Die Schrift gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Die kulturelle Entwicklung des Menschen ist durch die Schriftentwicklung revolutioniert worden. Durch diese Technologie wurde die Akkumulation und der Transfer von Wissen auf eine neue Stufe gehoben. Es wurde durch sie möglich, Informationen zu codieren, die codierte Information über lange Zeit und über weite Entfernungen zwischen Sender und Empfänger in ihrer Genauigkeit zu bewahren, so dass der Empfänger sie wieder verlust- und verfälschungsfrei dekodieren konnte.
Schriftsysteme sind zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Teilen der Erde entwickelt worden. Vorstufen einer Schrift sind nach Ansicht mancher Wissenschaftler schon 5500 v. Chr. in Südosteuropa entstanden. Allgemein werden jedoch die ägyptischen Hieroglyphen (ca. 3500 v. Chr.) und die sumerische Keilschrift in Mesopotamien (ca. 2700 v. Chr.) als früheste Schriftsysteme betrachtet. Gemäß der These von der Polygenese der Schrift entstanden unabhängig von diesen Schriften weitere Schriftkultu-ren, wobei die indische Indusschrift (2300 v. Chr.), die chinesische Schrift (1900v. Chr.) und die Schrift der Olmeken in Südamerika (1000 v. Chr.) als wichtigste zu nennen sind. Geschrieben wurde (und wird ) in bzw. auf Ton, Stein, Knochen, Papyrus, Ostraka, Pergament, Palmblätter, Leder, Textilien, Wachs, Metall, Stoff und Papier. Es gab verschiedene Schreibtechniken, die wie das Trägermaterial die Form der Zeichen beeinflußte. Es wurde mit Pinseln aus ausgefaserten Enden von Pflanzenstielen geschrieben, es wurde mit spitzen Gegenständen in Ton geritzt oder mit Meißeln in Stein geschlagen. Auch Federkiele dienten als Schreibwerkzeug. Heute liegen die meisten Schriftdokumente gedruckt oder als Datensatz für Computer vor, doch auch die Handschrift wird weiterhin häufig mit Füller und Tinte oder ähnlichem geschrieben.
Lange Zeit wurde Schrift nur von sozialen, ökonomischen und politisch-religiösen Eliten benutzt, bis es mit der Erfindung der Typographie zu einer allmählichen Demokratisie-rung des Schreibens kam.
In meiner Arbeit möchte ich die wichtigsten und ältesten Schriften des Nahen Ostens, wie die Schriftzeichen der sumerischen Piktographie oder die ägyptische Hieroglyphenschrift, vorstellen, sowie die Entstehung des heute auf aller Welt verbreiteten lateinischen Alphabets nachzeichnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Wie aus Bildern Schrift wurde
2.1.1 Die Bilderschrift als Vorstufe
2.1.2 Eine Definition von „Schrift“
2.1.3 Techniken der Schrift
2.1.3.1 Logographie und Phonographie
2.1.3.1.1 Logographie
2.1.3.1.2 Phonographie
2.2 Die ägyptische Segmentalschrift
2.2.1 Heilige Zeichen, die Hieroglyphen
2.2.2 Das Rebusprinzip
2.2.3 Für die Priester, für das Volk, die Kursivformen Hieratisch und Demotisch
2.3 Die minoischen Schriften
2.3.1 Linear A
2.3.2 Linear B
2.3.3 Kretische Hieroglyphen
2.4 Die Keilschrift des Nahen Ostens
2.4.1 Homophonie und Determinative
2.4.2 Schriftform als Folge von Schreibmaterial
2.4.3 Die sumerische Keilschrift als „scribua franca“ des östlichen Mittelmeergebietes
2.4.5 Das Keilschrift-Alphabet aus Ugarit
2.6 Zwischen Silben- und Konsonanten: Die Byblos-Schrift
2.7 Das Proto-Sinaitische und das Proto-Kanaanitische
2.8 Das phönizische Konsonantenalphabet
2.9 Das griechische Alphabet
2.9.1 Der Fortschritt des griechischen Alphabets
2.10 Das Lateinalphabet
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zeichnet die historische Entwicklung der Schrift von ihren Anfängen als Piktogramme im Nahen Osten bis hin zur Etablierung und Ausbreitung des heute weltweit verbreiteten lateinischen Alphabets nach.
- Evolution von Bilderschriften zu abstrakten Zeichensystemen
- Die ägyptischen Hieroglyphen und das Rebusprinzip
- Entstehung und Struktur der Keilschrift
- Entwicklung des alphabetischen Prinzips durch phönizische und griechische Einflüsse
- Transformation zum Lateinalphabet
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Homophonie und Determinative
Die sumerische Sprache eignete sich dafür, denn sie hatte viele einsilbige und gleichlautende Wörter. So wurde das Piktogramm für Schilf („gi“) auch für das gleichlautende Wort für das Verb „zurückkommen“ benutzt. Um die Polysemie eines Homophons zu reduzieren und Begriffe einer bestimmten Kategorie genauer zuzuordnen wurden in der sumerischen Schrift bereits Determinative benutzt. Sie wurden meist vor (Prädeterminativ) aber manchmal auch hinter (Postdeterminativ) die Zeichen gesetzt und wurden nicht gesprochen. Dieses Technik wurde aber nicht prinzipiell angewandt, das logographische Prinzip dominierte und die Sumerer wendeten die phonographische Schreibweisen nur dann an, wenn sie die Grenzen ihres logographischen Systems erreicht hatten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Schrift als älteste Kulturtechnik ein und skizziert die methodische Absicht, die Entwicklung der Schriften des Nahen Ostens und des lateinischen Alphabets darzustellen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Entwicklungsstufen, von der ersten Bilderschrift über die ägyptische Segmentalschrift und die Keilschrift bis hin zur Entstehung der modernen Alphabetschriften.
3. Schluss: Der Schlussteil reflektiert die soziokulturelle Bedeutung des Schriftgebrauchs sowie die Demokratisierung des Wissens durch den Buchdruck und thematisiert die zeitlose Relevanz von Piktogrammen in der heutigen Zeit.
Schlüsselwörter
Schriftgeschichte, Alphabet, Piktogramme, Keilschrift, Hieroglyphen, Logographie, Phonographie, Phönizisches Alphabet, Griechisches Alphabet, Lateinalphabet, Sprachfixierung, Schreibmaterial, Kulturtechnik, Epigraphik, Semitische Sprachen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung von Schriftsystemen, beginnend bei den frühesten bildlichen Fixierungen von Informationen bis hin zum modernen lateinischen Alphabet.
Welche Schwerpunkte werden innerhalb der Schrifthistorie gesetzt?
Die Arbeit fokussiert sich besonders auf die Schriften des Nahen Ostens, darunter die sumerische Keilschrift, die ägyptischen Hieroglyphen sowie die Entstehung der Konsonanten- und Alphabetschriften.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, den Transformationsprozess nachzuzeichnen, durch den sich menschliche Kommunikation von rein bildlichen Darstellungen hin zu effizienten, lautbasierten Alphabetsystemen gewandelt hat.
Wie wurde die wissenschaftliche Methode in der Arbeit umgesetzt?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Analyse fachwissenschaftlicher Literatur, um die theoretischen Konzepte wie Logographie und Phonographie anhand historischer Beispiele zu explizieren.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung verschiedener Schriftsysteme wie die kretischen Schriften, die Keilschrift des Nahen Ostens und die Entwicklungslinien des phönizischen, griechischen und letztlich lateinischen Alphabets.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit maßgeblich?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Schriftentwicklung, Alphabetisierung, Piktographie, Phonetisierung, Schriftsysteme und Sprachgeschichte.
Welche besondere Rolle spielten Determinative in der sumerischen Keilschrift?
Determinative dienten als stumme Zeichen, die mehrdeutige Begriffe einer spezifischen Kategorie zuordneten, um so die Lesbarkeit und Eindeutigkeit der komplexen Keilschrift zu verbessern.
Warum war der Übergang von der Silbenschrift zur Alphabetschrift so bedeutsam?
Dieser Übergang war entscheidend, da er eine effizientere Erlernbarkeit und universellere Einsetzbarkeit der Schrift ermöglichte, indem ein Graphem konsequent einem einzelnen Phonem zugeordnet wurde.
- Citar trabajo
- Jörg Hartmann (Autor), 2003, Von den ersten Schriften zum modernen Alphabet - Wie das lateinische ABC entstand, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43740