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Im Bergwerk der Seele. Das Bergwerkmotiv in Novalis 'Heinrich von Ofterdingen' und E.T.A. Hoffmanns 'Die Bergwerke zu Falun'

Title: Im Bergwerk der Seele. Das Bergwerkmotiv in Novalis 'Heinrich von Ofterdingen' und E.T.A. Hoffmanns 'Die Bergwerke zu Falun'

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Mareike Henrich (Author)

German Studies - Modern German Literature
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"Elis Fröbom schritt guten Mutes vorwärts, als er aber vor dem ungeheuren Höllenschlunde stand, da gefror ihm das Blut in den Adern, und er erstarrte bei dem Anblick der fürchterlichen Zerstörung." [E. T. A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder. In: E. T. A. Hoffmann: Gesammelte Erzählungen und Märchen. München: Winkler Verlag 1976, S. 180]
So schildert E. T. A. Hoffmann in seiner Erzählung 'Die Bergwerke zu Falun' die erste Begegnung eines jungen Seefahrers, der sich durch die Erzählungen eines alten Mannes mit einem Mal zur Arbeit im Bergwerk berufen fühlt, mit dem ihm noch fremden Element. Und so stehen viele Figuren der erzählenden romantischen Prosa an Abgründen, sehen in Tiefen hinab und steigen hinunter ins unwirtliche Dunkel der Bergschächte. Was sehen, was finden sie dort? Warum ist das Motiv des Bergwerks ein in der romantischen Literatur so oft gebrauchtes?
Eine erste, oberflächliche Antwort auf letztere Frage formuliert Theodore Ziolkowski folgendermaßen: "If we begin by asking why the image of mining appealed so strongly to young writers in Germany between 1790 and 1820, one reason suggests itself immedeately: an astonishing number of them were actually trained as mining engineers." [Ziolkowski, Theodore: German Romanticism and Its Institutions. Princeton: University Press 1990, S. 19.] Als Beispiel führt er unter anderem Novalis an, der als Salinenverwalter tätig war. Doch Novalis spricht, wenn er im fünften Kapitel des Romans 'Heinrich von Ofterdingen' den alten Bergmann von der Arbeit im Bergwerk erzählen lässt, in keiner Weise von jenen Bergwerken, in die er selbst in Sachsen hinabgestiegen ist; er beschreibt nicht die schwere, mühevolle und schmutzige Arbeit des Bergmanns unter Tage. Wir haben es weder im 'Heinrich von Ofterdingen', noch in den 'Bergwerken zu Falun', noch in den übrigen romantischen Texten, in denen das Bergwerkmotiv eine Rolle spielt, mit Bergwerken im technologischen Sinne zu tun; es handelt sich vielmehr, wie Ziolkowski es nennt, um "Bergwerke der Seele" [Ziolkowski, Theodore: German Romanticism and Its Institutions. Princeton: University Press 1990, S. 19.]: "The mine in the German Romantic view ist not simply a cold dark hole in the ground; it is a vital, pulsing place into which man descends as into his own soul for the encounter with three dimensions of human experience: history, religion, and sexualitiy." [Ziolkowski, Theodore: German Romanticism and Its Institutions. Princeton: University Press 1990, S. 32 f.]
In meiner Arbeit möchte ich anhand dieser These das Motiv des Bergwerks im fünften Kapitel von Novalis‘ Roman 'Heinrich von Ofterdingen' und E. T. A. Hoffmanns Erzählung 'Die Bergwerke zu Falun' untersuchen und herausarbeiten, auf welche Weise sich in diesen literarischen Bergwerken jeweils die Dimensionen Geschichte, Religion und Sexualität eröffnen, wobei ich im Gegensatz zu Ziolkowski noch einen weiteren Bereich, den der Natur, in diesem Zusammenhang für wichtig erachte und deshalb mit in die Betrachtung einbeziehe.
Helmut Gold vertritt die Ansicht, dass sich "beinahe alle Bergbauromantik nach Novalis direkt oder indirekt - sei es verklärend oder karikierend - auf dessen Werk [...] bezieht." [Gold, Helmut: Erkenntnisse unter Tage. Bergbaumotive in der Literatur der Romantik. Opladen: Westdeutscher Verlag 1990, S. 58.] Durch die Gegenüberstellung von Novalis‘ Text mit dem Hoffmanns soll deutlich werden, inwiefern auch die Erzählung 'Die Bergwerke zu Falun' deutliche Parallelen zum fünften Kapitel im 'Ofterdingen' aufweist, sich aber dennoch deutlich - gerade durch die Verarbeitung des Bergwerkmotivs - von diesem abgrenzt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Novalis: Das fünfte Kapitel im Heinrich von Ofterdingen

1.1 Die Natur

1.2 Die Geschichte

1.3 Die Religion

1.4 Die Sexualität

2. E. T. A. Hoffmann: Die Bergwerke zu Falun

2. 1 Die Natur

2. 2 Die Geschichte

2. 3 Die Religion

2. 4 Die Sexualität

Schlussbemerkung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das Bergwerkmotiv als zentrale Metapher für den Weg ins eigene Innere in Novalis’ Roman "Heinrich von Ofterdingen" und E. T. A. Hoffmanns Erzählung "Die Bergwerke zu Falun". Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie sich die Dimensionen Natur, Geschichte, Religion und Sexualität in diesen literarischen "Bergwerken der Seele" jeweils entfalten und inwiefern sich die beiden Werke in ihrer Verarbeitung dieses Motivs unterscheiden.

  • Das Bergwerk als Symbol für die Tiefen der menschlichen Seele
  • Gegenüberstellung des harmonisch-religiösen Naturverständnisses bei Novalis mit der psychologisch-konfliktreichen Sicht Hoffmanns
  • Die Funktion des Bergmanns als Initiationsfigur auf dem Weg zum Dichter
  • Die Rolle von Sexualität und Entgrenzung im romantischen Bergwerkmotiv
  • Vergleich der zeitlosen, versteinerten Geschichte in beiden Erzählungen

Auszug aus dem Buch

1. Novalis: Das fünfte Kapitel im Heinrich von Ofterdingen

Novalis‘ Roman Heinrich von Ofterdingen entsteht zwischen Herbst 1799 und 1800. Nur der erste Teil des Romans – überschrieben mit dem Titel Die Erwartung, wurde fertiggestellt; der zweite Teil – Die Erfüllung – blieb unvollendet. Im Roman wird die Reise des jungen Heinrich von Ofterdingen von seinem Herkunftsort Eisenach nach Augsburg, dem Geburtsort der Mutter, geschildert. Es handelt sich jedoch nur im oberflächlichen Sinne um eine Reise mit realen geographischen Stationen: „Eigentliches Ziel ist [...] nicht Augsburg, sondern die Ausbildung zum Dichter, die Stationen der Reise sind keine geographischen, sondern allegorisch-philosophische Orte [...]“.

Heinrich vollzieht durch diese Reise, an deren Ende die Vollendung als Dichter steht, eine Reise nach innen, eine „Bewegung zu sich selbst“. Die Blaue Blume, die Heinrich zu Beginn des Romans in einem Traum erblickt und die als romantisches Sehnsuchtsmotiv par excellence berühmt geworden ist, übernimmt auf dieser Reise eine „leitmotivische Funktion“. Dass der Weg zum vollendeten Dichtertum einem Weg ins eigene Innere gleichkommt, deuten bereits die Kaufleute an, denen Heinrich auf seiner Reise begegnet: „Es ist alles innerlich, und wie jene Künstler die äußern Sinne mit angenehmen Empfindungen erfüllen, so erfüllt der Dichter das inwendige Heiligthum des Gemüths mit neuen, wunderbaren und gefälligen Gedanken.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Bergwerkmotivs in der Romantik ein und stellt die These auf, dass es sich dabei um "Bergwerke der Seele" handelt, die den Zugang zu den Dimensionen Natur, Geschichte, Religion und Sexualität eröffnen.

1. Novalis: Das fünfte Kapitel im Heinrich von Ofterdingen: Dieses Kapitel erläutert, wie Heinrich durch die Begegnung mit einem Bergmann und den Abstieg in eine Höhle den Weg in sein eigenes Inneres findet und seine Ausbildung zum Dichter beginnt.

1.1 Die Natur: Die Natur wird im Bergwerk als "magische Einheit von Geist und Materie" begriffen, wobei der Bergmann als Führer durch die verborgenen Schatzkammern des Erdinneren fungiert.

1.2 Die Geschichte: Der Gang in die Tiefe wird als geschichtliche Spurensuche interpretiert, bei der individuelle Biografie und Weltgeschichte in einer zeitlosen Dimension zusammentreffen.

1.3 Die Religion: Das Bergwerk dient als Ort der religiösen Bewährung, an dem der gläubige Bergmann durch seinen festen Glauben vor Anfechtungen geschützt wird und zur Gotteserkenntnis gelangt.

1.4 Die Sexualität: Dieser Abschnitt zeigt auf, dass auch bei Novalis sexuelle Aspekte in der Metaphorik des Bergwerks präsent sind, jedoch eng mit religiöser Reinheit und einer idealisierten Bildsprache verknüpft bleiben.

2. E. T. A. Hoffmann: Die Bergwerke zu Falun: Hoffmanns Erzählung wird als literarische Verarbeitung eines wahren historischen Ereignisses vorgestellt, wobei Elis Fröbom als zentraler Protagonist im Fokus steht.

2. 1 Die Natur: Im Gegensatz zu Novalis erlebt Elis die unterirdische Natur als ambivalenten Ort zwischen herrlicher Schatzkammer und bedrohlichem Höllenschlund, der sein unbewusstes Inneres spiegelt.

2. 2 Die Geschichte: Das Bergwerk wird als Ort verstanden, an dem Zeit stillsteht und die Lebensgeschichte des Protagonisten versteinert konserviert wird, was eine harmonische Verbindung zur Oberfläche unmöglich macht.

2. 3 Die Religion: Die Frömmigkeit des Protagonisten kollidiert bei Hoffmann mit seinem Drang in die Tiefe, was zu einer Zerrissenheit und zur Vernachlässigung der oberweltlichen Tugend führt.

2. 4 Die Sexualität: Die erotische Dimension ist bei Hoffmann deutlich ausgeprägter und führt zur medusenhaften Bergkönigin, die für Elis die totale Entgrenzung und den Untergang bedeutet.

Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert, dass der Abstieg bei beiden Autoren in die Seele führt, jedoch bei Hoffmann eine unüberbrückbare Trennung zwischen poetischem Ideal und bürgerlicher Realität markiert, während Novalis ein harmonisches Gesamtsystem entwirft.

Schlüsselwörter

Romantik, Bergwerkmotiv, Novalis, E. T. A. Hoffmann, Heinrich von Ofterdingen, Die Bergwerke zu Falun, Seele, Natur, Geschichte, Religion, Sexualität, Dichtertum, Entgrenzung, Identität, Romantisches Naturverständnis

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit vergleicht das literarische Motiv des Bergwerks in Novalis’ "Heinrich von Ofterdingen" und E. T. A. Hoffmanns "Die Bergwerke zu Falun" und analysiert, wie beide Autoren das Bergwerk als Metapher für die menschliche Seele nutzen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die vier Dimensionen Natur, Geschichte, Religion und Sexualität, die sich den Protagonisten bei ihrem Abstieg in die Tiefe jeweils unterschiedlich offenbaren.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie die Erfahrungen der Protagonisten unter Tage ihre Identität und ihr Dichtertum prägen und warum diese Erfahrungen bei Novalis harmonisch, bei Hoffmann hingegen tragisch-konfliktreich verlaufen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse und Interpretation der Primärtexte unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur zu romantischen Motiven.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Abschnitte, die jeweils Novalis und Hoffmann untersuchen, und analysiert kapitelweise, wie die vier zentralen Dimensionen (Natur, Geschichte, Religion, Sexualität) in den beiden Erzählungen ausgestaltet sind.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Schlüsselbegriffe sind insbesondere die Romantik, das Bergwerkmotiv, der Begriff "Bergwerk der Seele", die dichterische Initiation sowie die Ambivalenz zwischen Alltagswelt und poetischer Kunstwelt.

Wie unterscheidet sich die Rolle der Religion bei Novalis von der bei Hoffmann?

Bei Novalis schützt der christliche Glaube den Bergmann vor den Gefahren der Tiefe und ermöglicht eine harmonische Gotteserfahrung, während bei Hoffmann die Frömmigkeit den Protagonisten in einen unlösbaren psychischen Konflikt zwischen Tugend und sinnlicher Verlockung stürzt.

Warum endet die Geschichte von Elis Fröbom bei Hoffmann tödlich?

Elis sucht eine unmögliche Verbindung zwischen der bürgerlichen Oberfläche und dem absoluten, romantischen Ideal in der Tiefe; sein Tod ist die notwendige Konsequenz der totalen Entgrenzung und Verschmelzung mit dem Element der Bergkönigin.

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Details

Title
Im Bergwerk der Seele. Das Bergwerkmotiv in Novalis 'Heinrich von Ofterdingen' und E.T.A. Hoffmanns 'Die Bergwerke zu Falun'
College
University of Münster  (Institut für deutsche Philologie)
Course
Hauptseminar Prosa der Romantik
Grade
1,7
Author
Mareike Henrich (Author)
Publication Year
2003
Pages
23
Catalog Number
V43772
ISBN (eBook)
9783638415002
ISBN (Book)
9783638596992
Language
German
Tags
Bergwerk Seele Bergwerkmotiv Novalis Heinrich Ofterdingen Hoffmanns Bergwerke Falun Hauptseminar Prosa Romantik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mareike Henrich (Author), 2003, Im Bergwerk der Seele. Das Bergwerkmotiv in Novalis 'Heinrich von Ofterdingen' und E.T.A. Hoffmanns 'Die Bergwerke zu Falun', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43772
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