Digitalisierung der Wertschöpfung und Auswirkung auf das Controlling


Bachelorarbeit, 2016
48 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Digitalisierung und Wertschöpfung
2.1 Digitalisierung
2.1.1 Definition Digitalisierung
2.1.2 Treiber der Digitalisierung
2.1.3 Technologische Trends der Digitalisierung
2.2 Wertschöpfung
2.2.1 Definition Wertschöpfung
2.2.2 Wertschöpfungskette nach Porter
2.3 Digitalisierung der Wertschöpfung

3. Controlling und Controllertätigkeiten
3.1 Controlling
3.1.1 Definition Rationalität
3.1.2 Definition Führung
3.1.3 Controlling zur Rationalitätssicherung der Führung
3.2 Controllertätigkeiten
3.2.1 Informationsversorgung
3.2.2 Planung
3.2.3 Kontrolle

4. Digitalisierung der Wertschöpfung und Auswirkungen auf das Controlling
4.1 Anforderungen an das Management durch die Digitalisierung der Wertschöpfung
4.1.1 Veränderung der Umweltsituation
4.1.2 Paradigmenwechsel in der Führung
4.1.3 Technologische Trends und deren Auswirkungen auf das Management
4.2 Anforderungen an das Controlling
4.2.1 Durch den Paradigmenwechsel in der Führung
4.2.2 Durch die technologischen Trends
4.2.3 Durch die Fokusveränderung bei Controllertätigkeiten
4.3 Controller auf dem Weg zum Business Partner

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Digitalisierung verändert alles, sie ist unausweichlich in unserer Gesellschaft und Wirtschaft angekommen. Die Auswirkungen sind unumkehrbar, von rasanter Geschwindigkeit und mit Unsicherheit behaftet. Einkäufen über das Internet, Fotografieren mit dem Smartphone, Kommunizieren an nahezu jedem Ort der Welt, sind aus dem alltäglichen Leben des Menschen nicht mehr wegzudenken. Selbstfahrende Autos und Küchen, welche eigenständig für volle Kühlschränke und Lebensmittelregale sorgen, werden in der Zukunft noch mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft erregen.

Aber nicht nur das Privatleben und die Freizeit spürt deutlich die Digitalisierung, sondern auch in der Arbeitswelt wird der Mensch mit großen Veränderungen konfrontiert. Die Wertschöpfung wird digitalisiert, Wirtschaftsprozesse dadurch in ungeahnter Form beschleunigt, Innovationen vorangetrieben, Dienstleistungs- und Produktionsprozesse optimiert und die Interaktion mit Kunden und Konsumenten befindet sich in einer Revolution. Der Anbieter von Privatunterkünften Airbnb ist zum größten Flotelkonzern aufgestiegen, ohne eigene Zimmer zu besitzen. Der Privatfahrdienst Uber transportiert Personen von Ort zu Ort, ohne über eigene Autos zu verfügen. Das sind nur zwei bedeutende Beispiele, welche zeigen, was die Digitalisierung der Unternehmenswelt ermöglicht.

Die Digitalisierung in der Unternehmenswelt bietet sowohl Chancen als auch Risiken für Mitarbeiter, welche sich aus den veränderten Anforderungen an die Führungskräfte ergeben. Führungskräfte müssen Entscheidungen unter steigender Komplexität, Geschwindigkeit und Unsicherheit treffen. Daraus resultiert auch ein Wandel in der Funktion des Controllers, der unter anderem für die Rationalitätssicherung der Führung zuständig ist und diese in dem sehr volatilen Umfeld der Digitalisierung weiterhin gewährleisten soll. Durch Zeit- und Kostenersparnisse, welche durch die IT-Trends begründet sind, kann der Controller in einen stärker inhaltlichen Dialog mit dem Management treten. Die Bachelorarbeit setzt bei dem Aspekt der detaillierten Konsequenzen für den Controller an, da diese schwer abschätzbar sind.

Vor diesem Hintergrund werden in dieser Arbeit folgende drei Ziele betrachtet. Es soll dargestellt werden, inwieweit die Digitalisierung die Wertschöpfung im Unternehmen verändert. Ausgehend von diesen Betrachtungen wird erläutert, mit welchen neuen Bedingungen das Management im Einzelnen durch die Digitalisierung der Wertschöpfung konfrontiert wird. Der Fokus liegt am Schluss darauf, inwieweit sich die Funktion des Controllings durch die veränderten Anforderungen an das Management wandelt.

Nach dieser Einleitung werden die Grundlagen der Digitalisierung und der Wertschöpfung dargestellt. Besonderes Augenmerk wird in diesem Kapitel im Abschnitt 2.3 auf die Digitalisierung der Wertschöpfung gelegt.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit dem Themenkomplex Controlling zur Rationalitätssicherung der Führung, um die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass im letzten Kapitel als Synthese die Folgen der in den Kapiteln zwei und drei erarbeiteten Grundlagen untersucht werden können.

2. Digitalisierung und Wertschöpfung

2.1 Digitalisierung

2.1.1 Definition Digitalisierung

Für die Digitalisierung und damit der Entwicklung bestimmter Teile unserer Gesellschaft liegt keine einheitliche Definition vor. Teildefinitionen führen zu einem grundlegenden Verständnis, was Digitalisierung bedeutet und welche Aspekte besonders hervorzuheben sind. Grundsätzlich kann man den Begriff nach Professor Thomas Hess auf zweifache Weise interpretieren.[1]

Rein technisch gesehen ist die Digitalisierung die Informationsaufbereitung, um gewonnene Daten zu verarbeiten und in einem digitaltechnischen System zu speichern.[2] Anders ausgedrückt werden analoge Daten in ein digitales, binäres Format umgewandelt. Im Gegensatz zu Ersteren können digitale Informationen auf unterschiedlichen Medien abgerufen und bearbeitet werden. Dies führt zu einem Gewinn an Flexibilität und Verwendungsmöglichkeiten.[3]

Wenn man den Begriff der Digitalisierung erweitert, eröffnet sich eine zweite, breiter gefächerte Definition der Digitalisierung. Hierbei handelt es sich bei der Digitalisierung um einen Transformationsprozess, der durch technologische Entwicklungen begründet ist. Dies führt zu weitreichenden strategischen, organisatorischen und soziokulturellen Veränderungen. Sowohl das Individuum, Organisationen als auch die gesamte Gesellschaft sind von den Veränderungen der Digitalisierung betroffen.[4] Eine weitere Interpretation, welche an die gerade beschriebene Definition inhaltlich weitestgehend anknüpft, versteht den Begriff der Digitalisierung als den Prozess, bei dem Lebens- und Arbeitswelt mit Digitaltechnik durchdrungen wird. Diese Definition besagt, dass die Digitalisierung sowohl auf privater, als auch unternehmerischer Ebene stattfindet.[5]

Basierend auf dieser Hypothese wird einleitend auf die private Ebene eingegangen. In Folge dessen wird die Digitalisierung im unternehmerischen Kontext ausführlich dargestellt, da dieser Aspekt für diese Arbeit von übergeordneter Bedeutung ist.

Im privaten bzw. gesellschaftlichen Bereich ist die Digitalisierung sehr eng mit der Entwicklung des Internets verbunden. Es wird dabei davon ausgegangen, dass das Internet den Digitalisierungseffekt in der Gesellschaft ausgelöst hat. Mit der allgegenwärtigen Verfügbarkeit des Internets haben sich für das Individuum im Privatleben vielfältige Möglichkeiten ergeben.[6] Abseits von den bekannten Anbietern wie Amazon, Facebook und Google gibt es mittlerweile sehr viel mehr Dienste, bei denen durch die Digitalisierung das Informations- und Kommunikationsverhalten des Menschen beeinflusst wird. Beispielsweise existieren bei der Informationssuche im Internet zahlreiche Anbieter, welche an einen beschränkten Nutzerkreis gerichtet sind, und somit bei der Beantwortung spezifischer Anliegen differenziert unterstützen.[7] In diesen sogenannten Social Communities erstellen die Benutzer Strukturen, von denen andere Dienste oder Nutzer wieder profitieren können.[8] Auch das Bedürfnis der Benutzer, persönliche positive und negative Erfahrungen, beispielsweise der Besuch eines Restaurants oder das Erlebnis einer Reise, mit Mitmenschen zu teilen, ist auf speziellen Bewertungsportalen möglich.[9] Neben den beiden dargestellten Geschäftsmodellen sind noch weitere vorhanden, welche alle folgende Eigenschaften aufweisen. Der Nutzer dieser Dienste stellt auf digitalem Weg, die von ihm selbst erstellten Daten zur Verfügung, welche Wiederrum digital verarbeitet oder mit einer bestimmten Zielgruppe geteilt werden. Ein wesentlicher Teil des menschlichen Handels und Denkens steht unter dem Einfluss der digitalen Informations- und Kommunikationsdienste. Nicht nur die Entstehung solcher Geschäftsmodelle, die fortschreitende Digitalisierung im Privatleben allgemein verändert unsere Gesellschaft.[10]

Die meisten Unternehmen werden von der zunehmenden Digitalisierung erheblich beeinflusst, denn aus unternehmerischer Sicht hat die Digitalisierung große Relevanz für bestehende Strukturen. Unternehmen entwickeln neue Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen, indem sie sich an den neuen Informationstechnologien bedienen. Dabei dienen diese nicht nur als Hilfesteller, sondern führen zum Aufbau neuer Wertschöpfungsnetzwerke und Strukturen gesamter Branchen.[11] Es lässt sich nicht einheitlich sagen, wie sehr einzelne Branchen vom Digitalisierungsprozess betroffen sind. Generell Stehen unterschiedlichste Branchen und Unternehmen unter dem Einfluss der Digitalisierung.[12] Der Begriff der Digitalisierung ist oft mit dem Phänomen der vierten industriellen Revolution, Industrie 4.0, verbunden. Der Begriff Industrie 4.0 beschränkt sich im Wesentlichen auf die Digitalisierung der Fertigungs- und Produktionsprozesse.[13] Begünstigt wurde der Fortschritt im Bereich der Digitalisierung dabei von der Weiterentwicklung des Internets zum Web 2.0. Technologische Neuerungen, welche unter anderem zu erhöhten

Datenübertragungsraten und dem Wegfallen von Internetnutzungskosten geführt hatten, unterstützten diesen Wandel.[14]

In dieser Arbeit steht der Begriff der Digitalisierung für die Gesamtheit, der durch die neuen Technologien entstandenen und entstehenden Veränderungen. Ausgewählte technologische Treiber werden im folgenden Abschnitt im Einzelnen erläutert, um deren besondere Relevanz hervorzuheben.

2.1.2 Treiber der Digitalisierung

Als sogenannte Treiber der Digitalisierung werden bestimmte neue Technologien, Methoden und Produkte beschrieben, die als Bausteine individuell im Unternehmen angewandt werden und unterschiedlich wirken.[15] Im Folgenden beschränkt sich die Auswahl auf drei zentrale technologische Treiber der Digitalisierung, welche auf die Professoren Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee zurückgehen.

Einer der wichtigsten Treiber der Digitalisierung ist ein allgemeines exponentielles Wachstum, welches bei sehr vielen digitalisierungsrelevanten Bereichen festzustellen ist. Neben der extremen Steigerung der Speicherkapazität sind auch bei der Chip-Dichte, der Energieeffizienz und der Download- und Prozessorgeschwindigkeit, beachtliche technologische Fortschritte zu beobachten.[16] All diese Aspekte führen dazu, dass einzelne Entwicklungssprünge größer und die Zeitspannen zwischen diesen immer kürzer werden.[17]

Die wirtschaftlichen Besonderheiten digitaler Technologien werden auch als Economies of Digitization bezeichnet.[18] Diese beschreiben mehrere Eigenschaften, über welche digitale Technologien im Gegensatz zu materiellen Technologien verfügen und somit einen erhöhten Nutzen hervorbringen. Es besteht ein deutlicher Vorteil in der Betrachtung von Kosten, denn die Grenzkosten digitaler Kopien konvergieren gegen Null. Transportkosten und -Zeiten entfallen aufgrund der Immaterialität vollständig.[19] Die Verbreitung von Informationen über das Internet erfolgt nahezu ohne Kosten.[20] Des Weiteren ist eine unbegrenzte Vervielfältigung digitaler Technologien, in Übereinstimmung mit dem Originalexemplar möglich.[21] Neben den angesprochenen Vorteilen ergeben sich noch weitere positive Aspekte, welche für die digitalen Technologien sprechen. All diese Vorteile führen zu einer Datenexplosion, die im Punkt 2.1.3 nochmals aufgegriffen wird.[22]

Als dritter großer Treiber der Digitalisierung gilt die hohe Kompatibilität digitaler Technologien. Das bedeutet, dass viele verschiedene Technologien sich gegenseitig unterstützen, miteinander kombiniert werden können und somit die Effizienz erhöhen und neue Innovationen entstehen lassen.[23] Beispielsweise können die im Internet der Dinge generierten Daten erst mit den richtigen Analyseverfahren sinnvoll genutzt werden oder die Nutzung sozialer Medien wird durch die Verwendung von Smartphones unterstützt.[24]

2.1.3 Technologische Trends der Digitalisierung

Im Folgenden wird eine Auswahl von drei IT-Trends dargestellt, deren Auswirkung auf Management und Controlling im Kapitel 4 näher beleuchtet werden soll.

Als ein zentraler technologischer Trend gilt der Datenzugriff auf mobilen Endgeräten, welcher unter dem Begriff Mobilität zusammengefasst wird. Zu den mobilen Endgeräten zählen unter anderen Smartphones und Tablet-PCs. Unterstützt wird diese Entwicklung vor allem durch die flächendeckende Verfügbarkeit von mobilen Breitbandinternetzugängen.[25] Die Bedeutung von mobilen Endgeräten wird in der Absatzentwicklung der letzten Jahre deutlich. Zwischen 2010 und 2015 ist der Absatz von Smartphones von ca. 305 Millionen Stück auf ca. 1.433 Millionen Stück (+ ca. 370 %) und von Tablet-PCs von ca. 19 Millionen auf ca. 207 Millionen Stück (+ ca. 990 %) angestiegen.[26] Mobile Technologien ermöglichen einen ständigen Datenzugriff und gewährleisten somit Interaktionen und Entscheidungen zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt.[27] Durch entsprechende Applikationen können die Daten visualisiert werden. Dabei muss der

Bildschirm der mobilen Endgeräte so gestaltet sein, dass die Interaktion mit Berührungen intuitiv erfolgen kann.[28]

Ein zweiter entscheidender Aspekt betrifft die Self-Service Anwendungen. Sie beschreiben einen Ansatz zur Datenanalyse. Self-Service ermöglicht Nutzern einen direkten Datenzugriff ohne Beteiligung der IT- oder Controllingabteilung. Neben dem reinen Zugriff können die vorliegenden Daten weiter verarbeitet werden.[29] Das heißt, Anwender erhalten Zugriff auf die Daten, um diese für Berichte oder Analysen wieder zu verwenden. Ferner sollen die Analysefunktionen durch Self-Service Anwendungen vereinfacht werden.[30]

Es werden zwei verschiedene Typen von Self-Service unterschieden, welche sich hinsichtlich ihrer Nutzer charakterisieren lassen. Die erste Anwendergruppe der Poweruser kann auf alle Daten zugreifen, diese analysieren und aufbereiten. Deshalb sollte es möglich sein, dass sie Ad-hoc Berichte erstellen können. Dazu zählen auch die Festlegung von Kennzahlen und Abfragen aus Datenbanken. Die zweite Gruppe umfasst normale Mitarbeiter und Manager. Im Gegensatz zu den Powerusern können diese keine eigenen Berichte und Dashboards erstellen. Die Nutzung beinhaltet die Navigation in vorhandenen Berichten und Dashboards. Es können Parameter gewählt werden und auf Eingabeaufforderungen reagiert werden.[31] Die zweite Nutzergruppe und der beschriebene Self-Service steht in den folgenden Kapiteln im Fokus. Die Visualisierung ist bei den Self-Service Anwendungen sehr relevant, da die Informationsverarbeitung und -interpretation durch grafische Darstellungen vereinfacht wird.[32]

Es kann dabei zwischen einer standardisierten Informationsbasis, einer eingeschränkten Auswahl und einer vollständigen Auswahl unterschieden werden. Beim Standardformat kann der Nutzer auf Berichte ohne Rücksprache zugreifen, bei einer Self-Service Anwendung mit eingeschränkter Auswahl ist der Anwender in der Lage, Kennzahlen selbstständig zu betrachten und einfache Analysen durchzuführen und bei der letzten Form sind Analysen auf allen Unternehmensebenen möglich.[33]

Ein letztes Kernthema von großer Relevanz im digitalen Zeitalter ist die exponentiell gewachsene zugänglichen Datenmenge - Big Data - und deren Verarbeitung in Echtzeit. Neue Technologien ermöglichen Datenauswertungen in Echtzeit (ohne spürbare Verzögerung). Ehemals langwierige Rechenprozesse wie Szenarioberechnungen werden dadurch beschleunigt.[34] Vollkommen neue Informationen werden betrachtet. In Echtzeit werden Markt-, Kunden- und Unternehmensdaten in die Analysen einbezogen. Big Data Analytics - die Auswertung der Datenmenge - stellt im Optimalfall einen Wettbewerbsvorteil dar und schafft einen Mehrwert im Unternehmen.[35] Diese intelligente Nutzung der vorliegenden Daten ist mit dem Begriff Smart Data verbunden. Von riesigen Datenmengen alleine, ohne dementsprechende Auswertung profitiert kein Unternehmen.[36] Mit Hilfe dieser Analysemethoden können riesige, unstrukturierte und kontinuierlich fließende Daten ausgewertet werden. Es ist unerheblich, aus welchen Datenquellen die Informationen stammen.[37] Es kann unter anderen auf Sensordaten, Kommunikation über Social-Media-Kanäle und Mobilkommunikation zugegriffen werden.[38] Dies ermöglicht die Verknüpfung und Auswertung bisher isoliert vorliegender Informationen in Echtzeit, was bereits in 2.1.2 unter der Schlagwort Kompatibilität kurz angesprochen wurde.[39] 2.2 Wertschöpfung

2.2.1 Definition Wertschöpfung

Die Definition der Wertschöpfung ist eng mit dem Begriff des Mehrwerts verbunden. Wertschöpfung entsteht, wenn durch die Kombination von verschiedenen Inputfaktoren ein Output mit einem Wert erzeugt wird, welcher höher ist als der Summenwert der Inputfaktoren.[40] Eine wirtschaftliche Transaktion im Unternehmen wird nur getätigt, sollte durch deren Umsetzung ein Mehrwert entstehen. Der Hauptfokus jeder ökonomischen Aktivität liegt auf der Wertschöpfung. Der Begriff der Wertschöpfung kann dabei sowohl den Prozess der Generierung des Mehrwerts, als auch das Prozessergebnis, als eine gemessene Wertgröße, beschreiben.[41] Der Mehrwert entsteht dadurch, dass bei der Kombination und Verarbeitung der Inputfaktoren unternehmerisches Können zu Tragen kommt.[42]

2.2.2 Wertschöpfungskette nach Porter

Das analytische Instrument der Wertschöpfungskette bietet eine Möglichkeit, alle Aktivitäten in einem Unternehmen und deren Wechselwirkungen zu untersuchen. Ziel ist es dabei, mögliche Wettbewerbsvorteile innerhalb der Unternehmensaktivitäten zu identifizieren.[43] Dazu erfolgt anhand der Wertschöpfungskette eine Aufgliederung der einzelnen strategisch relevanten Tätigkeiten. Durch positive Abweichungen in den einzelnen Bereichen können Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz entstehen.[44] In Folge dessen können Konkurrenten, welche in derselben Branche tätig sind, über unterschiedlich ausgeprägte Wertschöpfungsketten verfügen.[45] Bei der Analyse im Unternehmen müssen allerdings neben der eigenen Wertschöpfungskette gegebenenfalls vor- bzw. nachgelagerte Glieder anderer Wertschöpfungsketten berücksichtigt werden. Dies betrifft insbesondere die der Lieferanten und Vertriebsunternehmen.[46]

Die Wertschöpfungskette beschreibt den Gesamtwert des Unternehmens und setzt sich aus den Wertaktivitäten und der Gewinnspanne zusammen. Die einzelnen Wertaktivitäten unterteilt Porter dabei in zwei Typen. Die primären Aktivitäten sollen die unmittelbare Leistungserstellung, das heißt die Erstellung eines spezifischen Produkts, wiederspiegeln. Ergänzt wird die Leistungserstellung um die sekundären Aktivitäten, welche für die Umsetzung zwingend vorliegen müssen. Zu den primären Aktivitäten zählen Eingangs- und Ausgangslogistik, Produktion, Marketing & Vertrieb, sowie der Kundendienst. Unternehmensinfrastruktur, Personalmanagement, Technologieentwicklung und Beschaffung bilden die sekundären Aktivitäten.[47]

Das zweite Element der Wertschöpfungskette ist die Gewinnspanne, als die Differenz zwischen dem Gesamtwert und der Kosten, die durch Ausführung der Wertaktivitäten entstehen, definiert. Im unternehmerischen Kontext ist der Wert diejenige Größe, welche die Zahlungsbereitschaft des Abnehmers beschreibt. Porter impliziert dabei, dass der Wert dem für den Kunden geschaffenen Wert entspricht, da alle Wertschöpfungsaktivitäten im Unternehmen auf den Kunden ausgerichtet sind.[48]

Die Digitalisierung bildet eine wesentliche Veränderung unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Denk- und Handelsweise. Durch diesen Wandel verändern sich auch die in 2.2.2 beschriebenen Elemente der Wertschöpfungskette. Da jede wirtschaftliche Entscheidung eines Unternehmens unter Berücksichtigung der Wertschöpfungskette stattfindet, wird die Auswirkung der Digitalisierung im nächsten Abschnitt analysiert und erörtert.

2.3 Digitalisierung der Wertschöpfung

Die Digitalisierung, deren Treiber und die technologischen Trends beeinflussen unter anderem die Wertschöpfungsketten in Unternehmen. Der Faktor Information gewinnt durch die Digitalisierung zunehmend an Relevanz, wohingegen der Faktor Produktion weiter in den Hintergrund gerät. Elektronische Informations- und Kommunikationsmittel bilden eine Unterstützung und Möglichkeiten für den Ausbau der Geschäftsprozesse, Kundenbeziehungen und des Produkt- bzw. Serviceangebots.[49]

Unternehmen verfügen dabei zunehmend über digitale Wertschöpfungsketten, die je nach Unternehmensart um materielle Güter und Produktkomponenten ergänzt werden können.[50] Die digitale Wertschöpfungskette umfasst sieben Glieder: eProducts & eServices, eProcurement, eMarketing, eContracting, ePayment, eDistribution und elektronisches Kundenbeziehungsmanagement (electronic Customer Relationship Management).[51] Auf die einzelnen Aspekte wird aufgrund der untergeordneten Bedeutung für diese Arbeit nicht näher eingegangen.

Die Digitalisierung sorgt dafür, dass ein digitales Abbild der

Wertschöpfungsnetzwerke entsteht, welche alle Phasen der Fertigung nahtlos integrieren und miteinander verknüpfen kann.[52] Diese entstehenden Wertschöpfungsnetzwerke sind dabei lückenlos, global und entwickeln sich ständig weiter. Dieser Wandel ermöglicht eine einfachere Koordination zwischen Akteuren, Maschinen und Systemen, welcher Vorteile gegenüber der Konkurrenz ergibt. Dazu zählen die Erhöhung der Flexibilität, die Individualisierung von Produkten, eine schnellere Reaktion auf Marktentwicklungen, eine bessere Energie- und Ressourceneffizienz, sowie eine Zeitverkürzung zwischen Produktidee und dem Zeitpunkt der Markteinführung des Produkts.[53] Als übergeordnetes Ziel gelten

[...]


[1] Vgl. Hess, T. (2013), s. 1.

[2] Vgl. Petry, T. (2016), s. 22.

[3] Vgl. Hess, T. (2013), s. 1.

[4] Vgl. ebenda, s. 1 und Petry, T. (2016), s. 22.

[5] Vgl. Helbig, J. et al. (2013), s. 18 ff.

[6] Vgl. Krcmar, H. (2014), s. 12.

[7] Vgl. Brühl, V. (2015), s. 9.

[8] Vgl. Hamidian, K./Kraijo, c. (2013), s. 8.

[9] Vgl. Petry, T. (2016), s. 33.

[10] Vgl. Brühl, V. (2015), s. 1.

[11] Vgl. Châlons, C./Dufft, N. (2016), s. 27.

[12] Vgl. Petry, T. (2016), s. 21.

[13] Vgl. Becker, Т./Knop, c. (2015), s. 1 und Obermaier, R. (2016), s. 8.

[14] Vgl. Hamidian, K./Kraijo, c. (2013), s. 5f.

[15] Vgl. Kieninger, M. et al. (2015), s. 4.

[16] Vgl. Brynjolfsson, E./McAfee, A. (2014a), s. 64.

[17] Vgl. Petry, T. (2016), s. 26.

[18] Vgl. ebenda, s. 26.

[19] Vgl. Brynjolfsson, E./McAfee, A. (2014b), s. 13.

[20] Vgl. Scheer, A. w. (2016), s. 279.

[21] Vgl. Heinen, M. et al. (2014), s. 18.

[22] Vgl. Brynjolfsson, E./McAfee, A. (2014a), s. 78f.

[23] Vgl. Brynjolfsson, E./McAfee, A. (2014b), s. 13.

[24] Vgl. Heppelmann, J. E./Porter, M. E. (2014), s. 68f.

[25] Vgl. Splitter, s. etai. (2012), s. 106.

[26] Vgl. Statista (2016).

[27] Vgl. Châlons, C./Dufft, N. (2016), s. 27.

[28] Vgl. Gschmack, s. etai. (2013), s. 10.

[29] Vgl. Splitter, s. etai. (2012), s. 106.

[30] Vgl. Gschmack, s. etai. (2013), s. 10.

[31] Vgl. Eckerson, w. w. (2009), s. 2.

[32] Vgl. Eckerson, w. W./Hammond, M. (2011 ), s. 3.

[33] Vgl. Schaffer, U./Weber, J. (2013), s. 57f.

[34] Vgl. Gschmack, s. etai. (2013), s. 11.

[35] Vgl. Gänßlen, S./Losbichler, H. (2014), s. 3.

[36] Vgl. Kaeser, J. (2015), s. 32.

[37] Vgl. Gänßlen, S./Losbichler, H. (2014), s. 3.

[38] Vgl. BITKOM (2012), s. 19.

[39] Vgl. Griesfelder, R. (2014), s. 64.

[40] Vgl. Lechner, C./Müller-Stewens, G. (2016), s. 350.

[41] Vgl. Oehlrich, M. (2012), s. 143.

[42] Vgl. Lechner, C./Müller-Stewens, G. (2016), s. 350.

[43] Vgl. Swoboda, B./Weiber, R. (2013), s. 8.

[44] Vgl. Porter, M. E. (2014), s. 61f.

[45] Vgl. Oehlrich, M. (2012), s. 143.

[46] Vgl. Oehlrich, M. (2012), s. 147.

[47] Vgl. Porter, M. E. (2014), s. 63 und vgl. Swoboda, B./Weiber, R. (2013), s. 9.

[48] Vgl. ebenda (2014), s. 66.

[49] Vgl. Meier, A./Zumstein, D. (2013), s. 2.

[50] Vgl. Meier, A./Zumstein, D. (2010), s. 3.

[51] Vgl. Meier, A./Zumstein, D. (2013), s. 3.

[52] Vgl. ICV (2015), s. 5.

[53] Vgl. Kaeser, J. (2015), s. 28f.

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Digitalisierung der Wertschöpfung und Auswirkung auf das Controlling
Hochschule
Hochschule München
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
48
Katalognummer
V437691
ISBN (eBook)
9783668779655
ISBN (Buch)
9783668779662
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
digitalisierung, wertschöpfung, auswirkung, controlling
Arbeit zitieren
Theresa Sammereier (Autor), 2016, Digitalisierung der Wertschöpfung und Auswirkung auf das Controlling, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437691

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