Von den Pflicht- und Akzeptanzwerten zu den Selbstentfaltungswerten


Essay, 2001

3 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Aufgabe: Inwiefern schlägt sich der bei Klages beschriebene Wertewandelschub in der Personalpolitik von Großunternehmen nieder?

Aufgrund von wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen der BRD seit der Nachkriegszeit konnte sich Deutschland in den 70er Jahren wieder festigen. Im Bereich der Wirtschaft war ein gewaltiges Wachstum zu verzeichnen, wirtschaftliche Prosperität und innere Stabilität führten zum sozialen Wandel in der Gesellschaft.

Die Arbeitsteilung hat zugenommen - der erste Schritt zur Entwicklung einer modernen Gesellschaft. Probleme gab es aber bei der Integration und der zunehmenden Differenzierung der Mitglieder, was zu einer größeren Spezialisierung der Leistungen und der Eigenständigkeit der Mitglieder führen.

In dieser Zeit ist ein Wertewandel in Form des Übergangs vom „Materialismus“ zum „Postmaterialismus“ oder von den Pflicht- und Akzeptanzwerten (wie Disziplin, Gehorsamkeit, Pflichterfüllung, Treue, Fleiß, Bescheidenheit) zu den Selbstentfaltungswerten (Idealismus: wie Emanzipation, Demokratie, Autonomie; Hedonismus: Genuss, Abenteuer, Abwechslung; Individualismus: Selbstverwirklichung, Eigenständigkeit, Kreativität und Spontanität) zu beobachten.

Es kam zu drastischen Rangplatzverschiebungen der beiden Wertgruppen. Pflicht- und Akzeptanzwerte wurden reduziert und Selbsentfaltungswerte, die früher eine geringe Ausprägung hatten, haben an Wichtigkeit gewonnen. Ein besonderes Engagement war eher bei den jungen Menschen mit einem hohem Bildungsniveau zu beobachten, während bei der älteren Generation mit geringerem Bildungsniveau eher ein Verharren bei den alten Werten zu beobachten war.

Die Selbstentfaltungswerte wurden stärker beeinflußt und es kam zum Mentalitätswandel in Form des Übergangs vom nomozentrischen (sich selbst als ein unvollkommenes Wesen sehend, lebensfähig nur mit Hilfe der Umwelt) zum autozentrischen (sich der gesellschaftlichen Umwelt gegenüber stark und unabhängig fühlend) Selbst- und Wertverständnis.

Autozentriker sehnen sich nach personeller Verwirklichung und wollen alle ihre Bedürfnisse befriedigen. Sie sehnen sich danach sich als autonome Person zu verwirklichen und neigen zu „informellen“ Umgangsformen; sie träumen davon angstfrei, unabhängig und nicht kontaktscheu zu sein.

Die Autozentriker haben das Bedürfnis nach Echtheit oder Unmittelbarkeit des eigenen Verhaltens im gesellschaftlichen Umfeld, sie wollen das, was man jeweils fühlt, unverstellt zum Ausdruck bringen. Es besteht bei ihnen der Wunsch und die Bemühung, was der Einzelne als sein Potential ansieht, möglichst uneingeschränkt zu realisieren. Die Bedeutung einer kooperativen Führung steigt an und die Gestaltung des Arbeitsplatzes wird als ein Ziel innerbetrieblicher Organisationsarbeit aufgewertet.

Die Menschen brauchen einen Handlungsspielraum, wollen eigene Fähigkeiten zeigen und sie an der Gestaltung der Arbeitsbedingungen mitwirken. Die Arbeit soll ihnen nicht nur Spaß machen, sondern auch neue Erfahrungen ermöglichen und das Gefühl der „Beherrschung“ des eigenen Handlungsspielraums vermitteln.

Weil man grundsätzlich gegen Monotonie, einfache und langwierige Arbeit ist, müssen sich die Betriebe etwas einfallen lassen. Sie müssen die Arbeitsaufgaben so gestalten, daß sich eine intrinsische Arbeitsmotivation entfalten kann. Eine zunehmende Rolle spielen solche Programme, wie zum Beispiel job enlargement oder job enrichment.

Mit all diesen Bedürfnissen werden die Betriebe konfrontiert und sie müssen alles dafür tun, um die Motivation der Menschen zu steigern und die Arbeit wieder attraktiv zu machen. Das ist nicht einfach, da die Freizeit sehr an Bedeutung gewonnen hat und die Arbeit, wie schon erwähnt, nur als Mittel zum Zweck verstanden wird.

Es gilt nicht mehr als Schande, keinen festen Job zu haben, aber auch nicht als Dummheit, auf sozialen Aufstieg und Berufskarriere zu verzichten. Das bürgerliche Ideal der Selbstverwirklichung durch Arbeit verliert seine Anziehungskraft. „Tätigkeit“ verspricht mehr Befriedigung: Reisen, Musizieren, Freundschaften pflegen, miteinander reden. In den 50er Jahren wurde Arbeit als Pflicht, für den Wiederaufbau des eigenen Landes gesehen. Die Lebensphilosophie hieß damals „mehr Disziplin und Leistung, mehr Ware und Prestige“. Früher wurde Arbeit als Befriedigung, als sinnvolle Erfüllung einer Aufgabe gesehen. Seit den späten Sechzigern konnte man aber bereits einen Rückgang dieser Einstellung von etwa 10 Prozent erkennen. Damit waren schon die ersten Anzeichen eines Wertewandels zu erkennen. Es kam zur Verlagerung der Askese (streng enthaltsame und entsagende Lebensweise) zum Hedonismus (Natur, Nähe, Geborgenheit, Gefühl und Glück). Hier wäre die Frage, ob die Arbeit als Selbstzweck oder nur als einfaches Mittel zur Erfüllung des Lebensgenusses verstanden wurde, angebracht. In der Tat verlor die Arbeit immer mehr an Wert, im Vergleich zur Freizeit. Intrinsische Arbeitsmotive, (Arbeit als Selbstzweck), rückten zugunsten extrinsischer Arbeitszwecke immer mehr in den Hintergrund. Arbeit wurde somit nur als Mittel zum Zweck gesehen.

Seit den 60er Jahren war ein kontinuierlicher Aufschwung extrinsischer Arbeitsmotive zu beobachten, wobei die Arbeit nur noch als notwendiges„Übel“ betrachtet wurde, um Geld zu verdienen. Diese Entwicklungen lassen nun keinen Zweifel mehr daran zu, dass sich die Haltung in der Bewertung des Begriffes „Leistung“ eindeutig geändert hat. Arbeit wurde zugunsten der Freizeit abgewertet und weniger als Pflicht gegenüber der Gesellschaft gesehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Von den Pflicht- und Akzeptanzwerten zu den Selbstentfaltungswerten
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Wirtschaftsbezogene Kulturgeschichte Deutschlands
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
3
Katalognummer
V4378
ISBN (eBook)
9783638127141
Dateigröße
352 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pflichtwerte, Akzeptanzwerte, Klages
Arbeit zitieren
Petra Sedlackova (Autor:in), 2001, Von den Pflicht- und Akzeptanzwerten zu den Selbstentfaltungswerten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4378

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