Beschäftigt man sich mit der Theatergeschichte trifft man früher oder später auf den Theaterzettel. In erster Linie kommt man mit ihm als Werbematerial für eine Theateraufführung in Kontakt. Eine Ankündigung auf Papier, mit einem scheinbar oberflächlichen Informationsgehalt, der sich lediglich auf die Widerspieglung vergangener Spielpläne herunterbrechen lässt. Möchte man sich also mit der historischen Entwicklung eines Stückes beschäftigen, wird man auch in den Kontakt mit Theaterzetteln kommen. Bei der Betrachtung von „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist beginnt man logischer Weise chronologisch mit der Uraufführung. Heinrich von Kleists Lustspiel wurde erstmals im März 1808 in Weimar aufgeführt.
Begibt man sich dann an den Geburtsort des Stückes, dem Weimarer Hoftheater zurück, trifft man bald auf die umfangreiche Sammlung an Theaterzetteln zu diesem Stück. Dabei wird schnell auffällig, dass zu einigen Zeitpunkten mehr oder auch weniger Aufführungen zu finden sind. Besonders ins Auge sticht dabei das Jahr 1967, indem 27 Aufführungen zu finden sind. Eine Schlussfolgerung aus einer hohen Anzahl an Aufführungen wäre, dass sich dieses Stück zu dieser bestimmten Zeit, einer besonderen Beliebtheit erfreut hat. Diese Information lässt wiederum Tendenzen zur Rezeption eines Stückes erkennen. Gerade für die Zeit der DDR, in der die Quellenlage recht problematisch ist, sollte der Informationsgehalt des Theaterzettels nicht unterschätzt werden.
Der Theaterzettel kann also in der Theaterforschung als Indiz, wenn nicht sogar als historische Quelle zur Erforschung der Rezeption eines Stückes dienen. In dieser Hausarbeit soll, über die Betrachtung der Theaterzettel, Aufschluss über die Kleist-Rezeption in der Zeit der DDR, mit besonderer Betrachtung von „Der zerbrochene Krug“ gegeben werden. Dazu, soll als erstes auf den Quellenwert des Theaterzettels eingegangen werden und auf den Informationsgehalt, den der Theaterzettel zu bieten hat. Über diesen Informationsgehalt soll auf die Kleist-Rezeption in der DDR und der damit verbundenen Sonderstellung von „Der zerbrochne Krug“ eingegangen werden. Sodass am Ende der Hausarbeit aufgezeigt werden konnte, dass der Theaterzettel Indikator für die Rezeption eines Theaterstückes und seines Verfassers sein kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Theaterzettel als historische Quelle
2.1 Die Theaterzettel am DNT Weimar
3 Die Kleist-Rezeption in der DDR
3.1 Die Sonderstellung von „Der zerbrochne Krug“
4 Der Wandel anhand der Theaterzettel
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Theaterzettel als historische Quelle und Indikator für die Kleist-Rezeption in der DDR. Ziel ist es, am Beispiel des Deutschen Nationaltheaters (DNT) Weimar aufzuzeigen, wie sich durch die Analyse von Spielplänen und Theaterzetteln kulturpolitische Entwicklungen sowie die spezifische Bedeutung von Heinrich von Kleists Werken – insbesondere des „zerbrochnen Krugs“ – nachvollziehen lassen.
- Der Theaterzettel als historisches und theaterwissenschaftliches Forschungsinstrument
- Die Rezeptionsgeschichte von Heinrich von Kleist im Kontext der DDR-Kulturpolitik
- Die Sonderstellung und Bedeutung des Werkes „Der zerbrochne Krug“
- Der Wandel in der Kleist-Rezeption und die Einordnung seiner Stücke in das sozialistische Erbe
- Die Rolle des DNT Weimar als „Vorzeigebühne“ der SED
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Sonderstellung von „Der zerbrochne Krug“
„Der zerbrochne Krug“ wurde in der Literaturwissenschaft der DDR als das Stück betrachtet, welches sich den Realismus in Kleists Wirkungsweise durchsetzen ließ, bzw. die ersten Ansätze diesen zeigte. Dazu soll in diesem Kapitel anhand des Stückes selbst beleuchtet werden, warum sich das Lustspiel als Erfolgsstück in der DDR etabliert hatte. Der Realismus und besonders der bürgerliche Realismus waren in der DDR als schützenswertes klassisches Erbe betrachtet worden. War Kleist zu Beginn noch als Gegenspieler zum Realismus betrachtet worden, hatte man ihm doch mit „Der zerbrochne Krug“ zugestanden, ebenfalls ein Vertreter des Realismus zu sein. Am Stück selbst zeigt sich diese Rezeptionsweise an mehreren Stellen. Zum einen hält sich das Stück im Aufbau an die klassische Dramenstruktur, was es passend für das Kultur-Erbe in der DDR machte. Mit der Exposition, der steigenden Handlung, dem Höhepunkt und der entscheidenden Wende, der fallenden Handlung, sowie der Auflösung des Konflikts passt sich „Der zerbrochne Krug“ dem klassischen Dramenschema an. Im Stück selbst findet sich die Exposition mit der Vorstellung der Akteure und des Hauptkonflikts, nämlich der Schadensersatzforderung für den zerbrochenen Krug und der Anklage Eves, sich der Untreue schuldig gemacht zu haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Theaterzettels als historische Quelle ein und erläutert die Forschungsabsicht, die Kleist-Rezeption in der DDR anhand dieser Dokumente zu untersuchen.
2 Der Theaterzettel als historische Quelle: Das Kapitel beleuchtet den Quellenwert von Theaterzetteln und deren Funktion als kultureller Ausdruck sowie Spiegel der Theatergeschichte und Gesellschaft.
2.1 Die Theaterzettel am DNT Weimar: Hier wird das Projekt zur Digitalisierung der Theaterzettel am DNT Weimar vorgestellt und die Relevanz dieser Bühne für die DDR-Kulturpolitik hervorgehoben.
3 Die Kleist-Rezeption in der DDR: Dieses Kapitel analysiert die widersprüchliche Entwicklung von Kleists Ansehen in der DDR, geprägt durch kulturpolitische Vorgaben und literaturwissenschaftliche Deutungen.
3.1 Die Sonderstellung von „Der zerbrochne Krug“: Hier wird erläutert, warum dieses spezifische Werk aufgrund seiner realistischen Merkmale und Dramenstruktur bereits frühzeitig als Erfolgsstück in der DDR etabliert wurde.
4 Der Wandel anhand der Theaterzettel: Das Kapitel zeigt auf, wie sich die Kleist-Rezeption in der DDR im Laufe der Zeit wandelte und durch erweiterte Spielpläne am DNT Weimar dokumentiert wird.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Theaterzettel wertvolle Indizien für die Rezeptionsgeschichte von Theaterstücken liefern und Einblicke in den kulturhistorischen Kontext einer Epoche gewähren.
Schlüsselwörter
Theaterzettel, Kleist-Rezeption, DDR, Deutsches Nationaltheater, Weimar, Der zerbrochne Krug, Realismus, Theatergeschichte, Kulturpolitik, Spielplan, Literaturwissenschaft, DDR-Theater, Historische Quelle, Klassik, Sozialismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Informationsgehalt von Theaterzetteln als historische Quelle, um die wechselhafte Rezeption der Werke von Heinrich von Kleist in der DDR-Zeit zu analysieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Bedeutung des Theaterzettels für die Theaterforschung, die kulturpolitische Einordnung von Kleist in der DDR sowie die Analyse des Werkes „Der zerbrochne Krug“ als realistisches Erbstück.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass Theaterzettel nicht nur bloße Werbemittel sind, sondern als Indikatoren für die Rezeption eines Theaterstücks und das kulturelle Klima der damaligen Zeit dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse der Theaterzettel des DNT Weimar und vergleicht diese mit literaturwissenschaftlichen Erkenntnissen zur Kleist-Rezeption in der DDR.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Funktionalität von Theaterzetteln als Quelle, der allgemeinen Kleist-Rezeption unter der SED-Kulturpolitik sowie der detaillierten Untersuchung des „zerbrochnen Krugs“ und dem zeitlichen Wandel des Spielplans.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Kleist-Rezeption, Theaterzettel, DDR-Kulturpolitik und Realismus definieren.
Warum nahm „Der zerbrochne Krug“ in der DDR eine Sonderstellung ein?
Das Stück wurde aufgrund seiner klassischen Dramenstruktur und der vermeintlichen Übereinstimmung mit dem bürgerlichen Realismus von der offiziellen DDR-Literaturwissenschaft als akzeptables kulturelles Erbe eingestuft.
Welchen Einfluss hatte das DNT Weimar auf die Forschung?
Durch die Digitalisierung der dortigen Theaterzettelsammlung konnte ein umfangreicher und unzensierter Datenbestand genutzt werden, der einen direkten Einblick in die Spielpraxis und die Rezeptionsgeschichte Kleists ermöglichte.
- Arbeit zitieren
- Sarah Kaiser (Autor:in), 2017, Die Kleist-Rezeption in der DDR. Die Entwicklung der Kleist-Rezeption in Theaterzetteln und die Sonderstellung von "Der zerbrochne Krug", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437423