Im Folgenden wird die Niederlandreise des deutschen Künstlers, Mathematikers und Kunsthistorikers Albrecht Dürer vom 12. Juli 1520 bis zum Herbst des darauffolgenden Jahres 1521 dargestellt.
Die Reise in die Niederlande war die letzte große Reise von vier größeren Reisen insgesamt, die Albrecht Dürer antrat. Auf dieser Reise wurde er von seiner Ehefrau Agnes und der Magd Susanna begleitet. Sie reisten von Nürnberg, ihrem Wohnort, wo zu der Zeit die Pest über die Stadt gekommen war, über Bamberg nach Frankfurt, wo sie am 20. Juli ankamen, und von dort aus mit dem Schiff über Mainz nach Köln. Von Köln ging es dann am 27. Juli weiter nach Antwerpen, wo sie am 3. August ankamen. Nachdem Dürer sich bis zum 26. August in Antwerpen aufgehalten hatte, reiste er von dort aus in verschiedene Städte, wie Brüssel, Aachen, Brügge, Seeland, Gent oder Köln, bis er schließlich am 3. Juli 1521 seine Rückreise aus Antwerpen Richtung Brüssel antrat. In Nürnberg angekommen, widmete er sich wieder der Malerei. [...]
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Albrecht Dürer
III. Dürers Reise in die Niederlande vom 12. Juli 1520 bis 1521
III.1 Dürers Reisekontakte
III.2 Dürers Reisekosten
IV. Die Niederlandreise im Vergleich zur Venedigreise
V. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Reisetagebuch von Albrecht Dürer während seiner Niederlandreise (1520–1521), um anhand der dort dokumentierten Aufzeichnungen seine Reisekontakte sowie die Finanzierung und die anfallenden Kosten seiner Reise detailliert zu analysieren.
- Analyse von Albrecht Dürers Reisetagebuch als zentrale Primärquelle
- Untersuchung der sozialen Kontakte zu Künstlern, Herrschern und Humanisten
- Detaillierte Betrachtung der Reisekosten und Finanzierungsmöglichkeiten
- Vergleich der Niederlandreise mit der früheren Venedigreise
- Reflektion über Dürers Selbstverständnis als Künstler und Unternehmer
Auszug aus dem Buch
III.1 Dürers Reisekontakte
Dürer war bereits zu Lebzeiten angesehen und berühmt, was nicht zuletzt in den Arbeiten begründet ist, die er für Kaiser Maximilian anfertigte. Daher zieht es sich wie ein roter Faden durch Dürers Reise, dass er meist stets willkommen war, man freute sich, ihn kennenzulernen und nicht selten wurde er bewirtet: „So hat mich Veit Fahrnpühler geladen, aber sein wirth wolt kein zahlung von jm nehmen, sondern selbst mein wirth sein. Und sie beweißeten mir viel ehr.“
Es scheint so auch nicht verwunderlich, dass Dürer vorwiegend in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen verkehrte, denn er pflegte Kontakte zu Herrschern, Künstlern, Kaufleuten und Humanisten, nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in Portugal: „Aber hab jch die mahl mit dem Portigaler gessen: […].“ oder in Dänemark, wie beispielsweise zu König Christian II. von Dänemark: „[…], do schicket der könig von Dennenmarck zu mir, daß ich eylend zu ihm kem und in conterfeyet.“
Auch mit der Königin von Spanien aß er gegen Ende seiner Reise auf einem Bankett zu Abend, was er dem Kontakt zu König Christian zu verdanken hatte, der zu dem Bankett geladen hatte. Auch mit Kaiser Karl V. traf sich Dürer: „Jch hab zu Cohln auff dem tanczhauß des kaiser Carls fürsten tancz und panquet gesehen am sontag zu nacht nach Aller heiligen tag jm 1520 jahr, das war köstlich zugericht.“, nicht nur, um sich wie erwähnt seine Rente bestätigen zu lassen, was ihm im Übrigen auch gelang.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema der Niederlandreise Albrecht Dürers ein, benennt die zentrale Quelle, das Reisetagebuch, und definiert die Forschungsfragen zu den Reisekontakten und -kosten.
II. Albrecht Dürer: Hier wird der Lebensweg Dürers skizziert, wobei sein Aufstieg vom Handwerker zum angesehenen Künstler sowie seine für die Zeit ungewöhnliche Mobilität und sein Selbstbewusstsein hervorgehoben werden.
III. Dürers Reise in die Niederlande vom 12. Juli 1520 bis 1521: Das Kapitel analysiert die konkreten Hintergründe der Reise, wie die Rentenbestätigung durch Karl V., sowie die Rolle Dürers als Geschäftsmann und die Struktur seines als Rechnungsbuch fungierenden Tagebuchs.
III.1 Dürers Reisekontakte: Diese Sektion beleuchtet Dürers weitreichendes Netzwerk zu hochstehenden Persönlichkeiten, Gelehrten und Künstlern, wobei der Fokus auf dem gegenseitigen Austausch und dem gesellschaftlichen Ansehen Dürers liegt.
III.2 Dürers Reisekosten: Hier werden die verschiedenen Ausgabenposten der Reise, von der Verpflegung und Unterkunft bis hin zu Reise- und Arztkosten, systematisch aufgeschlüsselt.
IV. Die Niederlandreise im Vergleich zur Venedigreise: Dieser Abschnitt kontrastiert die Niederlandreise mit Dürers früherer Reise nach Venedig und arbeitet sowohl Gemeinsamkeiten in der künstlerischen Entwicklung als auch Unterschiede in der finanziellen Buchführung heraus.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Dürer zwar künstlerisch und persönlich bereichert wurde, er die Reise jedoch aufgrund ausbleibender Anerkennung durch Erzherzogin Margarethe und eigener finanzieller Abwägungen in seinem persönlichen Rückblick kritisch bewertete.
Schlüsselwörter
Albrecht Dürer, Niederlandreise, Reisetagebuch, Kunstgeschichte, Mittelalter, Humanismus, Reisekosten, Künstlerkontakte, Kaiser Maximilian I., Karl V., Malerei, Reiserechnungsbuch, Venedigreise, Mobilität, Unternehmertum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der letzten großen Reise des Künstlers Albrecht Dürer in die Niederlande zwischen 1520 und 1521.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen Dürers soziale Kontakte zu einflussreichen Personen sowie die detaillierte Finanzierung und Kostengestaltung seiner Reise.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, mit wem Dürer während seiner Reise verkehrte und wie er die finanziellen Herausforderungen seines einjährigen Aufenthalts bewältigte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine quellenkritische Analyse des überlieferten Reisetagebuchs von Albrecht Dürer unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung Dürers, die detaillierte Analyse seiner Kontakte und Ausgaben sowie den Vergleich mit seiner Italienreise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Reisetagebuch, Kunstunternehmertum, soziale Netzwerke, Renaissance und Mobilität definiert.
Warum war die Rentenbestätigung für Dürer so wichtig?
Da der bisherige Gönner Kaiser Maximilian verstorben war, musste Dürer sicherstellen, dass dessen Enkel Karl V. die lebenslange Rente offiziell bestätigte.
Warum bewertete Dürer seine Reise am Ende als negativ?
Trotz der fachlichen Erfolge fühlte sich Dürer von Erzherzogin Margarethe persönlich gekränkt und zog eine negative Bilanz hinsichtlich seiner finanziellen Einnahmen während der Reise.
Welche Rolle spielte die Pest bei Dürers Reisen?
Sowohl bei der Reise nach Venedig als auch in die Niederlande herrschte in Nürnberg die Pest, was jedoch eher als Anstoß denn als primärer Reisegrund gewertet wird.
Wie unterscheidet sich das Tagebuch von einem gewöhnlichen Reisetagebuch?
Es fungiert primär als akribisches Rechnungsbuch, in dem Dürer systematisch Einnahmen und Ausgaben festhielt, anstatt seine persönlichen Eindrücke in erzählerischer Form zu schildern.
- Arbeit zitieren
- Gina Wohler (Autor:in), 2013, Albrecht Dürers Reise in die Niederlande vom 12. Juli 1520 bis 1521, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437401