Wie archäologische Quellen belegen, ist Bernau seit der Mittelsteinzeit um 7000 v.Chr. ein Siedlungsplatz. Bernau war nach seiner Gründung um das Jahr 1234 als Handels- und Kirchenstadt militärisch gesehen weniger bedeutungsvoll. Doch da die Stadt einen Kreuzungspunkt wichtiger Straßen von West und Süd nach Norden darstellte, wurde ihre Sicherung schon bald Anlass zur Errichtung von Wehranlagen. Spätestens zum Jahre 1300 wurde die Stadtbefestigung mit Wall, Graben und Bodenpalisaden errichtet, Tore und Wachtürme kamen etwas später hinzu und die eigentliche Stadtmauer wurde um etwa 1380 fertiggestellt. Damit ist Bernau ein perfektes Beispiel zur Analyse von Wehranlagen, welche in der mittelalterlichen Mark Brandenburg errichtet wurden. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten sind in Bernau noch viele Teile dieser Wehranlagen gut erhalten oder restauriert. Auch wenn der genaue Hergang der Abwehr des Hussitenangriffs auf Bernau warscheinlich nur eine Legende ist, so ist dennoch recht sicher, dass die Hussiten vor den Stadtmauern standen und die Stadt wegen ihrer Wehrhaftigkeit nicht einnehmen konnten.
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Literatur mit dem direkten Fokus auf den Wehranlagen einer mittelalterlichen Stadt in der Mark Brandenburg gibt es nicht. Die „Chronik von Bernau“, welche von Pfarrer und Stadtchronist Tobias Seiler „aus Liebe zu einer Vaterstadt“ um 1736 verfasst und von August Wernicke im Jahre 1894 herausgegeben wurde, hat im ersten Teil in Kapitel 3 einige wenige Seiten mit einer Auflistung aller Wehranlagen. Der gesamte dritte Teil ist eine Aufzeichnung aller kriegerischen Geschehnisse in und um Bernau. Aufgrund der vielen Brände im 15. Jahrhundert, bei denen mindestens drei Mal das Rathaus in Flammen aufging (1406, 1483 und 1485), sind genaue oder belegte Aufzeichnungen zur Entstehung der Stadt oder Wehranlagen nicht vorhanden.
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Deshalb sollen diese Überreste, Seilers Chronik und das Buch „Stadtmauer und Wallanlagen“, herausgegeben von Manfred Thurn für die Stadt Bernau, als Hauptquellen dieser Arbeit dienen. Durch das Studium der Stadtgeschichte im Archiv sowie der Besichtigung aller verbliebenen Wehranlagen und Museen der Stadt soll Bernau als Beispiel einer brandenburgischen Stadt genauer erforscht werden. Dafür werden nach einer zeitlichen und geschichtspolitischen Einordnung zunächst die gängigen mittelalterlichen Wehranlagen beschrieben, bevor die in Bernau errichteten Wehranlagen diesen zugeordnet werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Geschichte der Besiedelung der Mark Brandenburg
2. Mittelalterliche Wehranlagen
2.1 Stadtwall
2.2 Stadtgraben
2.3 Bodenpalisaden
2.4 Stadttore
2.5 Lughäuser/Wehrtürme
2.6 Stadtmauer
3. Die heutigen Überreste der Wehranlagen Bernaus
3.1 Entstehung und Entwicklung der bernauer Wehranlagen
3.2 Die heutigen Überreste der Wehranlagen Bernaus
3.2.1 Die Bernauer Stadtwälle
3.2.2 Die Bernauer Stadtgräben
3.2.3 Die BernauerBodenpalisaden
3.2.4 Die drei Bernauer Stadttore
3.2.5 Die Bernauer Lughäuser und Rundtürme
3.2.6 Die Bernauer Stadtmauer
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die mittelalterlichen Wehranlagen der Stadt Bernau im Kontext der brandenburgischen Siedlungsgeschichte zu untersuchen. Anhand der erhaltenen baulichen Überreste und historischer Chroniken wird analysiert, wie Bernau als Beispiel für eine befestigte märkische Stadt diente und welche Verteidigungsstrategien sowie bauliche Elemente für den mittelalterlichen Wehranlagenbau charakteristisch waren.
- Historische Entwicklung der Besiedelung der Mark Brandenburg
- Systematik mittelalterlicher Verteidigungselemente (Wall, Graben, Mauer)
- Detaillierte Analyse der baulichen Überreste in Bernau
- Die Funktion und Architektur der Bernauer Stadttore und Türme
- Vergleich der historischen Verteidigungsbedeutung mit dem heutigen kulturellen Erbe
Auszug aus dem Buch
3.1. Entstehung und Entwicklung der Bernauer Wehranlagen
Bernu als Handels- und Kirchenstadt bekam schon sehr bald nach seiner Gründung im Jahr 1234 eine Stadtmauer, obwohl die Stadt keinen militärisch wichtigen oder gefährdeten Standort hatte. Die schnelle Errichtung der Grenzanlagen liegt wahrscheinlich in erster Linie an der Sichtbarmachung und Abgrenzung des Bernauer Stadtraums, da die Stadt mit ihrer Anerkennung auch das Stadtrecht erhielt, mit allen seinen Handelsprivilegien. So bauten schon die ersten Siedler noch im 13. Jahrhundert Wallanlagen, ein umfangreiches Grabensystem und Bodenpalisaden zum Schutz ihrer Stadt. Diese wurden bis zur Abtragung der Mauer im 19. Jahrhundert stetig erweitert und ausgebaut. Dass mit dem Bau von städtischen Wehranlagen das Ansehen einer Stadt stieg, dürfte allerdings ebenfalls eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben.
Wie auch in Bernau entstanden in der Mark Brandenburg die meisten Städte und ihre Stadtbefestigungen in der Zeit der Ostkolonisation. “Vor allem seit dem 14. Jahrhundert ersetzten viele Städte die hölzerne Palisade durch eine Steinmauer.” Aufgrund der hohen Kosten und der langen Zeit eines solch enormen Bauvorhabens hing die Befestigung und deren Umfang meist von der Wirtschaftskraft der entsprechenden Stadt ab. “Spätestens 1340 ist die Stadtmauer [von Bernau] belegt.”
Meist begann der Umbau mit der Errichtung eines steinernen Stadttores. Dies hatte, wie beschrieben, vor den funktionellen- meist eher repräsentative Gründe. “Die prächtigen, oft von mächtigen Türmen flankierten Tore finden sich daher oft auf den Stadtsiegeln verewigt.” Die Errichtung von im Gegensatz zu Holz wesentlich kostenspieligeren steinernen Wehranlagen hatte für die Einwohner der Stadt eine große Bedeutung, da das Ansehen ihrer Stadt daran hing. Die neu gebauten Stadttore vieler Städte dieser Zeit tragen daher auch explizit den Namen Steintor. So wie in Bernau tragen diesen Namen viele Tore auch heute noch.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Gründungsgeschichte Bernaus sowie Erläuterung der Forschungsgrundlage und Methodik unter Verwendung von Chroniken und archäologischen Quellen.
1. Die Geschichte der Besiedelung der Mark Brandenburg: Darstellung der territorialen Entwicklung der Mark Brandenburg von der Besiedelung durch slawische Stämme bis zur askanischen Expansion.
2. Mittelalterliche Wehranlagen: Definition und systematische Beschreibung der typischen Elemente einer mittelalterlichen Stadtbefestigung wie Stadtwall, Graben, Tore und Mauern.
3. Die heutigen Überreste der Wehranlagen Bernaus: Detaillierte Bestandsaufnahme und historische Analyse der spezifischen Befestigungsanlagen Bernaus, unterteilt in Wallanlagen, Tore und Türme.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der historischen Bedeutung der Wehranlagen und deren heutige Rolle als kulturelles Erbe für die Stadt Bernau.
Schlüsselwörter
Bernau, Mark Brandenburg, Wehranlagen, Stadtmauer, Stadttor, Lughaus, Mittelalter, Stadtbefestigung, Siedlungsgeschichte, Askanier, Pulverturm, Hungerturm, Wallanlagen, Ostexpansion, Denkmalpflege
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die mittelalterlichen Wehranlagen der Stadt Bernau und deren historische Funktion im Kontext der Mark Brandenburg.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Siedlungsgeschichte der Mark Brandenburg, die Systematik mittelalterlicher Verteidigungsarchitektur sowie die spezifische historische und bauliche Analyse der Bernauer Wehranlagen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Bernau als Beispiel für eine befestigte märkische Stadt zu untersuchen und die Entstehung sowie Erhaltung ihrer Wehranlagen wissenschaftlich einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus Literaturstudium, Analyse stadtgeschichtlicher Archivquellen und einer direkten Bestandsaufnahme der vor Ort erhaltenen Wehranlagen und Museen angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Beschreibung mittelalterlicher Wehranlagen und eine detaillierte Ausarbeitung zu den Bernauer Anlagen, inklusive der Stadtwälle, Gräben, Tore und Türme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bernau, Wehranlagen, Stadtmauer, Mittelalter, Stadtbefestigung und Siedlungsgeschichte sind die prägenden Begriffe.
Warum spielt die Wirtschaftskraft bei der Errichtung der Stadtmauer eine Rolle?
Die Errichtung und der Unterhalt einer massiven steinernen Stadtbefestigung waren extrem kostspielig und zeitintensiv, weshalb der Umfang der Anlagen oft direkt von den finanziellen Möglichkeiten der jeweiligen Stadt abhing.
Welche Bedeutung hatten die Lughäuser für die Stabilität der Stadtmauer?
Die Lughäuser dienten nicht nur als Verteidigungsposten, sondern stabilisierten die Mauer auch physisch an strategisch wichtigen Punkten, um ein Ausweichen oder Wegrutschen des Mauerwerks zu verhindern.
Was unterscheidet das Steintor von den anderen Toren der Stadt?
Das Steintor gilt als das repräsentativste und größte Tor Bernaus, das bereits vor der eigentlichen Stadtmauer errichtet wurde und eine zentrale Rolle in der Stadtgeschichte und als Heimatmuseum einnimmt.
Wie reagierte die Stadt Bernau auf die Entwicklung der Artillerie?
Um dem Beschuss durch neue Schießpulver-Geschütze entgegenzuwirken, wurden über das 16. und 17. Jahrhundert hinweg die Wall- und Grabensysteme vor der Stadtmauer massiv ausgebaut.
- Arbeit zitieren
- Matthias Marin (Autor:in), 2018, Die Wehranlagen mittelalterlicher Städte der Mark Brandenburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437302