Kaum ein System in Deutschland ist so komplex wie das Schulsystem: flächendeckend, für verschiedene Altersgruppen, privat oder öffentlich und dabei zusätzlich föderal organisiert.
Die Spannbreite an dem, was Schule leistet oder darstellt, ist groß. Diese Hausarbeit versucht, sich dem System Schule zu nähern.
Ausgangspunkt dieser Hausarbeit ist das vorangegangene Seminar „Migration Regimes and Space“, was auf den ersten Blick nichts mit Schule gemein hat. Und doch soll, aus einer interdisziplinären Perspektive, dieses Feld thematisiert werden. Dazu wird erziehungswissenschaftliche, aber auch soziologische Literatur zur Erklärung von schulischem Ausschluss und Zugang herangezogen. Der räumliche Aspekt des Systems Schule wird miteinbezogen. Auch Ansätze des Regimebegriffs werden einfließen. Trotzdem bleiben diese Schlagwörter eher im Hintergrund der Ausarbeitung.
Die Leistung dieser Hausarbeit soll zum einen darin bestehen, dass Thema unter dem Aspekt „Migration Regimes & Space“ zu fassen. Zum anderen versuche ich, Mechanismen der Benachteiligung und der Bevorteiligung unter Zuhilfenahme der Kapitaltheorie von Pierre Bourdieu zu erläutern. Es wird versucht, mit Hilfe der Beispiele von Zugängen zu Eliteschulen und des Kontrastes der sich durchziehenden Benachteiligung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund Mechanismen aufzuzeigen. Dazu sollen beide Phänomene der Illustrierung dienen und werden, auf Grund des knappen Umfangs der Arbeit, nicht bis ins Detail beschrieben und erforscht.
Der Anspruch soll sein, Bevor- und Benachteiligungsmechanismen zu markieren und Anstöße für Veränderungen aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Relevanz in der (Migrations-)Forschung
2. Schule als…
2.1. …Teil des Bildungssystems
2.2. …Institution
2.3. …Schulkultur
2.4. …Raum
2.5. …Gesamtheit
3. Bourdieu und der Habitus
3.1. Grundsätzliche Überlegungen
3.1.1. Ökonomisches Kapital
3.1.2. Kulturelles Kapital
3.1.3. Soziales Kapital
3.2. Anwendbarkeit in Bezug auf schulische Bildung
3.3. Kritik an Bourdieus Modell
4. Bevorteiligung und Benachteiligung
4.1. Ausschluss und Zugang nach Bourdieu
4.2. Ausschluss und Zugang an Schulen
4.3. Elite und Exzellenz
4.4. Migrationshintergrund: (Immer noch) ein Problem?
5. Ausblick: Wie können Ungleichheiten überwunden werden?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das deutsche Schulsystem unter Berücksichtigung von Kapitaltheorien, um zu ergründen, wie Schule und Schulkultur Mechanismen von Bevor- und Benachteiligung erzeugen und welche Rolle dabei soziale Herkunft sowie Migrationshintergrund spielen.
- Analyse des deutschen Schulsystems als Institution, Raum und Schulkultur
- Anwendung der Kapitaltheorie nach Pierre Bourdieu auf schulische Bildungsprozesse
- Untersuchung von Ausschlussmechanismen bei der Schulwahl und beim Bildungsaufstieg
- Diskussion von institutioneller Diskriminierung und bildungssprachlichen Hürden
- Reflexion über Strategien zur Überwindung von Bildungsungleichheit
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Ökonomisches Kapital
Das ökonomische Kapital bestimmt sehr stark über die materiellen und indirekt darüber über die kulturellen Ressourcen einer Familie oder einer Person (vgl. Bellin 2009: 56). Diese Kapitalsorte umfasst alle „direkt in Geld konvertierbare Formen des Einkommens“ (Schroeder 2002: 253). Dieses Kapital bildet also die Grundlage, um andere Kapitalsorten nutzen zu können (vgl. ebd.). Zugang zu Lebenschancen und auch gesellschaftlicher Teilhabe werden durch das ökonomische Kapital reguliert (vgl.: ebd.).
Schon profan scheinende Maßnahmen wie Nachhilfe oder musikalische Bildung (ökonomisches Kapital wird zur Herstellung kulturellen Kapitals eingesetzt) bringen Vorteile, die sich eine einkommensschwache Familie oft nicht leisten kann.
Familien mit Migrationshintergrund sind häufiger von Armut oder einem niedrigen Lebensstandard betroffen, da sie tendenziell eine niedrigere Bildung und ein niedrigeres Einkommen haben (vgl. Diefenbach 2007: 101).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Komplexität des deutschen Schulsystems ein und definiert das Ziel der Arbeit, Mechanismen der Benachteiligung mithilfe der Kapitaltheorie von Pierre Bourdieu zu beleuchten.
2. Schule als…: In diesem Kapitel wird Schule als komplexes Gebilde aus Institution, Schulkultur und sozialem Raum definiert, das durch strukturelle Vorgaben und Machtverhältnisse geprägt ist.
3. Bourdieu und der Habitus: Hier werden die theoretischen Grundlagen nach Pierre Bourdieu dargelegt, wobei ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital als entscheidende Faktoren für Bildungschancen erläutert werden.
4. Bevorteiligung und Benachteiligung: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Konzepte mit der Praxis, insbesondere in Bezug auf Schulwahl, exklusive Bildungseinrichtungen und die Diskriminierung von Kindern mit Migrationshintergrund.
5. Ausblick: Wie können Ungleichheiten überwunden werden?: Dieser Abschnitt diskutiert Möglichkeiten zur Reduktion von Bildungsungleichheit, etwa durch eine wertschätzende Pädagogik und das Aufbrechen institutioneller Homogenisierungsbestrebungen.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Schule zwar theoretisch Bildungsmöglichkeiten für alle bietet, jedoch in der Praxis durch institutionelle und habituelle Faktoren soziale Selektion befördert.
Schlüsselwörter
Schulsystem, Bildungsgerechtigkeit, Kapitaltheorie, Pierre Bourdieu, Schulkultur, institutionelle Diskriminierung, Migrationshintergrund, Bildungsungleichheit, Exzellenz, Privatschulen, soziale Herkunft, Sprachdefizite, Teilhabe, Machtstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie das deutsche Schulsystem durch institutionelle Strukturen und schulkulturelle Prozesse Mechanismen von Bevor- und Benachteiligung generiert und inwiefern Schülerinnen und Schüler dadurch in ihren Bildungschancen beeinflusst werden.
Welche zentralen Themenfelder deckt der Text ab?
Zentrale Themen sind die Anwendung von Bourdieus Kapitaltheorie auf den Bildungsbereich, die Auswirkungen von Schulwahl und sozialer Herkunft sowie die Rolle der institutionellen Diskriminierung im Kontext von Migration und Bildungserfolg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Mechanismen aufzuzeigen, die zur sozialen Selektion im Schulsystem führen, und Anstöße für Veränderungen zu liefern, um Bildungschancen gerechter zu gestalten.
Welcher theoretische Ansatz wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Kapitaltheorie von Pierre Bourdieu (ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital) sowie auf erziehungswissenschaftliche und soziologische Theorien zur institutionellen Diskriminierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Schule als Institution, Raum und Kultur, erläutert die verschiedenen Kapitalsorten nach Bourdieu und beleuchtet die Praxis von Schulwahl, Elitebildung sowie die spezifischen Barrieren für Kinder mit Migrationshintergrund.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Bildungsgerechtigkeit, Kapitalsorten, Habitus, institutionelle Diskriminierung, Migrationshintergrund und institutionelles Homogenisierungsstreben geprägt.
Inwiefern spielt der Begriff der "Schulkultur" bei der Entstehung von Ungleichheit eine Rolle?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Schulkulturen durch institutionalisiertes Handeln und Machtverhältnisse bestimmen, welche Praktiken und habituellen Eigenschaften als legitim angesehen werden, wodurch bestimmte Gruppen bevorteilt oder benachteiligt werden.
Welche Bedeutung kommt der "Bildungssprache" in diesem Kontext zu?
Die Arbeit identifiziert Bildungssprache als eine wesentliche Hürde, da der Erwerb dieses Registers Kindern aus bildungsfernen Familien oder Kindern mit Migrationshintergrund Schwierigkeiten bereitet und oft als Indikator für den Schulerfolg herangezogen wird.
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- Marlene Schulze (Author), 2016, Schule, Bildungsmöglichkeit für Alle?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437695