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Zur Dekonstruktion des Ich. Die (Ich-) Krise des jungen Törleß

Titel: Zur Dekonstruktion des Ich. Die (Ich-) Krise des jungen Törleß

Essay , 2014 , 11 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Jana Wienken (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts führen neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse, technologischer Fortschritt und gravierende gesellschaftliche Veränderungen zu einem allgemeinen Gefühl der Verunsicherung.

Durch die industrielle Revolution ändert sich zunächst vor allem das Arbeitsleben. Die Betriebe werden größer, Arbeitsabläufe rationalisiert und Massenprodukte produziert. Arbeiter werden mehr und mehr durch ihre Funktion definiert und weniger als Persönlichkeit wahrgenommen. Die Industrialisierung führt aber auch dazu, dass die eigene Identität kaum noch durch den Beruf konstruiert werden kann. Damit gehen auch die Klassenstände in ihrer traditionellen Form verloren. Statt aus Schichten besteht die moderne Gesellschaft fast ausschließlich aus Funktionssystemen, mit jeweils ganz unterschiedlichen Werten. Die Menschen in der modernen Gesellschaft müssen nun dementsprechend an Funktionssystemen in unterschiedlichsten Konstellationen teilnehmen, ihre Identität gestaltet sich zunehmend temporär. Da jeder Mensch an den verschiedenen Systemen teilnimmt, muss das Individuum seine Individualität außerhalb dieser Funktionssysteme gestalten.

Durch die Verwerfung nahezu aller traditionellen Werte und Richtlinien, wird es immer mehr zur Aufgabe des Einzelnen, die eigene Identität für sich selber zu entwerfen. Die daraus entstehende Krise des Subjekts wird um 1900 zum zentralen Thema der Literatur wird.

In diesem Essay soll die Dekonstruktion des Ich in der Literatur diskutiert werden. Dazu werde ich zunächst einen Einblick in die philosophischen, aber auch naturwissenschaftlichen Theorien geben, die die Identitätskrise deutlich mitgeprägt haben. Die Begriffe Ich, Selbst und Identität werde ich hierbei als Synonyme benutzen; Variationen sollen also nicht auf unterschiedliche Aspekte verweisen. Anschließend werde ich ausführen wie die Identitätskrise in der Literatur dargestellt wird und dieses am Beispiel der Verwirrungen des Zögling Törleß von Musil erörtern. Die aktuelle Forschungsliteratur in Bezug auf die Ich-Krise hat sich hauptsächlich mit dem Mann ohne Eigenschaften beschäftigt, dennoch kann die Identitätskrise auch anhand der Verwirrungen des Zögling Törleß ausführlich diskutiert werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse

2.1 Die Übergangsphase und das Unterbewusste

2.2 'Die Anderen'

2.3 Rekonstruktion oder Illusion?

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Dekonstruktion des Ich in der literarischen Moderne, insbesondere am Beispiel von Robert Musils Roman „Die Verwirrungen des Zögling Törleß“. Ziel ist es, die philosophischen und naturwissenschaftlichen Einflüsse auf die Identitätskrise der Epoche aufzuzeigen und zu analysieren, wie der Protagonist versucht, seine Identität in einer Phase des Übergangs zwischen Kindheit und Erwachsenenalter zu formen.

  • Identitätskrise und Subjektkonstitution um 1900
  • Wissenschaftliche Theorien der Zeit (Mach, Freud, Neukantianismus)
  • Die Rolle des Unterbewussten und erotischer Verlangen
  • Konstruktion von Identität durch soziale Abgrenzung („Die Anderen“)
  • Das Scheitern der Rekonstruktion einer stabilen Ich-Identität

Auszug aus dem Buch

2.1 Die Übergangsphase und das Unterbewusste

Während das Ich in der Literatur des Realismus als eine bewusste, autonome und kohärente Einheit wahrgenommen wurde, in der das Nicht-Bewusste ausgegrenzt wird, wird das Unbewusste im Fin-de-siècle zu einem der wichtigsten Bestandteile der Person.

Die Dekonstruktion des Ichs ist in Musils Törleß von besonderer Bedeutung, da die Identitätskrise in eine Pubertätskrise eingebunden ist (Vgl. Paetzke 1992). Törleß befindet sich in einer Phase des Übergangs von Kind-Sein zum erwachsenen Alter. Diese Phase bringt schon von selbst einen gewissen Identifikationskonflikt mit sich.

„Für Jugendliche ist während der Phase der Adoleszenz die Entwicklung einer eigenen Identität eine fundamentale Herausforderung: Identität meint hier eine Person als einmalige und unverwechselbare sowohl durch die soziale Umgebung als auch durch das Individuum selbst. So gesehen stellt Identität die zeitliche Kontinuität erlebter Einheitlichkeit im sozialen Verband her. Das Individuum erlebt Identität als Einheit der Person.“ (Fegert)

Hier werden schon einige der Aspekte deutlich, die im Roman und bei Törleß Entwicklung eine Rolle spielen. Außerdem zeigt diese Definition zum Einen die verschiedenen Einflüsse, die bei der Identitätsentwicklung auf das Individuum einwirken, auf, und lässt zum Anderen auf die Schwierigkeiten schließen, die dies mit sich bringt. Aber auch das Kernproblem wird mehr als deutlich. Das Individuum erlebt Identität normalerweise als Einheit der Person, wovon bei Törleß nicht im Entferntesten gesprochen werden kann (Vgl. Mackowiak 1995).

Törleß scheint sich selbst bewusst zu sein, dass er sich in einer Übergangsphase befindet - in der Zeit einer „Larvenexistenz“ (Musil 2013, S.57) nach der etwas Anderes, bisher noch Unidentifizierbares auf ihn wartet. Wie lange dieser Übergangszustand dauern wird und worauf er hinauslaufen wird, ist dem jungen Protagonisten allerdings unklar und so hat er ein gespaltenes Verhältnis zu den Empfindungen, die immer wieder und vollkommen ungeahnt (ihn ihm) auftauchen. Sie verunsichern und erfreuen ihn zur gleichen Zeit (ebd. S.69).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet die Identitätskrise des Subjekts im historischen Kontext der Moderne um 1900, geprägt durch technologischen Fortschritt und gesellschaftliche Umbrüche, und führt in die theoretische Basis der Arbeit ein.

2. Analyse: Die Analyse untersucht, wie Törleß durch seine Adoleszenz, die Einflüsse von Bezugspersonen und die Unfähigkeit zur Identitätskonstruktion in einem modernen, unsicheren Weltbild in eine tiefe Identitätskrise gerät.

2.1 Die Übergangsphase und das Unterbewusste: In diesem Unterkapitel wird Törleß' Identitätsentwicklung in der Pubertät thematisiert und die zentrale Rolle seiner unkontrollierbaren, aus dem Unterbewussten stammenden Empfindungen erläutert.

2.2 'Die Anderen': Dieser Abschnitt beleuchtet die Bedeutung der sozialen Interaktion und Abgrenzung für die Identitätsbildung und wie Törleß versucht, durch das Verhältnis zu anderen Personen ein Selbstverständnis zu erlangen.

2.3 Rekonstruktion oder Illusion?: Das Kapitel diskutiert das Scheitern des Versuchs, eine authentische Identität zu rekonstruieren, und stellt fest, dass Törleß' erreichte Stabilität lediglich als Illusion zu verstehen ist.

3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Törleß zwar eine Akzeptanz seiner Neigungen erreicht, sein Selbst aber gespalten bleibt und von der Zufälligkeit der Welterfahrungen bestimmt wird.

Schlüsselwörter

Identitätskrise, Moderne, Robert Musil, Die Verwirrungen des Zögling Törleß, Ich-Zerfall, Unterbewusstsein, Adoleszenz, Fin-de-siècle, Subjektkonstruktion, Ernst Mach, Psychoanalyse, Neukantianismus, soziale Abgrenzung, Ich-Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit behandelt die Dekonstruktion des Ich am Beispiel von Robert Musils Roman „Die Verwirrungen des Zögling Törleß“ im Kontext der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Umbrüche um 1900.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die Identitätskrise des Subjekts, die Bedeutung des Unterbewussten, die Konstruktion von Identität durch soziale Beziehungen und das Verhältnis zwischen Wahrheit und Illusion in der Moderne.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie das Ich in der Literatur um 1900 dekonstruiert wird und inwiefern der junge Törleß in der Lage ist, eine stabile Identität in einer Phase des Übergangs zu etablieren.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse und stützt sich dabei auf philosophische sowie psychologische Theorien der Zeit, wie etwa die Bewusstseinspsychologie von Ernst Mach und die Psychoanalyse von Siegmund Freud.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit Törleß' Pubertät, seiner unbewussten Triebhaftigkeit, der Rolle der „Anderen“ bei der Selbstfindung und der Frage, ob eine echte Rekonstruktion der Identität gelingt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Identitätskrise, Fin-de-siècle, Subjektkonstitution, Adoleszenz, Unbewusstes und soziale Abgrenzung.

Welche Rolle spielen die theoretischen Konzepte von Ernst Mach für die Analyse des Romans?

Die Konzepte von Mach dienen dazu, Törleß' Identität als nicht beständig und als abhängig von veränderbaren Empfindungen zu erklären, was die Unmöglichkeit eines stabilen Ichs im Roman unterstreicht.

Wie verändert sich Törleß' Wahrnehmung seiner ödipalen Neigungen am Ende des Romans?

Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass Törleß am Ende seiner Entwicklung seine ödipalen Neigungen nicht nur erkennt, sondern sie als Teil seines Selbst akzeptiert.

Warum wird Identität im Roman als Illusion bezeichnet?

Der Autor argumentiert, dass jegliche Integration oder erreichte Einheit in der Gesellschaft scheinhaft bleibt und eine wahre Ich-Identität für Törleß letztlich unerreichbar ist.

Inwieweit beeinflusst das soziale Umfeld die Identitätsbildung von Törleß?

Durch die Abgrenzung von anderen Individuen (wie Basini, Reiting oder Beineberg) versucht Törleß, Bestätigung für seine eigene Identität zu finden, was jedoch nur zu einer instabilen und teils illusorischen Identitätskonstruktion führt.

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Details

Titel
Zur Dekonstruktion des Ich. Die (Ich-) Krise des jungen Törleß
Hochschule
Monash University Melbourne  (Institute for German Studies)
Note
1,0
Autor
Jana Wienken (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V437463
ISBN (eBook)
9783668778641
ISBN (Buch)
9783668778658
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dekonstruktion ich- krise törleß
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jana Wienken (Autor:in), 2014, Zur Dekonstruktion des Ich. Die (Ich-) Krise des jungen Törleß, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437463
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Leseprobe aus  11  Seiten
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