'Goebbels Propagandisten' für die Ostmark


Magisterarbeit, 2004
277 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungen

I. Einleitung
1. Problemstellung und Zielsetzung
1.1. Untersuchungsgruppe
1.2. Der Untersuchungszeitraum
1.3. Kategorienbildung und Fragestellungen
1.4. Fragestellungen der Analysen I und II
2. Aufbau der Arbeit
3. Methodisches Vorgehen
4. Quellen
4.1. Archive
4.2. Institutionen und Verbände
4.3. Literatur und Nachschlagewerke
4.4. Fachzeitschriften
4.5. Andere Quellen
5. Literatur
5.1. Literatur zum Thema „Anschluss“ und Presse
5.2. Literatur zum Nachkriegsjournalismus
6. Anmerkungen der Verfasserin
6.1. Grenzen der Aussage und Bewertung
6.2. Geschlechtsspezifische Benennung

II. Entwicklung der Presse im „Deutschen Reich“ ab
1. Nationalsozialistische Pressepolitik
1.1. Das „Schriftleitergesetz“
1.2. Presselenkung - Berliner Pressekonferenz und DNB
1.3. Die demokratische Presse
1.4. Die Parteipresse der Nationalsozialisten
1.5. Bürgerlich-konservative Presse
2. Resümee: Nationalsozialistische Pressepolitik

III. Analyse I: „Schriftleiter“, die 1938/39 aus
dem „Deutschen Reich“ nach Österreich kamen
1. Kategorien
2. Auswertung: „Schriftleiter“- Biografien 1938 bis 1945
2.1. Regionale Herkunft und politischer Hintergrund
2.2. Aufenthaltsort der „Schriftleiter“ in der „Ostmark“
2.3. Alter zum Zeitpunkt der Überweisung
3. Arbeitsbereiche der „Schriftleiter“ in der „Ostmark“
4. Kategorie I: „Schriftleiter“ in der Propaganda für Staat und Partei
4.1. „Schriftleiter“ in Institutionen zur Presselenkung
4.2. Durchführung der „Gleichschaltung“ - der „Reichsverband der deutschen Presse“ in Österreich
4.3. „Schriftleiter“ in Nachrichtenagenturen
5. Kategorie II: „Schriftleiter“ in der österreichischen Zeitungen
5.1. „Anschluss“ und „Gleichschaltung“ der Presse in der „Ostmark“
5.2. „Schriftleiter“ in der Presse der „Ostmark“
5.3. Zeitungen privater Verleger
5.4. Leitende Funktionen in der Presse
5.5. Schriftsteller
6. Kategorien III und IV: Berufe in anderen Bereichen
7. Kriegsdienst
7.1. „Schriftleiter“ im Wehrmachtseinsatz
7.2. Einsatz in der Kriegsberichterstattung
8. „Schriftleiterinnen“, die mit dem „Anschluss“ nach Österreich kamen
9. Resümee: „Schriftleiter“, die 1938 in die „Ostmark“ kamen

IV. Analyse II: „Goebbels` Propagandisten“
nach dem Ende der NS-Herrschaft
1. Untersuchung des Berufsverlaufs nach 1945
1.1. Fragestellungen der Analyse II
1.2. Kategorienbildung: Ehemalige „Schriftleiter“ nach 1945
2. Entnazifizierung in Österreich
2.1. Allgemeine Entnazifizierungsmaßnahmen
2.2. Entnazifizierung der österreichischen Presse
2.3. Entnazifizierungsverfahren ehemaliger „Schriftleitern“
3. Entnazifizierung der deutschen Presse
4. Analyse II: Arbeitsfelder und Aufenthaltsort der ehemaligen „Propagandisten Goebbels`“ nach 1945
4.1. Ehemalige „Schriftleiter“ nach 1945 in Österreich
4.2. Ehemalige „Schriftleiter“ nach 1945 in Deutschland
4.3. Ehemalige „Schriftleiter“ - 1945 in Österreich, dann in Deutschland
4.4. Im Exil - Ehemalige „Schriftleiter“ nach 1945 im Ausland
4.5. Ehemaliger „Schriftleiter“ mit unbekanntem Aufenthaltsort
5. Resümee - Karrieren ehemaliger „Schriftleiter“ nach 1945

V. Zusammenfassung und Ausblick

VI. Biografien

VII. Anhang
1. Literatur für die gesamte Darstellung
2. Literatur zum Erstellen der Journalisten-Biografien
3. Quellen zum Erstellen der Journalisten-Biografien
4. Tabellenverzeichnis

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I. Einleitung

Nahezu sechs Jahrzehnte nach der Zerschlagung des nationalsozialistischen Regimes sind viele Fragen zu den Auswirkungen der Jahre 1938 bis 1945 auf die österreichischen Medien noch offen. In der kommunikationswissenschaftlichen Forschung mehren sich Beiträge über die nationalsozialistische Propaganda- und Pressepolitik, die einen Exodus des geistigen Potentials aus Österreich bewirkte und die gesamte Presselandschaft nachhaltig prägte.

Der 11. März 1938, der Tag des „Anschlusses“, war der offizielle Beginn der „Gleichschaltung“, Umwälzung und „Säuberung“ der österreichischen Presse. Was fünf Jahre zuvor in Deutschland begonnen worden war, wurde nun in der „Ostmark“ fortgesetzt.[1]

Dass der „Anschluss“ weder überraschend noch ungeplant vonstatten gegangen war, wird anhand von verschiedenen Akten, die im Bundesarchiv Berlin lagern, deutlich. Die Eingriffe im Pressewesen der „Ostmark“ waren in Berlin Monate vor dem Einmarsch von Hitlers Truppen geplant worden. So stellte zum Beispiel der reichsdeutsche Journalist Harro Spoerl bereits im Februar 1938 an den „Reichsverband der deutschen Presse“ (RDP) die Anfrage, „ob nicht in Österreich eine allmähliche Umgruppierung auch im Pressewesen eintritt und ob eine deutsche Stelle über eine Entsendung geeigneter Kräfte beschließt“.[2] Bereits einen Monat später bezog Harro Spoerl seinen Posten als „kommissarischer Leiter“ des Neuen Wiener Journals in Wien.[3] Seine Versetzung war kein Einzelfall: Allein innerhalb der ersten 12 Monate nach Gründung des RDP wurden zumindest 113 „Schriftleiter“ aus dem „Deutschen Reich“ in die „Ostmark“ überwiesen, um Arbeitsplätze in der österreichischen Presse einzunehmen.[4]

„Schriftleiter“ - das war die zu dieser Zeit gängige Berufsbezeichnung für Redakteure und Journalisten. 1933 wurde durch das „Schriftleitergesetz“ festgelegt, wer diesen Beruf ausüben durfte. Im Zuge der Eingliederung der „Ostmark“ in das „Großdeutsche Reich“ wurde auch die österreichische Presse reichsdeutschen Institutionen unterstellt und das „Schriftleitergesetz“ eingeführt.

Die Gruppe der „Schriftleiter“, die 1938/39 nach Österreich kamen, soll in der vorliegenden Arbeit einer Analyse unterzogen werden. 113 Kurzbiografien wurden erstellt. Dabei wurde das Hauptaugenmerk vor allem auf die berufliche Situation zwischen 1938 und 1945 und den weitere Berufsverlauf dieser Personen nach dem Ende des NS-Regimes gerichtet.

Im Zuge der Recherche wurde bald offensichtlich, dass viele dieser Journalisten mit bestimmten Aufträgen von reichsdeutschen Stellen nach Österreich geschickt worden waren, da sie Kriterien erfüllten, die sie für einen Einsatz in der „ostmärkischen“ Presse und in Institutionen zur Presselenkung prädestinierten. Die vorliegende Studie soll den Maßnahmen, durch die die österreichische Medienlandschaft ab März 1938 radikal verändert wurde, ein Gesicht geben - oder, genauer gesagt - 113 Gesichter und Namen, die die Propaganda- und Pressepolitik des NS-Regimes in die Tat umsetzten.

Warum ist es notwendig, dass die Zeit der NS-Herrschaft auch bezogen auf die Medien
einer Analyse unterzogen und unwiderrufliche Geschehnisse weiterhin thematisiert werden? Weil die Geschichte bis in die Gegenwart wirkt. Die Auseinandersetzung mit den (ehemaligen) „Schriftleitern“ und „Propagandisten Goebbels`“ zielt nicht darauf ab, einzelne Personen an den Pranger zu stellen. Es geht weniger um die Frage nach Schuld und Sühne, als um den gesellschaftlichen Zusammenhang, der über die betroffene Einzelperson hinausgeht.

„1933 und 1945 bleiben die kardinalen Daten, wenn man untersuchen will, wie sehr dem journalistischen Handeln publizistischer Eigenwert zukommt, oder ob es im politischen und historischen Zusammenhang instrumentell und nachrangig erscheint.“[5]

Die Untersuchung des Zeitraumes 1938 bis 1945 hat vor allem dann Relevanz, wenn es um die Langzeitfolgen der NS-Indoktrination für das Pressewesen und damit auch für öffentliche Diskurse nach dem Ende des NS-Regimes geht.

Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema müsste vor allem auf der inhaltlichen Ebene stattfinden, die aber auf einer grundlegendere Fragestellung aufbaut: Wer waren die
Akteure der Nachkriegszeit, welche Vorgeschichte hatten sie? Auf die vorliegende Studie bezogen lautete die Frage: Was geschah mit den „Schriftleitern“, die 1938 nach Österreich gekommen waren, nach dem Ende des NS-Regimes? Konnten sie weiterhin in der demokratischen Presse in Österreich und Deutschland arbeiten? Eines sei vorweggenommen: Eine „Stunde Null“ in der Medienlandschaft hat es nicht gegeben. Wie weit jedoch die personelle Kontinuität zur NS-Presse reichte, soll in der vorliegende Arbeit anhand der untersuchten 113 „Schriftleiter“ aufgezeigt werden.

1. Problemstellung und Zielsetzung

Wer waren diese Journalisten, die mit dem „Anschluss“ in die „Ostmark“ kamen? Dass nicht ohne Grund gerade sie eingesetzt wurden, war bereits nach einigen Recherchen offensichtlich. Es galt zu klären, welchen Auftrag sie hatten, wo sie eingesetzt wurden bzw. welche Rolle sie im nationalsozialistischen Propagandaapparat spielten.

Wohin die Recherche führen würde, ob hinter diesen Namen Persönlichkeiten steckten, die so relevant waren, dass zu ihnen für die geplante Untersuchung ausreichend Akten angelegt wurden, war am Anfang nicht absehbar. Der erste Eindruck bestätigte sich: Die Mehrzahl der „Schriftleiter“ hatte in der Geschichte Spuren hinterlassen, zu den meisten wurden ausreichend Akten gefunden. Obwohl die Individualität des Einzelnen eine Vereinheitlichung und Verallgemeinerung nur eingeschränkt zulässt, wurden sehr bald Parallelen deutlich - die Gruppe wurde allmählich homogener.

Zusätzlich drängte sich ein weiterer Aspekt geradezu auf: Was geschah mit diesen Journalisten nach dem Ende der NS-Herrschaft? Waren sie weiterhin Teil der Medienlandschaft in Österreich oder in Deutschland? Aus diesem Grund wurden die Biografien - soweit die Akten Auskunft darüber gegeben haben - bis nach dem Krieg fortgesetzt.

Bei der Analyse dieses Zeitraums geht es um die Frage nach der personellen Kontinuität in den Medien nach 1945. Diese lässt sich wiederum nur im Zusammenhang mit dem beruflichen Werdegang der „Schriftleiter“ während des NS-Regimes untersuchen.

1.1. Untersuchungsgruppe

Jeder, der als „Schriftleiter“ arbeiten wollte, musste Mitglied im „Reichsverband der
deutschen Presse“ (RDP) sein.[6] Der RDP war in Landesverbände (LV) eingeteilt, die Mitglieder fielen je nach Wohnort in den Zuständigkeitsbereich eines bestimmten LV. Um Kontrolle über die Mitglieder zu haben, wurde jede örtliche Veränderung registriert und in der Deutschen Presse (DP), dem Organ des RDP, unter „Mitgliederbewegung - Überweisungen an den Landesverband Ostmark“ veröffentlicht.

Die bereits durch Dr. Fritz Hausjell aus der DP exzerpierten 59 Namen von „Schriftleitern“ wurden nach der Durchsicht der weiteren Ausgaben (insgesamt waren es 17 Ausgaben im Zeitraum Juli 1938 bis Juli 1939) zu einer Liste von 113 Namen erweitert.[7] 113 Lebens-läufe wurden verfasst, wobei zum Einen der berufliche und politische Werdegang in den Jahren 1938 bis 1945, zum Anderen das Leben nach 1945 im Mittelpunkt des Interesses stand. In die Kurzbiografien wurden nach Möglichkeit auch Herkunft, Bildung und Erfahrungen in der Ausbildungszeit aufgenommen.

1.2. Der Untersuchungszeitraum

Die Biografien spannen einen Bogen von etwa 1890 bis 1970. Das Leben der Journalisten zwischen 1938 und 1945 stellt aufgrund der Fragestellung der vorliegenden Arbeit -
begünstigt durch die relativ gute Aktenlage zu diesem Zeitraum - den Kern der Lebensläufe dar. Die Zeit vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Österreich, die Ausbildungszeit der untersuchten „Schriftleiter“ und „Propagandisten“, wurde in groben Zügen erfasst, da sie zu den Voraussetzungen und zur Grundlage des Werdegangs der „Schriftleiter“ gehörte. Die Nachkriegszeit stellte den zweiten Schwerpunkt der Biografien dar.

Dabei ergab sich jedoch das Problem, dass zu rund 40 Prozent der Journalisten für die Zeit nach 1945 keine Informationen gefunden werden konnten. Dadurch reduzierte sich die Untersuchungsgruppe von 113 Journalisten in Analyse I auf 68 Personen in Analyse II.

Es soll vorausgeschickt werden, dass Irrtümer und Verwechslungen nicht ausgeschlossen sind. Trotz der akribischen Prüfung von Akten können sich dennoch Fehlinformationen und Irrtümer ergeben haben, für deren Berichtigung die Verfasserin dankbar wäre.

1.3. Kategorienbildung und Fragestellungen

„Das Ziel jeglicher empirischer sozialwissenschaftlicher Forschung besteht in der Bildung und Überprüfung von Hypothesen und Theorien.“[8]

Abweichend von diesem Grundsatz der Sozialwissenschaften wurde in der vorliegenden Arbeit nicht mit expliziten Hypothesen gearbeitet. Viel mehr wurden die Biografien und ihre Analysen in einem dynamischen Prozess erstellt, in dem, abhängig von den oft
lückenhaften und sehr unterschiedlichen Quellen, immer wieder Modifikationen vorgenommen wurden. Die Forschungsergebnisse waren zu Beginn der Untersuchung nicht
absehbar bzw. einschätzbar. Bei der Recherche hätte die Verfasserin jederzeit auf Grenzen stoßen können, die einen weiteren Forschungsprozess verhindert hätten.

So gesehen wurde die Untersuchung und Erstellung der Lebensläufe mehr von Fragen als von Hypothesen geleitet, die Analyse kann als eine Bestandsaufnahme angesehen werden.

1.4. Fragestellungen der Analysen I und II

Welche Positionen nahmen jene Journalisten ein, die 1938 vom „Altreich“ in die „Ostmark“ kamen? In welchen Bereichen waren sie tätig? Woher stammten sie, durch welche politischen Einflüsse waren sie geprägt bzw. welche Vorgeschichte hatten sie?

Über diese Hauptaspekte hinaus soll fallweise auch geklärt werden, welche Erfahrungen sie hatten und warum gerade sie eingesetzt wurden. Nahmen diese Journalisten nach ihrer Versetzung nach Österreich tatsächlich höhere Positionen in den Medien ein, wie Fritz Hausjell in seinem Buch „Journalisten für das Reich“, annimmt?[9]

In Analyse II wird das Leben der Journalisten nach 1945 behandelt:

War eine Fortsetzung der beruflichen Laufbahn für ehemalige „Schriftleiter“ möglich, die unter dem NS-Regime gearbeitet hatten? Oder wurde diesen ehemaligen „Propagandisten Goebbels’“ im Zuge der Entnazifizierung ein Berufsverbot auferlegt?

2. Aufbau der Arbeit

Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit stehen die Biografien von 113 „Schriftleitern“ und „Propagandisten“, die 1938/39 aus Deutschland in die „Ostmark“ kamen. Diese Lebensläufe werden der Analyse unterzogen. Vorab gibt der erste Teil einen Überblick über die Veränderungen im deutschen Pressewesen nach Hitlers Machtübernahme 1933, die bereits ahnen ließen, welche Einschnitte auf die Medienlandschaft der „Ostmark“ nach dem „Anschluss“ im März 1938 zukommen werden.

Anschließend werden die Analysen der Biografien präsentiert, die von der Beschreibung der „Eckdaten“ der Journalisten - Herkunft, Ausbildungsort und politisches Engagement - eingeleitet werden.

In Analyse I geht es um die Auseinandersetzung mit der Frage, welche Positionen diese Journalisten nach dem „Anschluss“ in der „Ostmark“ einnahmen. Die Ergebnisse werden in eine Beschreibung der Verhältnisse und Veränderungen in der österreichischen Presse nach 1938 eingebettet.

Die leitende Thema von Analyse II ist der Nachkriegsjournalismus. Die Ergebnisse von Analyse II sollen anhand der Untersuchungsgruppe Tendenzen von personeller Kontinuität oder Diskontinuität in der Presse in Österreich und Deutschland nach 1945 aufzeigen. Dabei wird besonders auf die Entnazifizierungsmaßnahmen in beiden Ländern eingegangen.

In der Beschreibung des geschichtlichen Umfelds und der kollektivbiographieschen Analyse wird eine breite Themenpalette angeschnitten: Journalismusgeschichte zwischen 1933 bzw. 1938 und 1945, NSDAP-Mitgliedschaft, Kriegsdienst, Nachkriegsjournalismus und Entnazifizierung. Darüber hinaus kommen auch das Verhältnis von Männern und Frauen im Journalismus und die Unterschiede oder auch Parallelitäten, die es zwischen Österreich und Deutschland in Bezug auf die genannten Themen gibt, zur Sprache.

Da diese Bereiche bereits in anderen Veröffentlichungen ausgeführt wurden, stellt ihre kurze Erläuterung nur die Kulisse dar, vor der die untersuchten Journalisten im Einzelnen und im Kollektiv die Hauptrolle spielen.

3. Methodisches Vorgehen

Die vorliegende kollektivbiografische Studie wurde in folgenden Schritten verfasst:

1. Exzerpieren der Namen aus den „Überweisungslisten“ des „Reichsverbands der deutschen Presse“ und Anfertigung der Liste der „Schriftleiter“, die in die „Ostmark“ überwiesen wurden
2. Erforschung der biografischen Daten (Geburtsdatum, -ort)
3. Erste Recherchen im Bundesarchiv Berlin
4. Parallel dazu Recherche in Handbüchern für Presse, Personen-Lexika in Österreich und Deutschland, zusätzlich in der Zeitschrift Der Journalist
5. Kontaktaufnahme zu weiteren Institutionen, Archiven, Zeitungen und Verlagen (in Einzelfällen)
6. Verfassen der Biografien
7. Bildung von Kategorien, um Tendenzen sichtbar zu machen. Erste Kategorisierung für 1938 bis 1945, zweite Kategorisierung nach 1945
8. Quantitative Auswertung, Einbettung der Daten in das geschichtliche Umfeld

4. Quellen

4.1. Archive

4.1.1. Deutsche Archive

16 Ausgaben der Deutschen Presse, dem Organ des „Reichsverbands der deutschen Presse“ (RDP) dienten als Grundlage für die Erstellung der Liste der zu untersuchenden Journalisten.[10] Sie stammten aus dem Privatbestand von Dr. Fritz Hausjell.

In der „Deutschen Presse“ wurde die „Mitgliederbewegung“ der Journalisten innerhalb des RDP eingetragen. Dieses Verzeichnis gab nicht nur Auskunft über den Zeitpunkt, zu dem ein „Schriftleiter“ nach Österreich versetzt wurde, sondern auch über den Landesverband, in dem er vorher eingetragen war – also über die Region, aus der er kam. Neben dem Namen wurde meistens auch der neue Wohn- und Arbeitsort angegeben, in manchen
Fällen auch der neue Arbeitgeber.

Von diesen ersten Daten ausgehend mussten das genaue Geburtsdatum und der Geburtsort eruiert werden, um Einsicht in Personalakten zu bekommen. Der erste Weg führte in das Bundesarchiv Berlin, in dem sich die Bestände des ehemaligen Berlin Document Center (BDC) befinden. In diesem lagern Mikrofilme der NSDAP-Kartei, die von den Amerikanern nach 1945 sichergestellt worden war.[11] Bei der Durchsicht von etwa 250 relevanten Mikrofilmen ergaben sich einige Schwierigkeiten, wie zum Beispiel die Häufigkeit
mancher Namen (z.B. Fischer, Schmitt), oder die Tatsache, dass der Gesuchte einen anderen Beruf (statt „Schriftleiter“) erlernt hat, oder damals noch Student war. Manche Karteikarten waren schlecht leserlich. Bei den Frauen (7 der 113 „Schriftleiter“) kam erschwerend hinzu, dass sie durch Heirat möglicherweise einen anderen Namen angenommen hatten. Die Verwechslung von Personen musste ausgeschlossen werden.

Diese erste Recherche führte zu den Geburtsdaten von mehr als zwei Drittel der Untersuchungsgruppe. Da auf den Karteikarten jeder Ortswechsel und der Beruf des NSDAP-Mitglieds vermerkt wurden, konnte anhand dieser Daten die Recherche fortgesetzt werden. Bei sieben Journalisten konnte schon aufgrund der NSDAP-Kartei festgestellt werden, dass sie während des Krieges gestorben waren.

Mit diesen Daten wurde von den Mitarbeitern des Bundesarchivs Berlin ein Suchauftrag durchgeführt, bei dem vor allem Signaturen von Personalakten ermittelt wurden. Daneben wurden unter anderem Teile der Bestände R 55, „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ und R 103, „Reichsverband der deutschen Presse“ oder auch R 34, „Deutsches Nachrichtenbüro“, durchgesehen.

Die Ergebnisse aus diesen Recherchen betreffen vor allem die Jahre vor 1938 und die Zeit bis 1945. Besonders Personalfragebögen lieferten eine Menge neuer Informationen. Der Suchauftrag wurde vom Bundesarchiv auch an die „Bundesbeauftragte für die Unterlagen der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik“ weitergeleitet.

Von dieser Stelle wurden der Verfasserin der vorliegenden Arbeit nach einigen Monaten weitere Hinweise auf Personalakten (Signaturen) zugeschickt. Neben dem Besuch des Bundesarchivs in Berlin (beider relevanter Standorte in Berlin-Lichterfelde und in Dahlwitz-Hoppegarten) wurden auch andere Archive in Deutschland, vorrangig per E-Mail oder telefonisch kontaktiert. Das Staatsarchiv München reagierte nicht auf die Anfrage. Aus arbeitsökonomischen und finanziellen Gründen wurde von einem Besuch des Archivs abgesehen.

Im Landesarchiv Berlin konnten keine Entnazifizierungsakten zu jenen Journalisten gefunden werden, bei denen die Recherche darauf schließen ließen, dass sie vor 1945 nach Berlin gezogen waren. Die Hoffnung, im Institut für Zeitgeschichte in München Unterlagen zu finden erfüllte sich nicht.

4.1.2. Österreichische Archive

Akten bezüglich des Untersuchungszeitraumes zwischen 1938 und 1945 und nach Kriegsende, die vor allem das Leben der Journalisten in Österreich betreffen, befinden sich im Österreichischen Staatsarchiv in Wien. Das Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA) erteilte Auskunft über Meldedaten zwischen 1939 und 1947. Auch NS-Registrierungsakten und „Gauakten“ aus dem WStLA wurden verwendet.

Auch im Bestand des ehemaligen „Tagblatt Archivs“ (NWT-Archiv), das nun in der
Wiener Stadt- und Landesbibliothek von Dr. Eckart Früh betreut wird, wurde erfolgreich recherchiert. Aus diesem Bestand wurden einzelne Journalisten-Mappen herangezogen, in denen sich hauptsächlich Zeitungsartikel von oder über die gesuchte Person befinden. Auch in den Beständen des „Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes“ (DÖW) in Wien wurden Informationen zu einigen der Journalisten aus der Untersuchungsgruppe gefunden. Durch einen Besuch des Klagenfurter Landesarchivs konnten zwei Lebensläufe vervollständigt werden. Ausführliche Auskünfte über einzelne Personen gaben das Tiroler Landesarchiv und das Stadtarchiv der Stadt Salzburg. Die vom Grazer Stadtarchiv erbetene Meldeauskunft wurde umgehend erteilt.

4.2. Institutionen und Verbände

Aus den Ergebnissen der NSDAP-Kartei im Bundesarchiv wurde die Liste der Namen nach Möglichkeit um die Geburtsdaten erweitert. In der Folge wurden sämtliche Landesverbände des Deutschen Journalistenverbands (DJV) per E-Mail kontaktiert, um vor allem Informationen zum Untersuchungszeitraum nach 1945 zu bekommen. Dabei wurde das Vorhaben der Arbeit beschrieben und im Anhang besagte Liste mitgeschickt.

Entweder gab es keine Reaktion, oder die Rückmeldung erfolgte erst auf mehrmaliges Anschreiben. Meistens wurde mit Bedauern festgestellt, dass dem Adressaten kein Name aus der Liste bekannt wäre. Die einzige positive Antwort gab der Landesverband Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Düsseldorf. Nach mehrmaliger Kontaktaufnahme stellte sich heraus, dass viele Akten aus dem relevanten Zeitraum (ab 1945 bis etwa 1970) einem Wasserschaden zum Opfer gefallen sind. Lediglich ein Nachruf auf einen der Journalisten wurde gefunden – und der Autorin gefaxt. Einmal wurde die Zusammenarbeit mit dem Hinweis auf Datenschutz verweigert (Bremen). Der Brandenburgische Landesverband wurde erst nach der Wende gegründet, der Berliner Verband besitzt nur noch Akten, die nach 1975 angelegt wurden.

Im Allgemeinen hatte es den Anschein, dass sowohl in Deutschland, als auch in Österreich in den kontaktierten Institutionen mit Unterlagen aus der Nachkriegszeit sehr nachlässig umgegangen wurde. So sind (Personal-)Akten aus den Jahren nach 1945 bis etwa 1970 im Zuge der Umstellung auf das Computersystem vernichtet worden. Das war auch bei den Unterlagen der Österreichischen Journalistengewerkschaft der Fall. Dr. Fritz Hausjell konnte im Zuge der Recherchen zu seiner Dissertation (Journalisten gegen Demokratie und Faschismus, 1989) etliche Unterlagen der Österreichischen Journalistengewerkschaft vor der Vernichtung retten, oder zumindest zuvor Einsicht nehmen und Notizen machen. Auf diese Informationen konnte im Rahmen der vorliegender Arbeit dankenswerter Weise zugegriffen werden. Nachdem im Zuge der Recherche weitere Hinweise auf die Arbeitgeber von Journalisten nach 1945 gefunden wurden, wurden einzelne Verlage und Zeitungsarchive angeschrieben.

4.3. Literatur und Nachschlagewerke

In Einzelfällen konnten aus bereits vorhandenen Studien biografische Daten zu den Personen aus der Untersuchungsgruppe übernommen werden. Unter den rund 440 Lebensläufen, die Fritz Hausjell in seiner Dissertation zur Nachkriegspresse in Österreich verfasst hatte, wurden drei Biografien übernommen und um neue Details erweitert.

Auch die Diplomarbeiten von Gerda Steinberger und Michaela Gustenau enthalten Angaben zu Journalisten, die in die vorliegenden Arbeit einbezogen wurden.[12]

Weitere biografische Angaben wurden in Handbüchern und Verzeichnissen zu Journalisten und Schriftstellern gefunden. Vor allem in Pressehandbüchern aus der Zeit des „Dritten Reiches“ fanden sich Auskünfte über einige Personen aus der Untersuchungsgruppe.[13]

Für die Zeit nach 1945 wurden ähnliche Nachschlagewerke (Das Deutsche Who`s who, Handbuch Deutsche Presse, etc.) durchgesehen. Weitere Hinweise auf Zeitungsartikel von oder über die gesuchten Journalisten lieferte Gert Hagelweides Bibliographie Literatur zur deutschsprachigen Presse.[14] Einige der dort verzeichneten Artikel konnten zwar nicht im Original aufgefunden werden, befanden sich jedoch im Privatbestand von Heinz Starkulla.[15] Kurz vor Fertigstellung der vorliegenden Studie stieß die Verfasserin auf den Sammelband Die Wiener Tageszeitungen. Eine Dokumentation, Band 4: 1938 - 1945.
Mit einem Überblick über die österreichische Tagespresse der NS-Zeit
(herausgegeben von Gabriele Melischek und Josef Seethaler). Dieses im Herbst 2003 erschienene Buch bestätigte viele Forschungsergebnisse der bereits verfassten Studie und erbrachte darüber hinaus weitere Erkenntnisse bezüglich der Propaganda- und Nachrichtenpolitik der Nationalsozialisten. Vor allem anhand des Verzeichnisses über die Tageszeitungen und die im Impressum genannten (Haupt-) „Schriftleiter“ konnten die bereits vorhandenen biografischen Daten überprüft und zum Teil präzisiert werden.

4.4. Fachzeitschriften

Sämtliche Ausgaben der Zeitschrift Der Journalist (Zeitschrift für Presse, Hörfunk und Fernsehen, offizielles Organ des Deutschen Journalisten-Verbandes) aus den Jahren 1951 bis inklusive 1954 wurden gesichtet. Dabei wurden vor allem die Notizen „Aus den Landesverbänden“ bezüglich Neuaufnahmen und Streichungen und die Personalia durchgesehen. Das geschah auch mit den Mitteilungen des Verbandes der Berufsjournalisten e.V. (München) aus den Jahren 1946 bis 1950. Eine Recherche in der Zeitschrift Der Journalist wurde je nach Verfügbarkeit (v.a. in der Staatsbibliothek zu Berlin) vorgenommen. Alle zwischen 1975 bis 1978 erschienenen Ausgaben wurden durchgesehen. Die darin enthaltenen „Kurznotizen“, zum Beispiel über Todesfälle oder einen Orts- oder Arbeitgeberwechsel, lieferten fallweise neue Erkenntnisse und Hinweise für weitere Recherchen.

4.5. Andere Quellen

Zu großem Dank verpflichtet ist die Verfasserin der vorliegenden Arbeit dem „Zeitungswissenschaftler und stets kritischen Lobbyisten des Journalismus“[16] Dr. Heinz Starkulla (Akad. Dir. i. R.; Kommunikationswissenschaft/Zeitungswissenschaft Universität München). Großzügiger Weise ließ Dr. Starkulla sämtliche Unterlagen (v.a. Zeitungs-artikel und Zeitungsausschnitte), die er von und zu den gesuchten Journalisten gesammelt hatte, der Verfasserin in Form von Kopien zukommen.

Auch auf den Privatbestand von Dr. Fritz Hausjell konnte zugegriffen werden, in dem sich einerseits die der Untersuchung zugrunde liegenden Mitgliederverzeichnisse der Deutschen Presse (Zeitschrift des Reichsverbandes der deutschen Presse, Berlin), andererseits auch Exzerpte aus den (heute nicht mehr existierenden) Akten der Österreichischen Journalistengewerkschaft befinden.

Ein weiterer Schritt war, im Internet zu suchen. Dabei wurde in Bibliothekskarteien nach Werken von Personen aus der Untersuchungsgruppe recherchiert. Zusätzlich suchte die Verfasserin nach den Journalisten selbst und auch deren Angehörigen.

Diese wurden auf „Verdacht“, dass sie tatsächlich mit der gesuchten Person verwandt waren, kontaktiert. In drei Fällen (Consolati, Mahnert, Englram) zeigten sich die Adressaten kooperativ und gaben hilfreiche Auskünfte, vor allem über die Zeit nach 1945.

5. Literatur

5.1. Literatur zum Thema „Anschluss“ und Presse

Die vorliegende Untersuchung schließt sich einer Reihe von Veröffentlichungen, Artikeln und Sammelbänden an, die in den letzten Jahren von Medienwissenschaftlern, Historikern und Germanisten zum Thema NS-Herrschaft und Propaganda in Österreich verfasst
wurden. Als ein für die vorliegende Arbeit besonders wichtiges Buch sei Journalisten für das Reich. Der ‚Reichsverband der deutschen Presse’ in Österreich 1938-45 (1993) von Fritz Hausjell genannt. Der Autor beschreibt diese einflussreiche Institution und die Vereinnahmung und Gleichschaltung des Pressewesens durch „Goebbels Propagandisten“ und Bürckels Helfer. Eine Randbemerkung zu den Maßnahmen des NS-Regimes in Österreich 1938 wurde zum Anlass und zur Grundthese der vorliegenden Arbeit:

„An der Ausschaltung eines großen Teils der qualifizierten Journalistinnen und Journalisten in Österreich nach dem ‚Anschluss’ hatten aber auch viele deutsche Berufskollegen eine nicht nur politisch, sondern ebenso eigennützig motivierte Freude.“[17]

Im Zuge der Literaturrecherche musste festgestellt werden, dass die Machtübernahme der Nationalsozialisten im österreichischen Pressewesen vor allem bezogen auf die personelle Ebene bisher wenig untersucht wurde. Die Auseinandersetzung mit der NS-Herrschaft und der österreichischen Presse geschah vor allem in Bezug auf spezielle Teilgebiete, besonders in Hochschulschriften. So untersuchte Gerda Steinberger in ihrer Diplomarbeit mit dem Thema Vernichtung, Vertreibung, Anpassung und Aufstieg von Journalisten im „Ständestaat“ und im „Dritten Reich“. Eine Analyse am Beispiel der „Neuen Freien Presse“ (1933-39) (1990). Michaela Gustenau hat die Nationalsozialistische Presse und ihre Journalisten in Oberösterreich unter die Lupe genommen.[18]

Uwe Mauch verfasste eine Biografie über Schriftleiter Jasser. Die fortgesetzten Karrieren eines NS-Journalisten (1999), einem Nazi-Journalisten, der nach 1945 seine Berufslaufbahn in (neonazistischen) Zeitungen und Zeitschriften in Österreich fortsetzen konnte.

Mit der Berichterstattung über den „Anschluss“ in österreichischen Zeitungen beschäftigte sich Valerie Bajc (Die nationalsozialistische Pressepolitik am Beispiel der „Neuen Freien Presse“, des „Neuen Wiener Tagblatts“ und der Wiener Ausgabe des „Völkischen Beobachters“. Eine Analyse zum „Anschluß“ Österreichs an das Deutsche Reich, Diplomarbeit, Wien 2002).

Eine kollektivbiografische Untersuchung der „Gleichschalter“ und „Propagandisten“ und ihre Tätigkeiten in Österreich wurde bislang noch nicht verfasst.

Ein wichtiges Werk über die nationalsozialistische Pressepolitik in Österreich mit dem Schwerpunkt Wien ist im Herbst 2003 erschienen. In dem Sammelband Die Wiener Tageszeitungen. Eine Dokumentation, Band 4: 1938 - 1945. Mit einem Überblick über die österreichische Tagespresse der NS-Zeit (herausgegeben von Gabriele Melischek und Josef Seethaler) werden die Institutionen zur Presselenkung und die Gleichschaltung von Zeitungen in Österreich (mit Schwerpunkt Wien) ausführlich beschrieben. Diese Veröffentlichung füllt eine Lücke in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema.

5.2. Literatur zum Nachkriegsjournalismus

Im Mittelpunkt der Untersuchungen zur Nachkriegspresse in Österreich und Deutschland steht in der vorhandenen Literatur die Frage nach der „Stunde Null“ und der personellen Kontinuität. In den letzten Jahren wurden auf diesem Gebiet durch kommunikations-wissenschaftliche Untersuchungen einige Lücken geschlossen. Die jüngeren Untersuchungen kommen durchwegs zu dem Schluss, dass es keine „Stunde Null“, also keinen Neuanfang bei den Kommunikatoren weder in Österreich noch in Deutschland gegeben hat. Für Österreich ist die Dissertation von Fritz Hausjell über die Tageszeitungsjournalisten nach 1945 maßgeblich.[19]

Untersucht wurde dabei die berufliche Vergangenheit der Mitarbeiter der österreichischen Tageszeitungen der Nachkriegszeit. Die Ergebnisse zeigen, dass „von einem Bruch oder einem völligen Neubeginn nicht gesprochen werden kann.“[20]

So hätten nahezu 40 Prozent der untersuchten Journalisten unter der nationalsozialistischen Führung oder „in anderen faschistisch verwalteten Staaten“ als „Schriftleiter“ gearbeitet.[21] Einer relativ geringen Anzahl von ihnen wurde der Posten des Chefredakteurs anvertraut. Jedoch ein Drittel der Redakteure, die in der Presse unmittelbar nach dem Krieg gearbeitet hatten, hatte bereits unter dem NS-Regime journalistisch gearbeitet.

Zu einem ähnlichen Ergebnis - bezogen auf die westdeutsche Presse - kam Peter Köpf in seinem Buch Schreiben nach jeder Richtung. Goebbels-Propagandisten in der westdeutschen Nachkriegspresse (Berlin 1995). So habe hier „ähnlich wie in Justiz, Medizin oder Beamtenschaft nicht nur eine ‚unvollendete Erneuerung’ stattgefunden, sondern man nahm im Zeichen des Kalten Krieges sogar eine personelle Kontinuität in Kauf und ‚Goebbels` Journalisten in Bonner Dienste(n)’“.[22]

Sigrun Schmid verfasste eine kollektiv-biografische Studie über Journalisten der frühen Nachkriegszeit in der rheinland-pfälzischen Lizenzpresse und erforschte, wie viele Journalisten der deutschen Nachkriegspresse unter den „totalitären Bedingungen des Nationalsozialismus“ gearbeitet hatten.[23] Ähnlich wie in Österreich waren über 40 Prozent der 350 untersuchten Journalisten während der NS-Herrschaft journalistisch tätig gewesen, ein Viertel von ihnen in leitender Position.

Mit der Frage, was aus der Elite des nationalsozialistischen Journalismus in Deutschland nach 1945 geworden ist, setzte sich Otto Köhler in dem Buch Wir Schreibmaschinentäter. Journalisten unter Hitler - und danach. auseinander. Aus der Sicht des Journalisten, der „die Gnade der späten Geburt“ „genoss“[24], beschrieb er die Karrieren großer deutscher Journalisten wie Emil Dovifat, Giselherr Wirsing oder Elisabeth Noelle-Neumann während des „Dritten Reiches“ und ihre Fortsetzung nach 1945.

2002 geriet ein weiteres Buch zum Thema „Nachkriegsjournalismus“ in die Schlagzeilen. Der Sammelband Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945, herausgegeben von Lutz Hachmeister und Friedemann Siering eröffnete neue Einblicke in die Redaktionen der großen Demokratischen Zeitungen und Zeitschriften, wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung oder des Magazins Der Spiegel.

Die Autoren präsentierten weitere Namen der Gründergeneration dieser Printmedien und beweisen einmal mehr, dass auch die großen deutschen Zeitungen nach 1945 mithilfe von Opportunisten aufgebaut wurden, die unter den Nationalsozialisten Karriere gemacht hatten. Arbeiten, die das Ergebnis der Entnazifizierung im Pressewesen in Deutschland und Österreich miteinander vergleichen, stehen bislang noch aus. Auf diese Thematik wird im Resümmee der vorliegenden Arbeit näher eingegangen.

6. Anmerkungen der Verfasserin

Eine erste Herausforderung war die länderübergreifende Ausprägung der Studie. Die Journalisten konnten aus Deutschland oder aus Österreich stammen, noch dazu aus den damals zu einem der beiden Länder gehörenden Gebieten (Sudetenland, Böhmen, etc.).

Die Herkunft konnte bald durch die NSDAP-Mitgliederkartei geklärt werden. Für die Zeit zwischen 1938 und 1945 wurden zu den gesuchten Journalisten relativ viele Unterlagen gefunden. Dahingegen glich die Suche nach Akten aus der Nachkriegzeit der berühmten „Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen". Da bei der Recherche unter anderem auch der Aufenthaltsort der Journalisten nach Kriegsende herausgefunden werden sollte, musste somit in Österreich und Deutschland gesucht werden, woraus sich ein Untersuchungsgebiet von 25 Bundesländern ergab. Bei einer Studie dieses Umfangs sind sehr bald die
finanziellen und zeitlichen Ressourcen ausgeschöpft. Zu Sperrfristen und Gebühren für
Rechercheaufträge kam noch hinzu, dass manche Akten zwar verzeichnet, aber nicht auffindbar waren. Das gleiche war auch bei Büchern der Staatsbibliothek Berlin der Fall, die wegen „Kriegsverlustes“ nicht erhältlich waren.

Da die vorliegende Studie auf den „Überweisungslisten“ des „Reichsverbands der deutschen Presse“ basiert, wird nur der Bereich Printjournalismus untersucht.

Die beruflichen Tätigkeiten der Journalisten in Hörfunk (zwischen 1938 und 1945) und Fernsehen (nach 1945) werden nicht näher beleuchtet. Das liegt auch darin begründet, dass einerseits die Printmedien eine Hauptrolle im Medien- und Kommunikationssystem der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts spielten. Darüber hinaus waren die untersuchten Journalisten in den Bereichen Radio und Fernsehen nur in Einzelfällen und meistens zusätzlich zu ihrer Arbeit in einer Zeitungsredaktion tätig. Diese „Seitensprünge“ wurden in die Auswertung der Biografien nicht aufgenommen.

6.1. Grenzen der Aussage und Bewertung

Allein anhand von äußeren Daten, wie einem Orts- oder Berufswechsel, feststellen zu wollen, wie weit sich die Journalisten mit den Ideen des Nationalsozialismus identifizieren konnten, ist ein schwieriges Unterfangen. Es stellt sich dabei immer die Frage, wie groß die Freiwilligkeit war, mit der der Beruf ausgeübt wurde, oder mit der der Betroffene Mitglied der NSDAP wurde. Um die Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus feststellen zu können, müsste viel mehr eine umfassende inhaltliche Analyse der Zeitungsartikel, der Briefe und Schriftwechsel dieser „Schriftleiter“ und Pressereferenten durchgeführt werden. Die vorliegende Arbeit aber beschränkt sich auf die Analyse der Lebensläufe, von einer inhaltlichen Auseinandersetzung wurde abgesehen. So wurde versucht, aus den verfügbaren Schriftwechseln, Personalfragebögen und ähnlichen Unterlagen, die nur „Daten und Fakten“ beinhalten, Schlüsse zu ziehen.

6.2. Geschlechtsspezifische Benennung

Um die Lesbarkeit des Textes zu erhöhen, wurde auf die Differenzierung zwischen männlichen und weiblichen Untersuchungspersonen verzichtet. Die Berufsbezeichnungen „Schriftleiter“ und „Journalist“ wurden für beiderlei Geschlecht verwendet. Der Gruppe der in die „Ostmark“ gegangenen Journalistinnen wurde ein eigenes Kapitel gewidmet. Nebenbei bemerkt entspricht dieses Vorgehen auch dem geringen Stellenwert und dem Einfluss, den Frauen im Journalismus während des NS-Regimes und auch danach hatten.

II. Entwicklung der Presse im „Deutschen Reich“ ab 1933

Eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der österreichischen Presselandschaft nach dem „Anschluss“ muss vor dem Hintergrund der Entwicklungen im „Deutschen Reich“ nach Hitlers Machtergreifung stattfinden. Wie nahezu alle Bereiche in Deutschland war auch die Presse radikalen Änderungen ausgesetzt. Damit wurden etliche Grundsteine für das gelegt, was nach dem Einmarsch von Hitlers Truppen und der Eingliederung der „Ostmark“ in das „Großdeutsche Reich“ umgesetzt wurde - von den „Säuberungen“ auf der personellen Ebene bis zur Gleichschaltung des gesamten Pressewesens.

1. Nationalsozialistische Pressepolitik

Die „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“ (NSDAP) hatte das Potential der Medien und die Wichtigkeit ihrer Kontrolle früh erkannt. Schon vor der Machtergreifung nutzte die Partei systematisch Presse und Rundfunk für ihre Propaganda.[25]

Bereits 1925 legte Adolf Hitler in „Mein Kampf“ die Grundzüge der nationalsozialistischen Pressepolitik fest. Das Wort „Propaganda“ umschrieb er dabei mit „politischer Erziehung“, die (Zeitungs-)Leser teilte er in drei Kategorien:

„erstens (...) die, die alles, was sie lesen, glauben; zweitens (...) solche, die gar nichts mehr glauben; drittens (...) die Köpfe, welche das Gelesene kritisch prüfen und danach beurteilen.“[26]

Der Staat müsse die Presse überwachen, da der Großteil der Bevölkerung der ersten Gruppe zuzuordnen sei.

„Wenn also irgendwo, dann darf gerade hier der Staat nicht vergessen, daß
alle Mittel einem Zweck zu dienen haben; er darf sich nicht durch das Geflunker einer sogenannten „Pressefreiheit“ beirren und beschwätzen lassen, seine Pflicht zu versäumen und der Nation die Kost vorzuenthalten, die sie braucht, die ihr guttut; er muß mit rücksichtsloser Entschlossenheit sich dieses Mittels der Volkserziehung versichern und es in den Dienst des Staates und der Nation stellen.“[27]

Dieses Vorhaben setzte Hitler nach seiner Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 rigoros um - das Pressewesen in Deutschland war ab diesem Zeitpunkt maßgeblichen Änderungen ausgesetzt.[28]

Am 11. März 1933 wurde in Berlin das „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ (RMVP) gegründet, Joseph Goebbels zum Propaganda-Minister ernannt. Goebbels war zugleich Reichspropagandaleiter der NSDAP.[29] Für das deutsche Pressewesen und die inhaltliche Kontrolle der Zeitungen war die Abteilung IV (Presseabteilung der Reichsregierung) des RMVP zuständig. Die organisatorische Gleichschaltung der Presse wurde von der „Reichspressekammer“ (RPK) durchgeführt.[30]

Die RPK wurde im Herbst 1933 im Zuge der Einführung des „Reichskulturkammergesetzes“ gegründet. Mit diesem Gesetz wurde der gesamte Bereich „Kultur“ dem Propagandaministerium zugewiesen.[31] Die RPK war eine der sieben Unterkammern der Reichskulturkammer (RKK), deren Präsident wiederum Propagandaminister Goebbels war.[32] Max Amann, der zugleich Reichspressechef der NSDAP und Direktor des Eher-Verlages war, wurde zum Präsidenten der RPK ernannt.

Bei den sieben Unterkammern der RKK wurden Fachverbände für die einzelnen Teilbereiche eingerichtet. Für die Journalisten war der „Reichsverband der deutschen Presse“ (RDP) zuständig. Der RDP nahm eine Sonderstellung ein: Er war als „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ konzipiert, was zur Folge hatte, dass der RDP auf der selben Stufe wie die sieben Einzelkammern stand. Dadurch bekam das Propagandaministerium einen größeren Einfluss auf den RDP als der Präsident der Reichspressekammer, Max Amann.[33]

1.1. Das „Schriftleitergesetz“

Bereits 1920 hatte Adolf Hitler in § 3 des „25-Punkte-Programm(s) der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei“ festgelegt, dass „sämtliche Schriftleiter und Mitarbeiter von Zeitungen, die in deutscher Sprache erscheinen, Volksgenossen sein müssen.“[34] Volksgenosse konnte nach § 4 nur sein, „wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.“[35]

Ab 1933 wurden diese Vorgabe von den Nationalsozialisten gesetzlich festgelegt. Wer im Journalismus tätig sein wollte, musste Mitglied der RPK werden. Das geschah über den „Reichsverband der deutschen Presse“ (RDP), der „Berufslisten“ über die zugelassenen „Schriftleiter“ führte. Dabei wurden die Journalisten einem bestimmten Landesverband (LV) zugeordnet und in Listen registriert, die bei diesen Verbänden auflagen. Das Propagandaministerium hatte das Recht, gegen die Aufnahme eines „Schriftleiters“ Einspruch zu erheben.[36] Jeder, der in der Presse arbeiten wollte, musste den Anforderungen des „Schriftleitergesetz(es) vom 4. Oktober 1933“ entsprechen:

„Zulassung zum Schriftleiterberuf.

- 5

Schriftleiter kann nur sein, wer:

1. Die Deutsche Reichsangehörigkeit besitzt,
2. die bürgerlichen Ehrenrechte und die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter nicht verloren hat,
3. arischer Abstammung ist und nicht mit einer Person von nichtarischer Abstammung verheiratet ist,
4. das 21. Lebensjahr vollendet hat,
5. geschäftsfähig ist,
6. fachmännisch ausgebildet ist,
7. die Eigenschaften hat, die die Aufgabe der geistigen Einwirkung auf die Öffentlichkeit erfordert.“[37]

Aufgrund dieser Bestimmungen mussten sich alle Journalisten einer politischen Prüfung unterziehen. Nach einem Jahr Ausbildung in einer Zeitung oder einer ähnlichen Institution galt ein „Schriftleiter“ als fachmännisch ausgebildet.[38]

Neben äußeren Zugeständnissen an die Nationalsozialisten, wie dem Ariernachweis und der Bestätigung über die politische Zuverlässigkeit, stellte vor allem der siebte Punkt einen gravierenden Einschnitt in die freie Berufsausübung dar. So mussten sich die „Schriftleiter“ verpflichten, nichts zu veröffentlichen, was „die Kraft des deutschen Volkes, die deutsche Wehrhaftigkeit, Kultur oder Wirtschaft (...) schwächen“ hätte können.[39] Der Verleger konnte sich mittels eines Vertrags absichern, dass der „Schriftleiter“ nicht gegen die Linie des Blattes schrieb. Er konnte einem Journalisten aber nur dann kündigen, wenn dieser auch gegen die offiziellen Richtlinien verstieß. Im Endeffekt hieß das, dass der „Schriftleiter“ einzig dem Staat verpflichtet war - der Verleger konnte nicht mehr auf eine anti-nationalsozialistische Ausrichtung seiner Zeitung beharren.[40]

Die Einführung des „Reichskulturkammergesetzes“ markierte den Ausgangspunkt für weitere Einschnitte im Presse- und Verlagswesen des „Deutschen Reiches“: Etwa 1500 Verleger verloren das Recht, Druckwerke herzustellen. 1935 wurden weitere Gesetze erlassen, die der „Wahrung der Unabhängigkeit des Zeitungsverlagswesens“, der „Beseitigung der Skandalpresse“ und der „Schließung von Zeitungsverlagen zwecks Beseitigung ungesunder Wettbewerbsverhältnisse“ dienen sollte.[41] Die Folge war, dass Verlage schließen mussten oder von den Nationalsozialisten übernommen wurden. Das Kapital der liquidierten Verlage floss nationalsozialistischen Treuhandgesellschaften zu. Die bestehenden Zeitungen wurden zu einem Großteil in NS-Organe umgewandelt. Durch diese Systematik wurde allmählich eine grundlegende Änderung der Verhältnisse erreicht, wie die folgenden Zahlen erkennen lassen: 1933 waren nur 2,5 Prozent der deutschen Verlage in den Händen der NSDAP, zehn Jahre später wurden bereits 82,5 Prozent aller Zeitungen in einem der NSDAP-Verlage herausgegeben.[42] 1930 besaß die NSDAP 70 Zeitungen, bereits zwei
Jahre später waren es 94.[43]

1.2. Presselenkung - Berliner Pressekonferenz und DNB

Die Übernahme der Berliner Pressekonferenz durch das RMVP bewirkte eine weitere
Reduktion der Freiheit des Journalismus. Bis Juni 1933 diente die Berliner Pressekonferenz, die von den Berliner Journalisten veranstaltet wurde, als Kommunikationsforum zwischen Staatsvertretern und Redakteuren. Die (auch schon damals beschränkte) Möglichkeit, kritische Fragen an die Regierenden zu stellen und darüber zu berichten, widersprach jedoch der Politik der Reichsregierung. Die Pressekonferenz wurde 1933 zu einer exklusiven Veranstaltung umgestaltet, zu der nur politisch opportune und polizeilich geprüfte Journalisten zugelassen waren. Die Presse wurde zum inoffiziellen Staatsorgan, die Journalisten zu „Goebbels Propagandisten“.

Nur wenige deutsche Zeitungen hatten eigene Büros in der Reichshauptstadt oder konnten sich Korrespondenten leisten. Sie waren auf die Meldungen angewiesen, die sie von der amtlichen Nachrichtenagentur, dem „Deutschen Nachrichtenbüro“ (DNB), bekamen.

Das DNB entstand im Dezember 1933 aus der Fusionierung des WTBs („Wolff’sches
Telegraphen Büro“) mit der TU („Telegraphen-Union“). Wie die Berliner Pressekonferenz diente diese Nachrichtenagentur der Presselenkung im nationalsozialistischen Sinne. Die Zeitungen mussten die Meldungen unverändert als „Auflagenachrichten“ drucken.
„Im Volksmund stand das Kürzel DNB bald für ‚Darf Nichts Bringen’.“[44] Neben dem täglichen Dienst wurden auch Texte verschickt, die „als Grundlage von Kommentaren und Glossen“ dienen sollten.[45]

Ein weiteres Mittel der Presselenkung waren die „vertraulichen Presseanweisungen“ aus dem Reichspropagandaministerium (RPM), die exklusiv an „zuverlässige“ Journalisten und hohe Parteifunktionäre herausgegeben wurden.[46] Bei unklaren Anweisungen oder weitergehenden Informationen hielten die Redaktionen Rücksprache mit den in den Gauhauptstätten eingerichteten Propagandaämtern oder mit dem RMVP selbst.[47] Diese 45 Gaupropagandaämter bekamen täglich Anordnungen aus Berlin über die Gestaltung der öffentlichen Presse. Diese wurden anschließend an die Provinzpresse weitergeleitet.

1.3. Die demokratische Presse

Den Nationalsozialisten waren die großen bürgerlichen Zeitungen von Anbeginn der
„Bewegung“ ein Dorn im Auge. Zeitungen wie die Frankfurter Zeitung, das Berliner Tageblatt und die Vossische Zeitung galten als „jüdische Asphaltpresse“.[48] Das war auch durch die Berichterstattung über die Partei begründet:

„Selbst noch nach dem Aufstieg der NSDAP zur Massenpartei, der spätestens in der Reichstagswahl vom 14. September 1930 offensichtlich geworden war, behandelten die liberalen Großstadtblätter die NSDAP eher als Phänomen denn als Faktor der Politik.“[49]

Finanzielle Probleme in den darauffolgenden Jahren erhöhten den Druck auf diese Zeitungen, der eine Änderung der Blattlinie zur Folge hatte. Bei der Frankfurter Zeitung und dem Berliner Tageblatt prägten nach personeller Einsparung und Umstrukturierung rechtsorientierte Redakteure die politische Ausrichtung dieser Blätter. Auch die Vossische Zeitung, die älteste linksliberale Berliner Zeitung, wurde nach etlichen gescheiterten Versuchen, sie vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen, am 31. März 1934 eingestellt.[50] Berliner Tageblatt und Frankfurter Zeitung waren auch auf der Berliner Pressekonferenz erheblichem Druck ausgesetzt. Wiederholt hagelte es Kritik an der Berichterstattung. Allmählich kam es auch auf der personellen Ebene zu Eingriffen durch das NS-Regime: Während 1934 noch jüdische Mitarbeiter in der Redaktion des Berliner Tageblatts saßen, wurden in den darauffolgenden Jahren immer mehr parteinahe Redakteure eingesetzt. Nach großen Einnahmenseinbußen und Verlust von Abonnenten wurde das Berliner Tageblatt aus ökonomischem Kalkül eingestellt.[51] Obwohl sie von Goebbels als „jüdisches Drecksblatt“ beschimpft wurde, hatte die Frankfurter Zeitung aufgrund des Prestiges, das sie im Ausland erfuhr, eine Sonderrolle in der Zeitungslandschaft im „Deutschen Reich“.

„Die Schreibweise der Frankfurter Zeitung ist absichtlich so gehalten, dass sie im Auslande als oppositionell angehaucht gilt, da sie das einzige Blatt ist, mit dessen Hilfe wir mancherlei lancieren können und auch schon lanciert haben. Zur Erfüllung dieser Aufgabe muss man ihr schon eine gewisse Freiheit lassen. Wenn es zu bunt wird, schreiten wir jedes Mal ein.“[52]

(Alfred Ingemar Berndt, Ministerialrat im Propagandaministerium).

Diese Beispiele verdeutlichen, dass nahezu jede großen deutschen Tageszeitung über ein verschachteltes System - sei es auf Seiten der Eigentümer, des Herausgebers oder des Verlages - innerhalb kürzester Zeit unter der Kontrolle der NSDAP stand.

1.4. Die Parteipresse der Nationalsozialisten

Während die NSDAP ihren Einfluss in der deutschen Presselandschaft allmählich ausbaute, blieb der Völkische Beobachter das Zentralorgan der Partei. Schon 1918 wurde der Münchner Beobachter, der im Eher-Verlag, dem späteren „Zentralverlag der NSDAP“
herausgegeben wurde, in Völkischer Beobachter umbenannt.[53] Schon damals wies die Blattlinie rechtsradikale Tendenzen auf. Zwei Jahre später, als dem Blatt die Insolvenz drohte, wurde es von der NSDAP gekauft. 1923 wurde in Deutschland die NSDAP und somit auch ihr Organ verboten. Ab 1925 erschien die Zeitung wieder wöchentlich, bald täglich. 1925 bis 1933 war Adolf Hitler der Herausgeber des Völkischen Beobachters.[54]

Neben dem Münchner VB gab es ab 1930 eine Süddeutsche und eine Berliner Ausgabe. Ab 1933 wurde eine Norddeutsche Ausgabe gedruckt und eine eigene Redaktion in Berlin eingerichtet. Nach dem „Anschluss“ wurde auch eine Wiener Ausgabe gegründet.

Neben dem VB hatten sich auch die NS-Organe Der Angriff und der Freiheitskampf (Dresden) etabliert.[55] Um sich weitere Leserkreise zu eröffnen, gründete die Partei bald nach der Machtübernahme für fast jede ihrer Organisationen ein eigenes Blatt.

So gab es unter anderem den SA-Mann, Das Schwarze Korps der SS, und Die Deutsche Arbeitsfront der DAF. NS-Kampfblätter, die vor 1933 vor dem finanziellen Aus standen, erlebten mit Hitlers Machtübernahme einen Aufschwung, sodass viele von ihnen zu auflagenstarken Tageszeitungen aufsteigen konnten. Diese Zeitungen dienten hauptsächlich der Verbreitung von Propaganda. Neben dem Abdruck von amtlichen Mitteilungen stand die Verherrlichung von Führer und Partei im Mittelpunkt.[56] Diese Vorgaben und der Mangel an qualifizierten „Schriftleitern“ führten zu einseitiger und einförmiger Berichterstattung, die auch von Goebbels als Gefahr für die Wirkung der Propaganda angesehen wurde.[57]

1.5. Bürgerlich-konservative Presse

Zeitungen, die weder kommunistisch, sozialdemokratisch noch konfessionell ausgerichtet waren, kann man unter dem Begriff „bürgerlich-konservativ“ zusammenfassen.[58] Dazu gehörten städtische Tageszeitungen, Provinzblätter und die Generalanzeiger.

Nach Hitlers Machtübernahme wurden sozialdemokratische und kommunistische Verlage sofort beschlagnahmt. Auch bürgerliche Zeitungen waren immer mehr national-sozialistischen Repressionen ausgesetzt. Ihre Herausgeber wurden oftmals gezwungen, ihr Unternehmen zu einem viel zu geringen Preis zu verkaufen. So gerieten auch die Münchner Neuesten Nachrichten in den Einflussbereich des Reichsführers der SS, Heinrich Himmler. 1936 wurde diese Zeitung in den Eher-Verlag übernommen. Ähnliches geschah mit den meisten Großstadtzeitungen. Bis zum Jahr 1939 konnte sich die NSDAP etwa 40 „Provinzzeitungen“ aneignen.[59]

Im April 1935 erließ Max Amann, der Reichspressechef, weitere Anordnungen, die neben den genannten Einschnitten auch die konfessionelle Presse und die Generalanzeiger betraf. Ein Generalanzeiger war eine Zeitung, die mit hohen Auflagen und durch viele Anzeigen viel Kapital anhäufen konnte, viele Leser hatte und somit der NSDAP-Presse Konkurrenz machte.[60]

2. Resümee: Nationalsozialistische Pressepolitik

Die nationalsozialistische Presse konnte sich ab 1930 richtig entfalten. Immer mehr NS-Zeitungen wurden gegründet, das Kapital wurde zu einem Großteil von der „Franz Eher Nachfolger GmbH.“ beigesteuert.[61] Der Eher-Konzern wurde nach der Liquidierung mehrerer deutscher Verlage (u.a. des Ullstein-Verlages) zum größten Verlag des „Deutschen Reiches“ und zum „Zentralverlag der NSDAP“. Die Folgen waren gravierend.

„1938 hatte die nicht der Partei gehörende Presse, die aber zu einem wesentlichen Teil vom Eher-Verlag kontrolliert wurde, eine Gesamtauflage von über 10,3 Millionen Exemplaren.“[62]

Die von den Nationalsozialisten neu eingerichteten Institutionen und Maßnahmen sorgten dafür, dass die NSDAP ihre Propaganda nicht nur über die „parteiamtlichen Blätter“ verbreiten konnte, sondern auch unter dem Deckmantel der Unabhängigkeit der Zeitung ihre Ideologie zum Leser brachte. Die Größenordnungen, die die Auflagen der einzelnen Zeitungen annahmen, lassen erkennen, dass „der Spielraum einer von der Partei unabhängigen Meinungsäußerung im Zweiten Weltkrieg sehr gering“ geworden ist:[63]

Im Jahr 1933 gab es über 4000 Zeitungen im „Deutschen Reich“, mit einer Gesamtauflage von 18,6 Millionen Exemplaren.[64] Bis zum Jahr 1944 reduzierte sich ihre Anzahl auf 977, zusammen erreichten sie eine Auflage von 35 Millionen. Die Parteipresse besaß zu diesem Zeitpunkt 352 Blätter, die zusammen auf fast 21 Millionen Exemplare kamen. Dem standen 625 Zeitungen gegenüber, mit einer Gesamtauflage von lediglich 4 Millionen. Eine NS-Zeitung hatte im Durchschnitt die zehnfache Auflage eines privaten Blattes.

Die Einschnitte, die das Pressewesen in Deutschland ab 1933 erfuhr, bekamen die österreichischen Zeitungsschaffenden mit dem „Anschluss“ an das „Deutsche Reich“ zu spüren. Die Märztage des Jahres 1938 markierten den Anfang von Veränderungen, die das Pressewesen Österreichs bis heute prägen. Journalisten waren damals wie heute durch ihre Arbeit in einer exponierten Position. Diese Berufsgruppe stand während des „Dritten Reiches“ wie keine andere im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der NS-Führung.

Die Nationalsozialisten kontrollierten den Zugang zu den Arbeitsplätzen und die Ausübung des Berufes. Aus diesem Grund scheint die Einschätzung richtig, dass diejenigen, die unter dem NS-Regime als „Schriftleiter“ arbeiten konnten, sich zumindest arrangiert hatten mit den politischen Verhältnissen. Bezogen auf jene, die mit dem „Anschluss“ nach Österreich geschickt wurden, kann man vorausschicken, dass diese „Schriftleiter“ zu einem Großteil den nationalsozialistischen Staat nicht nur akzeptierten, sondern als dessen Befürworter und Unterstützer auftraten.

III. Analyse I: „Schriftleiter“, die 1938/39 aus dem „Deutschen Reich“ nach Österreich kamen

1. Kategorien

Um eine kollektivbiografische Analyse der 113 Journalisten durchführen zu können, wurden Kategorien gebildet. Im Mittelpunkt des Interesses stand die Frage, welche beruflichen Tätigkeiten die Untersuchungsgruppe in Österreich nachging. Die Kategorien wurden im Zusammenhang mit den einzelnen Biografien gebildet und im Laufe der Untersuchung immer wieder modifiziert. Die Fülle an Daten und die Individualität des Werdeganges
jedes Einzelnen stellten eine Herausforderung dar, die in der folgenden Kategorienbildung ihre Lösung fand:

Kategorie I a: Propaganda (Propagandaamt, NSDAP, DAF)

Kategorie I b: Propaganda (Nachrichtendienste)

Kategorie II a: Zeitungen und Zeitschriften (NSDAP-Verlag)

Kategorie II b: Zeitungen und Zeitschriften (nicht NSDAP-Verlag)

Kategorie II c: Schriftsteller

Kategorie III: Sonstige Berufe

Kategorie IV: unbekannt

Kategorie I, die mit „Propaganda für Staat und Partei“ umschrieben werden kann, wurde in I a und I b unterteilt. I a umfasst die „Schriftleiter“, die vor allem auf der pressepolitischen Ebene tätig waren. Sie waren zum Beispiel Mitarbeiter im Propagandaministerium oder in einer NSDAP-Organisation (z.B.: DAF). I b beinhaltet alle „Schriftleiter“, die für
Nachrichtenagenturen tätig waren.

Kategorie II a wurden alle Journalisten zugeordnet, die bei einer Zeitung bzw. „Monatsschrift“ arbeiteten, die unter der Kontrolle der NSDAP stand (z.B. Eher - Verlag bzw. Gauverlag), oder deren Tendenz als eindeutig nationalsozialistisch bzw. „großdeutsch“ identifiziert werden konnte. In diese Kategorie wurden auch Korrespondenten reichsdeutsche Zeitungen aufgenommen. Auch ein Verlagsmitarbeiter des NS-Gauverlags (Speck) wurde hier eingeteilt.

Zu Kategorie II b zählen „Schriftleiter“, die bei Zeitungen oder Zeitschriften arbeiteten,
deren Verlag nicht zum Eher-Konzern gehörte und die als „unpolitisch“ bzw. nicht nationalsozialistisch eingestuft werden konnten. Bei einzelnen Zeitungen in den Bundesländern konnten die Besitzverhältnisse bzw. die Blattlinie nicht eindeutig geklärt werden, Irrtümer sind somit trotz genauer Recherche nicht ausgeschlossen.

„Schriftleiter“, die zwischen 1938 und 1945 Bücher veröffentlichten, wurden in Kategorie II c zusammengefasst.

Kategorie III wurden Berufe zugeordnet, die nicht unmittelbar in den journalistischen Bereich fallen, wie zum Beispiel die Professur an einer Hochschule.

Kategorie IV beinhaltet jene „Schriftleiter“, bei denen zwar der Aufenthalt in Österreich nachgewiesen, jedoch weder Arbeitgeber noch Tätigkeitsbereich eindeutig geklärt werden konnten.

Da das „Schriftleitergesetz“ auf all jene zutraf, die „jede unmittelbare oder mittelbare Textgestaltung durch Wort, Nachricht oder Bild“ ausübten, wurde bei der Analyse nicht zwischen Fotografen, Grafikern und „Schriftleitern“ unterschieden.[65]

Die Auszählung beinhaltet Mehrfachnennungen, da berufliche Veränderungen im Laufe der Jahre möglich und üblich waren, und das Engagement sich auch auf mehrere Berufsfelder erstrecken konnte.

Vor der Präsentation der Ergebnisse aus Analyse I über den beruflichen Werdegang der „Schriftleiter“, die mit dem „Anschluss“ nach Österreich kamen, soll ein Überblick über die Herkunft und den politischen Hintergrund der untersuchten Personen geschaffen werden.

2. Auswertung: „Schriftleiter“- Biografien 1938 bis 1945

2.1. Regionale Herkunft und politischer Hintergrund

2.1.1. Herkunft der „Schriftleiter“

Tabelle 1: Regionale Herkunft der „Schriftleiter“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus den Verzeichnissen über die Mitgliederbewegung des RDP wurde eine Liste erstellt, die insgesamt 113 Namen aufweist (7 Frauen und 106 Männer).

Am Beginn der Untersuchung stand die Frage nach der Herkunft dieser Journalisten. Dabei wurde unterschieden zwischen der Herkunft (Geburtsort) und dem Ort, an dem die Person hauptsächlich vor 1938 gelebt hat. Bei der Frage der Herkunft wurde die Internetseite http://www.literad.de/regional/vipa.html[67] herangezogen, um festzustellen, zu welchem Staat die jeweilige Region zum Zeitpunkt der Geburt gehörte. Bei einigen Ortsnamen konnte aufgrund ihrer Häufigkeit keine eindeutige Zuordnung getroffen werden. In manchen dieser Fälle konnte aus dem weiteren Lebenslauf auf die Herkunft geschlossen werden. Zur Vereinfachung wurden die Landesbezeichnungen Deutschland, Österreich, Österreich - Ungarn und Tschechoslowakei verwendet.

60 Journalisten wurden in Deutschland geboren, 37 in Österreich, sechs in Österreich-Ungarn und einer in der Tschechoslowakei (siehe Tabelle 1).

Drei Personen wurden in einem anderen Land als den genannten (Schweden, Türkei, Großbritannien) geboren, bei sechs Journalisten ist die Herkunft unbekannt.

2.1.2. Ausbildungsort der „Schriftleiter“

Tabelle 2: Aufenthaltsort der „Schriftleiter“ vor 1938

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nicht alle 113 Journalisten verbrachten ihre „Lehrjahre“ - die Zeit der Ausbildung und der ersten beruflichen Erfahrungen - in dem Land, in dem sie geboren wurden. Es geht bei der Betrachtung der Lebensläufe unter diesem Aspekt vor allem um die Jahre vor Hitlers Machtübernahme in Deutschland 1933, die maßgeblich waren für die weitere Entwicklung der politischen Verhältnisse und auch für die Lebensumstände des Einzelnen.

Insgesamt 53 der 113 Journalisten verbrachten ihre „Lehrjahre“ in Deutschland, 37 in
Österreich, zwei in der Tschechoslowakei und einer in Ungarn. Zu den restlichen
20 Journalisten fehlen diesbezüglich aussagekräftige Daten.

44 Deutsche und 31 Österreicher lebten vor 1933 hauptsächlich in ihrem Geburtsland.

Fünf reichsdeutsche Journalisten machten erste berufliche Erfahrungen in Österreich,
ebenso viele Österreicher wiederum in Deutschland. Jeweils zwei der sechs aus Österreich-Ungarn stammenden „Schriftleiter“ lebten in Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei. Ein Journalist hielt sich vor 1938 zuerst in Österreich auf, anschließend in Ungarn. Einer der zwei „Schriftleiter“, die „im Ausland“ geboren wurden, hielt sich vor 1938 hauptsächlich in Deutschland auf. Zu dem anderen sind keine Daten über diesen Zeitraum vorhanden. Für die meisten Personen aus der Untergruppe, die ihre Lehrjahre in Österreich
verbrachte, bedeutete das Jahr 1933 einen Wendepunkt: Die meisten von ihnen waren Mitglieder der NSDAP und mussten, nachdem im „Ständestaat“ Österreich die NSDAP verboten wurde, in diesem und den darauffolgenden Jahren ins „Deutsche Reich“ fliehen. Diese Gruppe wird im Folgenden näher betrachtet.

2.1.3. NSDAP-Mitgliedschaft und Berufsausübung im „Altreich“

Nach der Machtergreifung Hitlers im „Deutschen Reich“ war die Karriere in öffentlichen Bereichen immer mehr von der politischen Gesinnung des Arbeitnehmers abhängig. Eine Datenerhebung aus dem Jahr 1935 zeigt deutlich, dass unter den Mitgliedern der NSDAP in Deutschland ein „Mittelstands-Übergewicht“ herrschte.[68] Am ersten Januar 1935 konnte sich die Partei auf etwa 2,5 Millionen Mitglieder stützen. Vor allem Lehrer, andere Beamte und Selbständige waren im Gegensatz zu den Arbeitern zu einem relativ hohen Prozentsatz Parteigenossen. Das war vermutlich dadurch begründet, dass besonders diese Berufsgruppe „in Existenz und Fortkommen vom Regime abhingen“.[69] Nahezu jeder dritte Lehrer und jeder fünfte Beamte hatten das Parteibuch erworben, hingegen war nur jeder zwanzigste Arbeiter „Parteigenosse“. Nur 5,5 Prozent der NSDAP-Mitglieder waren Frauen.[70]

2.1.4. „Schriftleiter“ als „NS-Parteigenossen“

Die Klärung der Frage, welche „Schriftleiter“ nach dem „Anschluss“ nach Österreich entsendet wurden, muss im Zusammenhang mit der Frage nach der Verknüpfung von beruflichem Aufstieg und dem Besitz des Parteibuchs der NSDAP betrachtet werden. Wie dem „Schriftleitergesetz“ zu entnehmen ist, mussten die Journalisten in nationalsozialistischem Sinne wirksam werden. Noch geeigneter schienen jene Männer und Frauen, die nicht nur diese Auflagen erfüllten, sondern darüber hinaus auch in der „Bewegung“ engagiert waren. Eine Mitgliedschaft in der NSDAP war jedoch nicht offizielle Voraussetzung für die Ausübung dieses Berufes.

Tabelle 3: Ort und Zeitpunkt des NSDAP-Beitritts der „Schriftleiter“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jene Gruppe von Journalisten, die innerhalb des ersten Jahres nach dem „Anschluss“ aus dem „Altreich“ in die „Ostmark“ kam, wies einen hohen Prozentsatz an aktiven Vorkämpfern der NSDAP und „Parteigenossen der ersten Stunde“ auf (siehe Tabelle 3).

So waren rund drei Viertel (81) der 113 Journalisten nachweislich Mitglieder der NSDAP, bei einem Journalisten konnte die Mitgliedschaft ausgeschlossen werden. Zu 31 Personen lagen keine Mitgliedskarten vor, was jedoch die Mitgliedschaft oder das Engagement für die Partei nicht ausschließt. Etwa die Hälfte der 80 Parteigenossen erwarb das Parteibuch im „Altreich“. 15 davon waren bereits vor Hitlers Machtergreifung 1933 beigetreten, ein „Schriftleiter“ war ab 1928 in der HJ. Neben der formalen Mitgliedschaft engagierten sich einige der untersuchten „Schriftleiter“ und „Propagandisten“ in einer der Gliederungen der NSDAP, zu denen die SA (Sturmabteilung), SS (Schutzstaffel), HJ (Hitlerjugend), BDM (Bund Deutscher Mädel) und auch der NS-Studentenbund (NSDStB) gehörten.

So waren 17 der untersuchten „Schriftleiter“ bereits vor 1938 Angehörige der SS und/oder der SA. Insgesamt waren elf der untersuchten „Schriftleiter“ bei der SS, zwei von ihnen waren nach 1938 im Sicherheitsdienst (SD) des Reichsführers der SS.[71] 13 Personen aus der Untersuchungsgruppe waren SA-Angehörige. Fünf Journalisten engagierten sich in beiden Organisationen. Eine Journalistin war in der „Bannmädelführung“ des BDM und mindestens ein Journalist in der HJ. Insgesamt sind also zumindest 31 der untersuchten „Schriftleiter“ in einer NSDAP-Unterorganisation gewesen, das ist ein Anteil von 27,4 %.

Der Einfluss des politischen Engagements auf den Lebenslauf ist besonders bei der Gruppe der Österreicher zu sehen. Ein großer Prozentsatz der österreichischen „Schriftleiter“, die mit dem „Anschluss“ in ihre Heimat zurück kehrten, war in den Jahren nach 1933 nach Deutschland geflüchtet, da sie illegale Mitglieder der NSDAP waren.

2.1.4.1. Exkurs: Die NSDAP in Österreich

Am 4. Mai 1926 wurde in Wien der „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterverein“ („Hitlerbewegung“) gegründet.[72] Die „Bewegung“ stand weitgehend unter die Führung der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei“ (NSDAP), die 1920 in München aus der „Deutschen Arbeiterpartei“ (DAP) entstanden war. Vor allem „der „Anschluss“ an das „Deutsche Reich“ stand im Mittelpunkt der außenpolitischen Interessen der österreichischen „Hitlerbewegung“.[73] Der Zuspruch, den die NSDAP von der österreichischen Bevölkerung erhielt, lässt sich an den Ergebnissen der Landtagswahlen 1932 in den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg ablesen.[74] Die NSDAP erzielte im Durchschnitt ein Wahlergebnis von 15 Prozent. Allein in Wien bekamen die Nationalsozialisten über 200 000 Stimmen und somit 15 Sitze im Gemeinderat.

2.1.4.2. Juli-Putsch und Flucht nach Deutschland

Seit Beginn der „Bewegung“ war es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen rechtsgerichteten österreichischen Wehrverbänden und den Nationalsozialisten gekommen. Auch Kommunisten waren Ziele von SA-Attacken. Das Frühjahr 1933 war von einer
Welle des NS-Terrors gezeichnet. Die österreichische Regierung erklärte daraufhin am
19. Juni 1933 die NSDAP für verboten.[75] Die führenden Köpfe der SA flohen in der Folge nach München und gründeten die „Österreichische Legion“. Auch Robert von Hofmann, einer der Journalisten, die mit dem „Anschluss“ nach Österreich zurückgekehrt waren, rühmte sich damit, Mitbegründer der „Österreichischen Legion“ gewesen zu sein. In dieser wurden die nun illegalen österreichischen Nationalsozialisten versammelt, die sich auf die „Rückkehr ins Reich“ vorbereiteten. In Österreich wurden NS-Aktivisten verhaftet und in „Anhaltelagern“ festgehalten. Auch die Wiedereinführung der Todesstrafe für Mord, Brandlegung und Sprengstoffdelikte bewirkte keine wesentliche Beeinträchtigung der Aktivitäten der Nationalsozialisten und auch keinen Rückgang der personellen Stärke der Partei.[76]

Im Gegenteil: Die NSDAP erhielt regen Zulauf: im Juni 1933 hatte sie 68 500 Parteigenossen, innerhalb der folgenden 14 Monate konnte sie 21.500 Neuanmeldungen verzeichnen.[77]

Das Verbot der Partei in Österreich konnte nicht das Ende der Übergriffe durch die Nationalsozialisten bewirken. Im Juli 1934 fand der NS-Terror seinen vorläufigen Höhepunkt im „Juli-Putsch“. Von der Münchner „SS-Standarte 89“ aus geleitet, sollte am 25. Juli 1934 die Österreichische Regierung durch SS, SA und weitere Organisationen (HJ, Bauernwehr) gestürzt werden.[78] Österreichweit gab es Übergriffe, besonders starke Kampfhandlungen fanden vor allem in Kärnten und der Steiermark statt. Nur in Tirol, Vorarlberg und Niederösterreich blieb die Lage ruhig.[79] In Wien wurde das Sendehaus der „RAVAG“ (Radio-Verkehrs-AG) von den Putschisten besetzt.[80] Trauriger Höhepunkt dieses Putschversuchs war der Überfall auf das Bundeskanzleramt, bei dem Bundeskanzler Dollfuß tödlich verletzt wurde. Im Endeffekt scheiterte die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Juli 1934 an internen Streitigkeiten zwischen der Führung der SA und der SS. Etliche dieser Männer wurden verhaftet, einige zum Tode verurteilt. Die Mehrzahl jedoch konnte über Jugoslawien nach Deutschland flüchten.

2.1.5. „Illegale“ österreichische Journalisten

Mit dem Verbot der Partei wurden die NSDAP- Mitglieder zu „Illegalen“. Auch unter den untersuchten „Schriftleitern“ waren Parteigenossen, die sich auch nicht von einem aktiven Einsatz für die „Bewegung“ abhalten ließen. Rund ein Drittel (37) der untersuchten Journalisten lebte vor 1938 hautsächlich in Österreich. 32 (86,5 %) dieser Journalisten waren vor 1938 der NSDAP beigetreten, 30 davon sind bereits vor dem Verbot der Partei im Juni 1933 „Parteigenossen“ geworden. Zwei engagierten sich für die „Bewegung“, ohne offiziell Mitglied der NSDAP zu sein und wurden dafür in Österreich von der Polizei verfolgt. Bei fünf Journalisten, die vor 1938 hauptsächlich in Österreich lebten, ist nichts über eine Mitgliedschaft bekannt. Die Lebensläufe der Journalisten, die „Parteigenossen“ waren, weisen für die Jahren 1933 bis 1937 einen ähnlichen Verlauf auf:

Nach dem Verbot der NSDAP war jegliche Betätigung für die Partei widerrechtlich und wurde mit Hausdurchsuchungen und Verhaftungen sanktioniert. Auch viele Journalisten, die Mitglied der Partei waren, wurden durch die österreichische Polizei verfolgt. Um diesen Konsequenzen, die auch ein berufliches Weiterkommen nahezu unmöglich machten, zu entkommen, flüchteten 26 von ihnen zwischen 1933 und 1937 nach Deutschland, einer nach Prag und einer nach Budapest.

Fünf dieser Journalisten hatten sich nachweislich am Juliputsch 1934 beteiligt. Das Engagement für die Partei vor dem „Anschluss“ reichte von der Funktion als „Gauredner“ (Hofmann[81]) und als „Gaubeauftragter für das gesamte Wiener NS-Pressewesen“ (Zogelmann[82]) bis zum „Gaubevollmächtigten der NSDAP für Salzburg“ (Krotsch[83]). Einige von ihnen wurden nach ihrer Flucht in Deutschland vom Flüchtlingshilfswerk der Partei unterstützt. Zumindest sieben von ihnen engagierten sich vor 1938 im „Altreich“. Wie in der Berufsanalyse I gezeigt wird, waren vielen von ihnen nach dem „Anschluss“ weiterhin für die Partei tätig.

2.2. Aufenthaltsort der „Schriftleiter“ in der „Ostmark“

2.2.1. Verteilung der „Schriftleiter“ auf die Gaue

Tabelle 4: Erster Einsatzort der „Schriftleiter“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wien stellte das Machtzentrum der NSDAP und den Ausgangspunkt der Etablierung des Regimes in der „Ostmark“ dar. Wichtige Institutionen wurden in der Hauptstadt eingerichtet und mit neuen Mitarbeitern besetzt. So ist es nicht verwunderlich, dass drei Viertel der untersuchten Journalisten in Wien zum Einsatz kamen. Manche von ihnen arbeiteten nach einem kurzen Aufenthalt in Wien wenig später in einem anderen Gau in der „Ostmark“.

Neun „Schriftleiter“ nahmen 1938/39 Arbeitsplätze in Tirol, sechs in Salzburg, fünf in der Steiermark, vier in Kärnten, drei in Oberösterreich und einer in Vorarlberg ein.

Rund die Hälfte der „Schriftleiter“ (54) wurde aus dem RDP-Landesverband (LV) Berlin in den „LV-Ostmark“ überwiesen. 18 Personen (15,9 %) lebten vor ihrer Einreise nach Österreich in Bayern. Die restlichen Journalisten kamen aus folgenden Gauen: Rhein-Main (6), Württemberg (5), Niedersachsen, Mittelrhein Saarpfalz (je 4), Sachsen, Thüringen-Kurhessen, Niederrhein (je 3), Schlesien, Ostpreußen, Westfalen (je 2), Groß-Hamburg, Pommern, Saarland (je 1).

Nicht alle 113 „Schriftleiter“ blieben bis zum Ende der NS-Herrschaft in Österreich: 21 Journalisten wurden vor 1945 entweder zurück ins „Altreich“ geschickt, oder in ein anderes Land beordert (Ungarn, Jugoslawien, etc.). 47 „Schriftleiter“ (41,4 %), die bei einer Zeitung oder im Nachrichtendienst arbeiteten, wurden nach wenigen Jahren oder auch nur Monaten zu Wehrmacht eingezogen.[84]

2.3. Alter zum Zeitpunkt der Überweisung

Interessant erscheint der Aspekt des Alters der Journalisten zu dem Zeitpunkt der Überweisung in die „Ostmark“. Zu 108 Personen konnte das Geburtsdatum herausgefunden werden, davon waren die Jüngsten Jahrgang 1914, also zum Zeitpunkt ihres Einsatzes in Österreich (1938) 24 Jahre alt, die Ältesten Jahrgang 1874, also 64. Rund 70 Prozent der in die „Ostmark“ gekommenen Journalisten waren 38 Jahre alt oder jünger. Der Altersdurchschnitt der „Schriftleiter“ und „Propagandisten“ lag bei 35,4 Jahren. Sie waren somit deutlich jünger als das Personal in den Propagandainstitutionen im „Deutschen Reich“, das 1934 durchschnittlich 38,9 Jahre alt war.[85] Und auch jene, die nach dem „Anschluss“ in Österreich hauptberuflich in der Propaganda tätig waren, waren mit einem Durchschnitt von 37,6 Jahren jünger als ihre Kollegen im „Altreich“. Der jüngste „Propagandist“ (Heinz Schwaibold) war 25 Jahre alt, als er in Wien im „Presseamt Bürckel“ seinen Posten bezog.

Grafik 1: Alter der „Schriftleiter“ aus dem „Altreich“ im Jahr 1938

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Arbeitsbereiche der „Schriftleiter“ in der „Ostmark“

Tabelle 5: Verteilung der „Schriftleiter“ auf die verschiedenen Arbeitsbereiche

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grundgesamtheit: 113 = 100 %, n1 = 0,885 %

Die Untersuchungsgruppe, die aus 113 Personen bestand, verteilte sich auf die genannten Kategorien wie folgt: 42,4 % der untersuchten „Schriftleiter“ nahmen Arbeitsplätze im Bereich der Pressepolitik und Propaganda ein.

Jeder vierte „Schriftleiter“ arbeitete in einer Zeitungsredaktion oder auch als Schriftsteller. Acht Personen übten Berufe aus, die nicht in diese Bereiche fallen, zehn Personen konnten aufgrund fehlender Daten nicht in eine der Kategorien I bis III zugeordnet werden.

4. Kategorie I: „Schriftleiter“ in der Propaganda für Staat und Partei

4.1. „Schriftleiter“ in Institutionen zur Presselenkung

Tabelle 6: Tätigkeitsfelder innerhalb Kategorie I a

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In den Monaten nach dem „Anschluss“ wurden auch in der österreichischen Presselandschaft institutionelle Umstrukturierungen und Neuerungen vorgenommen. Zur Lenkung und Kontrolle des Pressewesens in Österreich wurden verschiedene Ämter eingerichtet, die vor allem in Wien angesiedelt waren. „Schriftleiter“ aus dem „Altreich“ wurden im Zuge des „Anschlusses“ auch in diesen neuen Einrichtungen eingesetzt.

Journalisten, die diese Arbeitsplätze einnahmen, wurden in Kategorie I a eingeordnet, die Positionen auf der (presse)politischen Ebene erfassen soll. Dazu zählen Mitarbeiter des Propagandaamtes, der Gauleitung oder einer Unterorganisation der NSDAP (z. B.: DAF). Als pressepolitisch wirksam wurden bei der Auswertung der Biografien auch jene „Schriftleiter“ angesehen, die sich entweder hauptberuflich oder neben ihrer journalistischen Tätigkeit im „Reichsverband der deutschen Presse“ (RDP) engagierten
[I a]. Insgesamt 35 Journalisten (30,9 %) waren entweder haupt- oder nebenberuflich in einer Position tätig, in der sie im Sinne der Partei oder der Reichsführung Propaganda machten. Der näheren Beschreibung dieser Ergebnisse wird eine Beschreibung der nach dem „Anschluss“ geschaffenen Ämter zur Kontrolle des österreichischen Pressewesens vorangestellt.

4.1.1. „Presseamt Bürckel“

Mitte März 1938 wurde im Wiener Parlament das „Presseamt Bürckel“ eingerichtet.[88]

Josef Bürckel, „Reorganisator der NSDAP“, war im April 1938 zum „Reichskommissar für die Vereinigung Österreichs mit dem Reich“ ernannt worden.[89] Für diese Aufgabe hatte er bereits ab 1935 im „Deutschen Reich“ Erfahrungen gesammelt, als er „Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes“ war. 1938 wurde er zur Durchführung der Volksabstimmung in Österreich nach Wien geschickt. 1939 bis 1940 war er „Reichs-statthalter“ von Österreich und Gauleiter von Wien.[90]

Der Aufgabenbereich des „Presseamts Bürckel“ umfasste nach einer „streng vertraulichen Anordnung vom 16. März“ die Betreuung und Kontrolle der gesamten österreichischen Presse.[91] Bürckel beanspruchte für das Presseamt auch die Zuständigkeit „für die übrige deutsche Presse und die deutschen Nachrichtenbüros, soweit es sich um die Behandlung österreichischer Fragen handelt. Personelle Änderungen bedürfen meiner [Bürckels, Anm. K. K.] Zustimmung.“[92] Zur Besetzung des neuen Amtes wurden vor allem Mitarbeiter aus dem „Altreich“ hinzugezogen: So wurde Helmut Sündermann, ein alten Mitarbeiter des Reichspressechefs Otto Dietrich zum Leiter des Presseamts berufen. Ihm wurde der Reichsdeutsche Heinz Schwaibold als „Vertreter der NS-Korrespondenz“ (NSK) zur Seite gestellt.

Schwaibold wurde ab 1939 als „Schriftleiter“ im „Stab des Reichspressechefs“ (Otto Dietrich) im Wiener Parlament eingesetzt.[93] Auch der Münchner Wilhelm Kaffl, der der Untersuchungsgruppe angehörte, wurde zum Pressebeauftragten ernannt. Er war einer von „neun unserer bewährtesten Parteipresseschriftleiter“, die „die pressepolitischen Vorbereitungen für die Volksabstimmung am 10. April 1938 in den Gauen durchzuführen hatten“.[94] Die Kompetenzen des „Presseamts Bürckel“ wurden wenige Tage nach Bürckels Anordnung im Zuge der Gründung des Reichspropagandaamts beschnitten. Dessen Zuständigkeit wurde auf die eines „Wahlpresseamtes“ und auf Parteiangelegenheiten beschränkt.

4.1.2. Reichspropagandaamt (RPA)

Eine wichtige Institution zur Umsetzung ihrer Nachrichtenpolitik waren auch schon im „Altreich“ die von den Nationalsozialisten eingerichteten Propagandaämter. „Propaganda“ bedeutete im Dritten Reich vor allem „positive“ Presselenkung.[95] Das Propagandaministerium bestimmte, welche Themen und Inhalte veröffentlicht wurden. Die Zeitungen waren gezwungen, sich an die Meldungen des Deutschen Nachrichtenbüros (DNB) und an die Mitteilungen von der Berliner Pressekonferenz zu halten.[96]

In der „Ostmark“ wurde durch das „Reichsgesetzblatt Nr. 109, Teil 1 vom 13. Juli 1938“ auch die Errichtung von „Reichspropagandaämtern in den Reichsgauen“ mit Sitz in den Gauhauptstädten festgelegt.[97] Die Reichspropagandaämter (RPÄ) unterstanden als Landesstellen des RMVP direkt dem Propagandaminister.[98] Auf die Gründung des RPA in Wien folgte die Errichtung weiterer RPÄ in den restlichen sechs Gauen. Im Juni 1938 wurde das „RPA Österreich“ zum Wiener „Gaupropagandaamt“ umgewandelt.[99]

Ein halbes Jahr später wurde es mit dem RPA Wien zu einer Institution zusammengeschlossen.[100] Neben der Organisation von Kundgebungen und Staatsempfängen waren die RPÄ zuständig für

„jegliche Art der geistigen Führung der Nation, der Werbung für staatliche Kultur und Wirtschaft, sowie der Unterrichtung der inneren und ausländischen Öffentlichkeit über sie. Im Einzelnen umfasste also der Aufgabenkreis alle Angelegenheiten der Presse, des Theaters, der Musik, der bildenden Kunst, des Films, des Schrifttums einschließlich der Bekämpfung schädlicher und unerwünschter Schriften, des Rundfunks, der Wirtschafts- und Verkehrswerbung, des Ausstellung-, Messe- und Reklamewesens, sowie der Veranstaltung von Kongressen.“[101]

4.1.3. „Gaupresseamt“ Wien

Neben dem „Presseamt Bürckel“ und dem RPA wurde in Wien noch eine dritte Stelle zur Kontrolle der österreichischen Medien aufgebaut: Das Gaupresseamt. Es war die „zentrale Pressedienststelle der NSDAP“ und fiel in den Zuständigkeitsbereich der NS-Gauleitung.[102] Alle Mitteilungen der Partei wurden über diese Stelle an die „NS-Korrespondenz“ (NSK), an das „Deutsche Nachrichtenbüro“ oder direkt an die Zeitungen weitergegeben. Darüber hinaus wurden vom Gaupresseamt Parteinachrichten und Richt-linien für die Berichterstattung in der Presse über die NSDAP veröffentlicht. Dieses Amt war unter anderem auch zuständig für die Überprüfung jener „Schriftleiter“, die um Aufnahme in den RDP „Landesverband Ostmark“ ansuchten.[103] Die fachliche Aufsicht über die Gaupresseämter hatte der Reichspressechef der NSDAP, Otto Dietrich. Disziplinär aber waren die Mitarbeiter dem jeweiligen Gauleiter unterstellt.[104]

4.1.4. Propaganda-Mitarbeiter aus dem „Altreich“

Insgesamt sechs „Schriftleiter“ (5,3 % der Untersuchungsgruppe) gingen im Zuge des „Anschlusses“ nach Österreich, um in einer der genannten Institutionen zur Presselenkung hauptberuflich zu arbeiten.

So folgte der reichsdeutsche Journalist Hans Englram seinem früheren Arbeitgeber, dem Gauleiter Bürckel, als „Sonderbeauftragter im Reichskommissariat für die Rückgliederung der Ostmark“ nach Wien. Welchen Auftrag er im Speziellen ausführen sollte, konnte nicht ermittelt werden. Frank (Franz) Stertin kam aus Bayern in das Propagandaministerium in Wien, um als Pressereferent zu arbeiten. Sicher ist jedoch, dass der Pressereferent des Reichspropagandaamtes war „von entscheidender Bedeutung für die Presselenkung“ war.[105] Die Aufgaben des RPA-Pressereferats umfassten die Pressebeobachtung und vor allem die „Ausrichtung der Presse nach den Weisungen des Propagandaministeriums“.[106] Das waren im Besonderen die „Vertraulichen Informationen“ und „Tagesparolen“ aus dem RMVP und die Rundschreiben des „DNB“.

Nicht nur in Wien wurden Mitarbeiter aus dem „Altreich“ eingesetzt. So übernahm der
gebürtige Oberösterreicher Max Dachauer im August 1939 das Amt des Pressereferenten im „RPA Oberdonau“ (Linz) und stieg 1942 zum Leiter der Kulturabteilung dieses RPA auf.[107] Dachauer hatte vor 1938 im „Altreich“ als „Schriftleiter“ bei der „Nationalsozialistischen Korrespondenz“ (NSK) in Berlin gearbeitet und war in den ersten Monaten nach dem „Anschluss“ „Hauptschriftleiter“ der Rieder Volkszeitung und der Innviertler Zeitung. Franz Krotsch, erfahrener NS-„Propagandist“ und ehemaliger Gaubevollmächtigter der NSDAP für Salzburg, arbeitete als Referent im RPA Salzburg.[108] Der Österreicher Ernst Ploetz übernahm, nachdem er mit dem „Anschluss“ in den väterlichen Druckerei-Betrieb zurückgekehrt war, 1939 das Presseamt in der Gauleitung Kärnten.[109]

4.1.5. „Schriftleiter“ im Dienst der NSDAP

Insgesamt 16 Journalisten aus der Untersuchungsgruppe wurden in die „Ostmark“
geschickt, um für die NSDAP zu arbeiten. Sechs von ihnen waren in einem Gauamt tätig
oder übten eine andere politische Funktion in der Partei aus. Fünf „Schriftleiter“ (4,4 %) engagierten sich neben ihrer journalistischen Tätigkeit für die NSDAP. Sie waren als Redner, Zellenleiter oder in der Parteischriftleitung tätig.

Weitere fünf Personen traten in den Dienst der DAF, vier davon übernahmen hauptberuflich Funktionen vom Propagandaleiter bis zum Kreisobmann. Sie hatten bereits im „Altreich“ für die DAF gearbeitet, entweder als „Schriftleiter“ in einem DAF-Organ oder in der „Gaupropaganda- und Pressewaltung“ der DAF.

In Österreich bekamen sie wichtige Positionen übertragen: Leo Kuss stieg zum Kreisobmann in Klagenfurt auf[110], Detlev Mahnert arbeitete in der selben Position in der DAF-Kreiswaltung Schwaz[111]. Josef Binder wurde Gauwart in Wien und war für die Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF) zuständig.[112] Franz Krotsch übte nach seiner Versetzung aus dem Gau Baden-Württemberg nach Salzburg seine Funktion als Gauheimstättenleiter weiterhin aus. Der „Schriftleiter“ Adolf Rahm engagierte sich neben seiner journalistischen Tätigkeit für die Volksstimme in Linz als Referent für das DAF-Amt „Schönheit der Arbeit“.[113]

4.1.6. Exkurs: Die „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF)

Die Nationalsozialisten zielten darauf ab, alle Lebensbereiche der Gesellschaft unter Kontrolle zu bekommen. Neben den Unterorganisationen wie der HJ und dem Studentenbund (NSDStB) drang die „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) mit verschiedenen Ämtern und Freizeitorganisationen immer tiefer in die Privatsphäre des Einzelnen ein.

Nach der Zerschlagung der deutschen Gewerkschaften nach Hitlers Machtergreifung
wurde im Mai 1933 die DAF gegründet. Ab diesem Zeitpunkt war die DAF für die Arbeitnehmer im „Deutschen Reich“, nach dem „Anschluss“ auch für die österreichischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zuständig.

„Die deutsche Arbeitsfront ist die Organisation der schaffenden Deutschen der Stirn und der Faust. In ihr sind insbesondere die Angehörigen der ehemaligen Gewerkschaften, der ehemaligen Angestelltenverbände und der ehemaligen Unternehmer-Vereinigungen als gleichberechtigte Mitglieder zusammen-geschlossen.“[114]

Die DAF war eine Organisation der NSDAP, ihr Stabsleiter wurde von Adolf Hitler ernannt. Sie entwickelte sich zu der größten Massenorganisation des Reiches, 1939 hatte sie etwa 30 Millionen Mitglieder.[115] Mit ihr schaffte es die Partei, auch die Bereiche Arbeit und Freizeit zu kontrollieren.

Vor allem durch Ämter wie „Schönheit der Arbeit“ (zur Verschönerung der Arbeitsplätze) oder Freizeitorganisationen („Kraft durch Freude“) drang sie immer mehr in die Privatsphäre der Arbeiter und Angestellten ein.[116] Mit sportlichen und kulturellen Massenveranstaltungen wirkte die DAF bei der propagandistischen Selbstdarstellung des Hitler-Regimes mit.

4.2. Durchführung der „Gleichschaltung“ - der „Reichsverband der deutschen Presse“ in Österreich

Die organisatorische Gleichschaltung der Presse fiel in den Zuständigkeitsbereich der Reichspressekammer (RPK).[117] Diese war eine der sieben Unterkammern der Reichskulturkammer (RKK) in Berlin und wurde mit dem „Anschluss“ auch für die Presselandschaft in der „Ostmark“ zuständig.[118] Im März 1938 errichtete die RPK ein Landesbüro in Wien.[119] Zwei Monate später wurde die Journalistengewerkschaft in Wien in den „Reichsverband der deutschen Presse“ eingegliedert. Der RDP-„Landesverband Ostmark“ wurde gegründet und ein Büro in Wien eröffnet.[120]

Im Zuge dieser Neuerungen bekamen auch die Journalisten, soweit sie nicht in den Märztagen aus ihrem Beruf vertrieben worden waren, den Einfluss der neuen Machthaber zu spüren. Mitte Juni 1938 wurde das „Schriftleitergesetz“ („SchriGes.“) eingeführt, das eine einheitliche rechtliche Grundlage zur „Gleichschaltung und Reinigung“ des Pressewesens in Österreich schaffen sollte. Dieses Gesetz war eine Abwandlung der im „Altreich“ ab Oktober 1933 gültigen Regelungen für den Zugang zum Beruf als „Schriftleiter“.[121]

Mit der Einführung des „Schriftleitergesetztes“ musste auch in Österreich jeder, der journalistisch tätig sein wollte, Mitglied im „Landesverband Ostmark“ („LV Ostmark“) sein. Die österreichischen Journalisten fielen somit in den Einflussbereich der deutschen Reichspressekammer. Sie mussten sich auf „rassische“ und „politische Korrektheit“ überprüfen lassen und wurden in „Schriftleiterlisten“ eingetragen.

Die Arbeit des RDP hatte Einfluss auf die Umstrukturierung der Presselandschaft in Österreich. Deshalb war es auch von großer Bedeutung, wer in dieser Institution arbeiten durfte. Erfahrenes Personal aus dem „Altreich“ war gefragt, da die Etablierung des „LV Ostmark“ einen großen Arbeitsaufwand mit sich brachte.

4.2.1. RDP-Personal aus dem „Altreich“

Insgesamt 14 (12,3 %) der nach Österreich gekommenen „Schriftleiter“ waren mit Funktionen im RDP-„Landesverband Ostmark“ (LV Ostmark) betraut worden. war ein Journalist hauptberuflich für den RDP tätig. Helmut Rosenfeld war vermutlich der einzige von ihnen, der hauptberuflich für diese Institution gearbeitet hat.[122] Er war Referent des RDP in Berlin gewesen und wurde im April 1938 nach Wien geschickt, um als erster Geschäftsführer des neuen Landesverbandes das „Schriftleitergesetz“ durchführen.[123] Nachdem seine Arbeit immer mehr Kritik seitens der Berliner RDP-Geschäftsführung hervorgerufen hatte, kündigte er zum 1. Oktober 1938.[124] Neben Rosenfeld waren weitere 13 Journalisten aus dem „Altreich“ in Österreich für den RDP tätig. waren neben ihrer „Schriftleiter“-Tätigkeit entweder „kommissarischer Leiter“ des RDP (Petwaidic), Landesverbandsleiter (Pfeifer), oder saßen im Beirat der Berufsgerichte des RDP.

Diese Gerichte waren während der NS-Herrschaft am Sitz jedes RDP-Landesverbandes eingerichtet worden.[125] Vor diesen Gerichten wurden Einsprüche von Journalisten verhandelt, die entweder nicht in die Berufslisten eingetragen oder von ihnen gestrichen wurden, und Streitfragen im Kündigungsfall geklärt. Die Berufsgerichte waren bei Verstößen gegen die im „Schriftleitergesetz“ verankerten „öffentlichen Berufspflichten“ zuständig. Die eingeleiteten Verfahren wurden „ehrengerichtliche Verfahren“ genannt.[126]

Die verhängten Strafen reichten von Geldbußen bis zur Löschung aus der Berufsliste. Die Löschung bedeutete Berufsverbot, die weitere Ausübung des „Schriftleiterberufs“ ohne Zulassung konnte mit einer Haftstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden.[127] Auch dem Verleger, der einen nicht eingetragenen „Schriftleiter“ anstellte, drohte eine Geldstrafe oder bis zu drei Monate Haft.

In Wien wurde im Jahr 1938 ein „Bezirksgericht der Presse“ eingerichtet. Die Besetzung der Berufsgerichte des RDP, die im Zuge der Einführung des „Schriftleitergesetzes“ errichtet wurden, erforderte viel Personal.[128]

Bei der Rekrutierung der Mitarbeiter wurde auch auf die Gruppe der im Zuge des
„Anschlusses“ nach Österreich gekommenen „Schriftleiter“ zurückgegriffen. So waren 1939 vier[129] der sechs „Beisitzer“ des „Bezirksgerichts“, und zwei[130] der fünf „Stellvertretenden Beisitzer“ aus dieser Gruppe.

Auf der anderen Seite gab es auch unter den nach Österreich gegangenen „Schriftleitern“ welche, die sich vor dem „Berufsgericht der Presse in Wien“ verantworten mussten. So wurde unter anderem der Bildberichterstatter Rudolf Dötsch 1943 von der Berufsliste gelöscht, nachdem er „unzüchtige Fotos“ gemacht hatte.[131] Der Ausgang des Verfahrens gegen Harro Spoerl, den „kommissarischen Leiter“ des Neuen Wiener Journals ging aus den Akten nicht hervor.[132] Ein Berufsgericht in Berlin löschte Sven Schacht 1943 von der Berufsliste aufgrund des Verstoßes gegen § 5,7 „SchriGes.“, der lautete: „Schriftleiter kann nur sein, wer die Eigenschaften hat, die die Aufgabe der geistigen Einwirkung auf die Öffentlichkeit erfordert.“[133]

4.3. „Schriftleiter“ in Nachrichtenagenturen

Ein weiteres Betätigungsfeld für „Schriftleiter“ im Sinne der Propaganda war die Mitarbeit in einer Nachrichtenagentur. Mit der Machtübernahme durch die NSDAP im „Deutschen Reich“ und der Gründung des „DNB“

1933 brachten die Nationalsozialisten das gesamte reichsdeutsche Nachrichtenwesen unter ihre Kontrolle und monopolisierten es weitgehend.[134] Insgesamt 13 Journalisten (11,4 %) waren nach 1938 in einem Nachrichtenbüro in der „Ostmark“ tätig.[135] Fünf von ihnen waren Mitarbeiter des staatlichen „DNB“. Die übrigen acht arbeiteten als „Schriftleiter“ in anderen Agenturen wie „Transkontinent“ oder „Transocean“, die wie das DNB im Dienst des Propagandaministeriums standen.

4.3.1. Das „Deutsche Nachrichtenbüro“ (DNB)

Das „Deutsche Nachrichtenbüro“ (DNB) war ein weiteres Mittel der Presselenkung im „Dritten Reich“. Ende 1933 wurden im „Deutschen Reich“ das „WTB“ („Wolff’sche Telegraphen Büro“) mit der TU („Telegraphen-Union“) fusioniert und in „DNB“ umbenannt.[136] Mit dem „Anschluss“ wurde auch ein Büro in Wien errichtet.

Zu diesem Zweck wurde Felix Graf Consolati aus dem „Altreich“ nach Wien geschickt, um als „Verbindungsführer zwischen DNB und Wehrmacht, Polizei, NSDAP und ihren Gliederungen in Wien“ wirksam zu werden.[137] Zum (vermutlich) ersten „Hauptschriftleiter“ wurde der langjährige Mitarbeiter Gerhard Aichinger ernannt, der bis 1933 bei der DÖTZ (Deutsch-österreichische Tageszeitung) gearbeitet hatte und aufgrund seiner NS-Gesinnung Österreich verlassen musste. Der Reichsdeutsche Walter Hudelmaier bekleidete bis zum Kriegsende den Posten des Verlagsdirektors und des „Hauptschriftleiters“. Vier der DNB-Mitarbeiter hatten bereits vor 1938 im „Altreich“ für das „DNB“ gearbeitet, bei einem ist der berufliche Werdegang vor dem „Anschluss“ nicht bekannt.

5. Kategorie II:
„Schriftleiter“ in der österreichischen Zeitungen

5.1. „Anschluss“ und „Gleichschaltung“ der Presse in der „Ostmark“

Die Tage des „Anschlusses“ im März 1938 waren auch für die österreichische Presselandschaft prägend. Ab wann die Gleichschaltung der Presse Thema im Propagandaministerium in Berlin gewesen ist, ist nicht sicher.[138] Lediglich die Tatsache, dass Vorbereitungen getroffen wurden, kann man anhand verschiedener Korrespondenzen, die im Bundesarchiv Berlin lagern, sehen.[139]

„Gleichschaltung“ bedeutete in erster Linie die „Säuberung“ der Redaktionen von Juden und politisch Andersdenkenden. Diese sollten durch „arische“ und regimetreue Journalisten ersetzt werden. Durch die Verordnungen der Nationalsozialisten, die schon Jahre zuvor in Deutschland zu einem politisch opportunen und „rassisch-reinen“ Journalismus geführt hatten, sollten nach dem „Anschluss“ die österreichische Presse „gleichgeschaltet“ und „gereinigt“ werden.[140]

„Passen Sie auf, die ganzen Presseleute, die müssen sofort weg und unsere Leute hineinkommen.“[141] Diese Anweisung von Reichsmarschall Hermann Göring wurde ab dem 11. März 1938 in der „ostmärkischen“ Presse konsequent durchgeführt. In der Nacht vom 11. zum 12. März 1938 besetzten SA- und SS-Männer, zum Teil gemeinsam mit der Hitlerjugend (HJ) und nationalsozialistischen Journalisten Zeitungsredaktionen in ganz Österreich.[142] „Missliebige“ Journalisten wurden vertrieben, verhaftet oder begingen in manchen Fällen auch Selbstmord.[143]

Nicht nur reichsdeutsche Nationalsozialsten, sondern auch Journalisten, die schon vor 1938 für NS-Zeitungen tätig gewesen waren, beteiligten sich an diesen Aktionen. So wurde zum Beispiel die Redaktion der Illustrierten Kronen-Zeitung in Wien von nationalsozialistischen Journalisten besetzt, die bis 1933 für die nationalsozialistische DÖTZ (Deutschösterreichische Tageszeitung) geschrieben hatten.

Der Reichsstatthalter von Österreich und Gauleiter von Wien, Josef Bürckel, übertrug im Mai 1938 die Verantwortung für die Umstrukturierung und den Aufbau der (NS-)Presse in Österreich dem Präsidenten der Reichspressekammer, Max Amann, der zugleich „Reichsleiter der Presse“ war.[144] Dieser erließ umgehend vier grundlegende Anordnungen, die schon zuvor im „Altreich“ umgesetzt worden waren. Durch diese Anordnungen wurde die Presse der NSDAP und dem Staat unterstellt und entgültig all jene von der Zeitungsproduktion ausgeschlossen, die durch die „Nürnberger Gesetze“ von 1935 zu „bloßen Staatsbürgern“ degradiert worden waren, d. h. nicht „deutschblütig“ waren.[145]

Anfangs war vor allem das Verlagswesen betroffen. Jeder, der an Herstellung und Vertrieb von Druckwerken beteiligt war, vom Verleger bis zum Zeitungsverkäufer, musste Mitglied in dem zuständigen Fachverband der RPK sein. Journalisten waren vorerst von diesen Maßnahmen ausgenommen.[146]

Verlage wurden strengen Kontrollen unterzogen, dieHerausgabe von Druckschriften war bewilligungspflichtig. Max Amann konnte durch seinen Erlass unerwünschte Verlegertätigkeiten unterbinden - zugunsten des „NSDAP-Zentralverlages“ (Franz Eher Nachfolger GmbH), dessen Direktor er war.

Schon bald nach der „Annexion“ wurden etliche österreichische Zeitungen eingestellt: In der Anfangsphase waren es alleine 17 Titel, sechs davon wurden unter einem anderen Namen mit nationalsozialistischer Führung weiter heraus gegeben.[147] Das war jedoch nur der Vorgeschmack auf den Kahlschlag, den die Nationalsozialisten in der gesamten österreichischen Presse durchführten.[148] Dabei spielte der Eher-Konzern („Zentralverlag der NSDAP“) eine große Rolle, in dem auch der Völkische Beobachter und Hitlers „Mein Kampf“ erschienen sind.[149] Von München aus expandierte dieser Verlag, Zweigniederlassungen wurden in Berlin und nach dem „Anschluss“ auch in Wien gegründet.
Alle drei Niederlassungen hatten bei der Reichsleitung der NSDAP den Status von Hauptämtern, waren also in der obersten Ebene der Partei-Hierarchie angesiedelt.

Innerhalb kürzester Zeit übernahm die „Franz Eher Nachfolger GmbH“ fast alle großen Wiener Verlagshäuser. Vereinfacht beschrieben erfolgten diese Übernahmen nach folgendem Prinzip: Zuerst wurden „kommissarische Verwalter“ eingesetzt, dann wurden die Verlage verstaatlicht und schlussendlich unter dem alten Namen in den Eher-Konzern integriert.[150] Sogar die zwei großen traditionsreichen Wiener Zeitungen, die Neue Freie Presse und das Neue Wiener Journal blieben von den Maßnahmen der Nationalsozialisten nicht verschont. Sie wurden am 1. Februar 1939 „mit dem längst vom Eher-Konzern ‚erworbenen’ Neuen Wiener Tagblatt vereinigt“.[151]

Private Verleger konnten in einigen Fällen ihre Zeitungen behalten, wenn sie durch ihre Gesinnung in das Konzept der Machthaber passten. So trug zum Beispiel das Wiener Neuigkeits-Welt-Blatt, das von August Theodor Kirsch herausgegeben wurde, den Untertitel „Älteste arische Tageszeitung Wiens“.[152] Im Zeitungskopf des Neuigkeits-Welt-Blatts wurde in den Tagen der Volksabstimmung (06. 04. bis 09.04. 1938) für „Dein ‚Ja’ dem Führer“ geworben. Mit 31.12.1943 musste auch diese Zeitung ihr Erscheinen einstellen.[153]

Auch in den anderen Bundesländern, die mit dem „Anschluss“ zu „Reichsgauen“ wurden, wurden in einem ähnlichen Prozedere viele Zeitungen von den Nationalsozialisten übernommen. Vor allem durch die in den Gauhauptstädten errichteten „Gauverlage“ wurden etliche Zeitungen zu NSDAP-Organen (Untertitel: „Parteiamtliches Blatt der NSDAP“) umgewandelt. Diese Gauverlage waren wiederum Teil des Eher-Konzerns.[154]

Durch diese neuen Zeitungen wurden auch „amtliche Blätter“ wie die Wiener Zeitung oder die Klagenfurter Zeitung verdrängt. Es gab nur wenige Zeitungen, die vorerst von einer Übernahme verschont blieben: So konnte zum Beispiel der Außferner Bote in Tirol aufgrund der nationalen Ausrichtung der Blattlinie weiterhin in den privaten Verlagen erscheinen.[155] 1940 wurde diese Zeitung jedoch zu einem „parteiamtlichen Blatt“ umgestaltet.[156]

[...]


[1] Vgl. Hausjell, Fritz: Journalisten für das Reich, Der „Reichsverband der deutschen Presse“ in Österreich 1938-45, Wien 1993, S. 19 f.

[2] Schreiben von Dr. Harro Spoerl an den RDP Berlin, vom 16.02.1938, in: BArch, R 103/76

[3] Siehe Lebenslauf Harro Spoerl, S. 240

[4] Vgl. Hausjell 1993, S. 18. Der Autor spricht von mind. 59 reichsdeutschen Journalisten, die mit dem „Anschluss“ und kurz danach in die „Ostmark“ kamen, um als „Schriftleiter“ in der Tages- und Wochenpresse sowie in Presseagenturen Karriere zu machen. Die genaue Anzahl der tatsächlich nach Österreich gekommenen „Schriftleiter“ konnte nicht eruiert werden, da nicht alle im Privatbestand von Dr. Fritz Hausjell befindlichen Ausgaben der Deutschen Presse das Verzeichnis der Überweisungen in den „Landesverband Ostmark“ beinhalten. Zu den fehlenden Listen siehe Kapitel VII. 4. Private Quellen, Privatbestand Dr. Fritz Hausjell, S. 250

[5] Hachmeister, Lutz: Das Problem des Elite-Journalismus, in: Hachmeister, Lutz/Siering, Friedemann (Hrsg.): Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945, München 2002, S. 11.
Diese Aussage trifft auf Österreich und Deutschland gleichermaßen zu, wobei für Österreich 1934 bzw. 1938 als “kardinale Daten” zu nennen sind.

[6] Siehe Kapitel II. 1. Nationalsozialistische Pressepolitik, S. 24 f.

[7] Siehe Liste der verwendeten Ausgaben der Deutschen Presse in Kapitel VII. Private Quellen, Privatbestand Dr. Fritz Hausjell, S. 274

[8] Schmid, Sigrun: Journalisten der frühen Nachkriegszeit. Eine kollektive Biographie am Beispiel von Rheinland-Pfalz, Köln 2000, S. 12

[9] Vgl. Hausjell 1993, S. 18

[10] Zu den verwendeten Ausgaben siehe Kapitel VII.3. Quellen zum Erstellen der Journalisten-Biografien,
Private Quellen, Privatbestand Dr. Fritz Hausjell, S. 274

[11] Nähere Informationen über die NSDAP-Unterlagen im Bundesarchiv siehe: http://www.bundesarchiv.de/imperia/md/content/abteilungen/abtr/5.pdf , am 01.10.2003

[12] Gustenau, Michaela: Mit brauner Tinte. Nationalsozialistische Presse und ihre Journalisten in Oberösterreich (1933-1945), Linz 1992; Steinberger, Gerda: Vernichtung, Vertreibung, Anpassung und Aufstieg von Journalisten im "Ständestaat" und im "Dritten Reich". Eine Analyse am Beispiel der Neuen Freien Presse (1933-39), 2 Bände, Wien 1990

[13] Z.B: Handbuch der deutschen Tagespresse 1934, Schriftstellerverzeichnis 1942

[14] Hagelweide, Gert: Literatur zur deutschsprachigen Presse. Eine Bibliographie, Band 35/10-13,
Biographische Literatur, München 2000 f.

[15] Siehe VII.3. Quellen zum Erstellen der Journalisten-Biografien, Private Quellen, Privatbestand von Dr. Heinz Starkulla, S. 274

[16] Wagner, Hans: Journalismus mit beschränkter Haftung? Gesammelte Beiträge zur Journalismus- und
Medienkritik, Widmung, München 2003

[17] Hausjell 1993, S. 18

[18] Gustenau, Michaela: Mit brauner Tinte. Die Nationalsozialistische Presse und ihre Journalisten in
Oberösterreich (1933-1945), Linz 1992

[19] Hausjell, Fritz: Journalisten gegen Demokratie oder Faschismus. Eine kollektiv-biographische Analyse der beruflichen und politischen Herkunft der österreichischen Tageszeitungsjournalisten am Beginn der Zweiten Republik (1945-1947), 2 Bände, Frankfurt am Main 1989

[20] Hausjell (Bd. 1) 1989, S. 325

[21] Ebd.

[22] Köpf 1995, S. 17

[23] Schmid, Sigrun: Journalisten der frühen Nachkriegszeit. Eine kollektive Biographie am Beispiel von Rheinland- Pfalz, Köln/Wien 2000

[24] Köhler, Otto: Wir Schreibmaschinentäter. Journalisten unter Hitler - und danach, Köln 1989

[25] Vgl. Frei, Norbert/Schmitz, Johannes: Journalismus im Dritten Reich, München 1989, S. 20

[26] Hitler, Adolf: Mein Kampf, zit. in: Koszyk, Kurt: Deutsche Presse 1914 bis 1945. Geschichte der deutschen Presse, Teil 3, Berlin 1972, S. 348

[27] Hitler, Adolf: Mein Kampf, zit. in: Koszyk 1972, S. 349

[28] Vgl. ebd., S. 363

[29] Vgl. ebd.

[30] Vgl. ebd., S. 364

[31] Vgl. ebd.

[32] Vgl. Hausjell 1993, S. 23

[33] Vgl. ebd.

[34] 25-Punkte-Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (24.02.1920), in: document Archiv.de, Homepage http://www.documentArchiv.de/wr/1920/nsdap-programm.html, am 01.03.2004

[35] Ebd.

[36] Vgl. Koszyk 1972, S. 365

[37] Zit. in: Hausjell 1993, S. 189

[38] Vgl. Koszyk 1972, S. 365

[39] Zit. in: ebd.

[40] Vgl. Koszyk 1972, S. 366

[41] Ebd., S. 367

[42] Vgl. Köpf 1995, S. 22

[43] Vgl. Koszyk 1972, S. 367 f.

[44] Frei/Schmitz 1989, S. 33

[45] Koszyk 1972, S. 370

[46] weitere Informationen in: Kohlmann-Viand, Doris: NS-Pressepolitik im Zweiten Weltkrieg.
Die ‚vertraulichen Informationen’ als Mittel der Presselenkung, München u.a. 1991

[47] Vgl. Koszyk 1972, S. 370 f.

[48] Vgl. Frei/Schmitz 1989, S. 39

[49] Ebd., S. 40

[50] Vgl. ebd., S. 42 f.

[51] Vgl. ebd., S. 47 f.

[52] Zit. in: Siering, Friedemann: Zeitung für Deutschland. Die Gründergeneration der „Frankfurter Allgemeinen“, in: Hachmeister, Lutz/Siering, Friedemann (Hrsg.): Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945, München 2002, S. 39

[53] Vgl. Koszyk 1972, S. 380

[54] Vgl. ebd.

[55] Vgl. Frei/Schmitz 1989, S. 96

[56] Vgl. Frei/Schmitz 1989, S. 98

[57] Vgl. ebd.

[58] Vgl. ebd., S. 54

[59] Vgl. Koszyk 1972, S. 397, Frei/Schmitz 1989, S. 58 f.

[60] Vgl. Koszyk 1972, S. 393

[61] Vgl. Koszyk 1972, S. 384

[62] Ebd., S. 385

[63] Ebd., S. 369

[64] Vgl. ebd.

[65] § 5 der „Verordnung über das Inkrafttreten und die Durchführung des Schriftleitergesetzes” vom 19. Dezember 1933, zit. in: Hausjell 1993, S. 200

[66] Zu dieser Gruppe wurde auch Rainalter gezählt, der in Konstantinopel geboren wurde. Da er aber in Österreich aufgewachsen ist, wird er in der Folge Österreich zugeordnet.

[67] Rademacher, Michael: Homepage Deutsche Geschichte 1871-1945, in: http://www.literad.de/regional/vipa.html, am 01.01.2004

[68] Vgl. Aleff, Eberhard (Hrsg.): Das Dritte Reich, 7. Aufl., Hannover 1976, S. 67

[69] Ebd.

[70] Vgl. ebd.

[71] „SD gehörte wie KZ oder Gestapo zu den gefürchtetsten Kürzeln des 3. Reichs“. Der Sicherheitsdienst war vom Reichsführer der SS eingerichtet worden. Er war zuständig dafür, die Stimmung im Volk zu erforschen. Dazu wurde ein weitreichendes Netz an Spitzeln aufgebaut. Siehe: Bedürftig, Friedemann: Taschenlexikon Drittes Reich, 3. Aufl., Hamburg 1998, S. 316

[72] Vgl. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Homepage http://www.doew.at/service/ausstellung/1938/1/1.html, am 26.02.2004

[73] Vgl. Etschmann, Wolfgang: Die Kämpfe in Österreich im Juli 1934, Wien 1984, S. 4

[74] Vgl. ebd., S, 6

[75] Vgl. ebd., S. 8

[76] Vgl. ebd., S. 9

[77] Vgl Etschmann 1984, S. 9

[78] Vgl. ebd., S. 16 f.

[79] Vgl. ebd., S. 47

[80] Vgl. ebd., S 19

[81] Siehe Lebenslauf Robert von Hofmann, S. 163

[82] Siehe Lebenslauf Hans Zogelmann, S. 260

[83] Siehe Lebenslauf Franz Krotsch, S. 185

[84] Mehr dazu siehe Kapitel III. 7. Kriegsdienst, S. 68

[85] Vgl. Bramsted, Ernest K.: Goebbels and the nationalsocialist propaganda 1925-1945, Michigan State
University Press, 1965, S. 58

[86] Binder, Büxenstein, Dachauer, Dötsch, Englram, Hartmeyer, Kolleger, Kraus, Krotsch, Kuß, Mahnert, März, Ploetz, Rosenfeld, Schwaibold, Stertin

[87] Aichinger, Barth , Fischer, Galle, Groß, Heß, Hofbauer, Hudelmaier, Hüttig, Kutschera, Lohmann, Petwaidic, Pfeifer, Priselitz, Rahm, Rübelt, Schmitt, Uitz, Zogelmann

[88] Vgl. Mueller, Wolfgang: NS-Presselenkungsinstitutionen in Wien und ihre Leiter, in: Melischek,
Gabriele/Seethaler, Josef: Die Wiener Tageszeitungen, Eine Dokumentation, Band 4: 1938-1945,
Frankfurt/Main, 2003, S. 43 f.

[89] Vgl. Hausjell 1993, S. 19

[90] Rademacher, Michael: Homepage Deutsche Geschichte 1871-1945, Personen Br; http://www.literad.de/regional/vipbra.html, am 10.02.2004

[91] Vgl. Mueller 2003, S. 45

[92] Ebd.

[93] Vgl. Mueller 2003 S. 44; siehe Lebenslauf Walter Schmitt, S. 233

[94] Ebd., siehe Lebenslauf Wilhelm Kaffl, S. 171

[95] Vgl. Koszyk 1972, S. 370

[96] nähere Informationen siehe II. 1. Nationalsozialistische Pressepolitik, S. 24

[97] Vgl. Lindinger, Michaela: Nationalsozialistische Pressepolitik gegen oder für Frauen? Zur Stellung der Journalistinnen im „Dritten Reich“ unter besonderer Berücksichtigung Österreichs (1938-1945),
Diplomarbeit, Wien 1990, S. 65

[98] Vgl. Gehler, Michael: Viel Sand im Getriebe. Medien und Propaganda im Gau Tirol-Vorarlberg nach dem „Anschluß“, in: Rathkolb, Oliver/Duchkowitsch, Wolfgang/Hausjell, Fritz (Hrsg.): Die Veruntreute Wahrheit. Hitlers Propagandisten in Österreichs Medien, Salzburg 1988, S. 435

[99] Vgl. Mueller 2003, S. 50

[100] Ausführliche Informationen über die genannten Institutionen und ihre Mitarbeiter siehe Mueller 2003, S. 33-84

[101] Rundschreiben des Gauleiters Globocnik vom 19.09.1938, zit. in: Mueller 2003, S. 48

[102] Vgl. ebd., S. 56 f.

[103] Vgl. ebd., S. 58

[104] Vgl. ebd., S. 59

[105] Kohlmann-Viand 1991, S. 79

[106] Mueller 2003, S. 55

[107] Siehe Lebenslauf Max Dachauer, S. 126

[108] Siehe Lebenslauf Franz Krotsch, S. 185

[109] Siehe Lebenslauf Ernst Ploetz, S. 215

[110] Siehe Lebenslauf Leo Kuss, S. 189

[111] Siehe Lebenslauf Detlev Mahnert, S. 200

[112] Siehe Lebenslauf Josef Binder, S. 118

[113] Siehe Lebenslauf Adolf Rahm, S. 218

[114] Zit. in: Aleff 1976, S. 41

[115] Vgl. Aleff 1976, S. 41.

[116] Vgl. Bedürftig 1998, S. 66 f.

[117] Vgl. Koszyk 1972, S. 364

[118] Siehe Kapitel II.1. Nationalsozialistische Pressepolitik S. 24 f.

[119] Vgl. Hausjell 1993, S. 25

[120] Vgl. ebd., S. 30 f.

[121] Siehe Kapitel II.1. Nationalsozialistische Pressepolitik S. 24 f.

[122] Siehe Lebenslauf Helmut Rosenfeld, S. 224

[123] Vgl. Hausjell 1993, S 30 f.

[124] BArch R 103/196 (Personalakten)

[125] Vgl. Hausjell 1993, S. 87

[126] Vgl. ebd.

[127] Vgl. Koszyk 1972, S. 366

[128] Vgl. Hausjell 1993, S. 87 f.

[129] Barth, Schmitt, Rainalter, Zogelmann

[130] Fischer, Hüttig

[131] Siehe Lebenslauf Rudolf Dötsch, S. 131

[132] Vgl. Hausjell 1993, S. 101 f.

[133] Zit. in: ebd., S. 189

[134] Vgl. Schmid 2000, S. 166

[135] Aichinger, Behrend, Boesen, Consolati, Dossmann, Essel, Henrich, Hudelmaier, Kirsch, Koch, Kotzer, Leimbach, Thomas

[136] Siehe Kapitel II.1. Nationalsozialistische Pressepolitik, S. 24 f.

[137] WStLA, NSDAP-GA, Consolati, Felix Graf, 06.08.1901

[138] Vgl. Hausjell 1993, S.13

[139] Z.B. BArch, R 103/76, Schreiben Dr. Harro Spoerl an RDP Berlin, vom 16.02.1938

[140] Vgl. Lindinger 1990, S. 61

[141] Zit. in: Hausjell 1993, S.13

[142] Ebd., S. 14

[143] Vgl. ebd.

[144] Vgl. Hausjell 1993, S. 19 f.

[145] Vgl. Bedürftig 1998, S. 250

[146] Vgl. Hausjell 1993, S. 20

[147] Vgl. Melischek, Gabriele/Seethaler, Josef: Zur Entwicklung der österreichischen Tagespresse 1938-1945, in: dies. 2003, S. 191

[148] Weitere Informationen dazu siehe ebd., S. 191 f.

[149] Vgl. Taverno, Thomas: Die Wiener Zweigniederlassung des Eher-Verlags, in: Melischek/Seethaler 2003, S. 109

[150] Vgl. Taverno 2003, S. 125

[151] Melischek/Seethaler 2003, S. 193

[152] Ebd., S. 256

[153] Vgl. ebd., S. 92

[154] Vgl. ebd., S. 192

[155] Vgl. ebd., S. 198

[156] Ebd., S. 315

Ende der Leseprobe aus 277 Seiten

Details

Titel
'Goebbels Propagandisten' für die Ostmark
Hochschule
Universität Wien  (Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
277
Katalognummer
V43741
ISBN (eBook)
9783638414722
Dateigröße
1215 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
sehr großer Anhang!
Schlagworte
Goebbels, Propagandisten, Ostmark, Nazionalsozialismus, Journalismus, Journalisten, Entnazifizierung, Zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit, Deutschland, Österreich
Arbeit zitieren
Karoline Kühnelt (Autor), 2004, 'Goebbels Propagandisten' für die Ostmark, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43741

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