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Die Konstruktion der Zigeuner-Figur in Prosper Mérimées "Carmen" und ihre Dekonstruktion in George Sands "La Filleule"

Titel: Die Konstruktion der Zigeuner-Figur in Prosper Mérimées "Carmen" und ihre Dekonstruktion in George Sands "La Filleule"

Bachelorarbeit , 2018 , 42 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Sabina Basic (Autor:in)

Didaktik für das Fach Französisch - Literatur, Werke
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Seit ihrer Ankunft in Europa fasziniert das Volk der Bohémiens die europäische Gesellschaft und insbesondere ihre Schriftsteller. Diese Faszination ist besonders in der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts wiederzuerkennen. Vor allem die Figur der Zigeunerin gilt als „poetisches Ideal“ vieler Autoren dieser Zeit. Sie fremdartig, exotisch und schön, eine Kontrastfigur zur mitteleuropäischen Frau und sie trägt somit die Wünsche der Autoren dieser Zeit in sich.

Frankreich, im 19. Jahrhundert, ist geprägt von sozialen, kulturellen und industriellen Umbrüchen. Die Französische Revolution und die Industrialisierung verändern das gesellschaftliche Klima des Landes und rufen bei einigen Schriftstellern den Wunsch hervor, sich zu verwirklichen und den Enttäuschungen der eigenen Realität zu entkommen. Sie sehnen sich nach Weisheit, Mysterium, Orgien und Exotik; diese Dinge glauben sie im Orient wiederfinden zu können. Spanien wird, aufgrund der dort herrschenden Trockenheit und Hitze, aber auch aufgrund des maurischen Einflusses, als orientalisches Land definiert. Es gilt als zivilisationsfern, „terre de la couler et de la passion“, als Land der Banditen, Schmuggler und Zigeuner.

Der Wunsch nach dem Exotismus und dem Ausbruch aus der eigenen Realität ist allerdings von den eigenen kulturellen Normen befrachtet, sodass sich, um die eigene kulturelle Norm zu bewahren, vom Fremden wertend distanziert wird. Aus diesem Grund gelten die Bohémiens als marginalisierte, von Stereotypen geprägte Gruppe, was sich ebenfalls auf die Literatur des 19. Jahrhunderts auswirkt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Zigeunerbild in Frankreich

1.1. Zur Geschichte der Zigeuner und ihr Bild in der europäischen Gesellschaft bis zum 19. Jahrhundert

1.2. Das Zigeunerbild Frankreichs im 19. Jahrhundert

2. Zigeunerfiguren in der französischen Literatur

2.1. Von den ersten Zigeunererscheinungen in der französischen Literatur bis zum 19. Jahrhundert

2.2. Zigeunerfiguren in der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts

3. Die Konstruktion der „Zigeuner“-Figur in Prosper Mérimées Carmen

3.1. Die Darstellung von Carmen

3.2. Die Konstruktion der „Zigeuner“Figur durch Mérimée

4. Die Dekonstruktion der „Zigeuner“-Figur in George Sands La Filleule

4.1. Die Darstellung von Moréna

4.1.1. Der gesellschaftskritische Einfluss von George Sand auf die Darstellung von Moréna

4.2. Vergleich von Carmen und Moréna

4.2.1. Die Dekonstruktion der Zigeunerfigur in La Filleule

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion und Dekonstruktion der literarischen Zigeunerfigur im französischen Roman des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, am Beispiel von Prosper Mérimées „Carmen“ und George Sands „La Filleule“ aufzuzeigen, wie unterschiedliche Autoren das Fremde nutzen, um entweder Stereotype zu festigen oder Gesellschaftskritik zu üben.

  • Entwicklung des gesellschaftlichen Zigeunerbildes in Frankreich.
  • Konstruktion der „femme fatale“ in Prosper Mérimées „Carmen“.
  • Dekonstruktion der marginalisierten Zigeunerfigur in George Sands „La Filleule“.
  • Vergleich der Identitätsfindung und sozialen Stellung beider Protagonistinnen.

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Darstellung von Carmen

Carmen wird im gesamten Verlauf der Novelle als das exotische und fremde Andere dargestellt. Es wird ersichtlich, dass sie aus einem männlichen Blickwinkel geschrieben wurde, da sie der Prototyp der, im 19. Jahrhundert verbreiteten, Gestalt der femme fatale ist und somit ein idealisiertes Bild der Frau darstellt. Einer femme fatale werden einige typische äußerliche Merkmale zugeschrieben, zum Beispiel langes, gelöstes, wildes Haar, halb geschlossene Augen, ein wilder, dämonischer Blick und ein verführerischer Mund. Die femme fatale betört durch ihre Stimme und ihren Gesang, ihre Bewegungen, Nudität und im Tanz. Sie ist eine bizarre Schönheit mit starker Ausstrahlung. All diese Eigenschaften finden sich bei Carmen wieder, da sie keine Schönheit im klassischen Sinne ist. Ihr Aussehen wird wie folgt beschrieben:

Elle avait dans les cheveux un gros bouquet de jasmin, dont les pétales exhalent le soir une odeur enivrante. Elle était simplement, peut-être pauvrement vêtue, tout en noir, comme la plupart des grisettes dans la soirée. Les femmes comme il faut ne portent le noir que le matin; le soir, elles s´habillent à la francesa. En arrivant auprès de moi, ma baigneuse laissa glisser sur ses épaules la mantille qui lui couvrait la tête,…

Von Beginn an wird Carmen als Verführerin dargestellt, die zunächst auf subtile Art und Weise verführt. Sie lässt ihre Mantilla auf die Schultern fallen, sodass man ihr Gesicht sehen kann. Die Blumen in ihrem Haar, die ihren Duft versprühen, fungieren ebenfalls als subtiles Verführungsmittel. In Carmen verbindet sich die Angst vor dem Fremden mit der vor dem Übernatürlichen und vor dem sexuell Ungebändigten. Dies wird bereits dadurch indiziert, dass Don José Carmen an einem Freitag begegnet. Der Freitag gilt als der Tag der Venus, die in der Antike ein Doppelgesicht hatte; sie war verführerisch und todbringend zugleich.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Faszination für Bohémiens in der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts und Darstellung der Forschungsabsicht.

1. Das Zigeunerbild in Frankreich: Analyse der historischen Entwicklung des Zigeunerbildes in Europa und Frankreich unter Berücksichtigung staatlicher und gesellschaftlicher Vorurteile.

2. Zigeunerfiguren in der französischen Literatur: Untersuchung der literarischen Darstellung von Zigeunerfiguren von den Anfängen bis zum 19. Jahrhundert.

3. Die Konstruktion der „Zigeuner“-Figur in Prosper Mérimées Carmen: Analyse der Carmen als femme fatale und der Einfluss von Mérimées persönlichem Spanienbild.

4. Die Dekonstruktion der „Zigeuner“-Figur in George Sands La Filleule: Untersuchung der Moréna-Figur als Dekonstruktion des Carmen-Typs und Darstellung von George Sands gesellschaftskritischem Einfluss.

Fazit: Zusammenfassende Erkenntnisse über die Integrationsmöglichkeiten der Bohémienne und die unterschiedliche Herangehensweise der Autoren.

Schlüsselwörter

Bohémiens, Zigeuner, Carmen, Moréna, Prosper Mérimée, George Sand, La Filleule, femme fatale, Exotismus, Marginalisierung, Literaturgeschichte, Stereotype, Dekonstruktion, Identität, Sozialismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Bachelorarbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung von Zigeunerinnen im französischen Roman des 19. Jahrhunderts und wie diese Figuren gesellschaftliche Diskurse widerspiegeln.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Themen umfassen die Konstruktion von Fremdheitsbildern, die Rolle von Geschlechterrollen, den Einfluss von Autorenbiografien auf literarische Werke sowie die Auswirkungen soziokultureller Stereotype.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der Vergleich zwischen der als femme fatale konstruierten Figur der Carmen und der dekonstruierten Figur der Moréna, um den Wandel in der Wahrnehmung und Integration von Zigeunerfiguren aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Untersuchung von Primärtexten basiert und diese durch historische und gesellschaftskritische Kontexte sowie Sekundärliteratur einordnet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Zigeunerbildes in der Literaturgeschichte, die detaillierte Analyse der Figur Carmen bei Mérimée und die Untersuchung von Moréna in Sands „La Filleule“ inklusive eines direkten Vergleichs.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Bohémiens, femme fatale, Exotismus, Dekonstruktion und die gesellschaftskritische Perspektive auf Integration.

Wie unterscheidet sich Moréna von Carmen in Bezug auf ihre Selbsterkenntnis?

Während Carmen sich ihrer Identität und ihrer Rolle als Außenseiterin bewusst ist, befindet sich Moréna in einem Identitätsfindungsprozess, bei dem sie erst spät ihre Herkunft erkennt und sich zwischen bürgerlicher Erziehung und nomadischer Freiheit entscheiden muss.

Welche Rolle spielt die Politik in George Sands „La Filleule“?

Obwohl das Werk als psychologischer Roman angelegt ist, transportiert Sand durch Moréna ihre sozialistischen Ideale und kritisiert das Bürgertum, indem sie für Toleranz und eine soziale Integration des Fremden plädiert.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Konstruktion der Zigeuner-Figur in Prosper Mérimées "Carmen" und ihre Dekonstruktion in George Sands "La Filleule"
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Sabina Basic (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
42
Katalognummer
V437193
ISBN (eBook)
9783668774704
ISBN (Buch)
9783668774711
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konstruktion zigeuner-figur prosper mérimées carmen dekonstruktion george sands filleule
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sabina Basic (Autor:in), 2018, Die Konstruktion der Zigeuner-Figur in Prosper Mérimées "Carmen" und ihre Dekonstruktion in George Sands "La Filleule", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437193
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  42  Seiten
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