Das Glück als Ziel menschlichen Lebens

Vom Sinn des Strebens nach Glück in Aristoteles' Nikomachischer Ethik


Essay, 2017

8 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Glücksbegriff bei Aristoteles

3. Glück als Lebensinhalt

4. Glück und Glückseligkeit im menschlichen Handeln

5. Fazit

1. Einleitung

Die Frage nach dem, was Glück sei, beschäftigt die Philosophie seit Anbeginn.

Von Homer, Platon und Aristoteles, über Kant und Mill diskutierte man über das Streben nach Glück und den Inhalt des Glücksbegriffes. Aristoteles versucht in seinem Werk Nikomachische Ethik ebendies in einer Allgemeingültigkeit zu beantworten.

Über alle Lebensinhalte hinweg wird die Bedeutung des Glücks erörtert. Angefangen im ersten Buch mit einer Überblickdiskussion über den philosophischen Standpunkt Platons und der Unterscheidung zwischen guten und besten Gütern[1] im Hinblick auf das Glück als bestes Gut. Weitergehend wird die Frage gestellt, was das menschliche Glück ausmachte und der Unterschied zwischen Glück und Tugend herausgearbeitet.

Die folgenden Bücher befassen sich mit Freundschaft, den Tugenden, Lust und schließend mit den zwei Formen des Glücks. Zwar ist die Bedeutung des Glücks und der Glücksseligkeit in der Gemeinschaft und im Politischen von ebenso wichtiger Bedeutung wie die Allgemeindefinition, jedoch sollen diese Diskussionsgegenstände nur am Rande Thema dieser Ausarbeitung sein. Der Schwerpunkt dieser Arbeit soll der Versuch sein, eine auch heute noch gültige Aussage aus der aristotelischen Glücksphilosophie ziehen zu können.

2. Der Glücksbegriff bei Aristoteles

Wie bereits erwähnt, definiert sich das Glück bei Aristoteles als das höchste Gut. Um dies verstehen zu können, muss zuvor jedoch geklärt werden, was Güter sind und wie deren Wertigkeit zu betrachten ist.

Alles, was etwas schaffe, strebe danach ein Gut zu erzeugen, dies bezieht sich nicht nur auf materiell schaffende Tätigkeiten, sondern auch auf metaphysisch Schaffende. Jedem zentralen Gut seien andere Güter untergeordnet. Als Beispiel nennt Aristoteles die Sattlerei, die wie die übrigen Kenntnisse, die mit der Ausstattung von Pferden zu tun haben, der Reitkunst untergeordnet [ist].[2]

Es sei jedoch stets das Übergeordnete zu bevorzugen, da damit automatisch auch die Untergeordneten verfolgt werden würden.

Am erstrebenswertesten ist jedoch das Ziel, das nicht um des Erschaffens willen, sondern um seiner selbst willen[3] gewünscht wird, da etwas zu Schaffendes ein Ende findet, etwas, das aufgrund des bloßen Zwecks getan wird, nicht. Daraus wird abgeleitet, dass das ewige und vergebliche Ziel das beste aller Güter sei. Die verschiedenen Disziplinen und daraus resultierenden Güter besitzen, wenngleich sie unterschiedlich geartet sind, alle die gleiche Wertigkeit, nur ihr Ergebnis und die Herangehensweise unterscheiden sich. Es darf also nicht von jedem dieselbe Prämisse verlangt werden, vielmehr gilt es abzuwägen, was das Resultat sein soll und mit welcher Grundlage herangegangen wird.

Alle Güter sind einem Handwerk untergeordnet, durch welches diese erschaffen werden, so auch das Glück. Aristoteles ordnet das Glück der Politik unter, da dieser die am höchsten geschätzten Fähigkeiten unterstehen und dieses gut für den Menschen sein wird.[4]

Jedoch weist er auf die Problematik hin, dass es keine allgemeingültige Definition dafür gebe, was Glück sei. Die Menschen seien sich darin einig, dass das Glücklichsein[5] daraus resultiert, dass man gut lebt und handelt. Hinsichtlich des Glücks gehen die Meinungen jedoch auseinander. Auf der einen Seite stehen die niederen und offenkundigen Ziele, wie Lust, Reichtum und Ehre. Für diese stellt jedoch jedes Individuum seine eigene Definition auf. Über diesen existiere jedoch noch ein losgelöstes, diese Güter umfassendes, für sich seiendes und aus sich selbst resultierendes Gut, welches das wahre Glück darstelle. Es ist also das Beste, Werthafteste, und Erfreulichste. [6] Aristoteles schreibt hierzu: Das Glück erweist sich also als etwas, das abschließend und autark ist; es ist das Ziel all dessen, was wir tun.[7]

Dennoch benötigt auch das Glück eines gewissen Fundamentes an Gütern. Denn wer nichts Besitzt, dem fehlt etwas, daher kann er auch nicht glücklich sein. Ohne Hilfe etwas Werthaftes zu schaffen sei sehr schwer. Daher lässt sich das Glück auch als Handwerk begreifen, da es seine eigenen Werkzeuge benötigt. Davon ausgehend lassen sich Glück, Zufall und Tugend miteinander in Einklang bringen.[8] Es drängt sich die Frage auf, welchem Gut Glück zuzuordnen ist. Dadurch, dass Zufall und Tugend mit dem Glück verwoben sind, kann es nicht einzig und allein auf bloßem Selbstvermögen beruhen. Es scheint vielmehr eine Zwischenform, zwischen zu Erschaffendem und zu Meisterndem zu sein. Denn sowohl der, der Gutes tut ist glücklich, als auch der, der in dem was er tut, gut ist. Hier zeigt sich wieder, dass sich das Glück auf nichts reduzieren lässt, sondern in omnipräsent und allumfassend ist.[9]

3. Glück als Lebensinhalt

Wenn das Glück also ein Gut ist, das zum einen aus seiner selbst heraus besteht, zum anderen von jedem auf verschiedene Weise verstanden wird, müssen auch die Wege zum Glück unterschiedlich sein. Aristoteles unterscheidet hierbei zwischen drei Hauptformen des Lebens: Das Leben des Genusses, [...] das politische Leben, [... sowie] als dritte das betrachtende Leben.[10]

Diesen drei Formen werden unterschiedliche Schichten zugeteilt. Die Masse handele nach dem Streben nach Genuss und Lust, die Kultivierten nach dem Politischen und die Philosophen nach dem Betrachtenden.

Das politische Leben gipfelt im Ziel, ehrenhaft zu sein und zu handeln. Diese Ehrenhaftigkeit resultiert wieder im Ziel, von seinen Mitmenschen als guter Mensch angesehen zu werden. Also handeln Menschen, die um der Ehre willen handeln, eigentlich um des Guten, um des Glückes willen. Die Ehre stellt hier nur ein untergeordnetes Gut dar.

Es handelt also jeder auf seine Weise nach dem Glück, jedoch nicht nur über einen bestimmten Zeitraum. Das Streben nach Glück liegt in dem Willen begründet, sein Handwerk zu perfektionieren und in diesem immer besser zu werden. Also kann nur der Glücklich sein, der gut, im Sinne von begabt, ist, da er damit ein Gut, im Sinne von etwas Geschaffenem, vorweisen kann. Das Glück zieht sich also als Leitfaden durch das komplette Leben eines jeden Einzelnen, mit dem Ziel den Anderen zu gefallen.[11]

Daraus resultierend, gibt es vier Möglichkeiten, das Glück zu betrachten: Als etwas Tugendhaftes, etwas weises oder etwas kluges, die letzten verbinden das Glück mit der Lust.

Der Tugend sind die Praktiker verschrieben, die aus dem Glück ein handfestes Ergebnis ziehen wollen. Dass (materielle) Güter und Glück jedoch einander nicht bedingen, ergibt sich daraus, dass ein Gut auch ohne Können gefertigt werden kann. Es ist also ein schlechtes Gut und somit nicht mit dem Streben nach Glück verbunden, da sich der Schaffende in diesem Falle damit zufriedengibt, etwas Kurzweiliges ohne größeres Ziel zu erreichen.

[...]


[1] Wolf, Ursula (Hg. u. übers.): Aristoteles. Nikomachische Ethik, Hamburg 2006 S. 35. Im Folgenden: NE.

[2] NE I 1094 a 10 – 15.

[3] NE I 1094 a 15.

[4] NE I 1094 b 1 – 10.

[5] NE I 1095 a 15.

[6] NE I 1098 b 20.

[7] NE I 1097 b 20.

[8] Vgl. NE I 1099 b 1 – 10.

[9] Vgl. NE I 1101 b 10 – 40.

[10] NE I 1095 b 15 -20.

[11] Vgl. NE I 1098 a 1 – 20.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Das Glück als Ziel menschlichen Lebens
Untertitel
Vom Sinn des Strebens nach Glück in Aristoteles' Nikomachischer Ethik
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Bildungswissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in die philosophische Ethik
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V437556
ISBN (eBook)
9783668776692
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles, Glück, Nikomachische Ethik, Ethik, Philosophie, Einführung
Arbeit zitieren
Nicole Ludwig (Autor), 2017, Das Glück als Ziel menschlichen Lebens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437556

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