Seit einigen Jahren beschäftigen sich Politik und Wirtschaft mit dem Phänomen der Unterbesetzung von Frauen in Führungspositionen in deutschen Unternehmen. Trotz diverser, vor allem politischer Anpassungen und Unterstützungsmaßnahmen zur Erhöhung der Anzahl von Frauen in Führungspositionen in den letzten Jahren, besteht noch immer eine große Lücke zwischen angestellten Männern und Frauen in höheren Hierarchiestufen.
Ziel dieser Arbeit ist es, die möglichen Gründe für die vorangegangene Problemstellung zu erörtern sowie, auf Basis dieser, potenzielle Maßnahmen und Methoden für eine Lösung des Problems und/oder bessere Bewältigung zu entwickeln. Im Mittelpunkt der Analyse stehen hierbei der Einfluss von Vorurteilen gegenüber Frauen in der Arbeitswelt.
Im zweiten Kapitel der Arbeit wird zunächst der Begriff „Vorurteile“ definiert und genauer begutachtet. Weiterhin wird näher auf die verschiedenen Eigenschaften und Komponenten sowie die Entstehung und Aufrechterhaltung von Vorurteilen eingegangen. Anschließend werden Vor- und Nachteile von Vorurteilen dargestellt.
Der dritte Teil widmet sich dem umfassenden Thema „Frauen in Führungspositionen“. Dort werden zunächst aktuelle Zahlen, Fakten und Entwicklungen aufgezeigt und verglichen. Darauffolgend wird noch auf zwei weitere, in der heutigen Gesellschaft geläufigen Begriffe eingegangen, die das übergeordnete Thema prägen. Danach wird der Einfluss von Vorurteilen gegenüber Frauen in der Arbeitswelt fokussiert und anhand von drei Beispielen untermauert.
Im nachfolgenden Teil werden konkrete Maßnahmen und mögliche Methoden vorgestellt, die zum Abbau geschlechtsbezogener Vorurteile dienen und somit einen Einfluss auf die Erhöhung weiblicher Führungskräfte haben können.
Im fünften Kapitel werden die beim Verfassen der vorliegenden Arbeit entstandenen Ergebnisse kritisch gegenübergestellt, diskutiert und analysiert.
Abschließend erfolgt das Fazit, in dem rückblickend auf die gewonnenen Erkenntnisse im Hinblick auf das Ziel der Arbeit eingegangen wird und in einem kurzen Ausblick generelle Implikationen und offene Forschungsfragen aufzeigt.
Wie kommt es dazu, dass Menschen glauben, andere Personen zu kennen, ohne sie jemals persönlich angetroffen zu haben? Wie kommt es, dass Menschen andere „in Schubladen stecken“ und meinen, dadurch vorschnell über sie urteilen zu können? Jeder Mensch hat sie – Vorurteile.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorurteile
2.1 Definition
2.1.1 Eigenschaften von Vorurteilen
2.1.2 Entstehung und Aufrechterhaltung von Vorurteilen
2.2 Vor- und Nachteile von Vorurteilen
3. Frauen in Führungspositionen
3.1 Zahlen und Fakten
3.1.1 „Frauenquote“
3.1.2 Gender Pay Gap
3.2 Einfluss von Vorurteilen
4. Maßnahmen zur Erhöhung weiblicher Führungskräfte
4.1 Interventionen zum Abbau von Vorurteilen
4.1.1 Kontakthypothese
4.1.2 Kontaktmodelle
4.2 Fazit
5. Kritische Diskussion
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen in deutschen Unternehmen, wobei der Fokus auf dem Einfluss geschlechtsspezifischer Vorurteile liegt. Ziel ist es, auf Basis der Analyse bestehender Hindernisse potenzielle Maßnahmen und Methoden zur Förderung weiblicher Führungskräfte zu erarbeiten.
- Analyse der Entstehung und Aufrechterhaltung von Vorurteilen
- Empirische Betrachtung der Repräsentanz von Frauen in Führungsebenen
- Diskussion der Auswirkungen von Frauenquoten und Gender Pay Gaps
- Evaluation psychologischer Interventionen zum Vorurteilsabbau (Kontakthypothese)
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Kontakthypothese
Ein etabliertes Mittel zur Reduktion dieser Vorurteile ist die sog. Kontakthypothese, welche 1954 von Allport entwickelt wird und aussagt, dass Vorurteile dann vermindert werden, wenn regelmäßiger Kontakt zu Mitgliedern einer anderen Gruppe besteht. Im vorliegenden Fall handelt es sich einerseits um die Gruppe „Frauen“ und die andere Gruppe „Männer“, wobei im Speziellen auf Führungskräfte Bezug genommen wird. Problematisch an dieser Stelle ist der in Kapitel 2.1.2 beschriebene Bestätigungsfehler, durch welchen es schwierig ist, selbst bei vorliegenden klaren Beweisen Vorurteile abzubauen. Aus diesem Grund setzt Allport in seiner Hypothese vier Bedingungen zum Erfolg seiner Kontakthypothese:
Ein in der Situation gleicher Status beider Gruppen (z B. gleiche Hierarchieebene/Frauen und Männer in der 1. Führungsebene eines Unternehmens), einheitliche Ziele (Erreichen des geplanten Umsatzes des Unternehmens im 1. Quartal), Kooperation zwischen beiden Gruppen (Teamarbeit zwischen den Gruppen zum Erreichen des gemeinsamen Ziels [gewünschter Umsatz]) sowie externe Unterstützung (z. B. von Gruppenmitgliedern einer anderen Hierarchieebene).
Zajonc (1968) postuliert dazu, dass bereits der bloße vermehrte Kontakt zu der anderen Gruppe ausreicht, um die Vorurteile zu beeinflussen, denn es erhöht sich sowohl die Vertrautheit als auch die Sympathie gegenüber der Gruppe und daher sind seiner Meinung nach die vier Bedingungen Allports nicht unbedingt notwendig zur Änderung der Vorurteile (sog. mere-exposure-effect). Im Großen und Ganzen ist das Ziel, durch Allports Kontakthypothese fremde Gruppen durch häufigen, langen und engen Kontakt miteinander bekannt zu machen, anstatt sie nur oberflächlich aufeinander treffen zu lassen, mit dem Vorsatz, andauernde negative Assoziationen und falsche Wahrnehmungen zu vermeiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Problem der Unterbesetzung von Frauen in Führungspositionen ein und skizziert das Ziel der Arbeit, Vorurteile als Ursache zu analysieren und Lösungsansätze zu entwickeln.
2. Vorurteile: Hier werden der Begriff „Vorurteile“ definiert, deren kognitive, affektive und Verhaltenskomponenten erklärt sowie die Entstehung durch Faktoren wie normative Konformität und illusorische Korrelation erläutert.
3. Frauen in Führungspositionen: Dieses Kapitel liefert Zahlen und Fakten zur Repräsentanz von Frauen, thematisiert die Frauenquote, den Gender Pay Gap und analysiert, wie männlich konnotierte Vorurteile den beruflichen Aufstieg von Frauen behindern.
4. Maßnahmen zur Erhöhung weiblicher Führungskräfte: Hier werden psychologische Interventionen wie die Kontakthypothese und verschiedene Kontaktmodelle (Dekategorisierung, Neukategorisierung, wechselseitige Differenzierung) zur Reduktion von Vorurteilen vorgestellt.
5. Kritische Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch hinterfragt, wobei insbesondere die begrenzte Wirksamkeit der Frauenquote als rein „äußere“ Maßnahme und andere Einflussfaktoren auf die Karriereplanung von Frauen diskutiert werden.
6. Fazit und Ausblick: Diese Zusammenfassung resümiert, dass Vorurteile den Frauenaufstieg maßgeblich hemmen und schlägt weiterführende Langzeitstudien sowie ein Umdenken in Politik und Wirtschaft vor.
Schlüsselwörter
Frauen in Führungspositionen, Vorurteile, Stereotype, Frauenquote, Gender Pay Gap, Diskriminierung, Kontakthypothese, Führungsetagen, Unterrepräsentanz, Sozialpsychologie, Gender Leadership Gap, Identität, Diversität, Karriere, Geschlechterrollen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Gründe für die geringe Anzahl von Frauen in Führungspositionen in Deutschland und analysiert insbesondere, welchen Einfluss geschlechtsspezifische Vorurteile dabei haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Entstehung und Wirkung von Vorurteilen, die statistische Erfassung von Frauen in Führungsetagen, sowie psychologische Ansätze zum Abbau dieser Barrieren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Ursachen für die Unterrepräsentanz von Frauen zu erörtern und auf Basis dieser Erkenntnisse konkrete Maßnahmen und Methoden zur Lösung dieses Problems abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Auswertung statistischer Daten sowie psychologischer Theorien zur Gruppendynamik und zum Vorurteilsabbau.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Definition und Entstehung von Vorurteilen geklärt, dann der aktuelle Status der Frauen in Führungspositionen beleuchtet und schließlich Interventionen wie die Kontakthypothese zur Überwindung von Vorurteilen präsentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Frauen in Führungspositionen, Vorurteile, Stereotype, Frauenquote, Gender Pay Gap und Kontakthypothese treffend beschreiben.
Was bedeutet das „Think-manager-think-male-Phänomen“?
Es bezeichnet die automatische Verknüpfung von männlichen Stereotypen mit den Eigenschaften einer „idealen Führungskraft“, wodurch Frauen aufgrund ihrer Merkmale oft als weniger kompetent für Führungspositionen eingestuft werden.
Wie unterscheidet sich der bereinigte vom unbereinigten Gender Pay Gap?
Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht Bruttostundenverdienste pauschal, während der bereinigte Aspekte wie Branchen, Bildungsstand, Berufserfahrung und die Anzahl der Führungskräfte bei der Berechnung berücksichtigt.
Welche drei Kontaktmodelle werden zum Abbau von Vorurteilen vorgeschlagen?
Die Arbeit stellt die Dekategorisierung, die Neukategorisierung sowie die wechselseitige Differenzierung als spezifische Methoden vor, um Intergruppen-Konflikte zu lösen.
Warum wird die Frauenquote in der Diskussion als „äußere“ Maßnahme bezeichnet?
Sie wird so bezeichnet, da sie zwar die Anzahl der Frauen erzwingt, aber die zugrunde liegenden Ursachen wie tief verwurzelte Vorurteile und Stereotype in der Unternehmenskultur nicht direkt bekämpft.
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- Isabel-Nicole Werk (Author), 2018, Der Einfluss von Vorurteilen gegenüber Frauen aufgrund ihrer Unterrepräsentanz in Führungsebenen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437743