
9783668844759
ISBN (Buch)
9783668844766
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kind Kinder Traumatisiert Resilienz Förderung Kindheitspädagogik Sozial Arbeit
Arbeit zitieren
Esma Dursun (Autor), 2016, Resilienzförderung bei traumatisierten Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437134

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