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Die "Maultaschaffäre" - Wilhelm von Ockham als Gutachter am Hofe Ludwigs des Bayern. Ockhams Schrift "Consultatio de causa matrimoniali"

Titel: Die "Maultaschaffäre" - Wilhelm von Ockham als Gutachter am Hofe Ludwigs des Bayern. Ockhams Schrift "Consultatio de causa matrimoniali"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2003 , 29 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: M. A. Simone Kraft (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Wilhelm von Ockham ist einer der großen Denker des Spätmittelalters und Autor zahlreicher Schriften zum Armutsstreit, zum Papsttum, zum Verhältnis von Kirche und Kaiser. Mit seiner Flucht vom Papsthof in Avignon an den kaiserlichen Hof zu Ludwig dem Bayern, wo er als Berater tätig wird, enden jedoch die theoretischen und beginnen Ockhams sozial-politische Texte. Allerdings setzt keine prinzipielle Veränderung, sondern vielmehr eine Wende in der Zielsetzung der Schriften ein. Die theoretischen Thesen, für ein gelehrtes Publikum bestimmt, werden übertragen auf praktisch-politische Fragen sowohl kirchenrechtlicher als auch sozialer Natur.
Ein Gutachten aus dieser Zeit ist die „Consultatio de causa matrimoniali", mit der Ockham auf die sogenannte „Maultaschaffäre“ am Hofe Ludwigs des Bayern reagiert. Es behandelt die Frage, ob der Sohn des Kaisers mit der Herzogin Margarethe von Tirol vermählt werden darf. Der Text bietet ein exzellentes Beispiel für die Beratertätigkeit des Franziskaners am Hofe Ludwig des Bayern, auch wenn der Vorschlag letztendlich nicht umgesetzt wird. Eine Analyse dieser Schrift zeigt, wie sehr Ockham auch in sozialpolitischen Texten seinen Thesen treu bleibt und wie es ihm gelingt, Theorie in die Praxis zu übertragen. Mit der „Maultaschaffäre“ eröffnet sich dem Forscher ein konkret belegbarer, tagespolitischer Fall, der relativ gut dokumentiert ist – abgesehen davon, dass sein Ende nicht wirklich bekannt ist –, an dem sich die Vermischung von politischer Theorie und Praxis ablesen lassen. Sie stellt beispielhaft dar, wie das Bedürfnis des Spätmittelalters, Legitimität zu konstruieren, umgesetzt worden ist.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, eine angemessene Darstellung des Gutachtens von Ockham zu erarbeiten. Nachdem die Ausgangssituation um die „Maultaschaffäre“ genauer erläutert worden ist, wird die "Consultatio" ausführlich besprochen, da sich in der Forschung bislang keine wirklich intensive Textanalyse findet. Daran anschließend ist zu untersuchen, inwieweit die verbreitete Deutung dem eigentlichen Schriftstück gerecht wird, denn in den meisten Fällen erfolgt keine eingehende Auseinandersetzung mit dem Original. Ockhams Lösungsvorschlag, den er in seinem Gutachten entwickelt, verdient eine eingehendere Betrachtung, als sie ihm bislang widerfahren ist, zumal die von ihm unterbreitete Antwort nicht so eindeutig ist, wie sie meist dargestellt wird.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Eheaffäre der Margarete „Maultasch“

3. Die Gutachten über die „Maultaschaffäre“

4. Wilhelm von Ockham: Consultatio de causa matrimoniali

4.1. Ockhams Gutachten: Consultatio de causa matrimoniali

4.2. Einordnung der Consultatio in die Theorie Ockhams

4.3. Ergebnis der Consultatio

4.4. Die „Lösung“ der Ehefrage durch Kaiser Ludwig den Bayern

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Gutachten Consultatio de causa matrimoniali von Wilhelm von Ockham im Kontext der sogenannten „Maultaschaffäre“. Ziel ist es, die wissenschaftliche Argumentationsweise Ockhams zu analysieren, seine theoretischen Thesen zur kaiserlichen Jurisdiktion auf diesen praktischen Fall anzuwenden und den Einblick in seine Tätigkeit als kaiserlicher Berater kritisch zu hinterfragen.

  • Die „Maultaschaffäre“ als politischer Ehestreit im 14. Jahrhundert.
  • Wilhelm von Ockhams Theorie der kaiserlichen Machtbefugnisse.
  • Anwendung des Notfallrechts und des Epikie-Prinzips durch Ockham.
  • Die Rolle der Rechtsgutachten bei der Politikberatung am Hofe Ludwigs des Bayern.
  • Das Spannungsfeld zwischen geistlicher und weltlicher Macht.

Auszug aus dem Buch

Zeile 7-31

Diese beginnt nicht mit dem Hauptproblem selbst, was überraschend anmutet, sondern mit einer Überlegung über die historische Tradition des römischen Kaisertums und der Entwicklung des römisch-kaiserlichen Rechts (7-31). Mit diesem „erstaunlichen historischen Argument“ stellt Ockham den gegenwärtigen Kaiser Ludwig d. B. in die Reihe seiner heidnischen wie christlichen Vorgänger. Damit ist dieser im Vollbesitz aller Rechtsgewalt: Quare et nunc imperator omnem iurisdictionem et potestatem, qua praedecessores sui infideles vel fideles praediti exstiterunt de iure, absque diminutione qualibet noscitur possidere (27-30). Anders ist ein wahrer Nachfolger der römischen Kaiser auch gar nicht vorstellbar: Aliter enim verus successor imperatourm Romanorum censeri non deberet (27-31).

Wichtig ist die Aussage, dass das Recht und die Rechtsbefugnis der römischen Kaiser nicht an den Glauben gebunden ist. Ein Kaiser, der sich der lex perfectae libertatis, dem Gesetz der vollkommenen Freiheit gläubig unterworfen hat, hat dadurch nicht weniger Rechtsgewalt als seine Vorgänger (11-16). Denn religio christiana neminem privet iure suo (16-17; Ockham zitiert hier aus einem Brief des Kirchenvaters Ambrosius an Titus) – etwa derart, dass der Kaiser durch sein persönliches Bekenntnis zum christlichen Glauben Teile seiner Rechte als Kaiser verlieren und der Kirche übertragen würde. Dies wäre gegenüber den Untertanen nicht zu verantworten. Weder bei Philipp, dem ersten christlichen Kaiser, noch bei Konstantin dem Großen war dies so (25-27), auch bei Ludwig d. B. ist es nicht so: plenum ius imperii retinebat.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung Ockhams ein und stellt die Relevanz der Consultatio de causa matrimoniali für den Ehestreit der Margarete „Maultasch“ dar.

2. Die Eheaffäre der Margarete „Maultasch“: Hier werden der zeitliche Ablauf, die politischen Hintergründe des Aufstands in Tirol und die dynastischen Interessen hinter der Eheschließung zwischen Margarete und Ludwig von Brandenburg erläutert.

3. Die Gutachten über die „Maultaschaffäre“: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entstehungsgeschichte der in einer Bremer Handschrift überlieferten Texte, die die Ehefrage unter verschiedenen machtpolitischen Aspekten behandeln.

4. Wilhelm von Ockham: Consultatio de causa matrimoniali: Dies ist der Hauptteil, der Ockhams Argumentation, seine historische Herleitung des Kaiserrechts, das Prinzip der Epikie und die Anwendung auf den konkreten Fall detailliert analysiert.

5. Schluss: Der Schlussteil reflektiert die Beratertätigkeit Ockhams und zieht ein Fazit über die Übertragbarkeit seiner politischen Theorie auf die tagespolitische Praxis des Spätmittelalters.

Schlüsselwörter

Wilhelm von Ockham, Margarete Maultasch, Ludwig der Bayer, Consultatio de causa matrimoniali, Eherecht, Kaiserrecht, Epikie, Notfallrecht, Politikberatung, Spätmittelalter, Jurisdiktion, Kirche und Kaiser, Auftragsarbeit, Rechtsgeschichte, Politische Theorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert ein historisches Rechtsgutachten des Philosophen Wilhelm von Ockham aus dem Jahr 1342, welches für Kaiser Ludwig den Bayern im Kontext der umstrittenen Ehe der Margarete von Tirol verfasst wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Machtverhältnisse zwischen Kaiser und Papst, die Begründung des kaiserlichen Rechts im Eherecht sowie die Frage nach der praktischen Umsetzung theoretischer philosophischer Prinzipien in politisches Handeln.

Was ist die Forschungsfrage der Untersuchung?

Es wird untersucht, wie Ockham Theorie und Praxis verknüpft, welche argumentativen Strategien er in seinem Gutachten wählt, um die kaiserliche Entscheidung zu stützen, und inwiefern dies dem kaiserlichen Anliegen tatsächlich gerecht wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine intensive Textanalyse des Originaldokuments Consultatio de causa matrimoniali sowie einen Vergleich mit zeitgenössischen chronikalischen Quellen und der modernen Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der „Maultaschaffäre“ und eine inhaltliche Untersuchung von Ockhams Gutachten, insbesondere seiner Argumentation hinsichtlich des historischen Kaiserrechts und des Notfallrechts durch Epikie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wilhelm von Ockham, Margarete Maultasch, Kaiserrecht, Epikie, Eherecht und politische Theorie charakterisiert.

Wie begründet Ockham das kaiserliche Recht in Ehefragen?

Ockham argumentiert, dass das kaiserliche Recht unabhängig vom Glauben des Kaisers besteht und sich aus der Tradition der römischen Kaiser ableitet. Er stützt dies zudem auf das Prinzip der Epikie, das dem Kaiser ein Eingreifen erlaubt, wenn Gesetze zum Schaden der Allgemeinheit wirken.

Gilt das Gutachten als offizielle Vorlage der kaiserlichen Entscheidung?

Nein, es gibt keine Belege dafür, dass das Gutachten offiziell als Grundlage der kaiserlichen Entscheidung diente; vielmehr wird vermutet, dass der Kaiser aus taktischen Gründen von einer öffentlichen Nutzung solcher radikalen Vorschläge absah.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die "Maultaschaffäre" - Wilhelm von Ockham als Gutachter am Hofe Ludwigs des Bayern. Ockhams Schrift "Consultatio de causa matrimoniali"
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Historisches Seminar)
Note
1,3
Autor
M. A. Simone Kraft (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
29
Katalognummer
V43774
ISBN (eBook)
9783638415026
ISBN (Buch)
9783638683104
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Maultaschaffäre Wilhelm Ockham Gutachter Hofe Ludwigs Bayern Ockhams Schrift Consultatio
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M. A. Simone Kraft (Autor:in), 2003, Die "Maultaschaffäre" - Wilhelm von Ockham als Gutachter am Hofe Ludwigs des Bayern. Ockhams Schrift "Consultatio de causa matrimoniali", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43774
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Leseprobe aus  29  Seiten
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